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Mebers Illustrierte Handbücher
Jeder Band iſt in Leinwand gebunden, ſoweit nicht anders angegeben:
Die Namen der Verfaſſer ſind in Klammern
angegeben. Die mit bezeichneten Bände fi
eſetzt, die Preiſe in deutſcher Währung
ſind in Großoktav⸗, die mit“ 3 in Lexikon⸗
oktavformat erſchlenen.
Ubbrevtatureulectlon. m. Cappelli.) DE
Ackerban. (Hamms Schmitter.) 3. Aufl.
138 Abb. 1890. 3.—.
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Alaska Schurig.) 5. Aufl. 1908. 3.—.
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Archäologie. (E. 115 1900 2. Aufl. DEE
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Archivwiſſenſchaft ſ. Regiſtratur 15
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Auswanderung. 7. Aufl. (G. h
1 Taf. u. 4 Kart. 1897.
. (W. Migula.) 2. Aufl. 35 zu.
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Run Börſenweſen. 3. Aufl. 9 .
Bantührung. (K. Knöll.) 8 Abb. 1910. 5 —.
Baukonſtruktionslehre. (W. Lange.) 5. 415.
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Bauſchloſſerei. |. Schloſſerei
1 15 (Sacken⸗Zeitler.) 17. Aufl. 168 u
i (W. Lange.) 2. Aufl. 162 as
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. (G. Köhler.) 3. Aufl. 252 m
Bergſteigen. (J. Meurer.) 22 Abb. 1892. 8 —.
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. 51 Abb. 1887. 2.—.
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Bilanz, kaufm. (Stern.) 2. Aufl. 1911. =
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Brandmalerei ſ. Liebhaberkünſte.
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20 Taf. Abb 9.—
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Buchdrucertun a, ( (Aug. Müller.) 9. Auf.
286 Abb. u. 10 farb. Beilagen, 1913. 6.—
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(D. Diels.) 34 Abb. 1907. 50.
9 2. Aufl. (M. Bi.)
chemische Technologie ſ. Technologte.
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chronologie. (A. Drechsler.) 3. Aufl. 1550
— Correspondenee. (F. E. -Bandbach.)
1 commertialo. (J. Forest. 32 a.
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Berlag von J. J. Weber in Leipzig.
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Deſtillation, trockene ſ. Chem. Technologie.
Dichtkunſt |. Poetik.
Differential- u. Integratsehmung. BERN
Ehrig.) 5. Aufl. 39 Abb
Stphtberie 1. Snfettionstrantfelte.
Dogmatik. (G. Runze.) ! .—
Dramaturgie (rbiß 32. Au fl. 1899. 4.—.
Dränierung. (Löbe.) 3. Afl. 92 Abb. ae
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A. Fuchs.) 1900.
Düngemittel, fer Chem. Technologte.
Düngerlehre rikulturchemie.
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Tſcharmann.) I. Band. 224 Abb. 1909.
Il, Band. 307 Abb. 1910. Je 7.50.
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Eisſport ſ. Annen.
Elektrizität ſ. Phyſit.
Elektrochemie. (Löb. 02. Afl. 42 Abb. 1910. 3.—.
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Farbenlehre. (E. Berger.) 2. Aufl. 36 Abb.
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Fechtkunſt ſ. Hieb⸗, Säbel⸗u. Stoßfechtſchule.
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Fefigt eitölehre ſ. Statik.
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Feuerbeſtattung. (Pauly.) 31 Abb. 1904. 2.—.
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Fiſchzucht. (A. Schröder.) 52 Abb. rs
Flachs. (K. Sonntag. = 12 Abb. 1872. 1.50.
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4 Abb. u. Notenbeiſp. 1910.
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Frau, die junge. (W. e ) 2. Aufl. 55
In Geſchenkeinband
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Freimaurerei. (Smitt⸗Kießling.) 3. 15 8
Fremdwörter ſ. Wörterbuch, Deutſches.
Fuß ſ. Hand und Fuß.
Fußball ſ. Lawn⸗Tennts.
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Gartenban ſ. Nutz-, Biere, el
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3. Aufl. 336 Abb. u. Pläne. 12.—.
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Gasmaſchinen ſ. Dampfkeſſel uſw.
Gebärdenſprache ſ. u Slbung, Mimik.
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Geldſchrankbau ſ. Schloſſerei 1.
Gemüldekunde. (Th. v. Frimmel.) 2. en
38 Abb. 1904.
Gemüſebau ſ. Nutzgärtnerei.
Genickſtarre ſ. Infektionskrankheiten.
Generatoren ſ. Verbrennungskraftmaſch.
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Zetzſche.) 4. Aufl. 242 Abb. 1905. 4.—
Geometr. Zeichnen ſ. Proſertionslehte.
Gerberei ſ. Chemiſche Technologie.
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Mit vielen Notenbeiſpielen. 1903. 2.50.
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Berlag von J. J. Weber in Leipzig.
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Handelrecht, deutſches. (R. Fiſcher.) 101.
Handelswiſſenſchaft. (D. Goldberg.) 7. a
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armonielebre ſ. Kompoſitionslehre.
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fetionftcanföelten. (Dippe.) 1896. 2 —.
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Keuchhuſten |. Infektionskrantheiten.
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Abb. II. Teil. 622 Abb. j 4.60.
Knabenhandarbeit. (Götze.) 69 Abb. 1892
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Verlag von J. J. Weber in Leipzig
Illuſtrirte Zeitung (erſcheint ſeit 1843). ©
Aus J. J. Webers
Illuſtrierten Handbüchern:
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Buchbinderei. verbeſſerte Auflage. Mit 105 Abbild. M. 4.—
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Buchdruckerkunſt. neu bearbeitete ade, Mit 286 Abbil⸗
dungen und 10 farbigen Beilagen . M. 6.—
Chemie Von Prof. Dr. H. Hirzel. Achte, vermehrte und ver-
— — beſſerte Auflage. Mit 32 Abbildungen ... M. 5.—
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vatdozent a. d. Univerſität Berlin. 520 Großoktavpſeiten mit 95 Abb.
u. einer farbigen Spektraltafel. In Originalleinendand M. 12.—
. 7 2 2 3 7 Von Prof. Dr. O.
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tav. Mit 34 Abbildungen. In Originalleinenband . M. 7.50
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Chemikalien des Handels. Zweite Auf:
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Verlag von J. J. Weber in Leipzig
Illuſtrirte Zeitung (erſcheint ſeit 1843).
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Klempnerei. Materialien und Arbeitstechniken der Klemp⸗
nerei und dabei zur Verwendung kommende Werkzeuge, Ma⸗
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e und 8 Mit
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tet von Niklas Reiſer. Mit 348 Abbildungen.... M. 6.—
: je Unter Mitwirkung von P. Ker⸗
Chemiſche Technologie. Technologie. ſting, M. Horn, Th. Fiſcher,
A. Junghahn und J. Pinnow herausgegeben von Paul
Kerſting und Max Horn. Erſter Teil. . Ver⸗
bindungen. Mit 79 Abbildungen . 5. —
Zweiter Teil. Organische Verbindungen. Mit 72 Abb. m 5.—
Mechaniſche Technologie. Von Albrecht v. Ihering.
Zweite, völlig ee
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Uhrmacherkunſt Von F. W. Rüffert. Vierte, vollſtändig
neu bearbeitete und vermehrte Auflage. Mit
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vollſtändig umgearbeitete Auflage. Mit 41 Abbildungen. M. 2.—
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Wollwäſcherei und Karboniſation. Die Kunſtwollfabri⸗
kation. Von Dr. A. Ganswindt. Mit 86 Abbildungen. M. 4.—
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Jeder Band iſt in Leinwand gebunden.
Bierbrauerei
Cbe University of Chicago
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_Gerl A Nowak
Digitized by Google
Bierbrauerei
Ein Hilfsbüchlein
für Praktiker und Studierende
Von
M. Krandauer
Profeſſor an der Kgl. Akademie
für Landwirtſchaft und Brauerei
in Weihenſtephan
Zweite, vermehrte und verbeſſerte Auflage
Mit 45 Abbildungen
| Leipzig 19140
Verlag von J. J. Weber, ER Zeitung
1? 577
wel
Alle Rechte — insbeſondere das überſetzungs⸗
und Nachbildungsrecht vom Verlage — vor⸗
behalten.
LIBRARIES
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Gift, ef Garı A. Nowak
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Vorwort zur erſten Auflage.
Dem Anſuchen des Verlages, die Zahl der Illuſtrierten
Handbücher, die auf den verſchiedenen Gebieten des Wiſſens
und der allgemeinen Bildung bereits erſchienen ſind, mit
einem ſolchen über „Bierbrauerei“ zu vermehren, habe ich
gerne entſprochen.
Der Gedanke, der mich bei Verfaſſung des Manuſkriptes
leitete, war, einerſeits dem Braupraktikanten wie dem reinen
Praktiker ein Hilfsmittel an die Hand zu geben, um ſich Auf⸗
ſchluß zu holen, wie und warum die einzelnen Operationen
bei der Bierfabrikation ausgeführt werden ſollen, um nach
jeder Richtung, Rentabilität wie gute Qualität des fertigen
Produktes, ein befriedigendes Reſultat zu erzielen, andererſeits
aber auch dem Brauerei Studierenden das Wichtigſte und
Wiſſenswerteſte der wiſſenſchaftlichen Forſchungen in gedräng⸗
ter Kürze zu bieten, ſo daß er den Vorträgen auf einer Brauer⸗
ſchule leichter zu folgen und das Verſtändnis ſich anzueignen
vermag, ausführlichere Werke über Brauereiwiſſenſchaft und
wiſſenſchaftliche Fachſchriften nutzbringend zu leſen.
Der feſtgeſetzte, etwas engbemeſſene Raum für das vor⸗
liegende Buch dürſte Anlaß, aber auch Entſchuldigung hierfür
ſein, falls das Büchlein ſowohl bei dem Praktiker, der lieber
die theoretiſchen Abhandlungen vermiſſen oder doch noch
weiteres gekürzt ſehen möchte, wie auch bei dem theoretiſch
gebildeten Brauer, der dieſen und jenen Gegenſtand, welche
vI Vorwort.
Einrichtung und Betrieb anlangen, unbeſprochen findet,
manches zu wünſchen übrig läßt.
Allen Brauerei⸗Intereſſenten möge dieſes Handbuch ein
kleiner Ratgeber ſein, bei allen wohlwollende Aufnahme und
Beurteilung finden!
Der Verfaſſer.
Vorwort zur zweiten Auflage.
Die Tendenz, welche den Verfaſſer bei der ſeinerzeitigen
Bearbeitung des „Katechismus der Bierbrauerei“ leitete, iſt
bei der vorliegenden teilweiſen Um⸗ und Neubearbeitung dieſes
Hilfsbüchleins dieſelbe geblieben.
Ganz bedeutende Fortſchritte haben Brauereiwiſſenſchaft
und Technik in den letzteren Jahren gemacht, doch konnte bei
dem engbegrenzten Raum dieſes kleinen Werkes nur das
Wiſſenswerteſte und Erprobteſte kurze Berückſichtigung finden.
Die Temperaturangaben ſind nach dem 100 teiligen Ther⸗
mometer (Celſiusgrade) gewählt. Sind auch noch vielfach in
der Praxis Reaumur⸗Thermometer im Gebrauch und werden ſie
auch nicht ſo bald daraus verſchwinden, ſo hielt es der Verfaſſer
doch für zweckentſprechend, nur Celſiusgrade anzuführen.
Im Anhang iſt eine Tabelle angefügt zur Vergleichung
von Celſius⸗ und Reaumurgraden.
Schließlich ſei Herrn Kollegen Dr. Schnegg für die Um⸗
arbeitung des Kapitels Heſe ſowie Herrn Kollegen Dr. Mayr für
die Unterſtützung bei der Abfaſſung des Manuſkriptes, beſonders
für die Beſorgung der Korrekturen wärmſter Dank geſagt.
Möge dlieſes Hilſsbüchlein wieder freundliche Aufnahme
und wohlwollende Beurteilung finden!
Weihenſtephan, Mai 1913. |
Der Verfaſſer.
Inhaltsverzeichnis.
Erſter Abſchnitt.
Die Braumaterialien.
1. Waſſer
Allgemeines 5
Hartes und weiches Waſſer 8
Waſſer zum Weichprozeß
Waſſer zum Brauprozeß
Waſſer zu Reinigungszwecken
Waſſer zum Speiſen des Dampfkeſſels
Waſſer zu Kühlzwecken, n
2. Gerſte 8
Anatomie
Beurteilung der Gerſte
Bonitierung der Gerſte
Chemiſche . der Gere
Wafler .
Zelluloſe
Stärke
Zucker
Eiweißſtoffe
ne |
S ni Beſtandteile
3. Weizen
4. Malzſurrogate
5. Hopfen
Beurteilung des Hopfens 9
Chemiſche Beſtandteile des Hopfens .
Aufbewahrung und Konſervierung des Hopfens f
VIII Inhalts verzeichnis.
6. Hefe
Hefereinzucht
Natürliche Reinzucht r
Chemiſche Zuſammenſetzung der Hefe
Ernährung und Entwickelung der a r
Enzyme der Hefe .
Anforderungen an eine gute Hefe.
Aufbewahrung der Hefe
Unechte Sproßpilze
Spaltpilze 5 g
Termobakterien, Sareinaorganismen
Schimmelpilze 9 —
Zweiter Abſchnitt.
Die Malzbereitung.
Putzen, Sortieren und Waſchen der Gerſte
Das Weichen der Gerſte
Behandlung der Gerſte in der Beide mit i dada
Luftwaſſerweiche
Heißwaſſerweiche
Die Keimung der Gerſte
Tennenmälzerei .
Mechaniſch⸗pneumatiſche Mäzerei N
Das Schwelken und Darren des omas
Schwelken des Grünmalzes ;
Darren des Grünmalzes
Luftdarren .
Dampfdarren 3
Behandlung des Grilnmalzes auf der Darre
Wendeapparate. . g
Veränderungen des Malzes auf der Darre ;
Entkeimen und Putzen des Malzes
Aufbewahrung des Malzes
169
172
174
Gewichts⸗ und e der Gere bunt
das Mälzen
Farbmalz i
Farbebier, Zuckercouleur
175
179
179
Snhaltsverzeihnis.
Dritter Abſchnitt.
Der Brauprozeß.
Gewinnung der Würze
Brechen des Malzes
Sudhauns
Maiſchbottich und Bormaifgapparat .
Maiſchpfanne
Läuterbottich
Treberaushackmaſchine
Anſchwänzen a e e e Her ce
Abläu tern
Würzepfanne ae
Hopfenſeiher
Maiſchen
Dekoktionsverfahren
Infuſionsverfahren
Vor⸗ und Nachteile des Dekoktionsverſahrens
Vor⸗ und Nachteile des Infuſionsverfahrens
Kontrolle des Maiſchprozeſſes
Warmes Einmaiſchen und gemiſchtes Einmaiſchen ;
Kurzmaiſchverfahren ö
Verfahren von Kubeſſa, Somit, Rutfhmann F
Druckmaiſchverfahren
Abläutern a
Hilfsapparate
Maiſchefilter
Oberteig
Anſchwänzen
Treber 5 5
Kochen der Würze mit Hopfen
Hopfengabe .
Verwendung des ausgebrauten Bopfens .
Kühlen der Würze
Kühlſchiff
Kühlapparate dee
Abſchaffung des Kühlſchiffes
Ermittelung der Extraktausbeute des Malzes
IX
X Inhaltsverzeichnis.
Berechnung der Schüttung
Berechnung der Würzemenge aus der S accharometetanzelge
Verwendung von n zi e
Dampfbrauerei . ; Be
Vierter Abſchnitt.
Die Gärung.
Die Untergärung -
Gärkeller
Gärbottiche
Anſtellen der Würze mit Hefe
Verlauf der Gärung
Normale Gärungserſcheinungen
Anormale F
Blaſengärung
Nachſchieben. ; ’
Mangelhafte Sänfenkibung und unfäne ag
Vergärungsgrad 5
Faſſen des Bieres.
Nachgärung
Lagerkeller
Lagerfäſſer
Pech
Pichen der Fäſſer
Pech verbrauch
Setzen der Lagerfäſſer
Behandlung des Bieres im Lager
Schänk⸗ und Winterbier.
Spunden ;
Spundapparate
Aufkräuſen und Spänen
Lager⸗ und Sommerbier. 8
Abfüllen des Bieres in 1 Bransportäie er.
Druckregler
Filtrierapparate
Paſteuriſieren des Bieres
Obergärung
Süß⸗ und Einfachbier
Berliner Weißbier.
Inhaltsverzeichnis.
Grätzer Bier
Bitterbier
Engliſche Biere.
Selbitgärung -
Belgiſche Biere.
Fünfter Abſchnitt.
Das r Bier.
Beſtandteile des Bieres
Eigenſchaften des Bieres
Fehler und Krankheiten des Biers
Pechgeſchmack 8
Widerlich bitterer Geſchmack. Se
Urſachen für Mangel an 1 und Sten heltte
Trübungen im Bier
Sechſter Abſchnitt.
Die Beſteuerung der Bierfabrikation.
Deutſchla nd .
Norddeutſches raufenergbie
Bayern 5
Württemberg
Baden
Großbritannien und land .
Frankreich ;
Belgien und Niederlande 5
Schweden und . 5
Rußland .
Schweiz
Oſterreich⸗Ungarn 5
Vereinigte Staaten von Nordamerika
Anhang.
Tabelle zur Umwandlung von Celſiusgraden in Reaumurgrade
XI
Seite
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Erſter Abſchnitt.
Braumaterialien.
1. Das Waſſer.
Das Waſſer, welches in der Brauerei zur Anwendung
kommt, ſtammt aus Quellen, Brunnen, Bächen, Flüſſen. Die
in dieſen Waſſern gelöſten Beſtandteile ſind — vom Mineral⸗
waſſer und Meerwaſſer abgeſehen, die ja auch als Brauwaſſer
nicht gebraucht werden können — meiſt dieſelben, doch finden
ſie ſich, bedingt durch die Beſchaffenheit des Bodens, mit dem
das Waſſer in Berührung kommt und kürzere oder längere
Zeit in Berührung bleibt, in ſehr verſchiedenen Mengen.
Kalk, Magneſium und Natron ſind vorwiegend vorhanden;
in geringer Menge Eiſen, Tonerde, Kali und Ammonium.
Dieſe Baſen ſind hauptſächlich gebunden an Kohlenſäure,
Schwefelſäure, Chlor und Kieſelſäure, ſeltener an ſalpetrige
Säure, Salpeterſäure und Phosphorſäure. Kohlenſäure findet
ſich auch im freien Zuſtande im Waſſer und iſt injofern von
Bedeutung, als ſie Kalk⸗ und Magneſiumkarbonate, die in
reinem Waſſer unlöslich find, in Löſung hält. Organiſche Sub⸗
ſtanzen kommen ebenfalls faſt in jedem Waſſer vor. Gerade dieſe
ſpielen bei der Beurteilung eines Waſſers zu Brauzwecken
eine wichtige Rolle. Können die organiſierten organiſchen
Subſtanzen (Mikroorganismen) große Betriebsſtörungen ver⸗
urſachen, fo begünſtigen die nicht organiſierten organiſchen
Subſtanzen die Schimmelbildung bei der Malzbereitung.
Waſſer, das größere Mengen von Salzen der alkaliſchen
Erden (Kalk und Magneſium) enthält, wird hartes Waſſer ge⸗
nannt. Man unterſcheidet Geſamthärte, d. i. die ae welche
Bierbrauerei.
2 Hartes und weiches Waſſer.
ungekochtes Waſſer zeigt, und bleibende oder permanente
Härte, d. i. Härte des längere Zeit gekochten Waſſers. Den
Unterſchied zwiſchen dieſen beiden bezeichnet man mit vor⸗
übergehender, temporärer Härte.
Dieſe letztere entſpricht den urſprünglich im Waſſer ge⸗
löſten doppeltkohlenſauren Salzen von Kalk und Magneſia.
Die Härte eines Waſſers wird in ſog. Härtegraden ausgedrückt.
Es iſt in Deutſchland Brauch, die Einheiten von Kalk in
100 000 Teilen Waſſer Härtegrade zu nennen, in Frankreich die
Einheiten von kohlenſaurem Kalk. Für vorhandene Magneſium⸗
verbindungen kommt hierbei eine äquivalente Menge Kalk
in Rechnung, was ja geſchehen kann, weil die Menge der
Magneſiaverbindungen in den gewöhnlichen Waſſern gegen⸗
über den Kalkverbindungen meiſt bedeutend geringer iſt.
Zeigt ein Waſſer z. B. 20 deutſche Härtegrade, ſo heißt dies:
in 100 000 Teilen Waſſer (in einem Hektoliter) ſind 20 Teile
(20 g) Kalk und Magneſia, dieſe ausgedrückt durch eine äqui⸗
valente Menge Kalk, an Kohlenſäure, Schwefelſäure, Salpeter⸗
ſäure und Chlor gebunden, enthalten.
Weiches Waſſer enthält geringe Mengen von Salzen,
namentlich Kalk⸗ und Magneſiumſalze gelöſt.
Bei Beurteilung eines Waſſers für Brauereizwecke
ſtellt man im allgemeinen die gleichen Anforderungen wie
für Trinkwaſſer. Gewiß iſt, daß ein Waſſer, das als
Trinkwaſſer geeignet befunden wurde, auch als Brauwaſſer
ſehr gut brauchbar ſein wird. Allein auch ein Waſſer, das
als Trinkwaſſer zu beanſtanden iſt, kann in der Brauerei ver⸗
wendet werden und wird ohne den geringſten Nachteil ver⸗
wendet. Für Trinkwaſſer nimmt man z. B. als Grenzzahl
für die Rückſtandsmenge, d. h. für die Menge der in einem
Hektoliter gelöſten feſten Beſtandteile, 50 g an; ein Waſſer,
das die doppelte und dreifache Rückſtandsmenge hat, kann
aber als Brauwaſſer ganz gut noch unter gewiſſen Voraus⸗
ſetzungen benützt werden.
Überhaupt, die in Fachkreiſen noch häufig verbreitete Anſicht,
das Waſſer übe einen bedeutenden, ja vorzüglichen Einfluß
Waſſer zum Weichprozeß. 3
auf den Charakter, auf die Eigenſchaften des Bieres aus, oder
bei Betriebsſtörungen ſei in erſter Linie der Grund hierfür
in dem verwendeten Waſſer zu ſuchen, iſt als eine irrige zu
bezeichnen. Freilich ſoll damit nicht geſagt fein, jedes Waſſer
ſei als Brauwaſſer tauglich, oder es ſei ganz gleichgültig,
welches Waſſer zur Verwendung kommt, oder die Beſchaffen⸗
heit des Waſſers ſei ohne jeglichen Einfluß auf den Verlauf
des Brauprozeſſes; zweifellos iſt es aber, daß die Qualität
eines Waſſers die Bierfabrikation einerſeits erleichtern, anderer⸗
ſeits erſchweren und auf die Eigenſchaften und beſonders auf
den Geſchmack eines Bieres Einfluß nehmen kann.
Wäre es möglich, zu den verſchiedenen Zwecken, zu denen
man Waſſer bedarf, Waſſer von beſtimmten Eigenſchaften,
von beſtimmter Zuſammenſetzung zu benützen, ſo könnte dies
nur vorteilhaft ſein, doch in der Praxis iſt man darauf an⸗
gewieſen, das Waſſer zu verwenden, wie es die Natur eben
zur Verfügung ſtellt. Auf einen Punkt ſoll und muß der
Brauer ein beſonderes Augenmerk verwenden, nämlich darauf,
daß jegliche Verunreinigung ſeines Waſſers durch Tagewaſſer,
durch Abfallwaſſer, ſei es aus dem eigenen Betriebe oder
durch Zuflüſſe von in der Nähe liegenden Fabriken, aus⸗
geſchloſſen iſt. Derartige Verunreinigungen, von denen man
lange Zeit keine Ahnung hat, haben oftmals zu ſehr großen
Betriebsſtörungen Anlaß gegeben und es kann dann häufig
nur mit großen Schwierigkeiten und Geldopfern der Grund 4
der Kalamität behoben werden. f
Im nachſtehenden wird die Verwendung des Waſſers zu
den verſchiedenen Zwecken in der Brauerei und die Anforde⸗
rungen, denen es hierbei entſprechen muß, in Kürze erörtert.
Waſſer zum Weichprozeß. Waſſer von verhältnis⸗
mäßig niedriger (9 ET Gun in den verſchiedenen Jahres⸗
zeiten ſich möglichſt gleichbleibender Temperatur, in welchem
keine oder nur ſehr wenig organiſche Subſtanzen gelöſt und
ſuſpendiert enthalten ſind, dürfte zu dieſem Zwecke das geeignetſte
ſein. Brunnenwaſſer aus einer Tiefe von mindeſtens 10 bis
12 Meter entſprechen am beſten. Waſſer mit größeren Tempe⸗
1*
4 Waſſer zum Weichprozeß.
raturſchwankungen bedingt einen ungleichmäßigen Verlauf des
Weichprozeſſes. Iſt das Waſſer zu kalt, ſo wird dieſer ver⸗
zögert, iſt es zu warm, ſo wird es auf die Keimfähigkeit der
Gerſte ſchädlich einwirken. Größere Mengen organiſcher
Subſtanzen veranlaſſen ein öſteres Wechſeln des Waſſers im
Weichſtocke, ſoll nicht der Geruch und Geſchmack und ſomit
der Wert des fertigen Malzes darunter leiden. Mit dem
oſtmaligen Wechſeln des Waſſers iſt aber ein größerer Ver⸗
luſt an nutzbaren Beſtandteilen des Gerſtenkornes verbunden.
Bezüglich der Mineralbeſtandteile, die in einem Weichwaſſer
enthalten ſind, iſt ohne Belang, ob das Waſſer zu den harten
oder weichen Waſſern zu zählen iſt. Im allgemeinen wird
man hierzu ſolchen Wäſſern den Vorzug geben, die einen
hohen Salzgehalt aufweiſen, während man weiche Wäſſer,
wie neuere Unterſuchungen von Seyffert (Zeitſchr. f. d. geſ.
Brauweſen 1908) beweiſen, nicht gerne hat. Mäßig hartes
Waſſer, und zwar gipshaltiges, zieht man dem weichen aus
dem Grunde vor, weil jenes meiſt weniger organiſche Sub⸗
ſtanzen enthält. S. Felix beſpricht (Bierbrauer, Jahr⸗
gang 1896, Nr. 30) auf Grund eigener Erfahrungen und
eingehender Unterſuchungen den nachteiligen Einfluß ſtark
gipshaltigen Waſſers auf den Mälzungsprozeß. Waſſer mit
einem Abdampfrückſtand von 3,233 g im Liter, welcher der
Hauptmenge nach, und zwar 2,1226 g, aus Gips beſtand,
wurde als Weichwaſſer benützt. Trotz Vermälzung von ſehr
guter Gerſte, trotz entſprechender Vollweiche und ſorgfältigſter
Führung des Keimprozeſſes zeigte ſich ein ſehr ungleiches
Wachstum; eine nicht unbeträchtliche Zahl der Körner keimte
überhaupt nicht oder ſchwach. Das Darrmalz, obwohl die
Darre äußerſt vorſichtig behandelt wurde, ließ viel zu wünſchen
übrig. Die Verzuckerungszeit war eine zu lange, das Ver⸗
hältnis von Zucker zu Nichtzucker ungünſtig, der Bruch der
Maiſche äußerſt feinflocig und lehmig, die Abläuterung voll⸗
zog ſich langſam, die Würze war opaliſierend, die Ausbeute
des Malzes gering. Dieſe Laboratoriumsreſultate wurden
durch die in der Praxis erzielten vollauf beſtätigt und es kam
Waſſer zum Weichprozeß. 5
hier noch dazu, daß kein feiner Bruch im Hopfenkeſſel eintrat.
Beſonders war die Gärung nicht zufriedenſtellend, ſie verlief
träge bei ſchwacher Kräuſenbildung und zeigte beim Rückgang
eine Blaſendecke. Mannigfache Unterſuchungen in einzelnen
Prozeſſen der Malzfabrikation führten zu keiner Aufklärung
der Störung, bis durch Anſtellung von Weich- und Keim⸗
verſuchen bei Verwendung verſchiedener Waſſer der Grund
hierfür in dem hohen Gipsgehalt des betreffenden Waſſers
gefunden wurde. Dagegen Waſſer mit 0,7247 g Ab⸗
dampfrückſtand im Liter und 0,4611 g Gips, das doch zu
den harten Waſſern zu zählen iſt, als Weichwaſſer verwendet,
ließ keine der vorangeführten unliebſamen Erfahrungen
mehr beobachten.
Einen bedeutenden Gehalt an Kochſalz ſoll das Weich⸗
waſſer nicht haben. Größere Mengen von Kochſalz laſſen
auf Verunreinigungen des betreffenden Waſſers ſchließen,
und beſtätigt dies eine nähere Unterſuchung, fo wird das
Waſſer auch Ammoniak, ſalpetrigſaure und ſalpeterſaure Salze
und organiſche Subſtanzen enthalten, ſo daß das Waſſer zu
Mälzereizwecken unbrauchbar zu erklären iſt. Andererſeits
liegen einige Unterſuchungen vor, deren Reſultat iſt, daß ein
höherer Gehalt an Kochſalz die Quellreife und den Beginn
der Keimung verzögern, die Entwickelung der Wurzelkeime.
hemmen, die des Blattkeimes hingegen fördern. Die Aus⸗
ſcheidung eiweißhaltiger Subſtanzen iſt eine geringere; das
Malz aus Gerſte, die in kochſalzreichem Waſſer geweicht wurde,
enthält mehr ſtickſtoffhaltige Körper als im umgekehrten Falle.
Nach Seyffert (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen 1907,
Seite 199) beſtimmt die Zuſammenſetzung des Weichwaſſers
den Grundcharakter des Malzes. Bikarbonate im Weich⸗
waſſer veranlaſſen einen ſüßen Geſchmack, dunklere Farbe und
ein intenſiveres Malzaroma. Gipshaltiges Waſſer begünſtigt
die Erzeugung von Malz für lichte Biere.
Seyffert ſtellt in ſeiner vorher erwähnten Abhandlung
folgende Anforderungen an die Zuſammenſetzung eines Waſſers
zur Erzeugung verſchiedener Biertypen:
6 Waſſer zum Brauprozeß.
1. Pilſener Typus: Sehr weiches Waſſer mit höchſtens
20 g Rückſtand im hl, wenig kohlenſaurem Kalk (8,15 g),
ſehr wenig Gips 4 g.
2. Münchener Typus: Waſſer mit 35 bis 85 g Rückſtand
im hl, hoher Gehalt an Bikarbonaten des Kalziums und
Magneſiums (45,9 g), geringer Gehalt an Gips (5,36 g).
3. Dortmunder Typus: Hartes Waſſer mit einem Rück⸗
ſtand von 80 bis 100 g und darüber, vorherrſchend Gips.
Die biologiſche Beſchaffenheit eines Waſſers zu Weich⸗
zwecken iſt im allgemeinen von untergeordneter Bedeutung,
ba ja an der Gerſte ſelbſt eine große Menge von Organismen
aſtet.
Waſſer zum Brauprozeſſe. Bei einem Waſſer, das
zur Erzeugung und Gewinnung der Würze benützt wird,
kommt deſſen Zuſammenſetzung weniger in Betracht. Das
Waſſer erleidet ja bei dieſem Prozeſſe Veränderungen, in⸗
dem durch das Kochen von Maiſche und Würze Salze
aus dem Waſſer ausgeſchieden, aber auch ſolche aus dem
Malze und dem Hopfen aufgenommen werden. Die im Waſſer
vorhandenen, auf die Gärung eventuell ſtörend wirkenden
Organismen werden durch das Kochen zerſtört. Hartes Waſſer,
deſſen Härte mehr durch Gips als durch Bikarbonate bedingt
wird, eignet ſich beſſer; eine größere Menge von Chloriden,
Natriumchlorid, ſchadet nichts, wenn deren Herkunft nicht
auf grobe Verunreinigungen zurückzuführen iſt. Eiſenſalze
und kohlenſaures Natron ſollen nicht oder nur in ganz ge⸗
ringer Menge vorhanden ſein. Rührt der höhere Härte⸗
grad eines Waſſers hauptſächlich von doppeltkohlenſauren
Salzen her, ſo iſt ein folches Waſſer weichem Waſſer gleich
zu achten, denn beim Maiſchekochen tritt eine Zerlegung dieſer
Verbindungen ein unter Ausſcheidung der neutralen Salze.
Man hat die Erfahrung, daß Waſſer mit viel doppeltkohlen⸗
ſaurem Kalk zur Herſtellung lichter Biere nicht geeignet iſt;
allein durch einfaches Kochen eines derartigen Waſſers und
Abſetzenlaſſens des kohlenſauren Kalkes wird es auch zu
dieſem Zwecke brauchbar gemacht werden können. Gips⸗
Waſſer zum Brauprozeß. 7
haltiges Waſſer gilt als das beſte Brauwaſſer. Würzen mit
gipshaltigem Waſſer bereitet, brechen ſich nach dem Hopfenſud
ſehr ſchön. Die Eiweißkörper ſcheiden ſich in großen Flocken
ab, und die Würze zeigt nach kurzem Stehenlaſſen einen
feurigen Glanz. Dieſe Eiweißkörper werden dann auch beim
Ausſchlagen der Würze im Hopfenſeiher durch den Hopfen
leichter und vollſtändiger zurückgehalten.
Gipshaltiges Waſſer verzögert die Hauptgärung und er⸗
niedrigt den Vergärungsgrad, was auf die Vollmundigkeit
und Haltbarkeit des Bieres von weſentlichem Einfluß iſt. Es
dürfte dies darauf zurückzuführen ſein, daß nach den Verſuchen
von Doemens (Allgemeine Brauer⸗ und Hopfenzeitung 1907,
Seite 612) die Extraktausbeute des Malzes eine größere,
die Zuckermenge im Extrakt aber eine geringere wird. (Pank⸗
rat, Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen 1906, Seite 680).
Soweit nun ferner die raſchere Klärung der Biere im
Lagerfaſſe und deren größere Haltbarkeit mit der voll⸗
ſtändigeren Entfernung der leicht koagulierbaren Eiweißſtoffe
zuſammenhängt, iſt dies der günſtigen Wirkung des Gipſes
zuzuſchreiben. Man hat ſchon öfters, und zwar mit gutem
Erfolge, einem Waſſer, das zu wenig Gips enthielt, künſtlich
Gips verſchafft durch Zuſatz von gepulvertem Gipsſtein. Ge⸗
brannter Gips iſt nicht zu verwenden. Man bezeichnet dieſes
Gipſen des Waſſers mit burtoniſieren. Es iſt jedoch keines⸗
wegs zu empfehlen, durch das ſog. Burtoniſieren den Gips⸗
gehalt des Waſſers weſentlich zu erhöhen, da ſonſt Störungen,
zumal in der Mälzerei (ſiehe Seite 4) eintreten würden. Nur
bei Verwendung von ſehr weichen Wäſſern iſt ein Vorteil
durch Gipszuſatz zu erwarten. Das Brunnenwaſſer von
Burton enthält nämlich eine beträchtliche Menge Gips. Das
Burton⸗Bier (Pale Ale) gilt als das beſte und haltbarſte
engliſche Bier, und man iſt der Überzeugung, daß der Grund
hiervon in dem hohen Gipsgehalt des Waſſers liegt. Ein
größerer Gehalt an Chloriden, zumal Kochſalz, ſchadet, wie
ſchon bemerkt, im Brauwaſſer nichts; man will ſelbſt gefunden
haben, daß Kochſalz günſtig auf die Klärung und auf den
8 Waſſer zum Brauprozeß.
Geſchmack des Bieres wirkt; allein immerhin iſt es angezeigt.
durch eingehende chemiſche und biologiſche Unterſuchung feſtzu⸗
ſtellen, daß grobe Verunreinigungen des Waſſers durch Abflüſſe
von Aborten, Stallungen, Düngergruben ausgeſchloſſen ſind;
wäre dies der Fall, ſo könnte ein ſolches Waſſer überhaupt nicht
verwendet werden. Eiſenverbin dungen ſollen nicht vorkommen.
Man wird jedoch ſelten ein Waſſer finden, das vollſtändig frei
von Eiſen iſt. In den allermeiſten Fällen iſt das Eiſen als doppelt⸗
kohlenſaures Eiſenoxydul vorhanden. Wird das Waſſer erwärmt
oder ſorgt man dafür, daß es mit Luft in Berührung kommt,
ſo ſcheidet ſich Eiſenhydroxyd als brauner Schlamm ab, der
durch Filtration entfernt wird. Schlimmer iſt es, wenn das
Eifen als ſchwefelſaures Eiſenoxydul in einem Waſſer ent⸗
halten iſt, weil ſeine ſo einfache Entfernung nicht möglich
iſt. Derartig eiſenhaltige Waſſer können zu verſchiedenen
Betriebsſtörungen Anlaß geben. Farbe und Geſchmack der
Würze werden nachteilig beeinflußt, der Verlauf der Gärung
iſt ein unregelmäßiger; häufiges Zeugwechſeln iſt dadurch be⸗
dingt. Kohlenſaures Natron in einem Brauwaſſer wird ſich
überhaupt ſelten finden. Die ſchädliche Wirkung dieſes Salzes
beſteht darin, daß außer dem Zufärben der Verzuckerungs⸗
prozeß weſentlich verzögert wird und mithin der Fall ein⸗
treten könnte, daß kleiſtertrübe Würzen und Biere reſultieren,
die Extraktausbeute nach Monfang geringer ausfällt. Die
ſchädliche Wirkung dieſes Salzes läßt ſich jedoch durch ent⸗
ſprechenden Zuſatz von Chlorkalzium verbeſſern. In einer
Abhandlung der Zeitſchr. f. d. ge). Brauweſen 1908 werden die
ähnlichen Reſultate, wie ſie Seyffert beim Weichwaſſer macht,
angegeben, doch dahin aufmerkſam gemacht, daß nicht dem
Weichwaſſer, ſondern dem Brauwaſſer weitaus der größte
Einfluß auf den Charakter und den Geſchmack des Bieres zu⸗
zuſchreiben ſei. Eine Verbeſſerung des Brauwaſſers werde
mehr in Erſcheinung treten, als dies bei einer ſolchen des
Weichwaſſers der Fall ſein dürfte.
Waſſer mit größeren Mengen von Bikarbonaten, die ſomit
zur Erzeugung von hellen Bieren nicht geeignet ſind, laſſen ſich,
Waſſer zu Reinigungszweden. 9
wie oben ſchon bemerkt, durch Kochen und Abfetzenlaſſen der
Ausſcheidung verbeſſern. Jalowetz (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen
1911) empfiehlt das Entkarboniſieren ſolchen Waſſers in der
Weiſe: Gründliches Durchwirbeln des Waſſers und Erhitzen auf
hohe Temperatur, Überhitzen unter Benützung von Überdruck.
Waſſer zu. Reinigungszwecken, zum Abwäſſern
des Zeuges, zum Nachfüllen der Fäſſer muß rein ſein;
organiſche Subſtanzen, Mikroorganismen dürfen ſich nur
in ſehr geringen Mengen nachweiſen laſſen. Bei Verwen⸗
dung eines Waſſers zu genannten Zwecken iſt deſſen Ver⸗
mengung mit der Würze oder dem Biere die notwen⸗
dige Folge. Wird unreines Waſſer benützt, Waſſer, das Or⸗
ganismen enthält, die die Würze oder das Bier ſchädlich
beeinfluſſen können, jo wird ſich diefe üble Wirkung im
Verlaufe der Gärung oder im Geſchmacke, Glanze und der
Haltbarkeit des Bieres zeigen. Eine chemiſche Unterſuchung
des betreffenden Waſſers würde für deſſen Brauchbarkeit in
dieſer Richtung keinen genügenden Aufſchluß geben, ſondern
es iſt auch die biologiſche Prüfung, wofür Hanſen die Grund⸗
lage angegeben, notwendig. Es handelt ſich bei dieſer Prüfung
darum, den Nachweis zu liefern, ob in dem zu unterſuchenden
Waſſer Mikroorganismen enthalten ſind, die in ſteriliſierte
Würze und ſteriliſiertes Bier gebracht, ſchädliche Veränderungen
hervorbringen können. Schwackhöfer hat eine größere An⸗
zahl chemiſcher und biologiſcher Waſſerunterſuchungen, wie
ſolche an der Verſuchsſtation für Mälzerei und Brauerei in
Wien ausgeführt wurden, veröffentlicht. Aus den Reſultaten
dieſer Unterſuchungen läßt ſich erſehen, daß ein Waſſer, das
in chemiſcher Hinſicht als unbrauchbar zu erklären iſt, dies
auch in biologiſcher iſt. Es kommt aber andererſeits vor, daß
ein Waſſer, das auf Grund der chemiſchen Analyſe als
ganz gutes Brauwaſſer zu bezeichnen iſt, auf Grund der bio⸗
logiſchen Prüfung beanſtandet werden muß. Schwackhöfer
fügt dabei an, daß alle Waſſer, die in chemiſcher Beziehung
als tauglich zu betrachten ſind, biologiſch aber ſchlecht ſind,
durch einfache Filtration brauchbar gemacht werden können.
10 Waſſer zum Speifen des Dampfteſſels.
Das Filtermaterial muß freilich ſo beſchaffen ſein, daß dieſe
fein ſuſpendierten Beſtandteile zurückgehalten werden.
Waſſer zum Abwäſſern der Hefe muß rein ſein und
darf keine Mikroorganismen enthalten, die in der Würze ſich
fortpflanzen können; hartes Waſſer iſt deshalb vorzuziehen,
weil der Kalk ein wichtiger Nährſtoff für Hefe iſt und weil
auch dadurch ein geringerer Verluſt an Eiweißſtoffen und
Phosphaten der Hefe bedingt iſt.
Auch zum Vollhalten der Lagerfäſſer bei der Nachgärung
kann nur Waſſer benützt werden, das rein, farblos, geruch⸗
los und frei von Organismen iſt, die im Bier entwickelungs⸗
fähig wären.
Waſſer zum Speiſen des Dampfkeſſels. Auch an
das Speiſewaſſer ſtellt man beſtimmte Anforderungen, weil
ja die Menge und die Beſchaffenheit des Keſſelſteines von
der Menge und der Art der in einem Waſſer vorhandenen
Mineralbeſtandteile abhängig iſt. Waſſer zu dieſem Zwecke
ſoll eine geringe Härte, unter ſechs deutſchen Härtegraden, be⸗
ſitzen und völlig klar ſein. Der Härtegrad eines Waſſers iſt
zunächſt, wie ſchon bemerkt, bedingt durch die Kalzium⸗ und
Magneſiumſalze. Wohl jedes natürliche Waſſer enthält aber
Kalzium und Magneſium zum Teil als Bikarbonate, zum
Teil als Sulfate, Chloride uſw. Wird ſolches Waſſer im Keſſel
erhitzt, ſo entweicht zunächſt ſo viel Kohlenſäure als die an
und für ſich unlöslichen Karbonate zu ihrer Löſung gebraucht
haben; dieſe fallen daher als Niederſchlag aus und ſetzen
ſich an den Keſſelwandungen, namentlich an den heißeſten
Stellen, kriſtalliniſch ab. In dem Maße wie nun Waſſer
verdunſtet, wird auch dem ſchwer löslichen Gips ſein Löſungs⸗
mittel entzogen, und dieſer ſcheidet ſich ebenfalls aus, fo daß
weitaus die meiſten Keſſelſteine aus den Karbonaten von
Kalzium und Magneſium (in der Hauptmaſſe) ſowie aus
Gips beſtehen. In neuerer Zeit wurde von Reichard auch
auf die Anweſenheit von Kieſelſäure in Keſſelſteinen aus kieſel⸗
ſäurehaltigen Waſſern aufmerkſam gemacht. Mit jeder neuen
Speiſung werden auch dieſe kriſtalliniſchen Ausſcheidungen
Waſſer zum Spelſen des Dampfteſſels. 11
vermehrt und ſchließlich findet man an der Innenſeite der
Keſſelbleche einen oder mehrere Zentimeter dicke, harte Kruſten
von Keſſelſtein. Dieſer ſtellt nun einen ſchlechten Wärmeleiter
dar, der zwiſchen Keſſelwand und Waſſerfüllung eingeſchaltet
iſt und der die Weiterleitung der Wärme ganz bedeutend
hintanzuhalten vermag. Infolgedeſſen wird das Keſſelblech
an folchen Stellen über Gebühr erhitzt, das Eiſen blättert ſich
ab, und der Keſſel kann undicht werden. Berſtet nun gar der
Keſſelſtein über einer ſolchen heißen Stelle, ſo dringt das
Waſſer an die heiße Keſſelwand, es erfolgt eine über⸗
mäßige Dampfbildung, dem erhöhten Druck hält der hier
dünne Keſſel nicht mehr ſtand, und eine gewaltige Exploſion
iſt die unausbleibliche Folge.
Es iſt nun ein Glück, daß uns die Wiſſenſchaft die Mittel
an die Hand gibt, durch Reinigung des Waſſers die Keſſel⸗
ſteinbildung und deren nachteilige Folgen zu verhüten. Dieſe
Mittel ſind Soda, für ſich oder in Verbindung mit Kalk⸗
waſſer oder Natronlauge. Dieſe Subſtanzen bezwecken die
Ausfällung der den Keſſelſtein bildenden Salze, die man
entweder im Keſſel ſelbſt oder in der Weiſe vornehmen kann,
daß man das Waſſer zuerſt reinigt und dann erſt zum
Keſſelſpeiſen verwendet. N
Im erſten Falle ſpricht man von Keſſelreinigern, im
zweiten von Waſſerreinigern.
Keſſelreiniger. Als Zuſatz wird nur Soda, in neuerer
Zeit wohl auch chromſaures Kali gegeben. Die Größe des
Sodazufatzes ergibt eine chemiſche Analyſe des Waſſers oder
ſie wird auf andere Weiſe, auf die jedoch hier nicht näher
eingegangen werden kann, beſtimmt. Die Karbonate würden
ſich zwar von ſelbſt ausſcheiden, ohne daß man für ſie
den Soda brauchte, indeſſen ſcheint die Ausſcheidung
bei Gegenwart von Soda in mehr ſchlammiger Form,
die nicht zu Keſſelſtein führt, vor ſich zu gehen. Jeden⸗
falls aber hat man feſtzuhalten, daß die hierfür not⸗
wendige Menge m, für ein Kubikmeter Waſſer wieder
regeneriert wird;
12 | Keſſel⸗ und Wafferreiniger.
Ca H (C O;) + Na CO = CaCO, 4 Na CO;
doppeltkohlenſ. Kalk Soda neutr. kohlenſ. Kalk
Eu Co, Ar H: O;
Kohlenſäure Waſſer
man braucht fie alſo nur bei jeder Neufüllung zuzuſetzen.
Die für die übrigen Kalk⸗ und Magneſiumſalze nötige Soda⸗
menge m, für ein Kubikmeter muß aber täglich, in dem Maße
suunnn
DT =
— ͤ — —
Abb. 1. Waſſerreiniger.
Abb. 2. Keſſelreiniger.
Syſtem Dervaux.
als neues Speiſewaſſer in den Keſſel kommt, zugegeben werden.
Man muß alſo für ein Kubikmeter Waſſer bei jeder Neufüllung
zuſetzen: mi 4 m, Soda, ſonſt immer nur für jedes Kubik⸗
meter verdampftes bzw. nachgefülltes Waſſer m, Soda.
Der gebildete Schlamm wird dann täglich abgelaſſen.
Waſſerreiniger. Hier wird, wie bemerkt, der Keſſel
mit bereits gereinigtem Waſſer geſpeiſt. Wir brauchen alſo
eine Reinigungsanlage, wo durch Zuſätze von Soda und Kalk⸗
waſſer (Dervaux) oder Soda und Lauge (Dehne) die Keſſel⸗
ſtein bildenden Salze ausgefällt werden und das weiche, fil⸗
trierte Waſſer verwendet wird. Um die Ausſällung möglichſt
vollſtändig zu geſtalten, hat ſich das gleichzeitige Erwärmen
des Waſſers (Ab dampf oder direkter Dampf) auf 69 bis 809 C
als notwendig herausgeſtellt.
Keſſel⸗ und Waſſerreiniger. 13
Der Waſſerreiniger von Dervaux (Abb. 1) beſteht hauptſäch⸗
lich aus drei Teilen, dem Kalkſättiger, dem Klärbehälter mit
Stromleitung und dem Verteilungsapparat und eignet ſich be⸗
ſonders zur Reinigung ſolchen Waſſers, das auf Zuſatz von Kalk
und Soda leicht Schlamm bildet, der ſich gut abſetzt und durch
die Schlammabflußöffnung bequem entfernt werden kann.
Der Keſſelreiniger von Dervaux (Abb. 2) beſteht aus
einem auf den Keſſel oder auf eine Wandkonſole aufgeſtellten
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Abb. 3. Waſſerreinigungsanlagen. Syſtem Dehne.
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Schlammfänger, der zu einem Klärbehälter mit Stromleitung
ausgebildet und durch die Zirkulationsrohre mit dem Keſſel⸗
innern verbunden fit. Die Einfachheit der Aufftellung, die
Verhütung der Keſſelſteinbildung und die ſelbſttätige Ent⸗
fernung des Schlammes aus dem Keſſel laſſen dieſen Keſſel⸗
reiniger ſehr vorteilhaft erſcheinen.
Waſſerreiniger von Dehne (Abb. 3). Das Waſſer paſſiert
zunächſt den Vorwärmer, in dem es auf die entſprechende
Temperatur (69 bis 80° C) gebracht wird. Aus dem Vor⸗
wärmer gelangt das warme Waſſer in den Füllapparat.
Hier findet die Miſchung des Waſſers mit der Lauge ſtatt
und gleichzeitig die Ausſcheidung des Schlammes. Die Filter⸗
preſſe, die nachher das Waſſer durchſtreicht, hält den Schlamm
zurück, der ſich innerhalb eines Tages als feſter Kuchen
14 Keſſel⸗ und Wafferreiniger.
anhäuft, und nach Auseinanderſchiebung der einzelnen Filter
entweder ſelbſt abfällt oder mit einem Spatel abgeſtrüpft
wird. Das gereinigte klare Waſſer wird mittels einer Pumpe
in den Dampfkeſſel oder in ein Reſervoir gepumpt.
Große Verbreitung hat das Verfahren von Berenger
und Stingl gefunden, das nicht nur zum Weichmachen von
Speiſewaſſer, ſondern auch zum Reinigen von zu techniſchen
Zwecken dienendem Waſſer, in mancher Brauerei auch zur
Reinigung der Abwaſſer benützt wird. Als Reinungsmittel
werden Atzkalk, Atznatron und Soda gebraucht. Durch eine
chemiſche Unterſuchung werden die im Waſſer vorhandenen
Subſtanzen der Menge nach ermittelt und danach die Menge
der zu verwendenden Reagentien berechnet. Das mit dieſen
Reinigungsmitteln behandelte, weich gemachte Waſſer wird
entweder in Klärbehältern der Selbſtklärung überlaſſen, oder
es finden einfache Filtervorrichtungen Anwendung. Die Um⸗
ſetzung geben nachſtehende Gleichungen wieder:
CaH,(C0,), + CaO = 2 ca CO + H,O
doppeltkohlenſ. Kalt Atzkalt neutr. kohlenſ. Kalk Waſſer
Ca Hz (C O;) 2 + 2 Na OH = CaCO — N + 2H,0
Atznatrium
Ca SO. + Na CO = Ca CO; iS Nase,
Gips ſchwefelſ. Natrium
MgSO, + 2 Na OH = Mg (OH) + NazS0.
ſchwefelſ. Magneſium Magneſiahydrat
Es iſt zwar nicht möglich, durch dieſes Verfahren die Kal⸗
zium⸗ und Magneſiumſalze vollſtändig aus einem Waſſer zu
entfernen, etwas kohlenſaurer Kalk und Magneſiahydrat gehen
in Löſung; doch iſt ſicher, daß der Härtegrad eines Waſſers
auf dieſe Weiſe auf 2 bis 3 Grad erniedrigt wird. Solch ge-
reinigtes Waſſer, als Keſſelſpeiſewaſſer benützt, wird erſt nach
Wochen eine ſchwache, dünn und leicht zu entfernende Schicht
von Keſſelſtein bilden.
In neuerer Zeit wird das Verfahren von A. Nieske,
Dresden, vielfach empfohlen. Dieſes beſteht in der Ausfällung
Waſſer zu Kühlzwecken, Eisbereitung. 15
des kohlenſauren und ſchwefelſauren Kalkes mit ſaurem chrom⸗
ſauren Natrium. Als beſondere Vorteile genannten Verfahrens,
die durch nähere Verſuche auch beſtätigt ſein ſollen, werden
angeführt, daß der Kalk, der in einem Speiſewaſſer als kohlen⸗
ſaurer oder ſchwefelſaurer Kalk enthalten iſt, als dünner, leichter
Schlamm ſich abſcheidet und leicht entfernt werden kann, die
Keſſelwände dabei vollommen blank bleiben, nicht im gering⸗
ſten angegriffen werden.
Ca H (C O;): + Na Cra O, = Ca Cr O.
doppeltkohlenſ. Kalt faur. chromſ. Natrium chromſ. Kalk
+ Na, Cr O. L 2 C0, + H,0
neutr. chromſ. kohlenſ. Waſſer
Natrium
Ca S0. + Na Cr O, = Ca Cr O. + Na S O. + Cr O;
ſchwefelſ. Kalk Natriumbichrom. ſchwefelſ. Natrium Chrom⸗
ſäureanhyd
Die freie Chromſäure ſowie ein Überſchuß von chrom⸗
ſauren Salzen ſollen keinen ſchädlichen Einfluß auf Metall⸗
teile uſw. haben.
Es werden noch eine Reihe anderer Mittel und Apparate
zur Verhütung von Keſſelſtein angeprieſen und empfohlen,
auf deren Beſprechung hier jedoch nicht eingegangen werden
kann. Erwähnt ſei nur das Enthärten des Waſſers durch
Permutit, ein durch Zuſammenſchmelzen von Tonerdeſilikaten
mit Soda künſtlich hergeſtelltes Silikat, das die Eigenſchaft
beſitzt, ein Waſſer vollſtändig zu enthärten. Jegliches Geheim⸗
mittel gegen Keſſelſteinbildung möge zurückgewieſen werden.
Waſſer zu Kühlzwecken, Eisbereitung. In dieſer
Beziehung ſind die Anforderungen an ein Waſſer keine ſtrengen.
Es kommt ja auch hier das Waſſer mit der Würze oder dem
Biere nicht in direkte Berührung, ſondern dient nur als Kühl⸗
mittel. Klarheit und möglichſt niedrige Temperatur ſind die
einzigen zwei Punkte, die Beachtung verdienen.
Reinigung der Brauereiabwaſſer (ſ. auch Brand,
Zeitſchr. f. d. gef. Brauweſen 1895). Die Menge der Abwaſſer
einer Brauerei iſt eine beträchtliche. Dieſe Abwaſſer ſind reich
16 Reinigung der Brauerelabwaſſer.
an leicht zerſetzbaren organiſchen Subſtanzen, dle raſch faulige
Gärung herbeiführen können. Iſt einerſeits eine raſche Ent⸗
fernung dieſer Waſſer im Intereſſe der Brauerei ſelbſt, wegen
der Infektionsgefahr, geboten, ſo iſt dies andererſeits auch
aus ſanitären Gründen erforderlich.
Die einfachſte, bequemſte und billigſte Art der Entfernung
der Abwaſſer iſt deren Einleitung in einen raſchfließenden
Bach oder Fluß. Doch iſt dies nicht immer möglich, und
außerdem kommt es heutzutage häufig vor, daß von ſeiten der
Polizeibehörde auch in Fällen, wo dieſe Möglichkeit gegeben
iſt, verlangt wird, daß die Abwaſſer einer vorherigen Reini⸗
gung und Desinſektion unterworfen werden. Eine große An⸗
zahl von Methoden zur Reinigung der Brauereiabwaſſer ſind
in Vorſchlag gebracht worden, die mit mehr oder weniger
Erfolg Anwendung gefunden haben. Erwähnung können hier
nur einige finden.
Berieſelung. Es iſt nicht daran zu zweifeln, daß dieſes
das zweckmäßigſte Reinigungsſyſtem iſt, vorausgeſetzt, daß die
notwendige Bodenfläche hierfür vorhanden iſt und die Boden⸗
beſchaffenheit es geſtattet. Die im Waſſer gelöſten Stoffe
würden dann auch als Nährſtoffe für die Pflanzen dienen. Einer
Verſumpfung des Bodens wird dadurch vorgebeugt, daß das
durchſickernde Waſſer durch Drainageanlagen abgeführt wird.
Ingenieur W. Wodiczka hat in der Brauerei in Wiener⸗
Neudorf eine Berieſelungsanlage eingerichtet, die nicht nur
die Verpeſtung des Waſſers des Abführungsbaches behob,
ſondern auch einen beträchtlichen Mehrertrag der berieſelten
Felder herbeiführte.
Klärbehälter. Das Waſſer wird in offenen Rinnen von
der Brauerei abgeſührt. Durch Reibung und Luft wird ein
Teil der ſuſpendierten Beſtandteile zum Abſetzen gebracht.
Nun ſind einige Klärbehälter angebracht, welche die Abwaſſer
langſam durchfließen, um ſchließlich in einen in der Nähe
befindlichen Bach oder Fluß zu gelangen. In dieſen Behältern
ſetzt ſich der Schlamm ab, und es iſt darauf zu achten, daß
beim Einlauf des Waſſers in dieſe die Schlammaſſe nicht
Reinigung der Brauerelabwafier. 17
aufgerührt wird. Meiſtens gibt man in die Klärbehälter
chemiſche Präparate, hauptſächlich Kalk, um ein raſcheres,
beſſeres Klären des Waſſers zu erzielen. Der abgeſetzte
Schlamm wird als Dünger verwendet.
Belohubek gibt eine Methode an, die darin beſteht: Die
in einem Sammelbehälter längere Zeit der Ruhe überlaſſenen
Abwaſſer werden in einem zweiten Behälter mit Magneſium⸗
ſulfat und Kalk gefällt. Nach dem Abſetzen des Niederſchlages
wird das Waſſer mittels eines Koks⸗ oder Kieſelfilters filtriert.
Hernach wird das klare Waſſer zum Zwecke der Oxydation
der organiſchen Subſtanz auf ein hochgelegenes Reſervoir
gepumpt und entweder durch ein Syſtem von verzinnten Eiſen⸗
drahtnetzen oder über ein Gradierwerk geleitet. Das unten
in einem Behälter geſammelte Waſſer verläßt nach Paſſieren
einer Koksfiltervorrichtung ganz klar die Anlage.
Verfahren von Zajicek. Das Abwaſſer wird in einen
Klärbehälter geleitet und durchfließt eine Reihe ſiebartiger,
immer enger werdender Geflechte. Aus dem Behälter gelangt
es zuerſt auf eine etwa 25 Liter faſſende Schüſſel, die,
ſobald ſie voll iſt, umkippt und ſich entleert. Dieſes Kippen
bewirkt einen ſelbſttätigen Zuſatz des Fällungsmittels, das
in pulveriſiertem Zuſtande in einem gewiſſen Quantum zu⸗
gegeben wird. Nach eingetretener Klärung erfolgt das Ab⸗
ſaugen durch eine ſelbſttätige Hebervorrichtung. Das Waſſer
geht nun durch eine Filteranlage, die eingeſetzte, mit Filter⸗
material, wie Torf, Kies uſw. gefüllte Körbe aus Drahtgeflecht
enthält. Dieſe Filtration bezweckt Oxydation der gelöſten
Beſtandteile, Bindung der Fäulnisprodukte und die noch etwa
erforderliche und endgültige Klärung des Waſſers. Die Her⸗
ſtellungs⸗ und Betriebskoſten einer derartigen Anlage ſollen
durch den Wert des aus der Schlammgrube gewonnenen
Düngers aufgewogen werden.
Chemiſche Reinigung. Von den vielen organiſchen
und anorganiſchen Präparaten, die zur Reinigung der
Brauereiabwaſſer empſohlen ſind, ſei nur der Kalk erwähnt,
der entweder für ſich allein oder in Beimengungen von
Bierbrauerei. 2
18 Gerſte.
Eiſen⸗ und Tonerdeſalzen als Fällungsmittel Verwendung
findet. Gegen die Benutzung von Kalk ſind verſchiedene
Stimmen laut geworden. Schwackhöfer fand die Wirkung
des Kalkes nicht durchgreifend genug. Degener weiſt darauf
hin, daß mit Kalk gereinigte Waſſer, die ſtark allaliſch
reagieren, der Fiſchbrut ſehr gefährlich ſind. Er ſchlägt
Magneſiahydrat vor im status nascens. Magneſiumſalze
werden im Waſſer ſuſpendiert und durch ſtärkere Baſen
zerſetzt, ſo daß Magneſiahydrat entſteht.
2. Gerſte.
Zur Malzbereitung bzw. Bierfabrikation werden von den
verſchiedenen Getreidarten nur Gerſte und Weizen verwendet,
und von dieſen beiden wiederum zur Erzeugung von unter⸗
gärigem ſog. Braunbier faſt ausſchließlich Gerſte.
Die Gerſte iſt eine Schalfrucht, mit der im reifen Zuſtand
die beiden Spelzen verwachſen ſind.
Unter den Spelzen folgen Frucht⸗ und Samenſchale und
darauf Reſte des Samenknoſpenkernes und Embryoſackes, die
ihrerſeits den Kern, den eigentlichen Samen, aus Keim (Embryo)
und Mehlkörper (Endoſperm) beſtehend, umſchließen.
Der Keimling beſteht aus Anlagen von Halm, Blättern und
Wurzeln, dem Schildchen und der Wurzelhülle. (Abb. 4 — 6)
Von den verſchiedenen Gerſtenſorten kommt hauptſächlich
die zweizeilige Gerſte, Hordeum distichum (nutans und
erectum) in Betracht (Abb. 7). Vier⸗ und ſechszeilige Gerſte
finden nur ausnahmsweise Verwendung (Abb. 8 und 9).
Die am meiſten geſchätzten Brauergerſten ſind die Chevalier⸗
gerſte, die Saal⸗, Franken⸗, Schwabengerſte (Rieſer), die
niederbayriſche, mähriſche, böhmiſche und ungariſche Gerſte.
Beſtimmung der Gerſtenſorten nach A. Atterberg. Bei
den ſechszeiligen Gerſten hat das mittlere Korn gerade,
gleichſeitige Form. Die beiden Seitenkörner ſind aber etwas
gebogen und ſtark um ihre Achſe gedreht, das eine Korn nach
rechts (rechte Körner), das andere nach links (linke Körner).
Anatomte der Gerſte. 19
Durch das Vorkommen dieſer gedrehten Körner läßt ſich die
Gegenwart ſechszeiliger Gerſte leicht erkennen. Die Mittel⸗
körner der ſechszeiligen Gerſten ſind von den Körnern der
zweizeiligen in der Form nicht ſo ſcharf getrennt. Hat man
aber an einer Gerſte die Seitenkörner der ſechszeiligen Gerſte
aufgefunden, ſo laſſen ſich auch die Mittelkörner nachweiſen.
Dieſe haben gewöhnlich mehr gerade Seiten und nehmen
oft eine etwas keilförmige Geſtalt an. Die erhöhten Längs⸗
nerven ſind meiſt ſchärfer ausgeprägt als bei der zweizeiligen
Gerſte. Die Kräuſelung der Spelzen iſt deutlich verſchieden
von der Kräuſelung der Körner der zweizeiligen Gerſte.
Neergard hat gezeigt, daß von den Längsnerven der
Außenſpelzen das erſte Seitenpaar an der Spitze meiſt mit
einigen kleinen, nur mit der Lupe ſichtbaren Zähnen verſehen
iſt, was bei der zweizeiligen Gerſte ſehr ſelten vorkommt.
Die zweizeiligen Gerſten kann man nach der Form der Körner⸗
baſis in zwei Abteilungen trennen. Bei der einen hat die
Körnerbaſis eine tiefe Querfurche und der Körnerrand bildet
außerhalb dieſer Furche einen etwas erhöhten Wulſt. Bei der
anderen Abteilung fehlt die Querfurche, und die Körnerbaſis
zeigt nur eine kleine Abſtutzfläche. Dieſer Unterſchied iſt ganz
ſcharf und leicht zu erkennen. Für die erſte Abteilung iſt die
der botaniſchen Art Hordeum distichum erectum ange⸗
hörige Imperialgerſte der Haupttypus. Die andere Form
der Körnerbaſis beſitzen die der Art Hordeum distichum
nutans zugehörigen Gerſtenformen.
Ferner läßt ſich Hordeum distichum nutans in zwei
Gruppen einteilen, in die Gruppe der Chevaliergerſten und
in die der Landgerſten, die ſich durch die in der tiefen
Längsfurche des Kornes befindlichen Baſalborſten unterſcheiden.
Dieſe Baſalborſte iſt bei den Landgerſten mit langen Haaren
verſehen. Bei den Chevaliergerſten ſind dagegen die Haare
kurz und mit dem unbewaffneten Auge kaum bemerkbar. Die
Haare geben der Borſte ein etwas zottiges Ausſehen. Die
Baſalborſte geht beim Dreſchen leicht verloren. Um auch in
dieſem Falle die Landgerſte von Chevaliergerſte unterſcheiden
28
20 Anatomie der Gerſte.
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Abb. 4. Längsſchuitt durch ein Gerſtenkorn.
(Die Abbildungen 4 bis 6 find mehr oder weniger fchematifiert.)
a Spelz, der aus vier Schlichten beſteht, die nicht weiter bezeichnet find, b Frucht⸗,
e Samenhaut, c' Fortſatz der Samenhaut an der hintern Fläche des Endoſperms,
c“ Faſerſtränge, die von der Samenhaut abzweigen, um dieſe Scheidewand c'
Anatomie der Gerſte. 21
7
IT 5
Abb. 5. Querſchnitt eines Gerſtenkornes.
Abb. 6. Querſchnitt durch den Mehlkörper.
zu bilden, d Schichte der Kleberzellen, e ſtärkeführende Endoſpermzellen, g Faſer⸗
lamelle und i Zylinderepithel des Keimlings, r Baſalborſte, 8 Griffelpolſter,
C Keimling, E Endoſperm, P Plumula des Keimlings, F erſte und F’ zweite
Wurzel des Keimlings, jede mit Wurzelhaube.
zu können, nimmt man die an der Körnerbaſis unter den
Spelzen verborgenen Schüppchen zur Hilfe, die bei den Land⸗
gerſten etwas länger behaart ſind als bei den Chevaliergerſten.
Bei den ſechszeiligen Gerſten iſt ganz dieſelbe Einteilung
zu machen, die für die zweizeiligen Gerſten angeführt wurde.
22 Beurteilung der Gerfte.
Tiefe Querfurche bei der Körnerbaſis findet man bei Formen
des Hordeum hexastichum, der wirklichen ſechszeiligen Gerſte.
Ohne Querfurche iſt die ſog. vierzeilige Gerſte; ſie kann nach
der verſchiedenen Behaarung der Baſalborſten in zwei ſcharf
getrennte Arten eingeteilt werden.
Außer Atterberger und Neergard haben ſich in neuerer
Zeit auch verſchiedene Autoren, beſonders Broili, mit der
Frage der Unterſchiede der Körner der verſchiedenen Sorten⸗
gruppen der zweizeiligen Gerſte beſchäſtigt. (Das Gerſten⸗
korn im Bilde, Stuttgart 1908.)
Der Wert der einzelnen Gerſtenſorten iſt bedingt durch
die Bodenbeſchaffenheit, das Klima, die Kulturweiſe, beſonders
aber auch durch die Witterungsverhältniſſe während der Reife⸗
zeit. Gerade die Witterungsverhältniſſe ſpielen eine bedeutende
Rolle. Es kommt ja vor, daß bei günſtiger Witterung gereifte
und geerntete Gerſte von weniger guter Beſchaffenheit die
Qualität einer ſehr guten Gerſte, die aber durch die Witte⸗
rung gelitten hat, übertrifft.
Bei der Auswahl und dem Einkauf der Gerſte muß der
Brauer die größte Aufmerkſamkeit verwenden, denn von der
Beſchaffenheit der Gerſte iſt in erſter Linie das Reſultat der
Malz⸗ und Bierfabrikation abhängig.
Gerade für die Beurteilnng und Wertſchätzung der Gerſte
ſind eine große Menge untrüglicher Unterſuchungsmethoden
vorhanden. Eine eingehende genaue Ermittelung der chemi⸗
ſchen, phyſikaliſchen und phyſiologiſchen Eigenſchaften einer
Gerſte muß ihren wahren Wert als Brauergerſte ergeben.
Iſt es auch dem Brauer nicht möglich, von jeder Sorte eine
vollſtändige Prüfung und Unterſuchung nach der vorer⸗
wähnten Richtung vorzunehmen oder vornehmen zu laſſen,
iſt er meiſt auf die Beurteilung der äußeren phyſikaliſchen
Eigenſchaften der Gerſte, auf das Reſultat eines Keimverſuchs
im kleinen einzig und allein angewieſen, ſo wird eine ſolche
Prüfung, falls ſie mit einer entſprechenden Sachkenntnis aus⸗
geführt wird, in ſehr vielen Fällen vollauf genügen, da er⸗
fahrungsgemäß zwiſchen den äußeren Eigenſchaften und der
Beurteilung der Gerſte. i 23
chemiſchen Zuſammenſetzung einer Gerſtenſorte gewiſſe Be⸗
ziehungen beſtehen, die einen richtigen Schluß auf den Brau⸗
wert der Gerſte zulaſſen.
Folgende äußere Merkmale einer Gerſte finden bei der
Feſtſtellung des Brauwertes Berückſichtigung:
Abb. 7 Zweizeilige Gerſte Abb. 8 Vierzeilige, kleine Gerſte
„ (Hordeum distichum L.) (Hordeum vulgare L.)
a Ahrenquerſchnitt, vb verkümmerte a Ahrenquerſchnitt.
Ahrchen, b Ahrchen.
24 Beurteilung der Gerſte.
1. Größe und Form der Körner. Gute Brauergerſte
ſoll aus gleichmäßig großen, dickbauchigen Körnern beſtehen.
Eine gleichmäßige Größe der Körner iſt deshalb von Be⸗
deutung, weil davon der gleichmäßige Verlauf des Weich⸗ und
Keimprozeſſes weſentlich abhängig ſein wird, mithin die Quali⸗
| tät des fertigen Malzes
| bedingt iſt. Gerſte mit
großen Körnern und dick⸗
bauchiger Form wird
ſolcher mit flachen Kör⸗
nern vorgezogen, weil
man von der allgemein
richtigen Anſicht aus⸗
geht, daß in den aller⸗
meiſten Fällen jene
Gerſte in der Gewichts⸗
einheit, dem Hektoliter⸗
gewicht, mehr nutzbare
Stoffe enthält.
Bezüglich der Form
und Größe der Körner
ſowie auch ihrer Schwere
möge in Kürze erwähnt
ſein, daß man nicht
immer, und dies mit
Recht, die ganz großen,
dickbauchigen, ſchweren
5 Gerſten bevorzugt, und
zwar deshalb, weil ſie
einerſeits nicht ſelten ſchwieriger aufgelöſt werden, andererſeits
der höhere Ankaufspreis mit der Ergiebigkeit häufig nicht
gleichen Schritt hält.
2. Hektolitergewicht. Schwere Gerſte, d. h. Gerſte
mit hohem Hektolitergewicht, wird bevorzugt und gilt für
beſonders wertvoll. Man geht dabei von der Annahme aus,
daß ſchwerere Gerſte reicher an nutzbaren Beſtandteilen, vor
Beurteilung der Gerſte. 25
allem Stärke, iſt und mithin ein Malz liefert, aus dem eine
größere Extraktausbeute zu erwarten iſt. Im allgemeinen
ſtimmt dieſe Annahme mit den Erfahrungen und Reſultaten
eingehender Unterſuchungen überein, doch wird das Volum⸗
gewicht auch vielfach überſchätzt. Es kommt vor, daß Malz
aus Gerſte von geringerem Volumgewicht erzeugt, mehr
Extrakt liefert gegenüber Malz aus ſehr ſchwerer Gerſte.
Über dieſen Punkt kann nur ein Mälzungsverſuch und die
Ermittelung der Extraktausbeute des reſultierenden fertigen
Darrmalzes ein maßgebendes Urteil ergeben. Gewiß iſt es
nicht vorteilhaft, eine Gerſte von ſehr geringem Volumgewicht
zu vermälzen, jedoch iſt es auch nicht immer rationell, nur die
ſchwerſten Sorten zu verarbeiten. Die Faktoren, die ein höheres
Gewicht bedingen, müſſen nicht den Brauwert einer Gerſte
günſtig beeinfluſſen. Das Hektolitergewicht von Brauergerſte
bewegt ſich zwiſchen 60 bis 72 kg.
Leichte Gerſte 60 — 62 kg
Mittlere Gerſte 63—67 „
Schwere Gerſte 68 - 72 „
3. Farbe der Gerſte. Gleichmäßig lichte, ſtrohgelbe
Farbe deutet in der Regel darauf, daß die Gerſte gut ausgereift
hat, daß ſie mehlig iſt, daß ſie weder auf dem Felde noch auch
beim Aufbewahren durch Feuchtigkeit Schaden gelitten hat.
Gerſte, deren Farbe nicht entſpricht, muß jedoch deswegen
nicht immer einen geringeren Brauwert haben. Die nicht
zuſagende Farbe iſt oftmals nur ein Schönheitsfehler. Sie
kann durch Feuchtigkeit, Beregnetwerden und durch Pilzvege⸗
tationen bedingt ſein, ohne daß aber dadurch deren Verwendung
zu Mälzungszwecken ausgeſchloſſen wäre. Freilich wird es
ſich empfehlen, bei mißfarbiger Gerſte, Gerſte mit braunen
oder ſchwarzen Spelzen, durch einen Keimverſuch den Nachweis
zu liefern, ob ſolche Gerſte überhaupt noch einen keimfähigen
Embryo beſitzt und jene Manipulationen zu gebrauchen, wo⸗
durch die Keimungsenergie und Keimkraft weſentlich erhöht
wird. Man weiß ſeit geraumer Zeit, daß durch vorſichtiges
Trocknen friſcher oder mehr oder weniger feucht gewordener
26 Beurteilung der Gerſte.
Gerſte bei niedrigen Temperaturen, etwa 40 bis 42 C die
Keimkraft ſich beſſert, indem jene Veränderungen im Mehl⸗
körper, die ſog. Nachreife, die erſt bei längerer, guter Lage⸗
rung einer Gerſte eintreten, in ſolchen Fällen beſchleunigt werden.
Reichardt (Chemiker⸗Zeitung, Jahrg. 1897, Nr. 4)
iſt durch eingehende Verſuche mit einer Gerſte, die ſtark
beregnet wurde, mit Pilzſchleim verſehen war und daher ein
ſehr mißfarbiges Ausſehen hatte, zur Überzeugung gekommen,
daß ſolche Gerſte nicht geringer in ihrem Brauwert ſein muß
als ſchönfarbige, indem ſich deren Keimkraft ganz weſentlich
erhöhen läßt. Nachdem durch einen Verſuch die Geſundheit
und die Keimfähigkeit der betreffenden Gerſte konſtatiert war,
wurde ein Lüftungs⸗ und ein mechaniſches Reinigungsverfahren
vorgenommen, um der Befürchtung der Schimmelbildung auf
der Tenne zu begegnen. Das Reſultat war äußerſt zufrieden⸗
ſtellend; 98% der Körner keimten, und der Haufen zeigte
einen geſunden, guten Geruch. Beſitzt mißfarbige Gerſte eine
geringe Keimfähigkeit, ſo iſt ſie ſelbſtverſtändlich zu Mälzungs⸗
zwecken nicht mehr zu verwenden.
Die unſchöne Farbe einer Gerſte ſucht man, wohl nur
ſelten, durch Schwefeln zu verbeſſern, wodurch auch der
dumpfige, ſchimmelige Geruch verſchwindet. Wenn daher die
Farbe einer Gerſte entſpricht, dieſe aber ein ungünſtiges
Reſultat beim Keimverſuch zeigt, ſo dürfte es ſich empfehlen,
die Prüfung auf Schwefelung in der Weiſe auszuführen, wie
dies bei Hopfen angegeben iſt (ſ. Hopfen).
4. Geruch. Der Geruch einer Gerſte ſoll friſch, ſtrohartig
ſein, nicht dumpfig, ſchimmelig, moderig. Schlechter Geruch
hat meiſt mangelhafte Keimung und ſtarke Schimmelbildung
auf der Tenne zur Folge. Zeigt eine Gerſte einen dumpfen
Geruch, ſo ſoll man ſie täglich fleißig umſchaufeln. Füllt man
ein Glas etwa zur Hälfte mit Gerſte an, hält es ein bis zwei
Stunden verſchloſſen, während welcher Zeit die Gerſte einige⸗
male durchgeſchüttelt wird, oder hält eine Portion in der
geſchloſſenen Hand und haucht die Gerſte kräftig an, ſo wird ſich
der charakteriſtiſche Geruch einer Gerſte beſſer ermitteln laſſen.
Beurteilung der Gerſte. 27
5. Reinheit. Die Gerſte ſoll möglich frei ſein von Ver⸗
unreinigungen jeglicher Art, von Staub, fremdem Samen,
halben oder verletzten Körnern. Gerade letztgenannte Schädi⸗
gung der Gerſte kommt beim Dreſchen und bei Verwendung
mancher Putz⸗ und Sortiermaſchinen nicht ſelten vor. Dadurch
wird aber der Wert einer Gerſte ſtark beeinflußt, es machen
ſich Störungen im Weich- und Keimprozeß bemerkbar, die jo
bedeutend ſein können, daß die betreffende Gerſte zur Ver⸗
mälzung unbrauchbar iſt.
6. Beſchaffenheit des Mehlkörpers. Der Quer⸗
ſchnitt der Gerſte zeigt entweder ein weißes, mehliges, leicht
zerreibliches, oder ein mehr oder weniger graues, hartes,
horniges, ſpeckiges Ausſehen. Mehlige Gerſten werden beſonders
geſchätzt, weil man von der Anſicht ausgeht, daß ſolche Gerſten
ein Malz von beſſerer Auflöſung geben, ſtärkemehlreicher,
proteinärmer ſind. In der Regel trifft dies wohl zu, doch
läßt ſich aus der Beſchaffenheit des Mehlkörpers nicht ein
allgemein gültiger Schluß auf die chemiſche Zuſammenſetzung
der Gerſte ziehen, wie auch minder gute Auflöſung bei glaſiger
Gerſte nicht immer vorzukommen pflegt. Die Verſchiedenheit
in dem Ausſehen des Mehlkörpers iſt abhängig von der ſtoff⸗
lichen Einlagerung des Zellinhaltes und dieſes wieder bedingt
durch die Bodenverhältniſſe, Klima, Kulturweiſe und Witterung.
Nicht jede glaſige Gerſte muß eine ſchlechte Brauergerſte ſein,
obwohl es immer empfehlenswert ſein wird, bei Verwendung
von ſolcher Gerſte die größte Vorſicht walten zu laſſen. Glaſige
Gerſten, die nach der Weiche und darauffolgendem Trocknen
an der Luft mehlig werden, liefern gewiß ein gut aufgelöſtes
Malz. Man bezeichnet dies als gutartige Glaſigkeit, zum
Gegenſatz von Gerſte, die dieſe Umwandlung nicht erleidet.
Man kann zur Beurteilung der Gerſte nach dieſer Hinſicht
verſchiedene Verfahren anwenden:
Entweder weicht man ſie 24 Stunden bei gewöhnlicher
Temperatur ein und läßt ſie dann bei Zimmertemperatur drei
Tage lang trocknen, um darauf die Gerſte durch Vornahme der
Schnittprobe weiter zu prüfen (um das Reſultat raſcher zu
28 Beurteilung der Gerſte.
erfahren, kann man die geweichte Gerſte auch in einen Trocken⸗
ſchrank (Ulſch) bringen, den man dann langſam hinaufheizt), oder
man weicht nach Prior die Gerſte im Vakuum und trocknet im
Vakuum bei Zimmertemperatur, oder man kocht nach Jalowetz
die Gerſte eine halbe Stunde lang in Formalin und führt dann
nach dem Erkalten und nach dem ſie gewaſchen iſt, eine Schnitt⸗
probe aus.
Ausgeſprochen mehlige Gerſte wird ſich kaum oder nur in
äußerſt ſeltenen Fällen finden, immer wird eine größere oder ge⸗
ringere Anzahl halbmehliger oder halbglaſiger und ganzglaſiger
Körner vorhanden ſein. Gleichmäßige Beſchaffenheit des Mehl⸗
körpers, wenn auch glaſig, dürfte in dieſer Beziehung vorteil⸗
hafter ſein. Zur Ermittelung der Beſchaffenheit des Mehlkörpers
exiſtieren eine größere Anzahl von Apparaten, die auf verſchie⸗
denem Wege zum Ziele führen. Von den ſog. Gerſten⸗Schneide⸗
apparaten von Bring, Grobecker, Heins dorf, Pohl,
die Querſchnitte liefern, während der Apparat von Kickelhayn
Längsſchnitte ergibt, ſei nur der von Pohl in Kürze erwähnt.
Dieſer Apparat iſt als eine Verbeſſerung der Getreide⸗
prüfer von Grobecker und Heinsdorf anzuſehen. Er beſteht
aus einem ſchaufelförmigen Körper (Abb. 10), deſſen Boden a
mit 50 entſprechend geformten, reihenweiſe angebrachten
Offnungen zur Aufnahme der zu prüfenden Gerſte bzw. des
Malzes verſehen iſt und in deſſen Randb ſich der Deckel e ein⸗
legen läßt. Unter dem Rande b und dem Boden a befindet
ſich das bewegliche Meſſer e und unter dieſem läßt ſich in zwei
ſeitlichen Falzen die ſchwarze Auswechſelungsplatte d, deren
abgeſchrägte Seite nach dem Rande b gerichtet iſt, einſchieben.
Dieſe Platte d beſitzt wie der Boden a ebenfalls 50 Offnungen,
die zur Aufnahme der durchſchnittenen Körner dienen. Die
Auswechſelungsplatte wird nach dem Durchſchneiden der Kör⸗
ner herausgenommen, und die mehligen, halbglaſigen Körner
werden abgezählt und in Prozenten berechnet. Um eine richtige
Durchſchnittsprobe von der Beſchaffenheit des Mehlkörpers
zu erhalten, empfiehlt es ſich, mehrere Schnittproben zu machen.
Die Abb. 10 veranſchaulicht zugleich die Art der Einſchüttung
Beurteilung der Gerſte. | 29
der Körner, nachdem ſowohl Deckel e wie Meſſer e offen einge⸗
ſtellt und Platte d eingeſchoben wurde.
Von den optiſchen Apparaten, Diaphanoſkope genannt,
deren Konſtruktion auf der Eigenſchaft beruht, daß mehlige
Gerſte keine Lichtſtrahlen
durchlaſſen, während dies
bei glaſigen der Fall iſt,
ſeien erwähnt die Apparate
von Neergard, Eckert,
Aſhton und Vogel. Der
Appart von Aſhton dürfte
ſich deshalb am meiſten
empfehlen, weil bei deſſen
Anwendung Tageslicht
benützt und er bequem in
die Taſche geſteckt werden
kann. Dieſe Apparate ſind
namentlich gut für die
Erkennung der Auflöſung
beim Malze. — Konſtruk⸗
tion und Handhabung des
Diaphanoſkops iſt aus
Abb. 11 erſichtlich. Es be⸗
ſteht dieſes aus einer kurzen
Röhre, die eine Lupe trägt
und am anderen Ende eine
gelochte Gummiplatte, in
deren Offnungen die
Gerſten⸗ oder Malzkörner
eingeſchüttelt werden.
7. Keimfähigkeit.
Es iſt ſchon einigemale
darauf hingewieſen worden, daß die Keimfähigkeit ein ſehr wich⸗
tiges, ja das wichtigſte Kriterium für die Brauchbarkeit einer
Gerſte iſt. Von einer guten Gerſte muß verlangt werden, daß
von 100 Körnern mindeſtens 96 bei gewöhnlicher Zimmertem⸗
Abb. 10. Kornprüfer von C. Pohl.
30 Beurteilung der Gerſte.
peratur keimen; die Keimfähigkeit einer guten Gerſte darf mit⸗
hin nicht unter 960% betragen. Mit der hohen Keimfähigkeit
einer Gerſte fol auch die hohe Keimungsenergie zuſammen⸗
fallen, d. h. innerhalb einer beſtimmten Zeit, etwa 72 bis
96 Stunden, ſollen alle keimfähigen Körner zur Keimung ge⸗
jangt ſein. Je mehr dies der Fall iſt, auf deſto gleichmäßigeren
Verlauf des Keimprozeſſes auf der Tenne uſw. iſt zu rechnen.
Es iſt bereits geſagt worden, welche Faktoren auf die Keim⸗
fähigkeit und Keimungsenergie hemmend wirken könnten, und
es muß daher bei Ermittelung dieſer Eigenſchaften entſprechende
Rückſicht geübt werden, d.h. dafür geſorgt werden, daß das Unter⸗
ſuchungsreſultat einen zuverläſſigen Aufſchluß über die wahre
Keimfähigkeit und Keimungsenergie der betreffenden Gerſte gibt.
Zur Ermittelung der Keimkraft und Keimungsenergie
können ſog. Keimapparate, deren es viele Konſtruktionen gibt,
benutzt werden. Am einfachſten und ſicherlich zweckmäßigſten
führt man die Keimprobe in der Weiſe aus, daß man minde⸗
ſtens 500 Körner fechs Stunden in Brunnenwaſſer von ge⸗
wöhnlicher Temperatur weicht. Hierauf gießt man das Waſſer
ab, bringt die geweichte Gerſte, gut ausgebreitet, zwiſchen Löſch⸗
oder Filtrierpapier, legt ſie zwiſchen zwei Glasplatten und be⸗
wahrt ſie in einem mäßig temperierten Zimmer auf. Bei Aus⸗
führung einer größeren Anzahl von Keimverſuchen empfiehlt ſich
die Verwendung eines von Aubry konſtruierten Keimkaſtens.
Dieſer Keimkaſten iſt faſt würfelförmig (etwa 21,5 cm tief
und hoch 24 cm breit) und trägt an der Vorder⸗ und Hinter⸗
ſeite Schubfenſter, die in ſeitlich angebrachten Falzen ſich ein⸗
ſchieben laſſen. Der Kaſten iſt aus Weißblech, wie auch die
Rahmen für die Schubfenſter, und innen und außen lackiert.
Am Boden und an der Decke ſind einige kleine Offnungen für
den Luftzutritt, deren Anzahl aber nicht zu groß ſein darf,
damit die Austrocknung der Keimunterlagen möglichſt ver⸗
mieden werde. Innen trägt der Kaſten an den beiden Seiten
in Abſtänden von einem Zentimeter je 20 übereinanderſtehende
horizontale Leiſten, die den Glastafeln beiderſeits als Auflage
dienen. Es können demnach 20 Glastafeln von etwa 19543 em
—
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Abb. 11. Diaphanoſkop von Aſhton.
32 Beurteilung der Gerfte.
Oberfläche übereinander eingeſchoben werden, und der von
einer Tafel zur anderen bleibende Zwiſchenraum iſt für die
Luftzirkulation vollkommen genügend.
Nach 48 bis 72 Stunden werden die gekeimten Körner
abgezählt und ihre Anzahl, in Prozenten gerechnet, ergibt die
Keimungsenergie der Gerſte. Die nicht gekeimten Körner
verbleiben im Keimbett, und es werden täglich die nachge⸗
keimten Körner abgezählt. Nach ſechs Tagen iſt der Keim⸗
verſuch als beendigt zu betrachten; die ſämtlichen gekeimten
Körner werden zuſammengezählt und die Keimfähigkeit der
Gerſte dadurch zum Ausdruck gebracht, daß man angibt, wie
viel von 100 Körnern innerhalb dieſer Zeit gekeimt haben.
Bei dieſer Art der Keimprobe wird die Gleichmäßigkeit des
Wachstums überhaupt, ſowie die Ausbildung der Wurzel⸗
keime, wie andererſeits das Auftreten der Schimmelbildung
weſentlich zur richtigen Bewertung einer Gerſte beitragen,
namentlich wenn man das Löſch⸗ oder Filtrierpapier vor der
Verwendung einige Zeit bei etwa 1000 trocknet (fterilifiert).
Bemerkt ſei, daß das Papier, wenn notwendig, von Zeit zu
Zeit befeuchtet werden muß. Starkes Feuchthalten des Keim⸗
bettes iſt zu vermeiden.
Die Prüfung der Keimfähigkeit von Zollgerſten iſt von
Amts wegen im Keimapparat von Schönfeld vorzunehmen.
Der Apparat beſteht aus vier etwa 8 em weiten Glas⸗
trichtern, die in einem Stativ ſternförmig befeſtigt ſind. Im
oberen Teil des Trichterhalſes befindet ſich ein mit verbreiter⸗
tem Ende verſehenes Glasſtäbchen, damit keine Körner durch⸗
fallen können. Am unteren Teil des Trichterhalſes iſt ein
kurzer Gummiſchlauch angebracht, der durch eine Meſſing⸗
klemme abgeſchloſſen werden kann, um ein Abfließen von
Waſſer zu verhindern.
Man bringt in den Trichter 500 Körner der Durchſchnitts⸗
probe und dann ſoviel Waſſer von Zimmertemperatur, daß
die Körner davon bedeckt werden. Nach vier Stunden läßt
man das Waſſer abfließen, worauf man die Körner 15 bis
18 Stunden bei offenem Schlauch ohne Waſſer ſtehen läßt. Zur
Bonitierung der Gerſte. 33
Vermeidung des Austrocknens deckt man den Trichter mit einer
gutſchließenden Glasſchale zu, auf deren Boden man befeuchte⸗
tes Filtrierpapier, das ſtändig naß zu halten iſt, gebracht hat.
Man ſetzt neuerdings den Trichterinhalt unter Waſſer und
läßt ihn bei Gerſten, die bereits ſpitzen, kurze Zeit, bei ſolchen,
wo dies noch nicht der Fall iſt, vier Stunden damit in Be⸗
rührung. Dann bedeckt man wieder mit der Schale; das Fil⸗
trierpapier muß auch jetzt dauernd feucht erhalten werden.
Nach 48 Stunden, vom Einbringen der Körner in die
Trichter gerechnet, ſchüttelt man gut durch, um die unteren
Körner mit den etwas weniger feuchten oberen zu vermiſchen.
Am vierten Tage, alſo nach 72 Stunden, zählt man die
gekeimten Körner und ermittelt jo die Keimungsenergie.
Der Prozentgehalt der nach fünf Tagen (120 Stunden)
gekeimten Körner ergibt die Keimfähigkeit. |
Um für die Beurteilung verſchiedener Gerſten einwand⸗
freie Vergleichswerte zu erhalten, werden in den letzten
Jahren die wichtigſten Eigenſchaften einer Gerſte, wie Ei⸗
weißgehalt, Form. Farbe, Gleichmäßigkeit, Schwere des Korns
uſw. mit Punkten bewertet, deren Summe die Bonität der
Gerſte ergibt. Da man ſich bis jetzt auf ein beſtimmtes
Bonitierungsſyſtem nicht geeinigt hat, bei den verſchiedenen
Syſtemen aber den einzelnen Eigenſchaften der Gerſte ein
verſchieden hoher Wert zuerteilt wird, ſo können die gewon⸗
nenen Reſultate nur bei Benützung ein und desſelben Boni⸗
tierungsſyſtems eine Bedeutung haben. |
Es werden unterſchieden:
Bayriſches⸗, Berliner⸗, Wiener Syſtem und Syſtem Haaſe.
Hinſichtlich der Ausführung der einzelnen Syſteme muß auf
ſpezielle Werke über brautechniſche Unterſuchungsmethoden
hingewieſen werden. Dies ſei auch der Fall betreffs Extrakt⸗
beſtimmung der Gerſte, die jetzt große Verbreitung ge⸗
funden hat. Es ſind eine größere Anzahl von Methoden be⸗
kannt, die darauf beruhen, die Gerſtenſtärke, nach vorherigem
Verkleiſtern oder Aufſchließen unter ſchwachem Druck, durch
Malzauszug bzw. Diaſtaſe zu verzuckern.
Bierbrauerei. 3
34 Chemiſche Beitandtelle der Gerſte.
Chemiſche Beſtandteile der Gerſte: 1. Waſſer,
2. Zelluloſe, 3. Stärke, 4. Zucker, 5. Sonſtige ſtickſtofffreie or⸗
ganiſche Subſtanzen, 6. Stickſtoffhaltige Körper, 7. Fette,
8. Mineralſtoffe, Aſchenbeſtandteile.
Waſſer. Der Waſſergehalt einer Gerſte beträgt im Durch⸗
ſchnitt etwa 14%. Selbſtverſtändlich kann der Waſſergehalt
bedeutend ſchwanken. Er iſt ja bedingt durch das Reifeſtadium
und durch die Witterungsverhältniſſe bei der Ernte, ganz be⸗
ſonders aber auch durch die Art der Aufbewahrung der Gerſte.
Der Waſſergehalt beeinflußt das Volumgewicht, und vom finan⸗
ziellen Standpunkte aus iſt es ſicherlich nicht gleichgültig, ob
für das wertloſe Waſſer derſelbe Preis bezahlt wird, wie für
nutzbare Beſtandteile einer Gerſte. Es iſt aber weiter zu be⸗
denken, daß in einer Gerſte mit hohem oder ungleich verteiltem
Waſſergehalt ſchädliche Veränderungen bewirkt werden, die
ſich in der Weiche und auf der Tenne fühlbar machen. Durch
Anfühlen läßt ſich einigermaßen der Grad von Feuchtigkeit
abſchätzen. Der Praktiker ſagt, trockene Gerſte ſoll wie Sand
über die Hand laufen, ſich härter und wärmer anfühlen als
feuchte und beim Durchbeißen oder Durchſchneiden ſoll ſich
erſtere mehr hart, letztere mehr zähe zeigen.
Um den Waſſergehalt einer Gerſte raſch zu ermitteln,
werden etwa 10 g Gerſtenſchrot in einem Nickelſchiffchen,
deſſen Gewicht vorher feſtgeſtellt wurde, bei einer Temperatur
von etwa 105 C bis zur Gewichtskonſtanz getrocknet. Bei
Verwendung des Ulſch'ſchen Trockenſchrankes werden zum
vollſtändigen Verjagen des Waſſers 2bis2 / Stunden genügen.
Beiſpiel:
Trockenſchiffchen mit Gerſtenſchrot .. 27,397 g
Gewicht des Trockenſchiffchens. . . 18,645 g
Gewicht des Gerſtenſchrotes 8,752 g
Nach dem Trocknen:
Trockenſchiffchen mit Inhalt 26.162 g
Trockenſchiff chen 18,645 g
’
mithin das getrocknete Gerftenfchrot . 7.517 g
Waſſer, Zelluloſe, Stärke. 35
8,752 g Gerſte haben 8,752 — 7,517 = 1,235 g Waſſer.
Der Waſſergehalt der Gerſte in Prozenten iſt demnach:
8,752: 1,235 = 100: &
1.235 . 100
— 0
8,752 14,11%.
100 Gewichtsteile der Gerſte enthalten:
Waſſer 14.11%
Trockenſubſtan 85,89%,
Zelluloſe. Der Gehalt der Gerſte an Zelluloſe beträgt
3 bis 10%. Sie findet ſich hauptſächlich, und zwar in mehr
verholztem Zuſtande in der äußeren Umhüllung des Gerſten⸗
kornes, in den Spelzen, ferner mehr oder weniger rein in den
Wandungen der Endoſpermzellen. Die Zelluloſe iſt für den
Brauer gewiſſermaßen wertlos. und da ſie in ſo verſchie denen
Mengen vorzukommen pflegt, wird man zelluloſeärmere, dünn⸗
hülſige Gerſte der dickhülſigen vorziehen, zumal auch die Er⸗
fahrung gezeigt hat, daß jene ſich leichter und gleichmäßiger
vermälzen läßt und bei gleichem Gewichte der Maßeinheit
reicher an nutzbaren Subſtanzen iſt.
Die Menge der Spelzen läßt ſich in der Weiſe beſtimmen,
daß man nach Luff (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen 1898,
Seite 485) 50 abgewogene Körner mit 10 cem 5 prozentigem
Ammoniak in einem gutverſchloſſenen Fläſchchen 1 Stunde
lang im Waſſerbad auf 80° erhitzt. Man zieht darauf von
den Körnern die Spelzen ab, was ſehr leicht geht, trocknet ſie
bei 100, wägt fie und addiert zu dem ermittelten Wert noch
1/12 desſelben, zum Ausgleich für die durch die Ammoniakbe⸗
handlung verurſachten Verluſte. Die Berechnung erfolgt auf
waſſerfreie Gerſte.
Stärke. Der wichtigſte und wertvollſte Beſtandteil der
Gerſte iſt für den Brauer die Stärke. Gerſte (waſſerfrei)
enthält 58 bis 65% Stärke. Gerſtenſtärke zeigt teils eine
linſenförmige, teils eine kugelige Geſtalt.
Die Stärke iſt kein einfacher, völlig gleichartiger Körper,
ſondern beſteht nach Nägeli aus mindeſtens zwei Stoffen, die
338
36 Chemiſche Beſtandteile der Gerſte.
ſich beim Kochen mit Waſſer, durch ihr Verhalten gegen ver⸗
dünnte Säuren und Enzyme ſowie gegen wäſſerige Jod⸗
löſung unterſcheiden. Die eine Subſtanz, die vorwiegend vor⸗
handen iſt, wird Stärkegranuloſe, die andere Stärkezelluloſe
genannt. Granuloſe wird durch Jodlöſung blau, die Zellu⸗
loſe rot.
Nach den franzöſiſchen Forſchern Maquenne und Roux
beſteht die Stärke aus zwei verſchiedenen Beſtandteilen: der
Amyloſe und dem Amylopektin. Jene geht beim Verzucke⸗
rungsprozeß durch Diaſtaſe vollſtändig in Maltoſe über,
während Amylopektin in Amylopektindextrin, nicht in Maltoſe
abgebaut werden kann.
Stärke beſitzt 80% Amyloſe und 20% Amylopektin.
Die Amyloſe liefert mit Jodlöſung intenſive Blaufärbung,
während Amylopektin damit nicht gefärbt wird.
Die Kleiſterbildung der Stärke erſolgt dadurch, daß Amy⸗
loſe gelöſt wird, Amylopektin, das Prinzip der Kleiſterbildung,
aber die Verdickung hervorruft (Wochenſchr. f. Brauerei
1906, Nr. 46, 47).
Dieſe Anſicht iſt nach Lintner unzutrefſend; denn es gelingt
auf keine Weiſe eine Trennung des Stärkekleiſters in Amy⸗
loſe und Amylopektin herbeizuführen. Überſchichtet man
beiſpielsweiſe 20 prozentigen Stärkekleiſter mit Waſſer, jo
findet keine irgendwie nennenswerte Diffuſion ſtatt, was doch
ſicher der Fall ſein müßte, wenn die Amyloſe in vollkommener
Löſung vorhanden wäre (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen 1909)
Nach den Anſichten Fernbachs iſt die Exiſtenz von Amy⸗
lopektin nicht aufrecht zu erhalten. Nach Fouard fit die
Stärke von einheitlicher chemiſcher Zuſammenſetzung, und nur
ihre phyſikaliſchen Modifikationen ſind je nach der Natur des
Umgebenden verſchieden (Wochenſchr. f. Brauerei 1908,
S. 867).
Die Stärke iſt in kaltem wie lauwarmem Waſſer voll⸗
ſtändig unlöslich. Ihr Verhalten gegen Waſſer in der Wärme
iſt für das Verſtändnis des Maiſchprozeſſes von großer
Wichtigkeit, weshalb es gleich hier beſprochen werden ſoll.
Stärke. 37
Bringt man geringe Mengen Stärke in verhältnismäßig
viel Waſſer von gewöhnlicher Temperatur (etwa ½ g Stärke
auf 200 cem Waſſer) und ſteigert die Temperatur all mählich,
ſo findet man, wenn man von Zeit zu Zeit dieſe Stärke unter
dem Mikroſkop betrachtet, daß ſie ihre Größe und Form bis
zu einer Temperatur von 50 C unverändert beibehält. Von
50°C angefangen, nimmt ihr Volumen durch Waſſerauf⸗
nahme zu, fie quillt auf. Bei 70°C bemerkt man bereits
zahlreiche Riſſe und bei 80 bis 85 C iſt die Stärkegranuloſe
in die Flüſſigkeit ausgetreten. Während vorher die Flüſſig⸗
keit durch wäſſerige Jodlöſung ſich nicht färbt, tritt jetzt
Blaufärbung ein. Wird die Flüſſigkeit gekocht und dann ab⸗
gekühlt, ſo ſetzt ſich ein weißer Niederſchlag ab, der mit Jod⸗
löſung blaßrote Färbung annimmt, während die filtrierte
Flüſſigkeit damit intenſive Blaufärbung zeigt. Der Nieder⸗
ſchlag beſteht aus Stärkezelluloſe, die im Waſſer ſuſpen dierte
Subſtanz aus Stärkegranuloſe.
Die zu dieſen Reaktionen zu benutzende Jodlöſung bereitet
man ſich nach Märker in der Weiſe, daß man 2g Jod⸗
kalium in einem Liter Waſſer auflöft und hierauf 2 g reines
Jod zugibt.
Wird der vorhin angegebene Verſuch wiederholt, jedoch
in einem anderen Verhältnis von Stärke und Waſſer (etwa
2 g Stärke auf 200 cem Waſſer), ſo wird man bis zu einer
Temperatur von 707 C die gleichen Eigenſchaften beobachten
können. Über 70°C fängt die Flüſſigkeit an ihre leicht
bewegliche Beſchaffenheit allmählich zu verlieren und es tritt
bei 80°C eine vollſtändige Verkleiſterung ein.
Die Temperatur, bei der Verkleiſterung eintritt, iſt bei
den einzelnen Stärkeſorten verſchieden.
Verhalten der Stärke zu Säuren. Läßt man verdünnte
Säuren, beſonders Salzſäure längere Zeit bei gewöhnlicher
Temperatur auf Stärke einwirken, ſo wird ſie allmählich in
die in heißem Waſſer lösliche Modifikation übergeführt. Es
beruht darauf die von Lintner angegebene Methode zur Her⸗
ſtellung von löslicher Stärke. Auch durch Erhitzen von Stärke
38 Chemiſche Beſtandteile der Gerſte.
mit Waſſer unter Hochdruck (3,5 Atm.) wird lösliche Stärke
erhalten, von welcher Eigenſchaft der Stärke bei deren quanti⸗
tativen Beſtimmung und bei der Aufſchließung ſtärkemehl⸗
haltiger Subſtanzen in der Spiritusfabrikation, bei dem ſog.
Hochdruckverfahren, Anwendung gemacht wird.
Bei Einwirkung von verdünnter Salzſäure oder Schwefel⸗
ſäure in der Wärme wird die Stärke zunächſt in die lösliche
Modifikation, dann in Dextrin und Zucker und allmählich bei
genügend langer Einwirkung der Säure vollſtändig in Zucker
und zwar Stärkezucker, Glukoſe, Dextroſe verwandelt.
Dieſe verſchiedenen Umwandlungsprodukte laſſen ſich
durch ihre charakteriſtiſchen Färbungen mit Jodlöſung
nachweiſen.
In den einzelnen Stadien der Einwirkung von Säure
auf Stärke wird eine Probe der Flüſſigkeit verſchiedene
Farbe zeigen, blau, violett, rot, gelbbraun; letzteres Farbe
der verwendeten Jodlöſung. Bei Auftreten von Blaufärbung
iſt hauptſächlich lösliche Stärke vorhanden, bei Violettfärbung
Amylodextrin, bei Rotfärbung Erythrodextrin. Iſt nur mehr
die Färbung der Jodlöſung zu beobachten, ſo kann neben dem
vorhandenen Zucker, der auch ſchon in geringer Menge neben
dieſen Zwiſchenprodukten ſich bildet, Achroodextrin ſich vor⸗
finden, das aber weiter in Stärkezucker übergeführt wird.
Verhalten der Stärke gegen Diaſtaſe. Von größter
Wichtigkeit für den Brauprozeß iſt das Reſultat der Ein⸗
wirkung eines Enzymes, das bei der Malzbereitung er⸗
zeugt wird, der Diaſtaſe, auf die Stärke. Der Vorgang wird
als der Abbau der Stärke bezeichnet. Bei dieſer Einwirkung
findet Waſſeraufnahme ſtatt, es ſpielt ſich ein ſog. hydrolytiſcher
Prozeß ab. Das Endprodukt dieſes Prozeſſes iſt Maltoſe,
eine Zuckerart, die ſchon im Jahre 1849 von Dubrunfaut
als in der Würze und Bier hauptſächlich vorhanden an⸗
genommen wurde. Doch erſt ſeit dem Jahre 1872, zu
welcher Zeit durch die Verſuche von O' Sullivan und E. Schultze
die Annahme Dubrunfauts Beſtätigung gefunden hat, erſt
ſeit dieſer Zeit gilt allgemein als feſtſtehend, daß Stärke durch
Stärke. 39
Einwirkung von Diaſtaſe nur bis zu Maltoſe abgebaut wird,
nicht bis zu Dextroſe, wie man früher glaubte, bis zu jenem
Zucker, der, wie vorher angeführt, bei der Einwirkung von
verdünnten Säuren in der Wärme als Endprodukt der Um⸗
wandlung der Stärke gebildet wird.
Bei gewöhnlicher Temperatur findet durch Diaſtaſe auf
manche Stärke (Kartoffelſtärke) keine, auf andere (Getreide⸗
ſtärke) nur eine geringe, langſame Einwirkung ſtatt. Lös⸗
liche Stärke oder verkleiſterte Stärke hingegen wird ſchon
bei gewöhnlicher Temperatur angegriffen und allmählich
vollſtändig umgeändert. Mit Steigerung der Temperatur
bis zu einer gewiſſen Grenze (etwa 70°C) wird der Abbau
der Stärke weſentlich beſchleunigt. Auch bei dieſer Um⸗
wandlung der Stärke durch Diaſtaſe treten ähnliche Zwiſchen⸗
produkte auf, wie ſolche bei der Einwirkung von verdünnten
Säuren angeführt worden find.
Als günſtige Temperatur für die Einwirkung der Diaſtaſe,
um aus Stärke möglichſt viel Maltoſe zu erhalten, gibt
Lintner jun. 55 bis 63°C an.
Über den Abbau der Stärke durch Diaſtaſe, diaſtatiſchen
Prozeß, ſind eine große Anzahl von eingehenden Verſuchen
in den verſchiedenen chemiſchen Journalen und Fachzeit⸗
ſchriften veröffentlicht worden. Eine ausführliche Beſprechung
dieſer Studien findet ſich in dem vorzüglichen Werke von
Moritz und Morris, Handbuch der Brauwiſſenſchaft, ins
Deutſche übertragen von W. Windiſch.
Wie ſchon erwähnt, iſt das Endprodukt bei der Ein⸗
wirkung der Diaſtaſe auf Stärke Maltoſe. Beim Maiſch⸗
prozeß reicht die Zeit und auch die Menge der wirkſam
bleibenden Diaſtaſe nicht hin, um alle Stärke in Zucker zu
verwandeln. Es iſt auch dies nicht im Intereſſe des Brauers
gelegen. In der Würze müſſen neben Zucker auch Dextrine
vorhanden fein. Auf das Verhältnis von Zucker zu Dextrin,
wie auch auf den raſcheren Verlauf des ganzen Verzuckerungs⸗
prozeſſes, Abbau der Stärke, übt einen ganz hervorragenden
Einfluß, wie durch die Verſuche von O'Sullivan und Schultze
40 Chemiſche Beſtandtelle der Gerſte.
beſtätigt wurde, die Temperatur aus. Zwiſchen Tempera⸗
turen von 55 bis 63°C wird die Stärke mehr zugunſten
von Zucker umgeändert, d. h. es bildet ſich mehr Zucker,
weniger Dextrin; bei höheren Temperaturen, bis zu 70,
mehr zugunften von Dextrin. Temperaturen über 70° C
bis zur Zerſtörung der Diaſtaſe, etwa 80 bis 84 C, bewirken
die Bildung von wenig Zucker und viel Dextrin. Dabei iſt
zu beobachten, daß, ie näher die Temperatur bei 80°C liegt,
deſto raſcher die Verflüſſigung der Stärke vor ſich geht, bei
80°C, falls genügende Mengen Diaſtaſe vorhanden find,
momentan, während bei 55 bis 63°C die Umbildung der
Stärke ſehr langſam verläuft.
Herzfeld führt an, daß die Stärke durch Diaſtaſe in
lösliche Stärke, Erythrodextrin, Achroodextrin, Maltodextrin
und Maltoſe verwandelt wird. — Brown und Morris,
die, wie früher Musculus und Gruber, Brown und Heron,
zur Überzeugung gekommen waren, daß aus Stärke durch
Diaſtaſe zu gleicher Zeit Dextrin und Maltoſe entſteht entgegen
der früheren allgemeinen Annahme, daß die Stärke zunächſt
in die lösliche Modifikation, dieſe in die verſchiedenen Dextrine
und dann durch Waſſeraufnahme ſchließlich in Maltoſe um⸗
gewandelt wird, nahmen auf Grund ihrer Studien die Exiſtenz
von Maltodextrin an, betrachten es aber nicht als Enddextrin
wie Herzfeld, ſondern weiſen ihm die Stelle vor dem Achroo⸗
dextrin an. 1 Sie gründen die ſog. Maltodextrintheorie
darauf. Als Beweis, daß Maltodextrin kein Gemenge von
Maltoſe und Dextrin iſt, führen ſie folgende Punkte an:
a) Ein Gemenge von Maltoſe und Dextrin von gleichem
Dreh⸗ und Rotationsvermögen wie Maltodextrin iſt durch
einfache Behandlung mit Alkohol in ſeine Beſtandteile zu
zerlegen. — Maltodextrin iſt auf keine Weiſe durch Alkohol zer⸗
legbar, ſondern wird gelöſt und gefällt als einheitliche Subſtanz.
b) In einem Gemenge von Maltoſe und Dextrin kann man
mittels obergärigem Saccharomyces cerevisiae die Maltoſe
vergären, während das Dextrin unverändert bleibt. — Malto⸗
dextrin, in derſelben Weiſe behandelt, iſt gänzlich unvergärbar.
Stärke. 41
c) Wenn ein Gemenge von Maltoje und Dextrin mit Malz⸗
auszug bei 50 bis 60 C behandelt wird, fo bleibt ſtets ein Dex⸗
trin übrig. — Maltodextrin, in gleicher Weiſe behandelt
mit Malzauszug. wird vollſtändig in Maltoſe übergeführt.
Spätere Studien dieſer beiden Forſcher über den Abbau
der Stärke durch Diaſtaſe veranlaßten ſie, genannte Theorie
zu modifizieren, und führten ſie zur Aufſtellung der Amy⸗
lointheo rie.
Sie nahmen an, daß das Stärkemolekül aus fünf Atom⸗
gruppen beſtehe, die ſie als Amyline bezeichnen. Vier dieſer
Amyline werden bei Einwirkung von Diaſtaſe durch Waſſer⸗
aufnahme in eine Reihe von Zwiſchenprodukten von Dextrin
und Maltoſe umgewandelt, welche Amyloine genannt werden.
Die fünfte Gruppe, der ſog. Kern, um den die vier anderen
gruppiert ſind, widerſteht der Einwirkung der Diaſtaſe und
bildet das bleibende Dextrin.
Als weſentliche Eigenſchaften dieſer Amyloine werden
angeführt:
1. Bei der Analyſe ergeben ſie Zahlen, die auf ein Ge⸗
menge von Maltoſe und Dextrin paſſen.
2. Sie können durch keine bekannten Hilfsmittel in Mal⸗
toſe und Dextrin zerlegt werden, ſie ſind daher wirkliche
chemiſche Verbindungen.
3. Sie werden durch Malzauszug oder Diaſtaſe voll⸗
ſtändig in Maltoſe übergeführt.
4. Sie vergären nicht in der Hauptgärung.
Lintner hat im Jahre 1891 als Beſtandteil der Würze
und des Bieres fſowie unter den Umwandlungsprodukten
der Stärke durch Diaſtaſe einen Körper gefunden, der in
allen Eigenſchaſten und Reaktionen mit der von E. Fiſcher
ſynthetiſch und ſpäter von Scheibler und Mittelmeier im käuf⸗
lichen Stärkezucker aufgefundenen Iſomaltoſeübereinſtimmt.
Lintner und Düll kamen auf Grund ſehr eingehender Studien
und experimenteller Verſuche zu dem Reſultate, daß durch Ein⸗
wirkung von Diaſtaſe auf Stärke Amylo⸗, Erythro⸗ und Achroo⸗
dextrin I und II, Iſomaltoſe und Maltoſe gebildet werden.
42 Chemiſche Beſtandteile der Gerſte.
Dieſe von Lintner aufgeſtellte Theorie ſtieß bald bei einigen
Forſchern, Scheibler, Mittelmeier, Brown und Morris, auf
Widerſpruch, während von anderen die Exiſtenz der Iſomaltoſe
als Abbauprodukt der Stärke durch Diaſtaſe anerkannt wurde.
Ja nach Arm. Baus Unterſuchung ſollen zwei verſchiedene Iſo⸗
meren von Iſomaltoſe auftreten, die auch von anderer Seite an⸗
erkannt wurden, als Iſomaltoſe a und Iſomaltoſe 5 bezeichnet.
H. Oſt veröffentlichte in der Chemiker⸗Zeitung Jahrg.
1895 in ſehr ausführlicher Weiſe ſeine ſeit längerer Zeit
gemachten Studien über die Hydrolyſe von Stärke durch
Diaſtaſe und Säuren und kommt in Übereinſtimmung mit
den Unterſuchungsreſultaten von Chr. Ulrich zu dem Schluſſe,
daß die Iſomaltoſe von Lintner und Düll nicht exiſtiert,
dieſe vielmehr unreine Maltoſe iſt, ferner, daß die von den
engliſchen Forſchern aufgeſtellte Maltodextrin⸗ und Amyloin⸗
theorie nicht aufrecht zu halten iſt. Auch Prior ſührt Beweiſe
für die Nichtexiſtenz der Iſomaltoſe an und hält dieſe ſür ein
Gemiſch von Achroodextrin III und Maltoſe.
Lintner läßt nun ſeine Iſomaltoſe fallen.
Nach dem jetzigen Stande der wiſſenſchaftlichen Forſchung
iſt anzunehmen, daß beim Maiſchprozeß durch Einwirkung
von Diaſtaſe die Stärke abgebaut wird in drei Achroodextrine
und in Maltoſe. Eine vollſtändige Überführung der Stärke
in Maltoſe iſt, wie ſchon bemerkt, ausgeſchloſſen. Was das
Mengenverhältnis der Abbauprodukte betrifft, ſo iſt dies,
abgeſehen vom Malztypus, abhängig von der Menge der
einwirkenden Diaſtaſe, ferner von Temperatur und Ein⸗
wirkungsdauer. Dazu ſei bemerkt, daß das Mengenverhältnis
der Abbauprodukte Maltoſe und Achroodextrin auch beein⸗
flußt wird durch den Feinheitsgrad des Malzſchrotes, und
ferner durch das Maiſchverfahren. Selbſt unter den günſtigſten
Verhältniſſen werden nur 80 %% der Stärke in Maltoſe, der
übrige Teil in Achroodextrine übergeführt. In der Praxis
wird die Maltoſemenge ſelten mehr als 75% betragen, kann
aber bis zu 65 % und darunter fallen. Als Optimus⸗
temperatur, d. h. als jene Temperatur, bei der unter ſonſt
Zucker. 43
gleichen Bedingungen die meiſte Maltoſe gebildet wird, gilt
55 bis 63° wie oben bemerkt. Höhere Temperaturen, etwa
75 bis 80°C bewirken eine raſchere Verflüſſigung oder einen
ſchnelleren Abbau der Stärke, die Würzen fallen aber dextrin⸗
reicher und zuckerärmer aus. Der Unterſchied in dem Ver⸗
hältnis von Maltoſe zu Achroodextrin wird deſto größer ſein,
je länger die genannten Temperaturen eingehalten werden.
Zucker. Nach den neueſten Unterſuchungsergebniſſen
iſt Rohrzucker, Saccharoſe, die einzige in der Gerſte vor⸗
gebildete Zuckerart. Dieſer Zucker iſt im Pflanzenreiche ſehr
verbreitet. Seinen Namen hat er davon, weil er urſprünglich
aus dem Zuckerrohr gewonnen wurde. Heutzutage wird
vielfach die Zuckerrübe zur Herſtellung verwendet.
Rohrzucker kriſtalliſiert in waſſerfreien, farbloſen Kri⸗
ſtallen. Er iſt in Waſſer ſehr leicht, in abſolutem Alkohol
ſchwer löslich. Je verdünnter der Alkohol, deſto leichter geht
die Löſung vor ſich. Mit den alkaliſchen Erden gibt er Verbin⸗
dungen, Saccharate genannt, die durch Kohlenfäure in Zucker
und die betreffenden kohlenſauren Salze zerlegt werden. Durch
Einwirkung von verdünnten Säuren (Salzſäure, Schwefel⸗
fäure) wird er unter Aufnahme von Waſſer in Dextroſe und
Lävuloſe geſpalten (Invertzucker). Mit Hefe iſt er nicht
direkt vergärbar, ſondern wird zunächſt durch das in der
Hefe vorhandene Ferment Invertin in Invertzucker über⸗
geführt. Konzentrierte Schwefelſäure ſchwärzt, zerſtört Sac⸗
charoſe fofort, während Alkalien ohne Wirkung auf ihn find.
Sog. Fehlingſche Löſung wie auch das Barfödſche Reagenz
werden durch Rohrzucker nicht reduziert, jene bei langem
Kochen nur allmählich und unvollſtändig. Mit Phenylhydrazin
gibt er kein Glukoſazon. Im trocknen, reinen Zuſtande erhitzt,
verändert ſich Rohrzucker bis zu 100° C nicht. Bei 160° C
ſchmilzt er, und wird die Temperatur weiter geſteigert, jo tritt
allmählich Bräunung ein, es bildet ſich Karamel und Aſſamar.
Wäſſerige Zuckerlöſungen haben ein höheres ſpezifiſches
Gewicht als Waſſer; darauf gründet ſich die Konſtruktion
und Verwendung der Saccharometer.
44 Chemiſche Beſtandteile der Gerſte.
Das Ballingſche Saccharometer, das hauptſächlich
in der Brauerei benützt wird, gibt nicht das ſpezifiſche Gewicht
einer Zuckerlöſung, ſondern den Prozentgehalt an und wird,
zum Gegenſatz vom ſpezifiſchen Gewichtsaräometer, Prozent⸗
aräometer genannt.
Das Ballingſche Saccharometer wurde urſprünglich zur
Ermittelung des Rohrzuckers in derartigen Löſungen an⸗
gefertigt, doch wird es, wie erwähnt, vielfach in der Brauerei
zur Ermittelung des Extraktgehaltes in Würze und Bier
verwendet, ausgehend von der Überzeugung, daß die Extrakt⸗
beſtandteile in Würze und Bier faſt das gleiche ſpezifiſche
Gewicht haben wie Rohrzucker.
Die Genauigkeit der Aräometerangabe iſt aber weſentlich
von der Temperatur der betreffenden Flüſſigkeit abhängig,
und es iſt daher darauf zu achten, daß bei Benutzung der
Aräometer die Flüſſigkeit jene Temperatur (Normaltemperatur)
beſitzt, bei der die Inſtrumente geeicht worden ſind oder es
muß eine Korrektur eintreten. Die meiſten Aräometer, ſo
auch das Saccharometer von Balling, haben am Senkkörper
ein Thermometer, ſo daß die Temperatur der zu prüfenden
Flüſſigkeit gleichzeitig mit der weiteren Angabe abgeleſen
werden kann. Zudem iſt an der Thermometerſkala die vor⸗
zunehmende Korrektur für die Abweichungen von der Normal⸗
temperatur angegeben. Immerhin iſt aber zu empfehlen, das
Saccharometer in Flüſſigkeit einzuſenken, die nicht bedeutende
Abweichungen von der Normaltemperatur (Saccharometer von
Balling 17,5 C) zeigt, oder ev. eine entſprechende Erwärmung
oder Abkühlung der Flüſſigkeit vorzunehmen.
Bei dem Gebrauche des Saccharometers muß vor allem
darauf geachtet werden, daß es in der zu prüfenden Flüſſigkeit
frei ſchwimmt und daß das Ableſen der Saccharometeranzeige
in einer beſtimmten, einzig richtigen Weiſe geſchieht. Die
Flüſſigkeit zieht ſich an der Spindel infolge von Adhäſion
mehr oder weniger hoch hinauf. Dieſer oberſte Punkt der
Flüſſigkeit wird nicht berückſichtigt, ſondern man bringt das
Auge etwas unter den Flüſſigkeitsſpiegel und lieſt jenen Teil⸗
Eiweißſtoffe. 45
ſtrich an der Spindel ab, wo die Flüſſigkeitsoberfläche direlt
die Skala des Saccharometers ſchneidet.
Saccharoſe dreht das polariſierte Licht ſtark nach rechts.
Auf das Verhalten von Zucker gegen polariſiertes Licht gründet
ſich die optiſche Saccharometrie, die in Zuckerfabriken
zur quantitativen Beſtimmung von Zucker in Zuckerlöſung
meiſt zur Anwendung kommt.
Außer Rohrzucker hat O'Sullivan in der Gerſte Raffinoſe
nachgewieſen, welche Loiſeau im Jahre 1876 in der Rüben⸗
zuckermelaſſe aufgefunden hat. Sie bildet dünne Nadeln, iſt
in Waſſer leicht, in ſtarkem Weingeiſt ſchwer löslich. Fehling⸗
ſche Löſung wird nicht reduziert. Mit Hefe iſt die Raffinoſe
nicht direkt vergärbar, wird aber durch Enzyme in der Hefe
nach Arminius Bau in Lävuloſe und Melibioſe -gejpalten,
die beide durch untergärige Hefen vergoren werden, während
obergärige Hefe die Melibioſe intakt läßt. Brown und Morris
fanden, daß die Raffinoſe bei der Ernährung des Keimlings
eine Rolle ſpielt und im erſten Stadium des Wachstums
dem Embryo zur Nahrung dient.
Sonſtigeſtickſtofffreie organiſche Subſtanzen.
O'Sullivan fand in der Gerſte und auch im Weizen zwei
Körper, a- und 6-Amylan genannt, durch Extrahieren der
Gerſte zuerſt mit Alkohol und dann mit Waſſer. Die wäſſrige
Löſung wird eingedampft und mit Alkohol gefällt. Kaltes
Waſſer löſt B-Amylan aus dem entſtandenen Niederſchlag auf,
während a-Amylan aus dem Rückſtand durch verdünnte Salz⸗
ſäure extrahiert und gelöſt und wiederholte Fällung mit
Alkohol gewonnen wird. Beide Amylane beſitzen Linksdrehung
und werden durch verdünnte Säuren in Dextroſe übergeführt.
Weiter gehören hierher das Gerſtengummi von Lintner,
das Xylan, Holzgummi von Thomſon und Tollens, die Pektin⸗
ſtoffe von Ullik.
Stickſtoffhaltige Körper, Proteinkörper, Ei⸗
weißſtoffe. Die Eiweißkörper werden eingeteilt: |
1. In eigentliche Eiweißkörper, wobei die in Waſſer lös⸗
lichen und durch Salze nicht ausfällbaren Albumine und
46 Chemiſche Beſtandteile der Gerſte.
die unlöslichen und durch Salze ausfällbaren Globuline
unterſchieden werden. Es gehören hierher auch noch die
koagulierbaren Eiweißkörper und die ſauren und phos⸗
phorhaltigen Nukleine.
2. In Umwandlungsprodukte der Eiweißſtoffe, nämlich in
die durch Säuren entſtandenen Acidalbumine und in
die durch Laugenbehandlung entſtandenen Albuminate.
3. In Proteide, Verbindungen der Eiweißkörper mit
anderen organiſchen Stoffen.
4. In Albuminoide, Beſtandteile von Horn, Haut, Faſern
des tieriſchen Körpers. |
Nach Ritthauſen beſtehen die Proteinkörper der Gerſte
aus Glutenkaſein, Glutenfibrin, Mucidin und Albumin. Von
dieſen ſind die beiden erſten im Waſſer unlöslich, aber löslich
in Weingeiſt, die beiden letzten ſchon in Waſſer leicht löslich.
Nach Osborne beſtehen die Eiweißkörper des Gerſtenkorns
aus einem Albumin, einem Globulin, einem Protamin und
einem vollſtändig unlöslichen Protein.
Das Albumin der Gerſte nennt er Leukoſin, das leicht
löslich in Waſſer und bei 52° C gerinnbar iſt;
das Globulin nennt er Edeſtin. Es iſt aus ſeinen Salz⸗
löſungen durch Verdünnung fällbar;
das Protamin nennt er Hordein, das in 75%, Alkohol
löslich iſt.
Die Geſamtmenge wie die Menge der einzelnen in der
Gerſte vorkommenden ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen ſchwankt ſehr
bedeutend. Durchſchnittlich beträgt die Geſamtmenge 7%.
Den Proteinkörpern der Gerſte kommt für die Malz⸗ und
Bierfabrikation eine große, Bedeutung zu. Aus ihnen werden
die beiden ſo wichtigen Enzyme Peptaſe und Diaſtaſe gebildet;
andererſeits erleiden ſie weſentliche Umänderungen, werden in
Albumoſen, Peptone, Amide und Amidoſäuren geſpalten,
welche Körper betreffs der Ernährung der Hefe bei der Gärung,
der Zuſammenſetzung, der Vollmundigkeit, Nahrhaftigkeit und
Schaumhaltung der Biere eine große Rolle ſpielen.
Verſchiedene Gerſten enthalten, wie bereits erwähnt, ver⸗
Elweißſtoffe. 47
ſchiedene Mengen von Eiweißſtoffen. Gerſte mit hohem Protein⸗
gehalt, über 10,5 %%, tft nicht beliebt, weil ſolche Gerſte ärmer
an Stärke iſt und ſich ſchwieriger vermälzen läßt (hitziges
Wachstum), weil die Würzen zu eiweißreich ausfallen, mithin
Trübungen und raſcheres Verderben des Bieres die Folge ſein
können. Man kann zwar ohne jegliche Störung auch aus ſehr
eiweißreicher Gerſte ein ganz gutes Bier erzeugen, wenn die
einzelnen Operationen der Bierfabrikation richtig geleitet
werden, ja man hat es geradezu in der Hand, aus einer Gerſte
mit hohem Proteingehalt eine ſtickſtoffärmere Würze, aus einer
mit geringerem Proteingehalt eine ſtickſtoffreichere Würze zu er⸗
zielen. Kürzeres oder längeres Gewächs auf der Tenne und die
Führung des Darrprozeſſes ſind in dieſer Richtung von Einfluß.
Die Eiweißkörper werden ebenfalls wie andere Reſerve⸗
ſtoffe der Gerſte zur Ernährung des Embryo herangezogen,
allein da ſie mehr oder weniger in Waſſer unlöslich ſind,
können fie die Zellwandungen nicht durchdringen, müſſen des⸗
halb zunächſt in leicht lösliche, diffundierbare Subſtanzen um⸗
geändert werden. Als Umwandlungsprodukte ſind anzuſehen:
Albumoſen, Peptone, Amide und Amidoſäuren. Sie unter⸗
ſcheiden ſich von den löslichen Eiweißkörpern dadurch, daß ſie
beim Kochen nicht gerinnen.
1. Albumoſen zeichnen fich als kolloidale Körper beim
Schütteln mit Waſſer durch ſtarke, lange Zeit bleibende Schaum⸗
bildung aus und tragen daher zur Schaumhaltung und Voll⸗
mundigkeit des Bieres in außerordentlicher Weiſe bei. Sie
laſſen ſich durch Zinkſulfat aus ihren Löſungen ausſcheiden.
Nach den Angaben von Windiſch ſind es gerade dieſe
Albumoſen, die die Vollmundigkeit und Schaumhaltung der
Biere hauptſächlich bedingen. Windiſch ſchlägt auf Grund
ſeiner Beobachtung und Erfahrung ein neues Maiſchverfahren
vor, das außer anderen bedeutenden Vorteilen auf eine reich⸗
liche Bildung von Albumoſen abzielen ſoll (ſ. Maiſchverfahren).
Man weiß zwar, daß durch die Art der Führung des
Haufens auf der Tenne die Albumoſebildung beeinflußt
werden kann. Kurzgewachſenes Malz muß mehr Albumoſen
48 Chemiſche Beſtandteile der Gerſte.
enthalten als langgewachſenes; der Abbau der Proteinkörper
iſt bei jenem weniger weit vorgeſchritten. Allein es wäre
ganz und gar verfehlt, wollte man den Keimprozeß in der
Weiſe führen, daß möglichſt viel Albumoſen auftreten. Auf⸗
löſung und Bildung von Diaſtaſe find die zwei Hauptpunkte,
die beim Mälzungsprozeß im Auge behalten werden müſſen.
Gute Auflöſung und reichliche Mengen von Diaſtaſe werden
in der Regel aber nur erzielt durch kräftigere, ſtärkere Ent⸗
wickelung der Keime.
2. Peptone, werden durch Zinkſulfat nicht gefällt und
ſind weniger von Bedeutung weil ſie fehr raſch in die
letzten Umwandlungsprodukte, in die
3. Amide und
4. Amidoſäuren übergeführt werden.
Dieſe ſpielen als Beſtandteil der Würze bei der Ernährung
der Hefe während der Gärung eine wichtige Rolle. Amide
leiten ſich ab aus dem Ammoniak, in dem ein oder mehrere
Waſſerſtoffatome durch Säureradikale erſetzt ſind.
Amidoſäuren entſtehen beim Kochen der Amide mit Salz⸗
ſäure, wobei Ammoniak in Form von Chlorammonium ab⸗
geſpalten wird.
Von den Amiden ſind hier zu erwähnen das Aſparagin
und Glutamin. Aſparagin iſt zuerſt im Spargel entdeckt
worden; es entſteht, wie bei der Keimung der Samen, ſo
auch bei der Keimung der Gerſte. In den Malzkeimen wurde
es aufgefunden und nachgewieſen, nicht aber im Malzkorn.
Außer Aſparagin entſteht auch Glutamin.
Die Amide ſind kriſtalliniſche Subſtanzen, leicht löslich in
Waſſer, Alkohol und Ather, außerordentlich leicht diffuſibel.
Von den Amidoſäuren, die in der Würze und im Biere als
Abbauprodukte der Eiweißkörper vorkommen, ſind zu nennen
Leucin und Tyroſin. Auch dieſe Körper ſind kriſtalliniſch,
leicht löslich und können Membrane ſehr leicht durchdringen.
Enzyme. Anſchließend an die Beſprechung der ſtickſtoff⸗
haltigen Beſtandteile des Gerſtenkornes und ihrer Umwand⸗
lungsprodukte beim Keim⸗, Darr⸗ und Maiſchprozeß, den
Enzyme, 49
Albumoſen, Peptonen, Amiden und Amidoſäuren, ſollen die
für die Bierfabrikation wichtigen Enzyme Erwähnung finden.
Der ganze Brauprozeß iſt ja eigentlich ein enzymatiſcher Prozeß.
Dieſe Enzyme ſind auch ſtickſtoffhaltige Subſtanzen,
ſtehen den Eiweißkörpern nahe und entſtehen jedenfalls aus
dieſen durch einen bis jetzt noch unbekannten Prozeß. ;
Es iſt ſchon einmal gejagt worden, daß ein Hauptgrund
der Malzbereitung die Erzeugung des Enzyms Diaſtaſe iſt.
Den in der Gerſte und in Malz ſich vorfindenden Enzymen
kommt eine hochwichtige Bedeutung zu, wie ja ebenfalls ſchon
bemerkt wurde.
Es iſt bis jetzt nicht gelungen, auch nur eines der En⸗
zyme in völlig reinem Zuſtande darzuſtellen. Als allge⸗
meine Eigenſchaften können angeführt werden: Kleine Mengen
eines Enzyms vermögen große Mengen des betreffen⸗
den Körpers, auf den ſie einwirken, zu verändern, zu ſpalten,
ohne daß das Enzym in feiner Leiſtungsfähigkeit geſchwächt
wird. Die Wirkung der Enzyme äußert ſich nur innerhalb
gewiſſer Temperaturgrenzen. Es iſt ein Temperatur⸗Mini⸗
mum⸗Optimum und⸗Maximum zu unterſcheiden. Über das
Temperaturmaximum, das bei Löſungen immer unter 100° C
liegt, verlieren ſie ihre Wirkung und werden zerſtört. Im
trockenen Zuſtande können fie bis auf 100° Cſerhitzt werden,
ohne Veränderung zu erleiden. Alle Enzyme ſind in Waſſer
löslich. Durch Alkohol werden ſie gefällt, einige erleiden dabei
ſeine Zerſetzung.
Man unterſcheidet nach den Körpern, auf die Enzyme ein⸗
zuwirken vermögen:
1. Enzyme, die Kohlenhydrate umwandeln,
2. Enzyme, die Eiweißkörper verändern,
3. Enzyme, die Glykoſide ſpalten, und
4. Enzyme, die Fett ſpalten.
Hier kann und ſoll nur auf jene Enzyme Rückſicht genommen
werden, die, wie bemerkt, bei der Bierfabrikation eine Rolle
pielen, die mithin in den Rohmaterialien entweder ſchon
vorgebildet ſind oder beim ee erzeugt werden.
Bierbrauerei.
50 Chemiſche Beſtandtelle der Gerſte.
Glykaſe wurde von Cuiſinier ein Enzym genannt, das
ſich in ungekeimter Gerſte und in größerer Menge im Mais
vorfindet. Auf gewöhnliche Stärke iſt Glykaſe ohne Wirkung,
weil ſie Stärke nicht zu verflüſſigen, zu löſen vermag. Lös⸗
liche Stärke wird aber, doch langſam, in Zucker, Dextroſe,
umgewandelt. Weit ſtärker iſt deſſen Einwirkung auf Dex⸗
trine und Maltoſe, die ſehr leicht zu Dextroſe abgebaut werden.
Cuiſinier gab dem gebildeten Zucker den Namen Cerealoſe,
doch iſt dieſer nach anderen Forſchern identiſch mit Dextroſe.
Nach Lintner findet ſich Glykaſe auch im Malze, und er ſchließt
daraus, daß beim Maiſchprozeß aus Maltoſe und Dextrin
etwas Dextroſe entſteht. Geduld veröffentlichte eine Methode
zur Gewinnung der Glykaſe und führt als Reſultate ſeiner
Studien über Glykaſe an, daß dieſes Enzym in nicht gekeim⸗
ten Getreidekörnern, in Gerſte ebenfalls, in zwei Modifika⸗
tionen, in Waſſer löslichem und unlöslichem Zuſtande vor⸗
kommt, daß es Stärke nicht zu löſen vermag und lösliche Stärke 8
nur ſehr ſchwach angereift, hingegen aber Maltoſe und
auch Dextrin ſehr leicht in Dextroſe umwandelt. Als
Temperatur⸗ Optimum für die Wirkung der Glykaſe wird
50 bis 60° C angegeben. Von Brown wird das Vorkommen
der Glykaſe in Gerſte beſtritten, und auch nach Beye rink
enthält die Gerſte keine Glykaſe.
Hefeglykaſe (Hefemaltaſe). Lintner machte darauf
aufmerkſam, daß ſich in der Hefe ein Enzym findet, das
die Eigenſchaft beſitzt, Iſomaltoſe und Maltoſe noch weiter
zu Dextroſe zu ſpalten, und wies nach, daß dieſes Enzym mit
dem Invertin (Invertaſe) der Hefe nicht indentiſch iſt. E. Fiſcher
wählte hierfür die Bezeichnung Hefeglykaſe (Hefemaltaſe).
E. Bourquelot nimmt an, daß die Maltoſe nicht direkt ver⸗
gärbar ſei, ſondern Gärung erſt eintritt, ſobald dieſer Zucker
durch Hydrolyſe in Dextroſe übergeführt iſt.
Mit Cyta ſe bezeichnen Brown und Morris ein Enzym,
das während des Keimprozeſſes wie die Diaſtaſe von dem
Epithelium abgeſondert wird. Die Wirkung dieſes Enzymes
beſteht in der Löſung der Zellwände im Gerſtenendoſperme,
Enzyme. 51
wodurch der Mehlkörper die bekannte leichte Zerreiblichkeit
bekommt, die als Auflöſung bezeichnet wird. Es dürſte ſich
dabei ein hydrolytiſcher Prozeß abſpielen, wobei die Zell⸗
häute in ein lösliches Kohlenhydrat umgewandelt werden,
das vom wachſenden Embryo leicht aufgenommen werden
kann. Die für die Wirkung der Cytaſe günſtige Tempe⸗
ratur iſt 40 bis 45°C. Bis jetzt iſt dieſes Enzym im reinen
Zuſtande noch nicht dargeſtellt worden. Cytaſe wird bei
50° C ſchon weſentlich geſchwächt, bei 60° C gänzlich zer⸗
ſtört. Das iſt auch der Grund, daß ſie im Grün⸗ und
Schwelkmalz leicht aufgefunden werden kann, im fertigen
Darrmalz nicht oder nur in ganz geringen Mengen anzu⸗
treffen iſt. Morris macht darauf aufmerkſam, daß er in
Würze und Bier ein Kohlenhydrat aufgefunden habe, das
auf Fehlingſche Löſung reduzierend wirkt, bei der Gärung
aber nicht in Alkohol und Kohlenſäure geſpalten wird. Dieſer
Körper ſei ein Produkt der Keimung und wahrſcheinlich das Um⸗
wandlungsprodukt der Zellwände der ſtärkeführenden Zellen,
die während der Keimung unter dem Einfluß der Cytaſe ver⸗
ſchwinden. Auf Grund der Arbeiten von Reinitzer und Grüß
über Cytafe dürfte vorſtehendes nicht aufrecht zu halten fein.
Diaſtaſe iſt das für die Brauerei und Brennerei wich⸗
tigſte Enzym. Sie vermag die Stärke zu löſen und in Dextrin
und Maltoſe umzuwandeln. Die Diaſtaſe wird während der
Keimung der Gerſte gebildet und es iſt, wie ſchon früher
bemerkt, die Erzeugung von Diaſtaſe ein Hauptgrund der
Malzbereitung. Sie entſteht beim Keimprozeß aus den ſtick⸗
ſtoffhaltigen Beſtandteilen des Gerſtenkornes, iſt als deren
Zerfallprodukt anzuſehen und wird im Embryo ſelbſt gebildet,
weil die dem Embryo zunächſt liegenden Schichten des
Endoſperms zuerſt angegriffen werden. Man findet auch in
der Nähe des Keimlings eine größere Anhäufung der Diaſtaſe,
während in dem oberen Teil des Kornes bedeutend weniger
anzutreffen iſt.
Nach den Verſuchen von Brown und Morris find auf
Grund ihrer Wirkung zwei diaſtatiſche Enzyme zu unter-
je
52 Chemiſche Beſtandteile der Gerſte.
ſcheiden. Das eine, das im Zellplasma entſteht und
auf gewöhnliche Stärke nicht zu wirken vermag, wie die in
der Gerſte ſchon vorhandene Cytaſe, wird von den erwähnten
engliſchen Forſchern Translokationsdiaſtaſe genannt, während
das andere, das im Aufſaugeepithel durch eine ſezernierende
Tätigkeit der Zellen gebildet wird, als Sekretionsdiaſtaſe
bezeichnet wurde. Dieſe vermag Stärke zu löſen und zu
verzuckern.
Schon aus dieſer kurzen Bemerkung iſt zu erſehen, daß
die Sekretionsdiaſtaſe von größter Bedeutung für den Maiſch⸗
prozeß iſt. Sie iſt auch kurzweg unter der Bezeichnung
Diaſtaſe zu verſtehen.
Lintner gibt zur Darſtellung von Diaſtaſe folgende
Methode an: Ein Teil Grün⸗ oder Luftmalz wird mit zwei
bis vier Teilen 20 prozentigem Alkohol mindeſtens 24 Stunden
bei gewöhnlicher Temperatur extrahiert. Der filtrierte Auszug
wird mit dem doppelten, höchſtens 2½ fachen Volumen ab⸗
ſolutem Alkohol verſetzt. Es entſteht ein Niederſchlag, der
ſich in gelblich weißen Flocken raſch abſcheidet. Man bringt
den Niederſchlag nach Abgießen der überſtehenden Flüſſigkeit
auf ein Filter und ſaugt den Alkohol ab. Hierauf wird der
Filterinhalt in einer Reibſchale mit abſolutem Alkohol ver⸗
rieben, filtriert und der Niederſchlag auf dem Filter mit ab⸗
ſolutem Alkohol ausgewaſchen. Sodann wird dieſe Mani⸗
pulation unter Anwendung von Ather ſtatt abſoluten Alkohols
wiederholt und nach Entfernung des Athers der Niederſchlag
im Vakuum getrocknet. Man erhält auf dieſe Weiſe ein
lockeres, gelblich weißes Pulver von kräftig wirkender
Diaſtaſe, ſog. Rohdiaſtaſe. Durch Wiederholung einer Auf⸗
löſung dieſer ſo gewonnenen Diaſtaſe in verdünntem und
Fällen mit abſolutem Alkohol uſw. läßt ſich das Ferment von
ſtickſtofffreien Beſtandteilen vollſtändig reinigen, ſo daß es
weder direkt, noch auch nach der Behandlung mit Salzſäure
auf Fehlingſche Löſung reduzierend wirkt. Am ſchwierigſten
iſt die Befreiung der Diaſtaſe von den Aſchenbeſtandteilen,
den anorganiſchen Salzen. Doch gelang es durch Dialyſe
Enzyme. 53
den Aſchengehalt von 16°/, des friſchgefällten Präparates
bis auf 5% zu vermindern.
Die Elementaranalyſe eines ſehr reinen Diaſtaſepräparates,
das gleichzeitig das höchſt erreichbare Fermentativvermögen
beſaß, ergab:
Lintner Szilägyi
Kohlenftoff . .. 46,66 46,80
Waſſerſtoffff. 7,35 7,44
Stickſtoff.. . 10,42 9,98
Sauerſtoff . 34,45 34,64
Schwefel 1,12 1.14
Die Aſche der Diaſtaſe beſteht nach Lintner lediglich
aus neutralem Kalziumphosphat, nach Zulkowsky aus
Kalium⸗Kalzium⸗ und Magneſiumphosphat.
Eigenſchaften der Diaſtaſe. Die Diaſtaſe gibt faſt
alle Reaktionen der Eiweißkörper mit Ausnahme der Biuret⸗
reaktion. (Die Biuretreaktion beſteht darin, daß man auf
den betr. Körper, in Waſſer gelöſt, ein bis zwei Tropfen
Natronlauge und ebenſoviel Kupferſulfatlöſung einwirken
läßt. Es muß dann Purpurrotfärbung eintreten.) Dagegen
zeigt ſie eine Reaktion, die ſonſt bei keinem Proteinkörper
beobachtet wurde, nämlich Blaufärbung mit Quajaktinktur
und Waſſerſtoffſuperoxyd. Die geringſten Mengen von Diaſtaſe
laſſen ſich dadurch nachweiſen.
Man verwendet zur Ausführung dieſer Reaktion nach
Lintner eine friſch bereitete Löſung des Quajakharzes, der
man einige Tropſen Waſſerſtoffſuperoxyd zuſetzt. Entſteht
hierdurch eine Trübung, ſo fügt man ſo viel Alkohol zu, bis
dieſe aufgehoben wird. In der ſo vorbereiteten Löſung entſteht
auf Zuſatz einer Diaſtaſelöſung (0,1 Diaſtaſe in 200 cem
Waſſer) ſtets eine intenſive Blaufärbung, und zwar momentan.
Charakteriſtiſch iſt dieſe Reaktion auch nur, wenn ſie in
wenigen Minuten auftritt.
Diaſtaſelöſung verliert, wenn fie über 80° C erhibt oder
nur kurze Zeit gekocht oder mit einer Säure, einem Alkali
verſetzt wird (ſehr wenig unſchädlich), ihre fermentative Eigen⸗
54 Chemiſche Beſtandteile der Gerſte.
ſchaft. Im trockenen Zuſtande kann fie auf 100° C und
darüber erhitzt werden, ohne daß deren Wirkung vollſtändig
verloren geht; Schwächung tritt wohl ein.
Die wichtigſte Eigenſchaft der Diaftafe tft, Stärke in Dex⸗
trin und Maltoſe umzuwandeln.
Die Wirkung der Diaſtaſe auf Stärke kann auf verſchiedene
Weiſe beeinflußt werden.
Je nach der Temperatur, die angewendet wird, ſind die
Umwandlungsprodukte der Stärke durch Diaſtaſe der Menge
und Natur nach verſchieden.
Lintner führt 50 bis 55° C als jene Temperatur an,
bei der innerhalb der kürzeſten Zeit am meiſten Maltoſe und
am wenigſten Dextrin entſteht. Oberhalb dieſer Temperaturen
bis zum Temperaturmaximum 70 bis 75° C wird weniger
Maltoſe doch mehr Dextrin gebildet. Bei 80° O kann die
Diaſtafe Stärkekleiſter noch verflüſſigen, die verflüſſigte Stärke
aber nicht mehr verzuckern.
Je nach der eingehaltenen Temperatur wechſelt das Ver⸗
hältnis zwiſchen gebildeter Maltoſe und Dextrin. Bei voraus⸗
gegangenem zehn Minuten langem Erwärmen des Malz⸗
auszuges ergab die Verzuckerung des Stärkekleiſters bei
50° C folgende Werte:
Vorerwärmung bei 63°C 63,0% Maltoſe, 37,0 % Dextrin
7) 15 68°C 35,0%, ” 65,0% „
77 ” 70°C 17,4% 77 82,6 % 77
Das Optimum liegt alſo zwiſchen 54 bis 63° C (nach Kjeldahl).
Gleichzeitig vorhandene Stärke hemmt die Schädigung der
Diaſtaſe durch Wärme, ſo daß in der Praxis die Maiſchen
bei 63 bis 70° C noch glatt verzuckert werden.
Intereſſant ſind die Verſuche von Lintner über den
Einfluß der Wärme auf gelöſte Diaſtaſe. Gleiche Mengen
Diaſtaſelöſungen wurden bei 55 Cverſchiedene Zeit hindurch
erhitzt und dann die Menge der Diaſtaſe ermittelt, die not⸗
wendig iſt, um die gleiche Verzuckerung zu bewirken. Von
der Diaſtaſe, die in 60 Minuten auf 55 ° C erhißt wurde, war
Enzyme. 55
viermal jo viel nötig zu dem gleichen Verzuckerungsreſultat
als von der unerhitzten Diaſtaſe.
Kleine Mengen von Säuren fördern die Wirkung der
Diaſtaſe, größere Mengen verzögern oder heben ſie ganz auf.
Alkalien dürfen als ſchädlich ſür die Wirkung der Diaſtaſe
anzuſehen ſein, wie auch die Salze der Schwermetalle.
Natriumchlorid, Kochſalz, ſoll hingegen äußerſt günſtig
wirken und die Menge des gebildeten Zuckers merklich ſteigern,
während kohlenſaures Natron, Soda, ſchon in geringer Menge
ſtark hemmend wirkt.
Beſtimmung der diaſtatiſchen Kraft eines Malzes
nach Lintner. Dieſes Verfahren beſteht darin, zu beſtimmen,
wieviel Maltoſe aus Stärke durch die im Malz vorhandene
Diaſtaſe gebildet werden kann.
Man ſtellt ſich zuerſt aus dem betreffenden Malz einen
Auszug her in der Weiſe, daß man 25 g Schrot in einen
halben Liter⸗Kolben bringt, mit Waſſer 6 Stunden digeriert,
zur Marke aufſüllt, umſchüttelt und filtriert. Nun gibt man von
dieſem Auszug bei Verwendung des Grünmalzes 2 cem, des
hellen 4 cem und des dunklen 8 cem zu 100 ccm einer
2 prozentigen Stärkelöſung, die ſich in einem 150 cem Maß⸗
kolben befindet, ſchüttelt um, läßt genau eine halbe Stunde
ſtehen (bei 20 C), fügt 10 cem 16 Natriumhydroxyd zu und
ſüllt auf die Marke auf.
Es muß nun vorher die vorhandene Menge der Maltoſe
annähernd ermittelt werden.
Zu dieſem Zweck mißt man 5 cem Fehlingſche Löſung ab,
bringt ſie in einer Schale zum Kochen und läßt darauf aus
einer Bürette die maltoſehaltige Löſung langſam unter fort⸗
geſetztem Aufkochen fließen, bis die blaue Färbung der kupfer⸗
haltigen Löſung verſchwunden iſt. Den Endpunkt der Reaktion
erkennt man mit dem Lingſchen Indikator, der hergeſtellt
wird, daß man 1,5 g Rhodanammonium und 1 g Ammonnium⸗
ferrofulfat auflöſt, 2,5 cem konzentrierte Salzſäure zufügt
und auf 10 cem mit Waſſer verdünnt. (Spuren von vor⸗
56 Chemiſche Beſtandteile der Gerſte.
handenem Ferriſalz werden durch Zuſatz von etwas Zinkſtaub
zerſtört.) Dieſer Indikator gibt mit Spuren eines Kupfer⸗
ſalzes eine Rotfärbung.
Auf Grund der Vortitration berechnet man nun, wie⸗
viel Maltoſe in 5 cem der maltoſehaltigen Löſung vor⸗
handen iſt. Beiſpiel: 25 g Wiener Malz wurden mit Waſſer
digeriert, davon 8 cem zu 100 cem 2 prozentiger Stärke⸗
löſung geſetzt, eine halbe Stunde bei 20° C ſtehen gelaſſen
und aufgefüllt.
5 cem der Fehlingſchen Löſung brauchen zur Reduktion
13,8 cem maltoſehaltige Löſung oder 5 cem der maltoſehaltigen
Löſung benötigen 38 — 1, 81 cem Fehlingſche Löſung.
Zur ganz genauen Ermittelung werden jetzt nach Reiſchauer
in 6 Reagenzgläſer 5 cem der maltoſehaltigen Stärkelöſung
gegeben und nun ins erſte Glas 1,75, ins zweite 1,80, ins
dritte 1,85 uſw. der Fehlingſchen Löſung fließen laſſen. Man
ſchüttelt um und ſetzt ſie jetzt 15 Minuten in ein kochendes
Waſſerbad. Im vierten Röhrchen, alſo bei 1,85 cem der
Fehlingſchen Löſung war nach dem Filtrieren und Zuſatz von
Eſſigſäure zum Filtrat mit gelbem Blutlaugenſalz kein Kupfer
mehr nachweisbar. 1 cem Fehlingſche Löſung entſpricht
0,00 723 g Maltoſe, 1,85 cem Fehlingſche Löſung entſpricht
0,85 & 0, 00723 = 0, 013376 g Maltoſe. 5 cem der mal⸗
toſehaltigen Stärkelöſung enthalten alſo 0,0133 76 g Maltoſe
oder 150 cem 30 & 0, 013376 = 0, 40128 g Maltoſe.
Dieſe Menge ſtammt aus 8 g Malzauszug. 500 cem ent⸗
ſprechend 25 g Malzauszug vermögen alſo = -0,40128=
25,080 und 100 g Malz vermögen aus Stärke 4>< 25,080 =
100,32 g Maltoſe zu bilden.
Die diaſtatiſche Kraft des Malzes war alſo 100,32; ſie
ſchwankt bei hellen Malzen zwiſchen 159 bis 343, bei dunklen
zwiſchen 67,7 bis 92,9, auf Trockenſubſtanz bezogen.
Iſt der Malzauszug ſehr reich an Maltoſe, ſo muß dieſe
ebenfalls beſtimmt und berückſichtigt werden.
Enzyme. 57
Darſtellung der Fehlingſchen Löſung. 34,64 g
reines Kupferſulfat löſt man in Waſſer auf und verdünnt die
Löſung auf 500 cem. Andererſeits werden 175 g Seignett⸗
ſalz in 500 cem Natronlauge vom ſpezifiſchen Gewicht 1,12
gelöſt. Beide Löſungen zu gleichen Teilen miteinander ver⸗
miſcht geben die ſog. Fehlingſche Löſung. Es iſt zweckmäßig,
die beiden Löſungen getrennt aufzubewahren und die Miſchung
erſt beim Gebrauch vorzunehmen. |
Invertin (Invertaſe). Dieſes Enzym findet ſich in
der Bierhefe und beſitzt die Fähigkeit, Rohrzucker, Saccharoſe
in Dextroſe und Lävuloſe, Invertzucker, zu ſpalten. Es findet
bei dieſer Inverſion ein hydrolytiſcher Prozeß ſtatt; Rohr⸗
zucker nimmt Waſſer auf und zerfällt dabei in gleiche Teile
Dextroſe und Lävuloſe.
Nach A. Mayer ſtellt man das Invertin aus Preßhefe
dar, indem man dieſe einige Zeit mit wenig Alkohol über⸗
gießt und ſtehen läßt, um die Zellen zu töten. Hierauf wird
die Hefe mit Sand gemengt und im Waſſer gerieben. Das
wäſſerige Extrakt gibt mit Alkohol verſetzt das Invertin als
Niederſchlag, der nach dem Filtrieren über Schwefelſäure
getrocknet wird. Nach O'Sullivan und Tompſon enthält
Hefe 2 bis 6% Invertin auf Trockenſubſtanz berechnet. Sie
ſtellen dieſes Enzym in der Weiſe dar, daß ſie abgepreßte
Bierhefe bei gewöhnlicher Temperatur ein bis zwei Monate
ſtehen laſſen, wodurch ſie in eine gelbe Flüſſigkeit verwandelt
wird, die zwar kein Gärvermögen mehr beſitzt, dagegen ein
bedeutend erhöhtes Inverſionsvermögen. Wird die Flüſſigkeit
filtriert und das Filtrat mit 47 prozentigem Alkohol verſetzt,
ſo fällt die Invertaſe aus, die nach dem Auswaſchen mit
gleichprozentigem Alkohol im Vakuum getrocknet wird.
Die Wirkſamkeit des Invertins iſt von der Temperatur
abhängig. Mit der Temperaturſteigerung nimmt die Schnellig⸗
keit der Inverſion zu bis 55 bis 60°C. Bei 65° C wird
das Enzym bedeutend geſchwächt und allmählich zerſtört; bei
75° C fofort getötet. Alkalien ſelbſt in kleinen Mengen zer⸗
58 Chemiſche Beſtandtelle der Gerſte.
ſtören die Wirkung des Invertins, während kleine Mengen
Schwefelſäure günſtig wirken.
Das Invertin wird bei der Einwirkung auf Rohrzucker
weder geſchädigt noch zerſtört. Dieſelbe Menge Invertin
vermag eine unbegrenzte Menge Rohrzucker zu invertieren.
Kjeldahl fand als günſtigſte Temperatur für die Wirk⸗
ſamkeit dieſes Enzyms 52 bis 56° C in 20 prozentiger
Rohrzuckerlöſung. Bei Überſchreitung dieſes Temperaturopti⸗
mums wird die Wirkung geſchwächt, bei 70° C geht fie verloren.
Die im vorhergehenden beſprochenen Enzyme wirken auf
die Kohlehydrate ſpaltend ein. Es iſt zweifellos, daß die
Umänderungen, welche die ſtickſtoffhaltigen Beſtandteile der
Gerſte während des Keim⸗, Darr⸗ und Maiſchprozeſſes er⸗
leiden, auch auf Enzymwirkung beruhen. Iſt es ja längſt
bekannt, daß bei der Ernährung und Verdauung der Protein⸗
körper die Enzyme Pepſin und Trypſin eine wichtige Rolle
ſpielen. Auch in den Pflanzen finden ſich ſolche Enzyme,
denen die Tätigkeit zukommt, die Eiweißſtoffe zu peptoniſieren
und in leicht diosmierbare Subſtanzen zu verwandeln.
Die Eiweißkörper der Gerſte werden bei den obenange⸗
führten Prozeſſen in Albumoſen, Peptone, Amide und Adimo⸗
ſäuren, wie früher ſchon beſprochen, abgebaut durch ein pro⸗
teolytiſches (eiweißabbauend) Enzym, das ſich im Malze vor⸗
findet. Es wurde dieſes Enzym von Grießma yer Peptaſe
genannt.
Das Vorhandenſein dieſes Enzyms wurde zuerſt bezweifelt;
Windiſch und Schellhorn haben es aber mit Sicherheit
nachgewieſen. (Wochenſchr. f. Brauerei, 1900, Seite 451.)
Lintner (Zeitſchr. f. d. gef. Brauweſen 1902, Seite 365)
gibt eine Methode an zur Darſtellung eines ſtark proteolytiſch
wirkenden Präparates.
Peptaſe entſteht erſt bei der Keimung der Gerſte. Ihre
eiweißabbauende Wirkung ſpielt bei der Keimung der Gerſte
eine wichtigere Rolle als beim Maiſchprozeß. Beim Abdarren
wird ſie nämlich zum Teil zerſtört, bei Temperaturen von
70° C vernichtet. Gleichwohl hat Krandauer (Zeitichr. f.
Jett. 59
d. geſ. Brauweſen 1905, Seite 449) ſie noch im bayriſchen
Darrmalz nachweiſen können.
Die ausführlichen und eingehenden Unterſuchungen von
Weis (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen 1903, Seite 874),
der neben Peptaſe auch Triptaſe als proteolytiſches Enzym
annimmt. haben ergeben, daß der Eiweißabbau nicht nur bis
zu Albumoſen, ſondern ſelbſt bis zu Amidoſäuren vor ſich geht.
Szymanski iſt es gelungen, aus den Eiweißkörpern der
Gerſte durch Mitwirkung von verdünnter Salzſäure pflanz⸗
liches Propepton darzuſtellen. Es ſcheint ſomit in der Gerſte
ein Enzym zu exiſtieren, das unter Mithilfe einer Säure
Eiweißkörper zu peptoniſieren vermag.
Fett. Die Gerſte enthält etwa 2 bis 3 %% Fett. Man
gewinnt dieſes, wenn Gerſtenſchrot mit Ather extrahiert und
hernach der Ather abdeftilliert wird. Es iſt eine dünne, gelb⸗
gefärbte Flüſſigkeit von angenehmem Geruch, nimmt jedoch
beim Stehen an der Luft einen widerlichen Geruch an.
Stein fand, daß dem aus Gerſte extrahierten Fette der⸗
ſelbe Geruch eigen iſt wie dem Gerſtenhaufen ſelbſt, während
Grün⸗ und Darrmalzfett den charakteriſtiſchen Geruch von
Grün⸗ oder Darrmalzfett zeigt. Daraus ſchließt Stein,
daß das Gerſtenfett während des Keim⸗ und Darrprozeſſes
Veränderungen erleidet, die ſich in der Verſchiedenheit des
Geruches zeigen.
Stellwaag gibt bei ſeinen Unterſuchungen von Gerſten⸗
fett folgendes an: Das aus gemahlener Gerſte durch Ather
erhaltene Fett ſtellt nach dem Verdunſten des Athers und
Trocknen des Rückſtandes zwiſchen 40 bis 50° C im Vakuum
ein gelbliches, braungefärbtes flüſſiges Ol dar, aus dem ſich
nach längerem Stehen ein kryſtalliniſches Fett und bei ge⸗
wöhnlicher Temperatur flüſſiges Ol ausſcheidet. Das Fett
enthält 13,62 % freie Fettſäure, 77,78 % Neutralfett und
ein Phosphorſäure enthaltendes Fett, deſſen Menge auf
Grund des analytiſch ermittelten Phosphorgehaltes auf
Lecithin berechnet 4,24% ergab. Außer den durch Atzalkali
verſeifbaren Beſtandteilen enthält das Gerſtenfett 6,08 %
60 Chemiſche Beftandteile der Gerſte.
eines Körpers, der durch Atzalkali nicht verſeifbar iſt, der
vorherrſchend aus Choleſterin beſteht.
Die Zuſammenſetzung des Gerſtenfettes iſt ſonach:
Freie Fettſäuren .. 13,62 %
Neutralfett 77,78 %
Lecithin i ar ac 4,24 2 0
Choleſterin 6,08 %%
Durch Deſtillation von Gerſte mit verdünnter Schwefel⸗
ſäure erhält man ein aus Ather kriſtalliſierendes Fett, das
Beckmann Hordeinſäure nannte.
Sonſtige Beſtandteile. Neben Stärke, Zucker, Zelluloſe und
Fett enthält die Gerſte auch noch 7 bis 11 %è Kohlehydrate
von der Zuſammenſetzung C, Hs O., fog. Pentoſane.
Mineralſtoffe (Aſchenbeſtandteile). Die Menge der Mineral⸗
ſtoffe von Gerſtetrockenſubſtanz beträgt im Mittel nach Prior
2,81 und 2,71%.
Nach Wolf enthalten 100 Gewichtsteile Gerſtenaſche:
Minimum Maximum Mittel
Kal 11,40 32,20 20,92
Natron — 6.00 2,39
Kalk 1.20 5,60 2,64
Magneſia 5,00 12,70 8,33
Eiſeno rd — 4,70 1,19
Phosphorſäure. 26,00 46,00 85,10
Schwefelläure . . — 3,90 1,80
Riefelläure . . . . 3,70 36,70 25,91
Chlor — 5,20 1,02
Von den Beſtandteilen der Gerſtenaſche ſind Kali, Mag⸗
neſia und Phosphorſäure die wichtigſten, weil ſie zur Er⸗
nährung der Hefe dienen.
In der Gerſte ſind auch Säuren vorhanden, denn ein
wäſſeriger Gerſtenauszug reagiert ſauer. Man nahm Milch⸗
ſäure als Grund dieſer ſauren Reaktion an. Prior unter⸗
ſuchte die Säuren in der Gerſte näher und kam zu dem
Reſultate, daß hauptſächlich die Anweſenheit primärer Phos⸗
Weizen. ö 61
phate den ſauren Charakter bedingt. Er ſchreibt dieſen primären
Phosphaten bei der Malz⸗ und Bierfabrikation eine große
Bedeutung zu, da ſie mit eiweißhaltigen Stoffen Verbindungen
eingehen und die Menge der primären Phosphate daher zur
Menge der in der Gerſte vorhandenen löslichen ſtickſtoffhaltigen
Körper in gewiſſen Beziehungen ſtehen dürfte.
3. Weizen.
Weizen wird entweder als Rohfrucht oder im gemälzten
Zuſtande in gewiſſen Verhältniſſen mit Gerſtenmalz ver⸗
mengt zur Herſtellung von Bier verwendet. Es gibt aber
auch einige Lokalbiere, die nur aus Weizenmalz bereitet
werden, die jog. obergärigen Weiß⸗ oder Weizenbiere.
Eine große Anzahl von Weizenſorten wird angebaut. In
Beziehung auf die Verwendung des Weizens zur Malz⸗ und
Bierbereitung kommt hauptſächlich deſſen Unterſchied in der
Beſchaffenheit des Mehlkörpers in Betracht.
Man unterſcheidet nach dieſer Richtung:
Harten Weizen, der harte, hornartige, glaſige Körner
beſitzt und meiſt reicher an ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen,
Kleber, ärmer dagegen an Stärke iſt.
Weichen Weizen, deſſen Mehlkörper mürbe, leicht zer⸗
reiblich, weiß iſt. Er enthält mehr Stärke, weniger Kleber.
Von dieſen Sorten wird nun wieder zwiſchen rotem und
weißem Weizen unterſchieden und der rote, weiche Weizen
iſt es nun, der vom Brauer bevorzugt und beſonders ge⸗
ſchätzt wird.
Die chemiſchen Beſtandteile des Weizenkornes ſind die⸗
ſelben wie die der Gerſte mit Ausnahme der Protein⸗
körper. Nach Ritthauſen enthält der Weizen außer den
bei Gerſte aufgeführten ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen auch
Gliadin. Dieſer Körper bildet mit Glutenfibrin und Mucedin
den ſog. Kleber. Gerſte, Roggen uſw. können keinen Kleber
bilden, weil das Gliadin fehlt.
Bereitet man ſich aus Weizenmehl und Waſſer einen
Teig, wäſcht dieſen, indem man Waſſer darauflaufen läßt
62 5 Malzſurrogate.
und ihn knetet, aus, ſolange ſich etwas wegwaſchen läßt, ſo
bekommt man ſchließlich eine gelblichgraue, elaſtiſche Maſſe,
die im kalten Waſſer ſoviel als unlöslich, löslich hingegen in
verdünnten Säuren und Alkalien iſt, den ſog. Kleber.
Der Weizen enthält meiſt mehr Stärke als die Gerſte.
Der Stärkemehlgehalt kann 70 und über 70% betragen. Je
reicher der Weizen an Stärke iſt, je mehliger ſeine Beſchaffen⸗
heit, je ärmer an Proteinſtoffen, für deſto wertvoller muß er
ſür Brauereizwecke gelten.
Lintner gibt über die mittlere Zuſammenſetzung des
Weizens folgende Zahlen an:
Waſſe e 13,5%
Stickſtoffſubſtan zzz. 12,5 „
H re e 2,0 „
Stärte : 64,0 „
Andere ſtickſtofffreie Extraſtoffe. 3.8 „
Rohfaſe eee 5 „
, en 1,7 4
Die Aſche enthält nach E. Wolf 23 bis 41% Kali, 39
bis 54% Phosphorſäure und 0,9 % Kalk; außerdem find
vorhanden: Natron, Magneſia, Eiſenoxyd, Schwefelſäure,
Kieſelſäure und Chlor.
4. Malzſurrogate.
Für die Verwendung von Malzſurrogaten werden eine
Menge von Vorteilen angeführt, hauptſächlich Billigkeit der
Produktion und größere Haltbarkeit der Biere nebſt Hervor⸗
treten eines beſtimmten Charakters der Biere. Es iſt nicht
möglich, in dieſem kleinen Büchlein auf eine ausführlichere
Behandlung einzugehen, inwieweit dieſe genannten Vorteile
gerechtfertigt ſind; es kann durch die Erfahrung auch das
Gegenteil hie und da erwieſen werden, und ſo ſollen in Kürze
die wichtigſten dieſer Surrogate und die Art ihrer Ver⸗
wendung beſprochen werden. Die erſte Stelle, was die
Malzſurrogate: Rels. 63
Menge anlangt, nimmt, wie aus der ſtatiſtiſchen Zuſammen⸗
ſtellung von W. May in der „Zeitſchr. f. d. geſ. Brau⸗
weſen“, Jahrgang 1895, zu erſehen iſt, der Reis ein.
Reis (Oryza sativa). Der Reis iſt eine Getreideart, die
als Nahrungsmittel eine ſehr wichtige Rolle ſpielt. Es wird
angegeben, daß etwa die Hälfte aller Menſchen ſich aus⸗
ſchließlich von Reis ernähren. Die Reiskörner ſind von einer
Spelze umgeben, welche mit dem Korn nicht feſt verwachſen
iſt. Dieſe Spelze (Schale) läßt ſich leicht entfernen, und in
geſchältem Zuſtande kommt der Reis (Kochreis) in den Handel.
König gibt als mittlere Zuſammenſetzung von unge⸗
ſchältem und geſchältem Reis nachſtehende Zahlen an:
ungeſchält geſchält
Waſ er 9,55% 13,11%
Stickſtoffſubſtan gz. 5,87 „ 7,85 „
Fett 1584, 0,63 „
Stickſtofffreie Extraktſtoffe insgeſamt. 75,85 „ 76,75 „
NRohfſe se 5,80 „ 0,63 „
MÜHE onen 1.09 , 1,04,
Hanamannfand in 100 Gewichtsteilen waſſerfreiem Reis:
Stärkemehl 85,19 Teile
Dextrin 2,63 „
Albumin 0,24 „
Proteinſtoffe 6,75 „
Fett. 0,82 „
Hülſenſtoffe 2,55 „
Mineralſtoffe. 1,82 „
Der Reis wird billig in den Handel gebracht. Allein nicht
die Billigkeit iſt es, die den Reis zu einem beſonders beliebten
und geſchätzten Malzſurrogat macht, denn nicht in allen Bier
produzierenden Ländern kommt der Reis gleich billig oder
weitaus billiger als Gerſte bezw. Malz zu ſtehen, ſondern
hauptſächlich der hohe Stärkegehalt, der ſich bis auf 74 bis
80 % erhöhen kann, und andererſeits die geringe Menge an
64 Malzſurrogate: Mais.
Proteinkörpern ſind es, die bei der Verwendung des Reiſes
zur Bierbereitung in Betracht kommen.
Die Reisſtärke ſoll von allen Stärkeſorten am ſchwerſten
von Diaſtaſe angegriffen werden, und es muß deshalb bei
der Verwendung des Reiſes in der Brauerei darauf Rückſicht
genommen werden. (Siehe Kapitel Verwendung von Malz⸗
ſurrogaten zur Biererzeugung.)
Mais (Zea mais). Der Mais, türkiſcher Weizen uſw.
kommt in einer ſehr großen Anzahl von Sorten vor. Seine
Hauptverwendung findet er als Viehfutter und zur Stärke⸗
fabrikation, doch wird er auch zur Bierbereitung, zu⸗
mal in Amerika, ſeit den letzten Jahren in ganz bedeutenden
Mengen benützt.
Die erſten Verſuche, die mit Mais zur Biererzeuzung ge⸗
macht wurden, fielen nicht zur Zufriedenheit aus. Die Ur⸗
ſache hiervon wurde in dem hohen Fettgehalt des Maiskornes
gefunden. Dieſes Fett, Ol, findet ſich in dem Keim angehäuft.
Durch Schälen und Entkeimen wurde der Fettgehalt auf ein
Minimum reduziert, und derartige Produkte, wie z. B. das
Cerealine, kommen in den Handel und werden als Brau⸗
mais verwendet.
Nach Hanamann enthalten 100 Gewichtsteile Mais⸗
trockenſubſtanz:
Sieh 2 Bee a 72,55
fl a rg 3,04
Albin 4.%.2..0:0% + 2 nm 0,38
Nicht koagulierbare, im Waſſer lösliche Proteinſtoffe 1,33
e er et ae ee ne 2,46
Unlösliche Proteinkörpenrnrnrrr. 7,67
// ĩ é 4,52
Hülfenſtef ee srun, 5,27
Extraktivſtoffe ·ſĩ w Coon. 0,84
Mineralſtoffe ͥ-ͥ uu 222 n nn. 1.94
Braumais, geſchälter und entkeimter Mais enthält nach
Wahl und Henius: N
Malzſurrogate: Rohrzucker. 65
Waſſer . . . 10,25% Fett 1,65 %
Stärke . . . 77,00, Rohfaſer .. 0,73,
Protein 9,09 „ Aſche 0,62 „
Dieſelben Gründe, die für die Verwendung von Reis
zu Brauzwecken angegeben wurden, gelten auch vom Mais.
Man hat auch verſucht, Mais zu mälzen und Maismalz
ſtatt Gerſtenmalz zu gebrauchen. Doch abgeſehen davon, daß
durch die Mälzungskoſten ein weſentlicher Vorteil bei der
Verwendung von Mais in Wegfall kommt, hat man ſich
überzeugt, daß es ſehr ſchwierig iſt, ein gut aufgelöſtes, fehler⸗
freies Maismalz zu erhalten. Der Mais braucht zur richtigen
Auflöſung während des Keimprozeſſes längere Zeit und eine
höhere Temperatur, was zur Folge hat, daß er ſehr leicht
ſchimmelig wird. Die Biere aus Maismalz hatten nur ſehr
geringe Haltbarkeit, fie wurden raſch ſauer.
Rohrzucker. Eine geringe Menge Rohrzucker, nach
Kühnemann 1,5%, findet ſich ſchon in der Gerſte. Es
iſt bei der Beſprechung der chemiſchen Beſtandteile der Gerſte
darauf hingewiefen und find die wichtigſten Eigenſchaften
dieſer Zuckerart dort angegeben. Der Rohrzucker, der in
manchen Ländern, ſo beſonders in England, zur Bierbereitung
verwendet wird, wird aus dem Zuckerrohr, in neuerer Zeit
jedoch meiſtenteils aus der Zuckerrübe gewonnen.
Rohrzucker iſt nicht direkt vergärbar. Wird nun Rohr⸗
zucker als Malzſurrogat gebraucht, ſo muß er durch das
Enzym Invertaſe, das ſich in der Hefe vorfindet, zunächſt in
den ſog. Invertzucker, der aus gleichen Teilen Dextroſe und
Lävuloſe beſteht und die beide leicht vergären, verwandelt
werden. Rohrzucker wird auch dem Biere im Lagerfaſſe, ober⸗
gärigem Biere beim Abziehen auf Flaſchen zugeſetzt. Hier
handelt es ſich weniger um die Verwendung des Rohrzuckers
als Malzſurrogat, als darum, eine gleichmäßige, raſche Nach⸗
gärung herbeizuführen, die Klärung der Biere zu fördern,
die Haltbarkeit zu erhöhen, dem Biere die ſog. Schneid zu geben.
Wie erwähnt, muß der Rohrzucker zunächſt im Gär⸗
bottich in Invertzucker verwandelt werden. Aus dieſem
Blerbrauerei. 5
66 Malzſurrogate: Invertzucker. Dextroſe.
Grunde iſt es zweckmäßiger, ſtatt Rohrzucker gleich Invert⸗
zucker zu benützen.
Invertzucker. Wie aus Rohrzucker durch Einwirkung
von Invertaſe Invertzucker entſteht, ſo geſchieht dies auch
durch Einwirkung von verdünnten Säuren. In der Tat
ſtellen ſich in England vielfach die Brauer in dieſer Weife
Invertzucker dar, und zwar vorteilhafter durch Inverſion des
aus dem Zuckerrohr, nicht aus Zuckerrüben gewonnenen Rohr⸗
zuckers mit Hefe bei 56° C.
Invertzucker iſt in Waſſer leicht löslich, er dreht das
polariſierte Licht links, und zwar weil die linksdrehende
Eigenſchaft der Lävuloſe die rechtsſtehende der Dextroſe über⸗
ragt und beide in gleicher Menge vorhanden ſind. Invert⸗
zucker iſt vergärbar, da beide Beſtandteile vergärbar ſind,
jedoch Dextroſe etwas leichter als Lävuloſe. Fehling ſche
Löſung wird durch ihn reduziert.
Dextroſe (Traubenzucker, Stärkezucker, Glukoſe). Dieſer
Zucker iſt im Pflanzenreich ſehr verbreitet. Dextroſe
kann dargeſtellt werden durch Einwirkung von verdünnten
Mineralſäuren oder Oxalſäure oder von Enzymen, Invertaſe,
Glykaſe, auf Saccharoſe. Hauptſächlich wird aber Dextroſe ge⸗
wonnen aus Stärke, durch Kochen mit verdünnter Schwefelſäure.
Die Stärke wird bei dieſem Prozeß nicht vollſtändig in
Dextroſe übergeführt. Der Stärkezucker des Handels enthält
etwa 65% vergärbaren Zucker, 18% unvergärbare Be⸗
ſtandteile und 17% Waſſer.
Um möglichſt vollkommene Überführung der Stärke in
Zucker zu erzielen und reinen Zucker zu gewinnen, exiſtieren
eine größere Anzahl patentierter Verfahren.
Wird Stärkezucker zur Biererzeugung mit verwendet, ſo
ſoll nur möglichſt reiner, kriſtalliniſcher verwendet werden.
Stärkezucker mit reichlicherem Dextringehalt haben einen
fremdartigen, kratzigen Geſchmack, der ſich auch dem Biere
mitteilt, und dieſe Dextrine find keineswegs, was Bekömmlich⸗
keit beim Genuſſe ſolcher Biere betrifft, den Dextrinen der
reinen Malzbiere gleichzuſtellen.
Malzſurrogate: Dextroſe. Maltoſe. 67
Beim Kriſtalliſieren aus Methyl⸗ oder Athylalkohol oder
konzentrierten wäſſerigen Löſungen bei 30 bis 35° C
ſcheidet ſich waſſerfreie Dextroſe, Dextroſeanhydrid, in
feinen Nadeln aus, aus wäſſerigen Löſungen in der Kälte
Dextroſehydrat als körnige Maſſe, die aus ſechsſeitigen
Blättchen beſteht.
Das Anhydrid ſchmilzt bei 146° © das Hydrat bei 80 bis
86° C. Über 200° C erhitzt, tritt unter Bräunung und
Schwärzung und unter Entwickelung von Gaſen und Dämpfen
Zerſetzung ein, es bleibt eine braunſchwarze Maſſe zurück, die
in Waſſer oder Alkohol löslich iſt, einen bitteren Geſchmack
(Aſſamar) zeigt und unter dem Namen Karamel, ge-
brannter Zucker, Zuckercouleur zum Braunfärben von
Bier und verſchiedenen anderen Flüſſigkeiten benutzt wird.
Der Geſchmack der Dextroſe iſt weniger ſüß als der des
Rohrzuckers. Nach Herzfeld 1,53 Teile Dextroſe = 1 Teil
Saccharoſe.
Dextroſe iſt im Waſſer leicht löslich. 100 Teile Waſſer
von 15° C löſen 81,68 Teile Dextroſeanhydrid, 97,85 Teile
Hydrat. Verdünnter Alkohol löſt Dextroſe, zumal in der
Wärme, leicht auf, abſoluter Alkohol jedoch nicht.
Fehlingſche Löſung wird von Dextroſe ſchon in der Kälte,
ſehr leicht in der Wärme, reduziert, ebenſo das Barfödſche
Reagens, auf das andere Zuckerarten ohne Wirkung ſind.
Dextroſe vergärt mit Hefe leicht und vollſtändig. Mit
Spaltpilzen ſtellt ſich Milchſäure⸗ und Butterſäuregärung
ein, mit anderen Organismen Schleim und Mannitgärung.
Mit eſſigſaurem Phenylhydracin auf kochendem Waſſer⸗
bad erhitzt gibt Dextroſe Glykoſazon, das ſich meiſt ſchon
während des Erhitzens in feinen gelben Nadeln ausſcheidet.
in heißem Waſſer ſehr ſchwer, in 50 prozentigem Alkohol
leicht löslich iſt. Schmelzpunkt 204° C.
Maltoſe. Die Maltoſe entſteht beim Maiſchprozeß aus
der Stärke durch die Einwirkung der Diaſtaſe. Auch bei Ein⸗
wirkung von verdünnter Säure auf Stärke tritt Maltoſe als
Spaltungsprodukt auf, doch wird ſie bei weiterer Einwirkung
5*
68 Malzſurrogate: Maltofe.
von verdünnter Schwefelſäure oder Salzſäure in Dextroſe
übergeführt, was Diaſtaſe nicht vermag.
Nach Soxhlet kann man Maltoſe auf folgende Weiſe
darſtellen: 2 kg Kartoffelſtärke mit 9 1 Waſſer angerührt,
werden auf dem Waſſerbad verkleiſtert. Der auf 65 bis 60° C
abgekühlte Kleiſter wird mit einem bei 40° C aus 120 bis
140 g Malz bereiteten wäſſerigen Malzauszug verſetzt und
eine Stunde hindurch die Temperatur von 60 bis 65° O ge=
halten. Die Diaſtaſe des Malzauszuges führt die verkleiſterte
Stärke in Dextrin und Maltoſe über. Man kocht hierauf,
filtriert dann ab und dampft in einer flachen Schale bis zur
Sirupdicke ein. Der Strup wird wiederholt mit 90% prozen⸗
tigem Alkohol behandelt, wobei die Maltoſe in Löſung
geht, die Dextrine ungelöſt zurückbleiben. Nach Entfernung
des Alkohols durch Deſtillation wird die Maltoſeflüſſig⸗
keit wieder bis zur Syrupdicke eingedampft; um die Kriſtalli⸗
ſation anzuregen und zu beſchleunigen bringt man einige
Maltoſekriſtalle hinzu. Nach 3 bis 5 Tagen erfolgt die Rei⸗
nigung der erſtarrten Kriſtallmaſſe durch wiederholtes
Waſchen mit Methylalkohol.
Die Maltoſe bildet feine, weiße, warzig gruppierte Nadeln.
Sie iſt in Waſſer leicht löslich, ſchwerer in Alkohol.
Malthoſe reduziert Fehlingſche Löſung ſchwächer als
Dextroſe, indem ſie nur gegen zwei Drittel des von Dextroſe
abgeſchiedenen Kupferoxyduls oder Kupfers abſcheidet. Nach
Brown und Heron gibt Maltoſeanhydrid nur 60,8% des
von der gleichen Menge Dextroſeanhydrid reduzierten Kupfers.
Nach Soxhlet find 100 Teile Maltoſe gleich 113 Teilen Kupfer.
Maltoſe vergärt mit Hefe nicht direkt. Es exiſtiert in der
Hefe ein Enzym, Hefeglykaſe, Hefemaltaſe genannt,
das die Eigenſchaft beſitzt, Maltoſe in Dextroſe überzu⸗
führen, ſo daß die Annahme berechtigt wäre, Maltoſe
wird bei der Gärung zunächſt in Dextroſe verwandelt.
(S. Enzyme.)
Mit Phenylhydracin gibt die Maltoſe nach 1½ſtündigem
Erhitzen auf dem Waſſerbade Phenylmaltoſazon, das ſich
Malzſurrogate: Iſomaltoſe. 69
beim Erkalten in gelben, nadelförmigen Aggregaten abſcheidet,
die bei 190° C ſchmelzen.
Maltoſe, hauptſächlich aus Maismehl hergeſtellt, kommt
in kriſtalliſiertem Zuſtande und als Sirup in den Handel
und wird auch als Malzſurrogat empfohlen, doch konnte ſie
keinen Eingang in den Brauereien finden.
Iſomaltoſe. Wie ſchon früher erwähnt, hat Lintner
in Würze und Bier Ifomaltoſe nachgewieſen. Zuerſt wurde
ſie von Emil Fiſcher ſynthetiſch erhalten durch Einwirkung
von konzentrierter Salzſäure auf Dextroſe. Von Scheibler
und Mittelmeier wurde ſie im käuflichen Stärkezucker
aufgefunden.
Lintner äußert ſich über Iſomaltoſe: Sie entſteht ſtets
bei unvollſtändiger Einwirkung der Diaſtaſe auf Stärke.
Läßt man Malzauszug bei 67 bis 70° C auf Stärkekleiſter
einwirken und unterbricht die Wirkung, wenn die Flüſſigkeit
eine rotviolette bis rotbraune Färbung mit Jodlöſung gibt,
ſo hat man in der Flüſſigkeit neben Dextrin hauptſächlich
Iſomaltoſe. Dieſer Zucker iſt ein. wichtiger Beſtandteil im
Biere; er verleiht ihm, wegen ſeines Geſchmackes und ſeines
dextrinähnlichen Charakters eine gewiſſe Süße und Voll⸗
mundigkeit. Es iſt wahrſcheinlich, daß die Iſomaltoſe, da ſie
ſchwer vergärt, bei der Nachgärung eine wichtige Rolle ſpielt,
die Haltbarkeit des Bieres weſentlich bedingt.
Iſomaltoſe iſt bis jetzt in kriſtalliſiertem Zuſtande nicht
erhalten worden. Durch Ausfällen mit Alkohol erhält man
fie als amorphe, weiße, hykroſkopiſche Maſſe. Sie ſchmeckt
ſüß, iſt in Waſſer ſehr leicht, in Alkohol nicht ſchwer löslich.
Sie reduziert Fehlingſche Löſung, doch weniger ſtark als
Maltoſe. Mit Phenylhydracin liefert ſie Iſomaltoſazon, gelbe
Nädelchen, die häufig erſt auf Zuſatz von Waſſer aus dem
Reaktionsgemiſch ſich ausſcheiden. Bei 140° C beginnt das
Oſazon zu fintern, bei 150 bis 152° C ſchmilzt es. Die
Iſomaltoſe erleidet beim Trocknen bei 100° C bereits Zer⸗
ſetzung. Mit Hefe gärt ſie, jedoch weit langſamer als Mal⸗
toſe und Dextroſe.
70 Malzſurrogate: Amylodextrin.
Es wurde ſchon früher darauf hingewieſen, daß die Exi⸗
ſtenz der Iſomaltoſe in der Würze und im Bier auf Grund
neuerer Unterſuchungen ſeitens verſchiedener Forſcher be⸗
zweifelt wird und jetzt auch von Lintner fallen gelaſſen iſt.
Auch Iſomaltofe, vielmehr iſomaltoſereicher Malzauszug,
wurde bereits in den Handel gebracht und den Brauern
empfohlen als einziges naturgemäßes Mittel, um die Biere
aromatiſch, vollmundig. ſchaumhaltig zu machen, um die Halt⸗
barkeit zu erhöhen. Eine dunklere Sorte dieſes Auszuges
ſoll auch die Verwendung von Farbmalz erſetzen. Die Er⸗
fahrungen, die über dieſes Präparat in den Fachzeitſchriften
bisher laut geworden, ſprechen zu deſſen Gunſten.
In Bayern darf zur Herſtellung von untergärigem Biere
ausſchließlich nur Gerſtenmalz benutzt werden. Es iſt dies
ſicher mit ein Grund, daß der Export der bayriſchen Biere
zur Zeit ein ſo bedeutender iſt.
Anſchließend an die Zuckerarten bzw. Malzſurrogate follen
hier die Dextrine eine kurze Beſprechung finden.
Dextrine entſtehen durch Einwirkung von verdünnten
Säuren oder Enzymen, beim Maiſchprozeß durch die Wirkung
der Diaſtaſe auf Stärke. Man unterſcheidet demnach zwiſchen
Säure⸗ und Würzedextrinen. Nach Soxhlet ſoll ein Unter⸗
ſchied darin beſtehen, daß die Säuredextrine durch Diaſtaſe
nicht weiter in Zucker abgebaut werden können, während dies
bei den Würzedextrinen möglich iſt; doch iſt durch Verſuche
feſtgeſtellt, daß ein derartiger Unterſchied nicht exiſtieren dürfte.
Für den Brauer haben nur jene Dextrine ein beſonderes
Intereſſe, die bei der Würzebereitung auftreten; deren Zahl
ſcheint groß zu ſein.
Nach ihrem Verhalten zu wäſſeriger Jodlöſung, zur
Fehlingſchen Löſung, dem optiſchen Drehungsvermögen,
werden die Dextrine folgendermaßen eingeteilt:
Amylodextrin, mit Jodlöſung ſich blau⸗violett⸗
färbendes Dextrin. Von mancher Seite wird dieſes Dextrin
als identiſch mit löslicher Stärke angenommen. Nach Brown
und Morris iſt dies nicht richtig. Lintner bezeichnet es
Malzſurrogate: Erythrodextrin. Maltodextrin. Achroodextrin. 71
als das erſte Abbauprodukt der Stärke bei dem diaſtatifchen
Prozeſſe und als Hauptbeſtandteil der löslichen Stärke. Aus der
wäſſerigen Löſung mit Alkohol gefällt, mit Alkohol und Ather
ausgewaſchen und entwäſſert, ſtellt es nach dem Trocknen über
Schwefelſäure ein lockeres, weißes, geſchmackloſes Pulver dar.
Fehlingſche Löſung wird durch dieſes nicht reduziert.
Erhythrodextrine, mit Jodlöſung ſich rotviolett bis
rotfärbende Dextrine. Sie entſtehen aus dem Amylodextrin
durch Einwirkung der Diaſtaſe. Nach Mittelmeier ſind
drei verſchiedene Erythrodextrine zu unterſcheiden, von denen
eines im Waſſer ſchwerer löslich iſt und bei Gegenwart von
verhältnismäßig geringprozentigem Alkohol zur Ausſchei⸗
dung gelangt. Das Vorhandenſein dieſes Dextrins in
Würze und Bier dürfte hauptſächlich der Grund dafür ſein,
daß Biere, die vollſtändig klar waren, nach einiger Zeit im
Lagerfaß ſog. Kleiſtertrübung zeigen. Durch Zunahme des
Alkohols bei der Nachgärung ſcheidet ſich dieſes Dextrin aus.
Erythrodextrin, das aus heißer alkoholhaltiger Löſung
in Sphärokriſtallen ſich abſcheidet, iſt ebenfalls geſchmacklos
und reduziert die Fehling ſche Löſung ſehr ſchwach.
Maltodextrin (ſiehe Verhalten der Stärke zu Diaſtaſe).
Herzfeld glaubte beobachtet zu haben, daß dieſes Dextrin
durch Hefe direkt vergoren wird, was von Brown und
Morris beſtritten wird.
Achroodextrine, die durch Jodlöſung ſich nicht färben⸗
den Dextrine. Während die voraus angeführten Dextrine ſich
durch Diaſtaſe verhältnismäßig leicht zu Maltoſe abbauen
laſſen, gelingt dies bei den Achroodextrinen weniger leicht.
Es werden dieſe Dextrine, die als weſentlicher Beſtandteil
ſich im Biere finden und jedenfalls mit zur Vollmundigkeit
und Schaumhaltung beitragen, als bleibende Dextrine im
Maiſchprozeſſe bezeichnet.
Zwei Achroodextrine wurden zunächſt charakteriſtiſch als
in der Würze vorhanden nachgewieſen, die ſich hinſichtlich der
Reduktionsfähigkeit von Fehling ſcher Löſung und des
optiſchen Drehungsvermögens unterſcheiden.
0
72 Hopfen.
Nach Prior exiſtiert ein drittes, der Maltoſe am nächſten
ſtehendes Achroodextrin, das zum Unterſchied von den beiden
anderen, wie alle übrigen Dextrinen direkt durch Heſe ver⸗
gärbar ſein ſoll.
Allgemeine Eigenſchaften der Dextrine. Sämt⸗
liche Dextrine ſind in Waſſer und auch in Weingeiſt löslich.
In dieſer Beziehung nimmt die Löslichkeit zu, je näher die
Dextrine der Maltoſe ſtehen. Dextrine, die der Stärke ſehr
nahe ſtehen, Amylodextrine, reduzieren Fehling ſche Löſung
nicht oder ſehr ſchwach; je mehr ſie ſich der Maltoſe nähern,
deſto größer iſt ihre Reduktionsfähigkeit. Durch abſoluten
Alkohol werden alle Dextrine aus ihren Löſungen gefällt.
Diaſtaſe vermag ſie in Maltoſe überzuführen. Sie find nicht
direkt gärungsfähig.
Über die Reduktlonskraft der Dextrine gehen die An⸗
ſichten noch auseinander.
5. Hopfen.
Was der Brauer als Hopfen bezeichnet und verwendet,
ſind die Fruchtzapfen der weiblichen Hopfenpflanze (Humulus
lupulus), Hopfendolde, Trolle genannt.
Die Hopfenpflanze, zur Familie der neſſelartigen Pflanzen
(Urticaceae) gehörend, iſt wildwachſend ſehr verbreitet. Nur
die kultivierte Hopfenpflanze und da wieder nur die weibliche
Pflanze kommt in der Brauerei in Betracht. Männliche
Pflanzen duldet man in Hopfengärten nicht und entfernt ſie,
um die Befruchtung der weiblichen Blüten und die dadurch
bedingte Samenbildung zu vermeiden.
Die Fortpflanzung des Hopfens geſchieht faſt ausſchließlich
durch Hopfenſechſer, Stecklinge, die Teile des unterirdiſchen
Stengels ſind.
Auf die Qualität eines Hopfens üben die Art der Kultur⸗
weile, die Boden⸗ und klimatiſchen Verhältniſſe und die
Witterungsverhältniſſe einen bedeutenden Einfluß aus. Es
gilt auch hier, was bei Gerſte geſagt wurde, es kommt vor,
Hopfen. 73
daß Hopfen aus weniger berühmter Hopfengegend ſtammend
in manchem Jahre ebenſogut, ſelbſt beſſer ſein kann als der
aus den beſten Lagen.
Die Hopfenproduktion iſt eine ſehr große und ſehr ver⸗
breitete. In Deutſchland, ja überhaupt unter allen hopfen⸗
bauenden Ländern, nimmt Bayern die erſte Stelle, was die
Menge der Produktion anlangt, ein. Aber auch, was Qualität
betrifft, ſo werden die Hopfen aus der Spaltergegend, von
Kinding, einigen Lagen der Hallertau zu den beſten, feinſten
gezählt. Die feinſten Sorten kommen in Böhmen, in der
Umgegend von Saaz und Auſcha, vor. Auch England hat
ſehr feine Hopfen, befonders in der Grafſchaft Kent.
Der Hopfenzapfen (Hopfendolde) beſteht aus der acht⸗ bis
zehnmal knieförmig gebogenen, wollig behaarten Fruchtſpindel.
An den Biegungen entſpringen kleine Aſtchen und die dach⸗
ziegelförmig übereinandergelagerten Zapfenblätter. Man
unterſcheidet Vorblätter und Deckblätter. An der Innenſeite und
am untern Rande ſind die Vorblätter eingebogen und darin ent⸗
ſteht die mit zwei Narben verſehene Blüte, aus der ſpäter die
Frucht, eine Schalfrucht gebildet wird. Die Hopfenfrüchte
find gelbliche, runde, harte Körner von 2 bis 3 mm Durch⸗
meſſer und werden meiſt als Samen bezeichnet. Sie ſind von
einem dünnhäutigen, durchſichtigen Perigon eingeſchloſſen. Zur
Zeit der Reife find die unteren und inneren Teile der
Blätter, die Spindel und das Perigon mit einem hellgelben,
harzigen Mehl, dem ſog. Hopfenmehl, Lupulin, bedeckt. Das
Lupulin iſt ein Drüſenſekret; es enthält die wichtigſten und
wertvollſten Beſtandteile für den Brauer. Aus dieſem Grunde
iſt die Ermittelung des Mehlgehaltes eines Hopfens für
deſſen Bewertung ſehr vorteilhaft.
Haberlandt hat hierzu folgendes Verfahren angegeben
Man entnimmt der zu unterſuchenden Hopfenprobe zur Er⸗
langung eines genaueren Durchſchnittes an verſchiedenen
Stellen etwa 100 Dolden und beſtimmt deren Gewicht, wo⸗
rauf ſie portionsweiſe zu 10 oder 15 Stück über einem feinen
Siebe zerzupft werden, das 25 bis 30 Fäden auf einem
74 Hopfen.
Zentimeter hat. Dieſe Arbeit darf nicht mit den Fingern ge⸗
ſchehen, da an dieſen au viel Mehl hängen bliebe und ver-
7
2
Abb. 13. Männliche Hopfentrauben.
ſchmiert würde, ſondern
man bedient ſich hierzu
zweier feiner Pinzetten
und beachtet, daß die Deck⸗
blätter einzeln auf das
Sieb fallen. Die Frucht⸗
ſpindel und die Stiele
werden in einem Glas⸗
ſchälchen geſammelt, die
abgezupften Deckblätter
aber im Siebe mit einem
weichen Haarpinſel 5 bis
10 Minuten lang abge⸗
ſcheuert und gebürſtet, wo⸗
bei das Hopfenmehl durch
das Sieb auf die Uuter⸗
lage, ein ſchwarzes Glanz⸗
papier, herabfällt und hier
leicht zuſammengekehrt
werden kann; auch die
Spindel befreit man auf
dieſe Weiſe von dem Mehle.
Hat man ſämtliche Dolden
der Probe derart behan⸗
delt, ſo beſtimmt man das
Gewicht des gewonnenen
Mehles, der Deckblätter,
Früchte, Fruchtſpindel
und Stiele beſonders, ad⸗
diert die erhaltenen Zahlen, und den gegenüber dem Gewichte
der Probe entſtandenen kleinen Gewichtsverluſt ſchlägt man
zum Gewichte der Deckblätter.
Bei dieſem Verfahren iſt die richtige Trockenheit des
Hopfens ſehr maßgebend. Iſt er nicht trocken genug, ſo iſt
Hopfen.
75
das Lupulin ſchwer von den Schuppen zu trennen und ver⸗
ſchmiert die Haare des Pinſels und das Sieb, und iſt er zu
trocken, ſo zerreiben ſich auch ſehr leicht die
Deckſchuppen beim Abſieben zu Pulver.
Fr. Reinitzer gibt in der „Allgemeinen
Brauer⸗ und Hopfenzeitung“ ein Verfahren
an, das gegenüber der Haberlandtſchen
Methode beſſere Reſultate liefert. Aus einem
ungewogenen Teil des zu unterſuchenden
Hopfens wird das Lupulin von den zerblätter⸗
ten Hopfenteilen auf einem feinen Siebe abge⸗
ſiebt und das erhaltene Lupulin gewogen. Hier⸗
auf bringt man dieſes aus dem tarierten Ge⸗
fäße auf ein trockenes Filter und extrahiert etwa
eine Stunde mit Chloroform in einem Extrak⸗
tionsapparat. Nach dieſer Zeit nimmt man
das Filter ſamt Inhalt aus dem Apparat
Iv
.
A,
Mm
UL
Abb. 14
Weibliche Blüte
des Hopfens.
en
S Me |
2 7
0 AD
Abb. 15.
Männliche Blüte
des Hopfens.
heraus, läßt bei gewöhnlicher Temperatur trocknen, entfernt
mit Hilfe eines Pinſels die Lupulinhülſen vom Filter und
ermittelt deren Gewicht. Die Differenz zwiſchen dem Gewichte
des zur Extraktion verwendeten Lupulins und
dem der Lupulinhülſen gibt die Menge des im
Chloroform löslichen Anteils des Lupulins.
Nun werden 18 bis 20 g Hopfen mit Chlo⸗
roform extrahiert. Nach der Extraktion und
dem Trocknen an der Luft wird der Hopfen
auf ein Sieb gebracht und zerblättert, die Lu⸗
pulinhülſen werden abgebürſtet, durchgeſiebt
und gewogen. Die Gewichtsmenge der Hülſen,
umgerechnet unter Benützung der nach der vor⸗
aus angeführten Extraktion erhaltenen Zahlen
auf das urſprüngliche Lupulin, ergibt die Lu⸗
pulinmenge von 18 bis 20 g Hopfen, und dieſe
wird dann in Prozenten angegeben.
Abb. 16.
Fruchtzapfen
des Hopfens.
Reinitzer fand den Lupulingehalt zweier Hopfenſorten
nach ſeinem Verfahren zu 10,55 und 13,15% , während
76 Hopfen.
die Methode von Haberlandt nur einen ſolchen von 6,74
und 8 % ergab.
Von einer Ermittelung der Hopfenmehlmenge mit Benutzung
der angeführten Methoden wird in der Regel abgeſehen; man
begnügt ſich damit, daß man eine kleine Anzahl von Dolden
auseinanderbricht und auf Grund der auf der Bruchfläche
ſich befindlichen Lupulinmenge auf den abſoluten Gehalt an
Hopfenmehl ſchließt. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß hierbei
Täuſchungen mancherlei Art unterlaufen, zumal das Reſultat
auch durch verſchiedene andere Umſtände beeinflußt werden
kann. Die Ermittelung der Bitterſtoffe nach der Methode
von Lintner läßt einen Schluß zu auf die Lupulinmenge des
Hopfens (Seite 81).
Die Verwendung des Hopfens in der Brauerei hat den
Zweck, dem Biere einen aromatiſch bitteren Geſchmack zu
verleihen. Er trägt zur Klärung der Würze beim Hopfen⸗
ſud bei und erhöht die Haltbarkeit der Biere.
Dieſe günſtigen Wirkungen werden nur von einem
guten Hopfen zu erwarten ſein, und es iſt daher eine
ſehr wichtige Aufgabe des Brauers, bei der Auswahl und
dem Einkauf des Hopfens auf alles Rückſicht zu nehmen,
was zur richtigen Beurteilung und Wertſchätzung des
Hopfens beiträgt.
Man iſt heutzutage bei der Hopfenbeurteilung faſt aus⸗
ſchließlich noch auf die äußeren Eigenſchaften, auf den Geruch
des Hopfens angewieſen. Doch auch dieſe Art der Beurteilung
läßt falſche Schlüſſe zu, und man wird ſich eine richtige Wert⸗
ſchätzung des Hopfens nur durch lange Übung und Ver⸗
gleichung der verſchiedenen Hopfenſorten aneignen.
Als Anhaltspunkte zur Beurteilung eines Hopfens dienen
folgende Merkmale: |
a) Form und Größe der Dolden. Es iſt ſelbſt⸗
verſtändlich, daß Hopfen aus den verſchiedenen Provenienzen
ſich nicht durch eine beſtimmte Form und Größe der Dolden
auszeichnen. Verſchiedene Faktoren in den einzelnen Jahr⸗
gängen können bedeutende Unterſchiede in dieſer Richtung
Beurteilung des Hopfen. 77
bedingen. Was die Form der Dolden anlangt, unterſcheidet
man eiförmige, kugelige, prismatiſche, zylindriſche. Am
meiſten ſchätzt man die eiförmige Form, da dieſe den feineren
Hopfenſorten mehr eigen iſt. Aus demſelben Grunde iſt auch
eine geringere Doldengröße erwünſcht, da größere Dolden
in der Regel weniger Lupulin enthalten, während abnorm
kleine Dolden auf ungenügende Ausbildung zurückzuführen
find. Gleichartigkeit der Form und Größe eines Hopfens aus
einer beſtimmten Hopfengegend infolge guter Sortierung
wird deſſen Wert weſentlich beeinfluſſen müſſen.
Die Dolden ſollen auch geſchloſſen ſein. Offene Dolden
deuten entweder überhaupt eine ſehr geringe Sorte an oder
daß der Hopfen zu früh, unreif, gepflückt wurde. Solcher
Hopfen getrocknet, verliert ſehr leicht ſein Mehl.
b) Die Spindel. Die Spindel ſoll möglichſt zart
und dünn und kurz gegliedert ſein.
e) Farbe und Glanz. Die Dolden ſollen gelblichgrün
gefärbt und glänzend ſein. Reingrüne, grasgrüne Farbe
läßt darauf ſchließen, daß der Hopfen unreif iſt und daher
das Lupulin nicht vollkommen ausgebildet iſt. Die Farbe
des Hopfens wird bei der Wert⸗ und Preisbeſtimmung
ſehr häufig überſchätzt. Der Hopfen kann infolge von Über⸗
reife oder Windſchlag eine mehr oder weniger rote bis braune
Färbung angenommen haben. Solcher Hopfen braucht in
ſeiner Qualität nichts eingebüßt zu haben und kann deſſen
Brauwert höher ſein als der eines ſchönfarbigen Hopfens.
Freilich iſt aber auch möglich, daß dieſe Mißfarbe durch
andere Umſtände veranlaßt wird, wodurch der Hopfen
geringwertiger, ja geradezu unbrauchbar geworden iſt.
Durch ſchlechtes Trocknen oder durch Warmwerden im
Sacke verliert der Hopfen ſeine urſprüngliche Farbe und
ſeinen Glanz; er wird mißfarbig, matt und hat an ſeinem
Wert mehr oder weniger verloren. Auch Krankheiten können
die Urſachen der roten, rotbraunen, dunkelbraunen Dolden⸗
färbung ſein. Hierher gehören der durch die Webermilbe
verurſachte Kupferbrand, der Rußtau oder die Schwärze,
78 Hopfen.
durch einen Pilz, Fumago salicina genannt, ferner der
Mehltau durch einen andern Pilz, dem Podosphaera Castag⸗
nei hervorgerufen.
Bei der Prüfung auf Farbe und Glanz breitet man die
Hopfenprobe am zweckmäßigſten auf blauem Papier aus und
läßt genügend ſtarkes Licht von oben darauf einfallen.
Da die Farbe des Hopfens, wie bemerkt, bei der Wert
ſchätzung ein ſo bedeutende Rolle ſpielt, ſo wendet man bei
mißfarbigen Hopfen das Schwefeln an, wodurch der Hopfen
eine mehr oder weniger gleichmäßigere Farbe bekommt, ſich
ſchöner präſentiert, ohne daß jedoch auch die übrigen Eigen⸗
ſchaften, die einen Hopfen als geringwertiger erkennen laſſen,
dadurch irgendwie beeinflußt werden (ſ. Konſervierung des
Hopfens).
d) Mehlgehalt. Hopfenmehl ſoll reichlich vorhanden ſein.
Zerreißt man eine größere Anzahl von Dolden der Länge
nach, ſo ſoll zwiſchen den Blättern an der Spindel, dem
Perigon, viel Mehl in hellgelbem, harzigem Zuſtande ſich vor⸗
finden. Durch Reiben auf dem Handrücken oder auf Papier
(Reibflächen) kann man ſich nicht nur von der Menge, ſondern
auch von der Beſchaffenheit des Hopfenmehls überzeugen.
Eine dicke, fette, lichtgelbe Reibfläche zeigt viel und gutes Mehl
an; bei unreifen Hopfen iſt ſie grünlich, bei älteren Hopfen
dünner, harzig zäh, dunkelgelb bis braun. Beim Zerdrücken
der Lupulinkörner ſollen ſie dünnflüſſigen Inhalt aufweiſen.
e) Geruch. Der Geruch eines Hopfens iſt für deſſen Be⸗
wertung äußerſt wichtig. Bei feinen, gut ausgereiften Sorten
zeigt ſich ein angenehmer, aromatiſcher, ſchwacher Geruch,
während ſich bei gröberen Sorten ein ſtarker, ſcharfer Geruch
bemerkbar macht. Geruch nach Obſt, Zwiebel, Knoblauch,
ſchwarzen Johannisbeeren, Fett, Käſe weiſen auf eine mindere
Sorte hin oder darauf, daß der Hopfen durch ungünſtige
Witterungsverhältniſſe, durch Krankheiten, durch unvorſichtiges
Trocknen, durch ſorgloſe Aufbewahrung gelitten hat.
Bei der Geruchsbeſtimmung überzeugt man ſich zu⸗
nächſt, ob der Hopfen nicht einen dumpfigen, ſchimmeligen
Chemiſche Beſtandtelle des Hopfens. 79
Geruch zeigt, indem man eine Anzahl von Dolden in die Hand
nimmt und dazu riecht, hierauf zerdrückt man die Dolden,
beſſer zerreibt man die Lupulinkörner und konſtatiert hernach
den dabei ſich zeigenden ſpezifiſchen Geruch.
Der Hopfen iſt für den Geſchmack der Biere von großer
Bedeutung, und es wird deshalb Aufgabe des Brauers ſein,
für die Herſtellung einer beſtimmten Bierſorte mit mehr
oder weniger hervortretendem bitteren Geſchmack die richtige
Auswahl des Hopfens zu treffen. Zu Bieren, die bitter
ſchmecken ſollen, kann nur feiner Hopfen von bekanntem, an⸗
genehmem, aromatiſchem Geruch benützt werden.
f) Trockenheit. Der Hopfen muß trocken fein. Abgeſehen
davon, daß bei ungenügend getrockneten Hopfen das wertloſe
Waſſer gleichbezahlt wird wie die nützlichen Beſtandteile, iſt
man der Gefahr ausgeſetzt, daß der Hopfen beim Aufbewahren
ſchädlich verändert wird (Warmwerden des Hopfens).
g) Reinheit. Der Hopfen muß gut gepflückt ſein. Es
ſoll der Hopfen nur aus einzelnen, nicht in Sträußen zu⸗
ſammenhängenden Dolden von möglichſt gleichmäßiger Größe
beſtehen. Lange Stiele, Laubblätter, ſollen nicht vorhanden
ſein; es iſt an und für ſich ſolcher Hopfen geringwertiger,
es kann aber auch der Geſchmack des Bieres nachteilig be⸗
einflußt werden. Nicht immer iſt Nachläſſigkeit beim Pflücken
die Schuld für ſolche Mißſtände, ſondern es geſchieht auch
abſichtlich, um das Gewicht des Hopfens zu erhöhen.
| Chemiſche Beſtandteile des Hopfen:
1. Waſſer, 6. Alkaloide,
2. Hopfenöl, 7. Kohlehydrate,
3. Hopfenbitterſtoffe, 8. Sonſtige ſtickſtoffhaltige
4. Hopfenharze, Subſtanzen,
5. Gerbſtoff, 9. Mineralbeſtandteile.
Von dieſen angeführten Körpern haben nur Hopfenöl,
Hopfenbitterſtoffe, Hopfenharze, Gerbſtoff und die Alkaloide
bei der Verwendung des Hopfens zur Bierbereitung eine
Bedeutung und ſollen im nachfolgenden in Kürze beſprochen
werden.
80 Hopfenöl, Hopfenbitterftoffe.
Hopfenöl. Das Hopfenöl, im Hopfenmehl (Lupulin)
befindlich, mit den Hopfenharzen zu einem Balſam vereinigt,
iſt ein ätheriſches Ol, das den angenehmen, charakteriſtiſchen
Geruch des Hopfens bedingt. Es wird beim Kochen der
Würze mit Hopfen größtenteils verflüchtigt, und man glaubte
deshalb dem Hopfenöl keinen beſonderen Wert zuerkennen zu
dürfen. Doch die immerhin noch im Biere zurückbleibende
Menge dieſes Körpers iſt hinreichend, um dem Biere das
ſpezifiſche Hopfenaroma zu verleihen. Nach Lintner ſoll das
Aroma der Würze und des Bieres, ſoweit der Hopfen in Be⸗
tracht kommt, nicht ausſchließlich durch das Hopfenöl bedingt
ſein, ſondern es dürften auch ſchwerflüchtige Umwandlungs⸗
produkte der Harze, die beim Kochen entſtehen, beteiligt ſein.
Wäre das Hopfenöl belanglos, ſo wäre wohl kein Grund einzu⸗
ſehen, warum bei der Beurteilung und Wertſchätzung eines
Hopfens gerade das Aroma, der Geruch als ein ſo wichtiges
Merkmal gilt. |
„Durch Deſtillation des Hopfens mit Waſſer kann dieſes
Ol gewonnen werden. Es geht mit Waſſerdämpfen über
und ſammelt ſich, weil nur in ganz geringem Grade in
Waſſer löslich und ſpezifiſch leichter als dieſes, auf der Ober⸗
fläche des Waſſers an. Das Hopfenöl, aus friſchem Hopfen
hergeſtellt, iſt faſt farblos. Der Gehalt des Hopfens an Ol
beträgt 0,2 bis 0,8 ,. Wie durch Verſuche feſtgeſtellt iſt,
beſteht dieſes Ol aus zwei verſchiedenen Körpern.
An der Luft verharzt es und oxydiert ſich zu Valerian⸗
ſäure, woher der eigentümliche, käſige Geruch, der oft im alten
Hopfen zu beobachten iſt, herſtammen ſoll. Nach Bungener
wird dieſer Geruch jedoch durch Oxydation des Bitterſtoffes
verurſacht.
Hopfenbitterſtoffe. Dieſe Körper ſollen der Würze,
dem Biere den angenehmen bitteren Geſchmack verleihen.
Lermer hat zuerſt aus dem Hopfen und aus dem Biere
einen kriſtalliniſchen Körper abgeſchieden, dem er die bitteren
Eigenſchaften zuſchreibt und den er Hopfenbitterſäure nannte.
Dieſe iſt in Waſſer völlig unlöslich, jedoch leicht löslich
Beſtimmung der Bitterſtoffe. 81
in Alkohol, und die alkoholiſche Löſung ſchmeckt inten ſiv
bitter. Bungener hat gleichfalls aus dem Hopfenmehl
durch Behandlung mittels Petroläthers eine kriſtalliniſche
Säure von ähnlichen Eigenſchaften, wie ſie Lermer ange⸗
geben, erhalten. Die Kriſtalle ſind farblos, unlöslich in
Waſſer, hingegen leicht löslich in Alkohol, Ather uſw. Die
Löſung ſchmeckt rein bitter. Beſonders charakteriſtiſch iſt
deren Kupferverbindung, die kriſtalliniſch tft, in Waſſer ſich
nicht löſt, in Ather jedoch noch leichter löslich iſt als in
Alkohol. Dieſe Bitterſäure nach Bungener iſt äußerſt
unbeſtändig. Durch Liegenlaſſen der Kriſtalle an der Luft,
raſcher durch Verdunſten der alkoholiſchen oder ätheriſchen
Löſung an der Luft bei Zimmertemperatur, verwandeln ſie
ſich in eine harzige gelbe Maſſe, die ſtark nach Fettſäuren
riecht und deren Löſung ſtark bitter ſchmeckt. Die Bildung
dieſes Harzes erfolgt nur bei Gegenwart von Luft bzw. durch
Sauerſtoffaufnahme. Wird die kriſtalliniſche Hopfenbitter⸗
ſäure unter vollſtändigem Luftabſchluß mit Waſſer ge⸗
kocht, ſo wird vom Waſſer ſo gut wie nichts aufgenommen,
die Flüſſigkeit bleibt farb⸗ und geſchmacklos. Leitet man
aber während des Kochens einen Luftſtrom durch das
Waſſer, ſo färbt es ſich gelb, der Geſchmack iſt deutlich
bitter. Es findet eine teilweiſe Oxydation der Säure unter
Bildung eines löslichen Bitterſtoffes ſtatt. Nach dem Ver⸗
halten des Oxydationsproduktes zu Waſſer iſt anzunehmen,
daß durch die Gegenwart dieſes Produktes die Bitterkeit
der gehopſten Würze bedingt iſt.
Beſtimmung der Bitterſtoffe nach Lintner. 10 g zer⸗
kleinerter Hopfen“) werden in einem ½⸗Liter⸗Meßkolben, der
bei 505 cem eine weitere Marke beſitzt — 5 cem entſprechen
dem Volum von 10 g Hopfen — mit 300 cem Petroläther
vom Siedepunkt 30 bis 50 C während 8 Stunden im Waſſer⸗
bad am Rückflußkühler extrahiert. Nach Beendigung der Ex⸗
traktion und Abkühlung auf 17,5 C füllt man mit Petrol⸗
») Lintner ſagt, daß eine vollkommene Extraktion nur mit zerkleinertem Hopfen
zu erzielen iſt, was durch Verſuche von Neumann und Feuerſtein beſtätigt wurde.
Bierbrauerei. 6
82 Hopfen.
äther auf die Marke 505 cem auf und filtriert ſofort durch
ein Faltenfilter in eine Stöpſelflaſche. Zur Titration ver⸗
wendet man 100 cem des filtrierten Auszuges, entſprechend
2 g des lufttrocknen Hopfens. Man titriert mit 0 alkoho⸗
liſcher Kalilauge, d. h. 16 Löſung von Kalihydrat in 90 volum⸗
prozentigem Alkohol. Da ſich die alkoholiſche Lauge mit dem
Petroläther nicht miſcht, ſo fügt man vor der Titration
80 cem bis 96 prozentigen Alkohol zu. Als Indikator werden
10 Tropfen Phenolphtalein (1: 100) verwendet. Man ti-
triert bis die Flüſſigkeit einen deutlichen Stich ins Rote
zeigt. Vor der Berechnung muß die Menge Lauge ermittelt
werden, die nötig iſt, bis in der verwendeten Alkohol⸗ und
Petroläthermenge ein Farbenumſchlag des Phenolphtaleins
eintritt. Sie iſt in Abzug zu bringen.
Die Bitterſtoffe des Hopfens rechnet man in Hopfen⸗
bitterſäure (Lupulinſäure = 3 - Bitterfäure) um. Ein Mole⸗
kül Alkali neutraliſiert ein Molekül Lupulinſäure = 400.
Multipliziert man die verbrauchten ccm der 10 Kalilauge mit
0,04 ſo erhält man die Hopfenbitterjäure in 100 cem des
Petroläthers; in den 500 cem ſind 5 mal ſoviel, herrührend
von 10 g Hopfen, mithin in 100 g Hopfen, und zwar luft⸗
trocknen, 10 mal mehr.
Beiſpiel: X. 0,04 5 10 XK 2.
Xx cem alkoholiſche Kalilauge, die ausſchließlich zur
Neutraliſation von 100 cem des Petrolätherfiltrates ge⸗
braucht wurde.
Neumann (Wochenſchr. f. Brauerei 1910) gibt ein
Verfahren an, das ſich von dem Lintner'ſchen nicht weſentlich
unterſcheidet. 6 g zerkleinerter Hopfen werden mit Petrol⸗
äther von dem Siedepunkt 30—35 C 6 Stunden am Rück⸗
flußkühler auf dem Waſſerbad bei 40 — 45° C extrahiert.
Feuerſtein (Wochenſchr. f. Brauerei 1911) führt in
einem Vortrag des Vereins deutſcher Brauerei⸗ und Mälzerei⸗
Betriebschemiker aus, daß die vorangeführten Methoden zur
Beſtimmung der Hopfenbitterſtoffe zwar keine Werte geben,
Hopfenharze. 83
aber doch relative Zahlen, die brauchbar genug ſind um ſie
beim Vergleich der einzelnen Hopfen heranziehen zu können,
ja daß ſie mit der wichtigſte Wertfaktor zur Beurteilung des
Hopfens ſind.
Auf Grund ſehr zahlreicher Verſuche, um übereinſtim⸗
mende und ſomit brauchbare Zahlen zur Bewertung ver⸗
ſchiedener Hopfen zu erhalten, muß vorausgeſetzt werden,
daß der Hopfen in zerkleinertem Zuſtande mit Petroläther
von 45— 50 C Siedepunkt zu extrahieren iſt. Sollte ein
folcher nicht zu beſchaffen ſein, ſo iſt eine Korrektur durch ent⸗
ſprechenden Zuſatz von Benzin vorzunehmen. Die Extraktions⸗
dauer beträgt 6 Stunden.
Feuerſtein führt weiter aus, daß aus der Analyſe des
Hopfens auf Bitterſtoffe die Doſierung der Hopfengabe im
Sudhaus geregelt werden kann, ſomit ein ſtets gleicher Hopfen⸗
geſchmack des Bieres ſich erzielen läßt. Eventuell laſſen ſich
auf dieſem Weg auch Erſparniſſe an Hopfen machen.
Die Hopfenbitterſäuren nach Lermer und Bungener
ſcheinen nicht identiſch zu ſein, wie aus weiteren Unter⸗
fuchungen über dieſen Körper von Lintner und Hayduk
bewieſen wurde.
Nach den Forſchungsergebniſſen dieſer wären zwei Hopfen⸗
bitterſäuren zu unterſcheiden, a⸗Hopfenbitterſäure oder Humu⸗
Ion, wie fie von Hayduk aus dem a= Harz tjoliert und von
Lintner und Schnell (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen 1904,
S. 666) und Z- Hopfenbitterſäure oder Lupulinſäure, die von
Barth (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen 1900, S. 509) näher
unterſucht wurde.
Hopfenharze. Nach den Unterſuchungen von Hayduk
ſind im Hopfen mindeſtens drei verſchiedene Harze zu unter⸗
ſcheiden, und gerade dieſe Körper ſind es, die den bitteren
Geſchmack der Hopfenauszüge bedingen.
Wenn Hopfen bei gewöhnlicher Temperatur mit Ather extra:
hiert, der Ather abdeſtilliert und der zurückbleibende Rück⸗
ſtand mit 90 prozentigem Alkohol in der Kälte behandelt wird, ſo
bleibt ein weißes Pulver, Wachs (Myricin) zurück, das wegen
5
84 Hopfenharze.
ſeiner vollſtändigen Unlöslichkeit in Waſſer für die Brauerei
ohne Bedeutung iſt und daher nicht weiter unterſucht wurde.
Aus der alkoholiſchen Löſung des Atherextraktes fällte
Hayduk mit einer alkoholiſchen Auflöſung von eſſigfaurem
Blei ein Weichharz aus, das er nach Entfernung von
Blei durch Schwefelwaſſerſtoff als a⸗Harz bezeichnete. Aus
der von a=Harz befreiten Flüſſigkeit wurden nach Entfernung
des Bleies und nach dem Adampfen zwei weitere Harze ge⸗
wonnen. Der Rückſtand wurde mit Petroläther ausgeſchüttelt,
ein Harz, = Harz, löſte ſich darin auf, während Y= Harz in
Petroläther unlöslich iſt.
Das a- Harz, ein Weichharz, von zähflüſſiger Konſiſtenz
und hellrotbrauner Farbe iſt faſt geruchlos, beſitzt aber einen
äußerſt intenſiven und nachhaltig bitteren Geſchmack. In
Alkohol, Ather, Chloroform iſt es leicht löslich, in Waſſer
nur in geringem Maße, aber die wäſſerige Löſung beſitzt
eine gelbliche Farbe und einen bitteren Geſchmack. Von
Brunnenwaſſer wird mehr davon gelöſt; jedoch bei wieder⸗
holtem Kochen mit Waſſer nimmt die Löslichkeit ab und
erleidet eine Veränderung. Hay duk beobachtete drei harzige
Umſetzungsprodukte.
Die ätheriſche Löſung dieſes Harzes mit einer wäſſerigen
Auflöſung von Kupfervitriol geſchüttelt wird gelbgrün ge⸗
färbt. Bleiazetat gibt einen weißen, Kupferazetat einen
bläulichweißen Niederſchlag.
Das B-Harz iſt dem a⸗Harz ſehr ähnlich, jedoch etwas
dünnflüſſiger; es beſitzt einen ſtarken hopfenartigen Geruch.
Von dem a= Harz unterſcheidet es ſich dadurch, daß es mit
Bleiazetat und Kupferazetat in alkoholiſcher Löſung keine
Niederſchläge gibt.
Das 7 ⸗-Harz iſt feſt, ſpröde, von dunkelbrauner Farbe
und vollſtändig geſchmacklos. Es beſitzt gleichfalls, wie die
beiden anderen Harze, ſchwachſaure Eigenſchaften. In
Petroläther iſt dieſes, wie bereits erwähnt, unlöslich.
Hayduk nimmt an, daß das a- und 8-Harz durch Oxy⸗
dation aus zwei kriſtalliſierenden Körpern vom Charakter
Gerbſtoff. 85
der Hopfenbitterſäure enſtehen, das /⸗Harz hingegen aus
dem Hopfenöl.
Die Hopfenharze erleiden beim Kochen eine gewiſſe Ver⸗
änderung und führen zur Bildung neuer aromatiſcher Stoffe,
die, wie Lintner (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen 1908,
S. 528) anführt, das eigentliche beſtändige Aroma bilden,
das auch dunklen Bieren eigen iſt. Die Weichharze ver⸗
leihen den Bieren, ſoweit ſie in dieſe übergehen, den be⸗
liebten, angenehm bitteren Geſchmack.
Nach Neumann (Wochenſchr. f. Brauerei 1903,
Seite 328) ſcheidet ſich das a⸗Harz vorzugsweiſe bei der
Gärung aus, und die Biere können erſt nach der Ausſcheidung
des größten Teiles dieſes Harzes einen edlen Geſchmack zeigen.
Als wichtige Eigenſchaft der Weichharze iſt anzuführen, daß
ſie eine bedeutende antiſeptiſche Wirkung haben und Spalt⸗
pilzgärungen zu hemmen vermögen. „
Im friſchen Hopfen wurden gefunden 17,8% Ather⸗
extrakt und darin: 4,8% a⸗Harz, 8% B-Harz, 5% 7⸗-Harz.
Gerbſtoff. Gerbſtoffe ſind ſtickſtofffreie organiſche Sub⸗
ſtanzen, die, im Waſſer löslich, bitter, herbe ſchmecken. Sie
haben den Charakter ſchwacher Säuren, geben mit Salzen
der Schwermetalle in Waſſer unlösliche Verbindungen, mit
Eiweiß, Gelatine, Hauſenblaſe gleichfalls unlösliche Verbin⸗
dungen. Charakteriſtiſch für die Gerbſtoffe iſt das Verhalten
zu Eiſenoxydſalzlöſungen. Die einen geben einen ſchwarz⸗
blauen, andere einen dunkelgrünen Niederſchlag, wonach man
ſie in eiſenbläuende und eiſengrünende Gerbſtoffe einteilt.
Im Hopfen, beſonders in den Doldenblättern, befindet ſich
ein eiſengrünender Gerbſtoff, dem vielfach eine große Be⸗
deutung in der Brauerei zuerkannt wird. Man führt an, je
gerbſtoffreicher ein Hopfen iſt, deſto wertvoller ſei er, weil da⸗
durch beim Kochen der Würze mit Hopfen deſto mehrEiweißſtoffe
zum Gerinnen, zur Ausſcheidung gelangen. Nach den Ver⸗
ſuchen von Prior iſt die Wirkung der Gerbſtoffe im Hopfen
nach dieſer Richtung eine ganz geringe. Der Hopfen beſitzt
an und für ſich eine unbedeutende Menge von Gerbſtoff und
86 Alkaloide.
dann werden durch das Kochen der Würze ohnehin die gerinn⸗
baren Eiweißſtoffe zur Ausſcheidung gebracht.
Nach Wagner enthält der Hopfen 3,17 bis 5,7% Gerb⸗
ſtoff und hat Ahnlichkeit mit der Moringerbſäure aus Gelb⸗
holz. Nach Thauſing ſchwankt der Gerbſtoffgehalt des
Hopfens zwiſchen 1,38 bis 5,13%,
Etti extrahierte aus dem Hopfen, den er durch Behandeln
mit Ather zunächſt von den Harzen ufm. befreit hatte, den Gerb⸗
ſtoff, den er als zuſammengeſetzten Ather betrachtet. Dieſer
Körper iſt amorph, löſt ſich in heißem Waſſer und verdünntem
Alkohol, ſehr leicht in Eſſigäther; Leimlöſungen fällt er nicht.
Durch Oxydation entſteht Phlobaphen, das Leimlöſung fällt.
Hayduk hat ſich mit der Unterſuchung des Hopfengerb⸗
ſtoffes ebenfalls beſchäſtigt. Seine Unterſuchungsreſultate
ſtimmen mit denen von Etti faſt vollſtändig überein. Hayduk
fand jedoch, daß der Gerbſtoff mit tieriſcher Haut gefällt wird.
Alkaloide. Schon ſeit langer Zeit tft man der Über-
zeugung, daß im Hopfen eine narkotiſch wirkende Subſtanz, ein
Alkaloid, vorhanden iſt, doch iſt es bis jetzt nicht gelungen, einen
derartigen Körper in vollſtändig reinem Zuſtande darzuſtellen.
Lermer erwähnt bei Beſprechung der Beſtandteile des
Hopfens einen Stoff, der hierher gehört. Fraglicher Körper
beſteht aus weißen, ſchildartigen, mikroſkopiſchen Kriſtallen,
die beim Schmelzen ſchwach hornartig riechende Dämpfe ent⸗
wickeln. Auch im Biere konnten ſie nachgewieſen werden.
Grießmayer hat im Hopfen ein Alkaloid nachgewieſen,
das er Lupulin nannte. Es ſtellt eine braungelbe Flüſſig⸗
keit dar, hat einen ſtark betäubenden, coniinähnlichen Geruch
und zeigt die allgemeinen Alkaloidreaktionen. Auch aus bay⸗
riſchen Bieren iſolierte Grießmayer dieſen Körper.
Williamſon fand im wilden amerikaniſchen Hopfen ein
Alkaloid, das er Hopein nannte und das Ladenburg als
unreines Morphin erkannte. Das Alkaloid Hopein ſoll durch
Amylalkohol in zwei verſchiedene Körper zerlegt werden, von
denen der eine mit Morphium identiſch ſein ſoll und Iſomorphin
genannt wird, der andere das reine Alkaloid Hopein ſein ſoll.
Aufbewahrung und Konſervlerung des Hopſens. 87
Nach den neueren Unterſuchungen ſcheint das Vorkommen des
Alkaloids Hopein im Hopfen mehr als zweifelhaft. Greshoff
hat nachgewieſen, daß der Hopfen ein flüchtiges Alkaloid ent⸗
hält, das er jedoch nicht zum Kriſtalliſieren bringen konnte.
Aufbewahrung und Konſervierung des Hopfens.
Der Hopfen erleidet bei der Aufbewahrung bald Verände⸗
rungen, wodurch deſſen Wert weſentlich vermindert wird, ja
der Hopfen geradezu unbrauchbar werden kann.
Vor allem muß der Hopfen gut ausgetrocknet werden.
Friſcher Hopfen von der Pflücke weg enthält einen Waſſer⸗
gehalt von 60 bis 70 %. Durch Ausbreiten des Hopſens in
dünnen Schichten auf gewöhnlichen, gut ventilierten Böden
oder auf eigenen Trockenhorden oder auf Hopfendarren unter
Anwendung von künſtlicher Wärme von 20 bis 25° C wird
der Waſſergehalt auf 12 bis 15% vermindert. So getrockneter
Hopfen kann dann in Säcken gepreßt und aufbewahrt werden.
Bei der Aufbewahrung muß aber darauf geſehen werden, daß
der Hopfenlagerraum trocken, kühl und dunkel iſt. In manchen
Brauereien werden leerſtehende Lagerkellerabteilungen zum
Aufbewahren benützt, indem der Hopfen in gut verpichten
Fäſſern dahin verbracht wird.
Allein durch Trocknen und die angegebene Art der Auf⸗
bewahrung iſt die Haltbarkeit des Hopfens doch nur eine be⸗
ſchränkte und wird der Hopfen ſchon nach einem Jahre bereits
viel von ſeinen urſprünglichen guten Eigenſchaften eingebüßt
haben, nach längerer Zeit ganz wertlos werden.
Um dieſen ſchädlichen Veränderungen des Hopfens ſo viel
als möglich vorzubeugen, war man auf andere Konſervierungs⸗
mittel bedacht. Als das wichtigſte muß das Schwefeln be⸗
zeichnet werden.
Das Schwefeln des Hopfens geſchieht meiſt in der
Weiſe, daß der Hopfen auf Horden in nicht zu dicker Schicht
aufgetragen wird. Unter den Horden wird in Schalen reiner
Schwefel verbrannt, die ſchweflige Säure durchſtreicht den
Hopfen und wird größtenteils von dieſem aufgenommen.
Zu ſtarkes Schwefeln iſt zu vermeiden; man rechnet auf
88 Das Schwefeln des Hopfens.
50 kg Hopfen etwa ½ bis 1 kg Schwefel. Vielfach wird
das Schwefeln mit dem Trocknen verbunden.
Durch das Schwefeln wird die hygroſkopiſche Eigenſchaft
des Hopfens vermindert, die Zerſetzung der wertvollen Hopfen⸗
beſtandteile verlangſamt, die Vegetation der Mikroorganismen
zerſtört oder doch ſehr ſtark gehemmt, der Hopfen mehr trockener,
gegen das Warmwerden geſchützt, ohne daß ſeine Wirkung auf
das Bier irgendwie nachteilig beeinflußt würde. Die ſchweflige
Säure wird allmählich zu Schwefelſäure oxydiert und ſomit
iſt das Schwefeln ein zeitig begrenztes Konſervierungsmittel.
So vorteilhaft das Schwefeln ohne Zweifel iſt, ſo zeigt
der Brauer dennoch geſchwefeltem Hopfen gegenüber großes
Mißtrauen, und nicht mit Unrecht. Wie bei der Farbe des
Hopfens geſagt wurde, wird das Schwefeln nämlich auch
benützt, um dem Hopfen, der durch irgendwelche Umſtände
gelitten hat, ein beſſeres Anſehen zu geben, um alten, ver⸗
dorbenen Hopfen vermengt mit friſchem Hopfen an den Mann
zu bringen. Bei Verwendung eines derartigen Hopfens können
freilich ſo manche unliebſame Erſcheinungen in der Gärung und
im fertigen Biere auftreten. Es ſei auch hier erwähnt, daß es vor⸗
kommt, daß bei unvorſichtigem Schwefeln des Hopfens Schweefel
in freiem Zuſtand in dieſem vorhanden iſt. Wird derartiger
Hopfen verwendet, ſo entwickelt ſich bei der Gärung
Schwefelwaſſerſtoff.
Man hat die verſchiedenſten Merkmale, um geſchwefelten
Hopfen von ungeſchwefeltem zu unterſcheiden, doch ſühren
dieſe mehr oder weniger nur dann zu dem gewünſchten Reſultate,
wenn man es mit einem friſch geſchwefelten oder ſtark ge⸗
ſchwefelten Hopfen zu tun hat. Iſt der Hopfen bereits älter,
oder wurde er nur ſchwach geſchwefelt, oder wurde wirklich in
betrügeriſcher Abſicht geſchwefelter Hopfen mit ungeſchwefeltem,
friſchem, gutem Hopfen vermengt, ſo wird ſich nur durch eine
chemiſche Unterſuchung die Schwefelung nachweiſen laſſen.
Zu dieſer chemiſchen Prüfung empfiehlt ſich das von
Heidenreich angegebene, von Prior in nachſtehender Weiſe
modifizierte Verfahren: Etwa 10 g Hopfen werden in einem
Das Schwefeln des Hopfens. 89
ungefähr 500 cem faſſenden Kolben mit 200 cem deſtilliertem
Waſſer 30 Minuten digeriert. Alsdann wird filtriert; von
dem klaren Filtrat werden etwa 50 cem in ein kleines Kölbchen
gebracht, 1,5 g reines, vor allem ſchwefelfreies Zink und
25 cem reine Salzſäure vom ſpezifiſchem Gewicht 1,125 zu⸗
gegeben. Die Offnung des Kölbchens wird mit einem mäßig
feſtgedrückten Wattpfropf, deſſen in das Kölbchen hineinragendes
Ende mit einer Löſung von baſiſch⸗eſſigſaurem Bleioxyd be⸗
feuchtet iſt, verſchloſſen. Man kann auch in das Kölbchen einen
mit baſiſch⸗eſſigſaurer Bleilöſung getränkten Streifen Filtrier⸗
papier hineinhängen.
Das Verfahren beruht auf der Überführung der ſchwefligen
Säure durch naszierenden Waſſerſtoff in Schwefelwaſſerſtoff
und der charakteriſtiſchen Reaktion von Schwefelwaſſerſtoff auf
die Bleilöſung. Das untere Ende des Wattpfropfens oder
der Streifen Filtrierpapier werden ſich nach dem Grade der
Schwefelung gelb, braun, ſtark braun, ſchwarz färben.
Eine Verſuchsdauer von 20 Minuten genügt. Dieſe über
30 Minuten auszudehnen geht nicht an, weil man die Er⸗
fahrung gemacht hat, daß bei längerer Dauer auch ungeſchwefelter
Hopfen infolge Zerſetzung der Eiweißkörper obige Reaktion
gibt. Beſonders muß darauf bei der Prüfung einer Gerſte
auf Schwefelung Rückſicht genommen werden, damit. jegliche
Täuſchung ausgeſchloſſen bleibt.
Um den Hopfen auf freien Schwefel zu prüfen, gibt
Windiſch folgendes Mittel an: Hopfen wird in einem Erlen⸗
meyerkolben mit friſcher, dickbreiiger Hefe vermiſcht und ſtehen
gelaſſen. Das ſich entwickelnde Gas läßt man in gleicher
Weiſe, wie vorher angeführt, auf einen Wattpfropfen oder
Filtrierpapier einwirken und es wird ſich der Nachweis von
Schwefelwaſſerſtoff, deſſen Bildung durch Einwirkung eines
Beſtandteiles der Hefe, des Philothions, auf den Schwefel
zurückzuführen iſt, liefern laſſen. Tritt Bräunung oder
Schwärzung ein, ſo iſt im Hopfen freier Schwefel.
Ein anderes Konſervierungsmittel iſt die ſog. Büchſen⸗
konſervierung. Es iſt bereits geſagt worden, daß durch das
90 Büchfenkonfervierung.
Schwefeln der Hopfen nur für eine kürzere Zeit konſerviert
werden kann. Bei der üblichen Aufbewahrung des Hopfens
in Säcken iſt der Luftzutritt zu wenig abgehalten und ſelbſt
auch dann, wenn Doppelſäcke benützt werden. Die Luft iſt
aber der eine wichtige Faktor, der die Hopfenqualität raſch
benachteiligt. Um nun den Hopfen vor Luftzutritt zu ſchützen,
macht man heutzutage hauptſächlich von der Büchſenkonſer⸗
vierung Gebrauch. In Büchſen aus Metall, Holz, Pappe
wird der Hopfen, der meiſt zuvor auch noch geſchwefelt wurde
und gut getrocknet ſein muß, feſtgepreßt. Hierauf ſetzt man den
Deckel auf, der häufig auch noch mit einem Lufthahn verſehen
iſt, um die Luft auszupumpen, und verlötet die Büchſe luftdicht.
Die beſten Konſervierungsmittel ſind Kälte und Trocken⸗
heit. Durch niedrige Temperaturen, nahe an 0° werden die
chemiſchen und phyſiologiſchen Einflüſſe, die das Verderben
des Hopfens veranlaſſen, wirkſam hintangehalten. Für
Brauereien, die eine Eismaſchine beſitzen, iſt das patentierte
Humbſerſche Verfahren zur Hopfenkonſervierung ſehr zu
empfehlen. Es beruht auf der Aufbewahrung des in loſe ge⸗
ſtopften Ballen befindlichen Hopfens in einer Kammer, durch
die mittels eines Ventilators in einer Kühlkammer auf nie⸗
drige Temperatur gebrachte und getrocknete Luft zirkuliert.
Ein auf dieſe Weiſe konſervierter Hopfen läßt ſich bei Auf⸗
bewahrung in kühlen Räumen längere Zeit, ja mehrere Jahre
in gutem, brauchbarem Zuſtande erhalten.
Beim Einkauf und der Verwendung von Büchſenhopfen
iſt der Brauer noch mehr der Gefahr einer Täuſchung aus⸗
geſetzt und iſt hier äußerſte Vorſicht geboten, da ja eine Wert⸗
ſchätzung ſolchen Hopfens nach den äußeren Eigenſchaften faſt
gänzlich ausgeſchloſſen iſt. Büchſenhopfen wird der Brauer
daher nur von einer ihm bekannten, reellen Hopfenhandlung
kaufen. Am vorteilhafteſten und ſicherſten dürfte es ſein, beim
Produzenten direkt einzukaufen und die genannten Konſer⸗
vierungsmittel ſelbſt vorzunehmen.
Was die Hopfenſurrogate anlangt — es werden eine
große Anzahl von Bitterſtoffen erwähnt, die als Hopfenerſatz
Die Hefe. 91
Verwendung gefunden haben oder finden ſollen —, ſo kann
von einer Beſprechung dieſer abgeſehen werden. Es iſt bis⸗
her in keinem Biere ein derartiger Bitterſtoff aufgefunden
worden. Ferner finden ſich in keinem dieſer Bitterſtoffe die
ſonſtigen auf Klärung und Haltbarkeit der Biere günſtig
wirkenden Eigenſchaften. Solche Biere würden ein anderes
phyſikaliſches Verhalten zeigen und ſofort Verdacht erregen.
Von einem finanziellen Vorteil kann auch keine Rede ſein,
außer bei enorm hohen Hopfenpreiſen. Aber bei den heut⸗
zutage üblichen Konſervierungsmitteln des Hopfens, wodurch
Hopfen immer in großen Vorräten vorhanden iſt, wird auch
bei ſehr ungünſtigen Hopfenernten oder ſelbſt in Mißjahren
eine bedeutende Preisſchwankung im Hopfen nicht mehr zu
befürchten ſein.
6. Die Hefe.
Unter Hefe verſteht der Brauer jene niederen Organismen,
mittels deren die Bierwürze in geiſtige Gärung, Alkohol⸗
gärung, verſetzt wird. Die Hefe, der Gärungserreger, gehört
zur Gruppe der Sproßpilze, Saccharomyceten. Reine Bier⸗
hefe beſitzt den wiſſenſchaftlichen Namen Saccharomyces
Cerevislae.
Die Eproßpilze, Saccharomyceten, vermehren ſich gewöhn⸗
lich durch Sproſſung oder Knoſpung, indem ſich an der Ober⸗
fläche einer Zelle eine Ausbuchtung bildet, die ſich vergrößert
und wenn ſie die Größe der Mutterzelle erreicht hat, abſchnürt.
Unter gewiſſen Bedingungen kann ſich eine Gruppe dieſer
Pilze, die echten Saccharomyceten, durch in der Zelle ſich
bildende Sporen vermehren. Ferner iſt für gewiſſe Krank⸗
heitshefen charakteriſtiſch die Kahmhautbildung.
Die Hefezelle beſitzt eine kugelförmige, elliptiſche oder lang⸗
geſtreckte Form und iſt von einer Membran umgeben. Der
Zellinhalt beſteht aus Protoplasma, in dem ein Kern, je nach
dem Alter der Zelle auch größere oder kleinere Fettröpfchen,
eiweißartige Körper, eine oder mehrere Vakuolen, das ſind
Hohlräume mit flüſſigem Zellſaft gefüllt, eingeſchloſſen liegen.
92 Die Hefe.
In der Brauerei unterſcheidet man zwei Arten von Gärung,
die Untergärung und Obergärung, für die auch verſchiedene
Heferaſſen verwendet werden (Ober- und Unterhefe |. Abb. 17
u. 18). Die Untergärung wird bei niedrigerer Temperatur
5 bis 9° C geführt. Die Gärung verläuft langſamer und
die Hefe ſetzt ſich am Boden des Gärgefäßes ab. Die Ober⸗
gärung geht bei höherer Temperatur 15 bis 19° C und mehr
vor ſich. Dieſe Gärung iſt raſcher vollendet und die Hefe
ſammelt ſich während der Gärung an der Oberfläche an; erſt
ſpäter ſetzt ſie ſich auch zu Boden.
Einen Unterſchied dieſer verſchiedenen Heferaſſen kann
man in der Regel darin finden, daß man bei der Oberhefe
häufig Kolonien mehrerer miteinander verwachſener Sproß⸗
generationen findet, während bei der Unterhefe meiſt nur zwei
Zellen miteinander verwachſen ſind.
Die dickbreiige Maſſe, welche der Brauer zum Anſtellen
ſeiner Würze benützt, Satz, Zeug, Samenhefe oder kurzweg
Hefe genannt, beſteht größtenteils aus der Kulturhefe, Saccha-
romyces cerevisiae; allein es finden ſich unter Umſtänden
auch infolge von Infektion Spaltpilze und wilde Hefen vor,
die zu unliebſamen Betriebsſtörungen Veranlaſſung geben
können. Gerade betreffs der wilden Hefen hat Hanſen be⸗
wieſen, daß es Arten gibt, die im Bier Krankheiten hervor⸗
rufen können, ſei es, daß der Geruch und der Geſchmack der
Biere ſchädlich beeinflußt wird, ſei es, daß Biertrübungen
auftreten.
Schon Hanſen hat in der gewöhnlichen Samenhefe ſechs
verſchiedene Arten von Saccharomyceten auf Grund der Feſt⸗
ſtellung der Bedingungen, unter denen Sporen= und Haut⸗
bildung eintritt, unterſchieden, näher charakteriſiert und
fie als Saccharomyces cerevisiae I, S. Pastorianus I, S.
Past. II, S. Past. III, S. ellipsoideus I, S. ellips. II be⸗
zeichnet.
Saccharomyces cerevisiae iſt jene Hefenart, die in der
Brauerei als Ober- und Unterhefe kultiviert wird; es iſt dies
der reine Biergärungspilz, während die anderen genannten
Die Hefe. 93
Abb. 17. Saecharomyces cerevisiae Meyen
(als Unterhefe während der Hauptgärung).
Die Vakuolen find klein, das Protoplasma homogen. Bei a find die durch
Knoſpung entſtehenden Tochterzellen noch nicht vollſtändig abgeſchnürt.
Zwiſchen den Hefezellen befinden ſich Kugelbakterien (b).
Abb. 18. Saccharomyces cerevisiae Meyen
(als Oberhefe nebſt kleinen runden und ſtabförmigen Bakterien).
Da die in Würze und Bier ſich aus ſcheidenden Eiweißkörper Verwechſelungen
mit Bakterien zulaſſen, ſo ſind alle Bodenſätze mit Kalilauge zu behandeln,
welche die Eiweilßkörper löſt.
94 Hefereinzucht.
als wilde Hefen zu bezeichnenſind, von denen Saccharomyces
Pastorianus I und III, ſowie Saccharomyces ellipsoideus II
direkt ſchädlich ſind.
Im Laufe der Jahre hat man außer den genannten Hefen
noch zahlreiche andere Arten kennen gelernt, fo daß die Zahl
der Sproßßpilze, die man heute genauer unterſucht hat, mehrere
Hundert beträgt. Glücklicherweiſe beſchränkt ſich eine ſchäd⸗
liche Einwirkung auf das Bier nur auf ganz wenige Vertreter.
Bezüglich der verſchiedenen Raſſen der Kulturhefe ſei auf
S. 106 verwieſen.
Hefereinzucht nach Hanſen. Unter reingezüchteter Hefe
verſteht man die von einer einzig en Zelle abſtammende Hefe.
Nach der von Hanſen angegebenen Methode verfährt man
zur Erzielung von Reinzuchthefe in folgender Weiſe:
Eine kleine Menge junger, kräftig vegetierender Hefezellen
bringt man in ein kleines Kölbchen, das ſo viel ſteriliſiertes
Waſſer enthält, daß nach dem guten Vermiſchen der Hefe mit
Waſſer die Flüſſigkeit ſchwach milchig trüb erſcheint. Von
dieſer hefehaltigen Flüſſigkeit wird mittels eines ausgeglühten
Platindrahtes oder ſterilen Glasſtabes ein geringer Teil in
verflüſſigte Würzegelatine gebracht. Nach dem Verteilen der
Hefezellen in der Würzegelatine breitet man einen Tropfen da⸗
von auf einem Deckglaſe flach aus. Die Würzegelatine wird bei
gewöhnlicher Temperatur bald erſtarren. Das Deckglas wird
nun mit der darauf be⸗
findlichen Gelatine⸗
ſchicht nach unten ge⸗
2 kehrt auf einen Glas⸗
Abb. 19. Feuchte Kammer von Böttcher. ring. der auf einem Ob⸗
jektglas feſtgekittet iſt
und in dem ſich etwas Waſſer befindet (Böttcherſche feuchte
Kammer, Abb. 19), gelegt, nachdem der Ring zum Abdichten
des Deckglaſes oben mit Vaſelin beſtrichen wurde.
Mit Hilfe eines Mikroſkopes ſucht man die Gelatine nach
einzelnen, möglichſt freiliegenden Hefezellen ab, markiert dieſe
mittels des Objektmarkierers und beobachtet täglich deren
Hefereinzucht. 95
Wachstum. Nach einigen Tagen haben ſich bei Zimmertempera⸗
tur aus den einzelnen Heſezellen Kolonien gebildet, die dann mit
bloßem Auge ſichtbar ſind. Sobald dies der Fall iſt, nimmt man
mit einem Platindraht, der zuvor ausgeglüht wurde, die einzel⸗
nen markierten Kolonien ab und bringt fie, je de fürfich, in einen
Paſteur⸗Kolben (Abb. 20), der
etwa 1/, Liter Inhalt faßt und
in dem ſteriliſierte Würze vor⸗
handen iſt. Der Kolben bleibt nun
ruhig beigimmertemperaturſtehen.
Nach 6 bis 8 Tagen hat ſich die Hefe
vermehrt und bildet einen beträcht⸗
lichen Bodenſatz. Zur Beſchleu⸗
nigung der Zellenvermehrung kann
man den Kolben auch in einen
Thermoſtaten bei 25° C ſtellen.
Als neuere Methode, eine Rein⸗
zuchthefe zu gewinnen, iſt auch
noch zu nennen die Tröpfchenfältur nach Lindner, die ein⸗
facher in ihrer Durchführung ſich geſtaltet.
Nachdem man ſich, wie nach der Hanſenſchen Methode,
eine möglichſt gleichmäßige Verdünnung der Hefe in Waſſer
hergeſtellt hat, wird ein kleiner Teil davon in ſterile Würze
übertragen und darin durch Umrühren gut verteilt. Dann
wird eine ſterile Zeichenfeder eingetaucht und damit auf ein
Deckglas die Würze tröpfchenweiſe aufgetragen. Das Deck⸗
glas wird dann mit der Seite, auf der ſich die Tröpfchen be⸗
finden, nach abwärts gerichtet und auf den Ring einer feuchten
Kammer gelegt, wie oben.
Unter dem Mikroſkop werden die einzelnen Tröpfchen der
Reihe nach auf Hefezellen abgeſucht und jene, in denen ſich
nur eine einzige Hefezelle befindet, markiert. Nach einigen
Tagen, wenn die markierten Hefezellen ſich zu Kolonien ent⸗
wickelt haben, werden dieſe mit kleinen ſterilen Filtrierpapier⸗
ſtückchen oder Glaskapillaren abgeimpft und wie oben in
Paſteur⸗Kolben zur weiteren Vermehrung übertragen.
Abb. 20. Paſteur⸗Kolben.
96 Hefereinzucht.
Die in dem Kolben nach der Gärung abgeſetzte Hefe wird
dann zum Zwecke der weiteren Vermehrung in einen größeren
Paſteur⸗Kolben mit etwa einem Liter ſteriliſierter Würze ge⸗
bracht. Die hier gebildete Hefe kommt in kupferne Gefäße, die
nach dem Prinzipe der Paſteur⸗Kolben gemacht ſind und zehn
Liter faſſen, oder man gibt die Hefe in einen Reinzuchtapparat,
wie Hanſen einen ſolchen zuſammen mit Kühle konſtruiert
hat. Solche Apparate befinden ſich in vielen größeren Braue⸗
reien in Verwendung, wie auch andere dieſem Prinzipe nach
ähnliche Apparate (ſiehe auch Seite 97).
Die bei dieſem Reinzuchtverfahren gewonnene Hefe muß
nun näher unterſucht und geprüft werden. Da die verſchiedenen
Saccharomyzesarten an Geſtalt, Form uſw. mittels des Mi⸗
kroſkopes nicht mit Sicherheit unterſchieden werden können,
ſo muß zur ſichern Unterſcheidung zwiſchen Kultur⸗ und
wilder Hefe die Sporenkultur nach dem von Hanſen an⸗
gegebenen Verfahren angelegt werden, um ein maßgebendes
Unterſuchungsreſultat zu erhalten.
Zum Zwecke der Sporenbildung bringt man kräftige, junge
Zellen, die man 24 Stunden bei 25° C in Würze kultiviert
hat, auf kleine, ſteriliſierte Gipsblöcke. Dieſe befinden ſich in zur
Hälfte mit Waſſer gefüllten, bedeckten Glasdoſen. Dann ſetzt
man die Hefe einer konſtanten Temperatur von 25° C aus.
Wenn ſich nun nach 40 Stunden bei der Unterſuchung der
Hefe in keiner Zelle Sporenbildung zeigt, ſo iſt die Hefe reine
Kulturhefe und wilde Hefe iſt nicht vorhanden.
Dieſe Art der Hefenanalyſe wird ausgeführt mit der Hefe,
die ſich in den kleinen Paſteur⸗Kolben gebildet hat. Wenn
das Unterſuchungsreſultat nicht in jeder Beziehung entſprechen
ſollte, ſo müßte von einer weiteren Vermehrung der betreffenden
Hefe Abſtand genommen werden.
Will eine Brauerei reingezüchtete Hefe in ihrem Betriebe
einführen, jo tft es nicht gleichgültig, aus welcher Betriebs⸗
hefe eine Zelle ausgewählt und nach dem oben angeführten
Verfahren weiter vermehrt wird, bis jene Menge von Hefe
gewonnen iſt, die zum Anſtellen der Würze eines Betriebs⸗
Hefereinzucht. 97
bottichs bzw. der Würze eines Sudes notwendig iſt. Es iſt
ja bekannt, daß die Bierhefen von verſchiedener Herkunft auch
in der Regel zu verſchiedenen Gärungserſcheinungen Veran⸗
laſſung geben. Gär⸗ und Klärdauer, Art der Kräuſenbildung,
Vergärungsgrad, Geruch und Geſchmack der Biere ſind von
der Hefeſorte ganz weſentlich beeinflußt.
Es wird fich deshalb bei Einführung von Reinzuchthefe ganz
beſonders empfehlen, nur aus der Betriebshefe, die ſich in der
betreffenden Brauerei nach jeder Hinſicht bewährt hat, eine
Zelle auszuwählen und dieſe weiter zu vermehren. Dabei
verfährt man nach Hanſen am ſicherſten in der Weiſe, daß man
aus einem Bottich von der Oberfläche der gärenden Würze bei
Beginn der Gärung Hefe entnimmt. Man wird dadurch Hefe
erhalten, die in der Hauptſache aus ſolchen Zellen beſteht, die
ſich in der betreffenden Würze am vorteilhafteſten entwickeln.
Schon bei der Weiterführung in den größeren Paſteur⸗
Kolben wird man ſich auch überzeugen, ob die Heſe ſich feſt
abgeſetzt, das Bier vollſtändig glanzhell iſt und einen ange⸗
nehmen, reinen Geſchmack beſitzt.
Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß die reingezüchtete Heſe im
Betriebe je nach den Verhältniſſen nach kürzerer oder längerer
Zeit Infektion erleidet, d. h. mit wilder Hefe oder anderen Orga⸗
nismen wieder verunreinigt ſein wird. Will man ſtets mit
Reinzuchthefe arbeiten, ſo muß die Betriebshefe von Zeit zu
Zeit durch neue Reinhefe erſetzt werden. Wollte man dies jedes⸗
mal nach dem oben in Kürze angegebenen Verfahren von
Hanſen tun, ſo wäre dies zu umſtändlich, ja geradezu un⸗
möglich. Um dies auf einſacherem Wege zu erreichen, dazu
dienen die Reinzuchtapparate, deren bereits Erwähnung geſchah.
Hanſen und Kühle konſtruierten zunächſt einen ſolchen
Apparat zur Maſſenproduktion von reiner Hefe. Weitere
derartige Apparate ſind von Berg und Jörgenſen, von
Lindner, Wichmann u. a. konſtruiert worden und finden
ſich bereits vielfach in Betrieb.
Es iſt hier nicht möglich, auf eine ausführliche Beſ ſchreibung
und Handhabung dieſer Reinzuchtapparate ag der In⸗
Bierbrauerel.
98 Natürliche Hefereinzucht.
tereſſenten werden von den Bezugsfirmen die nötigen Auf⸗
ſchlüſſe erhalten.
Auch die Hefe im Reinzuchtapparat wird zeitweiſe auf
Sporenbildung in der oben angegebenen Weiſe oder auf das
Vorhandenſein von Bakterien zu prüfen ſein, um ſich die
Überzeugung zu verſchaffen, daß ſie frei von Infektion iſt.
Natürliche Hefereinzucht von Delbrück. Natür⸗
liche Reinzucht iſt, wie Delbrück ſagt, die Folge der ſich
durch die Raſſeneigenſchaften und die geſamten Kulturver⸗
hältniſſe ergebenden Sonderung der Mikroorganismen, ins⸗
beſondere der Hefenraſſen voneinander. Der natürlichen Rein⸗
zucht ſteht gegenüber die künſtliche, das iſt die durch mecha⸗
niſche Mittel bewirkte Abſonderung einer einzelnen Zelle und
Weiterentwickelung dieſer unter mechaniſchem Ausſchluß der
Infektion. Nur die künſtliche Reinzucht führt zur abſoluten
Reinkultur; ihre Erkenntnis hat zur Vorausſetzung die Kennt⸗
nis der Geſetze der natürlichen Reinzucht, denn nur jene gibt
die Sicherheit der Raſſenreinheit und die Möglichkeit der
Identifizierung. Die natürliche Reinzucht kann die abſolute
Raſſenreinheit ergeben, meiſtenteils werden aber nur Gruppen
von Hefenraſſen mit gleichartigen Eigenſchaften abgeſondert.
Delbrück ſagt weiter, daß das Syſtem der natürlichen
Reinzucht keineswegs beſtimmt ſein kann, jenes der künſtlichen
Reinzucht zu verdrängen, er möchte aber doch die Behauptung
aufſtellen, daß in ſeiner Ausführung die organiſche Weiter⸗
entwickelung der künſtlichen Reinzucht ſteckt, daß, nachdem dieſe
den Sieg definitiv in den Gärungsgewerben erlangt hat, nun⸗
mehr ihre Ergänzung durch die natürliche Platz zu greifen hat.
Die natürliche Reinzucht Delbrücks iſt nichts Neues,
ſondern, wie er ſelbſt erwähnt, nichts anderes als die in Ge⸗
ſetze umgeſtaltete Praxis oder die Erfahrungen der alten prak⸗
tiſchen Braumeiſter nach wiſſenſchaftlicher Erkenntnis in
Regeln gefaßt.
Es iſt eine längſt bekannte Erfahrung der Praxis, daß
nur die mittlere Schicht des im Gärbottich befindlichen Boden⸗
ſatzes hauptſächlich aus Kulturhefe beſteht. Dies iſt die ſog.
Die chemiſche Zuſammenſetzung der Hefe. 99
Betriebshefe, die zum Anſtellen von friſcher Würze und zur
Weiterführung wieder benützt wird. Der Praktiker iſt darauf
bedacht, ſeine Hefe, die ſich bewährt hat, rein zu erhalten und
zu reinigen, ſoweit davon die Rede ſein kann. Wenn ihm die
Gärungserſcheinungen nicht mehr befriedigen, ſo greift er
zum Hefewechſel.
Die natürliche Hefereinzucht von Delbrück ſoll eine vor⸗
handene Infektion der Betriebshefe beſeitigen, den Hefewechſel
vermeiden, indem auf die Gär⸗ und Konkurrenzbedingungen
der verſchiedenen Hefearten Rückſicht zu nehmen ſei.
Handelt es ſich im gegebenen Falle auch nicht um Rein⸗
zucht im Sinne Hanſens, die durch experimentelle Unter⸗
ſuchungen bewieſen wurde, ſo dürfte dadurch der Praxis doch
ein Mittel an die Hand gegeben ſein, die von Reinzucht
ſtammende Hefe im Betrieb längere Zeit in ihren erwünſchten
günſtigen Eigenſchaften rein zu erhalten.
Die chemiſche Zuſammenſetzung der Hefe.
C. v. Nägeli und O. Loew fanden in 100 Gewichts⸗
teilen Hefe:
Zelluloſe und Pflanzenſchleii mm 37%
Proteinſtoffe:
Gewöhnliches Albumin 36%
Leichtzerſetzbare, dem Glutenkaſein 470%
ähnliche Proteinſtoffe . 9 „ [%
Peptone durch Bleieſſig fällbar . 2,
S/ ðVW»ß; x 5 „
, a Nee ee Gin
Extraktivſtoffe u ttt 4,
Die Hefezelluloſe iſt mit der Membran höherer
Pflanzen nicht identiſch, wenigſtens fehlt ihr die charakteriſtiſche
Reaktion für Zelluloſe, nämlich die Löslichkeit in Kupferoxyd⸗
ammoniak. Säuren verwandeln Hefezelluloſe in Zucker.
Die Proteinſtoffe der Hefe. Der Gehalt der Hefe
an ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen iſt ſehr bedeutend. Sie be⸗
ſtehen aus Eiweiß, Pepton, Amiden, Nukleinen und Ehmen,
Stutzer fand:
7 *
100 Die chemiſche Zuſammenſetzung der Hefe.
Gejamtitiditoff ..... 8,648 %
Proteinſtickſtoff . . 7,773 „
Nukleinſtickſtoff . . 2,257 „
Es enthielten ſomit 100 Teile Stickſtoff:
10,11% Stickſtoff in Form von Peptonen, Amiden uſw.
63,80 „ Ri u. bi „ Eiweiß
26,09 „ " in „ Nuklein
Der Aſchengehalt der Hefe zeigt große Schwankungen.
Als vorwiegende Beſtandteile der Heſenaſche ſind Phosphor⸗
ſäure und Kali vorhanden, dann folgen Magneſia und Kalk.
Zuſammenſetzung der Hefenaſche:
Oberheſe Münchner Weihenſtephaner
a Unterhefe
e (P. 0,) 54,7 48,19 54,31
Kali (K, ) 35,2 38,45 26,07
Natron (Na, oo 0,5 — 2,26
zu (Mg O)) 4,1 5,80 6,34
Kalk (Ca o) 4,5 2,85 7,58
Kieſelſäure (Si O.). — 1,26 0,92
Schwefelſäure (S Os) — 0,62 0,31
Chlor (Ol)... )) 0,1 — —
Eiſenoxyd (Fe, O,)))))) . . 0,6 0,51 0,70
Bedingungen zur Ernährung und Ent⸗
wickelung der Hefe. Die Hefe braucht zu ihrer Er⸗
nährung und Entwickelung Zucker, ſtickſtoffhaltige Subſtanzen
und Mineralſtoffe.
Nach Paſteur wird bei der Gärung etwa ein Prozent
des Zuckers zum Aufbau der Hefezellen verwendet.
Von den ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen ſind beſonders ge⸗
eignet die Amide und Amidoſäuren, ferner die Peptone und
ſelbſt Ammoniakſalze können bei entſprechender Zuſammen⸗
ſetzung der Nährlöſung zur Ernährung der Hefe dienen.
Von den Mineralſtoffen haben als unentbehrlich zu gelten
Phosphorsäure und Kali und weiter Magneſia, Kalk, Eiſen
und Schwefel.
Bedingungen zur Ernährung und Entwickelung der Hefe. 101
Nährflüſſigkeiten, welche die für die Entwickelung der
Hefe notwendigen Stoffe in günſtigen Verhältniſſen ent⸗
halten, ſind Bierwürze, Branntweinmaiſche, Traubenſaft.
Allein die günſtige Nährflüſſigkeit iſt nicht die einzige
Bedingung für die Hefeentwickelung und die Gärung, auch
die Temperatur der gärenden Flüſſigkeit und der Sauer⸗
ſtoff der atmoſphäriſchen Luft ſind von Einfluß.
Als Temperaturoptimum, d. h. als jene Temperatur, bei
welcher die größte Menge Zucker innerhalb der kürzeſten
Zeit unter ſonſt gleichen Bedingungen vergoren wird, liegt
bei den meiſten Hefearten zwiſchen 25 bis 30° C. Oberhalb
und unterhalb dem Temperaturoptimum findet eine Ver⸗
zögerung der Gärung ſtatt, und zwar um ſo mehr, je mehr
die Abweichung vom Temperaturoptimum beträgt. Bei
40° C kann eine vollſtändige Vergärung nicht mehr erzielt
werden. Bei 47° C verlieren die meiſten Hefen die Fähig⸗
keit, Zucker zu vergären. Getötet wird die Hefe erſt bei Tem⸗
peraturen über 70° C. Niedrigeren Temperaturen gegen⸗
über iſt die Hefe widerſtandsfähiger. Selbſt bei Temperaturen
nahe dem Gefrierpunkte hört die Gärung nicht vollſtändig auf,
und läßt man die Hefe auch feſt gefrieren, ſo wird ſie dadurch
keineswegs getötet, nur iſt dafür zu ſorgen, daß das Auf⸗
tauen der gefrorenen Hefe ganz langſam vor ſich geht.
Was den Einfluß des Sauerſtoffs auf die Vermehrung
und Gärtätigkeit der Hefe betrifft, ſo wiſſen wir heute, daß
Sauerſtoffzufuhr unter allen Umſtänden ſowohl auf das Ver⸗
mehrungsvermögen wie auch auf die Gärwirkung der Heſe
günſtig wirkt. Ihre Gärkraft iſt daher um ſo höher, unter
je vollkommeneren Lüftungsverhältniſſen die Hefe wächſt.
Bei ſtarker Lüftung wird bekanntlich auch der Vergärungs⸗
grad erhöht. Delbrück macht darauf aufmerkſam, daß durch
rechtzeitige Lüftung auch auf Reinhaltung in der Entwicke⸗
lung der Hefe gerechnet werden kann und deren Gärtätigkeit
geſteigert wird.
Schädigende Einflüſſe auf die Hefe. Die bei der
Gärung auftretenden Gärungsprodukte ſind an und für ſich
102 Bedingungen zur Ernährung und Entwidelung der Hefe.
nicht ohne Einfluß auf die Gärungsenergie und das Ver⸗
mehrungsvermögen der Hefe.
Eine bedeutendere Zunahme des Alkohols ſchädigt die
Hefe. Allerdings können die verſchiedenen Heferaſſen infolge
langjähriger Anpaſſung ſehr verſchieden große Alkoholmengen
ertragen.
Die Vermehrung der Hefe wird unter der Einwirkung des
gebildeten Alkohols eher gehindert als die Gärtätigkeit. Bei
gleichgroßer Alkoholmenge iſt die Schädigung der Hefe um ſo
größer, je höher die Temperatur iſt.
Die Wirkung der Kohlenſäure auf die Entwickelung und
Gärtätigkeit der Hefe wurde von Foth, ſpäter von Hanſen,
Ortloff u. a. ſtudiert. Es konnte nicht nur eine Hemmung
der Vermehrungstätigkeit der Hefe, ſondern auch eine Herab⸗
ſetzung ihrer Gärkraft beobachtet werden.
Welche Mengen Kohlenſäure aber eine Hefe noch ertragen
kann, bis ſie ſich weder vermehrt, noch Gärtätigkeit zeigt,
wiſſen wir nicht.
Über das Verhalten verſchiedener anderer Säuren gegen
Hefe liegen zahlreiche Unterſuchungen vor. Säuren wirken
immer nachteilig ſowohl auf die Gärung, wie auf die Ent⸗
wickelung der Hefe, doch iſt der ſchädliche Einfluß bei den
verſchiedenen Säuren verſchieden ſtark. Von den organi⸗
ſchen Säuren wirken ſehr ſchädlich Butterſäure und Capron⸗
ſäure, die ſchon in ſehr geringer Menge die Hefe töten
und die Gärung aufheben. Dann folgen Propionſäure, Ameiſen⸗
ſäure und Eſſigſäure. Weinſäure wirkt nach Paſteur nur auf
gewiſſe Hefen giftig. Die Kulturhefe iſt weniger widerſtands⸗
fähig als die wilde Hefe. Hanſen hat daher auf dieſem Ver⸗
halten eine Methode zur Anreicherung wilder Hefe zu deren
Nachweis in Kulturhefe begründet. Von der Milchfäure weiß
man, daß geringe Mengen (0,5 ) vorteilhaft wirken und erſt
bedeutende Mengen (3,5 %) die Gärung ſiſtieren. Salizyl⸗
ſäure und Oxalſäure ſind ſtarke Hefengiſte.
Von den anorganiſchen Säuren wirken ſchweflige Säure
und ihre Salze ſowie die unterchlorige Säure als ſehr ſtarke
Bedingungen zur Ernährung und Entwickelung der Hefe. 103
Hefengifte; Salzſäure, Schwefelſäure, Flußſäure und Kieſel⸗
fluorwaſſerſtoffſäure ſind in geringen Konzentrationen gerade⸗
zu als Reizmittel für die Zellenvermehrung und Gärtätigkeit der
Hefe anzusprechen, da fie die Hefe vor dem Überhandnehmen
von Bakterien ſchützen; in größeren Mengen wirken ſie giftig.
In neueſter Zeit wird durch die Erfahrungen von Petit u.
a. zur Reinigung der Hefe und zu ihrer Kräftigung mit Er⸗
folg Phosphorſäure angewendet. N
Biernacki hat das Verhalten mehrerer antiſeptiſcher Mittel
gegenüber Hefe geprüft und kam zu folgenden Reſultaten:
1. Alle antiſeptiſchen Mittel beſitzen die Eigenſchaft, unter
gewiſſen Bedingungen in kleinen Doſen die Alkoholgärung zu
verſtärken und zu beſchleunigen.
2. Je kräftiger ein Mittel in den größeren Doſen gärungs⸗
hemmend wirkt, deſto mehr iſt es bei geeigneter Verdünnung
fähig, die Gärung zu verſtärken. N
3. Die Doſis, bei der eine Verſtärkung der Alkoholgärung
eintritt, iſt unter anderem auch abhängig von der vorhandenen
Hefemenge. Je größer die Hefemenge, um ſo ſtärker kann
die Konzentration des Antiſeptikums ſein.
4. Scheinbar find die organiſchen Körper fähig, die Gärung
mehr zu verſtärken als die unorganiſchen. Die Grenzen der
Doſen, welche die Gärung hemmen, ſind bei dieſen breiter,
alſo ſind ſie antifermentativ wirkſamer als jene.
5. Es ſcheint, daß ein organiſcher Körper um ſo kräftiger
antiſeptiſch wirkt, je reicher er an Kohlenſtoff iſt.
6. Dagegen iſt in der Gruppe der Benzolderivate ein or⸗
ganiſches Mittel um jo ſchwächer, je mehr es Hydroxyle enthält.
7. Die Vereinigung mehrerer Antiſeptika ſteigert die anti⸗
fermentative Wirkung.
8. Die Kombination von organiſchen Körpern mit un⸗
organiſchen iſt kräftiger als die Vereinigung der verſchiedenen
organiſchen.
Sehr empfindlich iſt die Hefe gegen die Einwirkung einiger
Metalle. Lange bekannt iſt die ſchädigende Wirkung von
blankem Kupfer auf die Lebensfähigkeit der Hefe. Da wo
104 Enzyme der Hefe.
Hefe mit Kupfer längere Zeit in Berührung ftehen würde,
z. B. in Reinzuchtapparaten, ſucht man die ſchädigende Wir⸗
kung des Kupfers durch Verzinnen aufzuheben. Auch Zink iſt
als ein ſtarkes Hefegift zu bezeichnen. Gegen andere Metalle
iſt dagegen Hefe unempfindlich.
Auch phyſikaliſche Einflüſſe verſchiedener Art wirken auf
das Leben und die Gärtätigkeit der Hefe ein. Gegen direktes
Licht und intenſive Beleuchtung ſind die Hefen ſehr empfindlich.
Schwache Bewegung befördert die Hefevermehrung, während
ſtarke, langandauernde Bewegung verzögernd darauf einwirkt.
Enzyme der Hefe. Die Gärung wird, wie wir heute
wiſſen, nicht bedingt durch die Lebenstätigkeit der Hefe, ſoweit
dieſe ſich durch deren Vermehrung kund gibt, ſondern iſt ab⸗
hängig von dem Vorhandenſein gewiſſer Enzyme oder Fer⸗
mente in der Hefe.
Das wichtigſte Enzym iſt die von Buchn erentdeckte Zymaſe
oder Alkoholaſe, der die Bildung des Alkohols aus gärfähigen
Zuckerarten (Dextroſe) zuzuschreiben iſt. Bei nicht direkt gär⸗
fähigen Zuckern treten Enzyme in Funktion, die dieſe erſt in
gärfähige Zucker ſpalten. Solche ſind das Invertin oder die
Invertaſe, die den Rohrzucker in je ein Molekül Glukoſe und
Fruktoſe ſpaltet, nach der Gleichung:
C12 H22011 T HzO = 6H,,0; * Cs HI205.
E. Fiſcher gelang es, das Enzym zu finden, das die Maltoſe
gärungsfähig macht. Er nannte es Glykaſe, jetzt wird es als
Maltaſe bezeichnet. Die Melibioſe, die zur Unterſcheidung
von unter⸗ und obergäriger Hefe eine große Bedeutung ge⸗
wonnen hat, wird geſpalten durch die Melibiaſe. Bei der
Selbſtgärung der Hefe ſpielt eine große Rolle die Glykogenaſe,
von eiweißſpaltenden Enzymen iſt zu nennen die Endotryptaſe.
DeRey⸗Pailhade hat ein Enzym entdeckt, die Hydrogenaſe,
das elementaren Schwefel in Schwefelwaſſerſtoff überzuführen
vermag. Außerdem enthalten die Hefen neben einer Reihe
anderer Enzyme auch Oxydaſen und die Katalaſe.
Anforderungen an eine gute Brauhefe. Vor allem
ſoll die Hefe rein ſein, d. h. frei von wilder Hefe und Bakterien.
Anforderungen an eine gute Brauhefe. 105
Durch ein fleißiges Beobachten der Hefe unter dem Mikroskope,
wobei beſonders die Größe, Form und Gleichmäßigkeit der
Hefenzellen, die Beſchaffenheit der Membran und des Proto⸗
plasmas, die Größe der Vakuolen, ſowie die Abweſenheit
anderer Organismen für die Güte entſcheidend ſind, läßt ſich
teilweiſe eine Hefe beurteilen. Eine ſichere Handhabe zur Be⸗
urteilung der Reinheit einer Hefe, ſoweit es ſich um den Nach⸗
weis einer Infektion durch wilde Hefe handelt, gibt nur die
Sporenkultur, die nach den von Hanſen vorgeſchriebenen Be⸗
dingungen durchgeführt werden muß. Eine Brauhefe, die unter
Einhaltung der angegebenen Bedingungen Zellen mit Sporen
enthält, iſt unbedingt zu verwerfen.
Eine gute Brauhefe ſoll eine ſchöne, gelblichweiße Farbe,
einen angenehmen, reinen obſtartigen Geruch, einen milden,
wenig bitteren Geſchmack beſitzen. Wird Hefe in kaltes Waſſer
gebracht, ſo ſoll ſie ſich in dieſem raſch, klumpig, kompakt abſetzen.
Die ausgehobene Hefe ſoll auf dem Löffel gleichſam brechen und
in feſten Klumpen von ihm herunterfallen. Ein wichtiges
Kennzeichen iſt ferner die Beſchaffenheit der im Gärbottich ab⸗
geſetzten Hefe. Dieſe ſoll in ſehr feſter Schicht abgelagert ſein.
Gärverſuche im kleinen geben Aufſchluß über die Brauch⸗
barkeit einer Hefe. Man wendet Kölbchen von etwa 100 bis
200 cem Raumgehalt an, füllt ſie bis zu / mit klarer Würze
an und kocht / bis / Stunden, nachdem man vorher den Kol⸗
benhals mit einem Wattepfropfen verſchloſſen hat. Die ſo vorbe⸗
reiteten Kölbchen ſtellt man nach dem Erkalten in der Weiſe mit
Hefe an, daß man kleine Hefemengen mittels eines Glasröhr⸗
chens oder eines Stückchens Platindraht unter den nur kurz ge⸗
lüfteten Wattepfropfen fallen läßt und die Kolben ſofort wieder
ſorgfältig verſchließt. Dabei iſt weſentlich, daß eine größere An⸗
zahl von Parallelproben einer und derſelben Probe aufgeſtellt
werden, weil man nur dann eine Garantie für das Gelingen
hat. Die Proben ſtellt man alle in einem gleichmäßig tempe⸗
rierten Zimmer oder ſonſtigen Raume am beſten im Thermo⸗
ſtaten bei 25° C zur Beobachtung auf. Da die normale Gärung
von verſchiedenen Faktoren bedingt iſt, worunter hauptſächlich
106 Beſtimmung der Gärkraft der Hefe.
die jeweilige Zuſammenſetzung der Nährlöſung (Würze) und
die Reinheit und die Lebensfähigkeit der Hefe von hervor⸗
ragendem Einfluß ſind, ſo müſſen dieſe Momente bei allen
Verſuchen berückſichtigt werden. Der Vergärungsgrad der
Würze nach vollendeter Gärung, die Abſcheidung der Hefe,
die Hefevermehrung, Klärung ſowie Geruch und Geſchmack des
Bieres bieten Anhaltspunkte zur Beurteilung eines Zeuges.
Derartige Gärverſuche können auch bis zu einem gewiſſen
Grade Anhaltspunkte für die Erkennung der Heferaſſe bieten.
Nach der Höhe des Endvergärungsgrades laſſen ſich die
Hefen einteilen in:
1. Hefe Saaz, 2. Hefe Frohberg, 3. Hefe Logos.
Hefe Saazbeſitzt einen bedeutend niedrigeren Vergärungs⸗
grad als Hefe Frohberg und dieſe wiederum einen geringeren
Vergärungsgrad als Hefe Logos, d. h. am Ende der Haupt⸗
gärung läßt die eine Hefe mehr oder weniger vergärbare Sub⸗
ſtanz in der Bierwürze unvergoren zurück. Stellt man die
vorausbeſchriebenen Gärverſuche unter Verwendung von
gleicher Würze an, ſo wird man nach dem Endvergärungsgrad
angeben können, zu welcher Heferaſſe, ob zu der hoch- oder
niedrigvergärenden die eine oder andere Hefe zu zählen ſein wird.
Beſtimmung der Gärkraft. Zur Ermittelung der Gär⸗
kraft einer Hefe ſind von Meißl und Hayduk Methoden
angegeben, nach denen die Gärkraſt durch Wägung oder
Meſſung der Kohlenſäuremenge, die innerhalb einer gewiſſen
Zeit aus einer beſtimmten Zuckermenge und einer genau ab⸗
gewogenen Menge Hefe ſich entwickelt, ausgedrückt wird.
Für die Beurteilung einer Brauereihefe iſt die Beſtimmung
der Gärkraft von untergeordneter Bedeutung. Sie ſpielt da⸗
gegen bei der Beurteilung von Preßhefe eine große Rolle.
Aufbewahrung der Hefe. Soll Brauhefe nur für kurze
Zeit, etwa von einem Sud zum anderen aufbewahrt werden,
ſo genügt es, ſie nach dem Durchſeihen durch ein feines Haar⸗
ſieb in der Zeugwanne mit kaltem Waſſer tüchtig durch⸗
zurühren und dann ruhig ſtehen zu laſſen. Nach einigen
Stunden hat ſich die Hefe abgeſetzt, das Waſſer wird nun ab⸗
Aufbewahrung der Hefe. 107
gegoſſen, die oberſte, aus Verunreinigungen und leichteren
Hefenzellen beſtehende Schicht entfernt und wieder friſches
Waſſer aufgegoſſen, ſo daß die Heſe mit Waſſer bedeckt iſt.
In die Hefewanne ſetzt man einen flachen Eisſchwimmer ein
und ſtellt ſie an einen kalten, reinen Ort.
Wenn dafür geſorgt wird, daß das Waſſer, in dem die
Hefe aufbewahrt wird, keine höhere Temperatur annimmt,
als 2 bis 3°, jo kann die Hefe anſtandslos 2 bis 3 Tage
aufbewahrt werden. Längere Aufbewahrung ſpeziell bei höherer
Temperatur ſchädigt die Gärkraft der Hefe.
Soll jedoch die Hefe längere Zeit aufbewahrt werden, jo
empfiehlt es ſich, die Hefe in trocken gepreßtem Zuſtand ent⸗
weder in den Säcken, in denen ſie gepreßt wurde oder in
Fäſſer oder Blechbüchſen eingeſtampft auf Eis zu legen. Bei
luftdichtem Verſchluß der Geſäße beſitzt die Hefe in dieſem
Zuſtand eine Haltbarkeit von mehreren Monaten. Es iſt nur
bei der Wiederverwendung ſolcher gefrorener Hefe darauf zu
achten, daß die Hefe langſam wieder aufgetaut wird.
Unter Zuſatz von Konſervierungsmitteln, von denen ſich
Holzſtoff und Holzkohle beſonders bewährt haben, kann künſt⸗
lich getrocknete Hefe, wenn für Abſchluß von Luft und Licht
geſorgt wird, nach Will 10 Jahre lang ſich lebend erhalten.
Dieſe Art der Hefenkonſervierung kommt für den Transport
von Hefe in Tropengegenden und überhaupt für den über⸗
ſeeiſchen Transport in Frage.
Für letztere Art der Verſendung wird in neueſter Zeit
auch Trockenhefe ohne Konſervierungsmittel hergeſtellt. Die
Hefe wird zu dieſem Zweck bei niedriger Temperatur unter
Einwirkung eines ſterilen Luftſtromes ſo getrocknet, daß ſie
eine vollkommen trockene, aus groben, eckigen Körnern beſtehende
Maſſe darſtellt von graugelbem Ausſehen und angenehmem
Hefegeruch und Geſchmack. Gegenüber der mit Konſervierungs⸗
mitteln behandelten Hefe hat dieſe den Vorteil, daß ſie direkt
im Betrieb verwendet werden kann.
Reinzuchthefewird nachHanſen am beſten in 1 0prozentiger
Rohrzuckerlöſung aufbewahrt, in der ſie, wenn ein Verdunſten
108 Unechte Saccharomyeeten.
des Waſſers hintangehalten wird, ſich 10 Jahre lang ohne
Veränderung ihrer phyſiologiſchen Eigenſchaften lebensfähig
erhält.
Hefe längere Zeit in dem von ihr erzeugten Bier zu be⸗
laſſen, iſt mit ſchweren Schädigungen für ſie verbunden und
kann je nach der Empfindlichkeit der Raſſe ſchon innerhalb
weniger Monate zum Tode führen.
In Reinzuchtapparaten wird die Hefe in der Regel ein
Jahr geführt, es muß jedoch dafür geſorgt werden, daß längſtens
alle 14 Tage das vergorene Bier abgelaſſen und durch neue
Würze erſetzt wird. Ebenſo iſt es für das Gedeihen der Hefe
im Reinzuchtapparat ſehr förderlich, wenn von Zeit zu Zeit
ein Teil der Hefe entfernt wird, um eine größere Anſamm⸗
lung von toten Zellen und Ausſcheidungsprodukten aus der
Gärung zu vermeiden.
Unechte Saccharomyceten. Außer den echten Sac⸗
charomyceten finden ſich in der Hefe, im Biere oder ſonſt im
Betriebe nicht ſelten auch andere Sproßpilze, die jedoch keine
inneren Sporen bilden. Nach neueren Erfahrungen erweiſen
ſich dieſe durchweg als unſchädlich für das Bier.
Hierher gehören die von Paſt eur zuerſt beſchriebenen und
mit dem Namen To rula belegten hefeartigen Formen. Hanſen
und in neueſter Zeit Will hat dieſe näher erforſcht und charak⸗
teriſiert. Sie beſitzen teils kugelige, teils geſtreckte Formen
und vermehren ſich in den meiſten Fällen nur durch.
Sproſſung, ſelten durch Mycelbildung. Von den Torula⸗
Arten iſt bisher kein ſtörender Einfluß auf Würze und
Bier konſtatiert worden.
Ferner iſt hier zu erwähnen Saccharomyces apiculatus.
Dieſer Pilz findet ſich hauptſächlich auf ſüßen Früchten; er iſt
durch ſeine zitronenförmigen Zellen charakteriſtiſch. Häufig
kommt er bei der Hauptgärung des Weines vor. Im Biere
wird er hier und da im Herbſt angetroffen, doch iſt er ohne
Bedeutung, da er von der Kulturhefe leicht unterdrückt wird.
Krankheitserſcheinungen im Biere ſind durch ihn nicht be⸗
obachtet worden. Mycoderma cerevisiae und vini find eben⸗
Milchſäurebakterien. 109
falls unechte Sproßpilze, die unter beſtimmten Bedingungen
im Biere aufgefunden werden. Charakteriſtiſch ſind ſie dadurch,
daß ſie nur bei Luftzutritt ſich entwickeln können und dann auf
der Oberfläche des Bieres eine Haut bilden. Die Zellen ſind
meiſt langgeſtreckt und enthalten, zumal in den älteren Zellen,
ſtark lichtbrechende Fetttröpſchen. Mycoderma cerevisiae
gehört zu den bierſchädlichen Organismen.
Spaltpilze.
Die Spaltpilze oder Bakterien ſind die einfachſten Or⸗
ganismen. Ihre Vermehrung geſchieht entweder durch Teilung,
indem die Zellen durch eine Scheidewand in je zwei Tochter⸗
zellen geſpalten werden, oder durch Bildung von Sporen.
Wichtig für den Brauer ſind jene Spaltpilze, die Milch⸗
ſäure, Butterſäure und Eſſigſäure bilden, ferner die Termo⸗
bakterien und die Bier⸗Sarcina (Pediococcus).
Milchſäuregärung. Als Erreger der Milchſäure kommen
die Milchſäurebakterien in Betracht. Die im Brauereibetrieb
vorkommenden Milchſäurebakterien ge⸗
hören verſchiedenen Arten an und en.
ſtellen in der Regel Stäbchenbak⸗ ! \
terien aus der Gruppe der Kurz⸗ und .
Langſtäbchen dar. Charateriſtiſc für J , /
die Brauereimilchſäurebakterien iſt
ihre Eigenſchaft, meiſt zu zweien zu⸗ Abb. 21. Milchſäurebakterien.
ſammenhängend aufzutreten. Viele Arten ſind ferner dadurch
ausgezeichnet, daß die zuſammenhängenden Stäbchen unter
einem ſtumpfen Winkel zueinander geneigt ſind. Einige Arten
treten auch in Kettenform auf, wobei die Winkelſtäbchen mehr⸗
fach geknickte Ketten bilden (Abb. 21).
Die günſtigſte Temperatur jür die Entwickelung der
Milchſäurebakterien liegt bei 40 bis 50° C. Stehenlaſſen
der Maiſche bei dieſen Temperaturen hat z. B. gerne deren
Sauerwerden zur Folge.
Die Biermilchſäurebakterien gedeihen dagegen noch ſehr
gut bei den niedrigen Temperaturen des Gär- und Lagers
110 Milch⸗ und Butterſäurebakterlen.
kellers. Bei Luftabſchluß entwickeln ſie ſich beſſer als bei Luft⸗
zutritt, weshalb ſie im geſpundeten Lagerfaß ganz beſonders
günſtige Bedingungen für ihre Entwickelung antreffen.
Als Ausgangspunkt für die Milchſäurebildung ſind vor
allem die Zuckerarten der Maiſchen und Würzen anzuſehen
und unter dieſen in erſter Linie die Maltoſe. Für die Schäd⸗
lichkeit oder Unſchädlichkeit der Milchſäurebakterien kommt
außer der Milchſäurebildung auch die Fähigkeit mancher Milch⸗
ſäurebakterien in Frage, Gärung zu erzeugen. Ferner iſt bei
der Beurteilung des Auftretens von Milchſäurebakterien auch
das Verhalten dem Bier gegenüber zu berückſichtigen. Es gibt
Milchſäurebakterien, die keinerlei äußere Veränderungen im
Bier erzeugen und ſolche, denen Trübung, Flocken⸗ oder Schleim⸗
bildung eigentümlich iſt.
Während die Milchſäurebakterien in der Maiſche ſehr ſchäd⸗
lich werden und die Verzuckerungsfähigkeit der Maiſche teil⸗
weiſe oder ganz aufheben können, iſt ihr Auftreten, ſolange
es innerhalb geringer Grenzen bleibt, im Bier weniger zu
fürchten. Im obergärigen Bier gehören Milchſäurebakterien
ſogar zu jenen Organismen, von deren Vorhandenſein der
Charakter des obergärigen Bieres mehr oder weniger abhängt.
Es werden dieſein Bier daher ſogar neuerdings Milchſäure⸗
bakterien in Reinkultur zugeſetzt.
Butterſäuregärung. Auch dieſe Art der Gärung wird
durch verſchiedene Arten von Spaltpilzen erzeugt. Das eigent⸗
liche Butterſäurebakterium (Clostridium butyricum, Abb. 22)
ſtellt ein ziemlich kräftiges Stäbchenbakterium dar, das in länge⸗
ren oder kürzeren Formen teils einzeln, teils zu zweien und
mehr auftreten kann. Im Gegenſatz zu den Milchſäurebakterien
iſt das Butterſäurebakterium ausgezeichnet durch die Fähigkeit
der Sporenbildung. Dabei ſchwellen die Zellen an und bilden
dann ſpindlige, zitronenförmige, ellipſoidiſche oder keulenartige
Formen. Es kann ſich, wie Paſteur feſtſtellte, ohne Zutritt
von Sauerſtoff entwickeln. Die günſtigſte Temperatur für
deſſen Entwickelung liegt zwiſchen 30 und 40°C. Wenn auf
Reinlichkeit geſehen wird, ſo können dieſe Bakterien nicht zur
Butter: und Eſſigſäurebakterien. 111
Geltung kommen. Ihr Auftreten iſt auf Maiſche und Würze
beſchränkt und wird z. B. begünſtigt, ähnlich wie die Milchſäue⸗
rung der Maiſche, wenn die
Maiſche längere Zeit bei den
günſtigen Entwickelungsbe⸗
dingungen der Butterſäure⸗
bakterien ſtehen bleibt. Die
Butterſäure wird vorzugs⸗
weiſe aus Dextroſe und Dex⸗
trin, weniger aus Maltoſe ge⸗
bildet und verleiht der Maiſche
und Würze einen ſo inten⸗
ſiven, unangenehmen Geruch
und Geſchmack nach Butter⸗
ſäure, daß deren Weiterver⸗
wendung ausgeſchloſſen bleibt.
Im Bier können ſich Butter⸗
ſäurebakterien nicht entwickeln.
Eſſigſäuregärung. Die
Eſſigſäurebakterien ſind für 95
die Brauerei von großer Be⸗ 50 Oe Cl Er
deutung. Im Biere findet Abb. 22. Butterſäurebakterien.
ſich immer, wenn auch in ge⸗
ringer Menge, Eſſigſäure, die zum Teil durch die oxydierende
Tätigkeit der Eſſigſäurebakterien aus dem Alkohol gebildet wird.
Die meiſten Eſſigbakterien ſind Kurzſtäbchen, für deren Auf⸗
treten Kettenbildung charakteriſtiſch iſt( Abb. 23). Als luftliebende
Organismen können ſie ſich nur auf der Oberfläche des Bieres
entwickeln, wo ſie unter Zuhilfenahme des Luftſauerſtoffs den
Alkohol des Bieres zu Eſſigſäure oxydieren. Infolgedeſſen
können ſie im Brauereibetrieb nur überall da auftreten, wo
das Bier längere Zeit mit der Luft in Berührung ſteht, z. B.
in Lagerfäſſern, die lange Zeit mit großer Oberfläche offen
ſtehen, bis ſie geſpundet werden, oder in ſolchen, an
denen zu lauge geſchlaucht wird, bis ſie voll ſind. Auch
in nur teilweiſe gefüllten Flaſchen und Gebinden finden
112 Eſſigſäure⸗ und Termobakterien.
die Eſſigſäurebakterien ihre günſtigſten Entwickelungsbe⸗
dingungen.
Das Optimum der Entwickelung der Eſſigbakterien liegt
um 34°C, doch können fie ſehr wohl auch bei niedrigeren
Temperaturen, ſelbſt bei denen
des Gär⸗ und Lagerkellers ſich
entwickeln, wenn ſonſt die Be⸗
dingungen dafür günſtig ſind.
Unter beſtimmten Beding⸗
ungen, ſo namentlich bei etwa
40°C, bilden die Eſſigbakterien
merkwürdige, fadenförmige, bei
manchen Arten mit bauchigen
Auftreibungen verſehene For⸗
Ä = men, ſog. Involutionsformen,
Abb. 23. Eſſigſäurebakterien. die nur an einzelnen Stellen
noch den Zuſammenhang mit
Eſſigbakterien erkennen laſſen. In den von den Eſſigbakterien
gebildeten Kahmhäuten treten die Bakterien häufig in maſſen⸗
haften Zuſammenlagerungen unter Erzeugung von platten⸗
artigen Gebilden auf (Abb. 23).
Nach Hanſens Unterſuchungen ſind drei verſchiedene Arten
von Eſſigbakterien bekannt, die ſich außer ihrer Form auch
durch die in verſchieden hohem Grade ihnen zukommende Fähig⸗
keit, Involutionsformen zu bilden, unterſcheiden laſſen. Auch
in ihrem chemiſchen Verhalten ſind ſie durch die Menge der
gebildeten Eſſigſäure verſchieden.
Termobakterien. Zu den Säurebakterien im weiteren
Sinne ſind auch die unter dem Sammelnamen Termo⸗
bakterien zuſammengefaßten Spaltpilze zu rechnen, Bakterien,
die als Fäulniserreger bekannt ſind und daher auch als Fäulnis⸗
bakterien bezeichnet werden.
Ihrer Form nach gehören ſie zu den Kurzſtäbchenbakterien
und haben mit Eſſigſäurebakterien die größte Ahnlichkeit, von
denen ſie ſich nur durch ihre Wachstumsverhältniſſe unter⸗
ſcheiden. Sehr häufig ſind die meiſt etwas gedrungenen,
Termobakterlen. Sarelnaorganismen. 113
ziemlich dicken Stäbchen zu zweien vereinigt, können aber auch
Ketten bilden.
Die Termobakterien haben für den Brauer dadurch ein
Intereſſe, daß ſie die häufigſten Spaltpilze der Leitungen
und der Würze darſtellen. In dieſer erzeugen ſie, wenn ſie in
größerer Menge darin auftreten, einen charakteriſtiſchen, ſüß⸗
lichen an gekochten Sellerie erinnernden Geruch. Sie werden
wegen ihres häufigen Vorkommens in Würze kurzerhand auch
als Würzebakterien bezeichnet. Die Termobakterien ſtellen auch
die häufigſten Bakterien des Waſſers dar, weshalb ſie auch als
Waſſerbakterien angeſprochen werden. Die beſte Temperatur,
bei der fie ſich entwickeln, liegt um 20° C. Die Termobakterien
ſind imſtande, in Würze Gärung zu erzeugen und Säure zu
bilden, weshalb Würze, die ſtark mit Termobakterien infiziert
iſt, auch einen höheren Säuregrad aufweilt, als normale Würze.
Die Schädlichkeit der Termobakterien iſt trotz ihrer ſtarken
Verbreitung nur gering, da dieſe Spaltpilze im Gegenſatz
zu den Milch⸗ und Eſſigſäurebak⸗
terien gegen die Stoffwechſelpro⸗ 1 m III 1
dukte der Hefe außerordentlich emp | 0 wo 8 8
findlich ſind und ſchon kurze Zeit
nach eingeſetzter Gärung zugrunde 5 0
gehen. Nur wenn fie durch irgend⸗ III vier Zellen, IV acht Zellen.
welche Umſtände überhand ge⸗
nommen haben, können ſie ſogar die Gärtätigkeit der Hefe
beeinfluſſen.
Das Bier nimmt dann auch den unangenehmen ſüßlichen
Selleriegeruch an.
Sarcinaorganis men (Abb. 24). Für den Brauereibe⸗
trieb ſpielen die echten Sarcinen, die Paketſarcinen keine
große Rolle.
Es kommen wohl ab und zu ſolche in der Luft, in Kühl⸗
ſchiffwürze und im Waſſer vor, doch ſind dieſe ohne Belang,
da ſie bierſchädlichen Charakter nicht beſitzen, ſondern bei der
Gärung unterdrückt werden. Auch in ſauren Maiſchen hat
man eine Paketſarcina öfters beobachtet.
Bierbrauerei. 8
114 Sarelnaorganismen. Schimmelpilze.
Größere Bedeutung beſitzen dagegen die auch als Sarcina
bezeichneten Spaltpilze aus der Gattung Pediococcus, unter
denen ſich echte Bierſchädlinge befinden.
Während die echten oder Paketſarcinen in Form von
paketartigen Anſammlungen von je acht Kokken auftreten, iſt
die charakteriſtiſche Form der Pediococcen die, daß nur vier
einzelne Kokken in Quadratform nebeneinanderliegen, wobei
alle Übergangsformen von zwei, drei und vier Kokken be⸗
obachtet werden können. Häufig liegen die Sarcinen auch zu
größeren Haufen miteinander vereinigt.
Clauſſen hat zwei gefährliche Sareina⸗(Pediococcus)
Arten aus Bier iſoliert; die eine der beiden Arten Ped.
damnoſus erzeugt keine Biertrübung, dagegen den für Sar⸗
cina⸗Infektionen charakteriſtiſchen Geruch und Geſchmack. Die
zweite Art Ped. pernicioſus erzeugt gleichzeitig auch Bier⸗
trübung und iſt daher als die gefährlichere der beiden Arten
zu bezeichnen. Ebenſo haben Lindner und Reichard krank⸗
heitserregende Pediococcen im Bier gefunden.
Die Bierpediococcen bilden auch Säure im Bier und ent⸗
wickeln ſich beſonders günſtig während der Nachgärung im
Lagerkeller. In Hefe iſt die Sarcina häufig anzutreffen.
Die in Luft und Waſſer vorkommenden Pediococcen haben
ſich als unſchädlich für das Bier erwieſen. Eine hohe Hopfen⸗
gabe verhindert die Ausbreitung der Sarcina-Infektion,
weshalb helle Biere ſeltener ſarcinakrank ſind als dunkle. Nach
Reichard und Riehl ſoll ſarcinakrankes Bier durch Hopfen⸗
ſtopfen im Lagerfaß kurz vor dem Spunden ſich verbeſſern laſſen.
Schimmelpilze.
Auch Schimmelpilze können in der Brauerei, vor allem
in der Mälzerei von großer Bedeutung ſein und viel Schaden
verurſachen. Verſchiedene Arten derſelben finden ſich auf dem
Malz, auf dem Hopfen, an den Wänden der Öär- und Lager⸗
keller, an den Gärbottichen und Lagerfäſſern, im Innern
der Gärbottiche und Lagerfäſſer, wenn dieſe längere Zeit
Binfelfchtmmel. 115
außer Betrieb ſind und vor der Verwendung nicht genügend
gereinigt werden.
Die verbreitetſte Art unter den Schimmelpilzen iſt
Penicillium glaucum, Pinſelſchimmel (Abb. 25). Wenn
ein Malzkorn verletzt wird, ſieht man alsbald weiße Über⸗
züge an der offenen Stelle auftreten. Dieſe Überzüge werden
meiſt von den Myzelfäden des Pinſelſchimmels gebildet und
werden mit der nach kurzer Zeit erfolgenden Bildung von
Fruchtträgern bzw. Sporen blaugrün.
Abb. 25. Pinſelſchimmel (Pencillium glaucum)
m ſeptlerte Myzelfäden, £ Fruchthyphen, s Sterigmen, e Konidien (Akroſporen).
Der Pinſelſchimmel iſt auch der Erreger der als grablig,
muffig oder kurz als Schimmelgeſchmack und-Geruch be⸗
zeichneten Veränderungen.
Der Pinſelſchimmel iſt der Träger mehrerer Enzyme,
von denen namentlich Diaſtaſe, Maltaſe und Invertaſe ge⸗
nannt ſeien. Nach Rauſcher und Lott gibt ſich die Ein⸗
wirkung des Pinſelſchimmels auf das Malz folgendermaßen
zu erkennen:
1. Schimmeliges Malz liefert weniger Extrakt als nor⸗
males Malz.
8*
116 Kolbenſchimmel.
2. Das Verhältnis zwiſchen Zucker und Nichtzucker wird
verkleinert.
3. Bier aus ſchimmeligem Malz vergärt weniger hoch.
4. Die Säuremenge in der Würze wird vergrößert.
Während Bier aus ſchimmeligem Malz nach Lott keinen
Schimmelgeſchmack annimmt, nimmt es nach Prior Schimmel⸗
geſchmack an, wenn es in
einem ſchimmeligen Faß oder
Keller lagert.
Der Kolbenſchimmel,
Aspergillus glaucus (Ab⸗
bild. 26), liebt nicht ſo feuch⸗
ten Boden wie der Pinſel⸗
ſchimmel. Das Myzelium des
Kolbenſchimmels iſt weiß, die
Hyphen ſind reich gegliedert
und verzweigt. Die Frucht⸗
fäden ſind einfach, ſelten oder
ö gar nicht ſeptiert, an der
Abb. 26. Kolbenſchimmel. Spitze kolbig angeſchwollen.
(Aspergillus glaucus.) Die Anſchwellung iſt rings⸗
Die Sporen 1929 ne Sterigmen um mit Sterigmen beſetzt, die
die zahlreichen Konidien bil⸗
den. Nach dem Erſcheinen der Sporen werden die Über⸗
züge je nach der Art grün, grau, braun oder ſchwarz.
Die Kolbenſchimmel ſind viel weniger ſtark verbreitet als
der Pinſelſchimmel, treten aber ſonſt an gleichen Standorten
auf. Auch an warm gewordenen Hopfen iſt er häufig zu
finden, namentlich an den Spindeln.
Wie die Pinſelſchimmel ſind auch die Kolbenſchimmel durch
ihren Enzymgehalt ausgezeichnet. Sie enthalten Diaſtaſe,
Maltaſe, Invertaſe u. a. Der hohe Diaſtaſegehalt wird bei
einigen Arten ſogar techniſch ausgebeutet, ſo vor allem bei
dem Asp. oryzae, dem Pilz der ſog. japaniſchen Hefe zur
Sake⸗Bereitung in Japan. Einige Arten beſitzen die Fähig⸗
keit, aus Zucker Oxalſäure zu bilden.
Kopfſchimmel. 117
Der Kopfſchimmel, Mucor (Abb. 27). Zu der Gattung
Mucor gehören mehrere Arten, die in Brauereien als
Schimmel und als ſog. Kugelhefe vorkommen.
Mucor mucedo, der gemeine Kopfſchimmel, kommt ſehr
häufig auf den Exkrementen der pflanzenfreſſenden Tlere, bis⸗
weilen auch auf dem Malze vor. Hier erſcheinen die Myzel⸗
sp
bb. 27.
Kopfſchimmel (Mucor mucedo).
I. II, III und IV Entwickelung der
Fruchthyphe mit Sporangium, m
Myzelium, h Fruchthyphe, sp Spor⸗
anglum, in IV mit Thekaſporen
gefüllt.
fäden nicht ſo dicht wie beim Pinſel⸗ und Kolbenſchimmel,
ſondern viel lockerer. Das Myzelium iſt ſehr verzweigt
und bis zur Bildung der Fruchthyphen einzellig. Die Frucht⸗
hyphen ſind viel dicker als die Myzelfäden. Auf ihren Spitzen
werden die Sporenbehälter abgeſchnürt. Die Scheidewand
wölbt ſich danach ſtark aufwärts in das Sporangium hinein.
Das Protoplasma des Sporangiums teilt ſich in ſehr viel
kleine Teile, die ſich abrunden und mit einer Haut umgeben.
Sobald die Sporen reif ſind, wird die Haut der Mutterzelle
in Waſſer oder anderen Flüſſigkeiten löslich. Die Sporen⸗
ſrucht iſt braunſchwarz.
Mucor stolonifer bildet lange Fäden, die aus dem
Myzelium hervortreten und in einiger Entfernung zu einem
118 Kopfſchimmel.
neuen Bildungsherd ſich verzweigen. Die Fruchtträger ſind
zart, die Sporenfrüchte bräunlich bis ſchwarz.
Der Mucor stolonifer gehört zu den verbreitetſten Schim⸗
melpilzen in der Mälzerei und wird dadurch beſonders ge⸗
fährlich, daß er infolge ſeiner eigentümlichen Verbreitungs⸗
einrichtungen in kürzeſter Zeit die ganzen Haufen überwächſt.
Er iſt auch bemerkenswert dadurch, daß er in den befallenen
Malzhaufen Temperaturſteigerungen bis 35° C hervorruft.
Überweiche und ſchlechte Kellerluft infolge ungenügender Ven⸗
tilation begünſtigt fein Auftreten. Er befällt nach Schnegg
auch die Wurzeln des Grünmalzes und bringt ſie unter gleich⸗
zeitiger Begünſtigung ſtarker Huſarenbildung zum Abſterben.
Mucor racemosus hat verzweigte Fruchthyphen mit gelb⸗
lichen Sporangien.
Mucor circinelloides hat verzweigte Fruchthyphen, deren
Aſte ſich bogig abwärts krümmen.
Die Kopfſchimmel verurſachen in Würzen unter Bildung
von Kugelzellen (Mucor- Hefe) Alkoholgärung. Mucor
circinelloides ſcheidet kein Invertin aus, während racemosus
auch in Löſungen von reinem Rohrzucker Alkohol bildet.
Außer dieſen genannten Schimmelpilzen finden ſich auch
noch andere in Brauereien, wie Fusarium, Botrytis, Monilia,
Dematium pullulans uſw.
Die Schimmelpilze ſind im ganzen bei der Bierbereitung
von geringerer Bedeutung, da ſelbſt ſolche, die, wie er-
wähnt, Alkoholgärung bedingen, bei Vorhandenſein von
gärkräftiger Betriebshefe nicht zur Entwickelung kommen.
Zweiter Abſchnitt.
Die Malzbereitung.
Der Zweck der Malzbereitung iſt einerſeits die Bildung
von Enzymen, hauptſächlich der Diaſtaſe, jenes Enzyms, durch
das beim Maiſchprozeſſe die Stärke in Zucker und Dextrin um⸗
gewandelt wird, andererjeit8 die Herbeiführung der Löſung
der ſtärkeführenden Zellen, welcher Vorgang als Auflöſung
bezeichnet wird und ſich in der leichten Zerreiblichkeit des
Mehlkörpers zeigt.
Hauptſächlich wird zur Malzbereitung Gerſte verwendet,
weil ſie bei der Keimung die größte Menge von Diaſtaſe er⸗
zeugen läßt und die Herſtellung von Gerſtenmalz im all⸗
gemeinen billiger zu ſtehen kommt und mit weniger Schwierig⸗
keiten verbunden iſt.
Die Malzbereitung für Brauereizwecke umfaßt
folgende Operationen:
Das Putzen, Sortieren und Waſchen der Gerſte.
Das Weichen der Gerſte.
Die Keimung der Gerſte.
Das Schwelken und Darren des Grünmalzes.
Putzen, Sortieren und Waſchen der Gerſte.
Das Putzen der Gerſte hat den Zweck, die halben
Körner, die fremden Samen, Staub und ſonſtige Verun—
reinigungen zu entfernen. Iſt das Putzen der Gerſte ſchon
aus finanziellen Rückſichten geboten, ſo kommt vor allem in
Betracht, daß gar nicht oder ſchlecht geputzte Gerſte Unregel—
120 Malzbereltung: Das Putzen und Sortieren der Gerſte.
mäßigkeiten im Keimprozeß zur Folge haben muß, wodurch
das Malz nachteilig beeinflußt wird. Eine gute Putz⸗
maſchine gehört zu den notwendigſten und wichtigſten Ein⸗
richtungsgegenſtänden einer Mälzerei, und die Auslagen
für eine ſolche machen ſich bald bezahlt.
Durch das Sortieren, durch die Verwendung von
Sortiermaſchinen will man eine Gleichmäßigkeit in der
Größe und Beſchaffenheit des Gerſtenkornes erzielen. Es
Die Maſchine beſitzt einen ſehr kräftig wirkenden Stoßwindventilator, der
das leichtere Zeug in den Staubkaſten, das ſchwerere in das ſog. Spreukaſtl
wirft. Die Trleurzylinder, die Halbkörner und Kugeln ausheben, find mit
eigentümlich geformten Zellen verſehen. Die Anzahl der Zellen im Verhältnis
zur Zylinderfläche iſt ſehr groß. Die Sortierzylinder ſind für verſchiedene Sor⸗
tierung leicht zu regulieren. Am Ende der Sortierzylinder ſitzen Steinzylinder,
welche die gute Gerſte durchfallen laſſen und alle Beimengungen zurückbehalten.
iſt dies von beſonderer Wichtigkeit für den Verlauf des
Keimprozeſſes. Iſt bekannt, daß eine Miſchung von ver⸗
ſchiedenen Gerſtenſorten nicht zu Mälzungszwecken verwendet
werden ſoll, da ja die verſchiedenen Gerſtenſorten meiſt ver⸗
ſchiedene Keimungsenergie beſitzen und der Keimprozeß folg⸗
lich unregelmäßig verlaufen müßte, ſo wird in gleicher Weiſe
die Ungleichheit in der Größe des Kornes von nachteiligem
Einfluß ſein. Kleine Körner nehmen in der Regel im Weich⸗
ſtocke in lürzerer Zeit das nötige Waſſer auf, als große. Bis
Malzbereltung: Das Sortieren und Waſchen der Gerſte. 121
dieſe die genügende Weiche erhalten, kann bei jenen die
Keimkraft bedeutend geſchwächt oder gar zerſtört fein.
Wenn geſagt iſt, daß eine Vermiſchung von verſchiedenen
Gerſtenſorten nicht vorkommen ſoll, da Unregelmäßigkeiten
im Weich⸗ und Keimprozeß die Folge ſein können, jo wird
dies jedoch nicht ganz und gar zu verhindern ſein, weil die
Menge aus den einzelnen Produktionsgegenden zu gering
iſt und man vom Händler auch ohne dies niemals genügende
Garantie hat.
Sortierte Gerſte, ſchwerere und leichtere, empfiehlt ſich, jede
für ſich zu vermälzen. Wie weit die Verwendung ſortierter
Gerſte noch zum Vermälzen rentabel iſt, kann nur durch eine
Probemälzung konſtatiert werden.
Von einer eingehenden Beſprechung der verſchiedenen
Gerſtenputz⸗ und Sortiermaſchinen muß abgeſehen werden,
es ſei nur bemerkt, daß von den meiſten Maſchinenfabriken
derartige Apparate geliefert werden, die allen Anforderungen
entſprechen. Dieſe Anforderungen ſind kurz folgende:
1. Tadelloſe Reinigung und Sortierung;
2. Entſprechende Leiſtungsfähigkeit;
3. Möglichſt geringer Kraftbedarf;
4. Vermeidung von Beläſtigung und ev. auch Betriebs⸗
ſtörungen durch Staub.
Seit mehreren Jahren ſind in vielen Mälzereien ſog.
Gerſtenwaſchmaſchinen in Verwendung. Durch dieſe will
man die Gerſte von Schmutz und Staub, die ſelbſt durch die beſte
Putzmaſchine nicht vollſtändig entfernt werden können, noch
beſſer reinigen. Man hat auch gefunden, daß durch das
Waſchen das Spitzen des Haufens früher eintritt, der Malz⸗
haufen einen geſünderen, friſcheren Geruch entwickelt, ſelbſt
bei Verwendung verregneter, dumpf riechender Gerſte.
Solche Waſchmaſchinen ſind nur zu empfehlen. In neuerer
Zeit benützt man Einrichtungen, mittels derer beim Weichen
Luſt durch das Weichgut durchgeblaſen, gepreßt wird. Das
Waſchen der Gerſte geſchieht entweder vor oder nach dem
122 Malzbereitung: Das Waſchen der Gerſte.
Weichen oder, wie bei der Waſchmaſchine von Steinecker,
während des Weichens. Dieſe beſteht aus zwei Weichſtöcken,
von denen der eine tiefer ſteht als der andere. Zwiſchen
beiden iſt die Waſchvorrichtung, eine Art Transporteur an⸗
gebracht. Die Gerſte kommt zunächſt in den höher gelegenen
Weichſtock, und nachdem ſie 21 bis 30 Stunden in dieſem ge⸗
legen hat, durch die Waſchvorrichtung in den tiefer gelegenen
Weichſtock, um da die Quellreife zu erhalten. In dem oberen
Weichſtocke wird der dem Gerſtenkorn anhaftende Schmutz
und Staub durchweicht und läßt ſich dann leichter und voll⸗
ſtändiger durch die Waſchmaſchine abreiben. Einen weiteren
Abb. 29. Gerſtenwaſchmaſchine von Steinecker.
Vorteil bietet dieſe Waſchvorrichtung auch dadurch, daß die
Gerſte während des Weichens gemiſcht wird, wodurch ein
gleichmäßigeres Weichen zu erwarten iſt.
Außer genannter Waſchmaſchine hat man mit dem Gerſten⸗
Waſch⸗Weichapparat von Bergmüller, ausgeführt von der
Maſchinenfabrik A. Vennleth & Ellenberger in Darm⸗
ſtadt, ſehr günſtige Reſultate erzielt.
Erwähnt ſeien in dieſer Beziehung noch die Maſchinen⸗
fabriken Bothner, Leipzig; Germania, vorm. Schwalbe &
Sohn, Chemnitz; Topf & Söhne, Erfurt.
Malzbereltung: Das Weichen der Gerſte. 123
Das Weichen der Gerſte.
Das Einweichen der Gerſte hat den Zweck, ihr Waſſer
zuzuführen und gewiſſe Beſtandteile aus dem Korn zu ent⸗
fernen. Das Waſſer iſt einer der drei Hauptfaktoren, die für
einen richtigen Verlauf des Keimprozeſſes maßgebend ſind.
Nur bei Vorhandenſein genügender Menge Waſſer werden
jene Beſtandteile im Samen in Löſung gebracht, die für die
Ernährung des Keimlings erforderlich ſind. Die Gerſte ent⸗
hält eine ziemliche Menge ſog. Extraktivſtoffe, die einen heftig
bitteren Geſchmack haben, der ſich auch dem Biere mitteilen
würde. Bei Entfernung dieſer Extraktivſtoffe durch das
Weichen verliert die Gerſte wohl auch nutzbare Beſtandteile,
organiſche und anorganiſche Stoffe, doch iſt dieſer Verluſt
nicht bedeutend, er beträgt ſelten mehr als 1,5%.
Das Weichen der Gerſte geſchieht im Weich⸗Quellſtock,
in der Weiche. Zur Herſtellung der Weichen werden die
verſchiedenſten Materialien benutzt. In neuerer Zeit finden
hauptſächlich eiſerne Weichen, die in den verſchiedenſten
Formen zur Ausführung kommen, Verwendung. Innen
ſind die eiſernen Weichſtöcke meiſt lackiert, oder mit einem
Menniganſtrich verſehen, außen mit Oelfarbe angeſtrichen.
Am zweckmäßigſten werden die Weichen in einem eigenen,
vor Froſt geſchützten Lokale aufgeſtellt, das in direkter Ver⸗
bindung ſowohl mit dem Gerſtenboden wie auch mit den
Malztennen ſteht, wodurch beim Einbringen der Gerſte in.
den Weichſtock und beim Herausſchaffen der geweichten Gerſte
auf die Tenne an Zeit und Arbeit geſpart wird.
Vielfach kommt es jedoch noch vor, daß die Weichen in
der Tenne ſelbſt aufgeſtellt ſind. Es iſt dies auch keineswegs
ſo gefährlich, wie von mancher Seite geglaubt wird, zumal
wenn ſog. Staubſammler, wie ſolche in Verwendung
ſind, benutzt werden. Bei einer derartigen Aufſtellung
einer Weiche iſt darauf Bedacht zu nehmen, daß dieſe, wenn
möglich, ſo hoch geſtellt wird, daß man mit einem Kippwagen
anfahren kann.
124 Malzbereitung: Das Welchen der Gerſte.
Gewöhnlich verfährt man beim Einweichen in folgender
Weiſe. In den Weichſtock bringt man zunächſt die not⸗
wendige Waſſermenge und läßt dann die Gerſte in kleinen
Quantitäten in das Waſſer einlaufen. Die Gerſte wird mit
Krücken gut durcheinandergerührt, um ſie von Staub und
Schmutz zu reinigen und um die tauben und ſehr leichten
Körner an die Oberfläche, zum Schwimmen zu bringen.
Schwimm Gerste.
TI
|
E
b *
BD:
N N
„— Schmutz Wasser , OR eines wasser
Abb. 30. Gerſtenweiche von Steinecker.
Die Weiche iſt rund und die untere Hälfte koniſch mit flacher Schüſſel, in welcher
der Seihhoden liegt. Dieſe Konſtruktlon hat den Vorteil, daß die Reinigung auf
bequeme Weiſe geſchehen kann. Der Seihboden iſt leicht einzulegen und liegt gut
auf. Der Waſſerzulauf kann von unten und oben flattfinden. Oben iſt ein
überlaufſchnabel und ein abhebbarer Schwimmgerſtenkaſten angebracht.
Die ſchwimmenden Körner werden, nachdem der Weichſtock
gefüllt iſt, in kurzen Zwiſchenräumen öſters untergetaucht,
um die etwa vorhandenen guten Körner, die durch an⸗
hängende Luftblaſen an der Oberfläche gehalten werden,
zum Unterſinken zu bringen. Hierauf wird dann nach etwa
2 bis 4 Stunden die Abſchöpfgerſte abgenommen. An den
neueren, eiſernen Weichen ſind Überlaufgefäße angebracht.
Von einer gut geputzten und ſortierten Gerſte wird die
Menge der Abſchöpfgerſte nicht bedeutend ſein, durchſchnitt⸗
lich etwa 1,25 Volumprozente
Malzbereitung: Weichdauer. 125
Das Weichwaſſer muß öfters gewechſelt werden. Das
Waſſer entzieht nämlich der Gerſte, wie ſchon bemerkt, ver⸗
ſchiedene Stoffe, wodurch es gefärbt und bald einen unan⸗
genehmen Geruch annehmen würde, was von ſchädlichem Ein⸗
fluß auf das Malz ſein müßte. Dieſes Wechſeln des Waſſers
ſoll das erſtemal ſchon ein paar Stunden nach dem Ein⸗
weichen geſchehen, weil das erſte Waſſer am meiſten verun⸗
reinigt wird und am raſcheſten einen üblen Geruch zeigt.
Vorteilhaft wäre es, das unreine Waſſer oben ab- und friſches
Waſſer unten zufließen zu laſſen. Häufiges Wechſeln des
Weichwaſſers iſt jedenfalls geboten, doch ob es alle 12 bis
24 Stunden zu geſchehen hat, hängt von der Beſchaffenheit
und insbeſondere von der Temperatur des Weichwaſſers,
von der Qualität der Gerſte uſw. ab. Bei warmer Jahres⸗
zeit und warmem Waſſer wird man das Weichwaſſer wegen
der Pilze ſchon eher wechſeln.
Wenn nun geſagt iſt, daß häufiges Wechſeln des Waſſers
notwendig iſt, ſo iſt doch zu bedenken, daß es nicht zu oft
geſchehen darf und daß es durchaus nicht empfehlens⸗
wert iſt, ununterbrochen während des ganzen Weichprozeſſes
Waſſer durch den Weichſtock lauſen zu laſſen. Das Waſſer
muß ja in ſolchen Fällen der Gerſte eine größere Menge
wertvoller Beſtandteile entziehen. Störungen in der Gärung
fehlerhafte Eigenſchaften des Bieres im Lagerkeller und beim
Ausſtoß ſind vielfach darauf zurückzuführen.
Weichdauer. Unter Weichdauer iſt der Zeitraum
zwiſchen Beendigung des Einweichens und Ablaſſen des
letzten Weichwaſſers zu verſtehen. Eine allgemein gültige
Zeitangabe hierüber läßt ſich nicht machen, weil die ſog.
Quellreife der Gerſte, die im Weichſtocke erreicht werden
ſoll und wofür der Praktiker verſchiedene Merkmale hat,
abhängig iſt:
1. von der Beſchaffenheit der Gerſte,
2. von der Temperatur und Beſchaffenheit des Waſſers.
Was die Beſchaffenheit der Gerſte betrifft, ſo iſt darauf
zu achten, daß dickhülſige, vollbauchige, ſpeckige, harte, gut
126 Malzbereitung: Weichdauer. Heißwaſſerwelche.
nachgereifte Gerſte zur Erlangung der richtigen Weiche
längere Zeit braucht als dünnhülſige, ſchmale, mehlige weiche,
ganz friſche und auf dem Felde ſtark beregnete. Gekoppte
und verletzte Gerſte wird auch früher genügend geweicht ſein
und wird andernfalls leicht ſchimmelig.
Inwieweit die Temperatur und Beſchaffenheit des Waſſers
maßgebend iſt, ſo iſt bekannt, daß die Waſſeraufnahme im
Weichſtocke bei höherer Temperatur raſcher erfolgt als bei
niederer, mithin kaltes Waſſer eine längere, warmes Waſſer
eine kürzere Weichdauer bedingt.
Als günſtigſte Waſſertemperatur werden 9 bis 10 Cange⸗
geben. Iſt das Weichwaſſer weſentlich kälter, ſo würde der
Weichprozeß zu lange dauern. In dieſem Falle empfiehlt es
ſich, die Temperatur auf die angegebene Höhe zu bringen.
Es iſt auch ſchon empfohlen worden, in wärmeren Waſſer
(bis zu 20° C) einzuweichen, wodurch eine bedeutende Ver⸗
kürzung der Weichdauer, die 48 Stunden nicht überſteigt, er⸗
zielt werden kann.
Windiſch führt als beſondere Vorteile hierfür an: Er⸗
ſparniſſe an Arbeit, geringeren Mälzungsſchwand, höhere
Malzausbeute, höheren Extraktgehalt des Malzes.
Es wird jedoch bemerkt, daß es zweckmäßig iſt, die
Temperaturerhöhung des Weichwaſſers allmählich von Grad
zu Grad vorzunehmen und für das letzte Weichwaſſer eine
Temperatur von 10 bis 129 C zu wählen.
Heißwaſſerweiche. Dieſes Weichverfahren wurde in
den letzten Jahren empfohlen. Es beſteht darin, daß Gerſte
in Waſſer von 45 bis 55 C eingeweicht und ſofort mittels der
Bothnerſchen Lüftung und Waſcheinrichtung 1/, Stunde kräftig
durchgearbeitet wird. Hernach wird das Waſſer abgelaſſen
und kaltes Waſſer zum Weichgut gegeben. Auch dieſes Waſſer
wird bald wieder abgelaſſen um friſches zufließen zu laſſen.
Nach erfolgter Abhebung der Schwimmgerſte wird das
Waſſer wieder gewechſelt, was dann weiter nach je 12 Stunden
wiederholt wird. Vor dem Ausweichen bleibt das N
3bi84 Stunden ohne Waſſer ſtehen.
Malzbereitung: Weichdauer. 127
Die Reſultate, die durch dieſes Weichverfahren gegen⸗
über der ſonſt üblichen Behandlung der gleichen Gerſte
in der Weiche erzielt wurden, hatten beſondere Unter⸗
ſchiede und Vorteile nicht ergeben. (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauw.
1910, Nr. 31).
Dann kommt auch die Temperatur des Weichraumes in
Betracht. Iſt vorher geſagt, daß die Weichen in einem vor
Froſt geſchützten Lokale ſich befinden ſollen, ſo iſt anderſeits
auch darauf zu ſehen, daß die Temperatur des Weichraumes
nicht über 9 bis 10 C betragen ſoll. In einem Waſſer,
das wenig feſte Subſtanzen gelöſt enthält, das als wei⸗
ches Waſſer zu bezeichnen iſt, tritt die Quellreife früher ein
als im harten.
Eine Weichdauer von 48 bis 60 Stunden iſt als kurze, eine
von 60 bis 72 Stunden als mittlere, eine von 80 bis 100
Stunden als lange und eine von 100 bis 120 Stunden und
darüber als ſehr lange Weichdauer zu bezeichnen.
Die Weichdauer iſt auch von Einfluß auf die Beſchaffen⸗
heit des zu erzeugenden Malzes. Soll Malz erzeugt werden
für dunklere, vollmundige Biere, ſo iſt eine längere Weiche
notwendig, um auf der Tenne eine kräftige Entwickelung
der Wurzelkeime und des Blattkeimes zu erhalten, wodurch
die Bildung von möglichſt viel Diaſtaſe zuſammenfällt. Aus
ſolchem Grünmalze iſt die Herſtellung eines hocharomatiſchen
Darrmalzes leichter erreichbar, ohne fürchten zu müſſen, daß
durch die hohe Abdarrtemperatur eine ſolche Menge der
Diaſtaſe geſchwächt oder zerſtört würde, daß im Maiſch⸗
prozeß ein günſtiger Abbau der Stärke zu Zucker und Dex⸗
trin nicht erzielt werden könnte. Will man Malz für lichte
Biere, alfo weniger aromatiſche erzeugen, ſo gibt man
kurze oder mittlere Weiche. Es wird ſich Wurzel- und Blatt⸗
keim weniger ſtark entwickeln und folglich die Bildung der
Diaſtaſe geringer ſein. Allein bei Vorhandenſein einer guten
Auflöſung ſchadet dies nicht, da ja auf der Darre bei An⸗
wendung von niedrigeren Darrtemperaturen auch bedeutend
weniger Diaſtaſe geſchwächt und zerſtört wird.
128 Malzbereitung: Luftwaſſerweiche.
Behandlung der Gerſte in der Weiche mit Kalk—
waſſer. Die günſtige Wirkung des Kalkwaſſers beruht nach
Windiſch darauf, daß die am Keimling ſitzenden Pilzſporen
getötet werden, mithin die Schimmelbildung auf der Tenne
vermieden wird. Es empfiehlt ſich, jede Gerſte 4 bis 6
Stunden lang in der Weiche mit Kalkwaſſer zu behandeln.
Hanter hat ſchon 1897 empfohlen, die einzuweichende Gerſte
mit 25 prozentigem Kalkwaſſer 16 Stunden in Berührung
zu laſſen, hierauf die Gerſte zu waſchen und dann weiter
zu verarbeiten. Jalowetz gibt auf Grund von Verſuchen
folgendes Verfahren an:
Man verwende nur klares Kalkwaſſer. Der Zuſatz von
Kalkwaſſer geſchieht am zweckmäßigſten, daß nach dem Ab⸗
laſſen des erſten Weichwaſſers das Waſſer durch Kalkwaſſer
erſetzt wird und dieſes 2 bis 4 Stunden im Weichſtock bleibt.
Nachher gibt man an deſſen Stelle gewöhnliches Waſſer.
Cerny empfiehlt Zuſatz von Chlorkalk in den Weich⸗
bottich bis 10 g in einem Hektoliter gelöſt und zu 50 Hek⸗
toliter Weichwaſſer zugeſetzt. Nicht nur die abſolute Keimungs⸗
energie und Keimfähigkeit wird dadurch, zumal bei Ver⸗
arbeitung beregneter, dumpfer Gerſte, weſentlich erhöht, ſondern
auch das Wachstum iſt viel gleichmäßiger.
Bei Verwendung von Chlorkalk iſt große Vorſicht ge⸗
boten, foll nicht der Geſchmack des fertigen Malzes bzw.
Bieres darunter leiden, die Hefe und ſomit der Gärverlauf
nachteilig beeinflußt werden. Es wird zwar angeführt, daß
bei der Gährung der penetrante Geſchmack wieder ver⸗
ſchwindet.
Luftwaſſerweiche. Nach dieſem Verfahren liegt die
Gerſte nicht während der ganzen Weichdauer unter Waſſer,
ſondern es iſt ihr beim Wechſeln des Waſſers Gelegenheit
gegeben, mit Luft längere Zeit in Berührung zu kommen, um
dadurch die Benachteiligung, die das ſtändige Verweilen der
Gerſte unter Waſſer mit ſich bringt oder bringen kann, durch
reichliche Sauerſtoffaufnahme wieder auszugleichen. Es iſt
durch Verſuche feſtgeſtellt worden, daß ſo behandelte Gerſte
Malzbereltung: Luftwaſſerweiche. 129
früher ſpitzt, ſpitzend auf die Tenne gebracht werden kann,
wodurch eine Verkürzung der Vermälzungszeit erzielt wird.
Auch wird die Gefahr des zu ſtarken Weichens oder Über⸗
weichens mit ihren üblen Folgen vermieden. Als weiterer
Vorteil wird angeſührt, eine Verringerung des Mälzungs⸗
ſchwandes und ſomit eine dadurch bedingte Erhöhung der
Malzausbeute und Extraktergiebigkeit des Malzes.
Dieſe Vorteile der Luftwaſſerweiche ſind von vielen
Seiten beſtätigt worden, obwohl auch Stimmen laut ge⸗
worden ſind, die ſie als unvorteilhaft erklären. Zur rationellen
Durchführung der Luftwaſſerweiche werden verſchiedene
Apparate und Einrichtungen empfohlen.
Es ſoll nur das Syſtem Doornkart in Kürze beſchrieben
werden, das vielfach zur Anwendung kommt und ſich be⸗
währt hat.
Am Boden der Weiche — Trichterweiche oder Weiche mit
flachem Boden, Wind iſch ſpricht ſich beim Gebrauch der Luft⸗
waſſerweiche mehr für eine Weiche mit flachem Boden aus
— ſind mehrere Lufteinſtrömungsdüſen eingeſetzt für Zu⸗
führung von Druckluft; ſie ſind mit abhebbaren Steigrohren
umgeben, die unten mit einer Schlitzöffnung und oben mit
einer abnehmbaren Metallkappe verſehen ſind. Die durch
die Düſen eintretende Druckluft ſaugt durch die Schlitz⸗
öffnungen Gerſte und Waſſer an, führt dieſes Gemiſch durch
die Rohre nach oben und verteilt es in den Bottich. Da⸗
durch findet eine vollkommene Durchmiſchung und Waſchung
des Maiſchgutes ſtatt.
Für eine Weiche von 100 Zentnern ſind etwa 12 Düſen
nötig und der Druck beträgt ½ bis 1 ½ Atm.
Zum Zwecke der Lüftung des Maiſchgutes werden die
Metallkappen in umgekehrter Weiſe aufgeſchraubt, wodurch
die oberen Enden der Steigrohre luftdicht abgeſchloſſen werden.
Die durch die Düſen eintretende Luft gelangt durch die
Schlitzöffnungen in das Weichgut, durchdringt es nach allen
Seiten und entweicht oben. Ein gleichmäßiges un des
Bierbrauerei.
130 Malzbereltung: Luftwaſſerweiche.
ganzen Weichgutes und Hinwegführen der nachteiligen Kohlen⸗
ſäure wird auf dieſe Weiſe ermöglicht.
Die Doornkartſchen Weichen können auf die ver⸗
ſchiedenſte Art benützt werden. Der günſtige Erfolg iſt ab⸗
hängig von der Qualität der Gerſte, von der Temperatur
des Weichwaſſers und auch davon, daß die Gerſte nicht zu
früh und auch nicht zu lange gelüftet wird.
(Firma: Gögl & Sohn, Maſchinenfabrik, München).
Die Merkmale, die benützt werden, um den richtigen Grad
der Weiche, der Quellreife zu erkennen, und die auch meiſt
zum richtigen Ziele führen, ſind:
1. das Korn ſoll ſich über den Fingernagel biegen und
die Hülſe ſoll ſich dabei vom Korne ablöſen (Nagel⸗
probe);
2. drückt man die Spelzen des Kornes gegeneinander, ſo
ſoll es nicht ſtechen (Stichprobe);
3. das Korn ſoll ſich leicht zerbeißen und ohne großen
Widerſtand mit dem Nagel quer teilen laſſen;
4. entzweigeſchnitten oder zerriſſen ſoll es im innerſten
Teil des Kornes einen trockenen Kern zeigen;
5. das quer zerteilte Korn ſoll einen kreideartigen Strich
auf Holz machen.
Ein untrügliches Reſultat über genügende Weiche (Voll⸗
weiche) geben dieſe Merkmale keineswegs. Bernreuter
und Kumpfmüller haben einen Apparat angegeben, der
in Kombination mit einer Getreidewage die Möglichkeit einer
ſtets gleichen Weiche erzielen läßt. Es werden zunächſt mit
Hilfe des Apparates 200 g Gerſte genau abgewogen, hierauf
in einen durchlöcherten Zylinder gebracht und verſchloſſen
in den Weichſtock zu der eingeweichten Gerſte gegeben, und
zwar iſt es angezeigt, jedesmal in der gleichen Höhe. Nimmt
man nun an, daß die Gerſte die nötige Weiche hat, ſo hebt
man den Zylinder heraus, ſchleudert das mechaniſch anhaf-
tende Waſſer ab und wiegt nun wieder den Zylinder mit
Inhalt. Man findet auf dieſe Weiſe die Menge des auf⸗
genommenen Waſſers durch die Zeigerangabe an der Wage.
Malzbereltung: Das Weichen der Gerſte. 131
Gewiß iſt dadurch möglich, daß man mit Hilfe dieſes Appa⸗
rates einen ganz beſtimmten Prozentgehalt des aufgenom⸗
menen Waſſers erreichen kann, doch etwa hierdurch den
Weichgrad einer Gerſte beſtimmen zu wollen, geht nicht an.
Man weiß ja, daß die einzelnen Gerſten einen ſehr ver⸗
ſchiedenen Waſſergehalt beſitzen können (ſ. Gerſte) und in⸗
folgedeſſen eine zu geringe oder zu ſtarke Weiche nur zu
häufig auf dieſem Wege ſich ergeben würde.
Die Weichdauer iſt, wie erwähnt, ſehr verſchieden. Man
wird jedoch für eine beſtimmte Gerſtenſorte aus dem Re⸗
ſultate der erſtmaligen Vermälzung unſchwer den richtigen
Weichgrad erzielen können. Vor allem iſt darauf zu ſehen,
daß die Gerſte nicht ſtarke Weiche erhält, nicht zu viel
Waſſer aufnimmt. Dadurch wird das Wachstum der Gerſte
zu ſehr beſchleunigt, die Wurzelkeime entwickeln ſich lange
und kräftig, was mit einem Verluſt an wertvollen Extraktiv⸗
ſtoffen verbunden iſt. Bei ſtarker Weiche kommt es vor,
daß eine größere Anzahl von Körnern überweicht ſind, daß
der Mehlkörper milchige Beſchaffenheit zeigt. Solche Körner
haben ihre Keimfähigkeit verloren, ſie faulen und ſchimmeln
auf der Tenne und verunreinigen das Malz.
Auch zu geringe Weiche iſt zu vermeiden. Doch ſind die
Folgen einer zu geringen Weiche, die da ſein können: früh⸗
zeitiges Abtrocknen und Welken der Keime, mangelhafte
Auflockerung des Mehlkörpers, nicht ſo ſehr zu fürchten, da
dieſer Fehler, wenn man merkt, daß der Haufen auf der
Tenne zu trocken wird, in den allermeiſten Fällen ſich gut⸗
machen läßt, indem man den Haufen mit Waſſer beſprengt,
eine Art der ſog. Nachweiche. Dieſe Nachweiche wird auch
dadurch erzielt, daß die Gerſte nach dem Ablaſſen des letzten
Weichwaſſers nicht ſofort auf die Tenne gebracht wird, ſondern
mehrere Stunden im Weichſtocke liegen bleibt oder beſſer,
daß ſie auf der Tenne in einer Höhe von 20 bis 30 em und
noch höher bis zu 40 em angefahren wird.
Der Waſſergehalt der quellreifen Gerſte darf 45 bis 48%
nicht überſteigen. Man kann annehmen, daß eine geweichte
98
132 Malzbereitung: Die Kelmung der Gerſte.
Gerſte, die bis über 48 % Waſſer enthält, als überweicht zu
betrachten iſt und ihre Keimfähigkeit weſentlich abgenommen
hat. Wohl iſt dabei auch die Tenne zu berückſichtigen. Warme
Tennen erleiden eine ſtarke Weiche.
Der Weichſtock muß, nachdem die Gerſte entfernt iſt, forg-
fältig gewaſchen und gereinigt werden, bevor von neuem
eingeweicht wird. Anwendung von Kalkmilch von Zeit zu
Zeit iſt nur zu empfehlen.
Die Keimung der Gerſte.
Es iſt bereits erwähnt worden, daß das Waſſer, das
durch den Weichprozeß der Gerſte zugeführt wird, der eine
der drei Hauptfaktoren iſt, der die Keimung anregt und für
einen günſtigen Verlauf des Keimprozeſſes maßgebend iſt.
Die beiden anderen Faktoren ſind Wärme und Luft.
Keimung iſt nur möglich, wenn ein beſtimmtes Minimum
von Wärme vorhanden iſt, ein gewiſſes Maximum nicht über⸗
ſchritten wird. Haberland gibt ſpeziell für Gerſte als
Minimum z bis 4,5 C, als Maximum 28 bis 30 C an. Je
näher dem Temperaturminimum, deſto langſamer muß der
Keimprozeß verlaufen, je höher die Temperatur bis zu einer
gewiſſen Grenze, dem Temperaturoptimum, das für Gerſte
bei 20° C liegt, deſto raſcher beginnt die Keimung und in
deſto kürzerer Zeit iſt der Keimprozeß beendigt. In der
Mälzerei iſt nun darauf zu achten, daß durch zu niedrige
Temperatur der Keimprozeß nicht allzuſehr verzögert wird,
andererſeits aber darauf, daß er durch höhere Temperatur
nicht zu ſehr beſchleunigt (forciert) wird. Hohe Temperaturen
haben immer ein ungleichmäßiges Wachstum zur Folge, die
Auflöſung wie die Bildung der Diaſtaſe werden beeinträchtigt.
Durch die ſtarke Entwickelung der Wurzelkeime und durch
die erhöhte Atmung des Kornes tritt ein bedeutender Ver⸗
luſt an nutzbaren Stoffen des Gerſtenkornes durch Veratmung
und Wanderung in die Wurzelkeime ein. Hohe Temperatur
iſt außerdem auch der Entwickelung der Pilzſporen, der
Malzbereitung: Die Kelmung der Gerſte. 133
Schimmelbildung uſw. günſtig. Man muß darauf ſehen,
daß die Temperatur 15 bis 17 C nicht überſteigt. Bei dieſen
Temperaturen verläuft der Keimprozeß in günſtiger, voll⸗
ziehen ſich die Umänderungen im Gerſtenkorne in wünſchens⸗
werter Weife.
Wie Feuchtigkeit und gewiſſe Wärme, ſo iſt für einen
günſtigen Verlauf der Keimung Luſt, bzw. Sauerſtoff der
Luft unbedingt notwendig. Der Keimprozeß iſt als eine Art
Oxydations⸗Verbrennungsprozeß zu betrachten. Sauerſtoff
wird aufgenommen, als Oxydationsprodukte treten Kohlen⸗
ſäure und Waſſer auf, wobei auch Wärme entwickelt wird.
Genügende Luftzufuhr zum Keimgut durch Anbringung einer
guten Ventilation im Malzkeller iſt ein Haupterfordernis, ſoll
der Keimprozeß einen günſtigen Verlauf nehmen. Kohlen⸗
ſäure, die in größerer Menge vorhanden die Keimung ſchädigen
und das Grün⸗ und Darrmalz benachteiligen würde, muß
durch entſprechende Ventilationsvorrichtung und Wenden des
Keimgutes entfernt werden. Auch Schimmel und ſchlechter
Geruch wird dadurch vermieden.
Diaſtaſebildung und Löſung der Zellwände der Endo⸗
ſpermzellen ſind der Zweck und die wichtigſten Vorgänge bei
der Malzbereitung.
Die Diaſtaſe wird bei der Keimung aus den ſtickſtoff⸗
haltigen Beſtandteilen des Gerſtenkornes gebildet. Man wird
nun annehmen können, daß eine Gerſte, je ſtickſtoffreicher ſie
iſt, deſto mehr Diaſtaſe zu bilden imſtande ſein wird. Dies
iſt jedoch nicht immer, ja oft das Gegenteil der Fall. Es iſt
die Menge der Diaſtaſe eines Malzes auch von der Be⸗
handlung der Gerſte beim Keimprozeß weſentlich abhängig.
Durch Unterſuchungen von Brown und Morris wurde
feſtgeſtellt, daß die Diaſtaſe ausſchließlich im Aufſaugeepithel
aus gewiſſen Nährſtoffen des Embryo entſteht, was durch die
Arbeit von Grüß widerlegt iſt.
In neuerer Zeit wurde gefunden, daß ungekeimte Gerſte
auch ſchon ein diaſtatiſches, ſtärkeumbildendes Enzym beſitzt.
Dieſe Gerſtendiaſtaſe vermag zwar lösliche Stärke raſch in
134 Malzbereitung: Die Kelmung der Gerſte.
Zucker zu verwandeln, aber auf gewöhnliche Stärke und
Stärkekleiſter, auf die Stärke im Endoſperm iſt ſie ohne
Wirkung (ſ. Enzyme). |
Die Malzdiaſtaſe, der die Eigenſchaft zukommt, Stärke
zu löſen und in Maltoſe überzuführen, Stärkekleiſter zu ver⸗
flüſſigen und zu verzuckern und die eben wegen dieſer Eigen⸗
ſchafſt beim Maiſchprozeß eine jo bedeutungsvolle Rolle ſpielt,
wird erſt bei der Keimung gebildet.
Von den genannten engliſchen Forſchern wird dieſe
Diaſtaſe, die ſich hauptſächlich an der unteren Endoſpermſchicht
vorfindet, Sekretionsdiaſtaſe genannt, während jene im Blatt⸗
keim und den Würzelchen enthaltene, zum Zwecke der leichteren
Beförderung gebildete, Translokationsdiaſtaſe bezeichnet wird.
Dies iſt die Diaſtaſe der Gerſte, die vorangeführte Eigen⸗
ſchaften beſitzt.
Die Löſung der Zellwände der Endoſpermzellen beruht
ebenfalls, wie bereits erwähnt, auf einem enzymatiſchen
Prozeſſe. Infolge der Auflöſung der Zellmembranen wird
der Mehlkörper leicht zerreiblich. Auf eine möglichſt voll⸗
kommene Auflöſung des Mehlkörpers hat man bei der Malz⸗
bereitung Rückſicht zu nehmen. Es gilt dieſe als ein ſehr
wefentliches Kriterium für den günſtigen Verlauf des Keim⸗
prozeſſes und als beſonderes Kennzeichen, daß die Gerſte
hinreichend gekeimt hat, die ſtofflichen Veränderungen der
Gerſte ſich in erwünſchter Weiſe vollzogen haben. Die Auf⸗
löſung iſt abhängig von der Beſchaffenheit der Gerſte.
Manche Gerſten löſen ſich viel leichter und raſcher auf als
andere. Weiter iſt darauf von Einfluß die Behandlung der
Gerſte in der Weiche und während des Keimens. Sehr ſtark
geweichte Gerſte wird, wenn auch die Keimung bei niedriger
Temperatur ſtattfindet, nie ſo lange auf der Tenne liegen
bleiben dürfen, bis eine vollkommen befriedigende Auflöſung
erzielt wird; es würde bei einer großen Anzahl der Körner
der Blattkeim zum Durchbruch kommen (Huſaren).
Die Keimung geht entweder in einer ſog. Malztenne
vor ſich oder in mechaniſch-pneumatiſchen Keim-
Malzbereitung: Die Keimung der Gerſte. 135
apparaten. Jenes zurzeit noch meiſt in Verwendung
kommende Verfahren bezeichnet man als Tennenmälzerei,
dieſes als mechaniſch⸗-pneumatiſche Mälzerei.
Tennenmälzerei. Eine gute Tenne iſt eine unerläßliche
Forderung für einen günſtigen, gleichmäßigen Verlauf der
Keimung.
Die Malztenne wird als gut zu bezeichnen ſein, wenn ſie
eine gleichmäßig niedrige Temperatur von etwa 10 bis 12°C
beſitzt und für eine zweckentſprechende Ventilation geſorgt
iſt. Um eine gleichmäßig niedrige Temperatur zu haben,
werden die Malztennen für gewöhnlich als Keller in die Erde
gebaut und ſo der Einfluß der äußeren, ſehr ſchwankenden
Temperatur möglichſt verhindert. Freilich iſt dieſe Art der
Tennenanlage nicht immer möglich, zumal in größeren Be⸗
trieben wegen Mangel an genügendem Raum. Es befinden
ſich in ſolchen Fällen die Tennen übereinander und der
Temperatureinfluß von außen wird durch dicke Umfaſſungs⸗
mauern, mit oder ohne Iſolierſchicht verſehen, abgehalten.
Vielfach findet auch künſtliche Kühlung der Tennen in der
gleichen Weiſe wie bei Gär⸗ und Lagerkellern Anwendung.
Die Ventilation wird dann zweckentſprechend ſein, wenn
für einen genügenden Luftwechſel geſorgt iſt, ohne daß die
Temperaturverhältniſſe der Tenne und des Keimgutes in
irgend einer Weiſe beeinflußt werden und deſſen Austrocknen
zu befürchten iſt. Zu dieſem Zwecke werden meiſt Luftkanäle
im Mauerwerk in der Nähe des Fußbodens angebracht, die
mit Schieber oder Klappen verſehen ſind, um die Luftzufuhr
regulieren zu können. An der entgegengeſetzten Seite nahe an
der Decke des Kellers befinden ſich kleine, gut verſchließbare
Fenſter mit mattem Glas, um das Licht zu dämpfen. Um die
äußere Temperatur möglichſt abzuhalten, ſind Läden oder
Jalouſien angebracht. In größeren Malzkellern ſind be⸗
ſondere Dunſtabzüge vorhanden, die in den Umfaſſungs⸗
mauern angebracht ſind und entweder über dem Dache oder
an den Außenwänden des oberen Stockwerkes ausmünden
oder es wird die höchſte Stelle der Tenne durch einen Kanal
136 Malzbereitung: Die Kelmung der Gerſte.
mit einem in der Nähe befindlichen Rauchfang verbunden, der
ſo als Ventilator wirkt.
Im Malzkeller iſt die Beſchaffenheit des Tennen⸗
bodens, jener Fläche, auf der die Gerſte den Keim⸗
prozeß durchmacht, von großer Wichtigkeit. Der Boden ſoll
dauerhaft ſein, es ſoll ein gleichmäßiges Keimen der Gerſte
ermöglicht werden, es ſoll eine große Reinlichkeit aufrecht er⸗
halten werden können. Als Tennenpflaſter haben ſich die
Solnhofer Platten am beiten bewährt. Kommt der
Bezug folcher Platten zu teuer, ſo entſpricht ein Tennenbeleg
aus Portlandzement oder Asphalt vollkommen, voraus⸗
geſetzt, daß er ſehr ſorgfältig gemacht iſt. Auch der Unter⸗
lage unter der Pflaſterung iſt Beachtung zu ſchenken. Es
muß dafür geſorgt werden, daß ſie dem Keimgut keine
Feuchtigkeit entzieht, noch viel weniger, daß ſolche zu ihm
treten kann. Die Unterlage muß die ganze Tennenfläche
entlang gleichmäßig ſein, weil ja ſonſt die Keimung un⸗
gleich ſein müßte. Die Oberfläche der Tenne darf keine
Unebenheiten haben, was gleichfalls zu ungleichem Wachstum
Veranlaſſung geben könnte. Der Boden muß ein geringes
Gefälle zum Ableitungskanal haben, damit das Spülwaſſer
vollkommen abfließt. Um das Abſtoßen des Verputzes beim
Wenden des Keimgutes zu vermeiden, ſollen die Wände, an
denen der Haufen anliegt, mit Zement verputzt oder mit
Steinplatten verſehen fein. Im Malzkeller ſoll eine Waſſer⸗
leitung vorhanden ſein, damit immer genügend Waſſer zur
Reinigung der Tenne verwendet werden kann.
Der Malzkeller ſoll gewölbt ſein und eine Höhe von
3 bis 4 Metern beſitzen. Ein hoher, luftiger Malzkeller bietet
dadurch Vorteile, daß die Luft immer etwas beſſer iſt, die
Temperatur ſich nicht zu raſch und zu ſtark erhöht, der Einfluß
der Außentemperatur nicht ſo ſehr zur Geltung kommt.
Was die Größe der Malztennenfläche anlangt, ſo iſt keines⸗
wegs vorteilhaft und für die Erzielung eines gleichmäßig ge⸗
wachſenen Malzes geeignet, wenn dieſe ſehr bedeutend iſt.
Mehr als 100 bis 150 hl trockene Gerſte ſollen auf
Malzbereitung: Die Keimung der Gerſte. 137
einer Tenne nicht zu liegen kommen. Für einen Hektoliter
trockene Gerſte iſt etwa ein Tennenraum von 2 qm feſtzu⸗
ſetzen. Dabei iſt wohl zu berückſichtigen, daß die Tenne in
den wärmeren Monaten weniger ſtark belegt werden kann
als in den kälteren.
Behandlung der Gerſte auf der Tenne. Die quell⸗
reife Gerſte wird, ſobald das letzte Weichwaſſer abgelaſſen
iſt, gewöhnlich ſofort auf die Tenne gebracht (Ausſchießen
in der Praxis genannt) und in einem Beet von 30 bis 50 em
Höhe zuſammengeſetzt (Naßhaufen) zum Zwecke der Nach⸗
weiche. Damit die an der Oberfläche befindlichen Körner
nicht zu fehr austrocknen und die Feuchtigkeit gleichmäßig
verteilt wird, muß der Naßhaufen alle 8 bis 10 Stunden ge⸗
wendet, gewidert werden. Die weitere Behandlung der
Gerſte während der Keimung iſt verſchieden und dadurch
weſentlich bedingt, ob man langes oder kurzes Gewächs er⸗
zielen will. Als langes Gewächs iſt die Entwickelung des
Wurzelkeimes zu bezeichnen, wenn die Wurzelkeime anderthalb
bis doppelt ſo lang wie die Länge des Gerſtenkornes ſind.
Haben die Wurzelkeime annähernd die Kornlänge, ſo ſpricht
man von kurzem Gewächs. Dabei iſt darauf zu achten, daß
in beiden Fällen der Blattkeim mindeſtens / bis /, am
beſten faſt die ganze Kornlänge erreicht hat. Mit der geringeren
oder ſtärkeren Entwickelung des Blattkeimes hängt die ge⸗
ringere oder größere Menge der Diaſtaſe im Grünmalze zu⸗
ſammen. Aus langgewachſenem, diaſtaſereichem Malz läßt
ſich bekanntlich leichter ein hocharomatiſches Darrmalz für
dunkle, vollmundige, haltbare Biere erzeugen. Somit wird die
Behandlung des Keimgutes auf der Tenne auch davon ab⸗
hängig ſein, welche Malzqualität man herſtellen will.
In der Wochenſchr. f. Brauerei, Jahrgang 1891,
Nr. 27 findet ſich der Vortrag von Delbrück, gehalten in
der Generalverſammlung des Vereins Verſuchs⸗ und Lehr⸗
anſtalt für Brauerei in Berlin über das Thema: „Der Ein⸗
fluß der Tennenarbeit auf die Erzeugung beſtimmter Malz⸗
qualitäten“ veröffentlicht. Leider geſtattet der feſtgeſetzte
138 Malzbereitung: Die Keimung der Gerſte.
Umfang dieſes Buches nicht, näher auf die intereſſante Ab⸗
handlung einzugehen. Delbrück geht davon aus, daß für
den Charakter eines Malzes die Zunahme des Zuckergehaltes
beim Mälzen entſcheidend ſei. Aufgabe ſei es nun, durch
Verſuche feſtzuſtellen, welche Faktoren eine Erhöhung des
Zuckers herbeiführen können. Als ſolche werden angeführt:
beſtimmter Waſſergehalt, beſtimmte Temperatur und die
Behandlung des Keimgutes. Gleichzeitig mit der Zucker⸗
bildung während des Keimens geht durch den Lebensprozeß
eine Zuckerzerſtörung vor ſich, die durch den Atmungsprozeß
bedingt iſt. Der Atmungsprozeß müſſe folglich teilweiſe unter⸗
drückt werden, damit der Zuckergehalt zunehmen könne. Dies
ſei der Fall bei beſtimmter Temperatur. Bei 17,5 C jet
eine Zunahme von einem Prozent Zucker nachgewieſen, bei
höherer Temperatur (30° C) träte dieſe nicht ein. Dagegen
könne bei fertigem Grünmalze durch einmalige Temperatur⸗
erhöhung der Zuckergehalt noch um ein bis zwei Prozent er⸗
höht werden, wodurch der aromatiſche Charakter des Malzes
bedingt werde.
Auf die Entwickelung der Wurzelkeime iſt neben dem
Weichgrad und der Temperatur des Keimgutes auch das
ſeltenere oder häufigere Wenden des Haufens von Einfluß.
Wird der Haufen oft gewendet, ſo bleiben die Wurzel⸗
keime immer kürzer. Auch in dieſer Beziehung ſei auf den
Vortrag von Delbrück, Wochenſchr. f. Brauerei, Jahrgang
1891, Nr. 36: „Über die Beurteilung des Malzes aus der
Beſchaffenheit des Wurzelkeimes“, hingewieſen.
Allein nicht nur die Art der Entwickelung der Keime iſt
maßgebend für die Beurteilung des Verlaufes der Keimung,
ſondern vor allem die ſog. Auflöſung, die Zerreiblichkeit des
Mehlkörpers. Dieſe wird nur dann in gewünſchter Weiſe
eintreten, gute und nicht ſtark geweichte Gerſte vorausgeſetzt,
wenn der Keimprozeß langſam, mithin bei verhältnismäßig
niedriger Temperatur verläuft.
In der Praxis unterſcheidet man zwiſchen Führung oder
Arbeiten auf kalten oder warmen Schweiß. Die Führung
Malzbereitung: Die Keimung der Gerſte. 139
auf kalten Schweiß iſt für Herſtellung von Braumalz heut⸗
zutage das ausſchließlich übliche Verfahren, während für
Brennereimalz, wobei es ſich um die Erzielung von möglichſt
viel Diaſtaſe im Malze handelt, die Führung auf warmen
Schweiß meiſt Anwendung findet. Bei der Führung auf
kalten Schweiß wird das Keimgut allmählich weniger hoch⸗
gemacht, ſo daß. während der Naßhaufen, wie erwähnt, eine
Höhe von 30 bis 50 cm beſitzt, der Junghaufen nur mehr
ungefähr 12 cm hoch und auch darunter liegt. Man ſorgt,
wenn möglich, dafür, daß die Temperatur im Keimgut 15° C
nicht überſchreitet; als Temperaturmaximum gelten 20 bis
22,5 C. Dieſe Art der Führung iſt gleichbedeutend mit
Erſparung von Extraktbildner im Malze, indem weniger
Reſerveſtoffe der Gerſte, beſonders Stärke gaſifiziert und zur
Bildung der Keime verwendet werden. Bei der Führung
auf warmen Schweiß wird der Haufen nach und nach auf
eine Höhe von 50 em gebracht, wodurch ſich das Keimgut
ſtark erwärmt. Die Temperatur ſteigt auf 30° C und dar⸗
über. Die Wurzelkeime entwickeln ſich ſehr raſch und lang,
es entſteht ſog. Filzmalz. Bei jenem Verfahren dauert der
Keimprozeß etwa ſieben bis neun Tage, während er bei dieſem
in fünf Tagen beendigt iſt, trotzdem aber einen größeren
Subſtanzverluſt zur Folge hat.
Unter Schweiß iſt jene Feuchtigkeit zu verſtehen, die ſich
während der Keimung bildet und ſich auf den an der Ober⸗
fläche liegenden, etwas kälteren Körnern verdichtet.
Von ſichtbarer Keimung ſpricht man, wenn etwa 18 bis
36 Stunden nach dem Ausſchießen der Gerſte am unteren
Ende der Körner die Wurzelſcheide in Form einer weißen
Spitze hervortritt. Die Gerſte ſpitzt, äugelt, der Haufen bricht
ſich (Brechhaufen). Werden ſpäter, nach einigen Stunden, die
Zellen der Wurzelſcheide zerriſſen und zwei bis vier Würzel⸗
chen ſichtbar, ſo nennt man dies das Gabeln der Gerſte.
Mit dem Eintritt der Keimung beginnt eine Erwärmung
des Haufens, eine Temperaturſteigerung, und wenn man die
oberſten, mehr abgetrockneten Körner mit der Hand beiſeite
140 Malzbereitung: Die Keimung der Gerſte.
ſchiebt, wird der ſog. Schweiß ſich zeigen. Die Temperatur⸗
ſteigerung wie die Schweißbildung nehmen mit dem Fort⸗
ſchreiten der Keimung zu und werden am intenſivſten ſein,
wenn die Keimung in das Stadium des Junghaufens, des
Wachshaufens getreten iſt. Aufgabe des Mälzers wird es
ſomit ſein, eine zu raſche Temperaturſteigerung, zu hohe
Temperatur zu vermeiden. Das wird durch das Wenden,
Widern des Haufens erreicht.
Durch das Wenden wird der Haufen von einer anfäng⸗
lichen Höhe von 30 bis 50 cm allmählich dünner, auf 12 bis
10 em, gelegt. Andererſeits werden dadurch die Temperatur
und die Feuchtigkeit im Keimgut ausgeglichen und wird ihm
friſche Luft zugeführt und Kohlenſäure abgeführt, wodurch
gleichmäßig gewachſenes Malz erzielt wird.
Das Wenden des Haufens darf nicht ſchablonenmäßig
geſchehen. Es laſſen ſich dafür auch keine allgemein gültigen
Zeitangaben machen. Man kann annehmen, daß beim Brech⸗
haufen das Wenden, eine Malzkellertemperatur von 7 bis 8° C
vorausgeſetzt, alle 6 bis 8 Stunden notwendig fein wird,
während der Junghauſen innerhalb 4 bis 5 Stunden und
ſelbſt in noch kürzerer Zeit jedesmal gewendet werden muß.
Der Althaufen, jenes Stadium des Keimprozeſſes, bei dem
die Keimung ſchwächer geworden iſt, der Haufen infolge der
Länge der Wurzelkeime lockerer liegt und aus dieſen Gründen
die Temperaturſteigerung weniger raſch und hoch ſich zeigt,
wird etwa alle 10 bis 12 Stunden gewendet.
Maßgebend hierfür, ob der Haufen zu wenden iſt, ſind
die Schweißbildung und die Temperatur des Keimgutes.
Die Schweißbildung muß ſtark ſein. Iſt ſie als ſchwach
zu bezeichnen, wenn die Temperatur im Haufen auch ſchon
12 bis 15° Czeigen ſollte, jo darf doch nicht gewidert werden,
es muß der Haufen noch ein paar Stunden liegen bleiben
Iſt ſelbſt nach dieſer Zeit die Schweißbildung mangel⸗
haft, während die Temperatur ſich noch weiter erhöht hat,
jo fehlt es dem Keimgut an der genügenden Feuchiigkeit.
Dieſem Fehler, der bedingt ſein kann durch einen zu geringen
Malzbereitung: Die Keimung der Gerſte. 141
Weichgrad der Gerſte, durch einen zu trockenen, durchläſſigen
Tennenbeleg, durch eine zu luftige Tenne oder durch zu
dünne Haufenführung, muß abgeholfen werden durch ein
entſprechendes Beſpritzen des Haufens mittels Gießkanne oder
Benützung von fog. Nebelapparaten. Was die Temperatur
des Keimgates anlangt, fo wird fie ſich, bei Vorhandenſein von
günſtiger Kellertemperatur, im Junghaufen nicht über 19 bis
20° © erhöhen. Beträgt jedoch in wärmeren Monaten die
Kellertemperatur ſchon 12 bis 15° C, fo wäre es ganz falſch,
wollte man, um die Temperatur des Keimgutes nicht über
20° © gehen zu laſſen, durch häufiges Widern die Temperatur
erniedrigen. Der Haufen würde zu ſehr austrocknen, der
Keimprozeß früher unterbrochen werden, ehe noch eine gute
Auflöſung zu beobachten wäre.
Kann, wie aus dem vorhergehenden zu erſehen iſt, die
Zeit für das Wenden nicht im voraus feſtgeſetzt werden, ſo
hängt andererſeits der gleichmäßige Verlauf des Keimprozeſſes
und die gleichmäßige Beſchaffenheit des erzielten Grünmalzes
von einem geſchickten, gewiſſenhaften Wenden des Haufens ab.
Das Wenden des Haufens mit hölzernen, flachen Schaufeln
geſchieht in folgender Weiſe. Es werden zuerſt vom Rande
des Haufens die äußeren und daher am meiſten abgetrockneten
Körner mit der Schaufel abgehoben und in die Mitte des
Haufens geworfen. Nach diefem Aufſtechen, wie es in der
Praxis genannt wird, erfolgt nun das Wenden, und zwar
meiſt auf zwei Stiche. Der obere, kleinere Teil des Haufens
wird mit dem erſten Stich abgehoben und beiſeite gelegt, ſo
daß dieſer Teil die Unterlage des neuen Haufens bildet und
die Körner, die vorher in der Mitte, auf den Boden, die, welche
an der Oberfläche ſich befanden, in die Mitte zu liegen
kommen. Durch den zweiten Stich wird der übrige Teil
möglichſt vollkommen vom Boden weggenommen und, indem
die Schaufel gedreht wird, auf den erſten Teil geworfen. Iſt
das ganze Keimgut gewendet, gewidert, ſo wird der neue
Haufen an den Rändern aufgeſchaufelt, aufgeſtochen, etwas
höher gelegt, weil ſich hier die Gerſte infolge der größeren Luft—
142 Malzbereitung: Die Keimung der Gerſte.
zufuhr weniger erwärmt. Fehlerhaftes, nachläſſiges Widern
bringt mancherlei Nachteile mit ſich. Die Oberfläche des
Keimgutes ſoll nach dem Wenden vollſtändig eben ſein. Oft
kommt es vor, daß der Haufen an der einen Stelle dünner,
an der andern höher liegt. Dies hat zur Folge, daß das Ab⸗
trocknen, das Erwärmen des Haufens ungleich iſt, Wurzel⸗
und Blattkeim in höher liegenden Partien entwickeln ſich
raſcher, das Malz fällt ungleichmäßig gewachſen aus. Wird
der Haufen auf der Tenne überhaupt zu dünn geführt oder
wird zu oft und luftig gewidert, ſo trocknet das Keimgut zu
ſehr aus, die Schweißbildung iſt, wie ſchon erwähnt,
mangelhaft, die Auflöſung des Malzes wird unge⸗
nügend ſein. Wird andererſeits der Haufen zu hoch geführt
und zu ſelten oder ſchlecht gewidert, ſo erwärmt er ſich zu
ſtark, Wurzelkeime und Blattkeime entwickeln ſich raſch, die
Auflöſung des Malzes iſt nicht zufriedenſtellend.
Unter luftigen Widern verſteht man das Fliegenlaſſen des
Keimgutes beim zweiten Schaufelſtiche. Es iſt diefe Art des
Widerns angezeigt, wenn der Haufen feucht iſt und ſich ſtark
erwärmt hat. Die zwiſchen den Körnern befindliche Kohlen⸗
ſäure wird dadurch beſſer entfernt und der Haufen kommt
lockerer zu liegen.
Als teilweiſer Erſatz des Widerns wird ſeit einigen Jahren
das Hacken und Pflügen des Keimgutes benützt. Die Vor⸗
teile dieſer zwei Arten der Behandlung des Keimgutes ſind
einzig und allein das geringere Lüften und ſomit das Ein⸗
ſchränken der Veratmung. Abwechſelndes Hacken und Pflügen,
ſolange der Haufen im Stadium des Brech⸗ bzw. im
Beginn des Junghaufens ſich befindet, tut gute Dienſte.
In einigen größeren Mälzereien und Brauereien werden
in den letzten Jahren mechaniſche Grünmalzwender
mit Erfolg benützt. Solche Wender liefern: die Maſchinen⸗
fabrik Maffei in München, Patent Wörz & Eisner, die
Maſchinenfabrik Topf & Höhne in Erfurt, die Maſchinenfabrik
Offenbach a. M. Erwähnt ſei auch der Tennenwender von
Erlanger.
Malzbereitung: Wetzenmalz. 143
Läßt man das Keimgut längere Zeit ohne es zu wenden
liegen, ſo entſteht ein Verfilzen, Greifen des Malzes.
Die Anſichten über den Wert des Greifenlaſſens ſind ſehr
verſchieden. Die Erfahrung hat gezeigt, daß das Greifen⸗
laſſen am fünften oder ſechſten Tage der Keimung für die
Herſtellung von hocharomatiſchem Malze nur vorteilhaft iſt.
Das Greiſenlaſſen dürfte ſich dann beſonders empfehlen, wenn
die Auflöſung nicht entſprechend iſt oder nicht bis zu den
Spitzen geht. Freilich iſt mit dem Greifenlaſſen ein größerer
Verluſt verbunden.
Schwierig iſt es, einen gegriffenen Haufen zu widern.
Es muß dafür geſorgt werden, daß die Bündel (Filzmalz)
auseinanderkommen, der Haufen entſprechend klargemacht
wird, weil ſonſt der Blattkeim zu weit ſich entwickeln würde
(Huſaren) und auf der Darre leicht Glasmalzbildung eintritt.
Benützung der Greifhauf⸗Schüttelgabel von Wörz & Eisner
läßt dies vermeiden.
Weizenmalz.
Wie ſchon erwähnt, wird Weizenmalz zur Herſtellung von
Bier, und zwar hauptſächlich obergäriger Biere verwendet.
Nicht jeder Weizen iſt zur Malzbereitung geeignet. Klein⸗
körnige, milde Sorten von rötlicher oder rotgelber Farbe
liefern meiſt mürbes Malz von beſſerer Auflöſung und
höherem Extraktgehalt.
Die Bereitung von Weizenmalz geſchieht in gleicher Weiſe
wie die von Gerſtenmalz, nur iſt dabei eine beſondere Vor⸗
ſicht notwendig, ſoll das Reſultat in jeder Weiſe zufrieden⸗
ſtellend ſein. Wegen der dünneren Hülſe der Weizenkörner
liegt die Gefahr von zu ſtarker Weiche oder Überweiche ſehr
nahe; es empfiehlt ſich daher im Weichſtock weniger Weiche
zu geben und auf der Tenne nach Bedarf nachzuweichen. Der
Naßhaufen ſpitzt ſehr bald und es tritt viel raſcher lebhaftes
Wachstum ein. Nur durch flacheres Führen des Wachs⸗
haufens und häufigeres Wenden läßt ſich der Keimprozeß
144 Malzbereitung: Welzenmalz.
etwas verzögern, wird das Warmwerden des Haufens, das
eine ſtarke Schimmelbildung und Säurezunahme zur Folge
haben würde, vermieden. Beim Weizen tritt der Blattkeim
am gleichen Ende hervor, an dem die Wurzelkeime ſich zeigen,
und zwar früher, als dies bei Gerſte der Fall iſt. Es iſt
deshalb nicht zu vermeiden und darf. nicht vermieden werden,
wenn man Weizenmalz von guter Auflöſung erhalten will,
daß der Blattkeim ſichtbar wird. Um gute Auflöſung zu er⸗
zielen, iſt auch zu empfehlen, den Althaufen etwas greifen zu
laſſen. Der ganze Keimprozeß iſt in etwa fünf Tagen be⸗
endigt und folgt dann vorſichtiges Trocknen und Darren bei
niedriger Temperatur, 60 bis 75° C. Sowohl auf der
Tenne wie auf der Darre iſt dünneres Auftragen des Weizens
angezeigt, weil er ſich ſehr zuſammenlegt. Bei Weizenmalz
wird ein Röſtaroma nicht verlangt; man will es ja gebrauchen
zur Herſtellung von zuckerreichen und folglich hochver⸗
gährenden Würzen.
Prior gibt nachſtehende Analyſe eines Münchener
Weizenmalzes an:
W/ een 8 4,49%
Gierke ee 79,00 „
Reduzierter Zucker im Extraktft .. . 71,95 „
Verhältnis von Zucker zu Nichtzucker 1: 0,3 „
Mechaniſch⸗pneumatiſche Mälzerei.
Schon vor mehr als dreißig Jahren war man darauf be⸗
dacht, auch bei Grünmalzbereitung Maſchinenkraft, wie dies
in den verſchiedenen Zweigen der Bierfabrikation der Fall
iſt, zur Anwendung zu bringen. Es ſind verſchiedene ſog.
mechaniſche Keimapparate konſtruiert und empfohlen worden,
allein keiner konnte ſich in der Praxis dauernd einbürgern,
obwohl über das eine und andere Syſtem günftige Er—
fahrungen in der Fachliteratur zu finden find. Der Haupt-
grund dürfte darin gelegen ſein, daß ſie ausſchließlich nur
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Blerbrauerei. 10
Abb. 31. Pneumatiſche Mälzerei. Syſtem Saladin.
146 Malzbereitung: Mechaniſch⸗pneumatiſche Mälzerel.
einen Vorteil zu bieten vermochten, nämlich das Wenden des
Keimgutes durch Maſchinenkraft zu erſetzen, auf die richtige
Einhaltung der Keimungsbedingungen aber, Temperatur,
Feuchtigkeit, Luftzufuhr, wodurch einzig und allein ein günſtiger
Verlauf des Keimprozeſſes zu erwarten iſt, nicht oder in nicht
entſprechender Weiſe Rückſicht genommen wurde.
Koch beſpricht in ſeinem Vortrag gelegentlich der Mit⸗
gliederverſammlung der wiſſenſchaftlichen Station für Brauerei
(Zeitſchr. f. d. gef. Braumefen 1911) eine verbeſſerte ſelbſt⸗
tätig wirkende Horden⸗Malzkeimungsmaſchine, Syſtem
Pliſchke, und führt auf Grund eigener Beobachtungen und
Erfahrungen an, daß nach den Ergebniſſen das Malz der
Keimmaſchine jenem der Tenne vollkommen gleichſteht.
Die Maſchinenmalze zeigten bei den verſchiedenſten Gerſten⸗
provenienzen eine vollkommene und mürbe Auflöſung, gaben
auf der Darre ein vorzügliches Aroma und ließen ſich im
Sudhaus leicht verarbeiten.
Seit etwa fünfundzwanzig Jahren haben die mechaniſch⸗
pneumatiſchen Apparate, bei denen die Keimungs⸗
bedingungen Berückſichtigung finden, ſich mehr und mehr in
der Praxis eingebürgert und dürften hauptſächlich als Erſatz
der Tennenmälzerei in Betracht kommen, freilich zunächſt nur
für größere Betriebe. Für eine Rentabilität dieſer Art der
Mälzerei muß eben vorausgeſetzt werden, daß pro Jahr
mindeſtens 10 000 bis 15 000 Ztr. Gerſte verarbeitet werden.
Hierzu ſei noch bemerkt, daß die Maſchinenfabrik Topf &
Söhne in Erfurt Keimtrommeln baut, und zwar Einhaufen⸗
trommeln für größere Betriebe und Mehrhaufentrommeln
oder Abteilungstrommeln ſelbſt für die kleinſten Betriebe.
Das Prinzip der mechaniſch⸗pneumatiſchen Mälzerei beruht
darauf, daß ein mit Feuchtigkeit geſättigter Luftſtrom von
konſtanter Temperatur durch das in ziemlich hoher Schicht
liegende Keimgut, das von Zeit zu Zeit oder beſtändig ge⸗
wendet, hindurchgeführt wird. Entweder wird dieſer Luft-
ſtrom durch das Keimgut hindurch von oben nach unten
abgeſaugt oder es wird die Luft von unten nach oben durch
Malzbereitung: Mechaniſch⸗pneumatiſche Mälzerei. 147
den Haufen gedrückt und die mit Kohlenſäure beladene Luft
durch einen Ventilator nach außen abgeführt.
Die verſchiedenen Syſteme der pneumatiſchen Mälzerei laſſen
ſich in zwei Gruppen zuſammenfaſſen, in die Kaſtenmälzerei,
Syſtem Saladin, und Trommelmälzerei, Syſtem Galland.
Die Mälzereianlage nach Syſtem Saladin (Abb. 31)
beſteht aus offenen Keimkaſten; das in dieſen befindliche Keim⸗
gut, die geweichte Gerſte, wird von unten nach oben mittels
künſtlich befeuchteter Luft ventiliert und durch einen von einem
Ende des Kaſtens zum anderen langſam ſich bewegenden, aus
nebeneinanderſtehenden Schrauben beſtehenden Wendeapparat
gewendet.
Bei der Mälzereianlage nach Syſtem Galland (Abb. 32
und 33) wird die geweichte Gerſte in geſchloſſenen, zweck⸗
mäßig ventilierten und langſam um die Längsachſe rotieren⸗
den Trommeln zum Keimen gebracht.
Die Betriebsweiſe für die pneumatiſche Mälzerei nach
Syſtem Saladin iſt folgende:
Die quellreife Gerſte wird ſamt dem Waſſer in den zu
füllenden Keimkaſten vermittels eines Rohres eingelaſſen.
Das Waſſer gelangt durch den perforierten Boden in den
darunter befindlichen Kanal. Hierauf läßt man den Wender
einmal durch das Keimgut gehen, um es aufzulockern und
zu ebnen. Nun bleibt die Gerſte zum Zwecke der Nachweiche
in einer Höhe von etwa 56 em mehrere Stunden liegen, bis
die Temperatur des Naßhaufens 12 bis 15° C beträgt.
Sodann werden die Ventilationsklappen geöffnet und der
Zutritt der feuchten Luft in der Weiſe geregelt, daß die
Temperatur des keimenden Haufens konſtant 15° C beträgt.
Iſt die atmoſphäriſche Luft im Winter zu kalt, ſo wird das
Waſſer im Behälter mit Dampf entſprechend erwärmt, iſt
ſie hingegen in den wärmeren Monaten zu warm, ſo wird
Abkühlung durch Eis oder durch beſtändigen Wechſel des
Waſſers vorgenommen.
Da das Wenden lediglich dazu dient, das Keimgut auf⸗
zulockern, um ein Verfilzen zu vermeiden, ſo iſt es völlig
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148 Malzbereltung: Mechaniſch⸗pneumatiſche Mälzerel.
genügend, den Wender alle 12 bis 18 Stunden in Tätigkeit zu
ſetzen. — Der Keimprozeß verläuft in normaler Weiſe und iſt
in 7 bis 8 Tagen beendigt. Das Grünmalz kann nun im Keim⸗
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kaſten einige Zeit liegen bleiben und geſchwelkt werden, indem
ſtatt mit Feuchtigkeit geſättigte Luft, gewöhnliche trockene oder
bis 25° C erwärmte Luft durch das Malz geleitet wird.
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Malzbereitung: Mechaniſch⸗pneumatiſche Mälzerei. 149
Bei dem Syſtem Galland kommt die quellreife Gerſte,
oder bei Vorhandenſein von eigenen pneumatiſchen Weich⸗
kaſten, ſobald ſie deutlich ſpitzt, in die Keimtrommel. Eine
Abb. 33. Pneumatiſche Mälzerei. Syſtem Galland. Längsſchnitt.
WI Weiche, L Luftzuleitung, 81 Luftabſaugeleitung, D Regulierſchieber in Ver⸗
bindung mit der Luftzuleitung, Di Regulierſchieber in Verbindung mit der
Luftabſaugeleitung, Z Exhauſtor, m fein durchlochtes Mittelrohr.
ſolche Keimtrommel beſteht aus zwei aus Eiſenblech ver⸗
fertigten Zylindern. Der äußere iſt maſſiv, während der
innere, zur Aufnahme des Keimgutes beſtimmt, der ganzen
Länge nach halbkreisförmige, fein gelochte Kanäle beſitzt.
150 Malzbereitung: Mechaniſch⸗pneumatiſche Mälzerei.
In der Achſe des Zylinders liegt ein ebenfalls feindurch⸗
lochtes Mittelrohr. Der Raum zwiſchen den beiden Zylindern
bildet die Luftkammer, die durch einen Regulierſchieber mit
der Luftzuleitung in Verbindung ſteht. Das Wenden des
Keimgutes geſchieht durch eine langſame Drehung der
Trommel, weshalb dieſe auſ zwei Paar Rollböcken gelagert iſt
und mittels Schneckenradgetriebe innerhalb etwa 30 Minuten
einmal herumgedreht wird. Zur Ableſung der Temperatur
des Keimgutes iſt an den Stirnwandungen der Trommel
ein Thermometer angebracht. Die Regulierung der Tem⸗
peratur wird durch Drehen des Luftregulierungshahnes
bewerkſtelligt, wodurch mehr oder weniger präparierte Luft
durch die Trommel geleitet wird.
Es hat ſich gezeigt, daß bei dieſen beiden Mälzungs⸗
verfahren die Haufen leicht austrocknen. Man ſucht dieſen Fehler
dadurch abzuſtellen, daß man Waſſer als Dampf (Waſſer⸗
zerſtäuber) und ſogar tropfbarflüſſig in das Keimgut einführt.
Auch mit dieſem Syſtem kann nach Beendigung des Keim⸗
prozeſſes ein Schwelken des Grünmalzes verbunden werden,
indem mittels eines Schiebers die feuchte Luft von der Trommel
abgeſperrt und durch Offnen einer im Deckel dieſes Schiebers
angebrachten Türe gewöhnliche, trockene oder auch erwärmte
Luft durch das Grünmalz hindurchgeführt wird.
Als weſentliche Vorteile der mechaniſch-pneumatiſchen
Mälzerei gegenüber der Tennenmälzerei werden angeführt:
1. Beträchtliche Raumerſparnis, da bei der hohen Lage
des Keimgutes ungefähr nur ½ des für die Tenne
erforderlichen Raumes notwendig iſt.
2. Die Möglichkeit, das ganze Jahr hindurch, alſo auch
während der heißen Monate, zu mälzen.
3. Erſparung an Arbeitsperſonal, da ſelbſt bei großen
Anlagen ein Mann für den Tag- und einer für den
Nachtbetrieb genügt.
4. Die Möglichkeit, die pneumatiſche Anlage faſt in jedem
beliebigen Raume anbringen zu können.
Malzbereitung: Mechaniſch⸗pneumatiſche Mälzerei. 151
5. Die Vermeidung von Zertreten von Körnern, von
Schimmelbildung.
6. Die Erzielung eines gut aufgelöſten, extraktreicheren
Grünmalzes, da infolge der Führung des Keimprozeſſes
bei einer gleichmäßig niedrigen Temperatur ein ge⸗
ringerer Subſtanzverluſt der Gerſte ſtattfindet.
7. Als weiterer Vorteil dürſte anzuführen ſein, daß ſicher⸗
lich auch der Mälzungsverluſt geringer ſein wird.
Die mechaniſch⸗pneumatiſche Mälzerei hat in den letzten
Jahren weſentliche Verbeſſerungen erfahren. Auf Grund
gründlicher Erprobung kann geſagt werden, daß ſich auf
dieſem Wege ein Malz von tadelloſer Qualität herſtellen läßt.
Da die angeführten Vorteile in Wirklichkeit auch zutreffen,
findet die pneumatiſche Mälzerei auch eine entſprechende An⸗
wendung in der Praxis.
Es muß davon abgeſehen werden, auf die mannigfachen
Verbeſſerungen einzugehen, es ſei nur in Kürze erwähnt:
1. was die Kaſtenmälzerei, Syſtem Saladin, anlangt,.
daß die Kühlung und Sättigung der Luft mit Waſſer durch
Streudüſen oder durch Spritzrohre geſchieht, die entſprechend
präparierte Luft ſowohl von oben nach unten wie von unten
nach oben geſaugt werden kann, wodurch eine gleichmäßigere
Ventilation des Keimgutes und damit auch ein gleichmäßigerer
Verlauf des Keimprozeſſes erzielt wird;
2. was die Trommelmälzerei, Syſtem Galland, an⸗
betrifft, daß hinſichtlich der Bewegungsrichtung der ein⸗ und
austretenden Luft mehrfache Verbeſſerungen getroffen wurden
(Maſchinenfabrik und Eiſengießerei Charlotten-
burg). Bemerkt ſei auch, daß genannte Fabrik mit der Keim⸗
trommel eine Dampftrommeldarre, beſtehend aus einer Trocken⸗
und Darrtrommel, in Verbindung gebracht hat.
Auf die Keimtrommel der Firma Topf & Söhne in Erfurt
wurde bereits hingewieſen (S. 146). Sie fabriziert Mehr⸗
haufen und Einhaufentrommeln, Trommeln mit geſchlitztem,
taſchenförmigen Außenmantel und gelochtem Innenzylinder.
152 Malzbereitung: Mechaniſch⸗pneumatiſche Mälzeret.
Eine Abänderung und wohl auch eine Verbeſſerung hat
die Gallandſche Trommel durch das Syſtem Schwager er⸗
fahren, ausgeführt von der Maſchinenfabrik Germania in
Chemnitz. Die Außentrommel iſt geſchloſſen, die Innentrommel
abwechſelnd gelocht. Das weſentliche iſt, daß das Zentralrohr
in der Mitte geteilt iſt und gleichzeitig an beiden Seiten die
Luft zu⸗ und abgeführt wird.
Erwähnt ſei auch das Syſtem Tilden, bei dem Keimen
und Darren in ein und derſelben Trommel ſtattfindet. Die
Trommel beſteht aus einem perforierten Außenmantel mit
Längsſcheidewänden und einem perforierten feſtſtehenden
Innenmantel mit dem Röſtapparat, beide aus verzinktem Stahl⸗
blech verfertigt. Eine ſolche Anlage iſt ſchon ſeit mehreren
Jahren in der Münchener Thomasbrauerei im Betriebe.
Hingewieſen ſei ſchließlich noch auf das Kropfſche
Mälzungsſyſtem. Das Prinzip beſteht darin, daß das
Keimgut, ſobald der Keimprozeß genügend weit fortgeſchritten
iſt, ſei es auf der Tenne, im Keimkaſten oder in der Keim⸗
trommel, unter vollſtändigem Luftabſchluß liegen bleibt. Die
Auflöſung ſchreitet weiter fort, während nur ein minimales
Weiterwachſen von Blatt⸗ und vor allem von Wurzelkeimen
zu konſtatieren iſt, mithin der Mälzungsſchwand verringert
wird. Sind die Reſultate, die man mit dieſem Mälzungs⸗
ſyſtem unter Einhaltung gewiſſer Regeln und Bedingungen
gewonnen hat, im allgemeinen günſtige, ſo wird es doch noch
weiterer Verſuche und Erfahrungen bedürfen, um ein ab⸗
ſchließendes Urteil über ſeine Brauchbarkeit geben zu können.
Sobald an gewiſſen äußeren Kennzeichen des Keimgutes
konſtatiert werden kann, daß die Gerſte bis zu einem ge⸗
wünſchten Grade gekeimt hat, wird der Keimungsprozeß
unterbrochen, und zwar durch Entziehung don Feuchtigkeit.
Aus der Gerſte iſt nun Grünmalz geworden.
Die äußeren Kennzeichen, nach denen der Verlauf des
Keimungsprozeſſes beurteilt wird, find:
Malzbereitung: Kennzeichen eines guten Grünmalzes. 153
1. Die Beſchaffenheit des Mehlkörpers. Der
Mehlkörper ſoll weiß und leicht zerreiblich ſein, das Grün⸗
malz ſoll eine gute Auflöſung zeigen. Zerteilt man dos
einzelne Korn, drückt eine Partie des Mehlkörpers heraus,
zerdrückt dieſe mit Daumen und Zeigefinger, ſo ſoll der
Mehlkörper ſich leicht zerreiben laſſen, ähnlich als hätte man
trockenes Stärkemehl zwiſchen den Fingern. Die Auflöſung
iſt das ſicherſte Zeichen, ob der Keimungsprozeß in ent⸗
ſprechender Weiſe verlaufen iſt. Die mehlige Auflöſung gilt
als das beſte Kriterium, doch iſt dieſe nicht immer zu er⸗
reichen, zumal bei Tennenmälzerei. Eine fog. grieſige Auf⸗
löſung gilt als vollkommen zufriedenſtellend. Iſt hingegen der
Mehlkörper noch hart, oder zeigt er eine mehr oder weniger
teigige Beſchaffenheit, ſo iſt dies immer als ſchlechtes Zeichen
zu betrachten, und die Gefahr liegt ſehr nahe, daß auf der
Darre viel Glasmalz entſteht, das im Sudhaus und bei der
Gärung zu verſchiedenen Störungen Anlaß gibt. Freilich
iſt die gute Auflöſung nicht ausſchließlich das Reſultat einer
ſachgemäßen, gewiſſenhaften Durchführung der einzelnen
Operationen, ſondern iſt auch bedingt durch die Beſchaffen⸗
heit der Gerſte ſelbſt. Bei einer mehligen Gerſte wird es
bei entſprechender Einhaltung der Keimungsbedingungen
keine Schwierigkeiten machen, mehlige, bzw. grieſige Auf⸗
löſung zu erreichen, doch bei glaſiger Gerſte wird es nur mög⸗
lich ſein, wenn bei genügender Feuchtigkeit der Haufen etwas
wärmer geführt und für reichliche Luftzufuhr geſorgt wird.
2. Die Länge ſowohl der Wurzelkeime als der
Blattkeime. Eine beſtimmte Länge der Wurzelkeime als
entſcheidendes Merkmal für die Führung des Keimungs⸗
prozeſſes betrachten zu wollen geht nicht an. Es wurde
bereits geſagt, daß auf kurzes Gewächs hingearbeitet werden
ſoll ‚weil mit der ſtärkeren Entwickelung der Wurzelkeime ja
ein größerer Verluſt an nutzbaren Beſtandteilen des Gerſten⸗
kornes mit verbunden iſt. Es wäre fehlerhaft, auf Koften
der Auflöſung kurzes Gewächs erzielen zu wollen. Gar
manche Gerſtenſorten, wie auch die Herſtellung von Malz
U
154 Marzbereitung: Das Schwelken und Darren des Grünmalzes.
für vollmundige, dunkle Biere, bedingen es, daß die Keime
länger und ſtärker ſich entwickeln müſſen, um eine gute Auf⸗
löſung zu bekommen. Was unter kurzem und langem Gewächs
verſtanden iſt, wurde oben angeführt. Was die Länge des
Blattkeimes anlangt, ſo hängt dieſe mit der Anhäufung der
Diaſtaſe zuſammen. Der Blattkeim fol mindeſtens bis /
der Kornlänge ſich vorgeſchoben haben. Bei hoch abzudarren⸗
dem Malze iſt es gewiß nur vorteilhaft, wenn der Blattkeim
/, ja ſelbſt die ganze Kornlänge beträgt, um beim Maiſch⸗
prozeß genügende Menge von Diaſtaſe zu einem günſtigen
Verlauf des Verzuckerungsprozeſſes zu haben.
3. Der Geruch des Grünmalzes. Der Geruch des
Grünmalzes ſoll friſch ſein, wie der Geruch nach geſchälten
Gurken; dumpfer, ſchimmeliger, ſäuerlicher Geruch deutet
immer auf Manipulationsfehler.
Das Schwelken und Darren des Grünmalzes.
Wenn, wie eben angeführt, die äußeren Merkmale eines
Grünmalzes den Zeitpunkt gegeben erſcheinen laſſen, den
Keimungsprozeß zu unterbrechen, ſo wird das Grünmalz zu⸗
nächſt vorgetrocknet, geſchwelkt. Vielfach wird dieſes Schwelken
auf eigenen Schwelkböden, trockenen, luftigen Räumen vorge⸗
nommen. Gerade über dieſe übliche Art des Schwelkens find in
der letzten Zeit Stimmen von ſeiten der Praxis wie auch von
Vertretern der Theorie für und wider in der Fachpreſſe laut
geworden. Von ſeiten der Gegner der Schwelke wird an⸗
geführt, daß bei den derzeitigen Darreinrichtungen das
Schwelken auf eigenen Schwelkböden zwecklos und wertlos
iſt, ja daß eine Schädigung des Grünmalzes durch Schimmel⸗
bildung und Eintreten von ſtärkerem oder geringerem Fäul⸗
nisprozeß verurſacht werden kann. Von den Anhängern der
Schwelke wird dagegen geäußert, daß ſelbſt die primitivſte
Schwelke, vorausgeſetzt, daß auf Reinlichkeit der Schwelke
geachtet wird und eine entſprechende Behandlung des Grün⸗
malzes auf der Schwelke ſtattfindet, nur Vorteile gefolgert
Malzbereitung: Das Darren. 155
werden müſſen. Als ſolche Vorteile werden angegeben: die
Auflöſung des Malzes wird erhöht, ohne daß ein Subſtanz⸗
verluſt damit verbunden wäre, indem ja die Wurzelkeime
welk werden und weiteres Wachstum nicht mehr möglich iſt.
Der Blattkeim ſchiebt ſich noch etwas weiter vor, und wenn
auch deshalb ein ſolches Grünmalz beſonders geeignet iſt zur
Herſtellung dunkler, aromatiſcher Malze, ſo ermöglicht doch
gerade das Schwelken andererſeits die Herſtellung ſehr
blaſſer, lichter Malze. Auch von einer günſtigen chemiſchen
Auflöſung, von einer Umänderung der Stickſtoffſubſtanzen,
wie von einer Zunahme des Zuckergehaltes auf der Schwelke
iſt die Rede. Die Erſparnis an Brennmaterial iſt ſicher
auch von Belang. |
Wenn der Verfaſſer das Schwelken des Grünmalzes auf
eigenen Schwelkböden auch nicht als unbedingt notwendig
bezeichnen kann, ſo ſtellt er ſich doch, auf Grund vielfacher
Erfahrungen und zahlreicher Verſuche, auf Seite der Anhänger
der Schwelke. Leider können nicht durch Zahlen die Beweiſe
für die Vorteile bei Benutzung und richtiger Handhabe einer
geeigneten Schwelke erbracht werden, doch dürfte nicht daran
zu zweifeln ſein, daß das Schwelken zur Sicherheit der
Führung des Darrprozeſſes weſentlich beitragen kann.
Das Darren. Der Darrprozeß gehört zu den wichtigſten
Prozeſſen der Bierfabrikation. Durch ihn bezweckt man die Ent⸗
fernung der Feuchtigkeit, um das Malz für längere Aufbe⸗
wahrung geeignet zu machen und um andererſeits die Wurzel⸗
keime leicht und vollſtändig zu entfernen. Weiter ſoll dem
Malze ein beſtimmter Charakter verſchafft werden. Der Darr⸗
prozeß iſt mithin nicht ein einfacher Trocknungsprozeß, ſondern
es müſſen dabei auch chemiſche Veränderungen im Malzkorne vor
ſich gehen deren Zuſtandekommen in gewünſchter Weiſe abhängig
iſt von dem Feuchtigkeitsgehalt des Malzes und der Tempera⸗
tur in den einzelnen Darrſtadien. Durch Anwendung von all-
mählich ſteigenden Temperaturen bis 110 C wird das Grün⸗
malz in Darrmalz übergeführt, wird der Waſſergehalt des
Grünmalzes von ungefähr 40 %x auf 3 bis 1 ½ % erniedrigt
156 Malzbereitung: Das Darren.
und wird dem fertigen Malze ein beſtimmter Charakter erteilt.
Es werden hauptſächlich drei Malzſorten für die Würze⸗
gewinnung unterſchieden: bayriſches Malz, Wiener oder nord⸗
deutſches Malz und böhmiſches Malz. Selbſtverſtändlich
werden von dieſen drei Haupttypen auch verſchiedene Unter⸗
arten erzeugt. Die weſentlichen Unterſchiede dieſer drei Malz⸗
ſorten beſtehen in dem ſog. Malzaroma, in der Menge der
Röſtprodukte und in der Verſchiedenheit des Fermentativ⸗
vermögens. Bei bayriſchem Malze verlangt man ein ſehr
ſtark ausgebildetes Aroma, während bei böhmiſchen Malze
das Umgekehrte der Fall iſt; Wiener oder norddeutſches Malz
liegen in der Mitte dieſer. Mit der Erzeugung von Aroma
hängt eine Schwächung des Fermentativvermögens zuſammen,
ſomit wird bayriſches Malz die geringſte diaſtaſiſche Kraft
beſitzen. Es iſt früher ſchon darauf hingewieſen worden,
daß die Art des Weichens und die Behandlung der Gerſte
auf der Tenne ſchon auf den Charakter des zu erzeugenden
Malzes von Einfluß ſind, doch die Hauptrolle ſpielt hierin
der Darrprozeß bzw. die Faktoren, die beim Darren in Be⸗
tracht kommen. Soll das Reſultat des Darrprozeſſes nach
jeder Hinſicht entſprechen, ſo muß ihm die größte Aufmerkſam⸗
keit geſchenkt werden und dies iſt um ſo mehr notwendig, weil
es bis zur Stunde an einem wiſſenſchaftlich begründeten
Maßſtab für die Kontrolle des Darrprozeſſes mangelt, dieſer
mehr noch empiriſch betrieben werden muß. Das beſtaufge⸗
löſte Grünmalz kann auf der Darre ſehr leicht geſchädigt
werden, welche Fehler ſich bei den nachfolgenden Operationen
der Würze⸗ und Biererzeugung empfindlich wahrnehmbar
machen. Schlechte Ausbeute des Malzes, kleiſtertrübe Würze,
anormale Gärung, mangelhafte Klärung, fehlerhafter Ge⸗
ſchmack und geringe Haltbarkeit des Bieres ſind meiſt auf
Fehler im Darrprozeſſe zurückzuführen.
Die Faktoren, die beim Darrprozeß in Betracht kommen,
ſind die Konſtruktion der Darre und die Behandlung des
Malzes auf der Darre. Vielfach iſt man heutzutage davon
abgekommen, für eine beſtimmte Malzſorte eine beſtimmte
Malzbereitung: Darrkonſtruktionen. 157
Darrkonſtruktion zu wählen. Wenn auch nicht in Abrede
geſtellt werden ſoll, daß auf ein und derſelben Darre Malz
von verſchiedenem Charakter erzeugt werden kann, ſo iſt doch
gewiß, daß die Bedienung der Darre je nach der Malzſorte
verſchieden ſein muß und deshalb größere Schwierigkeiten ver⸗
urſacht und ſomit leichter Fehler gemacht werden. Für böh⸗
miſches Malz wird eine ſolche Darre am geeignetſten ſein, die
einen ſtarken Luftwechſel geſtattet, während dies für bayriſche
Malze nicht erwünſcht iſt, andererſeits aber die Möglichkeit
gegeben iſt, hohe Abdarrtemperaturen leicht zu erreichen.
Die verſchiedenen Darrkonſtruktionen, die im Gebrauch
ſind, laſſen ſich einteilen in:
1. Rauchdarren und Koksdarren; 2. Luftdarren.
Bei den Rauchdarren und Koksdarren gehen die
heißen Verbrennungsprodukte direkt durch das Malz und
trocknen es aus. Die eigentlichen Rauchdarren ſind jetzt faſt
gänzlich außer Betrieb, und zwar aus dem Grunde, weil die
mehr oder minder unangenehm riechenden Verbrennungs⸗
produkte des Brennmaterials dem Malze einen fremdaͤrtigen
Geſchmack mitteilen, der auch in das Bier übergeht. Es kann
überhaupt nur gut getrocknetes, hartes Holz verwendet
werden. Günſtiger liegen die Verhältniſſe bei den Koks⸗
darren. Es werden auch heutzutage in Gegenden, wo Koks
leicht und billig zu haben iſt, ſolche Darren gebaut. Koks
liefert beim Verbrennen hauptſächlich indifferente Gaſe nebſt
etwas ſchwefliger Säure; von dieſer hat man die Überzeugung,
daß ſie eher nützlich als ſchädlich iſt. Die Malze zeigen eine
ſehr lichte Farbe und laſſen ſich leichter aufbewahren.
Bei den Luftdarren kommen die heißen Verbrennungs⸗
produkte der Brennſtoffe nicht direkt mit dem Malze in
Berührung, ſondern ſie werden in ein Syſtem von Röhren,
die von Luft umſpielt ſind, geleitet, geben die Wärme an die
Luft ab, und dieſe trocknet und erwärmt das Malz und wird her⸗
nach mit Feuchtigkeit beladen durch den Dunſtkamin abgeführt.
Bei jeder Luftdarre ſind folgende Hauptbeſtandteile zu
unterſcheiden:
158 Malzbereitung: Luftdarren.
1. Der Darrofen, in dem das Brennmaterial verbrannt
wird.
2. Die Heizröhren, die in den Feuerraum der Heizung
münden, die heißen Verbrennungsprodukte aufnehmen und
dieſe, nachdem ſie die Luft erwärmt, dem Schornſtein zuführen.
Die Röhren ſind aus Eiſenblech oder Gußeiſen gefertigt und
ſind entweder in horizontalen Windungen angebracht (Luft⸗
darren mit liegenden Heizröhren, engliſche Darren) oder zu
einem vertikalen Rohrſyſtem angeordnet (Darren mit ſtehenden
Heizröhren, Kaloriferendarre) oder es kommen beide Arten
der Heizröhren zur Anwendung (kombinierte Malzdarre).
3. Die Wärmekammer, auch Saugenannt, die dazu dient,
die erwärmte Luft unter der Darrhorde zu verteilen. In
diefem Raum befinden ſich bei manchen Darren ſämtliche Heiz⸗
röhren. Hier ſammeln ſich auch die Malzkeime, die zumal beim
Wenden des Malzes abgeſtoßen werden und durch die Offnungen
der Darrhorden hindurchfallen, an. Damit dieſe nicht auf den
Heizröhren liegen bleiben und verkohlen oder anbrennen, be⸗
ſitzt der dem Darraum zugekehrte Teil der liegenden Rohre
einen dachförmigen Querſchnitt und die ſtehenden Heizröhren
ſind mit einem Schirm verſehen, an deſſen glatter Oberfläche
die Malzkeime abrutſchen. Die Malzkeime müſſen bequem aus
der Wärmekammer entfernt werden können.
4. Die Darrhorden, auf denen das Malz ausgebreitet
wird. Es gibt Darren mit einer Horde, mit zwei und drei
Horden. Am verbreitetſten und zweckentſprechendſten find
die ſog. Doppeldarren, Darren mit zwei Horden.
Einhordige Darren ſind nicht vorteilhaft, obwohl nicht
in Abrede geſtellt werden kann, daß auch auf ſolchen Darren
ein gutes Malz erzeugt werden kann. Wir ſehen dies in eng⸗
liſchen Brauereien, wo noch vielfach die höchſt primitive, ein⸗
hordige Darre im Gebrauch iſt. Die geringe Leiſtungsfähig⸗
keit und dann der bedeutend größere Aufwand an Brenn⸗
materialien ſprechen gegen dieſe Darren. Es iſt nicht möglich,
die einhordige Darre unmittelbar nach dem Abräumen wieder
zu beſchicken, denn es würde infolge der hohen Temperatur
Malzbereitung: Luftdarren. 159
im Darraum, auf der Horde und den Wandungen das Malz
Schaden leiden, Glasmalz entſtehen. Es tft deshalb notwendig,
daß nach dem Abräumen die kalten Züge geöffnet und die
Heizgaſe größtenteils ausgetrieben werden, wodurch Wärme,
folglich auch Brennmaterial verloren geht und, weil das Aus⸗
und Abkühlen Zeit bedarf, ein Verluſt an Zeit bedingt iſt.
Dreihordige Darren, und zwar mit drei übereinander⸗
ſtehenden Horden ſind auch nicht empfehlenswert. Der ganze
Darrprozeß verlangt in dieſem Falle eine beſondere Umſicht
und Wachſamkeit. Das Malz von der oberſten Horde kommt
auf die mittlere Horde mit einem noch ziemlich hohen Feuchtig⸗
keitsgrad; dieſe Feuchtigkeit ſoll und muß, um das Malz für
den ſpäteren Röſtprozeß vorzubereiten, hier größtenteils ent⸗
fernt werden, die Waſſerdämpfe ſteigen zum Malz auf der
oberſten Horde, wo ſie teilweiſe kondenſiert werden und das
Malz feucht machen. Dieſe Nachteile werden bei der Darre
von Plauer dadurch umgangen, daß die dritte Horde höher
als die zweite und neben dieſer angebracht iſt und dieſer Raum
von der Sau der Darre temperiert wird. Es wird das Grün⸗
malz etwas vorgetrocknet, geſchwellt.
Die verbreitetſten Darren ſind jedoch die Darren mit zwei
Horden (Abb. 34).
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die gewöhnlichen Zwei⸗
hordendarren — eine Heizvorrichtung und die beiden
Horden übereinander — verſchieden e Übelſtände beſitzen, von
denen nur der eine erwähnt ſein ſoll, daß die Temperatur der
oberen Horden von der der unteren Horden ſtets abhängig
iſt, wodurch nur zu leicht eine zu raſche und zu hohe Temperatur⸗
ſteigerung des Grünmalzes auf der oberen Horde eintreten
kann, was Glasmalzbildung zur Folge hat. Dieſen Übelſtand
ſucht man auf verſchiedene Weiſe zu vermeiden. So z. B. ſind
bei der Engel hardtſchen Darre (Abb. 35) die beiden über⸗
einanderliegenden Horden jede für ſich mit einer eigenen
Heizvorrichtung verſehen. In die beiden Wärmekammern kann
man nach Belieben mehr oder weniger kalte Luft einſtrömen
laſſen. Steinecker brachte früher unter der oberen Horde
160 Malzbereitung: Luftdarren.
Abb. 34. Steineckerſche Darre.
1. Staubfilter. 6. Malzrumpf. 13.— 15. Heizapparat.
2. Aufzug. 7. Elevator, eiſerner. 16. Stellvorrichtungfür
3. Entkeimungsmaſchine. 8. u. 9. Weichen. ſämtliche Ventila⸗
4. Automatiſche Wage. 10. u. 11. Beſchickungsapparat. tionen.
5. Lufttransporteur. 12. Abräumapparat. 17. Autom. Feuerung.
Malzbereitung: Luftdarren. 161
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Abb. 35. Engelhardtſche Darre mit doppelter Sau.
eine Luftzuführungsvorrichtung an, wodurch verhindert wurde,
daß die hohe Temperatur während des Abdarrens ſich dem
Grünmalz auf der oberen Horde mitteilen kann.
Bierbrauerei. 11
162 Malzbereitung: Luftdarren.
In den letzten Jahren wurde den Dreihorden⸗Darren
wieder eine größere Aufmerkſamkeit geſchenkt, hauptſächlich um
die Leiſtungsfähigkeit der Darre zu erhöhen und an Brenn⸗
material zu ſparen. Dabei ſoll die Qualität des Malzes in
keiner Weiſe eine Beeinträchtigung erleiden.
Es jet an dieſer Stelle die patentierte Dreihordendarre
der Firma Topf in Erfurt erwähnt (Abb. 36). Bei dieſer
Darre ſind wie bei den urſprünglichen Dreihordendarren die
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Abb. 36. Dreibordendarre der
Firma Topf & Söhne in Erfurt.
drei Horden übereinander ge⸗
lagert, die unterſte iſt aber von den
beiden oberen vollſtändig abge⸗
ſchloſſen durch eine oder zwei
Decken, während die geſamte in der
Sau erhitzte Ventilationsluft um
die untere Horde herumgeführt und
unter die oberen Horden wieder
gleichmäßig verteilt wird. Die
untere Horde wird in der Haupt⸗
ſache nur noch durch Strahlung
erwärmt. Es liegen bereits Reſul⸗
tate vor, die beſtätigen, daß durch
dieſe Dreihordendarre eine größere
Leiſtungsfähigkeit, eine weſentliche
Erſparung an Brennmaterial und
ein Malz von vorzüglicher Quali⸗
tät erzielt werden.
Die Darrhorden werden aus
gelochtem, ſeltener aus geſchlitztem
Eiſenblech oder aus Draht her⸗
geſtellt. Die Wahl der Art der
Horden richtet ſich nach den Eigen⸗
ſchaften des zu erzeugenden Malzes.
Darrhorden mit großen Durch⸗
gangsflächen für die Luft, gewebte und gewalzte Drahthorden
ſind geeigneter zur Erzeugung von Malz für lichte, weinige
Biere, Blechhorden mit runden Offnungen von Malz für voll⸗
Malzbereitung: Luftdarren. 163
mundige Biere. Vielfach findet man, zumal zur Erzeugung
von Malz für dunkle Biere, die obere Horde aus Draht, die
untere aus gelochtem Blech hergeſtellt.
5. Die Züge für Luft, die den Zweck haben, in die
Wärmekammer von außen Luft zuzuführen. Die meiſten
Darren leiden an dem Fehler, daß der Luftzug zu gering
iſt. Mit dem geringeren oder ſtärkeren Luftzug geht aber der
Dunſtabzug durch den Dunſtſchlauch Hand in Hand und bei
entſprechender Temperatur im Darraume wird das Austrocknen
des Grünmalzes langfamer oder ſchneller vor ſich gehen. Dieſe
Züge müſſen jedoch mit einer Reguliervorrichtung verſehen
ſein, ſo daß je nach der Temperatur, die auf der Darre nötig
iſt, mehr oder weniger Luft einſtrömen kann und ſomit eine
Schädigung des Malzes ausgeſchloſſen iſt.
6. Der Dunſtſchlauch, der zur Entfernung der feuchten
Luft dient und vom höchſten Punkt des Gewölbes, mit dem
die obere Darrhorde bedeckt iſt; er führt ins Freie. Zur Er⸗
höhung des Zuges läßt man den Kamin durch den Dunſtſchlauch
gehen, wodurch die Luft im Dunſtſchlauch erwärmt wird.
Der ganze Darrapparat iſt mit ſtarken Mauern umgeben,
die Zugänge zur Wärmekammer und zu den Horden ſind mit
Doppeltüren verſchloſſen, um jedem Wärmeverluſt zu begegnen.
Wie oben ſchon bemerkt, kann man die eine oder andere
Darrkonſtruktion nicht als die allein entſprechende für dieſes
oder jenes Malz anſehen; als allgemein geltend wird man
ſagen, daß die Darren mit liegenden Heizröhren wegen der
ſtrahlenden Wärme, die vorzugsweiſe beim Abdarren zur
Geltung kommt, oder mit liegenden und ſtehenden mehr zur
Erzeugung von Malz für Biere mit bayriſchem Charakter,
Darren mit ſtehenden Heizröhren mehr von ſolchem für Bier
mit böhmiſchem Charakter zu empfehlen ſind.
Es exiſtieren eine Menge von verſchiedenen Darrapparaten,
von denen einige ſehr kompliziert und folglich auch koſtſpielig
ſind, die aber deshalb durchaus nicht für die beſten zu halten
ſind. Wenn die gehörige Aufmerkſamkeit dem Darrprozeſſe
geſchenkt wird, das richtige Verſtändnis für den Zweck des
11°
164 Malzbereitung: Dampfdarren.
Darrens vorhanden iſt, von den, freilich noch geringen, Hilfs⸗
mitteln zur entſprechenden Führung des Trocknungs⸗ und
Röſtprozeſſes der richtige Gebrauch gemacht wird, ſo wird es
gelingen, auf einer höchſt einfachen Darre ein Malz zu machen,
das nichts zu wünſchen übrig läßt. Die Darreinrichtung muß
nur derart konſtruiert ſein, daß ein ſtarker Luftzug möglich
iſt, die Temperatur beliebig langſam und gleichmäßig ſich er⸗
höhen läßt und leicht Anderungen in der Temperatur und der
Lüftung bewerkſtelligt werden können. Von einer weiteren,
eingehenderen Beſprechung der verſchiedenen Darrſyſteme muß
in dieſem Buche abgeſehen werden.
Statt die bei den gewöhnlichen Zweihordendarren zum
Trocknen und Darren des Malzes dienende Luft mit Feuer⸗
gaſen zu erwärmen, kann auch Dampf angewendet werden.
Solche ſog. Dampfdarren ermöglichen eine einfachere und
billigere Einrichtung und eine bequemere und ſichere Regu⸗
lierung der Temperatur. In der Pſchorrbrauerei in München
iſt bereits ſeit 15 Jahren eine Dampfdarre von einfachſter
Form in Verwendung, die vollkommen befriedigt. Statt der
Heizröhren wurden in zwei Darren glatte Dampfröhren in
die Sau eingebaut. Die Temperatur kann ſehr leicht auf die
gewünſchte Höhe auch für die Abdarrung bayriſchen Malzes
geſteigert werden.
Die Darrkonſtruktion iſt, wie wir geſehen haben, der eine
Faktor, der auf den Charakter, auf die Eigenſchaft des Malzes
einen Einfluß ausübt. Es iſt dabei bemerkt worden, daß das
eine oder andere Syſtem nicht gerade ausſchließlich für dieſen
oder jenen Zweck geeignet iſt, doch werden die Darrvorſchriften
anders zu lauten haben, wenn man die betreffende Darre
einmal zur Erzeugung von Malz für vollmundige Biere, ein
andermal von Malz für lichte Biere gebraucht. Dieſe Darr⸗
vorſchriften von Fall zu Fall einzuhalten wird die Haupt⸗
aufgabe eines gewiſſenhaften Mälzers ſein, um ein Malz mit
den gewünſchten Eigenſchaften zu erhalten. Dieſe Darrvor⸗
ſchriften ſind für jede Darre erſt durch Verſuche feſtzuſtellen.
Sind ſie gefunden, ſo daß die Reſultate nach jeder Richtung
Malzbereltung: Behandlung des Grünmalzes auf der Darre. 165
befriedigen, ſo ſollen hieran, wenn nicht an der Darre ſelbſt
etwas geändert wird, keine Abänderungen getroffen werden.
Neben der Darrkonſtruktion iſt weiter auf die Beſchaffenheit des
Malzes von Einfluß die Einhaltung beſtimmter Darrvorſchriften
bzw. die Behandlung des Grünmalzes auf der Darre.
Die weſentlichen Punkte, die dabei in Betracht kommen, ſind:
1. die Höhe der Schicht, in der das Malz auf die Darre
kommt;
2. die Art und Weiſe der Temperaturſteigerung;
3. die Darrdauer;
4. die Höhe der Abdarrtemperatur.
Die Höhe der Grünmalzſchicht auf der oberen Horde
iſt ſehr verſchieden, ſie beträgt 15 bis 20 em und darüber
bis Kniehöhe. Maßgebend hierfür werden in erſter Linie die
Zugverhältniſſe der Darre ſein, weiter wohl auch der Feuchtig⸗
keitsgrad und die Beſchaffenheit des Malzes, ob kurz oder lang
gewachſen, und der Charakter des zu erzeugenden Darrmalzes.
Eine Darre mit ſtarkem Zug wird man ſtärker beladen können,
als eine weniger gut ziehende. Schwelkmalz und Malz mit
kräftig und lang entwickelten Wurzelkeimen kann höher auf⸗
getragen werden als Malz direkt von der Tenne weg und mit
kurzem Wurzelkeime. Will man Malz für Biere von bayriſchem
Charakter herſtellen, Malz mit ſtarkem Aroma, ſo iſt auch,
um das raſche Austrocknen zu verzögern, hoch aufzutragen.
Die Temperaturſteigerung muß langſam erfolgen, das
Grünmalz ſoll den größten Teil des Waſſers ſchon bei einer
Temperatur zwiſchen 40 und 45° C verloren haben. Es iſt
ja bekannt, daß das Malz erſt dann einer höheren Temperatur
ausgeſetzt werden darf, wenn es genügend ausgetrocknet iſt.
Raſche Temperaturſteigerung in noch zu feuchtem Malze hat
zur Folge, daß die Diaſtaſe geſchwächt und zerſtört wird,
Glasmalzbildung eintritt und auch der Mehlkörper mehr oder
weniger deutlich gefärbt wird. Diaſtaſearmes Malz bedingt
einen ungünſtigen Verlauf des Verzuckerungsprozeſſes, kleiſter⸗
trübe Würzen und Biere können reſultieren. Glasmalzbildung
iſt, abgeſehen von Störungen im Maiſch-, Sud- und Gär⸗
166 Malzbereitung: Darrdauer. Abdarrtemperatur.
prozeß, gleichbedeutend mit Verluſt an Extraktausbeute. Fär⸗
bung des Mehlkörpers iſt auch nicht erwünſcht. Wenn nun
die Feuchtigkeit des Grünmalzes, die etwa 40 % beträgt,
ſchon unter 45° C mithin bei einer Doppeldarre auf der
oberen Horde auf 10 bis 5% verringert werden ſoll, ſo iſt
unbedingt notwendig, daß der Luftzug auf der Darre ſehr
kräftig iſt, um den Waſſerdampf auch entſprechend raſch
durch den Dunſtſchlauch abzuführen.
Die Darrdauer. Aus dem voraus Geſagten über Tem⸗
peraturſteigerung ergibt ſich, daß die Darrdauer nicht
zu kurz ſein ſoll und darf. Innerhalb ſechs Stunden, wie
von Fachingenieuren verſprochen wird, aus Grünmalz ein in
jeder Beziehung entſprechendes Darrmalz von gewünſchter
Beſchaffenheit herzuſtellen, iſt nicht möglich. Gerade durch
längere Darrdauer wird das Malz leichter und vollſtändiger
austrocknen, wird man die notwendig chemiſchen Veränderungen
im Malze am ſicherſten erhalten. Eine gut ziehende Darre
vorausgeſetzt, ſoll die Darrdauer zur Erzeugung von Malz für
lichte und mittelfarbige Biere nicht unter 24 Stunden betragen,
zur Herſtellung von Malz für bayriſche Biere wählt man
erfahrungsgemäß am beſten eine Darrdauer von 48 Stunden.
Die Abdarrtemperatur. Die Höhe der Abdarr⸗
temperatur übt neben der Darrdauer einen weſentlichen Ein⸗
fluß auf den Charakter des Malzes aus. Für die Höhe der
Abdarrtemperatur laſſen ſich keine allgemein geltenden An⸗
gaben machen. Man weiß, daß aus einem Grünmalze, deſſen
Waſſergehalt bei niedriger Temperatur (etwa 40° C) auf
5 bis 3% erniedrigt worden iſt, auch durch ſehr hohe Ab⸗
darrtemperatur kein aromatiſch riechendes Darrmalz erzeugt
werden kann, ja brenzlige Stoffe treten auf und Hülſe und
Mehlkörper können dunkel gefärbt werden. Kommt anderer⸗
ſeits Malz mit einem noch etwas höheren Feuchtigkeitsgehalt,
8 bis 10%, mit Temperaturen zwiſchen 60 bis 75° C in
Berührung und wird die Waſſerabgabe auch noch gehemmt,
ſo bräunt ſich der Mehlkörper mehr oder weniger und das
Malz zeigt den charakteriſtiſchen Geruch und Geſchmack wie
Malzbereitung: Abdarrtemperatur. 167
die Malze für bayriſche Biere. Die meiſt eingehaltenen Ab⸗
darrtemperaturen ſind:
in der Luft gemeſſen: im Malze gemeſſen:
für böhmiſches Malz 56— 75°C 66 — 90° C
für Wiener Malz 75— 90°C 90—100° C
für bayriſches Malz 86—100° C 105—130° C.
Es iſt empfehlenswerter, die Temperaturen auf der Darre
im Malze ſtatt in der Luft zu meſſen, und zwar in der Weiſe,
daß man an einigen Stellen der Horde das Thermometer
etwa 1 em über dem Hordenbleche in das Malz ſteckt. Hier⸗
zu eignet ſich ſehr gut das von Gloßner konſtruierte Thermo⸗
metergeſtell mit zylindriſch durchgebrochenen Füßen, in deſſen
Mitte das Thermometer in paſſender Weiſe eingeſteckt wird.
Eckhardt (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen 1908) empfiehlt
zur raſchen Ermittelung der Höchſttemperatur im Malz an ver⸗
ſchiedenen Stellen der Horde eine Vorrichtung, die aus einer
kreisrunden mit langſtieligem Handgriff verſehenen und auf
drei Füßen freizuſtellenden Eiſenplatte beſteht, die beliebig höher
oder tiefer geſtellt werden kann. Die Vorrichtung wird beim
Laufen des Wenders automatiſch herausgehoben und wieder
in das Malz verſenkt.
Erwähnt ſeien ferner das in gleicher Weiſe konſtruierte
Darrkontrollthermometer von Erhard Prell, die elektriſchen
Fernthermometer von Siemens & Halſke, von Hartmann
& Braun in Frankfurt a. M. und Harens in Hanau. Gerade
die letzteren ergaben bei der Prüfung eine außerordentliche
Empfindlichkeit und genaue Regiſtrierung innerhalb der für
die Abdarrung in Betracht kommenden Temperaturen. Vor⸗
züglich bewährt haben ſich in der Praxis zur Kontrolle der
Temperaturen auf der Darre die regiſtrierenden Thermometer
von Sendtner in München, die gegenüber ähnlichen fran⸗
zöſiſchen Apparaten, Richard Freères, den Vorteil beſitzen,
daß die Temperaturen der Darre außerhalb des Darraumes
abgeleſen werden können. Sehr zu empfehlen iſt, unter jeder
Horde ein ſolches Thermometer anzubringen. Die Abdarr⸗
temperatur wird entweder bei gleichmäßiger Steigerung der
168 Malzbereitung: Wendeapparate.
Temperatur erſt am Ende des Darrprozeſſes erreicht, oder,
wie beſonders bei Malz für bayriſche Biere, je nach der Darr⸗
dauer 3 bis 6 Stunden eingehalten.
Das Malz muß während des Darrens öfters gewendet,
umgeſchlagen werden. Für gewöhnlich geſchieht dieſes Wenden
ſowohl auf der oberen als auch auf der unteren Horde jede
Stunde. Es iſt dies auch wieder einigermaßen bedingt durch
die Zugverhältniſſe der Darre und die Beſchaffenheit des zu
erzeugenden Malzes. Das Wenden geſchieht entweder durch
Handarbeit mit der Malzſchaufel oder durch mechaniſche
Wendeapparate. Das Wenden des Malzes auf den Horden
iſt eine ſehr wichtige Operation, um der Wärme und Luft
leichteren Einfluß auf alle Schichten des Malzes zu verſchaffen
und die Malzſchichten möglichſt locker zu halten; es iſt aber
auch die Handarbeit zumal auf der unteren Horde eine läſtige,
der Geſundheit des Mälzers keineswegs zuträgliche Beſchäfti⸗
gung. Aus letzterem Grunde wird vielfach das Wenden des
Malzes durch ſog. Wendeapparate beſorgt. Es find mehrere
Syſteme im Gebrauch, eingerichtet für Hand⸗ oder Maſchinen⸗
betrieb. Soll der Wendeapparat ſeinen Zweck voll erſüllen,
was aber nicht immer der Fall iſt, ſo muß er das Malz vom
Boden der Horde wegnehmen und in Wirklichkeit umwenden
und nicht bloß rühren. Ungleich gedarrtes Malz wäre ja
ſonſt die Folge. Den Wendeapparat ununterbrochen gehen
zu laſſen dürfte nicht zweckmäßig ſein.
Wie bemerkt, wird durch das Darren der Charakter des
Malzes bedingt, ob das Malz geeignet iſt zur Bereitung
dunkler, vollmundiger, mittelfarbiger, oder lichter weiniger
Biere. Bei Malz für bayriſche Biere will man ein ſtarkes
Röſtaroma und einen ausgeſprochenen Röſtgeſchmack. Zur
Erzielung dieſer Eigenſchaften iſt nicht etwa lange Darr⸗
dauer und hohe Abdarrtemperatur allein maßgebend, ſondern
die Einwirkung nicht zu hoher Temperatur bei Vorhandenſein
einer noch etwas größeren Menge von Feuchtigkeit im Malze.
Wenn Grünmalz auf der oberen Horde bei ſtarkem Luft⸗
zug langſam erwärmt wird und höhere Temperaturen von
Malzbereitung: Veränderungen bes Malzes auf der Darre. 169
70 bis 90° C im Malze erſt zu beobachten find, wenn es
nur mehr einen Waſſergehalt von 5 bis 3 bis 2% enthält,
ſo wird man von dem Auftreten des Röſtaromas, von einer
Färbung des Mehlkörpers nichts merken; noch weitere Tem⸗
peraturſteigerung würde eine Bräunung, ſelbſt Schwärzung
der Hülſe und des Mehlkörpers, eine Bildung brenzlig riechen⸗
der Stoffe zur Folge haben, es würde nicht Darrmalz, ſondern
Farbmalz reſultieren.
Kommt hingegen Malz mit einem Feuchtigkeitsgehalt
von 12 bis 10% mit Temperaturen von 75 bis 90° C in
Berührung, ſo wird, ja ſelbſt noch bei niedrigeren Tempera⸗
turen, deutlich Röſtaroma ſich zeigen und unter gewiſſen
Bedingungen der Mehlkörper mehr oder weniger gefärbt
erſcheinen. Ein entſprechender Waſſergehalt im Malze bei
Einwirkung gewiſſer Temperaturen bewirkt jene Verände⸗
rungen im Malze, die ſich durch charakteriſtiſchen, aroma⸗
tiſchen Geruch und Geſchmack zu erkennen geben. Würde
aber die Temperatur bei noch großem Feuchtigkeitsgehalt
des Malzes zu raſch geſteigert, ſo tritt Glasmalzbildung ein,
die Diaſtaſe wirkt umändernd auf Stärke ein, die Stärke
verkleiſtert mehr oder weniger, der Mehlkörper oder Teile
von ihm bekommen eine harte, glaſige Beſchaffenheit.
Für die Richtigkeit des oben Angeſührten ſprechen auch
die Verſuche Delbrücks über die Frage: Welchen Waſſer⸗
gehalt ſoll das Malz beim Abdarren haben?
Durch künſtliches Austrocknen wurden Malze hergeſtellt
von verſchiedenem Waſſergehalt: 9,7; 4,7; 2,7; 1,8; 0,9 %.
Dieſe Malze wurden nun in geſchloſſenen Flaſchen auf der
Darrtemperatur von 98 bis 100° C gehalten. Es ergab ſich
ſodann bei der Farbebeſtimmung des wäſſerigen Malzaus⸗
zuges mit 1/,o Normaljodlöſung, daß mit der größeren
Waſſermenge auch die Intenſität der Farbe ſich ſteigert.
Ferner wurde Malz mit einem Waſſergehalt von 10, 20,
30 % ſechs Stunden lang in geſchloſſenen Gefäßen erwärmt
bei Temperaturen von 45 bis 55 bis 70° C, hierauf das
Malz wieder künſtlich getrocknet und daun abgedarrt. Bei
170 Malzbereitung: Veränderung des Malzes auf der Darre.
darauffolgender Farbebeſtimmung ergab ſich, daß der Waſſer⸗
gehalt von 10% ohne weſentliche Einwirkung darauf tft, ob
das Malz, das bei dieſen Temperaturen gehalten iſt und
dann getrocknet wird, nachher beim Abdarren eine dunklere
oder hellere Farbe gibt. Der Waſſergehalt von 20% er⸗
gibt ein Malz von der faſt dreifach ſtärkeren Farbentiefe
gegenüber dem Waſſergehalt von 10%. In der Praxis
kommt es nun vor, daß Malze mit einem Waſſergehalt von
18 bis 15% Temperaturen zwiſchen 42 bis 55° C 6 bis 8
Stunden hindurch, zumal bei 48 ſtündiger Darrdauer, aus⸗
geſetzt ſind, und deshalb dürfte die ausgeſprochene Anſicht
Delbrücks richtig ſein: Die Farbe und das Aroma des
Malzes wird durch die Abdarrtemperatur und den noch vor⸗
handenen Waſſergehalt entſchieden, aber vorbereitet wird
dieſe Entſcheidung auf der oberen Darre. Was aus einem
Malze wird, das wird auf der oberen Darre entſchieden, das
Abdarren iſt nur die Ergänzung der oberen Darre.
Der Behandlung des Malzes auf der oberen Horde muß
ſchon eine große Aufmerkſamkeit geſchenkt werden, worin es
aber noch vielfach fehlt. Um die Temperatur im Malze auf
der oberen Darre kümmert man ſich in der Regel nicht; und
doch iſt es von großer Wichtigkeit, daß das Austrocknen des
Malzes mit der Temperaturſteigerung in einem beſtimmten
Verhältniſſe ſtattfindet.
Bei bayriſchem Malze muß Röſtaroma vorhanden ſein,
das ja dem daraus erzeugten Biere den beliebten Geſchmack
erteilt. Es iſt bereits geſagt worden, wie ein Malz auf der
Darre zu behandeln iſt, um dieſes Aroma zu erhalten. Es
iſt ſicher, daß nicht der eine oder andere Beſtandteil des
Malzes durch Einwirkung hoher Temperatur das Auftreten
des Malzaromas wenigſtens ausſchließlich bedingt, ſondern
daß beim Darren durch die Gegenwart von Feuchtigkeit
Stoffe gebildet werden, deren Veränderungen bei Einwirkung
höherer Temperatur dieſes Aroma geben.
Abgeſehen von einer entſprechenden Berückſichtigung der
Feuchtigkeits- und Temperaturverhältniſſe beim Darren
Malzbereltung: Veränderung des Malzes auf der Darre. 171
wird mit einem Grünmalze um ſo eher ein aromatiſches Malz
zu erzielen ſein, je mehr Invertzucker bzw. Rohrzucker, tran⸗
ſitoriſche Stärke und Enzyme das Malz enthält. Dieſe Be⸗
dingungen wird ſtets am beſten ein kräftig entwickeltes Grün⸗
malz mit langem Blatt- und Wurzelkeime erfüllen, kurz, ein
Malz, wie es bei der in Bayern üblichen Praxis der Malz⸗
bereitung erzeugt wird.
Bei dem Darrprozeſſe gehen, wie aus deſſen Be⸗
ſprechung zu erſehen iſt, weſentliche Veränderungen im
Malze vor ſich.
Die Extraktausbeute des Malzes nimmt durch das Darren
ab. Grünmalz und Malz von der oberen Horde geben
größere Extraktausbeute als fertiges Darrmalz.
Die diaſtatiſche Kraft wird vermindert. Grünmalz⸗
würzen zeigen eine größere Menge leicht vergärbaren
Zuckers als Darrmalzwürzen. Durch das Darren wächſt
das Verhältnis des Zuckers zu Nichtzucker zugunſten des
Nichtzuckers.
Auch die ſtickſtoffhaltigen Beſtandteile des Malzes er⸗
leiden eine Veränderung. Ein Teil wird durch den Darr⸗
prozeß unlöslich.
Die äußeren Eigenſchaften eines Malzes geben ſchon
Anhaltspunkte zu deſſen Beurteilung und Wertſchätzung.
Gutes Darrmalz zeigt einen angenehmen, aromatiſchen Geruch,
beſonders bei bayriſchem Malze.
Da durch das Mälzen und Darren (abgeſehen von ſehr
hohen Darrtemperaturen) Form und Farbe der Gerſte nicht
weſentlich beeinflußt werden, ſoll die Farbe lichtgelb ſein.
Das Korn ſoll vollbauchig ſein und im Waſſer a
unterſinken.
Der Mehlkörper muß leicht zerreiblich, gleichmäßig mürbe
ſein, niemals darf er gelb oder gar braun gefärbt ſein.
Der Geſchmack des Darrmalzes ſoll ſüß ſein, mehr oder
weniger hervortretend, je nachdem das Malz zur Erzeugung
dieſer oder jener Bierſorte Verwendung findet. Geſchmack,
172 Malzbereitung: Entkeimen und Putzen des Malzes.
ähnlich wie der des Grünmalzes, zeigt ungenügendes Aus⸗
darren des Malzes.
Das Hektolitergewicht eines guten Darrmalzes iſt ge⸗
wöhnlich 52 bis 54 kg, eher unter 52 kg.
Entkeimen und Putzen des Malzes.
Das Malz muß bald nach Beendigung des Darrprozeſſes
entkeimt und geputzt werden. Die Wurzelkeime enthalten
einen Bitterſtoff, der dem Biere einen unangenehmen Ge⸗
ſchmack verleihen würde, außerdem wären ſie auch auf die
Farbe der Würze und des Bieres von Einfluß. Die Wurzel⸗
keime find nun ſehr hykroſkopiſch, d. h. fie nehmen mit großer
Begierde Waſſer aus der Luft auf, ſie verlieren ihre Sprödig⸗
keit und laſſen ſich dann vom Malze nicht mehr ſauber trennen.
Weiter iſt auch noch zu bedenken, daß das Malz ſelbſt, wenn
es mit den Keimen länger liegen bleibt, größere Mengen
Feuchtigkeit aufnimmt. Das Malz kommt von der Darre
mit einem Waſſergehalt von 1,5 bis 3%. Es wird bei guter
Aufbewahrung, bis es zum Verbrauen verwendet wird, einen
Waſſergehalt bis zu 5% zeigen. Wird jedoch das Malz mit
den Keimen aufbewahrt, ſo kann der Waſſergehalt bis auf
10% und darüber ſteigen. Das Verbrauen ſo feuchten
Malzes kann verſchiedene mißliebige Erſcheinungen zur Folge
haben, abgeſehen, daß bei Malzſteuer auch der Geldpunkt in
Frage kommt. Freilich kann das Malz, iſt es zu feucht ge⸗
worden, vor der Verwendung durch das Nachdarren wieder
getrocknet werden; allein geſchieht dieſes Nachdarren nicht
mit der gehörigen Vorſicht, bei niedriger Temperatur, unter
50° C, und ſtarkem Luftzug, fo kann das Malz großen Schaden
leiden. Andererſeits kommt doch auch in Betracht, daß das
Nachdarren Brennſtoffaufwand bedingt, der erſpart bleiben
könnte. Das Malz muß alſo alsbald nach dem Darren ent⸗
keimt werden. Solange das Malz warm iſt und infolgedeſſen
die Wurzelkeime ſpröde find, laſſen ſich dieſe leicht und voll⸗
ſtändig abreiben. Dieſes Entkeimen, womit zugleich ein
Matzbereitung: Entkeimen und Putzen des Malzes. 173
Putzen des Malzes verbunden wird, geſchieht heutzutage
hauptſächlich mit für dieſen Zweck konſtruierten Maſchinen
(Abb. 37). Es gibt verſchiedene Konſtruktionen von Ent⸗
keimungs⸗ und Putzmaſchinen. Es kann gejagt werden,
daß die Entkeimungs⸗ und Putzmaſchinen, wie ſolche von den
.
Abb. 37. Malzentkeimungs⸗ und Reinigungsmaſchine von Steineder.
Die Maſchine beſitzt einen Entkeimer, welcher das Malz gründlich abreibt. In
den unterhalb liegenden Zylinder werden zuerſt die Keime, dann ganz ſchwaches
Malz und hierauf Steine ausgeſchieden. Der Kraftbederf iſt gering, weshalb die
kleineren Nummern dieſer Maſchine auch für Handbetrieb benützt werden.
verſchiedenſten Maſchinenfabriken geliefert werden, im allge⸗
meinen den Anſprüchen vollkommen entſprechen. Soll eine
ſolche Maſchine ihren Zwecke erfüllen, ſo iſt zu verlangen,
daß die Keime vollkommen vom Korne losgetrennt werden,
ohne daß dieſes irgendwie beſchädigt wird, und daß eine
Sonderung der Keime, des Staubes, des Unrates von dem
geputzten Malze möglich iſt.
Von den Vorteilen einer vollſtändigen, gründlichen
Reinigung des Malzes überzeugt, werden ſeit Jahren auch
noch ſog. Poliermaſchinen benützt. Entſprachen auch an⸗
fänglich dieſe Maſchinen nicht alle den Anforderungen, indem
manche die Malzkörner verletzten und Stärkeverluſte ver⸗
urſachten, ſo kann jetzt geſagt werden, daß neue verbeſſerte
Anlagen vollſtändig befriedigende Reſultate liefern.
174 Malzbereitung: Aufbewahren des Malzes.
Hingewieſen ſei auf derartige Anlagen von Steineder,
Freiſing; Sommer, Landshut; Stummbeck, Roſenheim;
Knogler, Geiſenfeld; Alt, Almannſtein.
Die Malzkeime finden als Futtermittel Verwendung.
Dabei iſt darauf Rückſicht zu nehmen, daß durch ſorgloſes
Aufbewahren dieſe nicht feucht geworden find, wodurch ſie
ſchimmelig werden und leicht verderben. Keime von hochab⸗
gedarrtem Malze, die infolgedeſſen mehr oder weniger braun⸗
gefärbt ſind, haben geringeren Fütterungswert. Je nach der
Beſchaffenheit der Gerſte und nach deren Behandlung auf
der Tenne (ſtarkes oder weniger ſtarkes Gewächs) erhält man
3 bis 5%ͤ des Gewichtes der verwendeten Gerſte.
100 Gewichtsteile Malzkeime enthalten im Mittel:
Trockenſubſtan 89,91
Stickſtoffhaltige Subſtanz . . . 24,18
f ͤ ee ne 2,10
Stickſtofffreie Extraktſtoffe. . . . 42,11
Holzfaſe nr 14.33
Achtet 7,19
Aufbewahren des Malzes.
Friſches Malz zu verbrauen iſt nicht vorteilhaft. Schultze
ſagt: Gutes, d. i. im Korne, Mälzung und Darrung fehler⸗
freies, aber junges Malz gibt beim Brauen ſtets eine Würze,
die opaliſierend von den Trebern abläuft und nach dem
Hopfenſud mit mehr oder weniger fuchſigem Anſehen auf der
Kühle liegt. Wird aber dasſelbe Malz nach einem Alter von
mindeſtens ſieben Wochen verbraut, ſo läutert die reſultierende
Würze, vorausgefetzt, daß der Läuterboden keine Träber hin⸗
durchläßt, blank ab und liegt nach dem Hopfenſude mit ſog.
ſchwarzen Spiegel auf der Kühle. Die Eiweißſtoffe nämlich,
die das Opaliſieren der Würze aus jungem Malze veran⸗
laſſen, werden beim Ablagern unlöslich.
Das Malz muß direkt von der Darre weg, wie oben an⸗
geführt, entkeimt werden und ſoll nun zunächſt in dünner
Malzbereitung: Gewichts- und Volumveränderung der Gerſte. 175
Schicht ausgebreitet, in trockenen Räumen offen einen oder
zwei Tage abkühlen. Unter dem Einfluß der Luft gehen
vorteilhafte Veränderungen im Malze vor ſich. Der Waſſer⸗
gehalt, der im friſchen Malze 1,5 bis 3% beträgt, wird
dabei bis zu 4 bis 5% ſteigen. Dieſer Waſſergehalt ſoll nun
auch bei längerem Lagern des Malzes nicht viel mehr zu⸗
nehmen, jedenſalls darf er 6%ñ nicht überſchreiten. Eine
größere Waſſeraufnahme ſchädigt das Malz und durch even⸗
tuelles Nachdarren wird keine weſentliche Verbeſſerung er⸗
zielt. Hat das Malz gut ausgekühlt, ſo bewahrt man es zum
Schutze gegen Feuchtigkeit in gut verſchließbaren Kaſten von
Holz oder Metall auf. Sind ſolche nicht zur Verfügung, ſo
ſetzt man das Malz in hohen Haufen zuſammen, kann es dann
auch mit Wurzelkeimen oder Hopfenfäcken bedecken, um es
dadurch vor Staub und Feuchtigkeit zu ſchützen. Warmes
Malz darf nicht in hohe Haufen oder gar in geſchloſſene
Kaſten gebracht werden, es könnte ſonſt im Malze eine ſo be⸗
deutende Temperaturſteigerung eintreten, daß ein großer Teil
der Diaſtaſe geſchwächt oder zerſtört wird, ja ſogar Verkohlung
und Selbſtentzündung des Malzes herbeigeführt würde.
Gewichts⸗ und Volumveränderung der Gerſte
durch das Mälzen.
Thauſing gibt darüber in ſeinem Werke „Theorie und
Praxis der Malzbereitung und Bierfabrikation“ folgende
Zahlen an:
100 Gewichtsteile lufttrockener Gerſte mit 86% Trocken⸗
ſubſtanz zeigen einen Verluſt
beim Mälzen von 9,3 Gewichtsteilen,
„ Weichen „ 1,3 2
„ Keimen „ 5,0
Keime 3,0 Gewichtsteile.
100 Gewichtsteile Gerſte mit 86 Gewichtsteilen Trocken⸗
ſubſtanz liefern:
176 Malzbereitung: Farbmalz.
141,1 Gewichtsteile quellreife Gerſte,
134.2 " Grünmalz,
79,7 5 Malz⸗ und Malzkeimetrockenfubſtanz,
80,9 „ friſches Malz einſchl. Keimen,
3,0 „ Malzkeime,
76,7 1 Malztrockenſubſtanz,
77,9 5 friſches, entkeimtes Malz mit 1,5%,
Waſſer,
82,9 —85 „ gelagertes Malz mit 5 —8 % Baker.
Dieſe durch Berechnung gefundenen Zahlen ſtimmen
ziemlich mit den Ergebniſſen der Praxis überein, ſo daß
man annehmen kann, daß 100 kg lufttrockene Gerſte im
Mittel geben:
1,2 Schwemmlinge 115 Weichverluſt,
150 quellreife Gerſte,
140 Grünmalz
78 Darrmalz geputzt, friſch
80 Darrmalz geputzt, abgelagert,
3 Malzkeime.
100 hl zum Einweichen kommender Gerſte geben etwa
im Mittel:
140 quellreife Gerſte,
210 Grünmalz,
100 entkeimtes Darrmalz.
Einen verläſſigen Maßſtab über den Mälzungsver⸗
luft uſw. wird man nur dann haben, wenn alle Angaben
auf Trockenſubſtanz lauten, der Waſſergehalt ſomit er⸗
mittelt wird.
Farbmalz.
Die dunkle Farbe der Biere, wie ſolche in manchen bier⸗
produzierenden Ländern, z. B. Bayern, gewünſcht wird.
kann nicht durch das Malz ſelbſt erzielt werden. Man benützt
deshalb eigens zu dieſem Zwecke bereitetes, ſog. Farbmalz
oder Farbebier oder Couleur. Farbmalz (gewöhnliches) iſt
Malzbereltung: Farbmalz. 177
ein Malz mit dunkelbrauner Hülſe und ſchwarzbrauner
Bruchfläche. Es entſteht, wenn unvollſtändig ausgetrocknetes
Malz ziemlich raſch über 60 bis 75 C erhitzt wird. Ein ge⸗
wiſſer Feuchtigkeitsgehalt des Malzes trägt weſentlich zur
Bräunung des Mehlkörpers
bei. Es wird ſich daher emp⸗
fehlen, für die Farbmalzbe⸗
reitung das hierzu in Ver⸗
wendung kommende Malz zu
einer Zeit von der Darre zu
nehmen, wenn ſich die Keime
gerade entfernen laſſen und
das Korn noch nicht ſpröde
iſt, etwa beim Herunterſchaffen
des Malzes von der oberen
auf die untere Horde. Wird
fertiges Darrmalz verwendet,
ſo wird dieſes vor dem Röſten
etwas mit Waſſer angefeuchtet.
Das Röſten geſchieht in eige⸗
nen Röſtmaſchinen, in
Abb. 38.
Farbmalzbrenner von Steinecker.
Farbmalztrommeln. (Ab⸗
bild. 38). Es muß nämlich zur
entſprechenden Veränderung
der Stärke und übrigen Be⸗
ſtandteile des Malzes eine
Temperatur von 150 bis 200
angewendet werden. Eine der⸗
Die Trommel dieſes Apparates iſt aus
einem kurzen Zylinder und zwei Kugel⸗
abſchnitten hergeſtellt und innen befin-
den ſich Miſchſchaufeln, ſo daß das Röſt⸗
gut infolge der energiſchen Miſchung
ſich gleichmäßig färbt. Zum Probe⸗
ziehen während der Benützung iſt in
einem der hohlen Achſenſtummeln ein
Probezieher angebracht.
artige Temperatur iſt aber
bei den gewöhnlichen Darrapparaten ohne Gefahr nicht zu
erreichen. übrigens muß auch bei Anwendung von Röſt⸗
maſchinen mit großer Vorſicht gearbeitet und beſonders
der Umſtand beachtet werden, daß das Röſtmalz im
heißen Zuſtande an der Luft ſtark nachdunkelt. Die Röſtung
iſt daher im richtigen Moment zu unterbrechen. Eine Ver⸗
kohlung des Malzes, wenn auch nur teilweiſe, muß aus⸗
Bierbrauerei. 12
178 Malzbereltung: Farbmalz.
geſchloſſen ſein, denn verkohltes Malz beſitzt kein Färbever⸗
mögen, hingegen treten brenzlig riechende und ſchmeckende
Stoffe auf. Ein Farbmalz wird dann als gut zu bezeichnen
ſein, wenn es ſich leicht zerreiben läßt, hierauf mit Waſſer ge⸗
kocht und filtriert nach dem Verdünnen eine völlig klare
Löſung gibt, die durch Jodlöſung keine charakteriſtiſche Fär⸗
bung zeigt. Das Färbevermögen ſoll möglichſt ſtark ſein,
d. h. man ſoll nur wenig benützen müſſen, um die gewünſchte
Farbe im Biere zu erhalten.
Seit längerem werden auch Farbmalzſorten, Patentfarb⸗
malz, Kriſtallfarbmalz, Karamelmalz, empfohlen,
deren Hülſen nahezu ſtrohgelb bis bernſteingelb erſcheinen,
der Mehlkörper jedoch dunkelbraune, glaſige Beſchaffenheit
zeigt. Die Darſtellung ſolcher Farbmalze beruht darauf, daß
Grünmalz oder ſtark durchfeuchtetes Darrmalz bei einer nied⸗
rigen Temperatur von 60 bis 70°C ein bis zwei Stunden einem
Verzuckerungsprozeß ausgeſetzt wird. Hierauf wird es auf
der Darre vorſichtig getrocknet und bei Temperaturen von
etwa 130 bis 150° C geröftet. Dieſe Farbmalzſorten geben
mit Waſſer gekocht Löſungen, die mit Jodlöſung ſtarke Blau⸗
färbung zeigen; ſie haben nur ein geringes Färbevermögen
und können zur Erzeugung der Farbe für bayriſche Biere
nicht gebraucht werden. Dem Biere erteilen ſie einen an⸗
genehmen, vollmundigen Geſchmack und empfehlen ſich dadurch
bei Herſtellung von mittelfarbigen Bieren. Solches Farbmalz
wird meiſt unter dem Namen Karamelmalz von Schramm,
München, Weyermann, Bamberg u. a. in den Handel gebracht.
Brand (Beitichr. f. d. geſ. Brauweſen 1902) hat in
dieſem Malz einen Beſtandteil aufgefunden, Maltol genannt,
der mit Eiſenchlorid dieſelbe Farbenreaktion gibt wie Salizyl⸗
ſäure. Um nun einen Brauer, der Karamelmalz mit zur
Würzebereitung verwendet, nicht in den Verdacht zu bringen,
als ob er Salizylſäure zur Konſervierung des Bieres benützt
habe, empfiehlt Brand friſch bereitetes Millonſches Reagenz
zu gebrauchen. Dieſes gibt mit Salizylſäure eine intenſive
Rotfärbung, reagiert dagegen nicht mit Maltol.
Malzbereltung: Farbebler. Zuckercouleur. 179
Farbebier.
Es iſt geſagt worden, daß es äußerſt ſchwer, ja geradezu
unmöglich iſt, den Darrprozeß ſo zu leiten, daß immer Malze
reſultieren, die ganz und gar gleichmäßig gefärbte Würzen
geben. Auch das Reſultat der Farbmalzbereitung iſt nicht
immer ein und dasſelbe. Mit Farbebier kann man dem
fertigen Biere jede beliebige, vom Konſumenten gewünſchte
Farbe geben. Die Herſtellung von Farbebier geſchieht in
der ganz gleichen Weiſe wie die Herſtellung von gewöhnlichem
Biere. Selbſtverſtändlich wird Farbmalz nicht für ſich ein⸗
gemaiſcht, ſondern vermiſcht mit Darrmalz etwa in dem Ver⸗
hältnis: auf drei Teile Darrmalz zwei Teile Farbmalz, um
die Umwandlung der Beſtandteile des Farbmalzes in ent⸗
ſprechender Weiſe herbeizuführen. Die Würze wird angeſtellt
und bei der Hauptgärung wie Nachgärung gleich den Darr⸗
malzwürzen behandelt. Iſt das Farbebier reif, ſo ermittelt
man die Menge, die dem zum Ausſtoß kommenden Biere
zuzuſetzen iſt, um dem Biere die gewünſchte Farbe zu ver⸗
ſchaffen. Es iſt nicht ſchwer, das ganze Jahr hindurch ganz
gleichmäßig gefärbtes Bier zu haben. Doch hat dies zu
Mißbräuchen geſührt, indem man aus ein und demſelben Faß
verſchieden gefärbte und verſchieden benannte Biere zum Aus⸗
ſtoße bringt. Es iſt jedoch ein Irrtum zu glauben, durch
Farbebier oder Couleurzuſatz einem Biere, aus einem niedrig
gedarrten Malze erzeugt, die Eigenſchaften eines bayriſchen
Bieres zu geben. Man kann zwar die Farbe dunkel machen,
nicht aber das Bier vollmundig, denn lichtgedarrte Malze
geben weinige Biere.
Zuckercouleur.
Auch Zuckercouleur wird vielfach zum Färben des Bieres
verwendet. In Bayern iſt der Gebrauch verboten, weil in
der Couleur Glyzerin, gärungsfähiger Zucker uſw. nachge⸗
wieſen wurde. Zur Herſtellung wird Stärkezucker oder Stärke⸗
12%
180 Malzbereitung: Zuckercouleur.
zuckerſyrup in eiſernen Keſſeln erhitzt und hierbei Soda oder
Atznatron zugeſetzt. Es tritt Bräunung ein und die Farbe
wird mit der Steigerung der Temperatur immer dunkler, es
bildet ſich Karamel und Aſſamar. Die Temperatur darf über
200° C nicht erhöht werden. Die fertige Couleur, wie fie
in den Handel gebracht wird, muß ins Bier gerührt ſich voll⸗
kommen löſen. Das klare glänzende Bier darf ſeinen Glanz
dadurch nicht verlieren oder blind und trübe werden. Gerade
nach dieſer Richtung und weiter hinſichtlich der Geſchmacks⸗
veränderung des Bieres hat man häufig ſchon ungünſtige
Erfahrungen bei Verwendung von Couleur machen müſſen.
Dritter Abſchnitt.
Der Brauprozeß.
Gewinnung der Würze.
Der Brauprozeß hat den Zweck, aus dem Malze mit
richtig temperiertem Waſſer die Extraktbildner in Löſung zu
bringen. Vor allem muß das Stärkemehl durch die Wirkung
der Diaſtaſe in Zucker und Dextrin abgebaut werden. Dieſer
zuckerige, gummöſe Auszug wird Würze genannt. Die Würze
nimmt beim Kochen mit Hopfen gewiſſe Beſtandteile auf, wo⸗
durch der Charakter des Bieres mit bedingt wird.
Auch der Brauprozeß gehört zu den wichtigſten Faktoren
der Bierfabrikation. Wie es unmöglich iſt, aus ſchlechten
Rohmaterialien, fehlerhaftem Malze uſw. ein tadelloſes Bier
herzuſtellen, ſo iſt dies andererſeits auch nicht möglich, wenn
im Brauprozeß Fehler gemacht werden.
Ein weiterer Punkt, der hier ebenfalls Beachtung finden
muß, iſt der, das Malz möglichſt gut auszubeuten, um billig
zu produzieren.
Bei dem Brauprozeſſe kommen folgende Qperationen in
Wacht Das Brechen, Schroten des Malzes.
Das Maiſchen.
Das Abläutern (Ziehen der Würze).
Das Kochen der Würze mit Hopfen.
Das Kühlen der Würze.
Das Brechen des Malzes.
Sehr empfehlenswert iſt es, das Malz vor dem Schroten
nochmals zu putzen und von dem anhaftenden Staub und
182 Brauprozeß: Das Brechen des Malzes.
fremdartigen Beimengungen zu reinigen. Abgeſehen davon,
daß dadurch Betriebsſtörungen vermieden werden können, iſt
es auch nicht ohne Bedeutung bei Malzſteuer. Man ermittle
einmal, was mit einer guten Putz⸗ oder Poliermaſchine an
wenn auch nicht immer direkt ſchädlichen, aber gewiß wert⸗
loſen Subſtanzen entfernt wird. Für die ganze Sudkampagne
wird dies ein hübſches Quantum ausmachen, wofür bei Malz⸗
ſteuer dieſelbe Summe Geldes ausgegeben wird, als ob es
ſich um Malz handeln würde. Freilich iſt die Menge dieſes
Staubes weſentlich abhängig von der Art der Aufbewahrung
des Malzes.
Das Brechen des Malzes hat den Zweck, beim ſpäteren
Maiſchprozeß die einzelnen Malzbeſtandteile, beſonders das
Malzmehl, in innige Berührung mit dem Waſſer zu bringen,
um eine leichtere und beſſere Extrahierung des Malzes zu
erreichen und die Wirkung der verſchiedenen Maiſchtempera⸗
turen gleichmäßig zu geſtalten. Dies iſt freilich auch davon
noch abhängig, wie das Malz gebrochen, geſchroten iſt, ob
fein oder grob. Es fit daran nicht zu zweifeln, daß bei
feinerem Schroten der voraus angeführte Zweck am beſten
erreicht wird, allein wenn zu weit gegangen wird, ſo kann
man auch ſchlimme Erfahrungen machen. Früher wurde
das Malz von faſt allen Brauereien in den gewöhnlichen
Mahlmühlen gebrochen. Die Beſchaffenheit des Malzſchrotes
war dabei hauptſächlich durch die Beſchaffenheit des Malzes
bedingt. Ein verſchiedenes Stellen der Mühle kam nicht vor.
Das Malz wurde zunächſt mit etwas Waſſer beſprengt, um
eine Erwärmung und ein ſörmliches Mahlen zu vermeiden.
Je nach der Art und Länge der Lagerung des Malzes und
dem dadurch bedingten Waſſergehalte mußte ein feineres oder
gröberes Schrot erhalten werden. Friſch gedarrtes und mithin
ſprödes Malz mußte ein feineres Schrot geben als länger
gelagertes Malz, deſſen Waſſergehalt 6 bis 8 % betrug.
Heutzutage kommt das Brechen des Malzes in Mahlmühlen
wohl nur noch vereinzelt vor. In jeder auch nur mit den
einfachſten maſchinellen Einrichtungen verſehenen Brauerei
Brauprozeß: Sudhaus. 183
iſt jetzt eine Schrotmühle aufgeſtellt. Dadurch hat es der
Brauer in der Hand, ſein Malz grob oder fein zu brechen.
Feines Schroten iſt für die Ausbeute des Malzes immer von
Vorteil, doch kann ein zu feines Schrot, zumal wenn auch die
Hülſen zu ſtark zerkleinert ſind, Schwierigkeiten beim Ziehen
der Würze verurſachen, wodurch der Vorteil hinfällig werden
könnte. Tadelloſes, mürbes Malz wird auch bei weniger
feinem Schrot gut extrahiert.
Von einer guten Malzſchrotmühle muß man verlangen,
daß kein Korn ungebrochen bleibt, ein Verſtauben von Mehl
möglichſt vermieden wird und daß durch vorhandene Stell⸗
ſchrauben ein gewünſchter Feinheitsgrad des Schrotes er⸗
halten werden kann.
Solch günſtig beſchaffenes Schrot erzielt man durch Zer⸗
kleinern des Malzes zwiſchen glatten Walzen. Vorzüglich
geeignete Schrotmühlen werden geliefert von den Maſchinen⸗
fabriken Riedinger in Augsburg, Gebrüder Seck in Dresden,
Germania in Chemnitz.
Mit den Schrotmühlen war früher, zumal in Bayern, ein
Meßapparat in Verbindung, um die Menge des geſchroteten
Malzes für einen Sud in Hektolitern ableſen zu können.
Seit Einſührung der Gewichtsſteuer iſt an deſſen Stelle ein
Wägeapparat getreten.
Sudhaus. Bei der Anlage und Einrichtung eines Sud⸗
hauſes (Abb. 39) iſt darauf zu ſehen, daß dieſes geräumig
iſt, damit die einzelnen Operationen bequem und raſch ge⸗
ſchehen können und damit die größte Reinlichkeit beobachtet
werden kann. Der Fußboden muß aus einem dichten, harten
Pflaſterungsmaterial hergeſtellt ſein, für raſches Ablaufen des
Schmutzwaſſers ſowie auch für Entfernung des Waſſer⸗
dampfes muß geſorgt werden.
Unter Bezugnahme auf das am meiſten zur Anwendung
kommende Maiſchverfahren finden ſich in einem vollkommen
eingerichteten Sudhaus folgende Geräte und Apparate:
1. Der Maiſchbottich mit dem Vormaiſchapparat und der
Maiſchmaſchine.
184 Brauprozeß: Sudhaus.
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Abb. 39. Doppeltes Sudwerk von Steineder.
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Brauprozeß: Maifchhottid. 185
2. Die Maiſchpfanne mit dem Rührwerk.
3. Der Läuterbottich mit Aufhackmaſchine und mit einer
Anſchwänzvorrichtung.
4. Die Würzepfanne.
5. Die Pumpen.
Der Maiſchbottich dient dazu, ein inniges Miſchen vom
Malzſchrot und Waſſer während des ganzen Maiſchprozeſſes
herbeizuführen. Heutzutage werden die Maiſchbottiche, ſowie
alle Geräte und Einrichtungsgegenſtände in Brauereien, wo
immer ſich Holz durch Eiſen erſetzen läßt, am zweckmäßigſten
aus Eiſen hergeſtellt. Damit eine zu ſtarke Abkühlung der
Maiſche möglichſt vermieden wird, umgibt man den Maiſch⸗
bottich mit einer Holzverſchalung. Die runde Form des
Maiſchbottichs iſt die beſte, weil die Wirkung der Maiſch⸗
maſchine in dieſem Falle am vorteilhafteſten zur Geltung
kommt. Die Maiſchmaſchine, die man jetzt faſt überall findet
und die Maiſchſcheite oder Krücken erſetzt, hat den Zweck, die
Maiſche gut durchzuarbeiten, die Temperatur der Maiſche
gleichmäßig zu verteilen. Die verſchiedenſten Maiſchmaſchinen
findet man im Betriebe. Nicht immer ſind die komplizierteſten
und ſchwerfälligſten die geeignetſten. Jene wird ſich am beſten
bewähren, die ohne viel Kraftaufwand in Bewegung geſetzt
werden kann, die Maiſche vom Boden weg gut durcheinander⸗
rührt und dabei dauerhaft iſt. Vielfach wird jetzt, zumal in
größeren Brauereien der ſog. Propeller, beſtehend aus einem
eiſernen Flügelpaar von Schraubenform, benützt, womit eine
lebhafte Bewegung und ein inniges Miſchen der Maiſche er⸗
möglicht wird.
An dem Maiſchbottich iſt ein ſog. Vormaiſchapparat
angebracht. In dieſem geſchieht die Vermiſchung des Malz⸗
ſchrotes mit dem Waſſer und die Maiſche gelangt dann in
den Maiſchbottich. Ein Vormaiſchapparat ſoll in keiner Brauerei
fehlen. Die Vorteile eines ſolchen liegen ja klar vor Augen.
Kleine Mengen von Schrot werden mit Waſſer innig ver⸗
miſcht, es findet keine Klumpenbildung ſtatt, deren Zerteilung
Schwierigkeiten macht. Das Einmaiſchen erfolgt in kürzerer
186 Brauprozeß: Maiſchpfanne.
Zeit und, was hauptſächlich in Betracht kommt, jegliches Ver⸗
ſtauben von Malzmehl wird verhindert. Der Vorwurf, daß
durch Vormaiſchapparate Störungen eintreten können iſt nur
dann berechtigt, wenn es an der gründlichen Reinlichkeit fehlt,
Malzteile im Vormaiſcher bleiben und in Zerſetzung übergehen.
In kleineren Brauereien, ſolchen mit einfachem Sudwerk,
dient der Maiſchbottich zugleich als Läuterbottich. In dieſem
Falle iſt er mit einem Senkboden und einer Vorrichtung zum
Ziehen der Würze, den Läuterhähnen, verſehen. Zweckmäßiger
iſt jedenfalls die Auſſtellung eines eigenen Maiſchbottichs und
Läuterbottichs. Abgeſehen davon, daß mit einem einfachen
Sudwerk nicht ſo häufig gebraut werden kann, liegt die Gefahr
von Betriebsſtörung und ſchlechter Ausbeute, wenn nicht ſehr
vorſichtig gearbeitet wird, viel näher. Beim Maiſchen und
Ziehen der Würze ſoll dies etwas erläutert werden.
Die Maiſchpfanne, der Maiſchkeſſel wird gebraucht,
um das Maiſchwaſſer zu erhitzen und die Maiſchteile beim
Dickmaiſchverfahren zu kochen. Die Maiſchpfanne wird ent⸗
weder aus Eiſen oder Kupfer hergeſtellt. Letzteres iſt ob
ſeiner Dauerhaftigkeit und beſſeren Wärmeleitungsfähigkeit
vorteilhafter, aber es iſt auch viel teurer. Das Eiſen beſitzt
den Nachteil, daß der Pfannboden leicht durchbrennt, zumal
wenn der Keſſel nicht vorſichtig eingemauert iſt. Man ſucht
ſich in der Weiſe zu helfen, daß man ſür den Keſſelboden ſtark
gewölbtes dickes Kupfer⸗ oder Stahlblech wählt. Die Form
des Maiſchkeſſels iſt meiſt rund. Sowohl die Maiſch⸗ wie
die Würzepfanne ſind mit einem Deckel verſehen. Die beim
Maiſche- und Würzekochen ſich bildenden Waſſerdämpfe werden
mittels eines Dunſtkamines abgeführt. An dem Deckel ſind
Zuleitungen für kaltes und warmes Waſſer angebracht, ebenda
befindet ſich auch das Zuleitungsrohr für die Maiſche, wenn
der Maiſchbottich höher als die Pfanne ſteht. Der Ablauf
der Maiſche geſchieht durch ein Rohr, das an der vorderen
Seite des Keſſels ſich befindet und wie das Zuleitungsrohr der
Maiſche am Maiſchbottich durch ein Schieber- oder Schrauben⸗
ventil verſchließbar iſt. Um die Maiſche beobachten und nach
Brauprozeß: Läuterbottich. 187
Beendigung des Maiſchprozeſſes die Pfanne reinigen zu
können, iſt ein Türchen am Deckel vorhanden. Um das
Anbrennen der Maiſche zu vermeiden, iſt im Keſſel ein ein⸗
fach gebautes Rührwerk angebracht. Am unteren Ende einer
vertikalen Welle befinden ſich zwei Arme, an denen Haken
oder Ketten befeſtigt ſind, die auf dem Boden des Keſſels
ſchleifen.
Der Läuterbottich, in dem nach Beendigung des
Maiſchprozeſſes die Maiſche auf Ruhe kommt und hernach
die Würze von den Trebern getrennt wird, iſt ebenſalls am
zweckmäßigſten aus Eiſen hergeſtellt und beſitzt, wie der
Maiſchbotlich, eine runde Form. Er hat größeren Durch⸗
meſſer als der Maiſchbottich. Begründet iſt dies damit, weil
die Treberſchichte eine gewiſſe Höhe nicht überſteigen, aber
unter 32 em auch nicht fallen ſoll, wodurch das Abläutern
der Würze erſchwert wird. Im Läuterbottich liegt auch
der Senkboden, mit dem die Würze von den Trebern ge⸗
trennt wird. Er beſteht aus einer größeren Anzahl kupferner
oder eiſerner Platten, in neuerer Zeit auch aus bronzenen, die
kleine Löcher oder Schlitze beſitzen. Dieſe Platten müſſen ſo
eingelegt werden, daß keine Fugen entſtehen, ſie dürfen aber
auch nicht dicht auf dem Boden des Läuterbottichs aufliegen.
Aus dieſem Grunde ſind an den Platten kleine Füßchen an⸗
gebracht, auf denen ſie ruhen und wodurch zwiſchen den
Platten und dem Bottichboden ein kleiner Zwiſchenraum ent⸗
ſteht, aus dem die Würze beim Abläutern durch mehrere am
Bottichboden angebrachte Röhren abläuft. Dieſer Zwiſchen⸗
raum darf nicht zu bedeutend fein (1,5 bis 2 em), weil ſich
ſonſt zu viel ſog. Unterteig hier anſammeln würde, was
Schwierigkeiten beim Ziehen der Würze, Trüblaufen, even⸗
tuell Verringerung der Ausbeute, Kleiſtertrübung zur Folge
hätte. Wie bemerkt, wird der Seihboden in den letzten
Jahren aus Bronze hergeſtellt. Bronze hat große Härte und
Zähigkeit und geſtattet, daß mehr Offnungen angebracht und
näher aneinander gerückt werden können, ſomit die Durch-
gangsfläche für die Würze größer wird. Ein raſches Ab-
188 Brauprozeß: Treberaufhackmaſchine.
laufen wird auch dadurch erzielt, daß der Raum zwiſchen
dem Rande des Bottichs und dem Senkboden, der ſog. tote
Raum, nicht zu groß iſt. Die Offnungen des Senkbodens
dürfen nicht weit ſein, damit nicht gröbere Beſtandteile der
Maiſche mitgeriſſen werden; doch auch zu feine bieten dadurch
Schwierigkeiten, daß ſie ſich leicht verſtopfen. Runde Offnungen
mit einem Durchmeſſer von 1 mm, nach unten ſich erweiternd
oder geſchlitzt, haben ſich ſehr gut bewährt.
Die Treberaufhackmaſchine, die man jetzt faſt durch⸗
gehends findet, hat den Zweck, die Treber vor dem Zulaſſen
des Anſchwänzwaſſers aufzulockern und gut zu miſchen. Sie
muß, ſoll ſie gut ſein, dieſen Zweck voll und ganz erfüllen,
ohne Aufwand von viel Kraft. Manchmal kann man finden,
daß ſolche Apparate die Treber nur oberflächlich rühren, die
Treber nicht vom Boden wegnehmen, im Gegenteil deren
unterſte Partie mehr feſtdrücken. Solche Aufhackmaſchinen
taugen nichts und man tut in ſolchem Falle beſſer, das Um⸗
ſtechen der Treber mit der Schaufel vorzunehmen.
In den letzten Jahren findet die Treberlockerungsmaſchine,
Syſtem Hellwig, ſehr viel Verbreitung. Dieſes Läuterver⸗
fahren beſteht darin, daß die ſonſt gebräuchlichen Aufhack⸗
maſchinen durch einen ſenkbaren, ſich langſam und fortwährend
bewegenden, mit pflugſcharähnlichen Meſſern verſehenen
Apparat erſetzt ſind. Es wird dadurch die Treberſchicht im weſent⸗
lichen nur in horizontaler Richtung in ihrer Lage verändert,
die vertikalen Schichten dagegen wenig miteinander vermiſcht.
Sobald die Vorderwürze faſt abgelaufen, die Trebern
eben ſichtbar werden, wird der Apparat vor dem Anſchwänzen
in die Treber eingeſenkt, und zwar in eine Tiefe von 8 bis 10 cm
über dem Läuterbottichboden. Während des Abläuterns läßt
man den Apparat alle 10 bis 15 Minuten zwei bis dreimal
herumgehen. Eine Anderung in der Stellung des Apparates
findet nicht mehr ſtatt. Solange der Apparat in Gang iſt,
wird meiſt ununterbrochen auf den Würzeſpiegel angeſchwänzt.
Die Erfahrungen, die darüber gewonnen worden ſind,
lauten im allgemeinen ſehr günftig, was Verkürzung der
Brauprozeß: Anſchwänzvorrichtung. Abläuterbatterle. 189
Abläuterungszeit und vollſtändigere Extraktgewinnung an⸗
betrifft. Doch ſind auch Stimmen über Anſtände laut
geworden.
Außer dem Syſtem Hellwig findet die Auflockerungs⸗
maſchine von Ed. Mayer in Ulm vielfach Anwendung und
Anerkennung. Dieſe beſteht aus einer um ihre Achſe dreh⸗
baren horizontalen Rundeiſenſtange von der Länge der inneren
Weite des Läuterbottichs. An der einen Hälfte dieſer Rund⸗
eiſenſtange ſind in nicht großen Abſtänden pflugſcharartig
beſchaffene Meſſer mit ſeitlichen Haſpeln angebracht, an der
anderen knieförmig geſtaltete Meſſer. Durch dieſe Vorrichtung
werden die Treber aufgelockert und durchſchnitten, ſowohl in
vertikaler wie horizontaler Richtung.
Die Anſchwänzvorrichtung. In kleineren Braue⸗
reien wird das Waſſer zum Auslaugen der Treber, das
Anſchwänzwaſſer, mit einer Gießkanne oder mit Schaffen
aufgegoſſen. Doch das Anbringen von einer Anſchwänzvor⸗
richtung iſt höchſt einfach und ihr Koſtenpunkt nicht nennens⸗
wert, daher werden ſolche vielfach angetroffen. Meiſt beſteht
ſie aus einem horizontalen, um eine vertikale Achſe drehbaren
Rohre, das nach dem Prinzip des Segnerſchen Waſſerrades
durch das an beiden Seiten des Rohres in entgegengeſetzter
Richtung aus feinen Löchern ausfließende Waſſer in rotierende
Bewegung geſetzt wird.
Die Abläuterbatterie. Am Läuterbottich ſind unten
am Boden, je nach der Größe des Bottichs, eine Anzahl von
Rohren angebracht, durch welche die Würze beim Abläutern
entweder in einen Grand oder in eine Sammelrinne oder
in ein Sammelrohr und aus dieſen in die Würzepfanne
läuft oder gepumpt wird. Die Rohre ſind mit Wechſeln,
Läuterhähnen verſehen, um den Ablauf der Würze regulieren
zu können. Meiſt findet man eine Sammelrinne im Gebrauche.
An dieſer wird ein Rohr angeſchraubt, durch das die Würze
in die Pfanne fließt. Beim Beginn des Abläuterns läuft
die Würze trüb und dieſer Anteil muß wieder in den Läuter⸗
bottich zurückgebracht werden. Das geſchieht nun in der
190 Brauprozeß: Würzepfanne.
Weiſe, daß an der Offnung der Sammelrinne ein vertikal
ſtehendes Rohr angeſchraubt wird, durch das die anfänglich
trübe Würze in eine Rinne oder einen Grand fließt, aus denen
ſie mittels einer kleinen Pumpe in den Bottich gepumpt wird.
Dieſes Rohr dient nach dem Abläutern auch dazu, um das
Glattwaſſer und das Schmutzwaſſer beim Reinigen des Läuter⸗
bottichs in den Kanal abzuleiten.
Die Würzepfanne. In dieſer wird die Würze mit
Hopfen gekocht. Von der Würzepfanne gilt das über den
Maiſchkeſſel Geſagte. Wenn auch Kupfer das beſte Her⸗
ſtellungsmaterial tft, jo findet mau es des Koſtenpunktes
wegen doch nicht ſehr häufig verwendet. Man hat mit eiſernen
Pfannen keine beſonders ſchlimmen Erfahrungen gemacht.
Den Boden der Pfanne aus Stahl oder Kupfer etwas gewölbt
zu machen, iſt ſehr empfehlenswert. Die Form der Würze⸗
pfanne iſt meiſt viereckig. Im Gegenſatze zu dem Maiſch⸗
keſſel iſt ſie niedriger und flach. Bei einfachem Sudwerk
dient ſie auch als Maiſchkeſſel. Die Würzepfanne iſt eben⸗
falls zweckmäßig, wie bereits erwähnt, mit einem Deckel und
Dunſtſchlauch zu verſehen. Für Zuleitung von kaltem und
heißem Waſſer muß geſorgt ſein.
Die Einrichtungsgegenſtände eines Sudhauſes, wie ſie
eben beſprochen worden ſind, werden am zweckmäßigſten in
folgender Weiſe aufgeſtellt: Maiſchbottich und Läuterbottich
kommen in gleicher Höhe zu ſtehen; dem Maiſchbottich
gegenüber finde der Maiſchkeſſel ſeinen Platz, dem Läuter⸗
bottich gegenüber die Würzepfanne. Maiſch⸗ und Würze⸗
pfanne liegen tiefer als die beiden Bottiche, wodurch der
Ablauf der Maiſche und Würze ſich ſehr einfach geſtaltet.
Dieſe Geräte werden mit eiſernen Galerien umgeben und
die Treppen, ebenfalls aus Eiſen, in der Weiſe angebracht,
daß man bequem zu den einzelnen Teilen gelangen kann.
Was die Dimenſion der einzelnen Gefäße anlangt, ſo iſt
dieſe wohl bedingt von der Art der Gußführung und von
der Stärke der Ausſchlagwürze. Thauſing führt als
erforderlich für 1 hl Würze eines Sudes an:
Brauprozeß: Hopfenſether. 191
1,44 hl Maiſchbottichraum,
0,66 „ Maiſchkeſſelraum,
1,68 „ Läuterbottichraum,
1.30 „ Würzepfannenraum.
Die Pumpen. In einem Sudhauſe mit doppeltem Sud⸗
werk findet man gewöhnlich zwei Pumpen, die Maiſchepumpe,
welche die Maiſche aus dem Maiſchkeſſel in den Maiſchbottich
und nach dem Abmaiſchen in den Läuterbottich befördert,
und die Würzepumpe, die meiſt nur den Zweck hat, die
Würze beim Ausſchlagen aus der Würzepſanne auf die Kühle
zu befördern. Es iſt dies dann der Fall, wenn die Würze⸗
pfanne tiefer ſteht als der Läuterbottich, bei entgegengefetzter
Anordnung wird mit der Würzepumpe die abläuternde
Würze aus dem Würzegrand in die Würzepfanne gepumpt.
Auch kann ſie dazu benutzt werden, die anfänglich trübe ab⸗
laufende Würze in den Läuterbottich wieder zurückzubringen,
was zwar eine eigene, kleine Pumpe meiſt beſorgt.
Der Konſtruktion nach unterſcheidet man Wergel⸗, Kolben⸗
und Zentrifugalpumpen, jene beide hauptſächlich für Hand⸗
betrieb und deshalb meiſt in kleineren Brauereien in Ver⸗
wendung, dieſe für Dampfkraſt. Die Zentrifugalpumpen
finden immer mehr Eingang, und zwar der Billigkeit und
Leiſtungsfähigkeit wegen.
Der Hopfenſeiher. Dieſer kann ebenfalls als Sud⸗
hausbeſtandteil angeführt werden, obwohl er nicht immer
im Sudhaus, ſondern auch im Kühlhaus aufgeſtellt iſt. Er
dient dazu, die Würze beim Kühlſchöpfen von dem Hopfen
zu trennen. Der Hopfenſeiher iſt ein aus Eiſen gefertigter,
viereckiger Kaſten, in dem durchlochte Eiſenplatten oder Draht⸗
geflechte aus Eiſen oder Meſſing eingeſetzt ſind, und zwar in
der Weiſe, daß zwiſchen dieſen und den Wänden und dem
Boden des Kaſtens ein Raum frei bleibt. Die Größe des
Hopfenſeihers überhaupt, ſowie die Zahl der Seihplatten richtet
ſich nach der Menge der zu erzeugenden Würze. Mindeſtens
fünf Seihplatten ſind vorhanden, vier für die vier Wände,
eine für den Boden. Sie müfjen leicht herauszuheben und
192. Brauprozeß: Malſchen.
ſeicht zu reinigen ſein. Am praktiſchſten wird der Hopfen⸗
leiher unter dem Ablaufrohr der Würzepfanne angebracht.
Die Würze fließt in ihn und gelangt durch eine an der tief⸗
ſten Stelle des Hopfenſeihers befindliche Offnung in die Würze⸗
pumpe und wird mittels dieſer auf das Kühlſchiff gebracht.
Das Maiſchen.
Dieſe Operation hat den Zweck, aus einer beſtimmten
Malzmenge mit entſprechender Menge Waſſer, das allmählich
bis auf eine gewiſſe Temperatur erwärmt wird, eine beſtimmte
Menge Würze zu erzeugen.
Die für einen Sud, für ein Gebräu in Verwendung
kommende Malzmenge wird Schüttung genannt.
Die Waſſermenge für einen Sud heißt Guß. Dabei iſt
zu unterſcheiden jene Waſſermenge, die benutzt wird zum Ver⸗
miſchen des Malzſchrotes (Hauptguß), und jene, die zum
Auslaugen der Treber, zum Anſchwänzen gebraucht wird
(Nachguß).
Der Maiſchprozeß iſt kein einfacher Extraktionsprozeß
des Malzes, ſondern es haben ſich einzelne Beſtandteile des
Malzes in chemiſchem Sinne umzuändern. Dieſe Umände⸗
rungen, ſollen ſie in zweckentſprechender Weiſe vor ſich gehen,
ſind abhängig von gewiſſen Bedingungen. Als eine dieſer
Bedingungen hat auch die Art des Maiſchens, das Maiſch⸗
verfahren, zu gelten.
Zwei Hauptverfahren werden in der Praxis unterſchieden,
das Dekoktions- oder Dickmaiſch-Kochverfahren und
das Infuſionsverfahren.
Der Unterſchied zwiſchen dieſen beiden Verfahren beſteht
darin, daß beim Dickmaiſchverfahren die notwendige Tempe⸗
raturſteigerung der Geſamtmaiſche dadurch erzielt wird, daß
Maiſchteile langſam zum Kochen erhitzt und dieſe gekochten
Maiſchteile dem zurückbleibenden Reſte der Maiſche im Maiſch⸗
bottich zugeführt werden und ſo die Abmaiſchtemperatur erreicht
wird. Beim Infuſionsverfahren findet kein Kochen von Maiſche
Brauprozeß: Dekoktionsverfahren. 193
oder Maiſchteilen ſtatt. Die Abmaiſchtemperatur wird auf ver⸗
ſchiedene Weiſe erreicht, wodurch ſich hauptſächlich zwei verſchie⸗
dene Methoden herausgebildet haben, die abwärtsmai⸗
ſchende und die aufwärtsmaiſchende Infuſion.
Bei der abwärtsmaiſchenden Infuſion wird das Malz⸗
ſchrot in heißes Waſſer (75 bis 80° O) eingetragen, jo daß
nach dem Einmaiſchen und guten Verteilen der Maiſche die
Abmaiſchtemperatur (70 bis 75° C) vorhanden iſt.
Bei der aufwärtsmaiſchenden Infuſion wird entweder kalt
oder warm eingemaiſcht und die Abmaiſchtemperatur allmählich
dadurch erreicht, daß entweder direktes Feuer oder heißes
Waſſer oder Dampf benutzt wird.
Das Dekoktions verfahren. Die für einen Sud be⸗
ſtimmte Malzmenge, Schüttung, wird mit Waſſer von ge⸗
wöhnlicher Temperatur am beſten mit Benutzung eines Vor⸗
maiſchapparates, wie oben ſchon erwähnt, vermiſcht, einge⸗
maiſcht. Die Menge des Waſſers beträgt auf das Hektoliter
Malz etwa 1,20 bis 1,50 hl. Während des Einmaiſchens,
wobei die Maiſchmaſchine beſtändig in Tätigkeit iſt, um ein gutes
Verteilen der Maiſche zu bezwecken, wird in dem Maiſchkeſſel
Waſſer zum Kochen erhitzt, und zwar für 1 hl Malz 1 hl heißes
Waſſer gerechnet, jo daß der Hauptguß 2,20 bis 2,50 hl auf
das Hektoliter Malz ausmacht. Das kochend heiße Waſſer wird
zum Aufbrühen verwendet, indem es der kalten Maiſche zugeſührt
wird, um die Temperatur der Maiſche auf 35° C zu erhöhen.
Das Aufbrühen muß langſam geſchehen, d. h. das heiße Waſſer
darf nur, unter beſtändigem Gange der Maiſchmaſchine, in
dünnem Strahle zur Maiſche zugelaſſen werden, um ein Ver⸗
brühen von Maiſchteilen zu vermeiden, was ſchlechte Ausbeute
und kleiſtertrübe Würzen zur Folge hätte. Lintner empfiehlt,
was früher in Bayern faſt allgemein üblich war, die kalte
Maiſche einige Stunden ruhig ſtehen zu laſſen. Dadurch wird
die Diaſtaſe in Löſung gebracht und der Verzuckerungsprozeß
verläuſt auch bei weniger gutem Malze in günſtiger Weiſe.
Das ſeit einigen Jahren empfohlene Digeſtions ver-
fahren (kalte Digeſtion) beruht darauf. Emslander (Zeitſchr.
Bierbrauerei. 18
194 Brauprozeß: Digeftionsverfahren.
f. d. geſ. Brauweſen, Jahrg. 1909) bemerkt, daß er ſeit
Jahren durch etwa 12 ſtündiges Stehenlaſſen der Kalt⸗
waſſermaiſche bei niedriger Temperatur, etwa 10° C, eine
Erhöhung der Extraktausbeute und eine Steigerung des
Vergärungsgrades während der Hauptgärung konſtatieren
konnte.
Meiſt werden drei Maiſchteile gekocht, um damit die Tem⸗
peratur der Geſamtmaiſche auf 70 bis 75° C zu erhöhen,
zwei Dickmaiſchen und eine Lautermaiſche.
Durch die erſte Dickmaiſche ſoll die Temperatur der Ge⸗
ſamtmaiſche von 35° C, dieſe Temperatur hat man nach dem
Aufbrühen, auf 52° C erhöht werden. Zu dieſem Zwecke
wird ungefähr / der ganzen Maiſche, und zwar, wie der
Name Dickmaiſche ſchon angibt, möglichſt viel feſte Beſtand⸗
teile in den Maiſchkeſſel gebracht, dort langſam zum Kochen
erhitzt und ½ bis / Stunde gekocht. Damit die Maiſche
im Keſſel nicht anbrennen kann, muß das Rührwerk, bis die
Maiſche zum Kochen kommt, immer in Bewegung ſein.
Die Dickmaiſche ſoll möglichſt viel feſte Beſtandteile ent⸗
halten, weil dadurch der vollmundige Geſchmack des fertigen
Bieres mit bedingt wird. Man findet deshalb in manchen
Brauereien in dem Maiſchbottich einen ſog. Dickmaiſchzuſchieber
angebracht.
Die Temperatur der Maiſche ſoll langſam geſteigert
werden; es hängt damit eine beſſere Extraktion des Malzes
und eine kräftigere Wirkung der Diaſtaſe und Peptaſe zu⸗
ſammen. Bei weniger gut gelöſtem, hochabgedarrtem Malze
empfiehlt es ſich, die Maiſche in der Pfanne 20 bis 30 Minu⸗
ten bei einer Temperatur von 50° C zu halten, wobei die
Eiweißkörper durch Peptaſe in günſtiger Weiſe umgewandelt
werden (Eiweißraſt), bzw. zwiſchen 60 bis 65° C, wobei
der Verzuckerungsprozeß durch Diaſtaſe gefördert wird.
Nach dem Kochen wird die Maiſche zu dem Reſte in den
Maiſchbottich gebracht und dadurch die Temperatur der Ge⸗
Bra auf 52° Cerhöht.
Brauprozeß: Infuſionsverfahren. 195
Nun wird die zweite Dickmaiſche in den Maiſchkeſſel ge⸗
laſſen, wieder in derſelben Menge und guter Rückſichtnahme
auf die gleichen Punkte. Durch die zweite Dickmaiſche wird
die Geſamtmaiſche eine Temperatur von 65° C erreichen.
Hierauf wird nun Lautermaiſche in den Maiſchkeſſel ge⸗
laſſen. Die Lautermaiſche ſoll wenig feſte Beſtandteile, wie
auch ſchon durch die Bezeichnung ausgedrückt iſt, enthalten.
Um dies zu erreichen, läßt man nach dem Aufpumpen der
zweiten Dickmaiſche die Maiſche im Bottich ruhig ſtehen, ſo
daß ſich der größte Teil der feſten Beſtandteile abſetzt, und
öffnet erſt dann die Abflußöffnung. Vor der Ausflußöffnung
findet man häufig eine Vorrichtung zum Zurückhalten gröberer
Maiſcheteile. Was die Menge der zu kochenden Lautermaiſche
anlangt, ſo beträgt dieſe mehr als die der Dickmaiſche. Es
iſt darauf Rückſicht zu nehmen, daß die Abmaiſchtemperatur
der Geſamtmaiſche von 70 bis 75° C erreicht wird, die
Temperatur ja nicht über 78° geht. Die Lautermaiſche
wird in der Regel etwas kürzer gekocht als die beiden Dick⸗
maiſchen. Nach dem Kochen wird fie in den Maiſchbottich
zurückgepumpt und von da aus die Geſamtmaiſche ſofort in
den Läuterbottich befördert, in dem fie ½ bis 1 Stunde auf
Ruhe bleibt, um den Trebern Zeit zu laſſen, ſich abzuſcheiden,
ſich zu Boden zu ſetzen, wohl auch, um der noch vorhandenen
Diaſtaſe eine weitere Wirkung zu ermöglichen, eine günſtige
Verzuckerung zu erzielen.
Es iſt bereits bemerkt worden, daß bei Herſtellung von
dunklen vollmundigen Bieren die Dickmaiſchen möglichſt viel
feſte Beſtandteile enthalten ſollen; bei Erzeugung von Wiener
oder Pilſener Bier ſollen die Maiſchen nicht dick ſein; man läßt
deshalb zweckmäßig die Maiſchmaſchine während des Ablaſſens
der Dickmaiſchen im Gange. Auch die Kochdauer der Maiſchen
muß wegen des Zufärbens Berückſichtigung finden. Bei bay⸗
riſchen Bieren beträgt ſie 30 bis 45 Minuten, bei Wiener
Bier 15 bis 20, bei Pilſener Bier 10 bis 15 Minuten.
Das Infuſions verfahren. Es iſt zwiſchen der ab⸗
wärts⸗ und aufwärtsmaiſchenden Infuſion zu unterſcheiden.
13 *
196 Brauprozeß: Vor⸗ und Nachteile des Dekoktionsverfahrens.
Bei dem erſtgenannten Verfahren wird das Malzſchrot mit
Waſſer von 75 bis 80 C vermiſcht, jo daß nach dem Ein⸗
maiſchen die Temperatur 68 bis 70° beträgt. Bei dieſer
Temperatur erhält man die Maiſche 1½ bis 2 Stunden und
auch darüber zum Zwecke der Verzuckerung.
Bei dem aufwärtsmaiſchenden Verfahren wird das Malz⸗
ſchrot entweder mit einem Teil des kalten oder lauwarmen
Maiſchwaſſers vermiſcht, eingemaiſcht und die Temperatur
allmählich auf 70 bis 75 ° C erhöht, indem in zwei oder drei
Zwiſchenräumen aus dem Maiſchkeſſel kochend heißes Waſſer
zugelaſſen wird; oder es wird das Malzſchrot in die Geſamt⸗
menge des Maiſchwaſſers (Guß) kalt oder lauwarm einge⸗
maiſcht und die Temperaturſteigerung durch direkten oder in⸗
direkten Dampf, oder auch durch direktes Feuer erzielt. Die
letztere Art iſt das ſog. Keſſelmaiſchverfahren, bei dem
in dem Maiſchkeſſel in kaltem Waſſer eingemaiſcht und die
Maiſche langſam auf 75° C erwärmt wird. Zwiſchen 65 bis
68 wird die Maiſche jo lange gehalten, bis vollſtändige
Verzuckerung eingetreten iſt.
Vor- und Nachteile des Dekoktionsverfahrens.
Bei dem Dekoktionsverfahren hat man den Verlauf des Ver⸗
zuckerungsprozeſſes beſſer in der Hand. Wenn ſchon durch
das Darrverfahren hauptſächlich das Verhältnis von Zucker
zu Nichtzucker bedingt iſt, ſo kann doch durch die Art des
Erwärmens der Dickmaiſchen eine weſentliche Modifikation
in dieſem Verhältniſſe eintreten. Bei raſchem Erhitzen der
Maiſchen bis zum Kochen wird eine zuckerärmere, dextrin⸗
reichere Würze erzeugt werden. Wird hingegen die Tempe⸗
ratur der Dickmaiſchen langſam geſteigert, hält man das
Temperaturoptimum für die Zuckerbildung, 60 bis 65° C,
kürzere oder längere Zeit ein, ſo wird das Verhältnis von.
Zucker zu Nichtzucker mehr zugunſten des Zuckers ausfallen.
Die Stärke wird beim Kochen der Maiſchen für den diaſta⸗
tiſchen Prozeß in günſtiger Weiſe vorbereitet. Sie wird ver⸗
kleiſtert. Verkleiſterte und lösliche Stärke wird aber von
Diaſtaſe viel raſcher angegriffen und verzuckert bei der für
Brauprozeß: Vor: und Nachtelle des Infuſionsverfahren. 197
die Zuckerbildung günſtigen Temperatur als gewöhnliche
Stärke. Die Eiweißkörper werden beſſer aufgeſchloſſen und
in vorteilhafter Weiſe umgeändert. Die Dickmaiſchwürzen
ſind, wenn auch ein Teil der leicht gerinnbaren Eiweißkörper
beim Kochen ausgeſchieden wird, doch eiweißreicher und
auch phosphorſäurereicher als die Infuſionswürzen, wo⸗
durch die größere Haltbarkeit, die beſſere Schaumhaltig⸗
keit dieſer Biere, das weniger raſche Degenerieren der Hefe
mit veranlaßt iſt.
Das Dekoktionsverfahren hat aber auch ſeine Nachteile,
wovon die raſche Schwächung und vollſtändige Zerſtörung
jenes Diaſtaſeanteils zunächſt Beachtung verdient, der mit
den Maiſchen in den Maiſchkeſſel gebracht, mehr oder weniger
raſch erhitzt und gekocht wird. Die Zuckerbildung kann in⸗
folgedeſſen zu gering ſein, ja es können in der Würze ſich
noch Dextrine vorfinden, die zu ſpäteren Trübungen der
Biere im Lagerfaß Veranlaſſung geben.
Es iſt gewiß, daß im Malze eine viel größere Menge von
Diaſtaſe vorhanden iſt, als notwendig iſt, um die Malzſtärke
in Zucker und Dextrin abzubauen; bei Verwendung von Malz⸗
ſurrogaten kommt dies ja zur Geltung, und trotzdem kann der
Fall vorkommen, daß die Verzuckerung nicht in entſprechender
Weiſe ſich abgewickelt hat, kleiſtertrübe Würzen oder ſpäter
ſich trübende Biere, wie vorher bemerkt, reſultierten. Bei
Verarbeitung von diaſtaſearmem Malze — die Gründe hier⸗
für ſind beim Keim⸗ und Darrprozeß angeführt — infolge
raſcher Temperaturſteigerung und allzuraſchen Kochens der
Dickmaiſchen, Kochens von zu viel Lautermaiſche, kann ſich ein
fühlbarer Mangel an Diaſtaſe zeigen, ſo daß namentlich jene
Stärketeile, die erſt bei höherer Temperatur aufgeſchloſſen
werden, nicht mehr in günſtiger Weiſe umgeändert werden
können.
Vor- und Nachteile des Infuſionsverfahrens.
Als Vorteile davon können im allgemeinen als richtig an⸗
genommen werden, daß die ganze Sudhauseinrichtung
einfacher und daher weniger koſtſpielig zu ſein braucht
198 Brauprozeß: Kontrolle des Malſchprozeſſes.
(ein Bottich und eine Pfanne ſind nur nötig); daß ſich der
ganze Maiſchprozeß in viel kürzerer Zeit abſpielt und dadurch
Arbeit, Zeit und Brennmaterial erſpart wird; daß die Diaſtaſe
weniger geſchwächt (von einer Zerſtörung iſt überhaupt keine
Rede) und deshalb eine beſſere Extraktion und Verzuckerung
herbeigeführt wird, vorausgeſetzt, daß gleichgutes Malz ver⸗
braut wird.
Als Nachteile ſind anzuführen, daß die Würzen zu zucker⸗
reich ausfallen können, daß ſie infolgedeſſen zu hoch vergären,
daß die Biere keinen vollmundigen, ſondern einen ausge⸗
prägten weinigen Geſchmack haben, daß die Haltbarkeit der
Infuſionsbiere geringer iſt, daß der ganze Maiſchprozeß,
zumal die aufwärtsmaiſchende Infuſion, viel größere Vor⸗
ſicht erfordert.
W. Schultze hat über die beiden Hauptmaiſchverfahren
Verſuche angeſtellt, deren Reſultate in der „Zeitſchr. f. d.
geſ. Brauweſen“, Jahrgang 1879, veröffentlicht ſind. Die
Reſultate ſprechen zugunſten des Dekoktionsverfahrens.
Thauſing ſagt auf Grund dieſer Verſuchsreſultate: Bei
Erzeugung eines vollmundigen, haltbaren und ſchaumhaltigen
Bieres arbeite man nach dem Dekoktionsverfahren, und zwar
nach dem Dekoktionsverfahren mit drei Maiſchen.
Kontrolle des Maiſchprozeſſes. Niemals ſoll man
es unterlaſſen, ſich über den Verlauf des Maiſchprozeſſes zu
vergewiſſern. Wäſſerige Jodlöſung — nach Märker werden
0,5 g Jod mit 1 g Jodkalium zuſammengerieben und in
200 cem Waſſer aufgelöſt — bietet ein ſehr wertvolles
Mittel zur Kontrolle des Maiſchprozeſſes. Beim Maiſchen
wird die Stärke in Zucker und Dextrin übergeführt. Solange
Stärke oder der Stärke naheſtehende Dextrine in der Maiſche
vorhanden ſind, tritt auf Zuſatz von Jodlöſung zur abgekühlten
Maiſche eine Farbenveränderung, die von blau, durch violett
bis rot auftritt, je nachdem der Verzuckerungsprozeß weniger
oder weiter vorgeſchritten iſt. In normal verzuckerter Maiſche
darf auf Zuſatz von Jodlöſung keine beſondere Färbung zu
beobachten ſein.
Brauprozeß: Kontrolle des Malſchprozeſſes. 199
Bei Anſtellung der Jodreaktion in der Maiſche iſt zu be⸗
rückſichtigen, daß ja nicht zu geringe Mengen Jodlöſung ver⸗
wendet werden. Bei Anwendung von zu geringer Menge
Jod kommt es vor, daß keine Farbenerſcheinung auftritt,
obwohl noch färbende Dextrine vorhanden ſind. Man geht
ſicher, wenn man zu der abgekühlten Maiſche oder Würze
tropfenweiſe ſo lange Jodlöſung zuſetzt, bis entweder eine
charakteriſtiſche Färbung oder die gelbbraune Farbe der Jod⸗
löſung ſich zeigt. Im letzten Falle kann man überzeugt ſein,
daß keine mit Jod ſich färbende Dextrine vorhanden ſind und
ſomit der Maiſchprozeß einen normalen Verlauf genommen
hat. Immerhin kann es dennoch vorkommen, daß ganz ge⸗
ringe Mengen mit Jodlöſung ſich färbende Dextrine ſich
vorfinden, deren Nachweis uns entgeht infolge der mehr oder
weniger dunkleren Farbe der Maiſche oder Würze. Man kann
nun in einer kleinen Portion Maiſche oder Würze durch ſtarken
Alkohol die Dextrine ausfällen. Dieſen Niederſchlag löſt man
hierauf in Waſſer auf und gibt nun jetzt in obiger Weiſe
tropfenweiſe Jodlöſung zu. Die Reaktion wird dadurch viel
empfindlicher und jede Spur ſich mit Jod färbender Dextrine
läßt ſich auffinden.
Nach Kulka iſt jedoch eine derartige Prüfung der Maiſche
nicht genügend; er gibt an, daß es nötig iſt, Maiſcheteile zu
kochen, hierauf zu filtrieren und das abgekühlte Filtrat mit
Jodlöſung zu prüfen. Es darf ſich auch bei dieſer Prüfung
keine charakteriſtiſche Reaktion zeigen. Nun wird man aber
meiſt finden, wenn man Biertreber, die direkt mit Jodlöſung
verſetzt ſelbſt keine Reaktion geben, mit Waſſer aufgekocht,
daß nun Blaufärbung auftritt. Mehr oder weniger unauf⸗
geſchloſſene Stärke kann noch vorhanden ſein, wovon dieſes
Refultat bedingt iſt. Nach Kulka hat man beim Maiſchprozeſſe
darauf zu ſehen, daß die Abmaiſchtemperatur 75° C nicht
eher erreicht wird, bis nicht nach ſeiner Prüfungsmethode eine
vollſtändige Verzuckerung der Maiſche konſtatiert iſt.
Dieſe Art der Kontrolle der Maiſche iſt gewiß nur vor⸗
teilhaft, denn die Extraktausbeute des Malzes kann unter Um⸗
200 Brauprozeß: Kontrolle des Maiſchprozeſſes.
ſtänden ſogar bedeutend höher ſein, Kleiſtertrübungen im
Biere können nicht mehr vorkommen. Allein nicht alle Malze
laſſen ſich in gleich günſtiger Weiſe vermaiſchen, und es kann
vorkommen, daß bei hoch abgedarrtem, weniger gutem Malze
der Maiſchprozeß ziemlich lange dauern müßte, bis man dieſes
Reſultat erreicht, manchmal es aber überhaupt nicht erreicht.
Man hat verſchiedene Anhaltspunkte, um ſich über einen
günſtigen oder weniger günſtigen Verlauf des Maiſchpro⸗
zeſſes zu überzeugen. Sobald die Maiſche eine Temperatur
von 50 bis 52 C zeigt, tritt bei günſtigen Verhältniſſen eine
ins Grün ſchillernde Spiegelfläche auf. Bei einer Temperatur
von 65° C erfcheint fie dunkelbraun, ſobald die aufgequollenen
Stärkekörner und Eiweißkörper mehr oder weniger ſich ab⸗
geſchieden haben. In beſonders günſtigen Fällen kommt es
vor, daß der Flüſſigkeitsſpiegel durchſichtig erſcheint. Iſt die
Abmaiſchtemperatur erreicht, fo fängt die Maiſche recht bald
an, adrig zu werden, nach etwa 6 bis 8 Minuten hat ſie
das Ausſehen der Maiſche bei 65° C und nach 10 bis 12
Minuten wird die Spiegelfläche dunkelbraun bis vollkommen
ſchwarz ſein. Der Geruch der Maiſche iſt ſüßlich, aromatiſch.
Mißliebige Erſcheinungen ſind, wenn der Flüſſigkeits⸗
ſpiegel braungrün, grau, lehmig oder roſtig erfcheint, wenn
die Lautermaiſche nach dem Kochen ſich nicht gut bricht, wenn
die Ablagerung der Treber auf der Ruhe ſehr langſam und
unvollſtändig geſchieht, der Geruch der Maiſche wenig oder
gar nicht ſüß bzw. aromatiſch iſt.
In ſolchen Fällen iſt dringend notwendig, den Grund
dieſer Betriebsſtörung aufzufinden. In erſter Linie kann das
verwendete Malz Veranlaſſung gegeben haben. Ihm fehlen
die Eigenſchaften eines guten Braumalzes oder es iſt zu wenig
abgelagert oder hat ſchlecht gelagert, iſt zu feucht geworden.
Meiſt werden jedoch Manipulationsfehler die Schuld haben,
wie zu raſches Aufbrühen und dadurch teilweiſes Verbrühen
der Maiſche, zu ſchnelle Temperaturſteigerung der Maiſche,
mangelhaſtes Durchmaiſchen, Kochen zu großer Menge von
Lautermaiſche und infolgedeſſen zu hohe Abmaiſchtemperatur,
Brauprozeß: Warmeinmaiſchen. 201
wodurch von einer Nachwirkung der Diaſtaſe keine Rede mehr
ſein kann.
Die häufigſte Betriebsſtörung kommt durch Verbrühen
der Maiſche bei der Temperaturſteigerung vor, wodurch
Kleiſtertrübung der Würze, der Biere entſtehen. Dieſem
Manipulationsfehler — Kleiſtertrübung kann auch vom Malze
herrühren — ſucht man nun in der Weiſe abzuhelfen, daß man
weniger Waſſer für die kalte Maiſche nimmt, dafür mehr in
die Pfanne gibt, letzteres aber nicht zum Kochen, ſondern etwa
nur auf 75° C erhitzt und damit die Temperatur der Kalt⸗
waſſermaiſche entſprechend erhöht.
Weit einfacher wird das Verbrühen vermieden durch das
Warmeinmaiſchen, das darin beſteht, daß man zunächſt in
den Bottich durch Vermiſchen von kaltem mit kochend heißem
Waſſer die für den Hauptguß zu nehmende Waſſermenge
läßt und dafür ſorgt, daß die Temperatur des Maiſchwaſſers
etwa 40 bis 45° C beträgt. Nun gibt man das Malzſchrot
unter beſtändigem Gange der Maiſchmaſchine langſam zu und
iſt darauf bedacht, daß die dabei ſich bildenden Klümpchen
vollſtändig zerteilt ſind. Nach dem Einmaiſchen wird die
Maiſche eine Temperatur von 35 bis 40° C zeigen.
Außer dieſem oben beſchriebenen Dekoktionsverfahren und
dem Infuſionsverfahren, die am meiſten zur Anwendung
kommen, ſind noch zu erwähnen das Dekoktionsverfahren mit
zwei Dickmaiſchen, ohne Lautermaiſche, und jenes mit einer
Dickmaiſche und einer Lautermaiſche. Es wird bei dieſen Ver⸗
fahren entweder warm eingemaiſcht (50° C), oder bei kaltem
Einmaiſchen aufgebrüht auf 50 bis 52° C.
Hierher gehört auch das gemiſchte Verfahren, das
von Lintner angegeben wurde. Es bewährt ſich, wie aus
eigener Überzeugung gejagt werden kann, womit auch die
Urteile von anderer Seite übereinſtimmen, ſehr gut. Es ſei
daher dieſes Verfahren in Kürze beſchrieben. Für 1 hl der
Malzſchüttung werden 2 hl Waſſer im Maiſchkeſſel auf 60
bis 65° C erwärmt. Davon werden in den vorgewärmten
Maiſchbottich für 1 hl Malz 1,40 bl Waſſer gelaſſen. Nun
202 Brauprozeß: Kurzmaiſchverfahren.
wird unter beſtändigem Gange der Maiſchmaſchine das
Malzſchrot langſam zugegeben, eingemaiſcht. Die Maiſch⸗
maſchine bleibt im Gange, bis die Maiſche eine Temperatur
von 52° C zeigt. Die Maiſche bleibt ſodann 45 Minuten
ruhig ſtehen, während welcher Zeit das Waſſer im Keſſel zum
Kochen erhitzt wird. Hierauf läßt man, nachdem ſchon etwa
fünf Minuten zuvor das Rührwerk in Bewegung geſetzt wurde,
heißes Waſſer in dünnem Strahle zur Maiſche, um die Tem⸗
peratur auf 65 C zu erhöhen. Die Maiſche bleibt abermals
45 Minuten der Ruhe überlaſſen. Hernach wird zunächſt gut
durchgemaiſcht und unter beſtändigem Gange der Maiſch⸗
maſchine die Hälfte der Maiſche in den Keſſel gebracht, die
Temperatur langſam auf 75° C gefteigert, hierauf die Maiſche
zum Kochen erhitzt und 1/, Stunde gekocht. Nach dem Kochen
wird die Maiſche in den Bottich befördert und bei einer
Temperatur von 75° Cabgemaiſcht.
Nachſtehendes Maiſchverfahren (Kurzmaiſchverfahren),
über das Urteile in den Fachzeitſchriften für und gegen laut
geworden find, hat Windiſch angegeben. Eingematjcht wird
jo dick mit 62,5 C, daß die Stammwürze etwa 20% h zeigt.
Noch während des Einmaiſchens, ſobald genug Maiſche im
Bottich iſt, wird ein Teil der Maiſche nach der Pfanne ge⸗
zogen, ſofort zum Kochen erhitzt, 3 bis 5 Minuten gekocht
und raſch nach dem Bottich zurückgemaiſcht, wo eben knapp die
Einmaiſcharbeit vollendet iſt. Die Menge der Kochmaiſche iſt
jo bemeſſen, daß die Temperatur im Bottich 70 bis 72° C
beträgt. Bei dieſer Temperatur hält man unter zeitweiligem
kurzen Aufmaiſchen bis zur erſolgten Verzuckerung oder auch
mit Rückſicht auf die Ausbeute eine halbe oder ganze Stunde,
zieht dann die zweite Maiſche nach der Pfanne, bringt dieſe ſo
ſchnell als möglich zumKochen, kocht 5 bis 10 Minuten und maiſcht
dann mit 75°C ab. Dauer des ganzen Maiſchprozeſſes 1 ½ bis
2½ Stunden, je nach dem Verweilen der Maiſche bei 70°C.
Windiſch führt dabei an, daß dieſes Maiſchverfahren
nur dann ein zufriedenſtellendes Reſultat erzielen läßt, vor
allem vollmundige, ſchaumhaltende Biere reſultieren, wenn
Brauprozeß: Malſche. | 203
das zur Verwendung kommende Malz ſehr gut und die Sud⸗
hauseinrichtung vollſtändig entſprechend iſt.
Erwähnt ſei auch das Maiſchverfahren von Kubeſſa, das
darin beſteht, daß zunächſt eine ſorgfältige Sortierung des
Malzſchrotes durch eine Schüttelvorrichtung in Spelzen, Grieß
und Mehl vorgenommen wird. Beim Maiſchprozeß werden
die einzelnen Beſtandteile des Schrotes getrennt eingemaiſcht
und nur der Grieß gekocht. Der Grieß wird zuerſt in Waſſer
von 48° © in der Pfanne eingemaiſcht; bei dieſer Tempera⸗
tur bleibt die Maiſche / Stunden ſtehen. Hierauf wird die
Temperatur langſam auf 70° C erhöht, 20 Minuten einge⸗
halten und dann die Maiſche eine halbe Stunde gekocht.
Während dieſer Zeit werden die Spelzen im Maiſchbottich
bei einer Temperatur von 60° C eingemaiſcht und nach dem
Kochen der Grießmaiſche wird dieſe in den Maiſchbottich ge⸗
bracht. Hernach kommt die ganze Maiſche unter Zulaufen des
Mehles in die Maiſchpfanne und wird bei einer Temperatur
von 70 C eine Stunde ſtehen gelaſſen. Nach weiterer Tem⸗
peraturſteigerung auf 75° C wird abgemaiſcht.
Das Brauverfahren von Schmitz. Dieſes Verfahren ver⸗
langt: Zurückſtellung eines diaſtatiſchen Malzauszuges, Kochen
der Geſamtmaiſche, kochendheißes Abläutern, Rückkühlen der
heißen Würze auf 75° C und Verzuckern der durch das Kochen
ſich ergebenden kleiſterhaltigen Würze mittels des zurückge⸗
ſtellten Malzauszuges. Das kochendheiße Abläutern geſtattet
die Verwendung feineren Schrotes, ein ſehr raſches Läutern
der Hauptwürze ſowie ſchnelles und vollſtändiges Ausſüßen
der Treber. Seit acht Jahren wird dieſes Verfahren in der
Staatsbrauerei Weihenſtephan ausſchließlich benützt. Brauerei⸗
direktor Aſthon teilte ſeine günſtigen Erfahrungen gelegent⸗
lich der Generalverſammlung der wiſſenſchaftlichen Station für
Brauerei in München mit (Zeitſchr. f. d. geſ. Brauweſen, Jahr⸗
gang 1910). Doch hat dieſes Verfahren in der Praxis wenig
Eingang gefunden.
Auf dem gleichen Prinzip wie das Schmitzſche Verfahren
beruht das Sudverfahren von Rutſchmann. Der Unterſchied
204 Brauprozeß: Maiſche.
beſteht darin, daß nach dem Kochen der Geſamtmaiſche die
Maiſche in der Pfanne durch eine Kühlvorrichtung mit Waſſer
auf eine Temperatur von 70°C abgekühlt wird und ſodann
der diaſtatiſche Malzauszug zugegeben und die Verzuckerung
bei einer Temperatur von 75° C durchgeführt wird. Hernach
wird die Maiſche in den vorgewärmten Läuterbottich gebracht
und nach halbſtündiger Ruhe die Würze in der ſonſt üblichen
Weiſe abgeläutert.
Bei all dieſen neueren Maiſchverfahren zielt man darauf
ab, die Extraktbildner möglichſt vollſtändig zu gewinnen.
Allein eine vollſtändige Extraktgewinnung iſt nicht möglich,
wie man ſich durch eine nähere Prüfung der Treber durch
einen Maiſchverſuch überzeugen kann. Die noch unaufge⸗
ſchloſſenen Stärkekörner können nur durch Druck in lösliche
Stärke übergeführt und hierauf weiter in der bekannten Weiſe
abgebaut werden. Dr. Jung gibt einen Apparat und eine
Methode an, wie die Treber noch weiter zur Extraktgewin⸗
nung zu behandeln ſind. Der Apparat iſt ein geſchloſſener
Läuterbottich (Autoklave), der für eine Druckbehandlung bis
zu vier Atmoſphären eingerichtet iſt. Er iſt verſehen mit
einer doppelten Heizſpirale und einem Propellerflügel, der die
breiige Maſſe der Treber in lebhafte Bewegung verſetzt und
auf dieſe Weiſe die Zerkleinerung der gallertartigen Klümp⸗
chen beſorgt. Die in üblicher Weiſe ausgelaugten Treber
werden mit Waſſer im Autoklaven bei drei Atmoſphären auf⸗
geſchloſſen. Das Produkt des Aufſchließungsprozeſſes wird
mit einem Malzauszug bei günſtiger Temperatur verzuckert
und nach dem Abläutern zum Einmaiſchen des nächſten Sudes
verwendet. Der Aufſchließungsprozeß dauert vier Stunden.
Die Ausbeuteerhöhung beträgt im Mittel etwa 3¾% über
Feinmehl. Eine Anderung im Geſchmack, der Farbe, der
Haltbarkeit der Biere iſt nicht zu befürchten. Ferner bietet
dieſes Verfahren außer der Ausbeuteerhöhung noch den Vor⸗
teil, daß alle Fehler, die durch Beſchaffenheit und Einrichtung
des Läuterbottichs und durch die Art des Ziehens der Würze
vorkommen können, vollſtändig ausgeglichen werden.
Brauprozeß: Abläutern. 205
Auf demſelben Prinzip beruht das Maiſchdruckverfahren
von Lazarus und Schwenſen in Kiel. Treber und unauf-
geſchloſſene Stärke werden durch Dampf und Druck aufge⸗
ſchloſſen. Nach beendigtem Prozeß laugt man die löslich ge⸗
wordene Stärke durch Waſchen mit heißem Waſſer, beſſer zu⸗
nächſt mit etwas der vorhergenommenen Würze und hernach
mit heißem Waſſer aus, bringt dieſen Auszug zu der zuerſt
gewonnenen Würze und ſührt dann die Nachverzuckerung in
der Pfanne bei günſtiger Temperatur durch. Die Ausbeute⸗
erhöhung ſetzt ſich auch wie nach dem Verfahren von Dr. Jung
und der kalten Digeſtion zuſammen aus einem Plus von
Stärkederivaten, Pentoſanen, Eiweißſtoffen und Salzen.
Das Abläutern (Ziehen der Würze).
Nach Beendigung des Maiſchprozeſſes bleibt die Maiſche
einige Zeit der Ruhe überlaſſen. Die Gründe hierfür wurden
bereits angeführt ſowie auch angegeben, welches Ausſehen die
Maiſche nach kurzer Zeit der Ruhe zeigen ſoll. Wenn die
Maiſche jene erwünſchte Spiegelfläche hat, ſo gibt dieſe das
beſte Zeugnis von dem vollendeten Verzuckerungsprozeſſe und
der genügenden Ablagerung der Treber. In ſolchem Falle
könnte man mit dem Abläutern der Vorderwürze beginnen;
es wäre nicht notwendig, die Ruhezeit auf eine Stunde und
darüber auszudehnen. Es tritt, wenn bei den einzelnen
Maiſchtemperaturen mißliebige Erſcheinungen zu beobachten
waren, keine Beſſerung ein, falls die Maiſche auch länger
auf Ruhe bleiben würde, im Gegenteil, durch zu ſtarkes
Abkühlen könnte die Zuſammenſetzung der Würze nach—
teilig beeinflußt werden, eine bedeutende Zunahme von
Milchſäure ſtattfinden.
Bei einer einfachen Sudhauseinrichtung dient der Maiſch⸗
bottich, wie oben bemerkt, zugleich als Läuterbottich. Unter dem
Senkboden ſammelt ſich bei einer derartigen Einrichtung der
ſog. Unterteig an, deſſen Menge größer oder geringer ſein
kann und deſſen Hauptbeſtandteil aus Stärkemehl beſteht.
206 Brauprozeß: Unterteig.
Zuſammenſetzung von Unterteig:
Waere 61,69%
Malt often 19,50%
Saile... wie 12,07 %
Dextrin, Proteinkörper, Fett, Aſche.. 6,74%
100,00 %
Iſt nun durch Verluſt dieſes Stärkemehlanteils eine ſchlechtere
Ausbeute des Malzes, ein unrationeller Betrieb die Folge, ſo
kommt noch ein weiterer Punkt in Betracht, nämlich die Ge⸗
fahr, daß ſolche unauſgeſchloſſene, unverzuckerte Stärke in die
Pfanne kommt, wodurch die Würze, das Bier kleiſtertrüb wird.
Ein Hauptgrund für die Anſammlung von größeren Mengen
Unterteig iſt der zu große Zwiſchenraum vom Senkboden und
dem Boden des Bottichs in der falſchen Vorausſetzung, daß
dadurch das Abläutern der Würze ſchneller und beſſer vor ſich
gehe. Es iſt dafür zu ſorgen, daß der Abſtand des Senkbodens
von dem Bottichboden nicht mehr als 3 bis 4 mm beträgt.
Am beſten vermeidet man den Unterteig, wenn der Senk⸗
boden erſt nach Beendigung des Maiſchprozeſſes gelegt wird.
Die Maiſche wird nach dem Abmaiſchen in die Pfanne ge⸗
pumpt, wobei darauf zu ſehen iſt, daß keine Temperatur⸗
erhöhung der Maiſche über 76 bis 77 C ftattfindet. Nach⸗
dem der Senkboden eingeſetzt iſt, wird zum Zwecke der Nahe
die Maiſche in den Bottich gebracht.
Im übrigen werden der Unterteig und ſeine nachteiligen
Folgen dadurch vermieden, daß man nach Erreichung der
verſchiedenen Maiſchtemperaturen jedesmal ſtark vorſchießen
läßt und die Temperatur der Würze in der Pfanne erſt dann
über 77° C fteigert, wenn alle Würze, Vorder⸗ und Nach⸗
gußwürze, in der Pfanne ſich befindet.
Bei doppeltem Sudwerk iſt, wie ſchon geſagt, ein eigener
Läuterbottich vorhanden, und in dieſen wird die Maiſche un⸗
mittelbar nach dem Abmaiſchen gepumpt.
Bei Beginn des Abläuterns werden die Hähne der ein-
zelnen Saugrohre abwechslungsweiſe ganz geöffnet, um die
Brauprozeß: Abläutern. 207
unter dem Senkboden befindliche ganz trübe Maiſche abfließen
zu laſſen, die in den Läuterbottich zurückgebracht wird (Vor⸗
ſchießenlaſſen, Durchreißen). Hierauf werden die Hähne der
Reihe nach ſchwach geöffnet, man pumpt aber die Würze, ſo⸗
lange noch Treberbeſtandteile ſich in ihr befinden, in den Bottich
zurück. Dabei iſt darauf zu achten, daß dadurch die Maiſche
nicht aufgerührt wird. Läuft die Würze klar, ſo gelangt ſie
in die Würzepfanne. Die Hähne werden auch etwas mehr
geöffnet, um das Abläutern nach Möglichkeit zu ſördern. Nicht
immer fließt die Würze klar ab, ohne daß infolgedeſſen zu be⸗
fürchten iſt, es könnten ſpäter Störungen ſich ergeben. Wenn
die Verzuckerung entſprechend iſt, ſo braucht man in
dieſer Beziehung nicht ängſtlich zu ſein. Infuſionswürzen
laufen gar häufig etwas trübe ab. Schlimm wäre es, wenn
die Trübung bedingt wäre durch einen Kleiſtergehalt oder
dadurch, daß die Maiſche auf der Ruhe oder die Würze
während des Abläuterns ſich zu ſtark abgekühlt hat.
Die Würze, Vorderwürze, ſoll vollkommen abfließen, die
Treber ſollen, wie man zu ſagen pflegt, trocken in dem
Bottich liegen. Es iſt dies ein günſtiges Zeichen für die
gute Beſchaffenheit des verwendeten Malzes und für den
normalen Verlauf des Maiſchprozeſſes. Allein nicht immer
geht das Abläutern ſo günſtig vonſtatten. Es kommt vor,
daß anfangs die Würze raſch und klar abläuft, ſpäter aber,
obwohl noch Würze über den Trebern ſteht, das Abfließen
ganz auſhört oder das Wenige, was noch abläuft, ganz trübe
iſt. Die Gründe, die dieſe ungünſtige Erſcheinung veran⸗
laſſen können, ſind verſchieden. Wenn das Malz eine gute
Auflöſung zeigte, wenn bei der Kontrolle des Maiſch⸗
prozeſſes ein zufriedenſtellendes Reſultat ſich ergeben hat, ſo
dürſte der Grund entweder in dem zu feinen Schroten des
Malzes oder in der Einrichtung des Läuterbottichs zu
fuchen ſein. In letzterer Beziehung iſt ſchon bemerkt worden,
daß der Würze eine große Durchgangsfläche geboten werden
muß, mithin der Läuterbottich weit ſein muß, ſo daß die
Treber nach dem Abläutern gemeſſen nicht höher als
208 Brauprozeß: Hilfsapparate zum Abläutern.
30 em liegen ſollen. Iſt das Malz zu fein geſchroten und
läßt es betreffs ſeiner Güte etwas zu wünſchen übrig, ſo kann
obige Schwierigkeit beim Abläutern vorkommen, zumal
wenn die Hähne der Saugrohre anfangs zu ſtark geöffnet
wurden. Die Treber ziehen ſich in ſolchem Falle feſt zu⸗
ſammen, ſo daß ein Durchfiltrieren der Würze entweder über⸗
haupt unmöglich wird oder die Würze äußerſt langſam und
trüb abläuft, „Einziehen“ der Würzen. Kann nämlich aus
der Offnung eines Läuterhahnes mehr ausfließen, als durch
die Treberſchicht Würze zufließt, ſo tritt Luft ein, die im Läuter⸗
bottich aufſteigt und dadurch ein Trüblauſen der Würze be⸗
dingt. Wie weit die Läuterhähne geöffnet werden dürfen, iſt
durch Verſuch feſtzuſtellen. Ganzenmüller teilt einige Ver⸗
ſuche mit Läuterhähnen mit und erwähnt dabei der vorzüg⸗
lichen Wirkung des Läuterhahnes von Ritt & Buechl in Stadt⸗
ambof- Steinweg. Dieſer Hahn beſitzt einen wagerechten
Wirbel mit einem 80 mm langen Schlitz. Das Abläutern
mit dieſem Hahn erfolgt raſch und das Einziehen wird ver⸗
hindert.
Dieſer Störung beim Abläutern ſuchte man vorzubeugen
oder abzuhelfen durch Hilfsapparate zum Abläutern.
Verſchiedene ſolche Hilfsapparate wurden und werden mit
mehr oder weniger Vorteil verwendet: Wels, Rittner, Nau⸗
mann. Sehr empſehlenswert ſind die Apparate von Stein⸗
ecker (Abb. 40 und 41). Dieſe ſind einfach, nicht koſtſpielig
und erfüllen ihren Zweck ganz gut. Auf der Mitte eines
halbkreisförmig gebogenen Eiſenbleches, das auf vier Füßen
ruht und durch einen Seihboden abgeſchloſſen iſt, befinden ſich
mehrere Rohre ineinandergeſteckt befeſtigt. Dieſe Apparate
werden vor dem Abmaiſchen in den Läuterbottich geſtellt. Je
nach der Größe des Läuterbottichs bzw. der Schüttung benutzt
man zwei, drei und mehr ſolche Apparate. Die Höhe der
Füße, auf denen das Eiſenblech ruht, richtet ſich nach der Höhe
der Treberſchicht, denn das Eiſenblech, bzw. der Seihboden
muß in die Treber reichen. Die Würze fließt durch den Rohr⸗
anſatz und gelangt, ohne den Oberteig und die ganze Treberſchicht
Brauprozeß: Hilfsapparate zum Abläutern. 209
paſſieren zu müſſen, durch den Seihboden zur Läutervor⸗
richtung. Je nach dem Sinken des Flüſſigkeitsſpiegels der
Maiſche werden die einzelnen Rohre der Reihe nach abge⸗
nommen. Die Würze fließt raſcher ab
und die Treber bleiben lockerer; deren
feſtes Zuſammenſetzen iſt ausgeſchloſſen.
Die Steineckerſchen Läuterapparate
hat Emslander in der Weiſe abge⸗
ändert, daß er ihre Füße verkürzt, ſo
daß unter ihnen eine nur etwa 20 em
hohe Treberſchicht verbleibt, was, in
Verbindung mit der Benützung einer
ä größeren Anzahl dieſer Apparate, von
bedeutendem Erfolg hinſichtlich der
n Dauer und Vollſtändigkeit des Ab⸗
läuterns der erſten Würze begleitet iſt.
Erwähnt ſei auch zur Beſchleunigung des Abläuter⸗
prozeſſes und Vermeidung von Störungen die Benützung
der Schwimmkiſte von Hoffmann, das Durchreißen der
Treber mit heißem Waſſer, das durch die Ausdämpfleitung
der Läuterbatterie einige Minuten lang von unten in den
Treberkuchen einſtrömt und ihn lockert.
Konnten nicht alle Neuerungen und Verbeſſerungen des
Läuterbottichs und Läuterprozeſſes erwähnt und beſprochen
werden, ſo erſieht man doch, daß in dieſer Hinſicht ſehr weſent⸗
liche Fortſchritte gemacht worden ſind, die Vermeidung von
Störungen, Beſchleunigung des Ziehens der Würze, möglichſt
vollſtändige Gewinnung der Extraktbildner zur Folge haben.
Die große Aufmerkſamkeit, die dem Läuterprozeß ſeit
Jahren von verſchiedener Seite geſchenkt worden iſt, dürſte
hauptſächlich zurückzuführen ſein auf den Vorſchlag eines ganz
neuen Läuterverfahrens, nämlich die Benützung des Maiſche⸗
filters (Treberpreſſe, Abb. 42) von ähnlicher Konſtruktion,
wie ſolche als Trub⸗, Hopfen⸗ und Gelagepreſſen ſeit längerer
Zeit in den Brauereien gebraucht werden, wodurch der Läuter⸗
bottich in Wegfall kommt.
Bierbrauerei. 14
210 Brauprozeß: Maiſchefilter.
Wie alle Neuerungen, hat auch das Maiſchefilter ſeine Ver⸗
teidiger und Gegner gefunden. Ohne näher darauf eingehen
zu können, ſei nur auf den intereſſanten Vortrag „Über
praktiſche Erfahrungen mit dem Maiſchefilter“ des Brauerei⸗
beſitzers Dr. Schiffer in Kiel in der Hauptverſammlung der
wiſſenſchaftlichen Station in München (3Zeitſchr. f. d. geſ.
Brauweſen 1903) hingewieſen. Es wurde eine Maiſche⸗
filtrieranlage der Maſchinenfabrik F. Weigel Nachf. in Neiſſe⸗
Neuland benutzt, welche Anlage ſpäter eine weſentliche Ver⸗
beſſerung erfahren hat, wodurch das Abläutern der Haupt⸗
würze und Nachgüſſe noch weiter beſchleunigt wird. Als
Abb. 41. Verwendung der Hilfsapparate.
Vorteile bei Verwendung des Maiſchefilters werden an⸗
geführt, abgeſehen von einer bedeutenden Steigerung der
Leiſtungsfähigkeit des Sudwerkes und Erſparung von
Betriebskoſten: Ausbeuteerhöhung um etwa 1 %, blankeres
Abläutern der Würzen. reinere ſchönere Gärungen. Von einer
Anderung des Biercharakters, dann was Farbe, Schaum⸗
haltigkeit, Haltbarkeit und Geſchmack anlangt, konnte nichts
konſtatiert werden. Als Nachteile gelten: hohe Anſchaffungs⸗
koſten, großer Verbrauch der Filtertücher, notwendige Aufitel-
lung einer eigenen Tücherreinigungsmaſchine, minderwertige
Treber. Später, im Jahre 1908, als von verſchiedenen
Seiten Erfahrungen über das Maiſchefilter laut geworden
ſind, ſpricht ſich Dr. Schiffer dahin aus, daß er die Vor⸗
teile, wie er ſie 1903 angeführt, vollſtändig aufrecht erhält
und bemerkt, daß bei Anwendung des Maiſchefilters der Bier⸗
Brauprozeß: Maiſchfilter. n 211
charakter nicht geändert, ſondern außerordentlich verbeſſert wird
und daß bei Verwendung von minder gut gelöſtem Malz oder
Mitverwendung von Spitzmalz beſſere Reſultate erzielt werden.
Das Maiſchefilter, das zunächſt nur für größere Brauereien
in Betracht kommen könnte, eignet ſich nach Dr. Schiffer
nicht: 1. bei Vorhandenſein einer für die erforderliche Pro⸗
duktion ausreichenden Läuterbottichanlage mit bewährten
modernen Einrichtungen; 2. in ſolchen Fällen, in denen die
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Abb. 42. Maiſchfilterpreſſe (Treberpreſſe).
Brauereien gezwungen ſind, die Naßtreber nach dem Volumen
zu verkaufen.
Die Aufſtellung des Maiſchefilters empfiehlt ſich:
1. wenn die Leiſtungsfähigkeit einer Brauerei geſteigert werden
ſoll ohne Neubau oder bei Neuanlagen; 2. in Betrieben, in denen
die Läuterbottichausbeute um 2% und mehr hinter der mit
Maiſchefilter zurückbleibt. In dieſem Falle wäre erſt zu
prüfen, ob nicht die Ausbeute durch Beſeitigung von geringen
Fehlern, die der Läuterbottich beſitzt, oder Benützung anderer
Hilfsmittel erhöht werden kann.
14*
212 Brauprozeß: Oberteig.
Sind nun keine ſolche Hilfsapparate zur Verfügung und
hat man mit der genannten Schwierigkeit beim Abläutern
zu tun, ſo läßt ſich die Vorderwürze allmählich nur in der
Weiſe gewinnen, daß man wiederholt, ſo oft eben das Fließen
der Würze aufhört, die Treber auflockert, umhackt und etwas
heißes Waſſer zugibt.
Iſt das Abläutern der Vorderwürze beendigt, ſo be⸗
obachtet man auf der Oberfläche der Treber eine graue,
ſchmierige Maſſe, den ſog. Oberteig. Dieſer beſteht der
Hauptmenge nach aus koagulierten Eiweißkörpern, jedoch auch
aus unaufgeſchloſſener Stärke und iſt mit Würze bis zu 82
bis 88 % völlig durchtränkt. Die Menge und die Zuſammen⸗
ſetzung iſt weſentlich abhängig von der Art des Maiſchverfahrens.
Es iſt klar, daß der Oberteig in größerer Menge vorhanden
und ſtickſtoffreicher ſein muß beim Dekoktionsverfahren als
beim Inſuſionsverfahren. |
Hie und da kann man es finden, zumal in kleineren
Brauereien, daß dieſer Oberteig vor dem Anſchwänzen ab⸗
genommen wird, um ein wertvolles Futter zu gewinnen und
um andererſeits das Abläutern der Nachgußwürzen zu er⸗
leichtern. Es iſt dies als ganz unzweckmäßig und unrentabel
zu bezeichnen, da ja ein bedeutender Verluſt an Würze damit
verbunden iſt und weiter der Wert der Treber viel ge⸗
ringer wird.
In dem Oberteig, wie auch in den Trebern ſteckt noch
eine bedeutende Menge Würze und es iſt nun darauf zu
ſehen, dieſe Würze möglichſt vollſtändig zu gewinnen. Dieſes
geſchieht durch den Nachguß, durch das Anſchwänzen,
Auslaugen der Treber mit Waſſer von nicht viel unter,
aber auch nicht viel über 75 ° C. Kochend heißes Waſſer iſt
nicht nur nicht erforderlich, es kann ſogar ſchädlich ſein,
indem dadurch Halb» oder unaufgeſchloſſene Stärke in die
Würze gelangt, wodurch Kleiſtertrübung auftreten kann. Zu
wenig temperiert darf das Anſchwänzwaſſer auch nicht ſein, da,
abgeſehen von weniger gutem Auslaugen der Treber, durch
zu ſtarkes Abkühlen die Würze nachteilig beeinflußt wird.
Brauprozeß: Anſchwänzen. 213
Zum Anſchwänzen darf nicht zu wenig Waſſer verwendet
werden, um eben die Treber möglichſt gut auszulaugen,
wodurch die Ausbeute des Malzes erhöht wird. Als Ge⸗
ſamtguß rechnet man pro hl Malz 4 bl Waſſer. Als Haupt⸗
guß wird, wie angegeben, 2,50 hl pro hl Schüttung ge⸗
nommen. Mithin bleiben für den Nachguß 1,5 hl Waſſer
pro hl Malz. Dieſe Menge Waſſer wird auf zwei⸗ oder drei⸗
mal verwendet, d. h. man macht zwei bis drei Nachgüſſe.
Vor dem Anſchwänzen werden die Treber aufgehackt
zum Zwecke des Auflockerns, um ſie leichter auslaugen zu
können. Dieſes Aufhacken beſorgt entweder eine im Läuter⸗
bottich augebrachte Aufhackmaſchine oder es geſchieht durch
Umſtechen mit der Schaufel.
Das Anſchwänzen beſorgt gewöhnlich eine Anſchwänz⸗
vorrichtung, wie ſolche bereits bei den Einrichtungsgegen⸗
ſtänden eines Sudhauſes erwähnt wurden. Es iſt darauf
zu ſehen, daß das Anſchwänzen raſch geſchieht. Die Treber
dürfen nicht lange mit der Luft in Berührung bleiben und
müſſen vor ſtärkerer Abkühlung geſchützt ſein.
Auch die Nachgüſſe müſſen klar ablaufen und man läßt
deshalb, wenn angeſchwänzt iſt, jeden Nachguß 10 bis 15
Minuten in der Ruhe. Hierauf werden die Nachgußwürzen
in gleicher Weiſe gewonnen wie die Vorderwürze, mit
der ſie in der Pfanne vermiſcht werden. (Nachgüſſe beſitzen
eine andere Zuſammenſetzung.) Der Extraktgehalt der Nachgüſſe
wird ſachgemäß von einem zum andern immer geringer und
man wird mit dem Reſultate vollauf zufrieden ſein können,
wenn die zuletzt klar abfließende Nachgußwürze eine Saccharo⸗
meterangabe von 0,2 bis 0,5 % zeigt.
Zur vollſtändigen Gewinnung des Extraktes werden
oft noch einige Nachgüſſe gemacht und zur Erzeugung
von Dünnbier, Nachbier, Scheps verwendet, oder ſie dienen,
das Glattwaſſer bildend, als Viehfutter oder zur Erzeugung
von Spiritus. Hie und da kommt es vor, daß die letzten
Nachgüſſe für den nächſtfolgenden Sud benutzt werden.
Es darf dies nur dann geſchehen, wenn dieſe Nachgüſſe jo-
214 Brauprozeß: Treber.
fort in den Maiſchkeſſel gelangen, zum Kochen erhitzt werden
und zum Aufbrühen Verwendung finden. Würden dieſe Nach⸗
güſſe zu ſtark abgekühlt, ſo verderben ſie leicht und in zuletzt er⸗
wähnter Weiſe verwendet, könnte ein bedeutender Schaden
entſtehen.
Die Treber. Nach Beendigung des Abläuterns müſſen
die im Läuterbottich zurückbleibenden feſten Beſtandteile,
die Treber, aus dieſem ſofort herausgeſchafft werden. Die
Treber find ein wertvolles Futtermittel für Maſt⸗ und
für Milchvieh; ſie werden, der Luft ausgeſetzt, raſch ſauer,
indem infolge der noch immer in ihnen vorhandenen
Würze ſaure Gärung eintritt. Werden die Treber durch
Auswaſchen mit Waſſer vollſtändig von der Würze befreit,
ſo faulen ſie bald, wenn ſie an der Luft liegen. Durch
dieſe Veränderungen verlieren die Treber nicht nur an
ihrem Nährwert, ſondern ſie können ſelbſt nachteilig auf die
Geſundheit der Tiere wirken. Am beſten finden ſie im
friſchen Zuſtande Verwendung. Für kürzere Zeit werden
ſie in der Weiſe aufbewahrt und konſerviert, daß man ſie
in Fäſſer ſtampſt und mit Waſſer überſchüttet oder in aus⸗
gemauerten Gruben feſtdrückt und luftdicht abſchließt. In
Gegenden mit bedeutendem Brauereibetrieb, wo ein großer
Vorrat von Trebern vorhanden iſt, werden Trebertrocken⸗
apparate benutzt, um die Treber zum Zwecke des Auf⸗
bewahrens und Verſandes zu trocknen. In rotierenden
Trommeln oder in Mulden, in denen die Treber gerührt
werden, geſchieht das Trocknen dadurch, daß Dampf oder
warme Luft die Trockengeſäße umſpielt. Trebertrocken⸗
apparate von Theiſen, Henke, Hecking, Paßburg,
Otto, Lockwood u. a.
Bei Benutzung eines derartigen Apparates iſt darauf zu
ſehen, daß das Trocknen der Treber nicht bei zu hoher
Temperatur, nicht über 50 bis 60° C geſchieht, weil fie
ſonſt hinſichtlich der Verdaulichkeit Schaden leiden würden.
Es kommt auch vor, daß die Treber vor dem Trocknen
gepreßt werden, um das Trocknen raſcher und leichter
Brauprozeß: Kochen der Würze mit Hopfen. 215
zu erzielen, allein damit iſt immer ein Verluſt an Nähr⸗
ſtoffen verbunden.
Der Futterwert der Treber iſt ſehr verſchieden und
abhängig von der Beſchaffenheit des Malzes, von deſſen
beſſerer oder geringerer Ausbeute und von der Art des Maiſch⸗
verfahrens. Treber von licht abgedarrtem Malze oder bei
geringerer Ausnützung des Malzes oder von Dickmaiſch⸗
würzen ſind wertvoller. Wird der ſog. Oberteig in mancher
Brauerei, wie ſchon bemerkt, vor dem Anſchwänzen abgehoben,
ſo wird dadurch der Nährwert der Treber bedeutend verringert.
N Zuſammenſetzung von friſchen Trebern:
Trockenſubſtan 17,0— 30,0 im Mittel 22,3 %
e Subſtanz 2,9 — 6,3, „ 4,6 %
Fett 1.1— 2,5 % „ 1,6 %
Stickſtofffreie Extraktſtoffe 3,2 — 14,8 „ „ 9,9 %
Holzfaſe r 2,5 — 9,5 „ „ 5,0 %
e ee Be we Zanker 1,2%
Zuſammenſetzung von Trockentrebern:
Trockenſubſtan z 87,7 93,7 im Mittel 90,1%
Stickſtoffhaltige Subſtanz 18,4 — 28,0, „ 22,6 %
Roh fette 3,3— 9,9 „ „ 8,2%
Stickſtofffreie Extraktſtoffe 33,4 — 46,9 „ „ 39,7%
Holzfaſer. 8,6— 19,7 „ „ 151%
Kochen der Würze mit Hopfen.
Der Zweck des Würzekochens iſt:
1. Konzentration der Würze, die ja durch die verſchiedenen
Nachgüſſe verdünnt wurde;
2. Ausſcheidung leicht koagulierbarer Eiweißſtoffe;
3. Überführung wertvoller Beſtandteile des Hopſens in
die Würze;
4. Steriliſierung.
216 Brauprozeß: Kochdauer.
Sobald ein kleiner Teil der Vorderwürze in der Pfanne
ſich befindet, ſo daß der Pfannenboden bedeckt iſt, muß
durch ein ſchwaches Feuer dafür geſorgt werden, daß ſich
die Würze nicht abkühlen kann. Eine Temperaturerhöhung
der Würze über 77½ C, bevor nicht alle Vorderwürze
und ſelbſt die Nachgußwürzen in der Pfanne ſich befinden,
ſoll jedoch auch vermieden werden. Es kann dies nur vor⸗
teilhaft ſein, wenn nämlich die Verzuckerung ſelbſt auf der
Ruhe noch nicht vollſtändig iſt, oder wenn durch Benützung
von ſehr heißem Waſſer zum Anſchwänzen halbaufge⸗
ſchloſſene Stärke mit in die Würzpfanne kommt und
Kleiſtertrübung zu befürchten wäre, ſo kann die noch vor⸗
handene Diaſtaſe nachwirken und eine ſpätere Trübung des
Bieres verhindern.
Die Kochdauer iſt in den einzelnen Brauereien ver⸗
ſchieden lange. In der einen Brauerei muß die heiße Würze
nach dem Kochen gemeſſen ein beſtimmtes Volumen haben
(Ausſchlagen nach der Menge), in der anderen Brauerei muß
die Würze eine gewiſſe Saccharometerangabe zeigen (Aus⸗
ſchlagen nach Prozenten). In allen Fällen ſoll die gargekochte
Würze einen ſchönen Bruch zeigen, es ſollen ſich die aus⸗
geſchiedenen Eiweißkörper im Schaugläschen raſch abſetzen
und die Würze klar und glänzend erſcheinen.
Aus dem Geſagten ergibt ſich, daß die Kochdauer abhängig
ſein wird von der Menge der Würze in der Pfanne nach dem
Abläutern, von deren Verdünnungsgrad und wohl auch von
dem angewendeten Maiſchverfahren.
Dekoktionswürzen werden in der Regel weniger lange zu
kochen ſein, weil durch das Kochen der einzelnen Maiſchen
ſchon Konzentration der Flüſſigkeit und Ausſcheidung einer
großen Menge leicht koagulierbarer Eiweißkörper eintritt.
Infuſionswürzen ſind länger zu kochen, ſie ſind ja meiſt
ſtärker verdünnt und enthalten die weitaus größte Menge
der koagulierbaren Eiweißkörper in Löſung.
Die Kochdauer einzig und allein nach dem Bruch zu
richten iſt nicht zweckmäßig. Wenn der gewünſchte, grob-
Brauprozeß: Hopfengabe. 217
flockige Bruch nicht bei der ſonſt üblichen Kochzeit eintritt,
ſo wird es auch nicht beſſer werden, falls länger gekocht wird.
Es muß aber in ſolchen Fällen nicht immer ein Fehler im
Malze oder im Maiſchprozeſſe vorliegen und infolgedeſſen eine
Störung in den nachfolgenden Prozeſſen zu fürchten fein.
Es kommt vor, daß die ausgeſchiedenen Eiweißkörper im fein
verteilten Zuſtande vorhanden ſind. Eine eingehende Unter⸗
ſuchung der Würze läßt nichts Anormales konſtatieren und
die Gärung verläuft ganz regelmäßig. Der Grund hiervon
liegt meiſt darin, daß mit dem Kochen ſchon während des
Abläuterns begonnen wird und die Würze durch wiederholtes
Aufpumpen jedesmal aus dem Sude kommt.
Man wird annehmen können, daß Dekoktionswürzen in
2 bis 2½ Stunden genügend gekocht ſind; bei Würzen für
Schankbiere kann die Kochdauer noch etwas verkürzt ſein.
Infuſionswürzen werden meiſt vier bis acht Stunden gekocht.
Durch das Kochen der Würze mit Hopfen werden wert⸗
volle Beſtandteile desſelben in die Würze übergeführt, wo⸗
durch die Würze bzw. das Bier einen angenehm bitteren und
aromatiſchen Geſchmack bekommt. Weiter klärt der Hopfen
und macht das Bier infolge einiger ſeiner antiſeptiſch wirken⸗
den Beſtandteile viel haltbarer, widerſtandsfähiger.
Was die Art der Hopfengabe anlangt, ſo wird in dieſer
Beziehung ganz verſchieden verſahren. Man gibt den Hopfen
auf einmal oder auf zwei⸗, dreimal. Wird der Hopfen auf
einmal der Würze, und zwar bevor dieſelbe zum Kochen erhitzt
wird, zugegeben, ſo hat man eine beſſere, möglichſt voll⸗
kommene Ausnutzung des Hopfens im Auge, was ja ſicher
auch erreicht wird. Wird er hingegen in zwei oder drei
Partien gegeben, ſo will man fürs erſte das Dunklerwerden
der Würze, wozu der Hopfen mit beiträgt, vermeiden, fürs
zweite die aromatiſchen, leicht flüchtigen Beſtandteile in der
Würze beſſer zurückhalten. Aus letzterem Grunde bringt man
einen Teil des Hopfens vor dem Ausſchlagen in den Hopfen⸗
ſeiher und läßt die Würze einfach darüberlaufen. Bei dieſer
Art der Hopfengabe iſt von einer entſprechenden Extrahierung
218 Brauprozeß: Hopfengabe.
des Hopfens keine Rede, und dies iſt bei der Berechnung der
Hopfenmenge für einen Sud wohl zu berückſichtigen.
„Als das Zweckmäßigſte hat ſich erwieſen, den Hopfen in
zwei Partien zu verwenden, die eine Hälfte in die Würze⸗
pfanne zu bringen, wenn der Boden der Pfanne gut mit
Würze bedeckt iſt, oder ſich die Vorderwürze in ihr befindet.
Die zweite Hälſte gibt man zu, ſobald das Abläutern beendigt
iſt, vor Beginn des Hopfenſudes.
Iſt vorher ſchon erwähnt worden, daß die Art der Hopfen⸗
gabe bzw. die beſſere oder geringere Ausnutzung des Hopfens
einen Einfluß haben muß auf die Menge des für einen Sud
zu nehmenden Hopfens, ſo wird dieſe Menge auch weiter noch
bedingt durch die Anforderungen der Bierkonſumenten, durch
die Qualität des Hopfens, durch den Charakter des zu er⸗
zeugenden Bieres und durch die Länge ſeiner Lagerzeit.
Nach jeder Hinſicht hat der Brauer auf die Anforderung
ſeiner Bierabnehmer, Bierkonſumenten Rückſicht zu nehmen,
dies gilt auch in bezug auf den mehr oder weniger bitteren
Geſchmack. In manchen Gegenden, zumal in Hopfen produ⸗
zierenden, ſind ſtark gehopfte Biere beliebt und es muß meiſt
die doppelte Menge Hopfen genommen werden gegenüber
Gegenden, in denen ein mehr ſüßer Geſchmack des Bieres
bevorzugt wird.
Daß die Qualität des Hopfens die größere oder geringere
Hopfengabe mit veranlaßt, iſt ſelbſtverſtändlich. Von einem
friſchen, guten, ausgiebigen Hopfen wird man weniger zu nehmen
haben, um dasſelbe Reſultat, d. h. den gleichen Geſchmack dem
Biere zu verleihen, als von einem Hopfen minderer Qualität.
Biere aus licht abgedarrtem Malze, helle, weinige Biere
müſſen ſtärker gehopft ſein. Gerade bei dieſen Bieren iſt ein
ausgeprägter Hopfengeſchmack erwünſcht und ſie vertragen auch
eine bedeutende Hopſengabe, während bei dunklen, voll⸗
mundigen Bieren durch Verwendung von zu viel Hopfen das
beliebte Malzaroma verdeckt werden würde.
Soll ein Bier mehrere Monate, ſechs bis acht Monate, lagern,
ſo muß in Rückſicht darauf die Hopfenmenge erhöht werden
Brauprozeß: Hopfengabe. 219
und dies iſt um ſo mehr notwendig, wenn der Lagerkeller
nicht in jeder Beziehung den Anforderungen eines guten
Lagerkellers entſpricht. Solche ſtark gehopfte Biere zeigen
am Ende der Hauptgärung einen ſehr bitteren Geſchmack,
allein mit der Länge der Lagerzeit verliert ſich dieſe über⸗
mäßige Bitterkeit mehr und mehr.
Der Hopfen wird bei der allgemein üblichen Art der
Verwendung nur im geringen Maße ausgenützt. Um eine
vollſtändigere Extraktion zu erzielen und ſomit Hopfen zu
ſparen, hat man in Vorſchlag gebracht, die Hopfendolden zu
zerkleinern, zu zerreißen. Es exiſtieren zu dieſem Zwecke
verſchiedene Konſtruktionen von ſog. Hopfenzerreißmaſchinen.
Von einer nennenswerten Erſparnis kann bei Benützung einer
ſolchen Maſchine keine Rede ſein, andererſeits bieten die ſtark
zerkleinerten Hopfenblätter beim Ausſchlagen der Würze nicht
das günſtige Filtermaterial und tragen auch nicht ſo zur Klärung
der Würze bei, wie dies bei gewöhnlicher Art der Hopfen⸗
gabe und Benützung von friſchem Hopfen der Fall iſt.
Erwähnt ſeien die neuen Hopfenſeiher, Apparate, bei denen
der Hopfen nicht mehr in der Hopfenpfanne gekocht, ſondern
im Apparat ausgelaugt wird. Dieſe Apparate bringen, wie
Bleiſch auf Grund von Unterſuchungen anführt, mindeſtens
ſo große Hopfenerſparniſſe wie die Hopfenzerreißmaſchinen
und dürften eine große Zukunft haben.
Deinhard hat empfohlen, den Hopfen zum Zwecke der
beſſeren Ausnützung wiederholt auszukochen. Es wurde
auch einige Zeit lang von dieſem Verfahren in mehreren
Brauereien Gebrauch gemacht, doch iſt man jetzt wieder da⸗
von abgekommen. Auch dadurch läßt ſich eine nennenswerte
Erſparnis nicht erzielen. Dabei iſt aber ein nachteiliger Ein⸗
fluß auf die Qualität des Bieres nicht ausgeſchloſſen. Nach
Hayduck iſt das wiederholte Auskochen des Hopfens wert-
los. Beim erſtmaligen Kochen wird der größere Teil der
wertvollen Beſtandteile der Hopfens extrahiert, durch öfteres
Kochen werden die wirkſamen Weichharze in die unwirk—
ſamen Hartharze übergeführt.
220 Brauprozeß: Verwendung des ausgebrauten Hopfens.
Hopfenmenge pro Zentner Malz:
bei Winter⸗ oder Schänkbieren 11— 12% Ba. 0,75 —1 Pfd.
„ Lagerbie 12—14% „ 1,25—2 „
„Bockbier 16-18% „ 1,25 — 1.50,
„ Salvatorbier 18-20% „ 1,25 — 1,50,
Für Wienerbier rechnet man pro Hektoliter Würze:
bei Abzugbier . . 10% Ba.0,30—0,50 Pfd. Hopfen,
„ Lagerbier. 13% „ 0,700.90 „ „
„ Märzenbier 14 — 15% „ 1,10 — 1,20 „ „
Für böhmiſche Biere rechnet man pro Hektoliter Würze:
bei Jungbier. . . 10— 11% Ba. 0,60 — 0,90 Pfd. Hopfen,
„ Lagerbier .. 11-12% „ 0,80 — 1,0 5 ”
„ Märzenbier . 12—13°%/, „ 1,10—1,20 „ 5
Sobald die Würze genügend gekocht iſt, wird fie über
den Hopfenſeiher, der den Hopfen und den größten Teil der
ausgeſchiedenen Eiweißkörper zurückhält, auf das Kühlſchiff
gepumpt. Man bezeichnet dieſe Manipulation mit Aus⸗
ſchlagen, Würze- oder Bierſchöpfen.
Der Hopfen hält eine beträchtliche Menge von Würze
zurück und es darf nicht außer acht gelaſſen werden, dieſen
Teil der Würze noch zu gewinnen, wodurch die Ausbeute
weſentlich erhöht wird. Der Hopfen wird daher mit heißem
Waſſer gründlich ausgewaſchen, ein Auspreſſen, wie ſolches
empfohlen wird, dürfte weniger vorteilhaft ſein.
Was die Verwendung des ausgebrauten Hopfens
anlangt, ſo wird von Windiſch in Nr. 6 der „Wochenſchr.
f. Brauerei“, Jahrgang 1896, empfohlen, dieſes an Pflanzen⸗
nährſtoffen reiche Material als Dünger zu kompoſtieren. Da bis
jetzt der ausgelaugte Hopfen als Ballaſt umherliegt oder ver⸗
brannt wird, ſo ſollte die Landwirtſchaft in der Nähe größerer
Brauereien ernſtlich auf eine verſtändige Ausnützung der ſo
wertvollen Rückſtände bedacht fein. In der „Zeitſchr. f. d. geſ.
Brauweſen“, Jahrgang 1896, Nr. 9 ſagt Aubry, daß der
Hopfenrückſtand, ebenſo wie er für die Menſchheit nutzbar ge—
Brauprozeß: Kühlen der Würze. 221
macht werden kann, für die Brauerei, aus der er hervorgeht,
auch große Gefahren und Nachteile zu bringen vermag und daß
es ſchon aus dieſem Grunde geboten erſcheint, ſich des ausge⸗
brauten Hopfens raſch zu entledigen, d. h. ihn aus dem Bereiche
der Betriebsſtätten zu entfernen. Schließlich ſei die Verwendung
des ausgekochten Hopfens als Futtermittel noch erwähnt. Dem
Nährwert nach ſteht er ungeſähr Stroh oder Spreu gleich.
Geringe Beigaben von Hopfen werden von den Tieren gern
genommen. Der Hopfen ſoll aber nur friſch verfüttert werden.
Alter Hopfen, zumal wenn er mehr oder weniger verdorben
oder bereits ſtark ſchimmelig geworden, darf nicht mehr ver⸗
füttert werden, da er geſundheitsſchädlich iſt.
Ausgebrauter Hopfen enthält:
Trockenſubſtanzzz z 14.0—30,0 im Mittel 25,0 %
Stickſtoffhaltige Subſtanz .. 3,2 — 5,0 „ „ 43%
Rohfett. 1,0 — 3,9 , „ 1.9%
Stickſtofffreie Extraktſubſtanz 6.2— 17,0 , „ 114%
Holzfaſeuruuuuu uw 3,7— 8, 4, „ 5,9%
Das Kühlen der Würze.
Die genügend gekochte Würze wird, wie erwähnt, auf
die Kühle gepumpt und muß raſch auf die Anſtelltemperatur
abgekühlt werden. Zn dieſem Zwecke wird die Würze auf
flachen Gefäßen, den ſog. Kühlſchiffen, ausgebreitet. Die
Kühlſchiffe ſind im Kühlhauſe, das ſich neben oder über dem
Sudhauſe befindet, aufgeſtellt. Es iſt nicht zweckmäßig, das
Kühlhaus in weiterer Entfernung vom Sudhaus anzubringen,
da dies manche Übelſtände zur Folge hätte. Das Kühlhaus fol
von allen Seiten der Luft ungehindert Zutritt geſtatten; die
Wandſeiten ſollen mit Jalouſien verſehen fein, die ſich nach
der Windrichtung beliebig verſtellen laſſen. Die Kühlſchiffe wer⸗
den aus Kupferblech, das innen aus ſanitären Rückſichten ver⸗
verzinnt werden muß, oder aus Eiſenblech verfertigt. Das
Kupfer hat dem Eiſen gegenüber gewiß viele Vorzüge, allein
222 Branprozeß: Kühlſchiff.
der Koſtenpunkt iſt auch bedeutend höher und daher findet man
meiſtenteils Kühlſchiffe aus Eiſen. Gegen das Roſten ſchützt
man die eiſernen Kühlſchiffe von außen durch einen geeigneten
Anſtrich. Ein Übelſtand der eiſernen Kühlſchiffe beſteht auch
darin, daß anſänglich bei Benützung neuer Kühlſchiffe, oder
wenn einige Zeit nicht gebraut wird, die Würzen ſich weſent⸗
lich dunkler färben. Iſt damit auch kein Nachteil für das
fertige Bier zu ſürchten, indem ſich dieſe dunklere Färbung bei
der Gärung wieder verliert, ſo kann dies in der Weiſe ver⸗
mieden werden, daß man einen Anſtrich von Eiſenlack an⸗
wendet oder man kann auch eiſerne Kühlſchiffe verzinnen.
Im übrigen iſt dieſer Übelſtand der eiſernen Kühlſchiffe nur
von kurzer Dauer. Nach einiger Zeit der Benützung fetzt ſich
an den Wandungen des Kühlſchiffes eine graue oder braune
Kruſte ein ſog. Bierſtein an, der fo feſt anhaftet, daß er
durch gewöhnliches Waſchen nicht entfernt werden kann.
Dieſer Bierſtein iſt ein natürlicher Schutz für das Eiſen und
verhindert, da die Würze nicht mehr direkt mit dem Eiſen in
Berührung kommt, das Nachfärben der Würze. Man hat
mit Erfolg für Erzeugung von Bierſtein in der Weiſe geſorgt,
daß man die Wandungen des Kühlſchiffes mit einem Abſud
von Galläpfeln beſtrich und eine eigens für dieſen Zweck be⸗
reitete Hopfenwürze darauf wirken ließ.
Die Würze ſoll auf der Kühle nicht lange liegen bleiben,
ſoll raſch abgekühlt werden. Zur Förderung der Abkühlung
und andererſeits um der Würze Gelegenheit zu geben, Sauer⸗
ſtoff aufzunehmen, wird die heiße Würze in vielen Brauereien
einige Zeit, ½ bis 1 Stunde, lang mit Krücken durchgerührt
oder es ſind mechaniſche Vorrichtungen angebracht, die die
mit Feuchtigkeit beladene Luft ab- und friſche Luft zuführen:
Windflügel, die über der Würze in ſtarke Rotation verſetzt
werden. Von dieſem ſog. Aufkühlen will man außer Beför⸗
derung der Verdunſtung und Abkühlung auch noch den Vor⸗
teil gefunden haben, daß die Berührung der heißen Würze
mit der Luft einen günſtigen Einfluß auf den Geſchmack und
die Haltbarkeit des Bieres ausübe und durch reichlichere Aus⸗
Brauprozeß: Kühlapparate. 223
ſcheidung von ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen der Glanz des
Bieres erhöht werde.
Die Würze ſoll auf dem Kühlſchiffe nicht einzig und allein
abgekühlt werden, es ſollen auch die in der Würze ſubſpen⸗
dierten Eiweißkörper und Hopfenteile, die im Hopfenſeiher
nicht zurückgehalten wurden, und jene Subſtanzen, die wäh⸗
rend der Abkühlung zur Ausſcheidung gelangen, ſich abſetzen.
Dieſe Körper bilden das ſog. Kühlgeläger (Trub).
Die Würze ſoll auf dem Kühlſchiff raſch auf die Anſtell⸗
temperatur abgekühlt werden. Bei höherer Lufttemperatur,
zumal bei Eintritt der wärmeren Jahreszeit, würde es zu
lange dauern, wollte man die Würze auf der Kühle ſtehen
laſſen, bis die gewünſchte Anſtelltemperatur erreicht iſt,
es wäre überhaupt nicht möglich. Dabei liegt die Gefahr
einer Infektion zu nahe und die Würze kann in einem ſo
veränderten Zuſtande in den Gärbottich gelangen, daß nor⸗
male Gärung nicht zu erwarten tft, die Biere hinſichtlich des
Geſchmackes und der Haltbarkeit ſehr zu wünſchen übrig laſſen.
Es iſt deshalb nicht genug zu empfehlen, mit Benutzung eines
Kühlapparates die Würze auf die erforderliche niedrige Tem⸗
peratur herunterzukühlen. Ein Kühlapparat ſoll in jeder
Brauerei vorhanden ſein.
Die Kühlapparate laſſen ſich einteilen in: N
1. Geſchloſſene Kühlapparate, Batteriekühler, bei denen
die Würze in Röhren fließt, die vom Kühlwaſſer um⸗
ſpült werden.
2. Offene Kühlapparate, Berieſelungskühler, bei denen
die Würze über Röhren oder gewellte Bleche fließt, wäh⸗
rend das Kühlwaſſer im Innern der Röhren zirkuliert.
Von einem guten Kühlapparat muß verlangt werden,
daß die Würze raſch auf die gewünſchte Temperatur abgekühlt
werden kann und hierbei nicht viel Eis notwendig iſt.
Die verſchiedenen Syſteme der offenen Kühlapparate
haben ſich in dieſer Beziehung am beſten bewährt und haben
auch die weiteſte Verbreitung gefunden. Die geſchloſſenen
Kühlapparate leiden an dem Fehler, daß die Würze zu wenig
224 Brauprozeß: Kühlapparate.
Gelegenheit hat, mit Luft in Berührung zu kommen und daß
ſie meiſt ſchwer zu reinigen ſind.
Der Kühlapparat wird am beſten in der Zeit benutzt, in
der die Würze eine Temperatur zwiſchen 40 bis 50 ° © zeigt.
Man kann da annehmen, daß die Würze, zumal bei Anwen⸗
dung des Aufkühlens, genügend gelüftet iſt, daß der Trub ſich
vollſtändig abgeſetzt hat und daß eine Infektion vermieden wird.
Auch das Ausſehen der Würze auf dem Kühlſchiffe gibt
dem beobachtenden Brauer Gelegenheit, ſich zu überzeugen,
ob der Maiſch⸗ und Sudprozeß günſtig verlaufen iſt und
ob eine normale Gärung zu erwarten iſt. Die Würze ſoll
ſich gut brechen und raſch klären. Noch während die Würze
zufließt, ſoll ſich das Geläger abſetzen und die Flüſſigkeit
dunkel erſcheinen. Nach Verlauf von etwa 8 bis 10 Minuten
wird in günſtigen Fällen das Geläger feſtſitzen und die
Würze ſchwarz auf der Kühle liegen. Wenn hingegen der
Spiegel braungrün, grau, lehmig, oder fuchſig, roſtig er⸗
ſcheint, ſo ſind das höchſt ungünſtige Erſcheinungen, zu
denen in erſter Linie wohl die Beſchaffenheit des Malzes,
andererſeits aber auch Manipulationsfehler im Maiſchprozeß
Veranlaſſung geben konnten.
Die Würze kommt vom Kühlſchiff entweder in einen ſog.
Sammelbottich, der meiſt geeicht iſt und es ſo ermöglicht, die
Menge der gewonnenen Würze genau abzumeſſen oder man
läßt ſie direkt in die Gärbottiche laufen (Kühllaufen).
Auf dem Kühlſchiff bleibt und ſoll das Geläger zurück⸗
bleiben. Es wäre fehlerhaft, wenn es mit der abfließenden
Würze mehr oder weniger mitgeriſſen würde. Dieſes Ge⸗
läger hält eine beträchtliche Menge Würze feſt, andererſeits
läuft auch die Würze nicht vollſtändig von der Kühle ab. Um
nun dieſen Teil der Würze zu gewinnen, kehrt man das Kühl⸗
geläger ab und bringt es in ſog. Filtrierbeutel, Trubſäcke aus
Leinen oder Flanell oder auch aus feinem Drahtgewebe. Die
ablaufende Würze (Trubſackwürze) verteilt man in die Gärbot⸗
tiche. Seit Jahren werden an Stelle der Trubſäcke Filter⸗
preſſen, Trubpreſſen, gebraucht, die ſich ſehr gut bewährt haben.
Brauprozeß: Abſchaffung des Kühlſchiffes. 225
Das Kühlgeläger iſt möglichſt bald, zumal zur wärmeren
Jahreszeit, zu entfernen, da es ſehr leicht Zerſetzung erleidet
und weiter zu Infektion Anlaß geben kann. Seine Zu⸗
ſammenſetzung macht es geeignet zur Verwendung als Futter⸗
mittel oder, da ja immerhin noch gärungsfähiger Extrakt zurück⸗
bleibt, kann es Branntweinmaiſchen zugeſetzt werden. Bei
letzterer Art der Benützung können dann die für den Fütte⸗
rungswert in Betracht kommenden Beſtandteile in der
Schlempe wieder verwendet werden. Die Menge des Kühl⸗
gelägers iſt und muß verſchieden ſein und hängt ab von dem
verwendeten Malze, von der Hopfenmenge, hauptſächlich aber
von dem Maiſchverfahren. Weniger Trub wird ſich ergeben bei
dem Dickmaiſchverfahren, da ja beim Kochen der einzelnen
Maiſchen ein großer Teil der leicht gerinnbaren Eiweißkörper
ausgeſchieden wird, die in den Trebern zurückbleiben.
Nach Lermer enthalten 100 Teile Geläger 14 Teile
Trockenſubſtanz.
100 Teile des trockenen Gelägers ſetzen ſich zuſammen aus:
Den. 20.76 | 88,25 in Mate
andere Beltandteile....... 1,15 löslichen,
vom Hopſen herſtammende Harze 16,62
Protein körper 34,63 8 1 ar
Zellulo ſ 222.. 6,30 [un ichen Sub⸗
Me 4.20 ſtanzen.
Abſchaffung des Kühlſchiffes. Die Würze wird
durch das Kochen mit Hopfen ſteriliſiert und gelangt keim⸗
frei auf das Kühlſchiff. Es iſt nicht daran zu zweifeln, daß
auf der Kühle eine Infektion der Würze ſtattfinden kann, die
Anlaß zu anormalen Gärungen und fehlerhaften Eigenſchaften
der Biere geben könnte. Aus dieſem Grund iſt die Agitation
gegen die Verwendung der Kühlſchiffe und deren Erſatz
durch Kühlapparate erklärlich. Schon Paſteur hat emp⸗
fohlen, die Würzen, um jegliche Infektion zu vermeiden,
zunächſt mit keimfreier Luft in Berührung zu bringen und
Bierbrauerei. 15
226 Brauprozeß: Abſchaffung des Kühlſchiffes.
hierauf unter Benützung eines geſchloſſenen Kühlapparates
abzukühlen. Dieſer Anregung Paſteurs wurde wenig Be⸗
achtung geſchenkt, allein die Unterſuchungen und die Ein⸗
führung reingezüchteter Hefe in der Brauerei durch Hanſen
mußten wiederum auf den Gedanken zur Abſchaffung des
Kühlſchiffes führen. Die Vorteile der Verwendung rein⸗
gezüchteter Hefe würden ja nur minimal ſein, wenn die
Würze auf der Kühle durch Aufnahme von Organismen Ver⸗
änderungen erleidet, die zu mißliebigen Erſcheinungen bei
der Gärung und im fertigen Biere beitragen ſollten. Es
wurden eine Reihe von Vorſchlägen gemacht und verſchiedene
Apparate als Erſatz für das Kühlſchiff konſtruiert, von denen
mit mehr oder weniger Erfolg in der Praxis Anwendung
gemacht wurde. Von einer eingehenden Beſprechung ſolcher
Apparate muß wohl hier abgeſehen werden, es dürfte ge⸗
nügen, einige aufzuzählen: Kühlbottich von Ergang, Kühl⸗
anlage von Hoffmann und Ebert, Zentrifuge von Axel
Bergh, Kühlbottich von Eckert, Kühlanlage von Stein⸗
ecker uſw. Neuere Apparate und Kühlverfahren ſind die von
Lengering in Dortmund, ferner die Würze⸗, Steriliſier⸗ und
Kühlanlage der Maſchinenfabrik Germania in Chemnitz. Bei
erſterem Verfahren ſind die auf dem Kühlſchiff ſich abſpielenden
Vorgänge am vollkommenſten nachgeahmt. Die Erfahrungen,
die man damit gemacht hat, lauten durchweg günſtig und es
hat ſich darum auch vielfach in Brauereien Eingang verſchafft.
Seit Jahren iſt dieſe Agitation gegen das Kühlſchiff
mehr zur Ruhe gekommen, ſei es, daß die Reſultate, die
man bei Benützung genannter Kühlvorrichtung erzielte, nicht
befriedigten, ſei es, daß durch vielfache Unterſuchungen feſt⸗
geſtellt wurde, die Infektion der Würze auf dem Kühlſchiffe
und die Folgen dieſer Infektion ſeien im allgemeinen nicht ſo
gefährlich, als man annehmen zu müſſen glaubte.
Kleinere Brauereien ſind aus finanziellen Rückſichten auf
den Gebrauch von Kühlſchiffen angewieſen, doch auch in
Großbetrieben findet man ſie noch ſehr häufig.
Iſt der Brauer darauf bedacht, daß nur gute Roh⸗
Brauprozeß: Ermittelung der Extraktausbeute des Malzes. 227
materialien zur Verwendung kommen, daß keine Fehler im
Maiſch⸗ und Sudprozeſſe gemacht werden, daß große Rein⸗
lichkeit im Betriebe herrſcht, werden gut angelegte Kühlſchiffe
in zweckentſprechender Weiſe benützt, dann werden die Ge⸗
fahren der Kühlſchiffe vollſtändig vermieden oder doch auf ein
Minimum reduziert, ſo daß kein nachteiliger Einfluß auf das
Bier zu befürchten iſt. Eine weit größere Gefahr für Infektion
und Verunreinigung der Würze liegt auf dem Wege vom
Kühlſchiff zum Gärkeller, wenn dieſe die mehr oder weniger
langen Leitungen mit ihren Biegungen und Unebenheiten,
an welchen ſich Infektionsherde vorfinden können, und die
Kühlapparate paſſiert. Hier muß vor allem von Zeit zu Zeit
eine gründliche Reinigung vorgenommen werden.
Ermittelung der Extraktausbeute des. Malzes.
Von einem guten, rationellen Betriebe wird nur dann die
Rede ſein können, wenn der Brauer ſich angelegen ſein läßt,
alles aufzubieten, das Malz möglichſt vollſtändig auszunützen.
Eine Berechnung der Ausbeute muß als ſehr wichtige Auf⸗
gabe angeſehen werden.
Die theoretiſche Ausbeute, d. h. die abſolute Menge an
Extrakt, die 100 Gewichtsteile eines Malzes liefern können,
findet man durch eine Unterſuchung des betreffenden Malzes
im kleinen, durch einen Laboratoriumsverſuch.
Bekanntlich ergibt ſich zwiſchen der Ausbeute im Labo⸗
ratorium und der Ausbeute in der Praxis ein Unterſchied.
Je größer dieſer Unterſchied iſt, deſto unrationeller wird
gearbeitet. Jeder Brauer muß dahin trachten, die theo⸗
retiſche Ausbeute des Malzes in der Praxis möglichſt zu
erreichen. Das wird dann geſchehen, wenn er die Ausbeute
der Praxis jederzeit kontrolliert, die nötigen Berechnungen
darüber anſtellt und, falls er den Unterſchied zwiſchen
theoretiſcher Ausbeute und Ausbeute in der Praxis zu
hoch findet, alle Punkte berückſichtigt, die eine Erhöhung der
Ausbeute ermöglichen. Es iſt bei den einzelnen Operationen,
Schroten des Malzes, Verteilung des Guſſes, Maiſchver⸗
fahren und Auslaugen der Treber, darauf hingewieſen worden.
15*
228 Brauprozeß: Ermittelung der Extraktausbeute des Malzes.
Um die Ausbeute in der Praxis berechnen zu können, iſt
notwendig, daß man die Größe der Schüttung, die Menge der
gewonnenen Würze und deren Saccharometeranzeige weiß.
Vor allem kommt es darauf an, die Menge der ſog.
Anſtellwürze genau zu ermitteln. Zu dieſem Zwecke kommt in
vielen Brauereien die Würze vom Kühlſchiffe oder Kühl⸗
apparate zunächſt in einen geeichten Sammelbottich, fo daß
die Menge der Würze genau beſtimmt werden kann. In
manchen Brauereien wird die Würzemenge in den Gär⸗
bottichen ermittelt, was weniger genaue Reſultate erzielen läßt.
Nachſtehendes Beiſpiel möge dazu dienen, wie die Ausbeute⸗
berechnung in der Praxis auf Grund der vorausgehenden Be⸗
merkungen zu geſchehen hat, vorausgeſetzt, daß man kalte
Würze hat.
Malzſchüttung .. 50 Ztr.
Anſtellwürze 120 hl
Saccharometeranzeige 14,2 % B.
Wie hoch iſt die Extraktausbeute, d. h. wieviel Extrakt
wurde von 100 Gewichtsteilen Malz erzielt?
Eine Würze mit einer Saccharometeranzeige von
14,2 % B. hat nach der Tabelle Balling ein ſpezi⸗
fiſches Gewicht von 1,0580 g. Ein Liter dieſer Würze
wiegt ſomit 1,0580 4 1000 = 1,058 kg. Die Anſtell⸗
würze 120 hl = 12 000 l wiegen daher 12000 * 1,058 kg
—= 12696 kg. Die Saccharometeranzeige war 14,2%, mit⸗
hin find in 100 kg Würze 14,2 kg Extrakt und in 12 696 kg
12696 > 14,2 |
= = 1802,832 kg Extrakt. Dieſe Extrakt⸗
menge wurde geliefert von 50 Ztr. 2500 kg Malz; 100 kg
Malz geben daher an Extrakt — 2500 — 72,1 Extrakt.
Die Ausbeute des Malzes iſt ſomit 72,1 %.
Die Extraktausbeute des Malzes findet man, wenn man
die Saccharometeranzeige der Anſtellwürze (im angeſührten
Zahlenbeiſpiele 14,2) mit dem dieſer Anzeige entſprechenden
ſpezifiſchen Gewichte (1,0580) multipliziert, das erhaltene
Brauprozeß: Ermittelung der Extraktausbeute des Malzes. 229
Produkt weiter noch mit der Litermenge der Würze
(12000) multipliziert und die erhaltene Zahl durch die Anzahl
Kilogramme der Schüttung (50 Ztr. = 2500 kg) dividiert:
14,2 A 1,0580 12000 2.1.
2500 ei
Bezeichnet man
die Saccharometeranzeige mit S,
das ſpezifiſche Gewicht der Würze mit D,
die Litermenge der Würze mit L,
die Kilogramme der Schüttung mit M,
ſo lautet die Formel für die Berechnung der Extraktausbeute:
1 S DPL
== M
Anſtatt die Würze im Sammel- oder Gärbottich zum
Zwecke der Ausbeuteberechnung zu meſſen, wird in vielen
Brauereien die Menge der kochendheißen Würze in der
Pfanne unmittelbar vor dem Ausſchlagen ermittelt und in
einem genügenden, raſch abgekühlten und filtrierten Quantum
die Saccharometeranzeige erhoben, Sudhaus⸗Pfannenaus⸗
beute. Die Ausbeuteberechnung nach der Menge der Aus⸗
ſchlagwürze kann ſelbſtverſtändlich kein genaues Reſultat liefern,
immerhin aber dient ſie zur Kontrolle der Arbeit im Sudhauſe
und die erhaltenen Zahlen untereinander verglichen geben
darüber Aufſchluß, ob das Malz ſtets in gleichmäßig günſtiger
Weiſe extrahiert wurde. Um ein möglichſt annähernd überein⸗
ſtimmendes Reſultat mit der oben angegebenen Art der Aus⸗
beuteberechnung zu erhalten, wird von der Menge der heiß⸗
gemeſſenen Würze ½0 in Abzug gebracht, 100 kochend heiße
Würze gegeben 100 — 20 — 951 Würze von 17,5 C.
Weiter iſt der Hopfen und das Kühlgeläger zu berückſichtigen,
und man hat vorgeſchlagen, Js der Liter oder / der Kilo⸗
gramme der Schüttung als Liter von der bereits auf die
Normaltemperatur (17.5 C) berechneten Geſamtwürze ab⸗
zuziehen. Der Abzug für Hopfen und Geläger bei dieſer Art
der Ausbeuteberechnung muß verſchieden ſein, je nach der
230 Brauprozeß: Tabellen zur Berechnung der Malzausbeute.
Hopfengabe uſw. Es dürfte jedenſalls wünſchenswert ſein,
dieſe Faktoren für den einzelnen Betrieb feſtzuſtellen.
Beiſpiel
Schüttung. 50 ftr. 2500 kg
Menge der heißen Würze in
der Pfanne 130 hl = 130001
Saccharometeran zeige = 13,6% B.
13 000 Liter kochendheiße Würze geben 13000 — 0
= 12 350 J mit 17.5 C. Davon für Hopfen und Geläger
noch ab: 25 000 A1 — 3331
| bleibt Würze 12017 1
Unter Anwendung der oben angeführten Formel
S><D><L 13.6 x 1,0555 x 12.017
M — 2500
ergibt ſich eine Ausbeute von 69%.
Jeder Brauer, der ſich um die Rentabilität ſeines Be⸗
triebes kümmert und rechnen will, möge ſich Holzners
Tabellen zur Berechnung der Malzausbeute und
zur Bieranalyſe, München, Oldenbourg, verſchaffen.
Hingewieſen ſei auch auf Engerte, Praktiſcher Sudhaus⸗Aus⸗
beute⸗Berechner; Extrakt⸗Ausbeute⸗Berechner von Feldner;
Tabellen zum direkten Ableſen der Sudhausausbeute von
Bauer, von Jakob u.a.
Zwiſchen der theoretiſchen Ausbeute und der Ausbeute in
der Praxis ergibt ſich, wie bereits angegeben, ein Unterſchied.
Dieſer Unterſchied iſt zurückzuführen auf die weniger voll⸗
ſtändige Ausnützung des Malzes in der Praxis und auf die
nicht ganz zu vermeidenden Verluſte im Sudhauſe und auf
dem Kühlſchiffe. In einer einigermaßen gut eingerichteten
Brauerei, in der auch gut und gewiſſenhaft gearbeitet wird,
iſt man imſtande, die theoretiſche Ausbeute des lufttrockenen
Malzes bis auf 3% zu erreichen. Allein es kommt vor, daß
in mancher Brauerei dieſer Unterſchied fünf und mehr Prozent
beträgt, daß z. B. von einem Malze, das bei einem Labora⸗
Brauprozeß: Ermittelung der Extraktausbeute des Malzes. 231
toriumsverſuche 72 Ausbeute ergab, auf lufttrockenes Malz
berechnet, in der Praxis nur 66 %% Ausbeute geliefert werden.
Welch bedeutenden Verluſt dies für den Betrieb ausmacht,
ſei an einem Zahlenbeifpiel erläutert.
Die Ausbeute eines Malzes in der Praxis ſei 66%,
wobei 13% Würze gewonnen wurde.
100 kg Würze enthalten 13 kg Extrakt.
66 kg Extrakt, erhalten aus 100 kg Malz, entſprechen
mithin ST 507,7 kg = 100% — 482,11 Würze
1.0530 g t das ſpezifiſche Gewicht einer 13 prozentigen
Würze. Wird nun die Ausbeute um 3% erhöht, jo liefern
100 kg lufttrockene Malze 69 %. 9710 die Würze
die gleiche Saccharometerangabe von 13 % B., jo werden
998100 530,7 kg = 1 504 1 von demſelben
13 1,053
Extraktgehalt gewonnen.
Von 100 kg Malz werden 504 — 482,1 = 22,91 mehr
Würze erzielt oder pro Zentner 11,5 J. Dieſe 11,5 1
Würze liefern, 7,5 %% Verluſte im Gär⸗ und Lagerkeller in
Abzug gebracht, 10,64 1 verkäufliches Bier. Sit der Malz⸗
verbrauch einer Brauerei 10 000 Zentner, jo würde mit-
hin bei Erhöhung der Extraktausbeute von 66 auf 69 %
10,641 10 000 = 1064 hl mehr Bier erzeugt werden.
Für den Hektoliter Bier 16 M. in Anſatz gebracht, gibt einen
Mehrgewinn von 1064416 = 17024 M.
Kann der Gewinn der Erhöhung der Ausbeute nicht immer
in der Weiſe zur Geltung kommen, daß eine größere Menge
Bier zum Ausſtoß gelangt (es können ſich ja für den Abſatz
des Bieres Schwierigkeiten ergeben), ſo wird ſich der Nutzen
in der Erſparung von Malz zeigen. Um die gleiche Menge
von Würze mit derſelben Saccharometeranzeige zu erhalten
und ſomit das gleiche Quantum Bier zum Ausſtoß zu bringen,
wird weniger Malz zu verwenden nötig ſein.
100 Gewichtsteile Malz geben in dem einen Falle 66 Ge⸗
wichtsteile Extrakt, bei Verbeſſerung der Ausbeute 69 Ge⸗
232 Brauprozeß: Berechnung der Schüttung.
wichtsteile, mithin wird man das gleiche Reſultat betreffs
Würze uſw. in letzterem Falle erhalten durch — . — = 95,65
Gewichtsteile Malz.
Werden nun bei 100 Gewichtsteilen Malz 100 — 95.65
— 4,35 Gewichtsteile erſpart, z. B. bei 100 Ztr 4.35 Ztr.,
ſo ergibt ſich, wenn wir den Malzverbrauch des vorigen Bei⸗
ſpieles von 10 000 Ztr. beibehalten, eine Malzerſparung von
435 Ztr. Iſt die Schüttung 50 Ztr., ſo dürfen neun Sude
weniger gemacht werden und es wird die gleiche Menge Bier
gewonnen, wie bei der Ausbeute von 66 %.
Rechnet man nun den Wert von 435 Ztr. Malz, berück⸗
ſichtigt man die Betriebskoſten ſür neun Sude und etwa die
Steuer, ſo läßt ſich der Mehrgewinn der Erhöhung der Aus⸗
beute von 66 auf 69%, jomit um 3 %, ſehr einfach ermitteln.
Wenn die Ausbeute eines Malzes im Sudhauſe bekannt
iſt, ſo laſſen ſich unter Anwendung der Formel für die Be⸗
rechnung der Extraktausbeute A = 8 die not⸗
wendige Malzmenge (Schüttung) für ein beſtimmtes Volumen
Würze von beſtimmter Saccharometeranzeige oder das Würze⸗
quantum mit einer beſtimmten Saccharometerangabe aus einer
beſtimmten Malzmenge oder die Saccharometeranzeige der
Anſtellwürze von einem beſtimmten Würzevolumen aus einer
beſtimmten Malzmenge berechnen.
Berechnung der Schüttung.
Die Ausbeute eines Malzes im Sudhauſe iſt mit 69,5%
gefunden worden. Mit dieſem Malze ſollen 70 hl (7000 J)
Würze von 13.8 %% B. erzeugt werden. Wieviel Kilogramm,
bzw. Zentner Malz ſind nun zu vermaiſchen?
1. SDL
Ser
„„ 69 N — 1468 kg = 29,36 ftr.
1,0564 iſt das ſpezifiſche Gewicht einer Würze von 13,8% B.
Brauprozeß: Berechnung d. Würzemenge u. Saccharometeran zeige. 233
Berechnung der Würzemenge.
1500 kg (30 Ztr.) Malz mit einer Sudhausausbeute
von 69,5% ſollen eingemaiſcht werden und Würze mit
13,8 %% B. erhalten werden. Wieviel Liter bzw. Hektoliter
Würze werden gewonnen?
De Acc kg
S8 D
659,5 C500
13,8 1,0564
—= 71501 == 71,50 hl.
Berechnung der Saccharometeranzeige.
Von 1500 kg (30 Ztr.) Malz mit einer Ausbeute von
69,5 %% ſollen 7000 1 = 70 hl Würze erzeugt werden.
Welche Saccharometeranzeige wird die Würze haben?
100 kg Malz geben 69,5 kg Extrakt, 1500 kg geben x.
1500 469,5
n 1042,50.
100 1042,50
7000 1 enthalten 1042,50 kg Extrakt, 1001 = x.
_ 1042,50%x100 15 Kk
7000 8
100 cem Würze enthalten mithin 15 g. Eine Würze,
die in 100 cem 15 g Extrakt enthält, hat ein ſpezifiſches
Gewicht von 1,061.
Arckg
LN
69,5 K 1500
S— — 214% B
1000 1, 061 14%
Verwendung von Malzſurrogaten zur
Biererzeugung.
In manchen Bier produzierenden Ländern wird ein Teil
des Malzes durch ſog. Malzſurrogate erſetzt. Hauptſächlich
werden Zucker oder ungemälztes Getreide verwendet. Was
234 Brauprozeß: Verwendung von Malzſurrogaten zur Biererzeugung.
die verſchiedenen Zuckerarten, die hier in Betracht kommen,
Rohrzucker, Invertzucker, Dextroſe, betrifft, ſo ſprechen für
deren Verwendung nicht etwa nur Billigkeitsgründe, denn
der Zucker kommt teurer zu ſtehen als das Malzquantum,
das dadurch erſpart werden ſoll. Man rühmt den Zucker⸗
bieren nach, daß ſie einen beſſeren, ſüßeren Geſchmack haben,
daß ſie ſich leichter klären und haltbarer ſind als die reinen
Malzbiere. Nur von jenen Zuckerarten dürfte dies Geltung
haben, die eigens für Verwendung zur Bierfabrikation her⸗
geſtellt werden. Der Zucker wird entweder der Maiſche oder
der Würze im Hopfenkeſſel zugeſetzt. Es kommt auch vor, daß
Zucker dem Biere im Lagerfaß zugegeben wird; es geſchieht
dies, um eine lebhaftere Nachgärung hervorzurufen, ein
ſchnelleres Klären der Biere zu erzielen, die Biere früher
zum Ausſtoß reif zu erhalten. In dieſem Falle kann man
den Zucker nicht als Malzſurrogat bezeichnen.
Am meiſten Intereſſe als Braumaterialien haben Reis
und Mais, von denen ſehr große Quantitäten heutzutage zur
Bierfabrikation verwendet werden. Es iſt wohl richtig, daß
die Billigkeit der Produktion in erſter Linie für die Benutzung
dieſer Körnerfrüchte ſpricht. Die Mälzungskoſten kommen in
Wegfall, ſie ſind ſtärkemehlreicher und ſtellen ſich im Preiſe
niedriger als Gerſte bzw. Malz. Allein die Verwendung von
Reis und Mais hat auch ihre Schwierigkeiten und das Re⸗
ſultat iſt nicht immer zufriedenſtellend. Die Fabrikation bei
Anwendung von Reis und Mais iſt immer erſchwert.
Die Stärkekörner ſind in den Geweben feſt eingelagert, das
Innere der Körner wird nicht ſo vom Waſſer durchdrungen,
die Verkleiſterung der Stärke tritt erſt bei höherer Temperatur
ein, fie iſt widerſtandsfähiger gegen die Diaſtaſe. Bei Malz⸗
ſtärke tritt viel raſcher Verzuckerung ein als bei Reis⸗ und
Maisſtärke. Auf all dies muß bei der Verwendung dieſer
Surrogate Rückſicht genommen werden, denn ſonſt iſt von
einer möglichſt vollſtändigen Gewinnung der Stärke keine
Rede, wie auch nicht von einem günſtigen Abbau der Stärke
zu Dextrin und Zucker. Weiter iſt noch zu erwähnen, daß
Brauprozeß: Verwendung von Malzſurrogaten zur Blererzeugung. 235
die Hefe in ſolchen Würzen ſich nicht gut erhält, ſehr leicht
entartet.
Ein weiterer Vorteil, der für die Verwendung von Reis
und Mais ſpricht, iſt die größere Haltbarkeit der Biere. Man
nimmt an, daß der Grund hierfür darin gelegen ſei, daß von
Reis und Mais, die ohnehin ärmer an ſtickſtoffhaltigen Sub⸗
ſtanzen als Gerſtenmalz ſind, beim Maiſchprozeß weniger von
dieſen Körpern in die Würze übergehen. Eine Verminderung
des Stickſtoffgehaltes der Würze ſoll eine größere Haltbarkeit
des Bieres bedingen.
Reis und Mais werden in feingemahlenem Zuſtande ver⸗
wendet, mehr als 20 bis 30 Prozent vom Malze ſollen nicht
genommen werden. Auf etwa 7 Teile Gerſtenmalz 1 Teil-
Reis iſt vollkommen unbedenklich.
Die erſten Verſuche, die mit Mais gemacht wurden, haben
kein befriedigendes Reſultat geliefert, der Geſchmack des
Bieres ließ viel zu wünſchen übrig. Die Urſache wurde in
dem großen Fettgehalte des Maiskornes gefunden. Dieſes
Fett, Ol, iſt in dem Keim angehäuft. Durch Schälen und
Entkeimen wurde der Fettgehalt auf ein Minimum reduziert
und derartige Produkte kommen nun in den Handel und
finden in der Brauerei Verwendung. Man hat auch verſucht,
Maismalz herzuſtellen, doch war man mit dieſen Reſultaten
nicht zufrieden. Es iſt ſehr ſchwierig, ein gut aufgelöſtes,
fehlerfreies Maismalz zu bereiten. Der Mais braucht zur
richtigen Anflöſung beim Keimen ziemlich lange Zeit und eine
höhere Temperatur als Gerſte und wird infolgedeſſen leicht
ſchimmelig.
Zuſammenſtellung von Gerſtenmalz mit den wichtigeren
Malzſurrogaten. |
100 Gewichtsteile Gerſtenmalz geben 65 Gewichtsteile Extrakt
I ” Rohrzucker L 1 0 0 77 "
5 5 Traubenzucker, 80 m .
71 ” Reis 77 80 [22 "
75 L Mais 1 80 10 71
236 Brauprozeß: Verwendung von Malzſurrogaten zur Blererzeugung.
Mithin ſind gleichwertig:
100 Gewichtsteile Gerſtenmalz mit 65 Gewichtstelen Rohrzucker
a 5 5 „ 80 5 Traubenzucker
n ” ” 77 80 77 Reis
77 17 ” 77 80 77 Mais
Was die Art der Verwendung von Reis und Mais an⸗
langt, jo gibt Windiſch einige erprobte Maiſchverſahren, wie
ſolche auch in hieſiger Verſuchsbrauerei gute Reſultate lieferten.
1. Der mit Waſſer gut durchgemaiſchte Braureis wird
in der Pfanne zur beſſeren Verflüſſigung mit etwas Malz⸗
ſchrot langſam erwärmt, ſchließlich zum Kochen erhitzt und
verkleiſtert. Der hierbei erhaltene wäſſerige Stärkekleiſter
dient als Zubrühflüſſigkeit, mit der die Malzmaiſche im
Bottich auf 35° C aufgebrüht wird. Alles Weitere geſchieht
wie beim gewöhnlichen Dickmaiſchverfahren.
2. Bei Verwendung von geringen Quantitäten Reis wird
dieſer zur erſten Dickmaiſche bei 70 bis 75° C geftreut und
dafür geſorgt, daß die Klumpenbildung vermieden wird. Die
Maiſche wird bei dieſer Temperatur 1/, Stunde gehalten und
dann zum Kochen erhitzt. Ein Teil von Reis kann bei gleicher
Behandlung zur zweiten Dickmaiſche zugegeben werden.
3. Das Reismehl wird in einem beſonderen Gefäß in
kochendheißes Waſſer eingemaiſcht und, wenn möglich, der
entſtandene dünne Kleiſter auch gekocht. Die Kleiſtermaſſe
gibt man der erſten, eventuell auch der zweiten Dickmaiſche zu
und hält die Geſamtmaiſche bei einer Temperatur von 60 bis
65 C etwa ½ Stunde. Hernach verfährt man wie gewöhnlich.
Die Reisbiere klären ſich raſch und zeichnen ſich durch einen
beſonders angenehmen Geſchmack aus.
Die Maiswürzen vergären im allgemeinen langſamer als
die Malzwürzen, die Biere brauchen mehr Zeit, bis ſie voll⸗
ſtändig klar, glänzend werden.
Für helle Biere dürfte ſich die Verwendung von Reis und
Mais beſonders empfehlen, denn dieſe Würzen ſind außer⸗
ordentlich blaß.
Brauprozeß: Dampfbrauerei. 237
Für ſog. Lokalbiere werden in manchen Brauereien,
wo überhaupt die Verwendung von Malzſurrogaten geſtattet
iſt, auch Gerſte, Weizen, Roggen, Hafer benützt. Das Ver⸗
maiſchen ſolcher Körnerfrüchte iſt mit großen Schwierigkeiten
verbunden und hat deshalb mit großer Vorſicht zu geſchehen.
Sie müſſen, um die Stärke für den diaſtatiſchen Prozeß mög⸗
lichſt zugänglich zu machen, ſehr fein geſchroten werden, denn
ſonſt iſt die Verzuckerung ungünſtig. Wird nun ſehr fein
geſchroten, ſo kann beim Abläutern infolge feſten Zuſammen⸗
ſetzens der Treber Störung eintreten.
Dampfbrauerei.
Mehr und mehr findet in den letzten Jahren in den
Brauereien der Dampf auch zum Erwärmen und Kochen
von Maiſchen und Würzen Verwendung. Viele größere Braue⸗
reien ſind entſtanden oder neu eingerichtet worden, in der
Dampfheizung anſtatt direkte Feuerung eingeführt wurde.
Die Bedenken, die man gegen die Dampfkochung von Anfang
hatte, verſchwinden auf Grund eingehender Unterſuchungen
immer mehr und müſſen verſchwinden, dagegen gelangt man
zu der Überzeugung, daß die Vorteile, die dem Brauer aus
der Dampfkochung gegenüber der direkten Feuerung
erwachſen können, ganz bedeutende ſind.
Ein weſentliches Bedenken gegen die Dampfkochung beſtand
darin, daß man der Anſicht war, der Geſchmack dieſer Biere
ſei verändert, deren Vollmundigkeit und Haltbarkeit geringer.
In der wiſſenſchaftlichen Station für Brauerei in München
wurden Würzen unterſucht, erzeugt durch Kochen mit Dampf
und andererſeits mit direktem Feuer; eine Differenz in der
Menge der Würzebeſtandteile wurde nicht gefunden. In der
Verſuchs⸗ und Lehranſtalt für Brauerei in Berlin wurden
gleichfalls Verſuche ausgeführt und die gleichen Materialien
in gleicher Weiſe einmal mit Anwendung der durch direkte
Feuerung geheizten Maiſch⸗ und Würzepfanne, das andere
Mal mit Benützung des von Peſt in Berlin gefertigten Dampf⸗
238 Brauprozeß: Dampfbrauerei.
kochapparates verbraut. Das Reſultat war, daß ein wefent⸗
licher Unterſchied im Geſchmack und den übrigen Eigenſchaften
der Biere nicht konſtatiert werden konnte. Schwackhöfer,
Vorſtand der öſterreichiſchen Verſuchsſtation und der Wiener
Akademie für Brauinduſtrie, widerlegt durch Verſuche das
unbegründete Vorurteil, daß die Temperatur des Dampfes
nicht imſtande ſei, wie die direkte Feuerung, ein Überhitzen
des Pfannenbodens und ein dadurch bedingtes ſog. naſſes
Röſten der Dickmaiſche herbeizuführen und infolgedeſſen der
Geſchmack und die Vollmundigkeit der Biere geſchädigt
werden. Er fand die Temperatur des Pfannenbodens unmittel⸗
bar über dem Feuerherd bei zwei Verſuchen zwiſchen 119 bis
125 C, bei einem Verſuch zwiſchen 125 und 130° C. Im
übrigen Teil der Pfanne ergab fie ſich im Mittel zu 115 C.
Ein Überhitzen des Keſſelbodens und ein dadurch veran⸗
laßtes naſſes Röſten der Dickmaiſche darf bei regelrechtem Be⸗
triebe gar nicht eintreten, und wenn es vorkommt, ſo iſt es
immer ein grober Fehler.
Man kann, wenn das Malz die entſprechende Beſchaffen⸗
heit beſitzt, durch die Dampfkochung Biere von beliebigem Cha⸗
rakter herſtellen; die Biere, ob ſie mit Dampf oder direktem
Feuer erzeugt werden, zeigen nicht den mindeſten Unterſchied
in dem Geſchmack oder in den ſonſtigen Eigenſchaften, zumal
wenn alle jene Punkte Beachtung finden, auf welche Bleiſch
auf Grund von Verſuchen aufmerkſam macht (3eitſchr. f. d.
geſ. Brauweſen 1908, Nr. 29).
Anderungen im Biercharakter dürften eventuell darauf zu⸗
rückzuführen fein, daß bei Dampfkochung und dicken Maiſchen
das Rührwerk nicht in entſprechender, genügender Weiſe wirkt,
beſonders bei hohem Dampfdruck und kleiner Heizfläche. Auch
durch fehlerhafte Ausführung bei der Dampfpfanne bezüglich
Form und Größe der Heizfläche kann der Brauprozeß in
ganz anderer Weiſe verlaufen als bei der Feuerpfanne.
Durch unrichtige Bemeſſung der Heizfläche ändern ſich
die Zeiten zum Anwärmen der Maiſchen und zum Kochen der
Würzen. f
Brauprozeß: Dampfbrauerei. 239
Durch die Form der Dampfpfanne iſt gewöhnlich die
Oberfläche der kochenden Maiſche und Würze im Verhältnis
zum Inhalt viel kleiner als bei flachen Feuerpfannen, wodurch
die wichtige Einwirkung der Luft beeinflußt wird. |
Warum die eriten Verſuche der Dampfkochung, die ſchon
vor mehr als 60 Jahren gemacht wurden, zu keinem zufrieden⸗
ſtellenden Reſultate, gerade was Geſchmack uſw. betrifft, geführt
haben, dürfte darin ſeinen Grund haben, daß das Kochen der
Maiſchen und Würzen entweder mit direktem Dampfe oder
in dicht geſchloſſenen Gefäßen unter größerem Druck vor⸗
genommen wurde.
Die Einführung von direktem Dampf in die Maiſche, ob⸗
wohl dies am ökonomiſchſten wäre, iſt nicht empfehlenswert.
Es gibt aber heutzutage noch einzelne Brauereien, in denen
dieſes Verfahren ſeit Jahren im Gebrauche iſt und die Reſul⸗
tate nie zu Klagen Anlaß gaben. Immerhin liegt aber bei
einer derartigen Verwendung des Dampfes die Gefahr ſehr
nahe, daß Maiſche und Würze, wie bereits bei Benützung
von direktem Dampfe zur Erwärmung des Anſchwänzwaſſers
erwähnt wurde, nachteilig beeinflußt werden. Es iſt in dieſem
Falle abſolut reiner Dampf notwendig. Dieſen aber benützen
zu können, dazu iſt äußerſte Vorſicht geboten und ſind die
verſchiedenſten Schwierigkeiten zu überwinden. Bei einer
raſcheren Dampfentnahme kann es vorkommen, daß geringere
oder größere Mengen von Keſſelwaſſer mitgeführt werden, die
nach der Menge und der Beſchaffenheit der gelöſten Subſtanzen
einen geringeren oder größeren ſchädlichen Einfluß auf die
Maiſche ausüben; auch ölhaltig kann der Dampf ſein. Ein
Verbrühen von Maiſchteilen iſt ſehr leicht möglich. Auf die
Verdünnung der Maiſche durch die Kondenſation des Dampfes
iſt beſonders Rückſicht zu nehmen.
Von der Dampfkochung unter höherem Druck iſt man bereits
ſeit Jahren abgekommen, da man die Erfahrung gemacht hat, daß
der Geſchmack der Biere dabei leidet und ein eigentümlicher Fuſel⸗
geruch auftritt. Beim Kochen unter Druck reſultiert eine an
Tampfbraueret.
Brauprozeß
240
N
Abb. 43. Doppel⸗Dampfſudwerke.
Ausgeführt von J. Goeggl & Sohn, München.
Brauprozeß: Dampfbrauerei. 241
Dextroſe reichere Würze, und auch die Farbe der Würze wird
ſtark beeinflußt.
Bei den neueren Sudhausanlagen für Dampfkochung wird
ausschließlich von dem Dampfe in der Weiſe Anwendung ge⸗
macht, daß die Maiſch⸗ und Würzepfanne mit einem doppelten
Boden, zum Teil auch mit doppelten Wänden oder mit einem
feſtſtehenden Heizröhrenſyſtem oder mit rotierenden Heizappa⸗
raten verſehen wird und in dem Zwiſchenraum des Doppelbodens
oder den Heizröhren der Dampf zirkuliert. Durch ein Ventil,
das ſich in dem Dampfrohre vor dem Keſſel befindet, kann die
Dampfeinſtrömung und dadurch das Kochen der Maiſche und
Würze höchſt einfach reguliert werden (indirekte Verwendung
des Dampfes).
Als beſondere Vorzüge der Dampfkochung werden ange⸗
geben und finden ſich durch Verſuche und in der Praxis be⸗
ſtätigt:
Die vorerſt erwähnte einfache Temperaturregulierung.
Durch einen Handgriff am Dampfventil kann das Kochen
unterbrochen, aber andererſeits auch faſt momentan wieder
bewirkt werden.
Das Anbrennen der Maiſche wie auch das Durchbrennen
des Pfannenbodens kommt dadurch in Wegfall, freilich iſt in
letzterer Beziehung darauf zu achten, daß die Spannkraft des
Dampfes nicht zu groß iſt, wodurch das Dampfrohr
oder der Doppelboden einem Zerſpringen ausgeſetzt würde.
Selbſt das geringwertigſte Brennmaterial kann benützt
werden, während bei direkter Pfannenfeuerung meiſt nur
gutes und folglich auch teures Material verbrannt werden muß.
Eine bedeutende Erſparnis an Brennmaterial überhaupt
wird ermöglicht. Schwackhöfer gibt als durchſchnittlichen
Nutzeffekt eines gut konſtruierten und korrekt bedienten Dampf⸗
keſſels 70% an, während er bei einer Braupfanne nur 30
bis 50 %/, beträgt, folglich tritt eine Erſparnis von 20 bis
40 % ein. Goslich hat bei feinen oben erwähnten Verſuchen
auch den Verbrauch an Feuerungsmaterial ſeſtgeſtellt und ge=
funden, daß der Kohlenverbrauch der Dampfpfanne erheb—
Blerbrauerei. 16
242 Drauprozeß: Dampfbrauerei.
lich geringer iſt. Er gibt die Erſparnis an Kohlen bei
Dampfkochung mit 56% an. Was dieſen Punkt anlangt, ſo
ſei dazu bemerkt, daß durch weſentliche Verbeſſerungen von
Feuerungsanlagen auch bei Feuerkochungen eine ganz bedeu⸗
tende Erſparnis von Brennmaterial ermöglicht wurde. So läßt
ſich die Verbrauchsdifferenz an Feuerungsmaterial bei Feuer⸗
gegenüber Dampfkochung beträchtlich vermindern.
Vierter Abſchnitt.
Die Gärung.
Durch die Gärung wird die Bierwürze zu Bier, und es
iſt die Aufgabe des Brauers, die Gärung ſo zu leiten, daß
ein Bier von ganz beſtimmten Eigenſchaften entſteht. Iſt
auch bereits auseinandergeſetzt worden, daß die Beſchaffen⸗
heit des Malzes, der Maiſch⸗ und Sudprozeß, die Hopfen⸗
menge und die Art der Hopfengabe von weſentlichem Einfluß
auf den Charakter des Bieres ſind, ſo iſt es ebenfalls ſicher,
daß durch die Gärung die Eigenſchaften eines Bieres in
hohem Grade bedingt ſind. Wie wäre es ſonſt erklärlich, daß
aus Stammwürzen von gleichem Extraktgehalt Biere von ganz
verſchiedenen Eigenſchaften entſtehen, daß Biere mit der gleichen
Menge an Extraktreſt verſchiedenen Charakter zeigen. Der
Zucker bzw. die verſchiedenen Zuckerarten in der Bierwürze
ſind das Material, aus denen während der Gärung haupt⸗
ſächlich Alkohol und Kohlenſäure gebildet werden, außerdem
treten noch weitere Veränderungen auf, die ſich in dem Ge⸗
ſchmack des Bieres erkennen laſſen. Jegliche Anderung in
der Führung des Gärprozeſſes läßt die Möglichkeit zu, daß
das Bier mehr oder geringere Verſchiedenheit zeigt. Ja, dem
Brauer muß daran gelegen ſein, ſtets Bier von gleichmäßiger
Beſchaffenheit, wie es von den Konſumenten gewünſcht wird,
zu erzeugen, und er wird dies erreichen, wenn er auch dem
Gärprozeß, wie den übrigen Prozeſſen, die notwendige Auf-
merkſamkeit ſchenkt und ohne Grund keine Abänderungen in
der Art und Weiſe der Gärführung trifft, wie ſolche ſich in
ſeinem Betriebe bewährt hat.
16*
244 Gärung.
Im großen und ganzen leitet man Gärung ein, indem man
die auf eine beſtimmte Temperatur (Anſtelltemperatur) ab⸗
gekühlte Bierwürze mit ſog. Hefe verſetzt. In Belgien
werden manche Biere durch Selbſtgärung erzeugt, indem
zufällig in die Würze gelangende Gärungsorganismen
Gärung verurſachen. Die Bierwürze iſt eben infolge ihrer
Zuſammenſetzung ein günſtiger Nährboden für die Entwicke⸗
lung der Hefe.
Man unterſcheidet, wie ſchon bei Hefe geſagt wurde, zwei
Arten der Gärung:
1. Untergärung, die bei niedriger Temperatur, meiſt zwiſchen
5 bis 10° C verläuft und bei der ſich der weitaus größte
Teil der Hefe im Gärbottich als Bodenſatz abſcheidet.
2. a die bei höherer Temperatur etwa 15 bis
C durchgeführt wird und die Hefe ſich größten⸗
05 an der Oberfläche der gärenden Flüſſigkeit
abſcheidet.
Weitaus die größte Menge Bier wird jetzt durch Unter⸗
gärung hergeſtellt, weil man die Überzeugung hat, daß auf
dieſem Wege viel leichter ein länger haltbares, widerſtands⸗
fähigeres, gleichmäßigeres Bier gewonnen werden kann. Wohl
zeichnen ſich die obergärigen, engliſchen Biere durch letztge⸗
nannte Eigenſchaften beſonders aus, doch werden dieſe durch
hohen Extraktgehalt der Stammwürze einerſeits, wie anderer⸗
ſeits durch hohen Alkoholgehalt und hohen Extraktreſt erzielt.
Sonſt wird Obergärung nur zur Herſtellung von Lokalbieren
(Flaſchenbieren, Weißbieren), die raſch konſumreif werden
ſollen, benutzt.
Sowohl bei der Untergärung wie der Obergärung ſind
zwei Stadien zu unterſcheiden, nämlich die Hauptgärung und
die Nachgärung.
Bei der Hauptgärung, die raſcher verläuft, wird der größte
Teil der leicht vergärbaren Beſtandteile der Würze vergoren.
Allein nach der Hauptgärung iſt das Bier noch nicht konſum⸗
reif, es muß die Nachgärung noch durchmachen, wodurch es
Gärung: Untergärung. 245
erſt jene Eigenſchaften erhält, die das Bier zu einem erfri⸗
ſchenden, wohlſchmeckenden Getränke machen.
Die Untergärung.
Die Hauptgärung bei der Untergärung wird in beſonderen
Räumen, Gärkellern, und zwar in offenen Gefäßen, Gär⸗
bottichen, durchgeführt, während die Nachgärung im Lager⸗
keller verläuft, nachdem das Bier von der Hauptgärung in
die Lagerfäſſer gebracht iſt.
Gärkeller. Als die zweckmäßigſte Anlage eines Gär⸗
kellers dürfte dieſe gelten, wenn der Gärkeller ſich unter dem
Kühlhauſe oder in deſſen Nähe befindet, fo daß die Würze
vom Kühlſchiff aus leicht dahin geleitet werden kann. Meiſt
legt man den Gärkeller ganz in den Boden, um den Einfluß
der Außentemperatur ſo viel als möglich abzuhalten. Kann
dies aber nicht geſchehen und ſind ſog. oberirdiſche Gärkeller
zu benutzen, ſo muß die bauliche Anlage ſchon derartig
ſein, daß der Raum ſo viel als nur möglich gegen äußere
Temperatureinflüſſe geſchützt iſt. In Brauereien, in denen
eine Eismaſchine vorhanden und künſtliche Kellerkühlung ein⸗
geführt iſt, kann ja auch nach dieſer Richtung leicht geholfen wer⸗
den, in anderem Falle wären ſolche Gärkeller nur bei kälterer
Jahreszeit zu gebrauchen oder es müßte in anderer Weiſe für
entſprechende Kühlhaltung der gärenden Würze geſorgt werden.
Die Gärkeller ſind am zweckmäßigſten gewölbt; hölzerne Decken
ſind vor allem zu vermeiden. Was die Höhe anlangt, ſo ſind
hohe Gärkeller die beſten, doch kann man aus verſchiedenen
und auch aus finanziellen Gründen über eine beſtimmte Höhe
nicht hinausgehen. Immerhin ſoll aber die Gärkellerhöhe etwa
4 bis 5 m betragen. Die Wände und das Gewölbe ſollen
mit einem Zement- oder guten Mörtelputz verſehen und mit
Kalk übertüncht werden. Emailleanſtrich iſt ſehr zweckmäßig
und empfehlenswert, da ſich kein Schimmel anſetzen kann, jedoch
iſt er koſtſpielig. Der Fußboden muß dicht und glatt ſein und
es muß dafür geſorgt werden, daß das Schmutzwaſſer raſch
246 Gärung: Gärbottiche.
abfließen kann. Als Bodenbeleg finden Steinplatten, Zement
oder Zementplatten, am beſten Aſphalt Verwendung; poröſe
Ziegelſteine oder gar Holz ſind nicht zu gebrauchen. Für ge⸗
nügendes Waſſer muß im Gärkeller geſorgt ſein.
Als Hauptanforderungen an einen guten Gärkeller ſind
entſprechend niedrige, gleichmäßige Temperatur (5°C), gute
Ventilation und die Möglichkeit der größten Reinlichkeit
anzuſehen.
Die Temperatur übt auf den Verlauf der Gärung, auf
den Geſchmack und die Haltbarkeit des Bieres einen großen
Einfluß aus. Entſprechend niedrige Temperatur bedingt
ein kräftiges Wachstum der Hefe, läßt weniger leicht Krank⸗
heitskeime aufkommen, ein günſtiger Verlauf der Gärung
iſt zu erwarten, das Bier wird hinſichtlich ſeiner guten
Eigenſchaften, Geſchmack und Haltbarkeit nichts zu wünſchen
übrig laſſen.
Für gute Ventilation muß geſorgt werden. Bei der Gärung
entwickelt ſich eine große Menge Kohlenſäure, die ſich nicht
leicht aus dem Gärraum entfernen läßt. Reine Luft iſt aber
im Gärkeller unbedingt notwendig, ſoll ein normaler Verlauf
der Gärung zu erhoffen ſein.
Wie im Brauereibetrieb überall, jo tft ganz beſonders
im Gärkeller auf große Reinlichkeit zu ſehen. Muß, wie
bei der Anlage eines Gärkellers ſchon bemerkt iſt, dar⸗
auf Rückſicht genommen werden, daß größtmögliche Rein⸗
lichkeit beobachtet werden kann, ſo iſt auch dafür zu
ſorgen, daß, wenn die Bottiche gefüllt werden oder Bier
gefaßt wird, danach der Fußboden ſauber gewaſchen
wird, damit Würze, Hefe, Bier nicht längere Zeit liegen
bleiben und infolge von Zerſetzung und Fäulnis die Luft im
Gärkeller verſchlechtert wird, weil ſonſt Störungen in der
Gärung enſtehen könnten.
Gärbottiche. Gärbottiche aus Holz ſind noch ſo ziemlich
allgemein im Gebrauch, und zwar meiſt aus dichtem Holze,
Eichenholze. Allein wenn das Eichenholz ſchwer zu beziehen
iſt und infolgedeſſen teuer zu ſtehen kommt, ſo muß man auch
Brauprozeß: Gärbottiche. 247
zu weniger dichtem Holze, zu Fichten, Lärchen greifen. Es
iſt gewiß nicht zu leugnen, daß die Holzbottiche Nachteile be⸗
ſitzen. Das Holz iſt porös und in dieſe Poren wie in die
Fugen zwiſchen den Dauben und Bodenſtücken dringen nur zu
leicht Bier und Hefenteilchen ein, die ſich ſelbſt bei ſorgfältigſter
Reinigung nur ſehr ſchwer und ſelten ganz entfernen laſſen
und die dann zur Verunreinigung der Würze beitragen und
empfindliche Störungen verurſachen können. Das Holz be⸗
ſitzt auch geringe Dauerhaftigkeit, es kann bald an einigen
Stellen faul werden, was aber bei nicht genügend ſorgfältiger
Beobachtung und Unterſuchung entgeht. In ſolchen mehr oder
weniger angefaulten Bottichen iſt kein normaler Verlauf der
Gärung zu erwarten. Wenn ſich in dem einen oder anderen
Bottich unliebſame Gärungserſcheinungen zeigen, ſo unterſuche
man ihn genau und entferne ihn, falls im Bottich der Grund
der Störung gefunden wird, oder erneuere die angefaulten
Dauben und Bodenſtücke.
Die Nachteile der hölzernen Bottiche ſucht man ſo weit
als möglich zu vermindern. Man wird neue Bottiche zunächſt
ausbrühen oder beſſer ausdämpſen und ſie innen lackieren oder
paraffinieren oder pichen. Durch dieſe Manipulationen wird
dem Holze die poröſe Eigenſchaſt mehr genommen und kann
auch eine leichtere, vollſtändigere Reinigung erzielt werden.
Um die Dauerhaftigkeit zu erhöhen, werden die Bottiche außen
mit einem paſſenden Olfarbenanſtrich verſehen; auch die eiſer⸗
nen Reifen, um deren Roſten zu verhindern, beſtreicht man
mit Eiſenlack.
Die Form der Bottiche iſt entweder zylindriſch oder,
was meiſt der Fall iſt, nach oben verjüngt, mehr tief
als flach.
Was die Größe der Bottiche betrifft, ſo ſchwankt der
Faſſungsraum zwiſchen 20 bis 50 hl. Auch heutzutage ſehen
wir noch in vielen großen Brauereien Bottiche in Verwen⸗
dung mit einem Faſſungsraum von nicht mehr als 40 bis
50 hl, während man anderſeits auch wieder Gärbottiche trifft
mit 400 bis 500 hl Inhalt.
248 Gärung: Gärbottiche.
Als beſondere Vorteile jo großer Bottiche werden an⸗
geführt: Beſſere Ausnützung des Gärkellers, Erſparniſſe an
Anſchaffungskoſten, an Arbeitskräften, an Kälte, Verringerung
an Bierſchwand und Infektionsgefahren. Wohl hat man an⸗
fänglich bei Verwendung ſolch großer Bottiche ſich überzeugt,
daß das Gärungsbild ein anderes iſt, ſich gerne Störungen
in der Kräuſen⸗ und Deckenbildung zeigen, die obere Hefen⸗
ſchicht viel ſuppiger iſt, der Zeug nach dem Abſeihen des Bieres
ſehr uneben liegt, allein auf Grund von Erfahrungen laſſen
ſich dieſe Fehler vermeiden, und mehrere Brauereien gebrauchen
auch ſo große Bottiche mit dem günſtigſten Erfolg.
Jeder Bottich hat zwei Ausflußöffnungen. Die eine iſt
am Boden angebracht und dient zur Entleerung der Hefe,
die andere an der Wandung des Bottichs zum Ablaſſen des
Bieres beim Faſſen. Erſtere iſt mit einem hölzernen Zapfen
verſchloſſen, deſſen Stiel über den Rand des Bottichs reicht,
letztere, die ſich beiläufig 15 em über dem Bottichboden be⸗
findet, etwas höher als erſahrungsgemäß die Hefenſchicht ge⸗
wöhnlich beträgt, mit einem Spund von innen oder durch einen
Kork verſchließbar oder beſſer mit einem Schraubenverſchluß⸗
ſtück, wozu ein eigens konſtruierter Hahn gehört.
Vielfach wird in neueſter Zeit von Ablaßvorrichtungen
Gebrauch gemacht, die es ermöglichen, das Jungbier von unten
aus dem Gärgefäß abzulaſſen, was ja gewiß von Vorteil iſt,
es iſt dabei nur eine einzige, die Bodenöffnung nötig.
Die Auſſtellung der Gärbottiche muß ſo geſchehen, daß ſie
leicht zugänglich ſind, daß ſie ſelbſt, wie auch der Fußboden,
leicht gewaſchen, gereinigt werden können. Man ſtellt ſie des⸗
halb nicht direkt auf den Boden, ſondern auf eine Unterlage,
Ganter genannt. Häufig findet man noch Ganter aus Holz.
Vorteilhafter iſt es, Holz nicht zu verwenden, da dieſes leicht
fault und einen Herd für Bakterien abgibt, wodurch die Würze
geſchädigt werden kann. Am zweckmäßigſten iſt es jedenfalls,
man mauert etwa 0,6 m hohe, mit Zementverputz verſehene
Pfeiler und legt eiſerne Schienen darauf, die als Träger für
die Bottiche dienen. Damit das Bier möglichſt vollkommen
Gärung: Gärbottiche. 249
ablaufe, gibt man den Bottichen gegen die Spundöffnung zu
eine Neigung mittels Holzklötzen.
Die Zahl der Gärbottiche und fomit auch der notwendige
Gärkellerraum iſt nach Thauſing abhängig: von der Menge
des jährlich zu erzeugenden Bieres, von der Zeit, innerhalb
der dieſes Bierquantum hergeſtellt werden ſoll, und von der
Maximal⸗Gärdauer.
Thauſing rechnet auf einen Bottich von 30 hl Inhalt
eine Gärkellerfläche von 6 m einſchließlich der Zwiſchenräume
und Seitengänge. Je größer der Keller, deſto kleiner iſt der
für einen Bottich nötige Raum und umgekehrt.
Seit einer Reihe von Jahren werden Vorſchläge gemacht
und Verſuche angeſtellt mit Gärgefäßen aus anderen Mate⸗
rialien als Holz. Das einfachſte und naheliegendſte wäre die
Verwendung von Eiſen an Stelle des Holzes.
Das Eiſen darf ſelbſtverſtändlich nicht direkt mit dem Bier
in Berührung kommen und erhält daher einen Anſtrich von
Lack oder weichen Pechſorten, doch hat man damit häufig un⸗
günſtige Erſahrungen gemacht. Am beſten hat es ſich bewährt,
Bottiche aus Eiſen bzw. Stahlblech mit einer Emailleglaſur
zu verſehen. Solche glasemaillierte Bottiche, auch Lagerfäſſer,
Stahltanks werden vielfach ſchon mit gutem Erfolg benützt.
Der hohe Koſtenpunkt dürfte ein Hindernis ſein für eine aus⸗
gedehntere Verwendung. Bottiche aus Schieferplatten
waren in der Brauerei Alt⸗Karlsberg bei Kopenhagen jahr⸗
zehntelang und auch in Kleinſchwechat bei Wien in Verwendung
und haben ſich gut bewährt. Als weiteres Material für den
Erſatz von Holzbottichen wird in den letzten Jahren wieder
Zement zur Herſtellung größerer Gärgefäße benützt, obwohl
man in früheren Jahren bei Verwendung von ſolchen Gär⸗
bottichen und Lagerfäſſern ſehr unliebſame Erfahrungen ge—
macht hat. Heutzutage ſind die Fehler, die den Zement⸗
bottichen anhafteten, behoben, vor allem was die Iſolierung
des Bieres vom Zement betrifft, und es werden jetzt ſolche
Bottiche mit einem Faſſungsraum von 300, ja 700 hl mit den
beiten Reſultaten gebraucht, fo daß in erſter Linie als Erſatz für
250 Gärung: Anſtellen der Würze mit Hefe.
Holzbottiche Bottiche aus Zement bzw. Eifenbeton in Betracht
kommen dürften.
Bottiche aus Glas. Die Ergebniſſe, die man damit ge⸗
wonnen, lauten durchweg günſtig; ſchöner, regelmäßiger
Verlauf der Gärung, feſtes Abſetzen der Hefe, leichte und
vollkommene Reinigung der Bottiche. Einer ausgedehnteren
Verwendung in der Praxis dürfte der Koſtenpunkt und das
leichte Zerſpringen der Glasplatten im Wege ſtehen. In der
Brauerei Weber in Fiſchern⸗Karlsbad beſtehen die Gährge⸗
fäße nur aus Glasbottichen, Drahtglasplatten, mit einem
Inhalt bis zu 100 und mehr Hektoliter, die ſich ſeit Jahren
vorzüglich bewähren. Auch einige Lagerfäſſer bis zu je
150 Hektoliter Inhalt werden daſelbſt benützt.
Bottiche aus Aluminium. Die Firma Ziemann in
Feuerbach⸗Stuttgart hatte derartige Gärgefäße im Jahre 1909
gelegentlich der deutſchen Brauereimaſchinen⸗Ausſtellung in
München ausgeſtellt. Es find mit ſolchen Bottichen auch
Verſuche durchgeführt werden, doch iſt über die Reſultate bis⸗
her wenig bekannt geworden. Aluminium kann nur im reinſten
Zuſtand zu dieſem Zwecke verwendet werden. Es dürfte
wahrſcheinlich ſein, daß Aluminiumbottiche, falls die Her⸗
ſtellungskoſten billiger werden als bisher, in der Praxis
eine größere Verwendung finden werden.
Anſtellen der Würze mit Hefe. Das Verſetzen der
Würze mit Heſe wird mit Anſtellen, Hefegabe bezeichnet.
Sobald die entſprechend abgekühlte Würze in dem Gär⸗
keller ſich befindet, verteilt in einzelne Bottiche oder in einem
ſog. Sammelbottich, wird ſie mit der notwendigen Hefen⸗
menge verſetzt.
Als Anſtelltemperatur wird meiſt eine Temperatur von
5 bis 6 gewählt Es iſt nicht angezeigt, niedrigere An⸗
ſtelltemperaturen als etwa 3° oder unter 3° C zu benützen. Die
Hefe wird in ihrer Entwickelung, in ihrem Wachstum gehemmt
und es kommt leicht vor, daß die Biere ſich nicht klären, hefe⸗
trüb werden. Andererſeits iſt aber eine ſolch niedrige Tempe⸗
ratur der Entwickelung der Spaltſpitze uſw. zuträglich und
Gärung: Anftellen der Würze mit Hefe. 251
bei Vorhandenſein größerer Mengen ſolcher Organismen
könnten leicht anormale Gärungserſcheinungen auftreten.
Bedeutend höhere Temperaturen, über 8 bis 10, find nicht
zu empfehlen, da der Geſchmack des Bieres darunter zu
leiden hätte.
Was die Menge der für ein Gebräu bzw. für einen Bottich
zu verwendenden Hefe betrifft, ſo rechnet man im allgemeinen
auf einen Hektoliter Würze 0,4 bis 0,61 dickbreiige Hefe.
Wie bei der natürlichen Hefereinzucht erwähnt wurde, iſt es
vorteilhaft, nicht zu wenig Hefe zum Anſtellen zu nehmen,
doch zu bedeutende Quantitäten ſind zwecklos, da der Ver⸗
gärungsgrad einer Würze am Ende der Hauptgärung, ſowie
die Haltbarkeit uſw. des Bieres von der Stellhefenmenge
ganz und gar unabhängig ſind, wenn auch der Verlauf der
Gärung etwas raſcher iſt.
Zweierlei Arten von Zeuggeben werden unterſchieden:
das Trocken- und das Naßgeben oder Herführen.
Erſtere Art kommt in folgender Weiſe zur Ausführung:
In ein ſog. Zeugſchäffel, 20 bis 251 faſſend, das etwa zur
Hälfte mit Würze gefüllt iſt, bringt man die für einen Bottich
erforderliche Hefenmenge und vermiſcht ſie tüchtig mit der
Würze. Hierauf gießt man den Inhalt des Zeugſchäffels in
ein zweites, gleichgroßes Gefäß und dann wieder in das
erſte zurück. Dieſe Manipulation wird ſo oft wiederholt, bis
man aus der äußeren Eigenſchaft der Würze die Überzeugung
gewonnen, daß ſie genügend iſt. Starke Schaumbildung und
bedeutende Volumenvermehrung gelten als günſtige Zeichen.
Dieſe Manipulation, das Aufziehen genannt, hat nicht nur
den Zweck, die Hefe mit Würze innig zu vermiſchen, ſondern
auch ein intenſives Lüften zu bezwecken, wodurch das Wachs⸗
tum der Hefe begünſtigt wird. Der Inhalt der Zeugſchäffel
wird hernach der Würze im Gärbottich zugeſetzt und mit dieſer
gut gemiſcht, indem man mit einer Krücke durchrührt oder
mit einem hölzernen Schapfen aufzieht. Dieſe letztere Art
des Aufziehens wird zweckmäßig nach dem Anſtellen einige⸗
male innerhalb vierundzwanzig Stunden wiederholt.
252 Gärung: Anftellen der Würze mit Hefe.
Statt der Zeugſchäffel zum Zwecke des Aufziehens und
Lüftens der Hefe werden in vielen Brauereien ſeit einer Reihe
von Jahren eigene, ſog. Hefeaufziehmaſchinen verwendet.
Das Naßgeben oder Herführen des Zeuges geſchieht
folgendermaßen: Eine kleine Quantität Würze, etwa ein,
zwei Hektoliter, wird von der Kühle mit einer Temperatur
von 15 bis 18°C in einen Bottich gelaſſen und mit der für
den ganzen Sud beſtimmten Hefemenge angeſtellt. Inner⸗
halb einiger Stunden ſchon wird Gärung eintreten und deut⸗
lich ſichtbar ſein. Während dieſer Zeit läßt man die Würze
auf dem Kühlſchiffe entſprechend abkühlen, läßt ſie dann in
den Gärbottich, bzw. mehrere Bottiche ab und verteilt und
vermiſcht das bereits gärende Würzequantum mit dieſer.
Als beſonderer Vorteil dieſer Art des Zeuggebens gilt,
daß junge, kräftige Hefe mit der Würze in Berührung kommt
und folglich lebhaftere Gärung eintritt. Man hält das Naß⸗
geben, Herführen des Zeuges beſonders ſür zweckmäßig, wenn
die zur Verwendung kommende Hefe durch irgendwelche
Umſtände geſchwächt erſcheint oder wenn das Hefequantum
für die Menge der anzuſtellenden Würze zu gering iſt.
Darauflaſſen. Mit Darauflaſſen bezeichnet man einen
dem Herführen ähnlichen Vorgang. Für gewöhnlich werden
die für das vorhandene, bei einem Sud erhaltene Würze⸗
quantum notwendigen Gärbottiche auf einmal gefüllt. Bei
Anwendung des Darauflaſſens wird die Würze eines Ge⸗
bräues in die doppelte Anzahl von Gärbottichen verteilt,
mithin dieſe nur etwa zur Hälfte angefüllt und mit der
entſprechenden Hefemenge verſetzt. Am folgenden Tage, an
dem bereits lebhafte Gärung vorhanden iſt, das Stadium
der niederen Kräuſen ſichtbar iſt, wird die abgekühlte Würze
eines weiteren Sudes daraufgelaſſen und dadurch werden die
Bottiche gefüllt und gut aufgezogen.
Man hat bei dem Darauſlaſſen verſchiedene günſtige Er⸗
fahrungen gemacht, ſo hinſichtlich des regelmäßigen Verlaufes
der Gärung, der Vermehrung und Kräftigung der Hefe und
des Einfluſſes auf die Höhe des Vergärungsgrades.
Gärung: Verlauf der Gärung. 253
Die Hauptgärung wird ſo geleitet, daß ſie bei 10 bis
14 prozentigen Würzen innerhalb 8 bis 12 Tagen vollendet
iſt. Thauſing ſagt: Es iſt kein gutes Zeichen, wenn die
Gärung langſam verläuft. Die Anſicht, man müſſe auf eine
langdauernde Gärung durch Anſtellen mit wenig Hefe und
durch ſehr kalte Gärführung hinarbeiten, um ein wohl⸗
ſchmeckendes und haltbares Bier zu erzeugen, iſt unrichtig.
Iſt unter gleichen Verhältniſſen und bei gleich günſtiger
Vergärung die Gärdauer kurz, ſo iſt das immer erwünſchter,
als wenn ſie lang iſt.
Während der Hauptgärung laſſen ſich verſchiedene äußere
Erſcheinungen an der Würze beobachten, nach denen der
denkende Brauer den Verlauf der Gärung beurteilen wird
und worüber er genaue Aufſchreibung macht oder dieſe, wie
es häufig zu geſchehen pflegt, an der Bottichwand notiert, an
der auch meiſt die Saccharometeranzeige der Würze, die An⸗
ſtelltemperatur, die Provenienz der Hefe uſw. verzeichnet ſind.
Vier Perioden laſſen ſich bei der Gärung deutlich
unterſcheiden.
Erſte Periode. Innerhalb 12 bis 20 Stunden erſcheinen
auf der Oberfläche der Würze am Rande des Bottichs weiße
Bläschen, die allmählich immer zahlreicher werden und ſchließ⸗
lich die ganze Oberfläche der Würze mit einem zarten, weißen
Schaum bedecken. Man bezeichnet dieſe Erſcheinung mit
Ankommen der Gärung, „das Bier kommt an, das Bier
macht weiß“.
Zweite Periode. Etwa nach weiteren 18 bis 24 Stunden
zeigt ſich am Rande des Bottichs ein erhabener Schaumkranz,
der ſich immer mehr vom Rande wegſchiebt und allmählich
ein gezacktes, gekräuſeltes Ausſehen zeigt. „Das Bier
ſchiebt weg.“ Das gezackte, gekräuſelte Ausſehen bezeichnet
man mit Kräuſenbildung und nennt dieſe in dieſer Periode
„niedere Kräufen“, da im weiteren Verlauf der Gärung
ihre Höhe noch zunimmt. Die Temperaturzunahme der
gärenden Würze wie die Abnahme der Saccharometeranzeige
iſt in dieſer Periode ſchon bedeutend.
254 Gärung: Verlauf der Gärung.
Dritte Periode. Die Kräuſen erheben ſich mehr und
mehr, ſo daß ſie häufig den Bottichrand überragen, ſie wer⸗
den lockerer. Die weiße Farbe der niederen Kräuſen geht in
Gelb und Braun über. Die Gärung befindet ſich in der
Periode der „hohen Kräuſen, Braunkräuſen“. Man
liebt es, wenn die Kräuſen hoch ſteigen, doch übermäßig hoch,
wie dies bei zu warm geführter Gärung vorzukommen pflegt,
iſt keineswegs wünſchenswert. Die Temperaturſteigerung
ſowie die Vergärung iſt hier am intenſivſten. Die Tem⸗
peratur kann, je nach der Gärkellertemperatur und wenn
nicht künſtlich gekühlt werden könnte, um drei bis vier und mehr
Grade zunehmen; die Saccharometeranzeige nimmt inner⸗
halb 24 Stunden auch bei günſtiger Temperatur meiſt um
etwas mehr als 1%ê ab, während in der vorhergehenden
Periode in derſelben Zeit 0,3618 0,5 % des Extraktes vergären.
Vierte Periode. Die Kräuſen gehen zurück, färben ſich
weiter dunkel und fallen ſchließlich ganz zuſammen. Es bleibt
eine ſchmutzigbraune Decke zurück, „Zurückgehen der
Gärung, zurückgehende Kräuſen“. Dieſe ſchmutzig⸗
braune Decke beſteht weſentlich aus Hopfenharz, Eiweißſtoffen,
Hefe. Die Gärung iſt nun bedeutend ſchwächer geworden,
die Temperatur geht zurück und gleicht ſich mit der Keller⸗
temperatur aus. Die Gärung geht ihrem Ende zu und wird
als beendigt betrachtet, wenn die Saccharometerabnahme
innerhalb 24 Stunden nur mehr 0,1 bis höchſtens 0,2 %
beträgt und wenn gewiſſe äußere Kennzeichen das Bier reif
zum Faſſen erſcheinen laſſen.
Ein wichtiger Anhaltspunkt nach dieſer Richtung iſt das
Ausſehen des Bieres im Schaugläschen. Es ſind dies am
zweckmäßigſten zylindriſche Glasgefäße, die ungefähr 25 bis
50 cem Flüſſigkeit faſſen. Ein ſolches Gläschen füllt man
mit dem Biere aus dem Gärbottich und beobachtet das Bier,
indem man das Gläschen vor ein Licht hält. Das Bier ſoll
klar, glänzend ſein und die noch ſuſpendierte Hefe ſich in deut⸗
lichen Umriſſen abheben. Stellt man hernach das Gläschen
mit Bier ruhig beiſeite, ſo ſollen ſich die Hefezellen raſch und
Gärung: Normale Gärungserſcheinungen. 255
vollſtändig abſetzen. Das Bier zeigt in dieſem Falle, wie man
zu ſagen pflegt, ſchönen Bruch, iſt gut durchgegangen.
Während der Gärung tritt in der gärenden Würze
Temperaturerhöhung ein. Es iſt bereits geſagt worden,
warum es nicht angeht, daß die Temperatur im höchſten
Stadium der Gärung, in den hohen Kräuſen, mehr als etwa
10° C betragen fol. Wenn nun die Temperaturverhältniſſe
des Gärkellers es nicht ermöglichen, daß die Temperatur der
gärenden Würze entſprechend niedrig gehalten werden kann, ſo
greift man zur künſtlichen Kühlung. Man ſetzt ſog. Schwimmer
ein, die mit Eis gefüllt werden. Die Benützung der Schwimmer
hat aber ihre Mißſtände. Der Eisbedarf iſt ſehr bedeutend.
Der mit dem Schwimmer zunächſt in Berührung kommende
Teil der gärenden Würze wird anfänglich zu raſch abgekühlt,
was für die Würze ſelbſt, wie beſonders für die Hefe nicht
vorteilhaft iſt. Die Handhabung, die vollſtändige Reinigung
und Reinhaltung der Schwimmer bietet ſo manche Schwierig⸗
keit. Es kann vorkommen, daß der unregelmäßige Verlauf
einer Gärung auf die Anwendung von Schwimmern zurück⸗
zuführen iſt.
In Brauereien, die mit einer Eismaſchine verſehen ſind,
werden ſeit Jahren Kühltaſchen, Schlangenkühler verwendet,
die in die gärende Würze eingehängt werden und durch die
die Kühlflüſſigkeit geleitet wird. Selbſtverſtändlich iſt durch
Reguliervorrichtung dafür geſorgt, daß in jedem einzelnen
Bottich jene Temperatur erzielt werden kann, die für die ver⸗
ſchiedenen Perioden der Gärung wünſchenswert fit.
Normale Gärungserſcheinungen. Im voraus⸗
gehenden wurde erwähnt, daß der Brauer an gewiſſen äußeren
Erſcheinungen den Verlauf der Gärung beurteilen wird. Dieſe
äußeren Erſcheinungen, die auf einen normalen Verlauf der
Gärung ſchließen laſſen, ſind:
Das rechtzeitige Ankommen. Bei einer Anſtell⸗
temperatur von 5 bis 6° C, bei genügender Menge von Zeug
und deſſen guter Beſchaffenheit wird die Gärung innerhalb
24 Stunden ankommen.
256 Gärung: Anormale Gärungserſcheinungen.
Die Kräuſenbildung. Die niederen Kräuſen find weiß,
dicht und ſchön geſchloſſen. Die hohen Kräuſen erheben ſich
ſtark, ſind locker und zeigen ein fettiges Ausſehen.
Die Temperatur der gärenden Würze im höchſten
Stadium der Gärung, in den hohen Kräuſen. Die Tempe⸗
ratur wird die gewünſchte Höhe, 9 bis 10° C erreichen.
Die Beſchaffenheit der Decke. Nach dem Ver⸗
ſchwinden der Kräuſen, dem Durchbruch, wird die Oberfläche
mit einer bräunlich gefärbten, geſchloſſenen, ſtarken Decke
verſehen ſein.
Das Ausſehen des Bieres im Schaugläschen
und der Bruch. Das Bier wird im Schaugläschen vor
einem Lichte betrachtet glänzend ſein und die ſuſpendierte Hefe
in Klümpchen, Flocken ſich zuſammenballen. Beim ruhigen
Stehenlaſſen ſetzt ſich die Hefe raſch ab.
Der Geruch und Geſchmack des Bieres. In dieſer
Beziehung wird das Bier, falls die vorher erwähnten Er⸗
ſcheinungen zutreffend ſind, nichts zu wünſchen übrig laſſen.
Anormale Gärungserſcheinungen. Nicht alle hier
zu erwähnenden Erſcheinungen ſind als wirkliche Betriebs⸗
ſtörungen anzuſehen und geben ſomit Veranlaſſung zu der
Befürchtung, das fertige, reife Bier wird und kann nicht die
erwünſchten Eigenſchaften beſitzen. Immerhin wird einem
denkenden, ſcharf beobachtenden Brauer daran gelegen ſein,
die Urſache für derartige Abweichungen im Gärverlauf zu er⸗
mitteln, und, wenn angezeigt, auch die entſprechende Abhilfe
hierfür zu treffen.
Solche anormale Gärungserſcheinungen ſind:
Spätes Ankommen der Gärung und Auftreten
von ſog. Kahlſtellen. Die Gründe hierfür liegen meiſt
darin, daß die Gärkellertemperatur und die der angeſtellten
Würze zu niedrig iſt, daß die Hefegabe zu gering oder
die verwendete Hefe ſtark geſchwächt war. Man kann in
ſolchen Fällen noch nachhelfen, wenn man öfters des Tages
aufzieht oder das Darauflaſſen anwendet, oder Schwimmer
einſetzt, die mit Waſſer von 12 bis 15 C gefüllt find. Wenn
Gärung: Blaſengärung. 257
auch nicht immer durch dieſe Erſcheinungen unliebſame Folgen
zu beobachten ſind, ſo dürfte es ſich doch empfehlen, durch
Regelung der Temperatur, durch reichlichere Zeuggabe oder
Wechſel des Zeuges dagegen vorzubeugen. Man hat eben
doch die Erfahrung gemacht, daß durch dieſe Kahlſtellen das
Bier leicht hefetrüb wird und keine große Haltbarkeit zeigt.
Blaſengärung. Es kommt vor, daß in der Periode
der Kräuſenbildung große Blaſen ſich zeigen oder daß ſolche
am Schluſſe der Gärung auf der Decke auftreten. Der Grund
für dieſe Erſcheinung iſt noch nicht genügend bewieſen. Es
dürften jedenfalls mehrere Urſachen hierfür Veranlaſſung
geben können, die Verwendung von weniger guten Rohmate⸗
rialien, die ungünſtige Zuſammenſetzung der Würze, Fehler
beim Maiſchprozeß, Anweſenheit von viel Trub in der Würze,
die Hefe ſelbſt uſw. Man weiß aus Erfahrung, daß Blaſen⸗
gärung keine Betriebsſtörung zur Folge haben muß, die von
ſolcher Gärung ſtammenden Biere nicht den geringſten Fehler
zeigen. Doch iſt auch das Gegenteil beobachtet worden, und es iſt
immer bedenklich, wenn der Grund im fehlerhaften Betriebe liegt.
Reichard unterſcheidet:
a) harmloſe Blaſengärung, verurſacht durch die Hefe⸗
ſorte, große Hefegabe, folglich ſtarke Kohlenſäureentwickelung,
größeren Trubgehalt der Würze, ſchlechte Ventilation, Ver⸗
wendung von viel Farbmalz;
b) bedingt harmlos, wenn hervorgerufen durch Mangel
gummöſer Beſtandteile der Würze;
c) krankhaft, verurſacht durch Übermaß an Glutin,
Mangel an wertvollen Hopfenbeſtandteilen (Hopfenharz),
Unreinlichkeit in den Leitungen, unvollſtändige Verzuckerung.
Das Nachſchieben. In der letzten Periode, der Gärung
kann man hie und da beobachten, daß vom Rande des Bottichs
weg ein weißer Schaum entſteht, wie bei Beginn der Gärung.
Wenn auch in der Regel durch dieſe Erſcheinung des ſog.
Nachſchiebens keine Störungen auftreten, ſo iſt doch angezeigt,
nach dem Grunde zu ſuchen, und wenn er in der Unreinlich⸗
keit im Betriebe überhaupt, in der ee der Hefe
Bierbrauerei.
258 Gärung: Schwache Decken, Durchfallen der Decken.
durch Spaltpilze, in der Benutzung angefaulter Gärbottiche
gefunden wird, Abhilfe zu treffen.
Raſten der Gärung. Die Gärung wird mehr oder we⸗
niger ſiſtiert und die Folge davon iſt ſchlechter Geſchmack und
raſches Verderben des Bieres. Die Gründe hiervon können
ſein: plötzliches Fallen der Temperatur, die Beſchaffenheit der
Stellhefe, ungünſtiges Verhältnis von Zucker zu Nichtzucker
in der Würze.
Mangelhafte Kräuſenbildung und unſchöner
Bruch. Nicht immer find dieſe Erſcheinungen als anormal
zu betrachten. Je nach Verwendung einer Hefeſorte wird
der Verlauf der Gärung nach dieſer Richtung mehr oder we⸗
niger befriedigen. Es gibt Hefeſorten, die überhaupt nur nie⸗
dere Kräuſen erzeugen. Folglich läßt ſich nie beobachten,
was der Praktiker ſo gerne ſieht, daß im Stadium der hohen
Kräuſen dieſe den Gärbottichrand überragen. Anderer⸗
ſeits ſind auch manche Hefen nicht befähigt, am Ende der
Hauptgärung einen ſchönen Bruch des Bieres zu bilden.
Wenn die Beſchaffenheit der Hefe, die Hefeſorte, nur der
Grund iſt für mangelhafte Kräuſenbildung und nicht befrie⸗
digenden Bruch, ſo iſt dies nicht als Fehler anzuſchauen,
wohl aber, ſobald erkannt wird, daß ſchlechte Rohmaterialien,
Fehler im Maiſch⸗ und Sudprozeß oder Infektion der Hefe
die Urſachen ſind.
Schwache Decken, Durchfallen der Decken. Es gilt
als unliebſame Erſcheinung, wenn am Ende der Gärung die
Decken ſchwach ſind, mehrere Durchbrechungen zeigen, teilweiſe
oder gar ganz durchfallen, unterſinken, verſchwinden. Der Ge⸗
ſchmack des Bieres muß ja darunter leiden. Bei Verwendung
von jungem Malz oder zu altem, ſchlecht aufbewahrtem Malz,
auch von überlöſtem Malze, von altem, lupulinarmem Hopfen
hat man derartige Erſcheinungen beobachtet, wie auch bei Vor⸗
handenſein von größeren Trubmengen in der Würze, ſchlech⸗
ter Luft im Gärkeller.
Kennzeichen, nach denen beurteilt wird, ob das
Bier zum Faſſen reif iſt. Es wurde ſchon bemerkt, daß
Gärung: Vergärungsgrad. 259
das Ausſehen des Bieres am Ende der Hauptgärung im
Schaugläschen, ſowie die Saccharometerabnahme in den
letzten Tagen erkennen laſſen, ob das Bier gefaßt werden fol.
In manchen Brauereien wartet man die Zeit nicht erſt
ab, bis das Bier einen grobgrießigen Bruch und feinen
Glanz zeigt und im Schaugläschen die Hefe ſich gut abſetzt,
das Bier, wie der Brauer zu ſagen pflegt, ſchön, ſtark
durchgegangen iſt, fondern faßt das Bier in einem Stadium,
in dem die Hauptgärung eigentlich noch nicht beendigt iſt und
in dem ſog. Jungbiere eine größere Menge von Heſe ſuſpen⸗
diert ſich findet, das Bier wenig durchgegangen iſt. Man
ſpricht in dieſem Falle, das Bier wird „grün“ gefaßt. Wird
das Bier hingegen in den Lagerkeller gebracht mit gutem
Bruch und wenig Hefe, ſo ſagt man, das Bier wird „lauter“
gefaßt. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß es nicht gleichgültig iſt,
ob das Bier in dieſem oder jenem Zuſtand, grün oder lauter
gefaßt wird. Der Verlauf der Nachgärung, die Lagerzeit des
Bieres muß dadurch weſentlich bei ſonſt gleichen Verhältniſſen
beeinflußt werden. Im allgemeinen können Biere, die raſcher
zum Ausſtoß kommen ſollen, Schänkbiere, Winterbiere, grün
gefaßt werden, damit die Nachgärung lebhafter verläuft und
die Biere die zum Ausſchank nötige Reife in kurzer Zeit er⸗
halten. Zagerbiere find lauter zu faſſen, und zwar um jo
mehr, je länger das Bier aufbewahrt werden, lagern ſoll.
Freilich ſpielen in dieſer Beziehung auch die Kellerverhält⸗
niſſe, vor allem die Temperatur des Lagerkellers, eine wich⸗
tige Rolle. Muß das Bier in verhältnismäßig warmen
Kellern die Nachgärung durchmachen, ſo iſt es angezeigt,
lauter zu faſſen. Iſt hingegen der Lagerkeller kalt, wird
deſſen Temperatur durch künſtliche Kühlung bis nahe dem
Gefrierpunkt erniedrigt, ſo wird man grün faſſen können,
ja müſſen, damit die Nachgärung nicht etwa ganz auf⸗
gehoben wird.
Ein weiteres Kennzeichen, ob das Bier zu faſſen iſt, gibt
der Vergärungsgrad. Es ſoll jedem Brauer daran ge—
legen ſein, am Ende der Hauptgärung den Vergärungsgrad
17*
260 Gärung: Vergärungsgrad.
ſeiner Biere feſtzuſtellen; es iſt dies für die Beurteilung
der Gärung von großer Wichtigkeit.
Unter Vergärungsgrad verſteht man jene Menge des
Extraktes, die von 100 Gewichtsteilen des urſprünglichen
Extraktes einer Würze während der Gärung verſchwunden iſt,
aufgebraucht wurde.
Um den Vergärungsgrad berechnen und in Zahlen aus⸗
drücken zu können, iſt es notwendig, daß der Extraktgehalt
der Würze beim Anſtellen feſtgeſtellt iſt. Beim Faſſen wird
ebenfalls die Extraktmenge des Bieres ermittelt. Nun er⸗
gibt ſich der Vergärungsgrad nach der Formel:
(E—e)
= 19 100,
worin V den Vergärungsgrad, E den Extraktgehalt der
Würze und e den Extraktgehalt des zum Faſſen beſtimmten
Bieres bezeichnet.
Z. B: Die Anſtellwürze ergab, mit dem Saccharometer
gewogen, 14,2 % B., am Ende der Hauptgärung wurden
6,8 % Extrakt konſtatiert, mithin iſt der Vergärungsgrad:
4.2 — 6,8) „%% „„ 0
i eee e 105
d. h. von 100 Gewichtsteilen Extrakt der Stammwürze ſind
während der Gärung 52,1% verſchwunden, vergoren.
Man hat zu unterſcheiden zwiſchen wirklichem und
ſcheinbarem Vergärungsgrad. Wird in einem Biere,
Jungbier oder konſumreifes Bier, mittels des Saccharo⸗
meters die vorhandene Extraktmenge beſtimmt, ſo erhält
man nicht den wirklichen Extraktgehalt. Das Bier enthält
Alkohol und die Anweſenheit von Alkohol erniedrigt das
ſpezifiſche Gewicht; die Saccharometeranzeige ergibt daher
nicht den wirklichen Extraktgehalt des Bieres, ſondern den
ſcheinbaren. Wird dieſer gefundene Wert für e in der obigen
Formel eingeſetzt, ſo erhält man eine Zahl, die als ſcheinbarer Ver⸗
gärungsgrad bezeichnet wird. Um den wirklichen Vergärungs⸗
grad angeben zu können, iſt es notwendig, daß man von einer ge⸗
Gärung: Vergärungsgrad. 261
wogenen Menge Bier den Alkohol durch Kochen entfernt und
hernach durch Waſſerzuſatz wieder das urſprüngliche Gewicht
herſtellt. Ermittelt man nun die Saccharometeranzeige, ſo
findet man den wirklichen Extraktgehalt des Bieres und bei
Berechnung des Vergärungsgrades in obiger Weiſe den
wirklichen Vergärungsgrad. In der Praxis wird in der Regel
nur der ſcheinbare Vergärungsgrad beſtimmt.
Man ſpricht von einem niedrigen, mittleren und hohen
Vergärungsgrad und bezeichnet als einen niedrigen den
Vergärungsgrad unter 50, bis 48 %% , als einen mittleren
den zwiſchen 50 bis 60 %% und als hohen den über 60 %èͤ.
Bei vollmundigen Bieren iſt der Vergärungsgrad meiſt
geringer, und dies iſt auch erwünſcht, während lichte Biere
einen mittleren und hohen Vergärungsgrad zeigen.
Der Vergärungsgrad iſt vor allem abhängig von der
Beſchaffenheit des verwendeten Malzes und der Hefe. Wie
ſchon erwähnt, liefern ſtark, hochabgedarrte Malze unter ſonſt
gleichen Verhältniſſen zuckerärmere Würzen als niedrig ge⸗
darrte. Je mehr Zucker nun eine Würze enthält, deſto höher
wird der Vergärungsgrad ausfallen. In etwas kann die Art
des Maiſchens, bzw. die Art der Temperaturſteigerung der
einzelnen Maiſchen, Einhalten gewiſſer Temperaturen, die
Zuckerbildung und mithin den Vergärungsgrad beeinfluſſen.
Betreffs der Hefe wurde geſagt, daß es Hefeſorten gibt, die
mit Würze von gleichem Zuckergehalt angeſtellt, in dem einen
Falle mehr Zucker vergären, alſo einen höheren Vergärungs⸗
grad verurſachen, in dem andern Falle weniger Zucker, mit⸗
hin einen niedrigen Vergärungsgrad bedingen.
Wenn nun dieſe beiden Faktoren, Malz⸗ und Hefe⸗
beſchaffenheit, einen ſehr weſentlichen Einfluß auf den Ver⸗
gärungsgrad eines Bieres ausüben, ſo wird bei normaler
Durchführung der Haupt⸗ und Nachgärung der Vergärungs⸗
grad keinen Maßſtab bilden können, ob das Bier zum Aus⸗
ſtoß reif iſt. Der Brauer hat es ja in der Hand, falls der
Wunſch der Konſumenten dahin geht, ein konſumreifes, gut
vergorenes Bier mit niedrigem Vergärungsgrad zu erzeugen.
262 Gärung: Faſſen des Bieres.
Wie die Erfahrung gezeigt hat, wird die Haltbarkeit derartiger
Biere hierdurch nicht beeinträchtigt.
Ein mittlerer oder auch hoher Vergärungsgrad kann aber
nach den angeführten Gründen ebenfalls nicht oder wenig⸗
ſtens nicht immer für die Reife eines Bieres maßgebend ſein.
Vergärungsgrad mit den übrigen Eigenſchaften: Klarheit,
Glanz, Mouſſeux, Geſchmack uſw. werden die Kennzeichen
bilden, ob das Bier zu beanſtanden iſt oder nicht.
Wohl kann ein niedriger Vergärungsgrad wie auch ein
höherer am Ende der Hauptgärung zu ſehr unliebſamen
Folgen führen. Werden Biere vorzeitig gefaßt, d. h. gefaßt,
bevor die äußeren Erſcheinungen des Jungbieres dazu ver⸗
anlaſſen, und kommen ſie in ſehr kalte Keller, ſo wird die
Nachgärung ſchwach verlaufen. Wird nun mit dem Abziehen
ſolcher Biere begonnen, erhöht ſich die Temperatur entweder
ſchon bei den Bieren in den Lagerfäſſern oder im Gang⸗
geſchirr, jo tritt ftarfe Trübung ein und die Biere werden
bald verderben.
Hochvergorene Biere müſſen, um den nötigen Trieb zu
erhalten, länger geſpundet werden, und ſelbſt dies hilft nicht
immer. Anderſeits iſt aber bei langem Spunden zu be⸗
fürchten, daß ſich das Faßgeläger mehr oder weniger hebt
und ebenfalls Trübung eintritt. Um das Schalwerden ſolcher
hochvergorenen Biere zu vermeiden, iſt das Aufkräuſen zu
empfehlen.
Faſſen des Bieres. Wenn auf Grund der oben an⸗
geführten Kennzeichen das Bier gefaßt werden ſoll, ſo iſt
zunächſt die Decke vorſichtig abzunehmen. Mit einem durch⸗
löcherten, flachen Löffel, meiſt aus Kupferblech, entfernt man
die Decke, indem man darauf bedacht iſt, daß von ihr nichts
unterzuſinken vermag. Hierauf zapft man den Bottich an.
Der die Ausflußöffnung über dem Bottichboden verſchließende
Spund oder Kork wird mit dem Abzapfhahn eingeſchlagen
und das Jungbier fließt nun direkt in den Lagerkeller oder
wird dorthin gepumpt. Liegen die Lagerkeller von der
Brauerei weiter entfernt, ſo bedient man ſich der ſog. Fuhr⸗
Gärung: Faſſen des Bieres. 263
fäſſer, in die das Bier gepumpt wird, um es in den Lager⸗
keller zu ſchaffen.
Meiſt werden zur Fortleitung des Bieres Gummiſchläuche
ſtatt der kupfernen Rohre benützt und als Pumpen ſog. Wergel,
bei denen die Schaumbildung vermieden werden muß.
Wurde bei den Leitungen vom Kühlſchiff zum Gärkeller
geſagt, daß für größtmögliche Reinhaltung dieſer zu ſorgen
iſt, ſo gilt dies natürlich auch für die Leitung vom Gär⸗ zum
Lagerkeller, für Wergel und Fuhrfaß. Gerade in dieſer Be⸗
ziehung wird eine nicht genügende oder nicht häufig wieder⸗
holte Reinigung ſich bitter rächen.
Bei der gewöhnlichen Einrichtung der Gärbottiche fließt
das Bier nicht vollſtändig ab, es bleibt etwas über der Hefe
ſtehen. Die Menge dieſes Reſt⸗ oder Abſeihbieres wird ge⸗
ringer oder größer ſein, je nach der Beſchaffenheit des Bottich⸗
bodens, der Anbringung der Offnung an der Wandung des
Bottichs und deſſen Neigung, die man ihm beim Stellen ge⸗
geben hat.
Dem Brauer muß daran gelegen ſein, auch dieſen Reſt
zu gewinnen und zu verwerten. Zu dieſem Zwecke wird das
Reſtbier durch die Offnung, die am Boden des Bottichs an⸗
gebracht iſt und zur Entleerung der Hefe dient, abgelaſſen.
Damit aber vermieden wird, daß größere Mengen Hefe mit⸗
geriſſen werden, läßt man mittels einer Schnur einen durch⸗
löcherten Ring über den Zapfen auf den Boden des Bottichs,
lüpft den Zapſen wenig und läßt das Bier in eine unter⸗
geſtellte Wanne laufen. Dieſes Abſeihbier, aus dem ſich der
größte Teil der mitgeriſſenen Hefe nach kurzem Stehenlaſſen
abgeſetzt hat, wird am zweckmäßigſten auf die Lagerfäſſer
gleichmäßig verteilt.
Iſt das Bier nun vollſtändig abgelaufen, ſo wird die
Hefe ſofort aus dem Bottich entfernt. Die Hefe beſteht be⸗
kanntlich aus drei Schichten. Die oberſte Schicht iſt durch
Hopfenharz, wilde Hefe uſw. ſtark verunreinigt und meiſt
ſchmierig. Dieſe wird mittels einer Krücke nach der Boden⸗
öffnung gebracht und als wertlos entfernt. Die mittlere
264 Gärung: Nachgärung Lagerkeller.
Schicht beſteht aus der reinſten Hefe, Kernhefe, und wird
vorſichtig in eine Zeugwanne gebracht, um als Anſtellhefe
ferner benützt zu werden, nachdem ſie noch weiter gereinigt
und dann entſprechend aufbewahrt wurde. Die unterſte
Schicht, die ebenfalls durch die verſchiedenſten Beſtandteile
verunreinigt iſt, wird wie die oberſte entfernt.
Die Nachgärung. Durch die Nachgärung erhält das
Bier erſt die Konſumreife. Die Nachgärung ſoll und muß
ſo geleitet werden, daß das zum Ausſtoß kommende Bier
ein wohlſchmeckendes, bekömmliches Getränk iſt; ſie wird bei
niedrigeren Temperaturen als die Hauptgärung im Lager⸗
keller in den Lagerfäſſern durchgeführt.
Lagerkeller. Ein Lagerkeller wird als gut zu bezeichnen
ſein und ſeinem Zweck entſprechen, wenn er kalt und trocken
iſt und reine Luft führt. Erfahrungsgemäß wird die Nach⸗
gärung am zweckmäßigſten und günſtigſten bei einer Tem⸗
peratur von 2 bis 3° C durchgeführt; mithin wird ein
Lagerkeller, deſſen Temperatur wenig von dem Gefrierpunkt
abweicht, als beſonders gut zu bezeichnen ſein. Eine Tempe⸗
ratur über 5° C ſoll in einem guten Lagerkeller nicht vor⸗
kommen. Trockenheit und reine Luft ſind zwei gleich wichtige
Faktoren, ſoll das Bier nicht an ſeinem Geſchmack und ſeiner
Haltbarkeit leiden.
Für die Lagerkelleranlage ſind die Terrainverhältniſſe
maßgebend. Am geeignetſten dürfte es ſein, dieſe in der Nähe
der Brauerei an die Gärkeller anſchließend und tiefer als dieſe
anzulegen. Von der Brauerei weiter entfernt gelegene Keller
haben immer ihre Schattenſeite. Ihre Bedienung beanſprucht
mehr Zeit und Arbeit, die Benützung der ſog. Fuhrfäſſer zum
Transport des unreifen Bieres vom Gärkeller kann die ver⸗
ſchiedenſten Kalamitäten zur Folge haben.
Nach der Art der Anlage unterſcheidet man unter-
irdiſche und oberirdiſche Lagerkeller. Zu erſteren zählen
auch die Felſenkeller, das ſind in Felſen eingehauene Keller.
Dieſe Keller, die vielfach für das Ideal eines Lagerkellers ge⸗
halten worden ſind und noch gehalten werden, entſprechen
Gärung: Unterirdiſche Lagerkeller. 265
keineswegs den obenangeführten Anforderungen eines guten
Lagerkellers. Die notwendige niedrige Temperatur läßt ſich
in ihnen ohne Eis nicht erhalten. Einen Eiskellerraum hin⸗
einzubauen, iſt mit großen Schwierigkeiten und Koſten ver⸗
bunden, wenn es nicht geradezu unmöglich iſt. Durch ſtarkes
Ausfrierenlaſſen dieſer Keller wird wohl ein großer Kälte⸗
vorrat aufgeſpeichert, doch reicht dieſer niemals aus und wird
raſch aufgezehrt werden bei Eintritt wärmerer Jahreszeit und
bei den notwendigen Beſchäftigungen in ihnen, wenn nicht die
einzelnen Abteilungen ſozuſagen hermetiſch abgeſchloſſen ſind.
Außerdem ſind ſolche Keller meiſt naß, indem durch die Riſſe
und Spalten Waſſer eindringt, wodurch die Luft verſchlechtert
wird.
Unterirdiſche Lagerkeller ſind ſolche, die in einen
natürlichen Hügel eingegraben ſind oder in der Weiſe an⸗
gelegt werden, daß man eine tiefe und breite Grube aushebt,
in die man die einzelnen Kellerabteilungen hineinwölbt. Im
erſteren Falle kann von einer Ausmauerung Abſtand ge⸗
nommen werden, falls die Beſchaffenheit des Erdreichs es
nicht bedingt und die Befürchtung, es könnte Waſſer in den
Keller eindringen, ausgeſchloſſen iſt. Bei der zweiten Art der
Anlage iſt hinſichtlich der Tiefe des Kellers vor allem auf die
Grundwaſſerverhältniſſe Rückſicht zu nehmen. Die Kellerſohle
ſoll mindeſtens 1 bis 2 m höher liegen als der höchſte Stand
des Grundwaſſers. Abgeſehen davon, daß hierdurch ver⸗
mieden wird, daß Waſſer in den Keller eindringen kann, wird
auch die Erwärmung der Kellerluft von unten her verhindert,
was nicht weniger von Wichtigkeit iſt als die Temperatur⸗
beeinfluſſung von außen.
Die ganze Kelleranlage geſchieht am beſten in der Weiſe,
daß die einzelnen Bierlagerräume, von denen jeder für ſich
zugänglich iſt, zu beiden Seiten oder auch nur auf der einen
Seite eines Ganges (Vorkellers) liegen, in denen die Keller⸗
treppe ſowie der Aufzug für die Fäſſer münden. Die ein⸗
zelnen Kellerabteilungen ſind vom Vorkeller durch gutſchließende
Doppeltüren, die einen Abſtand von 1,5 bis 2 m haben ſollen,
266 Gärung: Oberlrdiſche Lagerkeller.
abgeſchloſſen, um das Eindringen von Außenluft bei den ver⸗
ſchiedenen Arbeiten im Kellerraum ſo viel als möglich ab⸗
zuhalten.
Oberirdiſche Lagerkeller, Keller, die ganz oder zum
größten Teil über dem Terrain ſtehen. Derartige Keller
werden gebaut, wenn durch die Grundwaſſerverhältniſſe oder
ſonſtige Gründe das Eingraben in das Erdreich nicht oder
nicht tief genug erfolgen kann oder wenn der Preis bei der
Herſtellung der ausſchlaggebende Faktor iſt. Selbſtverſtändlich
muß hier beſonders darauf Bedacht genommen werden, daß
durch Iſolierung der Umfaſſungsmauern und Gewölbe durch
Anbringung eines Vorkellers der Eintritt wärmerer Außen⸗
luft verhindert werden kann.
Die Lagerkeller ſollen, wie bemerkt, trocken ſein, reine Luft
führen und eine entſprechend niedrige Temperatur beſitzen.
Was die Trockenheit betrifft, ſo genügt nicht, wenn dafür
geſorgt iſt, daß nirgends Feuchtigkeit in den Kellerraum ein⸗
dringen kann. Die Keller müſſen, zumal wenn in ihnen das
reife Bier abgefaßt wird, öfters gewaſchen werden. Bierreſte,
Schmutzwaſſer dürfen nicht ſtehen bleiben können. Für einen
Kanal, der das Schmutzwaſſer raſch und vollſtändig abführt
und ſelbſt reingehalten wird, muß geſorgt ſein, keine Riſſe,
Fugen oder Löcher dürfen vorhanden ſein, in denen Feuchtig⸗
keit ſtehen bleibt, die zur Verunreinigung der Kellerluft bei⸗
tragen würde. Am beſten bewährt ſich Aſphaltpflaſter für
Reinhaltung und zudem bietet dieſes noch den Vorteil, daß
eine Erwärmung der Keller von unten her, durch Boden⸗
wärme, ausgeſchloſſen iſt.
Reine Luft muß im Keller ſtets vorhanden ſein. Iſt vorher
geſagt, daß durch Reinhaltung der Keller und durch Trockenheit
für gute Kellerluft geſorgt werden muß, ſo kommt hierfür auch
noch die Ventilation in Betracht. Die Ventilationsvorrich⸗
tung muß derartig ſein, daß im Bedürfnisfalle die Luft im
Keller bequem und raſch erneuert werden kann. Zu dem
Zwecke werden zweierlei Luftkanäle angebracht, die einen in
der Nähe des Fußbodens, durch die kältere, friſche Luft ein-
Gärung: Eiskeller mit Stirneis. 267
ſtrömt, die anderen vom Schluſſe des Gewölbes weg, welche
die erwärmte bzw. unreine Luft ins Freie führen.
Als weitere Hauptanforderung an einen Lagerkeller hat
niedrige Temperatur zu gelten. Es dürfte äußerſt ſelten
vorkommen, durch einfaches Ausfrierenlaſſen in dem Lager⸗
keller eine ſolche Menge von Kälte aufzuſpeichern, daß ſie
hinreichend iſt, um in den einzelnen Kellerabteilungen auch
in den wärmeren Monaten des Jahres entſprechend niedrige
Temperatur von etwa 2 bis 3° C zu haben; man hilft ſich
in der Weiſe, daß man ſich die nötige Kälte durch Eis oder
Kühleinrichtung verſchafft.
Nicht empfehlenswert iſt es, das Eis in die Bierlager⸗
räume ſelbſt zu bringen und die Lagerfäſſer in Eis zu packen;
wenn es hie und da einmal ſein müßte, ſo bringe man es in
der Höhe der Sattelfäſſer an und begnüge ſich nicht damit,
Eis einfach unter die Ganter zu werfen. Man kann ſich in
letzterem Falle überzeugen, daß die Temperatur der Biere
in den Sattelfäſſern höher und mithin der Verlauf der
Nachgärung in dieſen ein anderer ſein wird.
Am zweckmäßigſten wird die entſprechende Kühlhaltung
der Lagerkeller erreicht durch eigene Eiskelleranlagen.
Eiskeller mit Stirneis. An die einzelnen Lagerkeller
werden Eiskeller angebaut, in die eine genügende Menge
Eis hineingebracht wird. Ein derartiger Eiskeller wird aber
ſeinem Zweck nur dann in vollſtändiger Weiſe entſprechen,
wenn dadurch im Bierlagerraum die gewünſchte gleichmäßige,
niedrige Temperatur erhalten werden kann. Es gibt jedoch
Eiskelleranlagen mit Stirneis, die in dieſer Beziehung nicht
genügen. Vor allem iſt zu berückſichtigen, daß der Eiskeller
nicht auf mehrere hintereinanderliegende Abteilungen in gleich⸗
günſtiger Weiſe wirken kann. Am beſten iſt es, für jeden
Bierlagerraum einen eigenen Eiskellerraum zu benützen. Die
Wirkung eines Eiskellers iſt auf eine gewiſſe Entfernung
beſchränkt. Die Lagerkellerabteilungen dürfen nicht länger
als 20 m im Maximum ſein, wenn die Temperatur im
ganzen Kellerraum gleichmäßig niedrig ſein ſoll. Dabei iſt
268 Gärung: Eiskeller mit Stirneis, Seitenels, Obereis.
auch für richtige Zirkulation der Luft zu ſorgen, damit die
wärmere, leichtere Luft aus dem Keller zum Eisraum raſch
zurückgelangt, um hier abgekühlt wieder zur Wirkung zu kommen.
In dieſer Beziehung find die Offnungen in der Zwiſchenwand,
die Bierlagerraum und Eiskeller trennt, von Bedeutung. Es
müſſen wenigſtens zwei ſolche Offnungen angebracht ſein, eine
oben, eine unten, beſſer zwei oben und zwei unten. Nur auf
dieſe Weiſe wird für eine raſche Luftzirkulation geſorgt. Der
Eiskeller muß an und für ſich groß genug fein, etwa / der
Länge der zugehörigen Kellerabteilung, um genügend Eis zu
faſſen, er muß aber bei unterirdiſchen Kelleranlagen den
Scheitel des Lagerkellers mindeſtens um 3 m, bei oberirdiſchen
aber noch um mehr überragen. Es iſt nämlich darauf Bedacht
zu nehmen, daß die Eisſchichte nie unter das Kellergewölbe
ſinken kann, denn ſonſt würde die Kellerluft oben immer
wärmer ſein, was ſich beim Bier in den Sattelfäſſern bemerk⸗
bar machen müßte. Beim Einfüllen der Eiskeller iſt zu be⸗
achten, daß das Eis nicht direkt auf dem Fußboden aufliegt,
ſondern auf einem aus Holzſtäbchen gefertigten Roſt, der
zweckmäßig nach rückwärts etwas aufſteigt. Das Eiswaſſer
muß abgeleitet werden können. Die Zwiſchenwand zwiſchen
Lager- und Eiskeller beſteht am beiten aus dünnem Mauer⸗
werk; eine Bretterwand, wie man ſie noch antrifft, iſt durch⸗
aus nicht zu empfehlen. Sie fault nur zu bald und wird
Veranlaſſung zur Verſchlechterung der Kellerluft geben. Wie
die Bierlagerräume, ſo erhalten auch das Gewölbe und die
Umfaſſungsmauern des Eiskellers eine Iſolierſchicht.
Dieſe Art der Eiskelleranlage iſt die gebräuchlichſte und
gewiß auch die vorteilhafteſte. Es kommt nun wohl auch vor,
daß rechts und links, alſo zu beiden Seiten des Eiskellers,
die Lagerkeller hinlaufen und man ſpricht in ſolchem Falle
von einer Verwendung des Eiſes als Seiteneis.
Erwähnt ſei die Kühlung der Keller durch Obereis,
Syſtem Brainard. Die warme Luft ſteigt in die Höhe,
die kalte ſinkt herunter. Wird die Decke des Lagerkellers
durch Eis kalt erhalten, ſo findet Abkühlung der aufſteigenden
Gärung: Lagerfäſſer. 269
Luft ſtatt und die Temperatur des Lagerraumes wird all⸗
mählich gleichmäßig niedrig.
Ferner ſind zu erwähnen die Backeiskeller, Syſtem
Schaar, die in Kleinbetrieben vielfach Anwendung finden.
In größeren Brauereien, die heutzutage alle im Beſitze
einer Eismaſchine ſind, geſchieht die Kühlung der Lager⸗ wie
Gärkeller durch Anbringen einer entſprechenden Anzahl von
Röhren an der Decke oder Seite des Kellers, in denen meiſt
eine unter 0° abgekühlte Salzlöſung zirkuliert.
Lagerfäſſer. Die Lagerfäſſer werden faſt allgemein noch
aus beſtem Eichenholz gefertigt. Kleine Brauereien benützen
Lagerfäſſer von 20 bl Inhalt oder wenig darüber, mittlere
ſolche von 30 bis 60 hl und große Brauereien ſelbſt bis 80 bl.
Man iſt jedoch heutzutage beftrebt, wie bei den Gärgefäßen,
auch Lagerfäſſer mit weit größerem Faſſungsraum zu wählen
und auch an Stelle des Holzes andere Materialien zu ſetzen.
Jedes Faß beſitzt zwei Offnungen, die eine im Boden, das
Zapfloch, und die andere in der Mitte einer Daube, das
Spundloch. Zum Verſchluſſe der beiden Offnungen werden
Holzſpunde verwendet, für das Zapfloch beſſer Korkpfropfen,
die beim Anzapfen der Fäſſer in dieſe hineingeſtoßen werden,
um jeglichen Verluſt an Bier zu vermeiden. An manchen
Lagerfäſſern finden ſich im Boden größere Offnungen, ſo daß
ein Mann durchſchlüpfen kann. Dieſe ſind mit einem Türchen,
das von innen eingeſetzt und durch einen Bügel aus Holz oder
beſſer aus Eiſen feſtgehalten wird, verſchloſſen. Sie haben den
Zweck, die Fäſſer dann gründlicher und leichter reinigen zu
können, wenn ſie ohne aufgeſchlagen und friſch gepicht zu
werden, wiederholt im Betrieb bleiben. Die Fäſſer werden im
Innern vor ihrer Verwendung mit Pech ausgegoſſen, gepicht,
um einerſeits das Eindringen von Luft zu dem Biere, ander⸗
ſeits das Entweichen von Kohlenſäure durch die Poren des
Holzes zu verhindern, vor allem aber, um zu vermeiden, daß
Bier und Hefe in das poröſe Holz eintreten können, wodurch
eine vollſtändige Reinigung der Fäſſer ſehr erſchwert würde,
was ſehr üble Folgen haben müßte.
270 Gärung: Pech.
Pech. Das Brauerpech wird aus dem Harze der ver⸗
ſchiedenen Nadelbäume gewonnen. Dieſes Harz enthält außer
dem eigentlichen Harzkörper Terpentinöl und verſchiedene
andere Subſtanzen. Wird das Harz in einem eiſernen Keſſel
gekocht, bis der Geruch nach Terpentin verſchwunden, das
Terpentinöl entfernt iſt, werden die an der Oberfläche ſich
anſammelnden Verunreinigungen abgenommen und die zu⸗
rückbleibende Maſſe durch Filtration noch weiter gereinigt,
ſo erhält man eine dunkelgelbe Subſtanz, die als reines
Fichtenpech in den Handel kommt.
Die Herſtellung von Brauerpech geſchieht = den Pech⸗
fabriken auf verſchiedene Weiſe und wird ſomit das Produkt
ſehr verſchieden ſein müſſen. In großen Brauereien bereitet
man ſich in neuerer Zeit das nötige Pech ſelbſt, was aus
naheliegenden Gründen nur vorteilhaft ſein kann.
Die häufigſte Art der Pechdarſtellung beſteht wohl darin,
daß Kolophonium mit Harzöl zuſammengeſchmolzen wird.
Kolophonium gewinnt man, wenn das Harz der Nadel⸗
bäume erhitzt wird, bis das Terpentinöl vollſtändig ver⸗
flüchtigt iſt. Statt Harzöl wird auch Leinöl, Rüböl, Schweine⸗
fett, Paraffin uſw. verwendet. Wieviel von den Olen uſw.
zugeſetzt wird, muß zunächſt durch einen Verſuch feſtgeſtellt
werden. Meiſt genügt ein Zuſatz von 8 bis 10 Prozent.
Die Auswahl und Behandlung des Peches iſt für den
Brauer von der größten Wichtigkeit. Großer Schaden kann
und iſt manchem Brauer aus der Verwendung eines ſchlechten
Peches erwachſen, ja die Unverkäuflichkeit von Bier iſt ſchon
auf die ſchlechte Beſchaffenheit des Peches zurückzuführen ge⸗
weſen. Bei der Auswahl des Peches iſt ſomit große Vorſicht
geboten und iſt es nicht angezeigt, billig zu kaufen, um zu
ſparen, zumal das Pech nur einen kleinen Teil der Fabrikations⸗
koſten des Bieres ausmacht.
Ein gutes Pech darf weder zu ſpröde ſein, noch zu leicht
weich werden und ſoll möglichſt wenig Geruch und Geſchmack
beſitzen. Beim Schmelzen ſoll es klar und durchſichtig werden,
nicht ſpritzen, beim Verbrennen nur einen ſchwachen Harz⸗
Gärung: Pech. 271
geruch entwickeln. Die Dämpfe von ſtark überhitztem Pech
ſollen die Augen nicht zu Tränen reizen. An den Wandungen
der Fäſſer ſoll es feſthaften, bei irgendwelcher Erſchütterung
nicht abſpringen.
Man unterſcheidet helleres und dunkleres Pech. Das
hellere iſt gelblichrot, zähe, fließt ſchon bei nicht ſehr hoher
Temperatur und beſitzt einen angenehmen, weihrauchartigen
Geruch und ſehr reinen, feinen Pechgeſchmack (Prima). Das
dunklere iſt dunkelrot, braun, ebenfalls ſehr zähe und von
angenehmem Geruch und Geſchmack (Sekunda).
Die hohen Anforderungen, die von manchem Brauer an
ein Pech in Hinſicht auf Farbe geſtellt werden, ſind Anlaß,
daß das Pech mit Ocker, Chromgelb (chromſaures Blei) ver⸗
miſcht wird, wodurch auch das Gewicht ſich erhöht. Zu
letzterem Zwecke findet auch ein Zuſatz von Schwerſpat ſtatt.
Derartige Verfälſchungen und ihre Mengen laſſen ſich auf⸗
finden, wenn Pech verbrannt oder mit ſtarkem 95 prozentigen
Alkohol behandelt wird. In ſtarkem Alkohol löſen ſich bei länge⸗
rem Stehen reine Peche klar auf oder hinterlaſſen nur einen unbe⸗
deutenden Rückſtand. Vorgenannte Zuſätze ſind unlöslich und
wird mithin der Rückſtand beträchtlich ſein und ſeinem Gewichte
und ſeiner Zuſammenſetzung nach beſtimmt werden können.
10 g gepulvertes Pech werden mit 40 ccm 95 prozentigem
Alkohol übergoſſen und einige Stunden unter öfterem Auf⸗
rühren zur Auflöſung ſtehen gelaſſen. Man filtriert hierauf
die Flüſſigkeit durch ein zuvor getrocknetes und gewogenes
Filter, wäſcht den Rückſtand mit Alkohol nach, bis ein Tropfen
beim Verdampfen auf Platinblech keinen Rückſtand mehr zeigt,
trocknet und wiegt dann das Filter mit Inhalt. Aus deſſen
Mehrgewicht erfährt man jetzt die in dem Peche enthaltenen
abſichtlichen oder unabſichtlichen Verunreinigungen, die Rück⸗
ſtandsmenge.
Es wiegt z. B.
Filter mit Rückſtand 0,765 g
Filter 0,639 „
mithin Rückſtand 0,126 g
272 Gärung: Pech.
oder, da man zur Prüfung 10 g Pech genommen hat, enthält
das Pech 1,26 %% in Alkohol unlöslichen Rückſtand.
Gutes, reines Pech gibt in der Regel nicht mehr als
0,5 % Rückſtand. Iſt dieſer bedeutender und hat man in⸗
folgedeſſen Grund, auf abſichtliche Verfälſchungen zu ſchließen,
ſo wird der Rückſtand auch noch einer chemiſchen Unterſuchung
unterworfen, um die Art der Verfälſchung zu ermitteln.
Der Rückſtand wird mit verdünnter Natronlauge be⸗
handelt, in der ſich das Chromgelb auflöſt. Filtriert man
die Löſung ab und verſetzt das Filtrat mit Eſſigſäure im
Überſchuß, ſo wird ſich ſofort oder nach kurzer Zeit das chrom⸗
ſaure Blei in Form eines gelben Niederſchlages abſcheiden.
Der in Natronlauge nicht gelöſte Rückſtand wird mit
heißer, verdünnter Salzſäure behandelt, filtriert und das
Filtrat nach dem Erkalten mit Rhodankalium verſetzt, Ocker
bzw. Eiſen wird ſich durch das Auftreten einer Rotfärbung
zu erkennen geben.
War in Natronlauge und Salzſäure nichts löslich oder
iſt noch ein Rückſtand geblieben, ſo beſteht dieſer meiſt aus
Schwerſpat, ſchwefelſaurem Baryum, Sand, der ſich ſchon durch
Knirſchen beim Reiben mit dem Glasſtabe verrät. Dieſer
Rückſtand wird mit ungefähr der vierfachen Menge Soda
in einem Glühtiegel zuſammengeſchmolzen und hernach die
Maſſe mit Waſſer ausgelaugt. Der gelöſte Teil, ſchwefelſaures
Natron, wird filtriert und das Filtrat nach dem Anſäuren
mit Salzſäure zum Nachweiſe der Schwefelſäure mit Chlor⸗
baryum verſetzt. Der unlösliche Teil, kohlenſaurer Baryum,
wird in verdünnter Salzſäure gelöſt und die ſaure Löſung
mit Schwefelſäure verſetzt zum Nachweiſe von Baryum. Ent⸗
ſtehung von weißen Niederſchlägen in beiden Fällen liefern
den Beweis der Anweſenheit von Schwerſpat.
Von gutem Brauerpech wird ſich in Waſſer oder vier⸗
prozentigem Alkohol nichts oder nur äußerſt wenig löſen. Es
kommt jedoch vor, daß geringe Mengen Pech oder nur ein
Beſtandteil im Biere ſich auflöſen und dieſem einen Pechge⸗
Gärung: Pech. 273
ſchmack verleihen, der zwar hie und da beliebt iſt, aber en
zu ſtark werden kann. f
50 bis 100 g gepulvertes Pech werden mit Waſſer, bzw.
vierprozentigem Alkohol übergoſſen und 24 Stunden unter
öfterem Umrühren ſtehen gelaſſen. Hierauf wird filtriert.
Das Filtrat wird Lackmuspapier nicht rot färben, nicht
kratzend und herbe, ſondern ſchwach aromatiſch ſchmecken und
wenig riechen, mit einer Löſung von Bleieſſig (baſiſch eſſig⸗
ſaurem Blei) verſetzt, nicht oder nur ſchwach weiß gefällt
werden, falls man eine gute Pechſorte zur Prüfung vor ſich
hat. Behandelt man aber auf dieſe Weiſe eine ſchlechte Pech⸗
ſorte, ſo erhält man eine Flüſſigkeit, die Lackmuspapier ſtark
rötet, kratzend und herbe ſchmeckt, ſtark aromatiſch riecht, be⸗
ſonders aber bei Zuſatz einer Löſung von Bleieſſig einen
ſtarken gelben Niederſchlag gibt.
Um ſich noch weiter von dem Geſchmacke eines Peches
und von deſſen Verhalten zu Bier zu überzeugen, kann man
in folgender Weiſe verfahren: Man kaut ein kleines Stückchen
Pech, bis es erweicht iſt. Einen ſchwachen, rein aromatiſchen
Geſchmack wird man wahrnehmen, wenn das Pech gut iſt,
dagegen einen ſäuerlichen, herben uud kratzenden, falls das Pech
zum Auspichen der Fäſſer untauglich iſt. 2 bis 3 g Pech bringt
man in einer halben Literflaſche mit Bier zuſammen und läßt
dieſe Miſchung einige Tage ſtehen. Das Bier wird dann bei
einer Temperatur von etwa 10° C auf Pechgeſchmack geprüft.
Die Prüfung auf Pechgeſchmack kann auch vorgenommen
werden, indem man das Pech auf eine Temperatur von 200
bis 250 erhitzt, dabei das Spratzen — vom Waſſergehalt
herrührend — konſtatiert und das Pech in ein Gefäß aus⸗
gießt, wodurch dieſes innen mit Pech überkleidet wird. Nach
dem Erkalten füllt man das Gefäß mit Bier und prüft dieſes
nach einiger Zeit auf den Geſchmack. Auch läßt ſich bei dieſem
Verſuche erſehen, ob das Pech leicht abſpringt.
Gutes Brauerpech darf nicht zu ſpröde, aber auch nicht
zu weich ſein. Zu ſprödes Pech haftet nicht feſt genug an
den Wandungen der Fäſſer und ſpringt leicht bei irgend⸗
Bierbrauerei. 18
274 Gärung: Pech.
welcher Erſchütterung des Faſſes ab; weiches, leicht flüſſiges
wird bei Temperaturen, wie wir ſie in den heißen Sommer⸗
monaten öfters haben und denen die Fäſſer oftmals ausge⸗
ſetzt werden, ſchmelzen oder es tritt eine derartige Kalamität
ſelbſt ein, wenn die Fäſſer mit heißem Waſſer geſchwankt
werden. Der Schmelzpunkt eines Peches gibt nach dieſer
Richtung einen Anhaltspunkt über deſſen Güte. Er ſoll
zwiſchen 35 und 40°C liegen.
Um den Schmelzpunkt zu beſtimmen, kann man in folgender
Weiſe verfahren: In eine Gasröhre von etwa 0,5 bis 1 em
Weite, die ſehr dünnwandig und zu einer Spitze ausgezogen
iſt, wird gepulvertes Pech eingeſtopft, das Röhrchen dann
mit dem offenen Ende nach oben an einem empfindlichen
Thermometer befeſtigt und mit dieſem in Waſſer eingetaucht,
das allmählich erwärmt wird. Die Temperatur, bei der das
Pech vollſtändig durchſcheinend wird, ohne flüſſig zu ſein, iſt
die Schmelztemperatur.
Sicheren Aufſchluß über die Qualität eines Peches gibt
nur die Analyſe nach Brand.
Außer den Lagerfäſſern werden auch ſog. Transportfäſſer
benützt, in die das Bier beim Abſaſſen gelangt, um dann in
das Schanklokal oder zu den Wirten geliefert zu werden.
Dieſe Transportfäſſer werden für gewöhnlich auch aus Eichen⸗
holz gemacht und iſt darauf zu achten, daß ſie, zumal wenn für
den Export beſtimmt, feſt und dauerhaft ſind. Die Größe der
Transportfäſſer richtet ſich zunächſt nach den Abſatzverhält⸗
niſſen einer Brauerei. Selten findet man, daß dieſe mehr als
ein Hektoliter Inhalt faſſen. Doch iſt auch nicht empfehlens⸗
wert, die Dimenſion für Transportfäſſer zu klein zu wählen.
Bleibt das Bier in kleinen Gebinden, Fäſſern mehrere Tage
liegen, ſo leidet es immerhin, und zwar um ſo mehr, je un⸗
günſtiger die Kellerverhältniſſe ſind, in denen das Bier auf⸗
bewahrt wird. Auch die Transportfäſſer werden gepicht.
Sowohl bei den Lager- wie Transportfäſſern wird der
Faſſungsraum feſtgeſtellt und dieſer ſowie die fortlaufende
Nummer an der Vorderſeite des Faſſes angebracht.
Gärung: Pichen der Fäſſer. 275
Das Pichen der Fäſſer. Das Pichen der Fäſſer ge⸗
ſchieht entweder durch Handarbeit oder mittels Pichmaſchinen.
Pichen mit Handarbeit. Das Faß wird zunächſt auf⸗
geſchlagen, d. h. man nimmt den Vorderboden, nachdem ein
paar Reifen entfernt ſind, heraus und legt es mit der offenen
Seite etwas erhöht. Nun bringt man in dus gut ausgetrocknete
Faß mit einem Löffel die nötige Menge flüſſiges Pech und
und entzündet dieſes durch ein glühend gemachtes Eiſenſtück.
Der herausgenommene Boden wird gegen das Faß gelegt,
ſo daß genügend Luft zutreten kann, um das Brennen des
Peches zu unterhalten und das Entweichen des Rauches zu
ermöglichen. Wenn das Pech von den Wänden des Faſſes
abgeſchmolzen iſt, wird der Boden feſt dagegen gedrückt und
das Feuer dadurch gelöſcht. Nun wird das Pech herausgeſcharrt,
der Boden raſch eingeſetzt und die Faßreifen werden ſchnell
angetrieben. Hierauf wird das Faß zur Verteilung des Peches
einigemale geſtürzt, dann der Spund herausgeſchlagen, um
die geſpannte Luft und den Rauch auspfeifen und das über⸗
flüſſige Pech aus der Spundöffnung ausfließen zu laſſen.
Beſitzt das Faß ein Türchen, jo iſt das Aufſchlagen nicht not⸗
wendig. Nach dem Pichen läßt man das Faß unter Rollen
erkalten. Um das Rollen der Fäſſer mit der Hand zu er⸗
ſparen, ſind ſog. Faßrollmaſchinen ſowohl für Transport⸗
als auch für Lagerſäſſer im Gebrauche.
Pichen mit Benützung von Pichmaſchinen. Ohne
auf eine nähere Beſchreibung ſolcher Pichmaſchinen hier ein⸗
gehen zu können, ſei geſagt, daß hauptſächlich ſolche in Ver⸗
wendung find, bei denen das Pech durch heiße Luft, die ent⸗
weder durch ein Gebläſe oder Dampf in das Faß getrieben
wird, ubjchmilzt, ſeltener ſolche Apparate, bei deren Benützung
das Pech im Faſſe brennt, wie bei dem Handpichen. — In
neuerer Zeit findet in größeren Brauereien die Pichmethode
von Frohberg mit überhitztem Dampf — bei Transport-
ſäſſern auf 300 bis 350 C, bei Lagerfäſſern auf 350 bis
400° C überhitzt — mehr und mehr Verwendung, weil
Bequemlichkeit und Sicherheit der Arbeit, ſowie das Reſultat
18*
276 Gärung: Pichen der Fäſſer.
des Pichens vollauf befriedigen. Dabei kommt noch in Betracht,
daß durch den überhitzten Dampf der Pechkeſſel, in dem das
Pech verflüſſigt wird, erwärmt werden kann, wodurch das
Überhitzen und folglich eine nachteilige Veränderung des
Peches vermieden wird.
Erwähnt mögen in Kürze auch die Pecheinſpritzapparate
ſein, von denen der bekannteſte und in der Praxis viel be⸗
nützte Pichapparat der von Theuerer iſt. Er hat ſich ſehr
gut bewährt und geſtattet die Picharbeit in der denkbar ein⸗
fachſten Weiſe auszuführen.
Das Pech wird in einem von unten geheizten Keſſel ge⸗
ſchmolzen und die Temperatur auf einer Höhe von etwa
200 gehalten. Auf der unteren Seite des Keſſeldeckels find
vier Injektoren angebracht, außerdem eine Vorrichtung für
die Auflage der Fäſſer und eine Pechpumpe. An ihrem Ende
haben die Injektoren eine ſchmale Offnung, die das flüffige
Pech in dünnem, flachem Strahl ausſpritzen läßt. Sie können
ſowohl hoch als niedrig geſtellt und auch gedreht werden.
Befinden ſie ſich unten, ſo wird hierdurch der Zufluß des
Peches abgeſchnitten und die Injektoren bleiben in Ruhe, ſind
ſie dagegen in das auf der Unterlage befindliche Faß einge⸗
treten, ſo ſchleudern ſie das flüſſige Pech aus, indem ſie ſich
drehen. Das alte Pech wird dadurch vollſtändig abgeſchmolzen
und der Überſchuß fließt zurück in den Keſſel durch Siebe, die
grobe Unreinigkeiten zurückhalten. Da die Pechſchicht ſehr
dünn iſt, erhärtet ſie auch ſchnell, ſo daß ein Rollen der Fäſſer
überflüſſig iſt. Der Pechrauch, der im Pechkeſſel entſteht,
wird durch ein Rohr über das Feuer des Pechkeſſels geleitet,
um verbrannt zu werden.
Als weitere Einſpritzapparate ſeien noch angeführt die
von Hoz und Kempter und von Bernreuther. Das Pichen,
ob mit Hand oder Maſchine, iſt mit einer Exploſionsgefahr
verbunden und iſt die Gefahr beim Maſchinenpichen größer
als beim Handpichen.
H. Bunte hat auf Veranlaſſung des deutſchen Brauer⸗
bundes die einzelnen Pichverfahren und Pichapparate auf
Gärung: Pichen mit Pichmaſchinen. 277
ihre Exploſionsgefahr geprüft und auf Grund ſeiner Studien
folgende Regeln zur Vermeidung von Exploſionen aufgeſtellt:
Faßpichen mit offener Flamme
ohne Apparat und mit den Apparaten von Großmann,
Jung, Steinhauſer und ähnlichen.
1. Das Pech darf beim Eingießen in das Faß nicht über⸗
hitzt fein (etwa 250 O).
2. Es dürfen nur kleine Mengen von Pech auf einmal
eingegoſſen werden (etwa 3 bis 41 auf ein Lagerfaß von 30
bis 40 hl).
3. Das Pech muß ſofort nach dem Einbringen in das
Faß entzündet werden.
4. Zum Pichen kommende Fäſſer müſſen trocken ſein.
5. Erliſcht die Flamme im Faſſe vor dem vollſtändigen
Entpichen des Faſſes, ſo darf das Pech nicht wieder ent⸗
zündet werden, bis das Faß erkaltet und gelüftet iſt.
6. Nach Beendigung des Entpichens muß das Feuer im
Faſſe vollſtändig erſtickt werden, deshalb ſind alle Aus⸗ und
Eingangsöffnungen dicht zu ſchließen.
7. Das Ausbrennen der Spundlöcher darf erſt nach dem
vollſtändigen Lüften des gepichten Faſſes geſchehen.
Pichen mit Pichmaſchinen.
1. Beim Ingangſetzen des Pichofens darf deſſen Deckel
erſt dann aufgeſetzt werden, wenn der ganze Koksinhalt glüht
und eine Flamme an der Offnung erſcheint.
1. Die glühende Brennſchicht im Pichofen muß mindeſtens
50 em hoch ſein; ein Leerbrennen des Koksofens während
der Arbeit darf nicht vorkommen.
3. Beim Entpichen mit Flamme müſſen die Düſen ſtets
ſo heiß ſein, daß ſich Gaſe beim Ausfahren aus dem Faſſe ſo⸗
fort wieder entzünden und mit Flamme fortbrennen.
4. Wird das Gebläfe ſtillgeſetzt, ſo iſt der Deckel des Pich⸗
ofens oder ein paſſender Verſchluß am obern Teile des Ofens
278 Gärung: Pechverbrauch.
zu öffnen und erſt dann zu ſchließen, wenn das Gebläſe wieder
im Gange iſt.
5. Fäſſer dürfen erſt dann von der Düſe gebracht wer⸗
den, wenn der Pichofen in regelmäßigem Gange iſt.
6. Vor dem Entpichen darf kein heißes Pech in das Faß
gebracht werden.
7. Das Faß darf nicht eher von der Düſe hinwegge⸗
nommen werden, bis es fertig entpicht iſt.
8. Ein unvollſtändig entpichtes Faß darf erſt dann wie⸗
der an die Düſe gebracht werden, wenn es erkaltet und ge⸗
lüftet iſt.
9. Über der Düſe getrocknete Fäſſer dürfen erſt entpicht
werden, nachdem ſie erkaltet und gelüftet ſind.
10. Beim Pichen ohne Flamme iſt jede Möglichkeit der
Entzündung auszuſchließen, und es darf niemals eine Flamme
an der Düſe erſcheinen.
11. Lagerfäſſer ſollen nur mit Flamme oder durch über⸗
hitzte Waſſerdämpfe entpicht werden.
Über den Pechverbrauch macht Thauſing folgende
Angaben:
Der Pechbedarf für ein Hektoliter Faßinhalt iſt bei Trans⸗
portfäſſern größer als bei Lagerfäſſern und nimmt mit der
Größe der Fäſſer ab. Er iſt verſchieden nach der Pechſorte,
nach der Temperatur des flüſſigen Peches und nach der Art
des Pichens.
Von dünnflüſſigem Pech braucht man weniger als von
dickflüſſigem; iſt das Pech gut erwärmt, ſo geht weniger da⸗
von auf, als wenn es ſchlecht erwärmt wurde, da etwas Pech
verbrennt.
Pro 1 hl Lagerfaßinhalt verbraucht man 0,3 —0,5 — 0, 7kg,
„ 1 „Transportfaßinhalt „” „ 0,7 —0,9— 1,1 „
Zufrieden wird man ſein können, wenn der Pechbedarf
nicht mehr als 0,4 bzw. 0,7 kg pro Hektoliter Faßinhalt beträgt.
Friſch gepichte Fäſſer, die noch nicht vollſtändig abgekühlt
Gärung: Setzen der Lagerfäſſer. | 279
find, dürfen nicht zum Füllen mit Bier benützt werden. Man
läßt die Transportfäſſer am beſten mit Waſſer gefüllt ein
paar Tage ſtehen, die Lagerfäſſer werden zweckmäßig vor
dem Gebrauch gut gewaſchen.
Setzen der Lagerfäſſer. Die Fäſſer werden im
Lagerkeller auf Ganter gelegt, die etwa eine Höhe von 0,6
bis 0,8 m haben. Bei Benützung von Gantern aus Holz iſt
es vorteilhaft, dieſe mit Zinkvitriol zu imprägnieren. In
größeren, beſſer eingerichteten Brauereien findet man ſtatt
Holz Eiſen verwendet. Eiſenſchienen werden auf gemauerte
oder auf gußeiſerne Träger gelegt und darauf kommen die
Lagerfäſſer zu ruhen. Was die Anordnung der Lagerfäſſer
betrifft, ſo wird man darauf Bedacht nehmen, den Bierlager⸗
raum möglichſt auszunützen und zu den einzelnen Fäſſern
ohne Schwierigkeit gelangen zu können. Unter Berückſich⸗
tigung beſonders des letztern Punktes findet man häufig die
Fäſſer in der Weiſe untergebracht, daß ſie ſenkrecht zur Längs⸗
achſe der Abteilung in zwei Reihen gelegt werden und in der
Mitte ein Gang frei bleibt. Die Legung der Fäſſer in Quer⸗
reihen hintereinander erſchwert die Zugänglichkeit zu den
einzelnen Fäſſern ſehr. Die Fäſſer werden in zwei Reihen
übereinander gelegt, ſo daß zwiſchen zwei Fäſſern ein drittes
kleineres lagert. Die unteren größeren Fäſſer nennt man
Bodenfäſſer, die oberen Sattelfäſſer. Doppelt zu ſatteln, wie
es auch hie und da vorzukommen pflegt, dürfte kaum als
empfehlenswert zu bezeichnen ſein. Einerſeits iſt die Unter⸗
bringung der Fäſſer in dieſem Falle, wenn auch die Höhe
des Kellers dies ermöglicht, eine ſchwierige Arbeit, anderer⸗
ſeits aber wird ſich eine Verſchiedenheit in der Qualität des
Bieres in den oberſten, kleineren Fäſſern gegenüber dem
Biere in den Bodenfäſſern auch dann ergeben, wenn bei
Vorhandenſein einer Kellerkühlung mittels Kühlröhren für
gleichmäßig niedrige Temperatur in den verſchiedenen Schich⸗
ten der Kellerluft geſorgt werden kann. — Die Lagerfäſſer
müſſen ſo gelegt werden, daß das Spundloch am höchſten, das
Zapfloch am tiefſten kommt und daß beim Abfüllen das Bier
280 Gärung: Behandlung des Bieres im Lagerkeller.
möglichſt vollkommen vom Faßgeläger abfließt. Zu dieſem
Zweck erhalten die Fäſſer nach vorn eine entſprechende Neigung.
Behandlung des Bieres im Lagerkeller. Durch
die Nachgärung, die das Bier im Lagerkeller durchzumachen
hat, erhält das Bier, wie voraus ſchon bemerkt wurde, erſt
die Konſumreife. Der Behandlung des Bieres im Lager-
keller iſt durchaus die größte Aufmerkſamkeit zu ſchenken,
um ein gutes, gleichmäßiges Endprodukt nach den Wünſchen
der Konſumenten zu erzielen und die Rentabilität der Brauerei
zu ſichern.
Bei der Malzbereitung wurde geſagt, daß drei Malz⸗
typen unterſchieden werden, und demgemäß ſind auch ſtreng
genommen drei Biertypen zu unterſcheiden: dunkle, voll⸗
mundige Biere, ſehr lichte, weinige und mittelfarbige Biere,
die in den ſonſtigen Eigenſchaften ebenfalls in der Mitte
zwiſchen den beiden erſtgenannten liegen. Von den einzelnen
Biertypen werden eine größere Anzahl von Sorten herge⸗
ſtellt, die ſich weſentlich in dem Extraktgehalt der Stamm⸗
würzen, aus denen ſie reſultieren, und folglich in dem Ex⸗
trakt⸗ und Alkoholgehalt hauptſächlich unterſcheiden. Man
ſpricht von Schänk⸗ oder Winterbier, von Sommer⸗ oder
Lagerbier, von Märzenbier, Exportbier, von Bock⸗ oder
Doppelbier, von Salvatorbier uſw. Sämtliche Biere, ſoweit
nicht Malzſurrogate in Betracht kommen, werden in der
gleichen Weiſe erzeugt, nur iſt, wie erwähnt, der Extrakt⸗
gehalt der Würze beim Anſtellen verſchieden. Winter⸗ und
Schänkbiere werden meiſt aus Stammwürzen von 10
bis 12%, Sommer-, Lager-, Export⸗ auch Märzenbiere
aus ſolchen von 13 bis 15%, Bock- und Doppelbiere aus
ſolchen von 16 bis 18%, Salvator aus 20 bis 22 prozenti⸗
gen Stammwürzen hergeſtellt.
Für die Erzeugung jeglicher Bierſorte iſt die Behandlung
der Biere im Lagerkeller im großen und ganzen die gleiche, doch
werden die einzelnen Stadien im Verlauf der Nachgärung
beſchleunigt oder verzögert werden, je nach der Lagerzeit,
die das betreffende Bier durchzumachen hat.
Gärung: Schänk⸗ oder Winterbler. 281
Schänk⸗ oder Winterbier. Dieſes Bier hat nur eine
kurze Lagerzeit und deshalb wird die Nachgärung ſo geleitet, daß
das Bier ſchon nach 2 bis 3 Wochen die Konſumreife erhält.
Wohl hat auch bei dieſer Bierſorte der Brauer darauf
Rückſicht zu nehmen, daß das Winterbier ebenfalls beim
Ausſtoß gleichmäßige Beſchaffenheit hinſichtlich der Farbe
und des Geſchmackes beſitzt und gut mundet, wie das Lager⸗
bier. Es wird dies erreicht werden können, wenn das Bier
von einem Sude nach der Hauptgärung auf eine größere
Anzahl von Fäſſern geſchlaucht wird und dieſe mit Bier
von nachfolgenden Suden vollgemacht werden (Verſchneiden
des Bieres). Die Schänkbiere werden im allgemeinen
„grüner“ gefaßt, es wird ſich dies jedoch nach der Tempe⸗
ratur des Lagerkellers zu richten haben; ſie werden in
kleinere Lagerfäſſer geſchlaucht, Fäſſer mit 5 bis 10 bis 15 bl
Inhalt. Als Bierlagerraum werden gewöhnlich nicht die
kälteren, beſſeren Kellerabteilungen benützt. Wenn man die
Dimenſionen der Lagerfäſſer und die kurze Lagerzeit berück⸗
ſichtigt, ſo folgt daraus von ſelbſt, daß bei Winterbieren die
Fäſſer in kürzerer Zeit ſpundvoll gemacht werden müſſen und
das ſog. Verſchneiden in 8 bis 14 Tagen beendigt iſt. Be⸗
vor die Fäſſer ſpundvoll ſind und die Nachgärung deutlich
ſichtbar wird, bedeckt man das Spundloch mit dem umge⸗
kehrt aufgeſetzten Spund.
Im Verlaufe der Nachgärung laſſen ſich wie bei der
Hauptgärung verſchiedene Stadien unterſcheiden.
Sind die Fäſſer ſpundvoll, jo wird ſich bald ein leichter,
weißer Schaum zeigen, „das Bier greift an, das Bier
ſticht.“
Die Schaummenge nimmt zu und tritt aus dem Spund⸗
loch hervor, das Bier „käppelt“.
Der anfänglich weiße Schaum nimmt durch Ausſcheidung
von Hopfenharz eine mehr bräunliche Farbe an und wird
großblaſig, „das Bier hat ausgekäppelt, hat verſtochen.“
Beim Käppeln wird Schaum und Bier aus dem Faß
geſtoßen; es dürfte ſich empfehlen, das Spundloch mit einem
282 Gärung: Spunden.
reinen Tuch einigemal zu reinigen, und hernach muß dafür
geſorgt werden, daß durch vorſichtiges Nachfüllen mit ge⸗
ſundem Bier oder reinem Brunnenwaſſer das Faß wieder
voll iſt („nachſtechen“). Biere aus Fäſſern, die öfters nach⸗
geſtochen wurden, zeichnen ſich durch einen wenig bitteren,
viel milderen Geſchmack aus, doch iſt zu häufiges Nachſtechen
gewiß fehlerhaft, weil das Bier ſich zu ſehr ausarbeitet, nicht
den gewünſchten Glanz bekommt und ſich leer trinkt. Ge⸗
wöhnlich wird zweimal nachgeſtochen, was auch genügt.
Der Verluſt des Bieres beim „Käppeln“, „Stoßen“, wo⸗
durch eine Verunreinigung der Fäſſer und ein Anſatz von
Schimmel bedingt iſt, wird vermieden durch ſog. Kappen⸗
raffer, Aufſetzen von ſchüſſelförmigen Gefäßen auf die
Spundöffnung des Lagerfaſſes. Dadurch wird das Hopfen⸗
harz zurückgehalten und das Bier kann durch ein kleines
Röhrchen wieder in das Faß zurückfließen. |
Hat das Käppeln aufgehört, iſt mithin die eigentliche
Nachgärung vollendet, ſo wird die Spundöffnung gut ge⸗
reinigt und der Spund loſe aufgeſetzt. Das Bier bleibt ſich
nun ſelbſt überlaſſen bis zum Zeitpunkt des Spundens. Emp⸗
fehlenswert iſt es, ab und zu eine kleine Probe des Bieres
herauszunehmen und ſich von ſeiner Beſchaffenheit zu über⸗
zeugen. Von den Konſumenten wird verlangt, daß das Bier
reich an Kohlenſäure zum Ausſchank kommt, da ja ſolche
Biere ſich ſchöner präſentieren und wohlſchmeckender ſind.
Bei einem normalen Verlauf der Hauptgärung und der
Nachgärung bei entſprechender niedriger Temperatur wird
der Gehalt an Kohlenſäure genügend ſein und das Bier hin⸗
ſichtlich des Geſchmackes nichts zu wünſchen übrig laſſen,
wenn auch der Schaum beim Einſchenken des Bieres in das
Trinkgefäß weniger ſchön, mehr großblaſig iſt. Um aber den Ge⸗
halt an Kohlenſäure zu erhöhen und dadurch zu bezwecken, daß
ſich das Bier, wie geſagt, auch ſchön präſentiert, wird es
meiſtens vor dem Abfaſſen in die Transportſäſſer geſpundet.
Das Spunden geſchah früher allgemein in der
Weiſe, daß Holzſpunden mit Hanf umwickelt, durch kräftige
Gärung: Überſpunden des Bieres. 283
Schläge in die Spundöffnung getrieben wurden und die
Fäſſer kürzer oder länger, je nach den Eigenſchaften des
Bieres, nach der Dauer der vorausgegangenen Lagerzeit
und nach der Kellertemperatur, verſchloſſen blieben. Bei
dieſer Art des Spundens läßt ſich die Spunddauer nicht
genau feſtſtellen. Zu langes Spunden iſt aber unter allen
Umſtänden zu vermeiden. Man wird daher zweckmäßig von
Zeit zu Zeit eine Probe des Bieres nehmen, indem man
das Faß etwa in der Mitte des Faßbodens anbohrt und das
Bier in einem Glas auf Glanz und Mouſſeux prüft; die
Offnung wird dann wieder mit einem Stück Talg oder einem
Holzſtückchen verſchloſſen. Auch ſog. Faßzwickel aus Meſſing
werden zu dieſem Zwecke benützt.
Überſpunden des Bieres hat zur Folge, abgeſehen
von einer etwaigen Beſchädigung des Faſſes, daß beim Lüf⸗
ten des Spundes zum Abfüllen des Bieres in die Trans⸗
portfäſſer, Kohlenſäure und Inhalt aus der Offnung heraus⸗
getrieben werden, das Faßgeläger gehoben wird und das
Bier ſich trübt. Es bleibt nichts übrig, als das Bier der
Klärung zu überlaſſen. Um dieſe zu beſchleunigen, ſetzt man
einen Spund auf, der mit einem Lufthahn verſehen iſt und
durch einen Gummiſchlauch mit einer Luftpumpe in Ver⸗
bindung ſteht. Durch ſofortiges Aufſetzen eines Druckes von
etwa ¼ Atmoſphäre und darauffolgendes Schließen des
Hahnes wird eine vollkommene Klärung des Bieres ſchon
nach etwa 24 Stunden erwartet werden dürfen. Das Ab⸗
füllen des Bieres in die Transportfäſſer geſchieht ebenfalls
durch Luftdruck. Überſpundetes Bier zeigt auch eine ſchlechtere
Schaumhaltigkeit.
Heutzutage finden die Spundapparate in der Praxis
mit Vorteil Verwendung. Sie können ſo eingeſtellt werden,
daß der Druck in dem Lagerfaß nicht über ein gewiſſes
Maß ſteigen kann, mithin ein Überſpunden des Bieres aus⸗
geſchloſſen it. So können die Fäſſer beliebig lang ge=
ſpundet bleiben. Es gibt verſchiedene Syſteme von Spund⸗
apparaten. Die bewährteſten und deshalb auch meiſt zur Ver⸗
284 Gärung: Aufkräuſen und Spänen des Bieres.
wendung kommenden Spundapparate ſind die Queckſilber⸗
ſpun dapparate, die für Einzel- oder Kolonnenſpundung
eingerichtet ſind (die Verwendung von Kolonnenſpundappa⸗
raten iſt nur bei ununterbrochenem Betrieb möglich). Damit
derartige Apparate zweckentſprechend funktionieren können,
müſſen die Lagerfäſſer mit eiſernen Spundbüchſen und Spund⸗
ſchrauben verſehen ſein.
Aufkräuſen der Biere. Greifen die Biere ſchwierig
an, ſo empfiehlt es ſich, ihnen Kräuſen zuzuſetzen. Man gibt
gärende Würze vom erſten Stadium der Hauptgärung dem
Biere im Lagerfaſſe zu, wodurch junge kräftige Hefe in das
Bier gelangt und lebhafte Gärung und ſtarke Kohlenſäure⸗
entwickelung hervorgerufen wird. Ein bis vier Liter Kräuſen
auf einen Hektoliter Bier dürfte in der Regel genügen. Es
iſt aber beim Aufkräuſen zu beachten, daß die Kräuſen geſund
und kräftig ſind, mithin von einer normal gärenden Würze
ſtammen. Das Aufkräuſen wird auch benützt, wenn die Biere
ſich nicht klären wollen, die Hefe ſich nicht abſetzt (Fehler des
Bieres). Auch in den Transportfäſſern findet ein Zuſatz von
Kräuſen ſtatt, um das Bier mouſſierend zu machen.
Spänen des Bieres. Nicht immer ſetzt ſich die Hefe,
wie oben bemerkt, ſo vollſtändig ab, als es wünſchenswert
iſt; man gibt dann zur leichteren Klärung des Bieres, in
Gegenden, wo beſonders große Anforderungen an den Glanz
des Bieres geſtellt werden, Späne in das Lagerfaß, verbunden
mit Aufkräuſen. Die Späne, Haſelnuß⸗ oder Buchenholzſpäne,
wirken mechaniſch klärend, indem die Hefezellen an deren Ober⸗
fläche feſtgehalten werden. Gewiß iſt die Verwendung der Späne
empfehlenswert, da ſie Vorteile bietet, doch können dieſe Vor⸗
teile ſehr in Nachteile übergehen, falls die Späne nicht in
vollſtändig reinem Zuſtande gebraucht werden. Handelt
es ſich um die Verwendung neuer Späne, ſo würden dieſe,
wenn ſie nicht genügend ausgekocht und ausgelaucht ſind —
Auskochen in einprozentiger Sodalöſung, darauffolgendes
Waſchen mit reinem Waſſer bis zum Verſchwinden der alka⸗
liſchen Reaktion und dann Trocknung — dem Bier neben
Gärung: Lagerbiere (Sommerbiere). 285
anderen möglichen Nachteilen doch ſicher einen Holzgeſchmack
verleihen. Schon einmal gebrauchte Späne, falls ſie nicht
gründlich gereinigt worden wären, würden dem Biere einen
ſchlechten Geſchmack erteilen und Trübungen hervorrufen.
Die Späne werden entweder in der Weiſe benützt, daß
ſie in das leere Faß gegeben werden und das Bier darauf⸗
geſchlaucht wird, oder man ſtopſt ſie in die mit Bier gefüllten
Fäſſer durch das Spundloch. Es iſt immer darauf zu achten,
daß die Späne gegen den Hinterboden des Faſſes gebracht
werden, nicht einzeln vor das Zapfloch zu liegen kommen,
wodurch das Abziehen des Bieres ſehr erſchwert würde. Die
Späne ſollen nie in trockenem Zuſtande gegeben werden.
Werden ſie in trockenem, gereinigten Zuſtande aufbewahrt,
ſo waſche man ſie unmittelbar vor dem Gebrauch noch ein⸗
mal und benütze ſie dann ſofort.
Das Spänen wirkt nicht nur klärend auf das Bier, ſon⸗
dern beſchleunigt auch die Konſumreife, vorausgeſetzt, daß
ſich das Bier noch in lebhafter Nachgärung befindet. Wäre
dies nicht der Fall, fo müßte eine ſolche durch Aufkräuſen
hervorgerufen werden. Unter Berückſichtigung dieſer zwei
Punkte wird auch hinſichtlich der Menge der zu verwenden⸗
den Späne eine Verſchiedenheit geboten ſein. In der Regel
genügt ein Kilogramm ſeuchter Späne auf ein Hektoliter Bier.
Werden die Späne geſtopft, ſo ſoll dies nicht zu früh und
auch nicht zu ſpät geſchehen, ein paar Wochen vor dem
Spunden dürfte das Zweckmäßigſte ſein.
Auch mit Aluminiumklärſpänen wurden Verſuche gemacht.
Obwohl die Reſultate befriedigten, die Klärwirkung 4 ½ mal
größer, die Reinigung leichter und die Lebensdauer länger
iſt als bei Holzſpänen, haben ſie doch keine ausgedehntere
Anwendung in der Praxis gefunden.
Lagerbiere (Sommerbiere). Hierher gehören alle
jene Biere, die aus höherprozentigen Stammwürzen reſul⸗
tieren, an die man in Beziehung auf Geſchmack, Glanz
und Haltbarkeit größere Anforderungen ſtellt als an die
Schänkbiere.
286 Gärung: Lagerbiere (Sommerblere).
Im allgemeinen iſt in der Art der Behandlung der Biere
im Lagerkeller kein Unterſchied zwiſchen Schänk⸗ und Lager⸗
bier. Allein in Brauereien, die keine Eismaſchinen haben
und in denen das nötige Eis nicht in ſo großen Quantitäten
vorhanden iſt, daß von kontinuierlichem Betrieb die Rede ſein
kann, d. h. daß das ganze Jahr über gebraut werden könnte,
mit kurzer Unterbrechung vielleicht zum Zwecke einer gründ⸗
lichen Reinigung oder Ausführung notwendiger Reparaturen,
iſt es Aufgabe, die Keller ſchon während der kälteren Monate
mit Bier zu füllen, das dann in den wärmeren Monaten zum
Ausſtoß gelangt. Biere, die eine 6 bis 8 monatliche Lager⸗
zeit durchzumachen haben, verlangen nun eine größere Auf⸗
merkſamkeit, und es muß alles berückſichtigt werden, was die
Biere haltbarer, widerſtandsfähiger zu machen imſtande iſt.
Die gleiche Aufmerkſamkeit verlangen auch die Verſand⸗Ex⸗
portbiere, die auf dem Transport den verſchiedenſten nach⸗
teiligen Einflüſſen ausgeſetzt ſein können.
In erſter Linie wird man für Lagerbiere nur die beſten
Rohmaterialien verwenden und nur jene Biere für längere
Lagerzeit auswählen, bei deren Herſtellung alle jene Er⸗
ſcheinungen, die ſowohl im Sudhaus wie im Gärkeller auf
ein vollſtändig zufriedenſtellendes Reſultat ſchließen e
in günſtigſter Weiſe beobachtet wurden.
Die Lagerbiere werden in den beſſeren Abteilungen e
gebracht. Je näher, wie ſchon geſagt, die Temperatur des
Lagerkellers dem Gefrierpunkte liegt, deſto beſſer. In ſolchen
Kellerabteilungen ſoll die Temperatur niemals über 2 bis 3° C
ſich erhöhen.
Je älter das Bier werden ſoll, deſto klarer, lauterer muß
es in der Regel gefaßt werden. Die Nachgärung darf ja
in dieſem Falle nur langſam verlaufen; würde jedoch das
Bier grün gefaßt, gelangt es mit viel Hefe in das Lager⸗
faß, ſo wird die Nachgärung raſch verlaufen und bleibt das
Bier noch weiter im Keller, ſo treten in ihm Veränderungen
durch Nebengärung ein, das Bier wird ſchal und allmählich
ſauer. Es wurde ſchon früher darauf hingewieſen, daß es
Gärung: Zagerbiere (Sommerbiere). 287
auch nicht angeht, ſehr lauter zu fallen, wenn die Lagerkeller
ſehr niedrige Temperatur (0,5 bis 1° O) haben, weil ſonſt
möglicherweiſe die Nachgärung aufgehoben werden könnte.
Beim Einſchlauchen verfährt man, um möglichſt gleich⸗
mäßiges Bier zu erzielen und die Nachgärung zu verzögern,
in ganz ähnlicher Weiſe wie beim Schänkbier. Meiſt werden
die Fäſſer einer Abteilung halbvoll gemacht und das Bier
von den folgenden Suden ſo verteilt, daß die einzelnen Fäſſer
etwa nach ein bis zwei Monaten, ja erſt nach drei bis vier
Monaten, je nach der Lagerzeit, voll werden. Lange Zeit
dürfen die Fäſſer im ungefüllten Zuſtande, ohne daß von
Zeit zu Zeit daraufgeſchlaucht wird, nicht liegen bleiben.
Man wird deshalb öfters, aber nur in kleineren Quantitäten,
Jungbier darauflaſſen. Die Nachgärung wird nie ganz
ſtille ſtehen, es kommt ja immer etwas neue Nahrung hinzu,
aber ſie wird langſam verlaufen müſſen und das Bier braucht
lange, bis es die zum Ausſtoße gewünſchte Reife erhält.
Während der Nachgärung, ſobald die Fäſſer ſpundvoll
ſind, treten auch bei den Lagerbieren die obengenannten Er⸗
ſcheinungen auf. Doch läßt man dieſe meiſt nur einmal ſtoßen,
käppeln und ſchließt hernach die Spundöffnung loſe, nachdem
dieſe gut gereinigt iſt. Nun bleibt das Bier bis zum Spun⸗
den, oder wenn nicht geſpundet wird, was ja bei ſolchen
Bieren auch vorkommt, ſich ſelbſt überlaſſen.
Nie darf außer acht gelaſſen werden, von Zeit zu Zeit
durch Herausnahme einer Probe aus den einzelnen Fäſſern
ſich von der Beſchaffenheit der Biere zu überzeugen. Dieſe
Probeentnahme kann auch durch Zwickeln geſchehen in der⸗
ſelben Weiſe, wie dies bei der Prüfung auf genügendes
Spunden angegeben iſt. Man bohrt den Boden des Faſſes
in der Mitte an und verſchließt die Offnung nach der
Probeentnahme durch einen Stift aus Holz. Metallzwickel
oder kleine Metallhähne ſind weniger zweckmäßig. Eine
öftere Probeentnahme dürfte ſich deshalb empfehlen, weil ſich
unliebſame Erſcheinungen und Veränderungen, Fehler im
Biere in ihrem Entſtehen beobachten laſſen, wofür entweder
288 Gärung: Abfüllen des Bleres in die Transportfäſſer.
noch Abhilfe getroffen werden kann oder doch durch recht⸗
zeitigen Ausſtoß ein bedeutender Verluſt vermieden wird.
Gewiß empfehlenswert iſt es, wie es in manchen Braue⸗
reien üblich tft, die Fäſſer erſt 4 bis 6 Wochen vor dem Spun⸗
den ganz voll zu machen und käppeln zu laſſen. Es wird da⸗
durch vermieden, daß ſich die Biere bis zum Spunden zu
ſtark „ausgearbeitet, verſchafft“ haben. Iſt letzteres der Fall, ſo
kann das Spunden nicht unterlaſſen werden, im Gegenteil
iſt häufig ein mehrwöchentliches Spunden nötig, damit das
Bier den gewünſchten „Trieb“ bekommt. — Lagerbiere
werden meiſt nicht geſpänt. Es gibt gar viele Brauereien,
in denen keine Späne verwendet werden, doch können dieſe,
wenn nötig, ſehr gute Dienſte tun. Bei langer Lagerzeit,
gute Lagerkeller, gute Jungbiere und richtige Behandlung
der Biere vorausgeſetzt, wird die Klärung der Biere nichts
zu wünſchen übrig laſſen. Sollte die Verwendung von Spä⸗
nen jedoch geboten ſein, ſo muß dies zur rechten Zeit ge⸗
ſchehen. Man ſtopfe dieſe nicht unmittelbar nach dem Vollfüllen
der Fäſſer, ſondern vielmehr 3 bis 4 Wochen vor dem Spunden.
Abfüllen des Bieres in die Transportfäſſer.
Wenn das Bier die zum Ausſtoß nötige Reife beſitzt (und
es iſt bereits geſagt, wie ſich der Brauer davon überzeugen
kann und ſoll), jo wird es in die Transportſäſſer abgefüllt
und gelangt dann zum Ausſchank. Das Abfüllen verlangt
Vorſicht und Fachkenntnis, ſoll nicht das beſte Bier unter
Umſtänden Schaden leiden oder ein zu großer Verluſt an
Bier die Folge ſein. Wo immer es möglich iſt, ſoll das Ab⸗
füllen nicht in der Lagerkellerabteilung ſelbſt vorgenommen
werden, ſondern im Vorkeller. Es wird dadurch jegliche Er⸗
wärmung des Kellers ausgeſchloſſen oder doch auf ein Mini⸗
mum reduziert. Es iſt ſelbſtverſtändlich, je länger man in
einem Keller beſchäftigt iſt und je mehr Perſonen ſich in ihm
aufhalten, deſto mehr Wärme gelangt in den Keller; dieſe
Wärme kann ſehr leicht hinreichend ſein, daß das Bier, zu⸗
mal in den Sattelfäſſern, nicht mehr die gewünſchten, gün⸗
ſtigen Eigenſchaften zeigt. — Bei der gewöhnlichen Art des
Gärung: Abfüllen des Bieres in die Transportfäſſer. 289
Abfüllens verſährt man in der Weiſe, daß bei geſpundeten
Fäſſern zunächſt der Spund aufgeſchlagen wird, um ihn aber
nach ganz kurzem Lüften ſofort mehr oder weniger feſt auf⸗
zuſetzen. Dieſes Lüften kann auch dadurch erreicht werden,
daß der Spund in der Mitte durchbohrt wird. Hierauf wird
der Abfüllhahn, der etwas geöffnet ſein muß, um zu ver⸗
hüten, daß Luft in das Bier gepreßt wird und das Geläger
ſich heben würde, in das Faß eingeführt, indem der Zapfen
Abb. 44. Lagerſaß⸗Anſteck⸗ und Abſeihhahn.
Von Wilhelm Kromer, Schraubenſpundfabrik, A.⸗G. Freiburg l. Br.
ausgeſchlagen, oder der Kork, falls ein ſolcher benützt wurde,
in das Faß getrieben wird.
Dieſe Art des Anzapfens, Anſtecken des Lagerfaſſes hat
immer ihr Mißliches. Es iſt immer ein Verluſt von Bier
damit verbunden, dann geht Kohlenſäure ſehr leicht verloren
und es kommt nur zu oft vor, daß bei ſtark geſpundetem
Bier das Geläger ſich hebt, das Bier trüb wird. Im letz⸗
teren Falle muß man das Faß ruhig liegen laſſen, bis man
ſich überzeugt hat, daß das Geläger ſich wieder geſetzt hat,
das Bier wieder klar geworden iſt (ſiehe Seite 283).
Zur Vermeidung dieſer Kalamitäten werden heutzutage
in den meiſten Brauereien eigene Abfüllhähne (Abb. 44) und
Abfüllapparate mit Gegendruck verwendet.
Um ein ſtarkes Schäumen beim Abziehen zu vermeiden
und die Transportfäſſer leichter voll zu bekommen, wird ein
Bierbrauerei. 19
N
290 Gärung: Abfüllen des Bieres in die Transportfäſſer.
genügend langer Schlauch (am beſten Darmſchlauch) an dem
Abzugshahn befeſtigt und durch das Spundloch des Trans⸗
portfäßchens eingeführt.
Das Abfließenlaſſen des Bieres darf nur langſam ge⸗
ſchehen, wobei ſelbſtverſtändlich der Spund etwas gelockert
ſein muß.
Die Transportfäſſer müſſen möglichſt voll gefüllt werden,
weil ſonſt beim Transport Kohlenſäureverluſt eintreten würde
und das Bier raſch umſchlagen müßte.
Sobald der Spiegel des Bieres bis unter das Spund⸗
loch ſinktt und das Bier nur noch langſam fließt, wird das
Lagerfaß in der Regel etwas gekippt oder mit einer rück⸗
wärts untergeſetzten Winde gehoben, um den noch ziemlich
beträchtlichen Reſt zum Ablauf zu bringen. Durch dieſes
Kippen wird jedoch das Faßgeläger nur zu leicht aufgerührt
und das Bier läuft ganz trüb, ſo daß es nicht zum ſofortigen
Ausſtoß benützt werden kann.
Es ſind ſchon viele Vorrichtungen in Vorſchlag gebracht,
die es ermöglichen ſollen, das unter dem Spundloch ſich be⸗
findende Biere ohne Kippen des Faſſes unter Mitwirkung
des im Faſſe vorhandenen Luftdruckes abzufüllen, und zwar
klar bis auf das Geläger. Die einfachſte einer ſolchen Vor⸗
richtung iſt der ſog. Lagerfaßheber.
Beim Abfüllen muß ein größerer Verluſt an Bier ver⸗
mieden werden. Dieſer Verluſt ſetzt ſich zuſammen aus der
Art bzw. Vorſicht beim Anzapfen, wobei mehr oder weniger
ſog. Vorſchuß erhalten wird, wovon ein Teil verloren gehen
kann, von der Art der Behandlung und Benutzung des Ab⸗
ſeihbieres, Reſtbieres und des Gelägers.
Mehr und mehr finden die Abfüllapparate mit Gegen⸗
druck Verwendung, wodurch der Verluſt beim Anzapfen
ſehr gering iſt, immer aber wird es ſich dennoch empfehlen,
den etwaigen Vorſchuß zu ſammeln und in einem eigenen
Faß unterzubringen. Vielfach iſt es üblich, mit dem Ab⸗
füllen aufzuhören, ſobald das Bier nicht mehr ganz klar
läuft; es iſt dies nur vorteilhaft, um nicht trübe Biere, die
Gärung: Abfüllen des Bieres in die Transportfäſſer. 291
auch bald verderben würden, in den Konſum zu bringen.
Dieſes Abfeihbier wird gleichfalls geſammelt. Fließt das
Bier überhaupt nicht mehr, ſo ſoll der noch über dem Ge⸗
läger ſtehende Reſt, das Reſtbier, durch Benutzung einer
Hebevorrichtung herausgehebert werden. Das Geläger iſt
noch mehr oder weniger mit Bier durchtränkt und die Be⸗
nutzung eines Gelägerfilters oder einer Filterpreſſe ermög⸗
licht auch noch die Gewinnung dieſes Teiles an Bier, ſo daß
der Verluſt an Bier beim Abfüllen auf ein Minimum re⸗
duziert wird.
Freilich iſt es nicht angezeigt, und zwar aus dem vor⸗
erwähnten Grunde, dieſe Reſtbiere auf das klare Biere zu
verteilen, ſondern man wird ſie in eigene Fäſſer, deren Größe
ſich nach dem Betriebe zu richten hat, bringen, jpänen und
kräuſen und bei gehöriger Vorſicht dieſer Manipulation
und vor allem großer Reinlichkeit kann dieſes Bier zum
Konſum gelangen, ohne nach irgendeiner Richtung etwas
zu wünſchen übrig zu laſſen. Für den rechnenden Brauer
wird ſich dadurch ein bedeutender Gewinn ergeben, ſeine
Betriebsverhältniſſe werden ſich günſtiger geſtalten. Es
läßt ſich beim Abfüllen des Bieres ebenſowenig wie bei
den vorausgehenden Operationen der Bierfabrikation jeg⸗
licher Verluſt vermeiden; allein daran muß dem denkenden
und rechnenden Brauer gelegen ſein, den unvermeidlichen
Verluſt auf ein Minimum zu reduzieren. Welche Unter⸗
ſchiede ſich nach dieſer Richtung ergeben, mögen die Zahlen
zeigen, die Prior auf Grund ſeiner Wahrnehmungen an⸗
gibt. Aus 100 1 heißer Würze werden Verkaufsbiere er⸗
halten: 1. Für gut eingerichtete, ſehr ſorgſam geleitete
Brauereien 79 bis 81 1; 2. für weniger gut eingerichtete
und ſorgſam geleitete oder gut eingerichtete und ſorglos ge⸗
führte Brauereien 76 bis 81 1; 3. für mangelhaft eingerichtete
und ſorglos arbeitende Brauereien 73 bis 75 J. Dabei macht
Prior auf die Verluſte aufmerkſam, die beim Filtrieren
des Bieres entſtehen, die in kleineren Brauereien mindeſtens
2% vom Ausſchlagsquantum betragen.
19 *
292 Gärung: Druckregler.
Mußte das Abfüllen in einem Vorkeller als weſentliche
Verbeſſerung bezeichnet werden, ſo ſind in den letzten Jahren
doch noch weitere Fortſchritte gemacht worden. In ſehr
vielen größeren Brauereien findet das Abfüllen in einem
Raum, der über den Lagerkellern ſich befindet, ſtatt, was ge—
wiß große Vorteile bietet. Das Bier wird in Rohrleitungen,
am beſten aus Kupfer, die zum Zwecke der gründlichen Reini⸗
gung auseinandergenommen werden können, in den Abfüll—
Abb. 45. Druckregler.
raum geleitet (Abb. 45). Zur Druckentlaſtung des Lagerfaſſes
wird ein ſog. Druckregler zwiſchen Faß- und Abfüllvor⸗
richtung eingeſchaltet. Das Bier gelangt aus dem Faſſe —
es können zu gleicher Zeit mehrere Fäſſer abgefüllt werden —
durch den Verſchneidbock in Rohrleitungen zum Abfüllapparat,
bzw. wird es mittels des Druckreglers dorthin gedrückt. Bei
Benutzung eines Filters drückt der Druckregler das Bier zu—
nächſt auf das Filter. Auf eine nähere Beſchreibung der Druck—
regler und der verſchiedenen modernen Abfüllapparate kann
Gärung: Flltrierapparate. 293
wegen des beſchränkten Umfanges dieſes Buches nicht einge⸗
gangen werden.
Filtrierapparate. Heutzutage werden bezüglich der
Klarheit und des Glanzes an das Bier ſehr große Anſorde⸗
rungen geſtellt. Biere, die nach dieſer Richtung nicht zu ent⸗
ſprechen ſcheinen, werden einfach filtriert. Enzinger hat
zuerſt einen Filtrierapparat konſtruiert, der im Laufe der
Zeit Abänderungen und Verbeſſerungen gefunden hat und
vielfach in Brauereien zur Verwendung kam. Aber auch von
anderer Seite, es ſei nur Stockheim erwähnt, wurden und
werden Filtrierapparate in den Handel gebracht, ſo daß man
jetzt faſt keine Brauerei mehr trifft, in der ſich nicht ein Fil⸗
trierapparat vorfindet. Es iſt gewiß nichts dagegen einzu⸗
wenden. Gar manche Biere wollen ſich nicht klären und
ſelbſt bei Benutzung der üblichen Klärungsmittel, Späne und
ſogar Gelatine und Hauſenblaſe, fehlt der gewünſchte Glanz. In
ſolchen Fällen wird der Filtrierapparat gute Dienſte tun. Bei
Benützung eines Filters kann der Brauer davon abſehen, ge⸗
nannte Klärungsmittel zu benützen, er iſt auch gar nicht darauf
angewieſen, die natürliche Klärung des Bieres abzuwarten, und
wird junges Bier, wenn notwendig, zum Ausſtoß bringen
können. Hinſichtlich des Ausſehens wird das Bier zweifel⸗
los verbeſſert, aber ebenſo gewiß iſt, daß durch das Filtrieren
das Bier geſchmacklich Einbuße erleidet, ſogar die Halt⸗
barkeit nicht immer verbeſſert ſondern manchmal verſchlechtert
wird. Letzteres iſt dann der Fall, wenn die Hefe kleinzellige
wilde Hefe enthält, die durch das Filter nicht zurückgehalten
wird.
Von der zweckentſprechenden Verwendung des Filters und
beſonders von der gründlichen, vollſtändigen Reinigung nach
dem Gebrauch werden die Vorteile abhängig ſein.
In letzter Zeit hat die Maſchinenſabrik vorm. Enzinger
in Worms Filter in den Handel gebracht, die ſich ſehr gut
bewähren. Dabei ſei bemerkt, daß auch andere Firmen,
es ſei nur die Maſchinenfabrik Braun in Nürnberg erwähnt,
Filter mit ſehr gutem Erfolg in die Praxis eingeführt haben.
294 Gärung: Paſteurlſieren des Bleres.
Paſteuriſieren des Bieres. Durch Benutzung der
Filtrierapparate gelingt es nicht, alle Gärungserreger aus
dem Biere zu entfernen. Export⸗ und Flaſchenbiere, wenn
ſie auch mit den beſten Eigenſchaften ausgerüſtet ſind, werden
früher oder ſpäter die guten Eigenſchaften mehr oder weniger
verlieren, trüb werden, je nachteiliger für das Bier die Ver⸗
hältniſſe ſind, unter denen es ſich auf dem Transport be⸗
findet, je ſorgloſer, unverſtändiger die Behandlungsweiſe im
Keller des Wirtes iſt. Man iſt ſeit langem darauf bedacht,
durch Zuſatz von antiſeptiſchen Mitteln das Bier für den
Verſand widerſtandsfähiger zu machen, zu konſervieren. Ab⸗
geſehen davon, daß in manchen Bier produzierenden Ländern
jeder derartige Zuſatz verboten iſt und ſomit die Verwendung
in Wegfall kommt, iſt auch deren Bedeutung gering⸗
wertig. In kleinen Doſen verwendet iſt die konſervierende
Wirkung kaum nennenswert, und in größeren werden Ge⸗
ſchmacksveränderungen des Bieres herbeigeführt. Gegen
manche ſolcher Konſervierungsmittel muß auch vom ſanitären
Standpunkt Einwendung gemacht werden.
Das Paſteuriſieren, nach Paſteur, der dieſes Ver⸗
fahren für Wein zunächſt empfohlen hat, genannt, iſt als
das beſte und dabei vollſtändig unſchädliche Konſervierungs⸗
mittel bis jetzt anzuſehen. Es beſteht darin, daß das Bier
auf 50 bis 60° C und ſelbſt darüber erwärmt und hernach
wieder abgekühlt wird. Wenn auch bei dieſen Temperaturen
die im Biere vorhandenen Bakterien, Hefe uſw. nicht getötet
werden, ſo werden ſie doch in ihrer Entwickelung und Wir⸗
kung ganz beträchtlich gehemmt und das Bier wird lange
Zeit unverändert aufbewahrt werden können, iſt gegen plötz⸗
liche Temperaturſchwankungen auf dem Transport bedeutend
widerſtandsfähiger.
Das Paſteuriſieren wurde anfänglich aus naheliegenden
Gründen ausſchließlich in Flaſchen vorgenommen. Das
Bier wird in Flaſchen abgefüllt, und zwar ſo, daß zwiſchen
dem gut verſchließenden Korke und dem Biere ein kleiner
Zwiſchenraum ſrei bleibt. Der Kork wird mit Spagat oder
Gärung: Paſteuriſieren des Bleres. 295
Draht gut verſchnürt und die Flaſchen werden in die Paſteu⸗
riſierungsvorrichtung geſtellt. Die einfachſte einer ſolchen
Vorrichtung beſteht in folgendem: Es wird in einem geeig⸗
neten Lokale ein Kaſten aus Holz aufgeſtellt, der etwa eine Höhe
und Breite von einem Meter hat und deſſen Länge ſich nach
der Größe des Flaſchengeſchäfts richtet. Auf den Boden des
Kaſtens legt man ein einmal gebogenes Rohr und über diejeß ,
in einer Höhe von ungefähr 10 em einen aus Holzſtäbchen
beſtehenden Boden. Der Kaſten wird mit Waſſer von ge⸗
wöhnlicher Temperatur gefüllt und die Flaſchen hineingeſtellt.
Die Temperatur des Waſſers wird hierauf langſam erhöht
bis zu dem gewünſchten Grade und die Flaſchen bleiben
wenigſtens ſo lange in dem Kaſten, bis man annehmen
kann, das Bier in den Flaſchen hat auch die betreffende Tem⸗
peratur. Nun nimmt man die Flaſchen heraus und kühlt ſie
in einem entſprechenden Lokale allmählich ab.
Es kommen verſchiedene Paſteuriſierungsapparate zur
Verwendung, die anzuführen und zu beſprechen zu weit führen
würde.
Soll das Bier nur für kurze Zeit konſerviert werden,
oder iſt es nur für weniger entfernten Export beſtimmt, ſo
daß kaum anzunehmen iſt, das Bier iſt nachteiligen Einflüſſen
ausgeſetzt, jo dürfte eine Erwärmung auf 50 bis 56°C ge-
nügen, im anderen Falle iſt eine ſolche auf 62 bis 65° C angezeigt.
Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß beim Paſteuriſieren Flaſchen
zerſpringen werden und ſomit mit einem Verluſt zu rechnen
iſt. Man wird deshalb darauf bedacht ſein, dieſen Verluſt
auf ein Minimum zu reduzieren und erreicht dieſes, wenn
nur gutes Flaſchenmaterial ausgewählt und die Temperatur
nur langſam geſteigert wird. Je höher die Temperatur am
Ende des Paſteuriſierens, deſto größer natürlich der Verluſt.
In größeren Flaſchenbiergeſchäften ſind verbeſſerte Ein⸗
richtungen und Vorrichtungen ſchon zum Zwecke des Rei⸗
nigens und Waſchens, zum Abfüllen des Bieres, zum Ver⸗
korken und Verſchnüren der Flaſchen, wie auch zum Zwecke
des Paſteuriſierens vorhanden.
296 Gärung: Obergärung.
In mehreren Exportbrauereien wird heutzutage in eiſernen,
mit einer Iſolation verſehenen Transportfäſſern das Bier
paſteuriſiert. Fäſſer mit 35, 50, 75 Liter Inhalt werden
benützt. Die Urteile darüber lauten verſchieden.
Es dürfte auf Grund von Verſuchen und Erfahrungen
das Paſteuriſieren des Bieres für den Export das beſte
Konſervierungsmittel ſein, allein davon mußte man ſich über⸗
zeugen, daß das Bier dadurch geſchmacklich verſchlechtert wird
und helle Biere merklich dunkler werden. Auch eine unan⸗
genehme Ausſcheidung eines Bodenſatzes findet nach einiger
Zeit im paſteuriſierten Biere ſtatt, hauptſächlich aus Eiweiß⸗
ſtoffen von verſchiedener Form beſtehend.
Obergärung.
Früher war die Obergärung das allgemein gebräuchliche
Gärverfahren, heutzutage wird ſie durch die Untergärung
mehr und mehr verdrängt. Es exiſtieren zwar auch in Deutſch⸗
land und Oſterreich eine große Anzahl von obergärigen
Brauereien, doch iſt deren Produktionsmenge gering und
meiſt auf Lokalabſatz berechnet.“)
Die Obergärung bietet gegenüber der Untergärung ſo
manche nicht unbedeutende Vorteile. Die Produktionskoſten
ſind im allgemeinen wohl geringer, weil die koſtſpieligen
Lagerkelleranlagen und die Ausgaben für deren Kühlhaltung,
mag ſie nun durch natürliches Eis oder durch Verwendung
einer Eismaſchine geſchehen, in Wegfall kommen. Innerhalb
kurzer Zeit, meiſt ſchon nach einigen Tagen, iſt das Bier zum
Ausſtoß reif. Eine bedeutende Anzahl von Fäſſern iſt nicht
nötig und das Betriebskapital wird häufiger umgeſetzt.
Trotz dieſer Vorteile nimmt die Produktionsmenge aber
mehr und mehr ab, und der Grund dürfte darin liegen, daß
die untergärigen Biere, abgeſehen von dem Geſchmack, der
») Aufmerkſam gemacht ſei auf das Buch von Dr. Fr. Schönfeld, Verlag
von Paul Parey, Berlin: „Herſtellung obergäriger Biere“, das allen Inter⸗
eſſenten ein vortrefflicher Führer und Ratgeber ſein wird.
Gärung: Bottichgärung. 297
den meiſten Bierkonſumenten mehr zuſagt, ſich durch größere
Haltbarkeit und Widerſtandsfähigkeit auszeichnen, wodurch
ſie für weiteren Transport geeignet ſind. Es iſt zwar Tat⸗
ſache und wurde bereits erwähnt, daß in England obergärige
Biere erzeugt werden, die bezüglich der letztgenannten Eigen⸗
ſchaften den untergärigen Bieren in nichts nachſtehen.
Die Obergärung wird durch eine beſondere Art von
Saccharomyces cerevisiae hervorgerufen, die in zuſammen⸗
hängenden Sproßverbänden (bis zu 20 Zellen) während der
Gärung nach oben auf die Oberfläche geht und entweder ab⸗
gehoben wird oder in ein Gefäß abfließt.
Die Temperatur, bei der dieſe Gärung durchgeführt wird,
iſt entſprechend höher, etwa 12 bis 25 C. Dadurch iſt not⸗
wendigerweiſe bedingt, daß die einzelnen Gärungserſcheinungen
innerhalb viel kürzerer Zeit und viel lebhafter auftreten, mit⸗
hin die Gärdauer- bedeutend kürzer ſein muß und ungefähr
nur 36. bis 48 Stunden beträgt.
Das Anſtellen der Würze geſchieht in gleicher Weiſe,
nämlich durch Trockengeben oder Herſühren der Hefe wie
bei der Untergärung, es wird jedoch wegen der höhern An⸗—
jtelltemperatur, 10 bis 20°C, gewöhnlich weniger Hefe, 0,2
bis 0,4 Liter auf ein Hektolſter Würze, gegeben
Die Gärung, Hauptgärung, verläuft entweder in offenen
Gefäßen, Bottichen oder Fäſſern und darnach unterſcheidet
man zwiſchen Bottich⸗ und Faßgärung, wobei in beiden
Fällen, wie bei der Untergärung, dieſelben Gärungser⸗
ſcheinungen beobachtet werden. |
Bottichgärung. Innerhalb 6 bis 10 Stunden überzieht
ſich die Oberfläche der Würze mit einem feinen, weißen Schaum,
die Würze „rahmt ſich“.
Der Schaum wird dichter, konſiſtenter, hebt ſich und be⸗
kommt ein gekräuſeltes Ausſehen, wird klebrig und nimmt
eine gelblichbraune Farbe durch Ausſcheidung von Hopfen⸗
harz an, „Hopfentrieb“.
Die Kräuſen ſteigen höher. An der Oberfläche ſcheidet
ſich eine zähe, gelbliche Schichte von Hefe ab, „Hefetrieb“.
298 Gärung: Faßgärung.
Hierauf fallen die Kräuſen raſch zuſammen und die Decke
beſteht meiſt aus Hefe. Die Hauptgärung, die gewöhnlich
36 Stunden, ſelten 48 oder gar mehr Stunden dauert, iſt
nun beendigt. Es wird die Hefe, damit ſie nicht unterſinken
kann, ſofort abgeſchöpft und das ſog. Jungbier in Fäſſer von
2 bis 4 hl Inhalt gefaßt. Während der Hauptgärung ſetzt
ſich wohl auch ein kleiner Teil der Hefe am Boden des Gär⸗
gefäßes ab (Bodenhefe); es kommt nun vor, daß dieſe Hefe
mit in das Faß gebracht wird, und man rührt deshalb die Hefe
beim Faſſen auf; gewöhnlich wird aber das Jungbier ohne
Bodenhefe gefaßt. Die Fäſſer werden in einen etwas kühleren
Raum gebracht, ſtets ſpundvoll gehalten und das Bier hat
die Nachgärung durchzumachen, die als beendigt gilt, ſobald
keine Hefe mehr ausgeſtoßen wird.
Faßgärung. Die Würze wird in einem Sammelbottich an⸗
geſtellt und dann meiſt ſofort in kleine Fäſſer, etwa ein Hektoliter
faſſend, verteilt. Es tritt bald lebhafte Gärung ein und man
muß dafür ſorgen, daß die Fäſſer immer ſpundvoll ſind. Man
benützt zum Nachſüllen gewöhnlich die Würze, die bei Beginn der
Gärung durch die ſich entwickelnde Kohlenſäure aus den Fäſſern
herausgetrieben wird und in einer untergeſtellten Wanne
ſich anſammelt, oder auch Waſſer. In dieſen untergeſtellten,
vollſtändig gereinigten Wannen ſammelt ſich beim Hefetrieb
auch die Hefe an. Auch die Nachgärung wird in den gleichen
Fäſſern, in denen die Hauptgärung ſtattfindet, durchgeführt.
Man ſorgt durch Nachfüllen, daß die Fäſſer ſpundvoll ſind
und das Ausſtoßen regelmäßig vor ſich geht. Hört das Aus⸗
ſtoßen der Hefe auf, ſo iſt die Nachgärung beendet. Die
Spundöffnung wird gut gereinigt und dann der Spund zu⸗
nächſt loſe, ſpäter feſt aufgeſetzt, bis das Bier dem Konſum
übergeben wird. Vielfach wird das Bier jedoch nach einem
oder einigen Tagen auf Flaſchen von Glas oder Steinzeug
abgezogen, in denen es ſich nach etwa acht Tagen vollſtändig
klärt und das nötige Mouſſeux erhält. Beim Offnen der
Flaſchen iſt ein mißlicher Umſtand der, daß ſich der ſtarke
Bodenſatz leicht hebt und das Bier trübt. Durch Zuſatz von
Gärung: Süßbier und Einfachbier. Berliner Welßbter. 299
Hauſenblaſenlöſung zu obergärigem Flaſchenbier erreicht man
ein feſteres Abſetzen der Hefe, ſo daß bei einigermaßen vor⸗
ſichtigem Entleeren der Flaſche die Hefe nicht mitgeriſſen wird.
Auch Rohrzucker (auf 1 hl Bier etwa 1½ Pfd. Zucker) wird
vor dem Abziehen in Flaſchen dem Biere zugeſetzt, in Bayern
etwas ſterile Würze, wodurch eine beſſere Klärung und größere
Haltbarkeit der Biere, ſtärkere Schneid, erzielt wird.
Auf größtmögliche Reinlichkeit im ganzen Betriebe iſt in
obergärigen Brauereien beſonders zu ſehen, denn da bei
höheren Temperaturen gearbeitet wird, müßten ſich Reinlich⸗
keitsfehler noch eher geltend machen und bitter rächen.
Die Infektionsgefahr bei Herſtellung von obergärigen
Bieren iſt viel größer, daher treten häufiger anormale Gärungs⸗
erſcheinungen und Krankheiten der Biere auf.
Zur Herſtellung der obergärigen Biere, in Deutſchland
und Oſterreich Weißbiere, Weizenbiere genannt, wird
meiſt ein Gemenge von Gerſten⸗ und Weizenmalz oder auch
ausſchließlich Weizenmalz verwendet. Das Maiſchverfahren
zur Erzeugung von untergärigem Bier iſt das ſonſt übliche
Dickmaiſch⸗ oder Infuſionsverfahren. Schönfeld unterſcheidet
in ſeinem vorerwähnten Buche der Herſtellung obergäriger
Biere vier Gruppen norddeutſcher obergäriger Biere, die
ſich nach ihrem ganzen Weſen und Charakter deutlich von ein⸗
ander trennen laſſen.
1. Süßbier und Einfachbier, mehr oder minder tief
dunkel gefärbte und ſchwach gehopfte, niedrig vergorene Bier⸗
ſorten. Als Einfachbiere gelten ſpeziell die aus 5 bis 7prozen⸗
tigen Würzen erzeugten Biere. Doch werden auch ſolche aus
10 bis 12 prozentigen Würzen hergeſtellt, die verſchiedene
Namen führen. Alle dieſe Biere zeichnen ſich durch einen
mehr oder weniger milden und malzigſüßen Geſchmack aus. Ver⸗
wendung findet Gerften= bzw. Weizenmalz, teils auch Zucker.
2. Berliner Weißbier, das jetzt aus einer Miſchung
von Weizen⸗ und Gerſtenmalz im Verhältnis von 3 bzw.
2: 1 hergeſtellt wird. Maiſchverfahren: Dekoktion oder In⸗
fuſion. Charakteriſtiſch iſt das Nichtkochen der Würze, um
300 Gärung: Verliner Weißbier.
den typiſchen Weißbiergeſchmack zu erhalten und die Ver⸗
wendung von hochvergärender Hefe mit langgeſtreckten
Milchſäurebakterien. Da die Würze nicht mit Hopfen gekocht
wird, muß dieſer auf andere Weiſe der Würze zugeführt
werden. Meiſtens geſchieht es, daß vor dem Einmaiſchen der
Hopfen, auf einen Zentner Schüttung / bis 1 Pfd. Hopfen,
in die Maiſchpfanne zu dem zum Aufbrühen nötigen Waſſer
kommt und damit gekocht wird. Der Hopfen macht den ganzen
Maiſchprozeß mit und gelangt mit den Trebern in den Läuter⸗
bottich und gibt ſo ein gutes Filtriermaterial für die Würze
ab. Zur beſſeren Ausſüßung der Treber wird faſt kochend
heißes Waſſer benützt, was in dieſem Falle geſchehen kann,
weil die Abmaiſchtemperatur nicht höher als 80 bis 82°C
iſt und die filtrierte Würze noch eine große Menge wirkſamer
Diaſtaſe enthält, ebenſo keine Kleiſtertrübung zu befürchten iſt.
Die heiße Würze wird nach dem Abläutern raſch abgekühlt,
(Kühlſchiff. Kühlapparate) und in großen Stahlbottichen bei
13 bis 20° C mit Hefe angeſtellt. Heſemenge gewöhnlich 11
auf 5 hl Würze. Nach Verlauf von 8 bis 12 Stunden wird die
Würze in kleinere Bottiche geſchlaucht. Bei lebhafter werdender
Gärung ſammellt ſich auf der Oberfläche eine Decke aus einem
Gemiſch von Hopfenharz, Eiweiß, Weizenfett, die ſchwarz ge⸗
färbt iſt: „Pichbärma“; man hebt ſie ſorgfältig ab. Später
tritt der Hopfentrieb ein. Die ganze Hefenſchicht bleibt bis
zum Ende der Hauptgärung auf dem Biere ſtehen und wird
erſt beim Schlauchen abgenommen. Die Gärdauer beträgt
drei bis fünf Tage.
Nach Beendigung der Bottichgärung wird das Bier auf
einen Sammelbottich geſchlaucht, von dem es zuſammen mit
Friſchbier aus dem Anſtellbottich in verſchiedenen Verhältniſſen
auf kleinere Gebinde, Flaſchen oder Steinkrüge abgezogen
wird. Erwähnt ſei auch, daß dieſes Gemiſch von Ausſtoß⸗
und Friſchbier einen den Wünſchen der Konſumenten ange⸗
paßten Waſſerzuſatz von 10 bis 35% erhält. Daher kommt
die Bezeichnung, „Halbbier“, zum Gegenſatz von „Voll⸗Ganz⸗
weiße“, Bier ohne Waſſerzuſatz.
Gärung: Grätzer Bier. Lagerblerähnliches Bitterbier. 301
Eine Ausnahmeſtellung wie etwa bei untergärigen Bieren
Bock und Salvator nimmt bei den Weißbieren das „Märzen⸗
bier“ ein, das wegen ſeines weinſäuerlichen Geſchmackes ſehr
geſchätzt wird.
Stammwürze 12 bis 14 bis 16 %⅝ . Die Nachgärung
macht dieſes Bier ohne Waſſerzuſatz in Flaſchen durch. Sie
dauert, bis das Bier in den Konſum kommt monatelang.
Vielfach beſteht noch die Eigentümlichkeit, die Flaſchen in
Sand oder Erde einzugraben und ſie unter möglichſt kühlen,
gleichbleibenden Temperaturen zu halten.
3. Grätzer Bier, ein rauhig⸗ bitteres Bier, hergeſtellt
aus reinem Weizenmalz mit intenſivem Rauch- und Hopfen⸗
geſchmack. Das Grünmalz wird während des ganzen Darr⸗
prozeſſes einer förmlichen Räucherung unterworfen, wird hoch
abgedarrt und beſitzt neben dem Rauchgeruch ein ſtarkes
Aroma. Als Maiſchverfahren dient das Infuſionsverfahren.
Große Hopfengabe; auf 1 Ztr. Malz 3 Pfd. Hopfen. Stamm⸗
würze nur 7%j . Die Gärung wird in Bottichen bei 15 bis
20°C durchgeführt. Da die Bottichbiere infolge von Aus⸗
ſcheidung größerer Mengen Eiweiß- und Harzſtoffe keinen
Bruch bekommen, werden ſie mit Hauſenblaſe verſetzt und in
Fäſſer geſchlaucht. Nach zwei bis drei Tagen ſind ſie vollſtändig
klar und reif zum Abfüllen in Verſandgefäße oder Flaſchen
und erhalten dabei Kräuſen in der Höhe von 2 bis 5%,
4. Lagerbierähnliches Bitterbier, ein aus 9prozen⸗
tiger Würze hergeſtelltes Bier. Die Würze wird bei 10 C an⸗
geſtellt, nach 6 bis 7 tägiger Gärung mit ſchönem Bruch in
große Lagerfäſſer geſchlaucht und bei einer Kellertemperatur
von 6 bis 7°C der Nachgärung unterworfen. Man klärt mit
Spänen und zieht nach genügender Spundung goldklar durch
das Filter ab. Dieſes Bier beſitzt einen ſtarken Hopfenge-
ſchmack, der darauf zurückzuführen iſt, daß die Würze mit
viel Hopfen gekocht wird und daß außerdem noch im Lager-
faß gebrühter Hopfen mit dem Brühwaſſer zugegeben wird.
5. Engliſche Biere. Die bekannteſten engliſchen Biere
ſind ein lichtes, weiniges Bier, Ale (Pale Ale und Mild
302 Gärung: Engliſche Biere.
Ale), und ein dunkles, vollmundiges, ſchweres Bier, Porter
(gewöhnlicher Porter und doppelter Porter, Stout). “
Die Rohmaterialien, die zur Herſtellung diefer Biere ver⸗
wendet werden, find helles und dunkles Malz, braunes und
ſchwarzes Kriſtallmalz, Zucker, Reis und Mais.
Schon dem Waſſer wird eine große Bedeutung zuge⸗
ſchrieben, will man ein Bier von ganz beſtimmten Charakter
erzeugen. Für die Herſtellung von Ale wird gipsreiches, für
Porter gipsarmes Waſſer verwendet. Iſt das Waſſer für
einen Zweck zu arm an Gips, jo findet Gipszuſatz ftatt, „Bour⸗
toniſieren“ des Waſſers; enthält es jedoch für den anderen
Zweck zu viel Gips, ſo wird Soda zugeſetzt. Auch bei Vor⸗
handenſein von viel Kalk in Form von doppeltkohlenfaurem
Kalk wird zur Entfernung des größten Teiles des Kalkes
das Waſſer vor dem Gebrauche gekocht, um es dann, weich
gemacht, für die Porterbrauerei benützen zu können.
Beim Darr⸗ und Maiſchprozeß wird auf alle jene Faktoren
Rückſicht genommen, die auf eine beſtimmte Zuſammenſetzung,
auf einen charakteriſtiſchen Geſchmack der Würze bzw. des
Bieres von Einfluß ſind. Will man z. B. Porter von
gewünſchtem Charakter erhalten, von brenzligem Geſchmack,
ſchwacher Vergärung, großer Vollmundigkeit, Schaumhaltig⸗
keit und Haltbarkeit, ſo iſt es notwendig, daß die diaſtatiſche
Kraft des Malzes auf der Darre ſchon und weiter beim Maiſch⸗
prozeſſe geſchwächt wird, ſo daß der Abbau der Stärke mehr
zugunſten von Dextrin, weniger zugunſten von Maltoſe
ſtattfindet. Hohe und langdauernde Abdarrtemperatur
des Malzes, raſches Erhitzen der Maiſchen, beſonders
ſchnelles Überſchreiten der günſtigen Verzuckerungstem⸗
peratur ſind jene Punkte, wie bei den einzelnen Prozeſſen
) Ausführliche Angaben über die Bereitung der engliſchen Biere finden ſich
in dem Handbuch der Brauwiſſenſchaft von Morris und Moritz, deutſche Über:
ſetzung von Windiſch (Berlin 1895) und in dem Lehrbuch der Bierbrauerei von
Lintner (Braunſchweig 1875). Vor allem ſei hingewieſen auf, das wiederholt
erwähnte Buch von Schönfeld (Berlin, Parey), in dem auf Grund eigener Be⸗
obachtungen und Erfahrungen die Herſtellung der engliſchen Biere in ausführ⸗
licher Weiſe beſprochen wird.
Gärung: Englifche Biere. 303
ſchon des näheren ausgeführt, welche die Diaſtaſe ſchwächen
oder zerſtören.
Das übliche Maiſchverfahren iſt das Infuſionsverfahren.
Eingemaiſcht wird meiſt in der Weiſe, daß das für einen
Sud beſtimmte Malzſchrot unter Benutzung eines Vormaiſch⸗
apparates mit dem Maiſchwaſſer, in dem das zur Verwendung
kommende Zuckerquantum gelöſt iſt und das eine Temperatur
von 75°C hat, vermiſcht wird und dann in den Maiſchbottich,
in dem ſich etwas heißes Waſſer vorfindet, gelangt. Der
Maiſchbottich iſt zugleich Läuterbottich, hat alſo doppelte
Böden, von denen der obere mit Löchern oder Schlitzen ver⸗
ſehen iſt. Auch findet ſich an den meiſten Maiſchbottichen
eine Einrichtung, die es ermöglicht, von unten her Waſſer in
den Bottich einzuführen. Um ein gutes, gleichmäßiges Ver⸗
teilen der Maiſche zu erreichen, muß während des Ein⸗
maiſchens das Maiſchwerk flott im Gange erhalten werden,
da ja ſehr dick eingemaiſcht wird und die Waſſermenge (Guß)
gering iſt: 1,30 bis 1,50 hl für ein Hektoliter Schüttung. Nach
dem Einmaiſchen wird in den Maiſchbottich von unten heißes
Waſſer eingeführt und bleibt ſodann die Maiſche bei einer Tempe⸗
ratur von 62°C ungefähr 1½ bis 2 Stunden zum Zwecke
der Verzuckerung auf Ruhe. Nach Ablauf dieſer Zeit wird
die erſte Würze mit etwa 22 bis 24% B. gezogen. Hernach
wird die entſprechende Menge heißes Waſſer für die zweite
Würze entweder auch von unten oder mittels eines Anſchwänz⸗
apparates auf die Treber in den Bottich gebracht, gut durch⸗
gemaiſcht und die Maiſche nun ebenfalls 40 bis 50 Minuten
der Ruhe überlaſſen. Hernach wird die zweite Würze ge⸗
zogen, die gleichfalls ſtark dunkel läuft und gewöhnlich eine
Saccharometerangabe bis zu 15% B. zeigt. Nun wird die
Würze mit Hopfen gekocht, und zwar entweder die geſamte
Würze in einer Pfanne oder die einzelnen Würzen mit ihren
Nachgüſſen in eigenen Pfannen. In letzterem Falle wird der
in der erſten Würze ausgekochte Hopfen nochmals zur zweiten
Würze verwendet, was ſich aber nur für Biere mit kurzer
Lagerzeit empfiehlt. Die Kochdauer beträgt 2 bis 2½ Stunden
304 Gärung: Engliſche Biere.
und hernach wird mittels Kühlſchifſen oder Kühlapparaten
die Würze auf die Anſtelltemperatur 14 bis 16° C herunter⸗
gekühlt.
Häufig wird durch Anſchwänzen der Treber noch eine
weitere Würze gezogen und dieſe zur Bereitung von ſog.
Dünnbier benutzt.
Die Hauptgärung verläuft als Obergärung, und zwar
werden verſchiedene Gärſyſteme angewendet, die darauf ab⸗
zielen, einen langſameren oder ſchnelleren Verlauf der Gärung
herbeizuführen, eine ſchnellere oder langſamere Klärung der
Biere zu veranlaſſen.
Die Würzen von Doppelporter, Stout, zeigen durch⸗
ſchnittlich eine Saccharometeranzeige von 20% B., die Gär⸗
dauer beträgt 48 Stunden, die Saccharometeranzeige am
Ende der Hauptgärung 6,8% B. Einfacher Porter 14,5 % B.
Stammwürze, Gärdauer 36 Stunden, am Ende der Haupt⸗
gärung 4.5% B. Dünnbier 4,5% B., Gärdauer 24 Stunden,
1,3% B. am Ende der Hauptgärung.
Die Nachgärung geſchieht in den ſog. Reinigungsbottichen
oder ⸗fäſſern, die um ihre Achſe drehbar find und Steigröhren
beſitzen, durch welche die ausgeſtoßene Hefe in eine Sammel⸗
rinne fließt, wo ſie von dem mitgeriſſenen Biere leicht ge⸗
trennt werden kann. Die Reinigungsbottiche beſitzen am
oberen Rande eine viereckig ausgeſchnittene Offnung, die an
drei Seiten von Brettchen eingefaßt iſt und auf der vorderen
Seite mit einem Abfluß für die ausgeſtoßene Hefe verſehen iſt.
Die Nachgärung dauert zwei bis drei Tage. Am erſten Tag
iſt ſie ſehr lebhaft und wird viel Hefe mit Bier vermengt
ausgeſtoßen, was in einer untergeſtellten Wanne aufgefangen
wird. Hefe und Bier ſcheiden ſich nach kurzer Zeit, erſtere wird
zur Einleitung neuer Gärungen mit verwendet, letzteres mit
dem Porter vermengt.
Nach Beendigung der Nachgärung, ſobald keine Hefe mehr
ausgeſtoßen wird, iſt das Bier reif und wird nun ent⸗
weder gleich zum Ausſtoß abgezogen oder kommt auf Lager⸗
fäſſer und ſpäter, jedoch längſtens nach vier Wochen, zum Verkauf.
Gärung: ule. 305
Ale. Zur Herſtellung von Ale werden nur lichtes Malz
und Zucker angewendet. Es werden gleichfalls zwei Würzen
gezogen, die eine Saccharometeranzeige von 23,5% B. und
4,5 % B. zeigen.
Die Gärdauer der Hauptgärung beträgt ein bis zwei Tage,
die der Nachgärung ebenſolange. Zur Erzeugung einer leb⸗
haften Nachgärung wird Zucker oder wäſſeriger Malzauszug
zugeſetzt. Von letzterem darf nur wenig benützt werden,
damit die Haltbarkeit der Biere nicht darunter leidet.
Für Ale genügt etwa 0,4 Liter auf ein Hektoliter; Schank⸗
biere erfordern die doppelte Menge. Bereitet wird dieſer
Malzauszug, indem man zwei Teile gemahlenes lichtes Malz
in fünf Teilen kalten Waſſers einteigt, ſechs Stunden unter
zeitweiligem Umrühren ſtehen läßt, dann die Flüſſigkeit ab⸗
gießt und filtriert. Sind die Biere reif, ſo werden ſie mit⸗
einander gemengt in die Ausſtoßfäſſer abgezogen. Zu dieſem
Zwecke werden die Wechſel ſämtlicher Gärgefäße gleich⸗
zeitig geöffnet und die Biere miſchen ſich und gelangen
in die Ausſtoßfäſſer mit einer Saccharometeranzeige von
etwa 5 bis 6% B.
Würzen für Porter und Ale, die ein hohes Alter erreichen,
ſind noch ſtärker und dieſe Biere werden in geſchloſſenen
Lagerbottichen oft jahrelang aufbewahrt.
Gewöhnlich werden die Biere, hauptſächlich Pale Ale,
um ſie beſſer zu konſervieren und ihnen ein mehr ausge⸗
prägtes Hopfenaroma zu verleihen, in den Transportfäſſern
nochmals gehopft, es wird auf ein Hektoliter Bier / bis / Pfd.
des beſten, feinſten Hopfens zugegeben. In Beziehung auf
Klarheit der Biere werden heutzutage weit größere An⸗
forderungen geſtellt als früher. Da es nun nicht immer
angeht, die Biere ſo lange lagern zu laſſen, bis ſie den ge⸗
wünſchten Grad der Klarheit erlangt haben, ſo benützt man zu⸗
mal für Schankbiere künſtliche Klärungsmittel. Hauptſächlich
wird eine Auflöſung von Iſinglaß in Säure angewendet.
Die Flaſchenbiere bedürfen einer beſonderen Behandlung,
ſollen ſie die entſprechende Haltbarkeit und den gewünſchten
Bierbrauerei. 20
306 Gärung: Selbſigärung.
charakteriſtiſchen Geſchmack beſitzen. Dieſe Biere werden aus
den beſten Rohmaterialien hergeſtellt, haben zunächſt die Faß⸗
gärung durchzumachen und werden dann geſpundet. Hierauf,
wenn das Bier genügend „Trieb“ hat, wird es in Flaſchen
abgezogen und in einen Raum, der eine Temperatur von etwa
17 bis 21° Chat, gelagert. Durch die wärmere Tempera⸗
tur gerät die im Bier vorhandene Hefe wieder in Tätigkeit,
es tritt neuerdings Gärung ein und gerade dieſe Flaſchen⸗
gärung ſoll der Grund für den angenehmen, ſcharfen Geſchmack
der Flaſchenbiere ſein.
Selbſtgärung.
Wie ſchon erwähnt, iſt noch eine dritte Art von Gärung
bei Bierwürzen zu unterſcheiden, die Selbſtgärung. Das
Danziger Joppenbier und insbeſondere belgiſche Biere
werden durch dieſe Art von Gärung erzeugt. Die abgekühlte
Würze wird in Fäſſern von zwei bis drei Hektoliter Inhalt
abgefüllt und in kühlen Kellern ohne irgendeinen Hefezuſatz
der Selbſtgärung überlaſſen. Die aus der Luft im Gärraum
in die Würze gelangenden Gärungsorganismen und die von
früheren Gärungen in den Fäſſern zurückbleibenden Hefen
und Bakterien verurſachen die Gärung. Hie und da, doch
äußerſt ſelten, wird zur Einleitung der Gärung etwas Ober⸗
hefe oder gärende Maiſche benützt. Dieſe Gärung iſt keine
reine Alkoholgärung und dauert ſehr lange, 10 bis 20
Monate und darüber. Die Biere klären ſich ſchlecht, ſie
ſind ſchleimig, beſitzen keinen Glanz, haben einen herben,
ſtark bitteren, eigentümlichen Geſchmack, der mit durch den
hohen Milchſäuregehalt bedingt it, zeichnen fich jedoch durch
große Haltbarkeit aus.
Belgiſche Biere. In Belgien werden zwei Sorten Bier.
La mbic und Mars, erzeugt. Eine Miſchung dieſer beiden
Biere hat die Bezeichnung Faro. Zur Herſtellung wird
neben Gerſtenmalz hauptſächlich Weizen verwendet, deſſen
Menge verſchieden iſt. Es kommt vor, daß die Menge des
Gärung: Belgiiche Biere. 307
verwendeten Weizens größer iſt als die des Gerſtenmalzes.
Für manche Lokalbiere wird auch Hafer benutzt.
Das Maiſcheverfahren iſt das Infuſionsverfahren, bzw.
ein gemichtes Verfahren. Die Schüttung, meiſt gleiche
Teile Gerſtenmalz und Rohfrucht (Weizen), wird in warmem
Waſſer eingemaiſcht, ſo daß die Temperatur der Maiſche
50 bis 52°C beträgt. Nun wird die erſte Würze ſofort ge⸗
zogen und zwar entweder abgehoben, indem ſpitze, unten halb⸗
kugelige Körbe aus Weidengeflecht in die Maiſche hinein⸗
gedrückt werden und die Würze dann abgeſchöpft wird, oder
in beſſer eingerichteten Brauereien unter Benutzung von
Läutervorrichtungen in die Pfanne gelaſſen. Die Würze iſt
ſelbſtverſtändlich vollſtändig trüb und wird nun in der
Pfanne langſam erwärmt und ſchließlich gekocht. Hierauf
wird ſie in den Maiſchbottich zurückgebracht und damit die
Temperatur der Maiſche im Bottich erhöht. Dieſe Operation
wird des öfteren wiederholt, bis die Abmaiſchtemperatur
von 75 bis 78° C erreicht iſt. Sodann wird abgeläutert
und die Treber werden durch wiederholtes Anſchwänzen
mit heißem Waſſer ausgezogen. Die erſteren Würzen,
ſog. Vorderwürzen werden zur Herſtellung der ſtärkeren
Biere, Lambic, verwendet. Aus einer Schüttung von 50 kg
Gerſtenmalz und 50 kg Weizen erhält man durchſchnittlich
200 1 Lambicwürze von 15 bis 16% B. und durch Aus⸗
ſüßen der Treber 230 bis 2501 Marswürze von ungefähr
7% B. Die erhaltenen Würzen werden hierauf mit Hopfen
(auf ein Hektoliter Würze wird etwa / Pfund genommen)
10 bis 12 Stunden gekocht. Die gekochte Würze gelangt her⸗
nach auf das Kühlſchiff und von da nach entſprechender
Kühlung in Fäſſer von etwa zwei bis drei Hektoliter Inhalt,
in denen ſie der Selbſtgärung überlaſſen wird. Die Gärung
tritt manchmal ſchon nach einigen Tagen ein, hie und da aber
auch erſt nach einigen Wochen und dauert, wie bereits erwähnt,
10 bis 20 Monate. Die Temperatur der Gärung beträgt
9 bis 12 C. Die Spundöffnung der Fäſſer bleibt während
der ganzen Zeit der Gärung offen und wird von Zeit zu Zeit
20*
308 Gärung: Belgiſche Biere.
mit Würze nachgefüllt. Nach Beendigung der Gärung bleibt
das Bier gewöhnlich noch bis zu einem vollen Jahre liegen,
damit es klar wird und die gewünſchte Reife bekommt. Die
Biere zeigen am Ende der Gärung eine Saccharometeran⸗
gabe von 5 bzw. 2½ % B.
Zur Bereitung der dritten Bierſorte, Faro, werden
entweder ſchon Lambic⸗ und Marswürze oder, was häufiger
zu geſchehen pflegt, die fertigen Biere in gleichen Teilen mit⸗
einander vermiſcht. Um in Beziehung auf Geſchmack und
Farbe der Biere allen Anforderungen der Konſumenten zu
entſprechen, wird ein Verſchneiden der Biere oder ein Ver⸗
miſchen von älterem mit jüngerem Biere vorgenommen; dieſen
Zweck hat auch ein Zuſatz von mit Hefe vergorenem Bier
oder ein Zuſatz von Zucker. Die gewünſchte Farbe der Biere
wird durch Verwendung von Farbebier erzielt.
Dieſe Art der Biererzeugung iſt nicht die einzige, ja auch
nicht die, nach der etwa die größte Menge der belgiſchen
Biere hergeſtellt wird. Die Hauptproduktion geſchieht durch
Obergärung. Allerdings ſind in den letzten Jahren auch
mehrere untergärige Brauereien mit allen modernen Ein⸗
richtungen erbaut worden, deren Leitung faſt ausſchließlich
in den Händen von deutſchen Brauern liegt.
Fünfter Abſchnitt. |
Das fertige Bier.
Es iſt bereits gejagt worden, daß entſprechend den drei
Malztypen, die zur Würzegewinnung bereitet werden, auch
drei untergärige Biertypen zu unterſcheiden ſind: das bayriſche
Bier, das entweder braun bis dunkelbraun gefärbt iſt, das
böhmiſche Bier, als deſſen Hauptrepräſentant das Pilſener
zu gelten hat, das eine ſehr lichte, hellgelbe Farbe mit einem
Stich ins Grünliche beſitzt, und weiter jene Biere, die
hinſichtlich der Farbe in der Mitte der beiden genannten
ſtehen: Biere, wie man fie in Wien und auch in Deutſch⸗
land findet. Ein auffallender und für den Konſumenten
zunächſtliegender Unterſchied dieſer verſchiedenen Biertypen
iſt die Farbe, das Ausſehen, dann macht ſich auch im Ge⸗
ſchmack eine ganz weſentliche Verſchiedenheit geltend. Wäre
dies nicht der Fall, ſo dürfte es ja ein leichtes ſein, durch
Benützung von Färbemitteln, Couleur, Farbebier, den Bieren
die entſprechende, gewünſchte Farbe zu verſchaffen. Der
Farbe nach kann ein helleres Bier durch ſolche Hilfs⸗
mittel einem dunkleren ſehr leicht ähnlich gemacht werden,
nicht aber dem Geſchmacke und den ſonſtigen charakteriſtiſchen
Eigenſchaften nach. Von dem bayriſchen Bier iſt bekannt,
daß es ſich durch Vollmundigkeit, durch einen ſüßen Malz⸗
geſchmack auszeichnet, während das böhmiſche, das Pilſener
Bier mehr leer, weinig ſchmeckt und das Hopfenbittere ſtark
hervortritt. Wie hinſichtlich der Farbe alle übrigen Biere
zwiſchen dieſe beiden eingereiht werden können, ſo iſt es auch
der Fall in Beziehung auf Geſchmack und die ſonſtigen
310 Fertiges Vier: Beſtandteile des Bleres. Kohlenſäure.
charakteriſtiſchen Eigenſchaften, die ſich entweder mehr dem
bayriſchen oder dem Pilſener Biere nähern.
Für den theoretiſch gebildeten Brauer kann es keine
Schwierigkeit geben, dieſe verſchiedenen Biere mit ihren
charakteriſtiſchen Eigenſchaften herzuſtellen. Vertraut mit den
Prozeſſen, die ſich bei der Malz⸗ und Würzeerzeugung, während
der Gärung abſpielen, wird er ſie ſo zu regeln verſtehen, daß
das fertige Produkt den gehegten Erwartungen entſpricht.
Beſtandteile des Bieres. Die Beſtandteile des Bieres
ſind neben Waſſer, das in vorwiegender Menge vorhanden
iſt, Kohlenſäure, Alkohol und Extrakt.
Kohlenſäure. Das Bier ſoll reich an Kohlenſäure ſein.
Abgeſehen davon, daß kohlenſäurereiches Bier ſich ſchöner re⸗
präſentiert, macht die Kohlenſäure das Bier zu einem er⸗
friſchenden Getränk und bedingt mit deſſen Bekömmlichkeit.
Es iſt ſomit Aufgabe des Brauers, darauf zu achten, daß das
Bier reichlich Kohlenſäure aufnehmen kann und beim Abfaſſen
und Ausſchank wenig davon verloren geht. Starkes Mouſſeux,
aber auch Schaumhaltigkeit, das iſt Feſthalten des Schaumes
im Trinkglaſe, find geſchätzte Eigenschaften eines Bieres. Auf
die Schaumhaltigkeit iſt nicht nur die Extraktmenge, ſondern
auch deren Zuſammenſetzung von Einfluß, wie auch der Alkohol
eine Rolle ſpielt. Extraktreiche Biere halten in der Regel die
Kohlenſäure länger feſt als extraktarme. Gewiſſe Stoffe des Ex⸗
traktes, Dextrine, Pektinſtoffe, Pentoſane, Albumoſen uſw. ſollen
beſonders die Schaumbildung und Schaumhaltung begünſtigen.
Der Kohlenſäuregehalt der untergärigen Biere beim Aus⸗
ſtoß beträgt 0,2 bis 0,3 %/,. Enthält das Bier weniger Kohlen⸗
ſäure, oder verliert es dieſe beim Ausſchank mehr und mehr
durch ſorgloſe Behandlung oder durch die Länge der Zeit,
bis das Transportfaß leer wird, ſo verliert es den erfriſchen⸗
den Geſchmack, es wird ſchal. Man ſucht dieſem Übelſtand
abzuhelfen durch Benützung von Lufthähnen und Luftventilen,
durch Preſſion, mittels Kohlenſäuredruck. Letzteres iſt auch
in Bayern mit ortspolizeilicher Genehmigung unter ſtrenger
Einhaltung gewiſſer Bedingungen geſtattet.
Fertiges Bier: Alkohol. Extrakt. 311
Alkohol. Der Alkoholgehalt der verſchiedenen Bier⸗
ſorten iſt verſchieden. Er iſt hauptſächlich abhängig von
der Extraktmenge, bzw. von der Zuſammenſetzung des Extraktes
der Stammwürze und der daraus folgenden Höhe des Ver⸗
gärungsgrades. Der Alkoholgehalt ſchwankt zwiſchen 2,5
bis 6% und noch mehr. Bei den Schänkbieren beträgt er
etwa 2,5 bis 3 %, bei den gewöhnlichen Lagerbieren 3,5 bis
4,5 % . Daß die Zuſammenſetzung des Extraktes der Stamm⸗
würze auf die Höhe des Vergärungsgrades und ſomit auf
den Alkoholgehalt des fertigen Bieres von weſentlichem Ein⸗
fluß ſein muß, ergibt ſich ja daraus, daß Würzen von gleichem
Extraktgehalt nicht gleich hoch vergären müſſen, die Biere
nicht gleichen Extraktreſt zeigen. Man wird im allgemeinen
als richtig annehmen können, daß die bayriſchen Biere den
niedrigſten Vergärungsgrad haben und ſomit auch den ge⸗
ringſten Alkoholgehalt, die böhmiſchen Biere den höchſten und
daher die alkoholreichſten ſind, während alle übrigen reinen
Malzbiere in dieſer Richtung ebenfalls in der Mitte dieſer
beiden liegen. Je zuckerreicher die Würzen bei gleicher Menge
des Extraktes ſind, deſto mehr Alkohol wird das Bier be⸗
ſitzen. Aus licht abgedarrtem Malze reſultieren in der Regel
zuckerreichere Würzen und die lichten Biere haben folglich mehr
Alkohol, ſchmecken leicht, leer, weinig und ſind mehr als Ge⸗
nußmittel anzuſehen, während die bayriſchen, alkoholärmeren
Biere einen ausgeprägten vollmundigen, ſüßen Geſchmack
haben und ihnen die Bedeutung eines Nahrungsmittels zukommt.
Extrakt. Was die Menge des Extraktreſtes eines Bieres
anlangt, ſo iſt es ſelbſtverſtändlich, daß ſie verſchieden
ſein muß, abhängig von dem Extraktgehalt der Stammwürze
und bei gleichen Stammwürzen abhängig von der Höhe des
Vergärungsgrades. Bei leichten Bieren beträgt der Extrakt⸗
gehalt gewöhnlich etwa 4 bis 4,5 %, bei Lagerbieren 5 bis
6 %, bei ſehr ſtarken Bieren, Bock, Salvator, 8 bis 10 %.
Was die einzelnen Beſtandteile des Bierextraktes anlangt,
ſo laſſen ſich nach dem heutigen Stande unſerer Kenntniſſe
unterſcheiden: etwas gärungsfähiger Zucker, Dextrine (Achroo⸗
312 Fertiges Bier: Eigenſchaften des Bieres.
dextrine), Gummikörper, Pentoſane, Pektinſtoffe, Röſtprodukte,
ſtickſtoffhaltige Körper, Hopfenöl, Hopfenbitter bzw. Harze,
Hopfengerbſäure, Hopfenalkaloide, Mineralſtoffe, organifche
Säuren, wie Milchſäure, Eſſigſäure, Bernſteinſäure, welch
letztere mit etwas Glyzerin während der Gärung als Neben⸗
produkte entſtehen.
Eigenſchaften des Bieres. Jedes Bier, mag es dieſem
oder jenem Typ zugezählt werden, ſoll klar, glänzend ſein,
einen angenehmen, erfriſchenden Geſchmack beſitzen. In
Beziehung auf Farbe, Vollmundigkeit und Hervortreten
des Hopfen⸗ oder Malzaromas muß es den Anforderun⸗
gen und Wünſchen der Konſumenten entſprechen. Bei Be⸗
ſprechung der Rohmaterialien und der einzelnen Prozeſſe der
Bierfabrikation wurde des näheren angeführt, welche Punkte
der Brauer zu beachten hat, damit er ſich mit der Hoffnung
tragen könne, immer ein gleichmäßiges, wohlſchmeckendes, ge⸗
ſundes Bier zum Ausſtoß zu bringen. Einem tüchtigen, den⸗
kenden und gewiſſenhaften Brauer wird es nicht ſchwer fallen,
tadelloſes Bier zu erzeugen. Allein es kann vorkommen und
kommt auch in der Tat vor, daß bei allem Fleiß und jeglicher
Aufmerkſamkeit im Betriebe das fertige Bier den gehegten Er⸗
wartungen nicht oder nicht vollſtändig entſpricht, daß es fehler⸗
haft, krank iſt. In allen derartigen Fällen muß man es ſich
angelegen ſein laſſen, in erſter Linie die Urſachen dieſer Fehler
und Krankheiten ausfindig zu machen und dann durch geeignete
und erlaubte Mittel zur rechten Zeit Abhilfe zu ſchaffen, ſoweit
es überhaupt noch möglich iſt.
Verwendung von minder guten, mangelhaften Roh⸗
materialien, Fehler beim Maiſch⸗ und Sudprozeß, bei der
Haupt⸗ ſowie Nachgärung, Unreinlichkeit in den verſchiedenen
Zweigen des Betriebes, unrichtige Behandlung des Bieres
vom Gärkeller zum Lagerkeller, beim Abfaſſen in die Trans⸗
portfäſſer, beim Transport, beim Ausſchank, dieſes ſind wohl
die Haupturſachen, falls das Bier mehr oder weniger zu
wünſchen übrig läßt oder geradezu total verdorben, geſund⸗
heitsſchädlich und daher unverkäuflich iſt.
— 313
Fehler und Krankheiten des Bieres.
Geſchmacksfehler des Bieres. Es iſt geſagt worden,
daß jedes Bier, mag es nun dieſer oder jener Art angehören
und infolgedeſſen ein beſtimmter charakteriſtiſcher Geſchmack
bedingt ſein, wohlſchmeckend ſein ſoll. Nun kommt es vor, daß
Biere einen ſchimmeligen, grabelligen, einen intenſiv bitteren,
herben, rauhen Geſchmack beſitzen oder ſtarken Pechgeſchmack,
oder widerlich bitteren, hefigen Geſchmack, unangenehm
dumpfigen Geſchmack haben.
Der ſchimmelige, grabellige Geſchmack iſt nicht
immer auf die Verwendung von ſchimmeligem Malz zurück⸗
zuführen, ſondern meiſtenteils auf ungenügend gereinigtes
Faßzeug, oder darauf, daß das ſorgfältig gereinigte Faßzeug
längere Zeit zugeſchlagen leer ſtehen blieb, ohne vor der Be⸗
nützung nochmals gründlich gereinigt zu werden. Ein weiterer
Grund dieſes Geſchmacksfehlers kann darin gefunden werden,
daß das Faß nach dem Pichen nicht durchgehends glatte
Oberflächen hat und ſich in ſolchen Schlupfwinkeln, während
das Faß leer iſt, Schimmelpilze anſetzen. Oftmals genügt es
ſchon, wenn infolge von Unreinlichkeit im Keller ſchimmelige
Wände und Decken zu finden ſind oder die Bottiche und Fäſſer
außen Schimmel zeigen. Das Bier iſt für Schimmelgeruch
und Geſchmack äußerſt empfindlich. Eine weitere Urſache kann
in der Benützung von Desinfektionsmitteln gelegen ſein, wo⸗
durch das Bier auch noch einen ranzigen, kratzenden Geſchmack
bekommen kann, wenn nämlich nach der Verwendung von
ſolchen Chemikalien, namentlich chlorhaltigen, nicht dafür ge⸗
ſorgt wird, daß ſie durch gründliches Nachwaſchen gänzlich
entfernt werden.
In manchen Gegenden will der Konſument ſtark gehopfte
Biere und bei den weinigen, ganz lichten Bieren muß der
Hopfen hervortreten, doch wird dieſes angenehm Bittere nur
durch Verwendung von feineren Hopfenſorten zu erzielen ſein,
nie darf damit ein rauher, kratziger zu intenſiv bitterer Ge⸗
ſchmack verbunden ſein, wie er ſich zu zeigen pflegt bei über⸗
314 Fertiges Bier: Pechgeſchmack. Widerlich bitterer Geſchmack.
mäßig ſtarker Hopfengabe, bei Benutzung von geringwertigen,
teilweiſe verdorbenen Hopfen, bei zu langer Dauer des
Hopfenſudes, bei etwaigem ſtärkeren oder geringeren Durch⸗
fallen der Decke am Ende der Hauptgärung.
Der Pechgeſchmack kann ſo bedeutend ſein, daß das Bier
geradezu unverkluflich je
rer : en,
— Verwendung von ſchlechten m Bei und Se Jehler beim Biden
fieh-bikter rächen können. Sich
Ein widerlich bitterer Geſchmack kann auch ſeine
Urſache in dem Vorhandenſein gewiſſer Arten von wilder Heſe,
Saccharomyces Pastorianus I dee), in der Stellhefe
haben. In einem ſolchen Falle muß der Zeug gewechſelt
werden, bzw. Reinzucht eingeführt werden.
Ein unangenehm dumpfiger Geſchmack iſt in den
meiſten Fällen die Folge von Mangel an Reinlichkeit im Be⸗
triebe. Es iſt ſchon wiederholt geſagt worden, daß größt⸗
mögliche Reinlichkeit der Räumlichkeiten, der Gefäße, Appa⸗
rate, beſonders der Leitungsröhren, zu beobachten iſt und daß
einfaches Waſchen mit kaltem und heißem Waſſer nicht genügt,
zumal für die Würze⸗ und Bierleitungen. Unangenehmer
Geſchmack kann aber auch herrühren von mangelhaftem Malz
oder mehr oder weniger verdorbenem Hopfen, ſchlecht ge⸗
reinigten Spänen uſw.
Ein weiterer hierher gehöriger Fehler iſt ein brenzlig er
Geſchmack des Bieres. Zu hoch abgedarrtes Malz, beſon⸗
ders wenn auch noch verbrannte Körner darunter ſind, Be⸗
nützung von zu viel oder ſchlechtem Farbmalz, Anbrennen der
Maiſche ſind der Grund für genannten Geſchmacksfehler.
Wie ſolchem Übelſtand abzuhelfen iſt, ergibt ſich aus den an⸗
geführten Gründen für dieſe Geſchmacksfehler von ſelbſt.
Mangel an Kohlenſäure Wwuſſe uh und Schaum-
haltigkeit. E&iſt bereits geſagt worden, daß Mouſſeux und
Schaumhaltigkeit zwei verſchiedene Eigenſchaften des Bieres
Sind, Letztere iſt durch gewiſſe, nicht näher bekannte Beſtand⸗
teile des Bierextraktes bedingt, während das Mouſſeux von
2
Fertiges Bler: Urſachen für Mangel an Kohlenſäure. 315
einem gewiſſen Sättigungsgrad des Bieres mit Kohlenſäure
abhängig iſt. Wohl werden beide Eigenſchaften vereinigt ge⸗
wünſcht, aber nicht immer wird dies zu finden ſein, ohne daß
es als ein beſonderer Fehler im Biere zu bezeichnen wäre,
falls nur das Bier nicht kohlenſäurearm iſt und infolgedeſſen
ſchal ſchmeckt.
Die Urſachen ſür Mangel an Kohlenſäure können ſehr
verſchiedene ſein. Vogel („Der bayriſche Klein- und Mittel⸗
brauer“ 1907/08 und 1908/09) führt hierfür an: Es können
Fehler ſowohl im Lagerkeller ſelbſt, als beim Abfüllen des
Bieres gemacht werden. Abgeſehen davon, daß ſchweißende,
undichte Fäſſer ohne weiteres als Urſache von mangelhaſtem
Mouſſeux anzuſehen ſind, können in der Hauptſache verant⸗
wortlich gemacht werden:
1. Das Fuhrfaß. Durch Fahren über holperige Wege
wird die Kohlenſäure gelockert.
2. Allzulanges Schlauchen an einem Faß, allzulanges,
übertriebenes Stoßenlaſſen und zu ſpäte Spundung.
3. Auch Überſpundung führt beim Abfüllen zu Kohlen⸗
ſäureverluſt.
4. Fehler, die beim Anzapfen gemacht werden durch
übermäßige Erſchütterung.
5. Warme Lagerkeller, Verwendung von ſchon halb-
trockener oder noch warm eingelegter Filtermaſſe, nicht ge=
nügend ausgekühlte, bzw. der Kellertemperatur zu wenig an-
gepaßte Transportfäſſer.
6. Durch große Druckſchwankungen vor und nach
dem Filter, verſchiedene Durchmeſſer der verwendeten
Schläuche und Rohre, ſowie enge Durchgangsöffnungen der
Bierwechſel, Verwendung von rauhen, riſſigen Schläuchen,
rauhen Rohren oder ſchlecht gepichten Transportfäſſern mit
rauher Pechſchicht.
Für mangelhafte Schaumhaltigkeit ſührt Vogel
(oben genannte Zeitſchrift, 1901, Seite 102) folgendes aus:
1. Schlecht gelöſte Malze, bei denen die ſtickſtoffhal—
tigen Beſtandteile nicht in der richtigen Weiſe abgebaut ſind,
316 Fertiges Bier: Mangelhafte Schaumhaltigleit.
begünſtigen eine ſchlechte Schaumhaltung. Bei ſchlecht ge⸗
löſten Malzen, die auch auf der Darre noch verglaſt ſind,
wirkt Stehenlaſſen der kalten Maiſche einer ſchlechten Schaum⸗
haltung entgegen.
2. Längeres Einhalten der Maiſchtemperaturen 50 bis
52 C, Eiweißraſt wirkt ebenfalls ſchlechter Schaumhaltig⸗
keit entgegen. Tüchtiges Vor⸗ und Nachmaiſchen ſoll die
Schaumhaltigkeit fördern. Dauer und Art des Kochens
der Maiſchen und Würzen iſt ebenfalls nicht ohne Einfluß.
Durchlängeres Kochenwird die Schaumhaltigkeit begünſtigt.
3. Ein großer Einfluß wird der Qualität des Hopfens
zugeſchrieben, indem bei Verwendung von altem Hopfen
eine weniger gute Schaumhaltigkeit zu beachten iſt als bei
neuem und gutem Hopfen.
4. Die Art der Gärführung und beſonders ſtarke
Schwankungen der Temperaturen beim Zurückkühlen der
Würze und allzulange Gärfüh rung haben ebenſo wie
5. zu langes Stoßenlaſſen der Biere eine mangelhafte
Schaumhaltigkeit zur Folge.
6. Auch Fehler, die beim Abfüllen gemacht werden
können ſowohl Schaumhaltigkeit wie Mouſſeux des Bieres
beeinträchtigen.
Schale Biere werden auch bald ſauer, trübe und ver⸗
derben ſchließlich vollſtändig.
Iſt zu befürchten, daß ein Bier das entſprechende Mouſſeux
nicht bekommt, daß es ſchal wird oder iſt, ſo kann man dieſem
Fehler meiſtenteils abhelfen, indem man junges Bier darauf⸗
ſchlaucht oder Kräuſen zuſetzt. Die Kräuſen dürfen aber nur
von normal gärenden Würzen ſtammen und wird eine Kräuſen⸗
menge von 2 bis 4 Liter pro Hektoliter Bier genügen. In
bierproduzierenden Ländern, in denen die Verwendung von
flüſſiger Kohlenſäure geſtattet iſt, kann dieſem Übelſtande
ſowohl im Lagerfaſſe als auch beim Ausſchank dadurch ab⸗
geholfen werden.
Trübungen im Biere. Heutzutage werden an die
Klarheit, an den Glanz der Biere ſehr große Anforderungen
Fertiges Bier: Hefetrübung. 317
geſtellt und es kommt oftmals vor, daß die ſonſtigen Eigen⸗
ſchaften eines Bieres weniger Beachtung und Kritik erfahren,
wenn nur das Bier ſchön iſt, einen tadelloſen Glanz beſitzt.
Entſpricht ein Bier nach dieſer Richtung nicht vollſtändig,
iſt es ſchleierig oder gar trübe, ſo iſt es wohl angezeigt, ſich
über die Art der Trübung zu vergewiſſern und rechtzeitig
Abhilfe durch erlaubte Mittel zu ſchaffen.
Hefetrübung. Die am häufigſten vorkommende Trübung
iſt die Hefetrübung, und zwar verurſacht durch Kulturhefe oder
wilde Hefe.
Rührt die Trübung von Kulturhefe her, ſo können als
deren Urſache angeführt werden: Verwendung von mangel⸗
haftem Malze und dadurch wie auch anderſeits durch Fehler
im Maiſchprozeſſe bedingte für die Hefeentwickelung ungünſtige
Zuſammenſetzung der Würze, ſehr kalte Gärführung oder zu
raſches Abkühlen der Würze im Stadium der hohen Kräuſen,
Benutzung von geſchwächter Hefe als Anſtellhefe, mangel⸗
hafter Vergärungsgrad, Unreinlichkeit im Betriebe, beſonders
im Gär⸗ und Lagerkeller, unrationelle Behandlung der Biere
beim Abfüllen vom Lagerfaß in die Transportfäſſer, wodurch
ein Heben des Gelägers bewirkt wird.
Für dieſe Art der Hefetrübung wird mit günſtigem Er⸗
folge Abhilfe getroffen durch Spänen und Aufkräuſen. Ge⸗
nügt dies nicht, jo wird durch Umfaſſen des Bieres in ein
anderes Faß, verbunden mit Spänen und Aufkräuſen, der
Fehler meiſt behoben. Hauſenblaſenlöſung wird in ſolchen
Fällen das Bier klären, wie auch durch Filtrieren, Benützung
eines Filtrierapparates, ſolches Bier von Hefe befreit wird.
Hefetrübung kann auch durch wilde Hefe verurſacht ſein,
jet es, daß die Stellhefe mit wilder Hefe ſtark verunreinigt
war oder eine beträchtliche Infektion ſtattgefunden hat.
Rührt die Trübung von wilder Hefe her, ſo kann das Bier
davon ebenfalls durch Filtration befreit werden, genau jo wie bei
Trübungen, verurſacht durch Kulturhefe, doch iſt häufig das Bier
geſchmacklich ſo geſchädigt, daß es für ſich allein ſelten mehr
zu verwerten und höchſtens noch aufgekräuſt und in kleineren
318 Yertiges Bier: Bakterlentrübung.
Partien mit geſundem Bier verſchnitten in den Konſum ge⸗
bracht werden kann.
Hefetrübung wird man mittels Mikroſkopes leicht kon⸗
ſtatieren können. Weiter kann man ſich von dieſer Art der
Trübung überzeugen, wenn man in einem Schaugläschen
Bier an einem kalten ſtaubfreien Platz einige Tage ausſetzt.
Es wird das Bier wenigſtens in den oberen Schichten klar
erſcheinen. Filtriert man hefetrübes Bier durch ein zuvor
angefeuchtetes Filter, ſo wird die Hefe auf dem Filter zurück⸗
gehalten und das Bier iſt klar, glanzhell.
Bakterientrübung. Bakterien finden ſich wohl in
den meiſten Bieren, aber nie dürfen oder ſollen ſie in ſolcher
Menge angetroffen werden, daß das Bier dadurch trüb er⸗
ſcheint und als Folge davon einen fremdartigen, unange⸗
nehmen Geſchmack und Geruch annimmt und bald verderben
wird, tft
Die Urſachen für Bakterientrübung ſind auf dieſelben
Fehler im Betriebe zurückzuführen, die bei der 1
angegeben ſind, meiſt iſt Unreinlichkeit Grund einer ſolchen
Störung. Die Bakterientrübung iſt eine ſehr gefährliche
Krankheit, und zwar weil, wie erwähnt, derartiges Bier bald
vollſtändig verdirbt, andererſeits es ſehr ſchwer hält, eine
genügende Abhilfe hierfür zu treffen. — Dieſelben Mani⸗
pulationen, die angeführt ſind, um hefetrübe Biere klar zu
machen, werden auch bei Bakterientrübung anzuwenden ſein,
doch werden ſie in den ſeltenſten Fällen zu vollſtändig be⸗
ſriedigenden Reſultaten führen. Es wird daher dem Brauer
ſehr daran gelegen ſein müſſen, durch Verwendung von
guten Rohmaterialien, durch große Reinlichkeit im ganzen
Betriebe, durch reine, gärkräftige Anſtellhefe, welche die Bak⸗
terienentwickelung unterdrücken wird, dieſer Art der Trübung
vorzubeugen.
Die Bakterientrübung läßt ſich nur durch eingehendere
Prüfung und Unterſuchung des betreffenden Bieres ſicher
konſtatieren, wobei auch die verſchiedenen Arten der Bakterien
nachgewieſen werden. Stellt man bakterientrübes Bier in
Fertiges Bier: Kleiſtertrübung. 319
ähnlicher Weiſe, wie oben bei hefetrübem geſagt, in Schau⸗
gläschen auf, ſo wird keine Klärung eintreten, ja meiſt
nimmt die Trübung noch zu, und filtriert man das Bier
durch ein angefeuchtetes Filter, ſo bleibt das Bier ebenfalls
trüb, denn die Bakterien, wenigſtens die Mehrzahl, gehen
durch die Poren des Filtrierpapiers hindurch. Läßt das
Reſultat dieſer Prüfung einen Schluß zu, daß man es mit
Bakterientrübung zu tun haben wird, ſo wird das negative
Reſultat bei Prüfung auf Kleiſter⸗ und Glutintrübung dieſen
Schluß noch mehr gerechtfertigt erſcheinen laſſen.
Kleiſtertrübung kann bedingt ſein durch lösliche Stärke,
eigentlichen Kleiſter oder durch Dextrine, die der Stärke
nahe ſtehen, Amylo⸗ oder Erythrodextrine. ö
Die Urſache hiervon iſt immer die ungenügende Um⸗
wandlung der Stärke beim Maiſchprozeſſe durch die Diaſtaſe,
mangelhafte Verzuckerung. Dieſe mangelhafte Verzuckerung
kann nun veranlaßt ſein durch die Beſchaffenheit des Malzes,
wenn durch zu hohes Abdarren ein großer Teil der Diaſtaſe
geſchwächt oder zerſtört worden und durch unvorſichtiges,
fehlerhaftes Darren viel Glasmalz entſtanden iſt; durch
Fehler beim Maiſchprozeß, Verbrühen der Maiſchen, zu
raſches Erhitzen der Maiſche in der Pfanne, zu hohe Ab⸗
maiſchtemperatur; durch den ſog. Unterteig, zumal wenn die
Vorderwürze bald zum Kochen gebracht wird; durch An⸗
ſchwänzen mit zu heißem Waſſer, zumal für den erſten Nach⸗
guß über 82° C, indem dadurch Stärke, die auch bei gün⸗
ſtigem Verlauf des Maiſchprozeſſes in geringer Menge in
den Trebern zurückbleibt, mehr oder weniger in Löſung ge⸗
bracht wird; durch Verwendung von ſchlechtem Farbmalz.
Kleiſtertrübungen werden weniger häufiger auftreten, ja
vollſtändig verhindert werden, wenn der Brauer den Pro⸗
zeſſen der Malz. und Würzebereitung die entſprechende Aufmerk⸗
ſamkeit ſchenkt, den Verlauf des Maiſchprozeſſes mit wäſſeriger
Jodlöſung kontrolliert. tfiehe - diaftaſtſchen und Maiſchprozeß).
Für Kleiſtertrübung läßt ſich leichter Abhilfe treffen als
für jegliche andere Trübung, und zwar dadurch, daß man
320 Fertiges Bier: Kleiſtertrübung.
durch Zuſatz von Malzmehl oder zweckmäßiger durch einen
wäſſerigen, kalten Malzmehlauszug den nicht verzuckernden
oder ungenügend verzuckernden Anteil der Maiſche bzw. der
Würze und auch des Bieres nachträglich verzuckert. 10 bis
20 g Malzmehl werden mit 200 cem Waſſer bei gewöhn⸗
licher Temperatur einige Zeit lang digeriert und hierauf
filtriert. Das klare Filtrat, in dem die Diaſtaſe des Malz⸗
mehles ſich befindet, der Würze vor dem Kochen, bzw. ehe
die Würze eine Temperatur über 75° C zeigt, in der
Pfanne oder im Gärbottich oder Lagerfaß zugeſetzt, je nach⸗
dem man früher oder ſpäter dieſe Art der Trübung beobach⸗
tet hat, reicht hin, um die Kleiſtertrübung in einem Hekto⸗
liter der betreffenden Flüſſigkeit, Würze, Bier zu heben.
Die Kleiſtertrübung wird, wie ſchon erwähnt, durch Jod⸗
löſung erkannt und es wurde darauf hingewieſen, wie man
zu verfahren hat, falls dieſe Art der Trübung nur
äußerſt ſchwach iſt. Tritt eine derartige Trübung erſt nach
der Hauptgärung oder im Lagerfaß auf, in dem durch Zu⸗
nahme von Alkohol Ausſcheidung von Erythrodextrinen ſtatt⸗
findet, ſo wird nachſtehende Prüfung des Bieres darüber Auf⸗
ſchluß geben. Hat die Unterſuchung auf Hefe⸗ und Bakterien⸗
trübung zu keinem Reſultat geführt, ſo gibt man zum Biere
in einem Reagenzglaſe Jodlöſung von derſelben Farbe, wie ſie
das Bier beſitzt. Dadurch bewirkte Rotfärbung deutet auf
Vorhandenſein von Erythrodextrinen, blauviolette Färbung
auf Amylodextrine und eigentliche Kleiſtertrübung.
Um jegliche Täuſchung auszuſchließen und den Nachweis
von Kleiſter⸗ oder Dextrintrübung ſicher zu erbringen, ver⸗
fährt man zweckmäßig in folgender Weiſe:
Man benützt Jodlöſung, die genau die Farbe des zu
prüfenden Bieres beſitzt und ſchichtet ſie vorſichtig über das⸗
ſelbe. Kleiſtertrübe Biere werden an der Zone, wo eine Ver⸗
miſchung ſtattfindet, eine blaue, violette oder rötliche Fär⸗
bung geben.
Noch empfindlicher wird die Reaktion, wenn man im Bier die
Dextrine und die dieſen verwandten Körper durch Schütteln
Fertiges Bier: Elweißtrübung. Harztrübung. Kriſtalltrubung. 321
mit etwa der 8 fachen Menge Alkohol ausfällt und durch Fil⸗
trieren entfernt. Den Filtrationsrückſtand löſt man in etwas
heißem Waſſer und prüft ihn nach dem Abkühlen mit Jodlöſung.
Eiweißtrübung. Dieſe Art der Trübung iſt auf die
Ausſcheidung ſtickſtoffhaltiger Subſtanzen zurückzuführen.
Wird dei Verwendung von zu ſtickſtoffreicher Gerſte zur
Malzbereitung nicht darauf Rückſicht genommen, daß ein großer
Teil der Proteinkörper in die Keime übergeht, wird das Malz
zu niedrig ab⸗ und nicht gut ausgedarrt, jo kann die Urſache
dieſer Trübung daran liegen. Bei hellen Bieren kommt
ſie häufiger vor als bei dunklen. Beſteht die Ausſcheidung
aus kleineren oder größeren Flocken, dann werden die Eiweiß⸗
körper durch das Filter zurückgehalten.
Als eine beſondere Art der Eiweißtrübung iſt die Glutin⸗
trübung zu bezeichnen, die durch ſehr feinverteilte Eiweiß⸗
körper erzeugt wird und durch Filtrieren des Bieres nicht
vollſtändig entfernt werden kann. Die Glutinkörper haben
die Eigenſchaft, beim Erwärmen des Bieres auf 35 bis 40° C
nahezu vollſtändig in Löſung zu gehen, ſo daß das Bier
hierbei blank wird.
Zu der Eiweißtrübung gehört auch die Metalltrübung,
durch Ausſcheidung von Verbindungen des Eiweißes mit
Metallen verurſacht.
Harztrübung, früher auch Hopfentrübung genannt.
Letztere Bezeichnung iſt, wie Will nachgewieſen hat, falſch,
da dieſe Art der Trübung nicht von Hopfenharz ſondern von
Pech herrührt und daher richtiger als Pechtrübung oder Harz⸗
trübung bezeichnet werden ſoll. Dieſe Trübung kommt ſehr
ſelten vor.
Kriſtalltrübung. Will (Beitichrift f. d. geſ. Brau⸗
weſen, 1910) macht auf den oraljauren Kalk als Urſache von
Biertrübungen aufmerkſam. Es treten jedoch ſolche Trübungen
nicht häufig auf und können leicht mikroſkopiſch nachgewieſen
werden.
Merdtausieh 21
Sechſter Abſchnitt.
Beſteuerung der Bierfabrikation.
Deutſchland.
1. Norddeutſches Brauſteuergebiet. Zur Bereitung von unter⸗
gärigem Bier darf nur Gerſtenmalz, Hopfen, Hefe und Waſſer
verwendet werden. Die Bereitung von obergärigem Bier
unterliegt derſelben Vorſchrift, es iſt jedoch hierbei auch die Ver⸗
wendung von anderem Malze und von techniſch reinem Rohr⸗,
Rüben⸗ und Invertzucker, ſowie von Stärkezucker und aus
Zucker der bezeichneten Art hergeſtellten Farbmitteln zuläſſig.
Für die Bereitung beſonderer Biere, ſowie von Bier, das
nachweislich zur Ausfuhr beſtimmt iſt, können Abweichungen
geſtattet werden.
Die Steuer wird von dem verwendeten Malze bzw. Zucker
erhoben. Unter Malz wird alles künſtlich zum Keimen ge⸗
brachte Getreide verſtanden.
Die Beſteuerung erfolgt nach dem Reingewicht, das bis
auf 100 g genau zu erfolgen hat.
Ein Doppelzentner Zucker wird für einundeinhalb Doppel⸗
zentner Malz und ein Doppelzentner Weizenmalz gleich vier⸗
ſünftel Doppelzentner Gerſtenmalz gerechnet. Dabei wird
jedoch inſoweit, als zur Herſtellung obergäriger Biere auf
100 dz Malz nicht mehr als 25 dz Zucker verwendet werden,
der Zucker, der auf die erſten 150 dz des Jahresverbrauchs
an Malz entfällt, außer Anſatz gelaſſen, der auf die folgenden
100 dz Malz entfallende Zucker nur mit der Hälfte und der
auf weitere 100 dz Malz entfallende nur mit dem Einfachen
ſeines Gewichtes in Rechnung geſtellt. ö
Beſteuerung der Blerfabrikatlon 323
Die Steuer beträgt für jeden Doppelzentner der in einem
Brauereibetrieb innerhalb eines Jahres ſteuerpflichtig ge⸗
wordenen Brauſtoffe:
von den erſten. 250 dz . . 14 Mk.
„ „ folgenden 1250 „ . . 15 „
Fe? a 1500 „ .. 16 „
> a 2000 „ ..18 „
„ dem Reſte 20 „
Für neue Brauereien, die nach dem 1. Auguſt 1909 in
Betrieb genommen werden und mit deren Bau nicht bereits
vor dem 1. Januar 1909 begonnen war, ſowie für Brauereien,
die nach dem 1. Auguſt 1909 wieder in Betrieb genommen
werden, nachdem ſie länger als zwei Jahre außer Betrieb
waren, erhöhen ſich die Steuerſätze in der Zeit bis zum
31. März 1915 um 50 %, in der Zeit vom 1. April 1915
bis 31. März 1918 um 25 °/,.
Für vor dem 1. Oktober 1908 betriebsfähig hergerichtete
Brauereien wird, ſofern in ihnen in den Jahren 1906, 1907
und 1908 im Durchſchnitt nicht mehr als 150 dz Malz ver⸗
arbeitet wurden, die Steuer auf die erſten 150 dz des in
einem Rechnungsjahre verwendeten Malzes auf 12 Mark
pro Doppelzentner ermäßigt.
Für Perſonen, die obergäriges Bier nur für ihren Haus⸗
bedarf bereiten, wird bei einem Verbrauch von nicht über fünf
Doppelzentner pro Jahr die Steuer auf vier Mark pro Doppel⸗
zentner erniedrigt. Verboten iſt, Bier an nicht zum Haus⸗
ſtand gehörige Perſonen gegen Bezahlung abzugeben.
Rückvergütung der Steuer wird bei Ausſuhr von Bier
gewährt, und zwar mit einer Mark für den Hektoliter, ſofern
die betr. Sendung mindeſtens zwei Hektoliter beträgt und
zur Bereitung des Bieres mindeſtens 25 kg Braumaterialien
verwendet werden.
2. Bayern. Zur Erzeugung von untergärigem Bier, Braun⸗
bier, darf nur aus Gerſte bereitetes Malz verwendet werden.
Die Verwendung von Malzſurrogaten iſt verboten.
21*
324 Beſteuerung der Bierfabrikatlon.
Die Steuer wird vom Malz erhoben. Von einem Doppel⸗
zentner ungebrochenen Malzes, ohne Unterſchied zwiſchen
trockenem oder eingeſprengtem Malz beträgt der ſtaatliche
Malzaufſchlag für einen Doppelzentner bei .
bis zu 1000 dz .. 15,0 M.
von mehr als 1000 „ „ 1500 „ . . 15,5 „
„ „ „ 1500 „ „ 2000 „ .. 16,0 „
„ „ „ 2000 „ „ 2500 „ . . 16,5 „
„ „ „ 2500 „ „ 3000 „ .. 17.0 „
„ „ „ 3000 „ „ 3500 „ . . 17,5 „
„ „ „ 3500 „ „ẽ 4000 „ .. 18,0 „
„ „ „ 4000 „ „ 4500 „ . . 18,5 „
„ „ „ 4500 „ „ 5000 „ .. 19,0 „
„ „ „ 5000 „ „ 6000 „ . . 19,5 „
u a, 2 DOOO er 20,0 „
Überſteigt der Malzverbrauch in einer Brauerei inner⸗
halb eines Kalenderjahres die erſte Staffel (1000 dz) um nicht
mehr als 50 dz oder eine der übrigen Staffeln um nicht mehr
als 100 dz, ſo iſt nur für die überſchreitende Menge der
Malzaufſchlag nach dem Satze der höheren Staffel zu entrichten,
andernfalls für die ganze bisher verarbeitete Malzmenge.
Überſteigt in der Zeit bis 3 1. Dezember 1918 der Malz⸗
verbrauch in einem Brauereibetrieb innerhalb eines Kalender⸗
jahres den Durchſchnittsmalzverbrauch der Jahre 1907, 1908
und 1909 bei Betrieben bis 6000 dz jährlichen Malzver⸗
brauch um mehr als 10 von Hundert, bei Betrieben von mehr
als 6000 dz um mehr als 5 von Hundert, ſo erhöhen ſich
für die überſchreitende Menge die Malzaufſchläge um 10 von
Hundert.
Für nach dem 1. März 1910 entſtandene Brauereien oder
die nach dem 1. März 1910 wieder in Betrieb genommen
werden, erhöhen ſich die Malzaufſchlagsſätze um 25 %.
Für Perſonen, die Bier nur für ihren Hausbedarf bereiten
und im Kalenderjahr nicht mehr als fünf Doppelzentner ver⸗
wenden, beträgt der Malzaufſchlag 10 Mark für einen Doppel⸗
Beſteuerung der Bierfabrilation. 325
zentner. Gegen Entgelt darf von dieſem Bier an andere nicht
zum Haushalt gehörige Perſonen nichts abgegeben werden.
Bei Ausfuhr von Bier findet Rückvergütung der Steuer
ſtatt und beträgt dieſe für Braunbier, Weißbier oder bier⸗
ähnliche Getränke jenen Betrag, der ſich aus dem in der
Brauerei angewandten Steuerſatz und der Menge des zu
einem Hektoliter Bier verwendeten Malzes berechnet, wenn
die Ausfuhr mindeſtens 10 bl beträgt.
3. Württemberg. Die Verwendung von Malzjurrogaten iſt
verboten.
Die Steuer beträgt von der in einem Brauereibetrieb
innerhalb eines Rechnungsjahres ſteuerpflichtig gewordenen
Malzmenge
für die erſten. 250 dz . . 14,30 M.
„ „ folgenden 1250 „ . . 17,60 „
. 5 1500 „ . . 19,80 „
” ” " 2000 % 20,90 "
„ den Reãe— 22,00 „
Wird Bier nur zum eigenen Bedarf im Haushalt gebraut, ſo
beträgt die Steuer für die erſten fünf Doppelzentner 4,40 Mark
auf den Doppelzentner.
4. Baden. Die Verwendung von Malzſurrogaten iſt ver⸗
boten; zur Herſtellung von untergärigen Bieren iſt nur die
Verwendung von Gerſtenmalz erlaubt.
Die Steuer beträgt für je 100 kg ungebrochenen oder
gebrochenen Malzes, die einer Brauerei in einem Kalender⸗
jahr ſteuerbar werden,
für die erſten. 250 dz . . 15,00 M.
„ „ folgenden 1250 „ .. 17,50 „
„ „ 1500 „ . . 20,00 „
„ „ 1 2000 „ . . 21,00
8 „ 22,00 „
Für die vor dem 1. Auguſt 1909 betriebsfähig herge⸗
richteten Brauereien wird, ſofern in ihnen im Durchſchnitt der
326 Beſteuerung der Bierfabrikatlon.
Jahre 1907, 1908 und 1909 nicht mehr als 150 dz Malz
ſteuerbar geworden ſind, die Steuer von den erſten 150 dz
auf 13 Mark für den Doppelzentner ermäßigt.
Die Vergünſtigung erliſcht natürlich dauernd mit dem
Ablauf des Jahres, in dem in der Brauerei mehr als
150 dz ſteuerbar werden.
5. Elſaß⸗Lothringen. Die Verwendung von Malzſurro⸗
gaten iſt verboten.
Die Beſteuerung iſt Malzgewichtsſteuer und geſchieht
die Erhebung durch automatiſche Wagen.
Der Steuerſatz beträgt
für die erſten. 250 dz . . 15 M.
„ „a folgenden 1250 „ . 17 „
3 5 1500 „ . . 19 „
N 3 2000 „ . . 21 „
„ den Reſ l 23 „
Großbritannien und Irland.
Die Steuer, Würzeſteuer, wird nach dem Volumen
und ſpezifiſchen Gewicht der Würze unter Berückſichtigung
des tatſächlichen Ausbeuteverhältniſſes des Malzes, bzw. des
ſonſtigen Materialverbrauchs der betreffenden Brauerei er⸗
hoben.
Der Steuerſatz beträgt für das Barrel (163 ½ Liter) Würze
mit einem ſpezifiſchen Gewicht von 1,055 7 Schilling 9 Pence
(ungefähr 7,75 Mark).
Frankreich.
Die Beſteuerung iſt Würzeſteuer. Dieſe beträgt für
jeden Hektolitergrad 25 Centimes (100 Centimes = 1 Franc
— 0,80 Mark). Außer der Fabrikationsſteuer aber hat jede
gewerbliche Brauerei noch eine jährliche Lizenzgebühr zu ent⸗
richten.
Befteuerung der Bierfabrifation. 327
Belgien.
Das Beſteuerungsſyſtem iſt Malzgewichtsſteuer.
Für 100 kg Malzſchrot ſind 10 Francs zu zahlen.
Niederlande.
Das Beſteuerungsſyſtem iſt dasſelbe wie in Belgien. Ent⸗
weder muß für den Hektoliter Rauminhalt des Maiſchbottichs
1 fl. holl. W. oder für 100 kg Malz 3,5 fl. bezahlt werden.
Bei Bierausfuhr werden an Steuer für einen Hektoliter
Bier rückvergütet: bei ſchweren Bieren (über 14% B.)
1 fl., bei allen anderen leichteren Bieren 62,2 Cents.
Schweden.
Die Beſteuerung iſt Malzgewichtsſteuer. Die Erhe⸗
bung geſchieht durch ſelbſttätig regiſtrierende Wägeapparate.
Der Steuerſatz beträgt pro Kilogramm
für die erſten 100 000 kg. . 17 Ore
„ „ nächſten 100000 „ .. 20 „
„ den Reit... t. 23 „
(10 Ore = 1 Krone = 1,12 Mark).
Die Bereitung von Dünnbler mit weniger als 6% Stamm⸗
würze iſt ſteuerfrei. Die Verwendung von Surrogaten bei
ſteuerpflichtigen Bieren iſt verboten.
Norwegen.
Die Beſteuerung iſt Gerſtengewichtsſteuer. Der
Steuerſatz beträgt für ein Kilogramm eingeweichte Gerſte
37,1 Ore. Das Verwiegen der Gerſte geſchieht bevor ſie in
die unter ſteueramtlichem Verſchluß befindlichen Weichen gelangt.
Malzſurrogate dürfen nicht verwendet werden.
Rußland.
Das Steuerſyſtem iſt Malzgewichtsſteuer. Dieſe wird
nach der Ausbeute berechnet und iſt geſtaffelt.
328 Beſteuerung der Blerfabrifation.
Pro Pud Malz beträgt die Steuer 1 Rubel 37 Kopeken
bis 2 Rubel. (1 Rubel = 100 Kopeken = 2,16 Mark.)
Neben dieſer Malzſteuer iſt noch eine Patentſteuer zu entrichten.
Die Verwendung von Surrogaten iſt verboten.
Schweiz.
In der Schweiz iſt keine ſtaatliche Steuer zu entrichten.
Oſterreich⸗Ungarn.
Die Steuer ſetzt ſich in Oſterreich⸗Ungarn zuſammen aus:
Fabrikationsſteuer, Kommunalzuſchlägen und Landesumlagen.
Die Produktionsſteuer wird in Oſterreich⸗Ungarn ent⸗
ſprechend den in einem Hektoliter Bierwürze enthaltenen Ex⸗
traktprozenten erhoben und beträgt 34 Heller pro Hektoliter⸗
grad, wobei kleineren Brauereien, die jährlich
bis 2000 hl Bierwürze erzeugen 15%
2000 „ 5000 „ = 1 10 %
5000 „ 15000 „ 6 1 5%
Steuernachlaß gewährt wird.
Die Kommunalzuſchläge betragen in Oſterreich in
den für Verzehrungsſteuereinhebung als geſchloſſen erklärten
Städten Brünn, Graz, Laibach, Lemberg, Linz und Prag
14 Heller pro Hektolitergrad, in Wien und Prag 3 Kronen
60 Heller pro Hektoliter Würze.
Die Linienverzehrungsſteuer für das in dieſe Städte ein⸗
geführte Bier beträgt in den erſtgenannten Städten 1 Krone
68 Heller, in Wien und Prag 4 Kronen pro Hektoliter, in
anderen Gemeinden betragen die Kommunalzuſchläge 2 bis
3,40 Kronen.
Die Landesbierauflage beträgt in Böhmen, Steier⸗
mark, Mähren, Kärnten, Ober⸗ und Niederöſterreich 1,70 Kro⸗
nen, in Graz 2 Kronen.
In Ungarn beträgt die Produktionsſteuer, genau wie in
Oſterreich 34 Heller pro Hektolitergrad, dazu kommt noch ein
ſtaatlicher Steuerzuſchlag von 80 Heller pro Hektolitergrad.
Befteuerung der Bterfabrikatlon. 329
Für das vom Ausland eingeführte und verzollte Bier
werden auch die kommunalen und ſtaatlichen Zuſchläge erhoben.
Auf Antrag wird Brauereien, bzw. Exporteuren bei Aus⸗
fuhr von Bier ins Zollausland die Steuer rückvergütet.
Vereinigte Staaten von Nordamerika.
Die Steuer beſteht in einer Fabrikatſteuer. Die Steuer⸗
entrichtung erfolgt mittels Steuermarke.
Für jedes Barrel iſt ein Dollar an Steuer zu zahlen.
(1 Dollar = 4,20 Mark.) Außerdem iſt von den Brauereien
eine jährliche Lizenzgebühr von 50 und 100 Dollar je nach
der Größe der Brauerei zu entrichten.
330 Umrechnung.
Tabelle
zur Umwandlung von Temperaturen der 100 teiligen
Celſiusſkala in ſolche der 80teiligen Reaumurſkala.
g EIKIENKRENEN x
0,8 20,8 40,8 60,8
1,6 % 21,6 . 41,6 77 61,6
2,4 ı 28 | 22,4 53 | 42,4 78 | 62,4
3,2 || 29 23.2 54 | 43,2 79 | 63,2
44,0 80 | 64,0
4,8 | 31 | 24,8 56 | 44,8 | 81 | 64,8
5,6 | 32 | 25,6 | 57 | 45,6 | 82 | 65,6
6,4 | 33 | 26,4 58 | 46,4 || 83 | 66,4
7,2 | 34 27,2 59 47.2 84 | 67,2
10 | 80 || 35 | 28,0 60 | 48,0 85 | 68,0
11 8,8 | 36 | 28,8 61 | 48,8 86 | 68,8
12 | 9,6 | 37 | 29,6 62 | 49,6 || 87 | 69,6
SO IT 0 N m
*
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0
O
t
r
©
or
or
13 | 10,4 || 38 | 30,4 63 | 50,4 88 | 70,4
14 | 11,2 | 39 | 31,2 64 | 51,2 89 | 71,2
15 | 12,0 || 40 | 32,0 65 | 52,0 90 | 72,0
16 | 12,8 41 | 32,8 66 | 52,8 91 | 72,8
17 | 13,6 | 42 | 33,6 67 | 53,6 92 | 73,6
18 14.4 43 | 34,4 68 | 54,4 | 93 | 74,4
19 | 15,2 | 44 | 35,2 69 | 55,2 94 | 75,2
20 | 16,0 45 | 36,0 70 | 56,0 95 | 76,0
21 | 16,8 46 | 36,8 71 | 56,8 96 | 76,8
22 | 17,6 47 | 37,6 72 57.6 97 | 77,6
23 | 18,4 || 48 | 38,4 73 | 58,4 || 98-| 78,4
24 | 19,2 49 | 39,2 74 | 59,2 99 | 79,2
20,0
25 20,0 50 40,0 75 | 60.0 || 100 | 80,0
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50. Böyft. Gollert.) 6. Aufl. 164 Abb. 1908.
weine Geſchichte der. (E. Gerland. 7721 Abd.
. Nenſch. (Fr. Scholz.) 58 ao
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Plantmetrie. (Kiedel.) 190 Abb. 1900. 4. 7
Boden |. Infekttonskrankheiten.
Vor dentſche. (Joh. Minckwitz.) 8. 2h
Berlag von J. J. Weber i Leipzig.
ellan- 18 Glasmalerei. (R. Ulke.)
7 Abb. 3.—
ektionslehre. 3. Aufl. 155 Non.
1 75 n leber (Hoch) ufl. 38
Pier a 0 92. uf, 2225 ER
3 er chnologie.
440 wor. 1755 Bi nahe 105 Abb.
naumberenmune. (C. 1. 4. Luft.
nech 9 Acithm etil.
Rechnen, kaufm. (R. Stern.) 1904. 5.—.
TE (Benedtr-&endel,) 7. Aufl.
gg ar gi u. Leiſt.) 2. Aufl. 1908. 4.—.
as Deutſche. (Zeller⸗Sala.) 3. Aufl.
2 Bände. 1909. 8.—.
a 7 (K. Brüd.) 5. Aufl. 76 ae
ee bie. Gicht. unge.) 1901. —.
Rheumatismus t, ge
Nitter- und enge (M. Gri Sk
760 Abb. 1893. „Pergamentbd.
Rodelſport ſ. Winterfport.
Nofen und Sommerblumen.“ (W. Miltze.)
160 teils farb. Abb. 1910. 10.—.
u 8 0 (D. Guſti.) 66 Pie
le ſ. Kindergarten. Lawn⸗Tennis.
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Dort, een, 2 er Stoß⸗
5 Turnkunſt und Winterſport.
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utzmann. Ab
che ſ. Wörterbuch,
1.50. 8 iii sth,
Sn fm, © ben.
tatik. (W. La ne)" Abb. nn. 4.—
S ( 9 3. Aufl. 1900. 8.—
Stereometrie. (R. Schurig u. E. Nice
159 Abb. 1898.
Stile ſ. Bauſtile u. Ornam
Stiliſrit |. Wie e ich lie deutſch?
nn Oymnaſtik der. (D. Guttmann.)
7. Aufl. 26 Abb. 1908. 1 20
chule. 27 Abb. 1907. 1.50. Stottern Sprache und Saaler
ace Vorfahr. der. (A. * Straßenbau ſ. Erd» u. Str l
Marſhall.) 40 träucher ſ. Blütenſtauden
r N Porttus⸗ von bande kunſt. (Klemm Eng
13. Aufl. 191 93 Abb. u. zahlr. Agi 1910. 3.50.
Scharlach |. Snfeitionstranfgeiten, — ſ. auch Aſthetiſche Bildung.
Schattenkonſtruktion ſ. Perſpektive. W chem. (P. ng u. M. Horn.)
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Sozialismus. (Haushofer.) 1896. 3.—.
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Aiersfeld -Balleftrem.) 5. Aufl. 1912.
— . auch Aſthetiſche Bildung uw.
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